#Link11: Samba aus Greifswald

Deutschland 7, Brasilien 1. Was nach reiner Zahlenspielerei aussieht, wurde gestern Abend zur Realität. Jogis Jungs, angeführt von einem überragenden Toni Kroos, stürmte ins WM-Finale. Ein Abend, den nicht nur Fans der DFB-Elf sicherlich so schnell nicht vergessen werden. Der 8. Juli, er könnte zu einem „Wo warst du damals, als…“-Tag werden. Der 8. Juli, als ein Kerl aus Greifswald brasilianischer war als die Brasilianer selber.

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1. „Ein Sieg für die Geschichtsbücher“ titelt die Frankfurter Rundschau zurecht. Aber nicht nur wegen des deutschen 7:1-Kantersiegs: Miroslav Klose krönt seine Rekordjagd mit dem 16. WM-Tor seiner Karriere (t-online.de), Thomas Müllers 1:0 war dagegen der 2000. Länderspieltreffer der DFB-Auswahl (focus.de). Joachim Löw mahnt nach dem ersten Finaleinzug seit 2002 zur Demut (via dfb.de), auch der überragende Toni Kroos beruhigt die erhitzten Gemüter: „Weltmeister wird man nicht im Halbfinale“, so der Doppeltorschütze (ZDFSport). Nach dem Verpassen des Spiels um Platz drei ist Mutti der Libero schockiert. „Böse vercoacht“ lautet das Urteil.

2. Weitere Rekorde: Das ZDF darf sich beim Halbfinalduell der zwei Fußball-Giganten über einen Allzeit-Quotenrekord freuen (FAZ). Auch auf Twitter generierte die Partie ein großes Interesse: 35,6 Millionen Tweets bedeuten laut Sport1 Rekord für ein Sportereignis. Das Netz sorgte auch für sprachliche wie visuelle Highlights – einige davon seht ihr bei ZDFSport. Die ersten fünf Treffer der Deutschen in einem Bild gibt’s via Twitter.

3. Während in Fußball-Deutschland Hochstimmung herrscht, ist das Entsetzen in Brasilien nach dem Debakel groß (Berliner Zeitung). A Football Report sieht Geschichte, die sich wiederholt – und macht den Brasilianer Mut angesichts einer Niederlage, die das Maracanazo noch toppen dürfte. Luiz Felipe Scolari, Trainer der Seleção, nimmt die Schuld für das desaströse Ausscheiden auf sich (SpOn). In vielen Städten kam es nach dem Aus zu Ausschreitungen (11Freunde). Die WELT berichtet von den Reaktionen aus Rio de Janeiro, eine schöne Bildergalerie von einem Fanfest aus Rio hat Brafus 2014.

4. Weitere Reaktionen: Die internationale Presse überschlägt sich mit Lob für die deutsche Elf (Sportschau). Der Fehlpass-WM-Podcast spricht knapp 38 Minuten über die 90 Minuten von gestern Abend, 7 Dinge über 8 Tore gibts bei Zum Blonden Engel. Ein „surreales Fußballspiel auf allerallerhöchstem Niveau“ sah Trainer Baade, ein Abend, der sich eingebrannt hat, konstatiert Torsten Wieland auf seinem Königsblog.

5. Die Analysen: „Es wurde Geschichte geschrieben“ beschreibt Gegen den Ball das Unbeschreibliche – und gibt Toni Kroos die Bestnote. Keine Antwort auf dessen Spielkontrolle hatten die Brasilianer, analysiert Zonal Marking-Mastermind Michael Cox für den Guardian. „Taktisch hervorragend eingestellt“, „überragend gegen den Ball“, „konterte sehr fokussiert“ – spielverlagerung.de stellt der Elf von Joachim Löw nicht überraschend ein fabelhaftes Zeugnis aus. „Deutschland nützte die Schwächen konsequent aus“, attestiert ballverliebt.eu.

6. „How Germany Pulled Off Its Football Renaissance“ – wie sich die DFB-Auswahl vom typisch deutschen Stereotyp des mechanischen, seelenlosen Arbeiters zu dieser Elf, die „wie Brasilianer“ spielen (O-Ton Scolari), wurden, erklärt yahoo.com in ihrem langen Text.

7. Neben all dem Jubel über den Finaleinzug nicht zu vergessen: Heute wird in der Partie zwischen Argentinien und den Niederlanden der Endspiel-Gegner gesucht. Im Fokus stehen vor diesem Duell natürlich die Topstars Arjen Robben und Lionel Messi (Sportschau). Einen klaren Favoriten sieht Gegen den Ball-Autor Michel Massing in seiner Prognose für BettingExpert. Die NZZ berichtet über Argentiniens Trainer Alejandro Sabella, der von seiner Öffentlichkeitswirkung geradezu der Gegenpart zu Bondscoach Louis van Gaal scheint.

8. Die Enthüllung, die keine war: Alex Feuerherdt schreibt für Collinas Erben über die FIFA-Anweisung, möglichst spät die erste Gelbe Karte zu zeigen.

9. Über den Ticket-Skandal, der mitten rein ins Herz der FIFA-Familie reicht, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Dass Philippe Blatter, Neffe des FIFA-Patriarchen Joseph Joseph Blatter und CEO des Sportmarketing-Unternehmens Infront, eine Position bei Match Hospitality bekleidet, dementiert Infront (ran.de).

10. Internationaler Fußball: Adidas bietet Manchester United offenbar 100 Millionen Dollar per anno und scheint damit den Konkurrenten Nike aus dem Feld zu schlagen (businessweek.com). CavanisFriseure analysieren die Situationen im französischen Fußball – AlJazeera hält dort ebenso wie Canal+  Rechte für Übertragungen der Ligue1.

11. Fankurve: Die Kölner Polizei erklärt die Umgebung des Müngersdorfer Stadions sowie das Stadion selbst zu einem „gefährlichen Ort“ und kann dort quasi nach Belieben Ausweiskontrollen und Durchsuchungen durchführen (Faszination Fankurve). Das Online-Fanzine effzeh.com hält das für eine „gefährliche Idee“, die nicht sonderlich zum Verständnis zwischen Ordnungskräften und Fußballfans beiträgt.

 

Meist geklickter Link gestern:

Die internationale Wahrnehmung der deutschen Nationalmannschaft hat Euch vor dem Halbfinalduell offenbar sehr interessiert. (FAZ)

Field Reporter

„Und jetzt darf der Opa ran!“

Thomas Müller beendet das Interview nach dem Spiel mit Stil und leitet geschickt zu Team-Oldie Miroslav Klose über (via ZDFSport)

Mixed Zone: +++ Keine Freigabe: Max Meyer wird von Schalke 04 nicht zur U19-EM gelassen (derwesten.de) +++ Kein Verständnis: Der 140+-Blog schüttelt über den Rückennummern-Streit beim Hamburger SV den Kopf +++ Kein Assistent: DFB dementiert Meldungen über eine Verpflichtung von Thomas Tuchel als neuen Co für Bundestrainer Joachim Löw (Berliner Zeitung) +++ Keine Realität: Ein Studio zeigt die animierte Anatomie eines Fußballspielers (via itsnicethat.com) +++

Rausschmeißer:

Die BBC scheint ihren Zuschauern nicht zuzutrauen, das gestrige Ergebnis korrekt zu erfassen und hilft graphisch nach (via twitter.com/simond)

Collinas Erben: Kein Geheimnis

Vor den Halbfinalspielen der Weltmeisterschaft in Brasilien gibt es eine Menge Aufregung um etwas, das am Montag von einer großen deutschen Boulevardzeitung als »geheime FIFA-Anordnung an die Schiedsrichter« verkauft und später von anderen Medien gar als »Geheimplan« bezeichnet wurde. Gemeint ist eine nicht-öffentliche Direktive der Schiedsrichter-Kommission des Weltfußballverbands, nach der die Unparteiischen bei der WM in ihren Spielen so lange wie möglich mit der ersten Gelben Karte warten und auf Vergehen im Zweifels- respektive Grenzfall mit einer Ermahnung reagieren sollen. Nachdem der brasilianische Starspieler Neymar im Viertelfinale durch ein Foul des Kolumbianers Juan Zúñiga schwer verletzt worden war, gaben unter anderem der Ex-Profi Mehmet Scholl (»Das kommt dabei raus, wenn die Schiedsrichter nicht die Vorgabe haben, brutale Fouls zu stoppen«), der frühere FIFA-Schiedsrichter Urs Meier (»Die FIFA hat mitzuverantworten, dass Neymar ausfällt; die Messlatte für Gelbe Karten ist viel zu hoch«) und das erwähnte Boulevardblatt (»Die Anordnung führt in letzter Konsequenz zu Fouls wie im Fall Neymar«) der FIFA eine Mitschuld an dieser Verletzung.

Die Empörung ist also groß, dabei ist es an der Zeit, die Debatte zu versachlichen. Zunächst einmal ist der vermeintliche Geheimplan nichts, was erst gestern durch die besagte Zeitung »enthüllt« worden wäre. Das Projekt »The 3rd Team« – ein internationales, englischsprachiges Webportal von und für Referees, das regelmäßig exzellente Fachanalysen publiziert, beste Kontakte zu FIFA-Schiedsrichtern unterhält und über Informationen aus erster Hand verfügt – hatte bereits am 18. Juni auf die Direktive hingewiesen und sie kritisch kommentiert. Auch wir haben sie in unserem Podcast, bei DRadio Wissen, bei n-tv und auf Twitter frühzeitig und mehrmals thematisiert. Hinzu kamen faktische Bestätigungen durch die deutschen Schiedsrichter-Funktionäre Herbert Fandel und Hellmut Krug in verschiedenen Interviews. Doch selbst, wenn die Existenz dieser Richtlinie für die Unparteiischen nicht bekannt (geworden) wäre: Wenn nahezu alle 25 Referees beim wichtigsten Fußballturnier der Welt Übertretungen der Regeln, für die es zuvor immer Gelbe Karten gegeben hat, nicht mit einer Verwarnung ahnden – genannt seien vor allem taktische Fouls und »Schwalben« –, scheidet auf diesem Niveau der Zufall als Grund schlichtweg aus. Hier handelt es sich vielmehr um eine Regelauslegung, die nur von der Schiedsrichter-Kommission der FIFA vorgegeben worden sein kann.

Derartige Anweisungen an die Schiedsrichter sind auch gar nichts Ungewöhnliches, ganz im Gegenteil. Die Referees sind vor dem Turnier zweimal von der FIFA zu mehrtägigen Lehrgängen zusammengezogen worden, und auf solchen Lehrgängen wird nicht nur die körperliche und regeltechnische Fitness festgestellt. Es geht dabei auch und nicht zuletzt darum, den Spielleitern und ihren Assistenten – im Sinne einer möglichst einheitlichen Linie – mit auf den Weg zu geben, worauf sie besonders achten und bei welchen Geschehnissen sie eher großzügig sein sollen. Auch die Bundesliga-Schiedsrichter kommen regelmäßig zu Treffen zusammen und werden dort von der Schiedsrichter-Kommission des DFB instruiert. Im Unterschied zur FIFA äußert sich der DFB allerdings öffentlich dazu, was er von seinen Unparteiischen verlangt. Insbesondere vor dem Beginn einer Saison liest man regelmäßig Interviews beispielsweise mit dem Schiri-Chef Herbert Fandel, der deutlich macht, dass die Referees künftig etwa Ellbogeneinsätze im Luftkampf, »offene Sohlen« oder Handspiele mit besonderer Konsequenz ahnden sollen.

Dass die FIFA und der Vorsitzende ihrer Schiedsrichter-Kommission, der Schweizer Massimo Busacca, diesbezüglich deutlich weniger Transparenz walten lassen, gehört zu den Ärgernissen dieses Turniers. Die erwähnte Direktive ist zwar nicht im eigentlichen Sinne geheim, weil man ihre Umsetzung in fast jedem Spiel beobachten kann. Aber dadurch, dass sie der Öffentlichkeit nicht vorgestellt und erläutert wurde, hat sich nun ohne Not ein riesengroßer Raum für Spekulationen aufgetan, nicht nur im Boulevard. »Die ohnehin enormen Emotionen werden weiter aufgeheizt, auf Rasen, Rängen und vor den Fernsehern«, schreibt beispielsweise Thomas Kistner in der Süddeutschen Zeitung. »Denn was mit so einer Fußball-WM wirklich verkauft wird, wenn der halbe Planet zuschaut und sich Einschaltquoten der 100-Prozent-Marke annähern, ist ja nicht Fußball. Sondern: Emotion.« Außerdem profitiere der Gastgeber Brasilien – trotz des Ausfalls von Neymar – mit seiner »taktischen Foulerei« in besonderem Maße von der Nachsichtigkeit der Unparteiischen. Es bestätige sich, so Kistner, »was vor dieser WM wie vor jeder WM zu befürchten war: dass es ein wenig Anschubhilfe geben könnte«, weil »der Verbleib des Gastgebers im Turnier nun mal der Kernfaktor für Stimmung und Vermarktungschancen der Party ist«.

Eine Art »Lex Brasilien« also? Natürlich wurde das von FIFA-Direktor Walter de Gregorio umgehend dementiert: »Nur die Idee, dass es einen Geheimplan geben könnte, ist absurd. Man muss nur den gesunden Menschenverstand walten lassen und sich fragen, was das bringen soll. Wir sind dafür da, die Spieler zu schützen. Was für ein Interesse sollten wir haben, für mehr Spektakel die Verletzung von Spielern zu riskieren? Wir alle wollen Neymar spielen sehen.« Was aber könnte Massimo Busacca dann bewogen haben? Womöglich wollte er sich, wie der Boulevard mutmaßt, »nach dem Turnier für eine WM mit möglichst wenigen Gelben Karten feiern lassen«. In jedem Fall sei die Situation für die FIFA nicht einfach, resümiert Christian Spiller auf Zeit Online: »Lässt sie und ihre Schiedsrichter zu viel durchgehen, bekommen die Stars pro Turnier viele, viele Tritte ab. […] Die entscheidenden Spiele ohne die entscheidenden Akteure, das kann auch der spektakelsüchtigen FIFA nicht gefallen. Greifen die Unparteiischen jedoch zu hart durch, setzt sich der Weltverband dem Vorwurf aus, er würde seine Posterboys, die ihm das Geld verdienen, meist sind das Offensive, besonders schützen und bevorzugt behandeln. Dann würden die Abwehrspieler protestieren und fragen, wieso jeder harte Defensivzweikampf sofort unter Generalverdacht stehe, während die Künstler machen können, was sie wollen.« Ein Dilemma also.

Spiller weist zudem mit Recht darauf hin, dass von einer »Treter-Weltmeisterschaft« keine Rede sein könne und dass das Foul an Neymar nicht »mit den Brutalitäten und Tätlichkeiten dieser WM in eine Reihe zu stellen« sei, etwa mit dem Biss von Luis Suárez oder dem Ellbogenschlag das Franzosen Mamadou Sakho. Der Kolumbianer Juan Zúñiga habe »in dem folgenschweren Zweikampf nur auf den Ball« geschaut, so Spiller weiter, »seine Aktion wirkte eher ungeschickt als vorsätzlich«. In der Tat deutete in dieser Szene – zumal, wenn man sie in der Realgeschwindigkeit betrachtet – nichts auf ein gesundheitsgefährdendes Foulspiel hin. Es handelte sich regeltechnisch um ein Anspringen, und wenn man bedenkt, dass die Regeln hinsichtlich der Strafzumessung zwischen fahrlässig (keine Karte), rücksichtlos (Gelbe Karte) und brutal (Rote Karte) unterscheiden, kann man Zúñigas Einsteigen guten Gewissens zwischen der ersten und der zweiten Kategorie einordnen. Dass Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo mit seiner allzu nachsichtigen Disziplinarkontrolle – die durch die FIFA-Direktive zwar begünstigt wurde, aber keineswegs nur auf sie zurückzuführen ist – zum Rekordwert von 54 Fouls beitrug, ist gleichwohl unstrittig.

Ungeachtet der Frage, was sich die FIFA-Schiedsrichter-Kommission davon versprochen haben mag, ihre Unparteiischen auf eine äußerst zurückhaltende Linie bei den Gelben Karten einzuschwören, bleibt zweierlei festzuhalten: Zum einen, dass es nicht sinnvoll war und ist – schon gar nicht vor einer Weltmeisterschaft –, mit dem bewährten Grundsatz zu brechen, dass eine Verwarnung vor allem rechtzeitig erfolgen muss, das heißt: so früh wie nötig und so spät wie möglich. Der richtige Einstieg in die persönlichen Strafen ist für jeden Referee in allen Klassen unerlässlich, sowohl hinsichtlich des Zeitpunkts als auch in Bezug auf das Vergehen. Zum anderen, dass sich die Schiedsrichter bei dieser WM angesichts der Hypothek, die ihnen auferlegt worden ist, weit besser geschlagen haben, als große Teile der Öffentlichkeit finden. Ausreißer nach unten gab es nicht häufiger als bei früheren Weltmeisterschaften. Auch das ist, übrigens, kein Geheimnis.

Lesetipp: »Schirichefschelte« von Heinz Kamke, veröffentlicht auf dessen Weblog »Angedacht«.

#Link11: Halbfinale

Noch vier Spiele, drei davon entscheidend für den Titel, noch mindestens 360, höchstens 480 Minuten Fußball, noch mindestens achtmal Anstoß und 88-mal Arme verschränken. Noch fünfmal schlafen bis zum Finale, noch wenige Stunden bis Deutschland–Brasilien. Noch ist alles offen.

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1. Heute abend steht als erstes Halbfinale das Duell Brasilien–Deutschland an. Oliver Fritsch (ZEIT) schaut vor. Thomas Hummel verarbeitet die letzten Eindrücke aus beiden Lagern in der SZ. Christian Kamp (FAZ) betrachtet in seinem Artikel die internationale Wahrnehmung der deutschen Mannschaft. Christoph Kneer analysiert in der SZ die neue Liebe zu Standards. Frédéric Valin sähe die deutsche Mannschaft lieber schön spielen als gewinnen, während Peter Ahrens (Spiegel) in der Verschmelzung beider Ansprüche eine reizvolle Aufgabe für Joachim Löw nach der WM sieht.

2. Im Vorfeld der Partie erfreuen sich manche Spieler besonderer Aufmerksamkeit. Zunächst seien die Abwehrspieler genannt, über deren gesteigerte Bedeutung, insbesondere beim Erzielen von Toren, FAZ und SZ Texte veröffentlicht haben. Zum anderen die Einzelpersonen: Thomas Hummel (SZ) erkennt, dass Mario Götze mit den in ihn gesteckten Erwartungen zu kämpfen habe. Stefan Hermanns (ZEIT) attestiert Bastian Schweinsteiger fehlende Konstanz und Frank Hellmann (Spiegel) blickt auf Dantes Aufstieg zum Startelfkandidaten im WM-Halbfinale zurück.

3. Viererlei zur Berichterstattung rund um die WM: Elke Wittich schreibt im Freitag über die Rolle der Frau im Sportjournalismus, Ivo Bozic hinterfragt in einem offenen Brief die Rolle Deutschlands bei den Öffentlich-Rechtlichen und die RTL2-News liefen im Anschluss an das Halbfinale Deutschland-Frankreich zur Hochform auf (Niggemeier). Früher war also alles besser? Mitnichten! Der Guardian erinnert an den Wandel der Fußballübertragungen seit den 50er-Jahren.

4. Zu den Schiedsrichtern: Gestern erschien einmal mehr eine tagesaktuelle Folge des Schiedsrichterpodcasts »Collinas Erben«. Derweil wurden weitere Gespanne nach Hause geschickt, die FAZ überblickt die verbleibenden 15 Schiedsrichterteams. Walter Eschweiler gab heute morgen im Deutschlandfunk seine Einschätzung zum Turnier bis hierhin ab. Joachim Löw fordert für die verbleibenden Spiele ein härteres Durchgreifen gegen eine letztendlich das Risiko von Verletzungen erhöhende Spielweise (KeirRadnedge.com). Der Mediendirektor Brasiliens wurde für einen tätlichen Angriff auf einen chilenischen Spieler in der Halbzeitpause des Achtelfinals gesperrt (Guardian).

5. Vor den Halbfinals macht sich der Spielverlagerung-Podcast seine Gedanken über die anstehenden Spiele, während Joshua Robinson (Wall Street Journal), unterstützt von Einschätzungen des »Paradiesvogels« Jorge Campos, die Tortwartleistungen des bisherigen Turniers zusammenfasst.

6. Bei Abenteuer Fußball findet sich ein im Zeitraum der WM besonders abseitiger Spielbericht – abseitiger noch wirkt aus heutiger Sicht die BamS-Berichterstattung zur WM in Argentinien 1978 (BildBlog). »Fußball gegen Nazis« fasst die dritte WM-Woche zusammen – insbesondere kam es nach dem Spiel Frankreich–Deutschland in Aachen zu einem Zwischenfall (taz).

7. Die Viertelfinalspiele bieten immer noch Ansatzpunkte für neuen Lesestoff: Bei Spielverlagerung ist eine Analyse des Spiels Niederlande–Costa Rica erschienen, Fusion.net blickt auf die Geschichte des Einwechselns eines neuen Torhüters für ein Elfmeterschießen zurück und Abseits.at untersucht vier interessante Szenen. Der Guardian hat Brasilien–Kolumbien mit Lego nachgespielt.

8. Boston.com hat 34 Fotos von Toren dieser WM zusammengestellt. Kein Tor, trotzdem schön: Lionel Messis Pass gegen Belgien als GIF (Balls.ie). Fotos abseits der Stadien bietet die Reihe »On The Sidelines« (Reuters).

9. Alfredo Di Stéfano ist gestorben. Real Madrid würdigt ihn als größten Spieler in der Geschichte des Vereins (YouTube). Die UEFA hat würdigende Worte verschiedener Personen, Verbände und Zeitungen zusammengestellt. Dirk Gieselmann hat für 11Freunde ein Porträt verfasst.

10. Eine Zusammenstellung online in voller Länge verfügbarer Spiele unter Mitwirkung Di Stefanos hat »It’s On There« erstellt. Rene Maric (Spielverlagerung) widmet ihm eine Spieleranalyse. Ein ausführliches Interview aus dem Jahr 2008 ist bei der SZ abrufbar.

11. Das Verschränken der Arme ist zentraler Bestandteil der vor dem Spiel eingeblendeten Aufstellungen. Slate.com hat sich der zahlreichen Möglichkeiten, diese Bewegung auszuführen, angenommen. Eine Kombination aus Arme-verschränken-GIFs und Begründung dafür liefert der »Random Annoyed Footballer«. Ebenfalls lieb gewonnen: Fans auf der Anzeigetafel – eine Studie. (YouTube)

 

Meist geklickter Link gestern:

Die Auswahl 25 großartiger WM-Fotos im Guardian.

 

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Er ist einer, der alles, was er anpackt, zu können scheint: Er spielt Karten, er spielt Billard, er spielt Volleyball, er hat das, was man Spielintelligenz nennt.

Oliver Bierhoff im FAZ-Interview, hier über Manuel Neuer.

 

Mixed Zone:

Übertriebener Torjubel: Verdiente Gelbe Karte (YouTube, Foto) + + + Neuzugang: Bayern München kauft Juan Bernat (SZ) + + + Operation »Jules Rimet«: Verdächtiger im Ticketskandal festgenommen (FR/sid) + + + Augsburg: wickelt ohne großes Aufsehen zu erregen drei neue Rekordtransfers in vier Tagen ab (kicker) + + + München: Die Arena bekommt mehr Stehplätze (Stadionwelt) + + + Bremen: reiste mit DFL-Fördermitteln nach China, spielte dort aber vor leeren Rängen (Weserkurier) + + + Zurückhaltung: Sepp Blatter taucht bisher kaum auf (FAZ/dpa) + + + Vorfreude: Zur Abwechslung von der Schwüle Brasiliens erinnert Yahoo an Russland 2018 + + + Junioren: DFB veröffentlicht Spielpläne der Jugend-Bundesligen + + + Magdeburg: verkauft Dauerkarten (Nur der FCM) + + + Sky: stellt »Samstag Live« ein (DWDL) + + + Suarez: verliert Werbevertrag (Independent.ie) + + + Premier League: Die stärkste Liga der Welt? (Cavanis Friseur) + + + Der Bockcast: blickt mit potenten Gesprächspartnern auf die bisherige WM zurück + + +

 

#Link11: Neymars Märtyrerverletzung

Die Viertelfinals der Weltmeisterschaft sind vorbei, nun wartet das Halbfinale. Wird Deutschland zum Spielverderber der brasilianischen Gastgeberträume? Die Hausherren greifen nach jedem auch so kurzen Strohhalm.blogundpresseschau

1. Die deutsche Nationalmannschaft hat mit einem 1:0-Sieg gegen Frankreich das Halbfinale erreicht. Die Spielanalyse dazu findet Ihr bei Spielverlagerung. ZEIT ONLINE sah in dem Erfolg eine Rückkehr zum deutschen Ergebnisfußball und einen starken Mats Hummels. Auch die FAZ lobte den Dortmunder Verteidiger und hob ihn zum Führungsspieler. Die SZ porträtierte vor dem Spiel Mats Hummels‘ Mutter, die Sportjournalistin Ulla Holthoff.

2. Die Washington Post hat sich vor dem Viertelfinale zwischen Frankreich und Deutschland damit beschäftigt, wie die Fußball-Nationalteams die Politik beider Nationen beeinflusst hat.

3. Im Halbfinale ist der Gegner der Deutschen Brasilien, das sich im Viertelfinale mit seiner bislang stärksten Turnierleistung Kolumbien mit 2:1 erledigte (Spielverlagerung). Überschattet wurde jedoch der Halbfinaleinzug der Selecao durch die schwere Verletzung ihres Starspielers Neymar. Ex-Schiedsrichter und Fernsehexperte Urs Meier kritisiert in diesem Zusammenhang die Unparteiischen (SZ).

4. Zumindest Brasiliens Nationaltrainer Felipe Scolari hielt sich mit Schuldzuweisungen an den kolumbianischen Verteidiger Juan Zuniga, der Neymar bei einem Foul den Wirbel brach, zurück. Denn er wusste, dass gerade das Spiel seiner Mannschaft auf körperlicher Härte basiert, und er wollte nicht die Schiedsrichter für die restlichen Spiele dafür sensibilisieren. Bastian Schweinsteiger dagegen weist auf versteckte Fouls der Brasilianer hin (SZ).

5. Als dritte Mannschaft zog Argentinien nach einem 1:0-Erfolg gegen Belgien ins Halbfinale ein. Im Viertelfinalduell standen sich mit Martin Demichelis und Daniel van Buyten zwei alte Bayern-Verteidigerhaudegen gegenüber. Wer hätte vor vier Jahren geglaubt, dass die beiden damaligen Unsicherheitsfaktoren in der Münchner Viererkette sich einmal in einem WM-Viertelfinale gegenüber stehen würden? Die SZ analysierte die Leistung der beiden Abwehrspieler.

6. Erst im Elfmeterschießen kam Holland gegen Costa Rica weiter. Bondscoach Louis van Gaal bewies dabei wieder einmal seine goldene Nase, oder wie Arjen Robben sagen würde, „goldenen Pimmel“, indem er zum Shootout den Elfmeterkiller Tim Krul einwechselte. Der Torwart von Newcastle United fiel mit Trash-Talk auf. Mitleid mit den Unterlegenen aus Costa Rica müsse man aber, laut SZ, nicht haben.

7. Die taz beschreibt die Asymmetrie zwischen dem Spiel im Stadion und dessen Liveübertragung im Fernsehen. 11FREUNDE kritisiert die Platzierung der Werbespots in der Übertragung des Viertelfinals zwischen Frankreich und Deutschland. Die Ohren aller Fußballfans und auch aller anderen Menschen, die sich am Sonntag das WM-Finale im deutschen Fernsehen ansehen werden, werden auf Tom Bartels gerichtet sein. Newsroom interviewte den Reporter.

8. Vor den Viertelfinalspielen ließ die FIFA die Mannschaftskapitäne Botschaften gegen Rassismus verlesen, sie selbst tut aber nicht viel dagegen (FAZ). Über Rassismus in deutschen Stadien berichtet eine ARD-Dokumentation.

9. Der Guardian hat die 25 besten Bilder der WM-Geschichte gekürt.

10. SPIEGEL ONLINE berichtet über Problemen zwischen WM-Besuchern und der heimischen Polizei. Das Nachrichtenmagazin weiß aus eigener Erfahrung zu berichten. Denn ihr Starreporter Cordt Schnibben wurde bei einem privaten Besuch der WM Opfer eines Überfalls und konnte nicht auf allzu große Hilfe der brasilianischen Polizisten zählen.

11. Dr. Johannes John erklärt, dass Fußball mittlerweile Identität für die ganze Gesellschaft stiftet (DeutschlandRadio).

 

Field Reporter

Vielleicht kann diese Situation für uns eine Revolution sein. Lasst uns den Pokal für Neymar gewinnen.

Brasiliens Nationalmannschaftskapitän Thiago Silva erklärt Neymar zum Märtyrer.

 

Mixed Zone: David Vestergaard: Spaß unter Hoffenheimer Teamkollegen (Twitter)  + + + Zahltag: In Bremen soll die DFL für Polizeieinsätze zahlen (Radio Bremen) + + + Verpasste Chance: Wie James Rodriguez fast in Birmingham gelandet wäre (Mirror) + + + Legende I: Wolfgang Weber über seine Karriere (WDR5) + + + Legende II: Kalli Feldkamp über seine Karriere (WDR5) + + + Kurzer Strohhalm I: Brasilien träumt von Wunderheilung Neymars (FAZ) + + + Kurzer Strohhalm II: Brasilien legt Protest gegen die Sperre von Thiago Silva ein (FAZ) + + + Freistoßspray-Premiere in Deutschland: Im mittelsächsischen Verbandspokalfinale benutzt Schiedsrichter Freistoßspray (FAZ) + + +

 

#Link11: Viertelfinale

Viertelfinale steht an. Das hier ist das Vorher.

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1. Was sind denn eigenlich die Taktiktrends bei dieser WM? Daniel Montazeri (Spiegel) beschreibt erfolgreiche Strategien bei der WM 2014. Helmut Krähe (Welt) meint, dass die Globalisierung den Fußball spannender gemacht hat. Für den DFB ist unter anderem Christian Wück vor Ort, um die WM zu untersuchen und spricht im bei DFB-TV über die Trends des Turniers.

2. Vier europäische und vie südamerikanische Teilnehmer dürfen heute und morgen das Viertelfinale bestreiten. Phil McNulty (BBC) blickt in die WM-Historie und sucht einen Favoriten.

3. Vor dem Spiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen die französische Auswahl steht die Taktik und die Auftstellung des DFB-Teams im Mittelpunkt der Diskussionen. New Republic erwartet ein spannendes Aufeinandertreffen der beiden „komplettesten Teams“ bei dieser WM. Raphael Buschmann und Peter Ahrens (Spiegel) beobachten eine Abkehr vom schönen Spiel und damit einen Wechsel der Philosophie von Joachim Löw. Christian Kamp (FAZ) sieht keine Sturheit bei Löw. Die Zeit-Redakteure Cathrin Gilbert und trafen den Bundestrainer zum Interview. Michael Rosentritt (Tagesspiegel) sprach mit Thomas Müller über Per Mertesacker und unrealistische Erwartungen. Jan Knötzsch (Querpass Blog) greift Aussagen Löws auf und kritisiert ihn für seine Personalpolitik. Auch Markus Bark (sportschau) kritisiert Löws verpasste Umstellungen:

Fehlerhaftes Spiel und fragwürdige Aufstellungen aber als Teil eines Plans verkaufen zu wollen, führt zu weit. Wer gewinnt, macht nicht alles richtig. Wer verliert, nicht alles falsch. Vielleicht macht er sogar fast alles richtig und der Gegner alles.

Stefan Hermanns (11 Freunde) beschreibt das „Deutsche Problem“: Den Ballbesitz.

4. Im zweiten Spiel des Viertelfinales spielt Gastgeber Brasilien gegen Kolumbien. Andrew Das (New York Times) hat beobachtet, dass die brasilianischen Fans seit dem Spiel gegen Chile Zweifel haben, ob die Seleção gegen den Nachbarn bestehen kann. Frank Hellmann (FR) schreibt über Kolumbiens Trainer José Pekerman, der in Kolumbien verehrt und gefeiert wird – was nach dem Ausscheiden mit Argentinien bei der WM 2006 und anfänglicher Kritik nach Antritt des Traineramtes nicht zu erwarten war.

5. Statistisch gesehen müssten Deutschland und Brasilien heute ihre Spiele erfolgreich bestreiten. (infostrada live) Andere Statistiken sagen, dass für Deutschland heute Schluss ist. (Google Cloud Platform) Die unterhaltsamsten Prognosen schreibt aber Zum Blonden Engel.

6. Felipe Araujo (ZDF heute) über wenige dunkelhäutige Zuschauer in den WM Stadien und wieder aufkeimende tief verwurzelte Vorurteile in Brasilien.

7. Zu den Achtelfinalspielen gab es Aufregung weil FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke sich über zu viele betrunkene Fans in den Stadien echauffierte. Ein Eigentor. Denn die FIFA hatte vor der WM extra wieder Bier in den Stadien erlaubt, um einem Sponsor den Ausschank in den Stadien zu ermöglichen. (Zeit)

8. Auch abseits der WM-Stadien wird berichtet. David Klaubert (FAZ) war auf brasilianischen Bolzplätzen. Astrid Kusser (spex) berichtet über die Proteste gegen die Regierung und die FIFA. Ian Herbert (Independent) zeigt wie gefährlich TV-Konsum zur WM in Brasilien für Bewohner von Favelas sein kann. Brafus über ein Leben in der Zwischenschicht. (Mit Gitarrensolo!)  Michael Schröder zeigt unter anderem Impressionen uas seinem Hotel. Philipp Lichterbeck (11 Freunde) über die Vetreibung von Bewohnern durch Mietpreisexplosionen im Zuge der WM. ecke:sócrates war zu Besuch in einer Schule in Porto Alegre und fragte: „Wie denkt die Generation über die WM, die mit ihrem Vermächtnis leben muss?“

9. In den 90ern kollabierte die Liga Malaysias aufgrund illegaler Spielabsprachen Dasselbe kann nun in Hong Kong passieren. Schon das zweite Team – von insgesamt 12 – wurde wegen Matchfixing aus der Liga geschmissen. (South China Moring Post)

10. Bremen nach Informationen von Radio Bremen als erstes Bundesland beantragt, dass Fußballvereine ab der kommenden Saison für Polizeieinsätze im Rahmen von Fußballspielen bezahlen sollen. (Bildauswahl und Bildunterschrift sorgten beim Autoren dieser Zeilen für resignatives Kopfschütteln.)

11. Wie oft nutzen facebook-Nutzer eigentlich ein „o“, um ein Tor ihrer Nationalmannschaft zu feiern? (Quartz)

Meist geklickter Link gestern: 

 Die neue Folge von Collinas Erben.

Field Reporter

„Wenn du Mesut auf dem Platz siehst und dich dann nicht in ihn verliebst, hast du keine Ahnung von Fußball.“

Arsène Wenger über „Integrationsverweigerer“ (taz) Mesut Özil.

Mixed Zone:

Kampagne: Britische NGO „Action for Brazil’s Children Trust“ macht auf die Situation von brasilianischen Straßenkindern aufmerksam. (vimeo)  + + + Transfer: Radtke zu Manchester City. + + + Rückblick ohne Zorn: Die NZZ verlangt Respekt für die Auftritte der Nati. + + + Fankultur: Der Spiegel bei facebook in zwei Minuten über die Entwicklung der Fankultur in Deutschland. Tolle Bildauswahl. + + + Dankeschön: Der Supporters Club bedankt sich für das Engagement der Chosen Few, die beschlossen haben, nicht mehr die Profimannschaft des HSV zu unterstützen. + + + Ungewiss: Das finance Magazin über den schmalen Grat auf dem sich der HSV finanziell bewegt und die unergründlichen Pläne von Investor Kühne. + + + Kasse: der kicker zeigt wie deutsche Vereine von den Abstellungen ihrer Spieler zur WM profitieren. + + + Singen oder nicht singen: 45 Minuten wurde bei Phoenix die Intonation der Nationalhymne bei Länderspielen diskutiert. (YouTube) + + + Vergleich: How diverse national soccer teams challenge anti-immigrant and racialized politics in France and Germany. (Washington Post) + + + Bunte Schuhe: Die Redaktionskonferenz von DRadio Wissen im Gespräch mit Philipp Köster und Markus Stoller über Marketing und Schuhentwicklung. + + + Werbung: fcbusiness über Ambush Marketing zur Weltmeisterschaft.  + + + Sportjournalismus: Ein Gespräch mit Carmen Thomas über Frauen im Sportjournalismus. (taz) + + + Rückblick: Heute vor 60 Jahren wurde Deutschland das erste Mal Fußball-Weltmeister. (ARD Webspecial) + + + Social Media: Wie nutzen die deustchen Nationalspieler twitter? (Zeit) + + + Leader: Dembowski über Großkreutz, Mustafi und Mertesacker. + + + Gratulation: Präsident gratuliert zwei WM-Kickern zum Auftreten bei der WM. (YouTube) + + + Fragebogen: Von gestern hat alte Antworten von Nationalspielern aus dem Jahr 1992 ausgegraben. Herrlich.

Rausschmeißer: Gründe zum Heulen. (Scheissfussball)

#Link11: Orang Utan Klaus

Als Reaktion auf die gestrige Link11 unter dem Titel »Der Ball ist runder denn je und ein Spiel dauert 90 Minuten« erreichte uns auf Twitter der Kommentar: »Das ist doch kein Name für ne #Link11« – sind wir doch mal ehrlich, das ist doch die Situation hier. Ich nannte die Link11 anders, ich gab ihr einen Link11-Namen. Genug der Albernheiten – zurück zum Spocht, zur WM, zu Jogi, zu Fipsi, zu Tim Howard, Maradona, Messi und den Favoriten dieses Turniers.

blogundpresseschau

1. Im Vorfeld des Viertelfinalspiels gegen Frankreich kanalisiert sich die Kritik an der deutschen Manschaft in Frage nach der Position Philipp Lahms. Den zentralen Artikel dieser Debatte hat Oliver Fritsch für die ZEIT verfasst: Der ausgewiesene Trainer geht ins Detail, in Spielszenen dieser WM, um seinen Standpunkt zu belegen. Peter Ahrens vertritt im Spiegel den Gegenstandpunkt. Eine Lösung in unter zwei Minuten bietet das ARD-Morgenmagazin und den aktuellen Lagebericht aus dem deutschen Stützpunkt liefert die FAZ. In der FR schilt Jan Christian Müller Mario Götze für sein Auftreten auf und neben dem Platz. Der Postillon kennt die bösen Folgen der Freistoßvarianten.

2. Thomas Steinmann beschreibt für Capital die deutsche Nationalmannschaft in einem ausführlichen Artikel als Unternehmen. Einen naturgemäß kritischeren Blick auf dieses in Capital als »Gewinnmaschine Nationalelf« bezeichnete Konzept hat die taz: Team&Tross der Mannschaft seien alles andere als locker.

3. Das Dienstagabendspiel zwischen den USA und Belgien hat Constantin Eckner (Spielverlagerung) analysiert, während die New York Times Tim Howards sämtliche Paraden gegegen Belgien in vier Bildern zusammengefasst hat. Einige spaßige Online-Reaktionen auf sein Spiel hat die SZ zusammengefasst. Über den Hype »zwischen Porno und Burgeoisie« berichtet die taz. Die Anerkennung der Leistung der US-Mannschaft zeigt sich auch in den zahlreichen Reaktionen amerikanischer Politiker (Politico.com).

4. Die siegreichen Belgier treffen im Viertelfinale auf Argentinien – eine Begegnung, bei der vor 32 Jahren eines der bekanntesten Fotos der Fußballgeschichte aufgenommen wurde. Weshalb es ein wenig irreführend ist, kann bei FlipFlopFlyin.com nachgelesen werden. Matti Lieske befindet in der FR, Belgien fehle diesmal zu einem Sieg eigentlich nur noch eine bessere Chancenverwertung. Der aktuellen argentinischen Mannschaft wird eine große Abhängigkeit von Lionel Messi nachgesagt – FiveThirtyEight hat eine Unzahl von Statistiken des mehrfachen Weltfußballers versammelt. Eine seiner Torvorlagen führte am Dienstag zum Ausscheiden der Schweiz und dem Karriereende von Ottmar Hitzfeld – die taz druckt einen Nachruf.

5. Vor dem Spiel Kolumbiens gegen Brasilien jährte sich gestern zum zwanzigsten Mal das verhängnisvolle Eigentor von Andrés Escobar. Seine Geschichte ist in der ZEIT nachzulesen, der Dokumentarfilm »The Two Escobars« ist in voller Länge auf YouTube verfügbar. Bei den Gegnern Kolumbiens, den Gastgebern dieses Turniers, ist anzumerken, dass die Proteste im Land nicht verstummt sind (Brafus2014, NINJA). Der Guardian listet die 15 Tore Brasiliens bei der WM 1982 auf, die FAZ beschreibt die Tradition des Straßenfußballs.

6. Nach dem Abschluss der Achtelfinals wird es Zeit, sich nach einem Turnierfavoriten umzusehen. Für Boris Herrmann (SZ) sind die »Schrottspiele« Deutschlands und Brasiliens Zeichen für gute Titelchancen. Hendrik Buchheister (Spiegel) freut sich über ein Turnier ohne erkennbaren Favoriten. Dass die Exoten wie in diesem Jahr Costa Rica immer rechtzeitig ausscheiden, hält When Saturday Comes fest. FourFourTwo hat das Turnier unter Maßgabe der Schönheit der Trikots bereits durchgespielt.

Mit dem Spielstil der WM (insbesondere dem hemmungslosen Wildwest-Fußball) beschäftigt sich Thomas Hummel in der SZ. Die Stehplatzhelden erkennen ein Fehlen von Teams mit Offensivkonzept.

7. Daran wird es in der kommenden Bundesliga-Saison hoffentlich nicht mangeln – Trainingslager und Testspiele zum Einarbeiten diverser Konzepte bei den 18 Vereinen der ersten Liga sind auf Bundesliga.de zusammengefasst. Die Fanhilfe Hannover kritisiert indes den DFB für die Verachtung des staatlichen Strafmonopols.

8. Ach, Juristerei. Auf dem Feld zur Schiedsrichterei gehörig, ist sie Thema bei Collinas Erben, die gestern eine neue Folge aufgenomen haben und im Geist der Regeln Firlefanz eine Absage erteilen: »Solche Faxen sind natürlich nicht statthaft« heißt es da (Worüber? Anhören!). Eine denkbare Regeländerung stellt Michael Ashelm in der FAZ vor: Die FIFA bedenke das Einführen eines vierten Wechsels.

9. Vom Recht zur FIFA: »Fifa ist in Brasilien derzeit ein Synonym für Gesetz, Allmacht, göttliche Paragrafenordnung« schreibt Thomas Hummel in seinem WM-Tagebuch für die Süddeutsche. Über den Schwarzhandeln in Brasilien und eine mögliche Verstrickung der FIFA berichtet heute. Auf E-Politik findet sich angesichts dieses Selbstverständnisses und der Politik Russlands die Forderung nach einem erneuten Nachdenken über die Vergabe der kommenden Weltmeisterschaften. Die politische Dimension des Fußballs in repressiven Staaten zeigte sich bei dieser WM vor allem am Beispiel des Irans (taz, Fare). Zu Hautfarbe und Durchschnittseinkommen der Stadionbesucher hat Sean Jacobs für Medium.com geschrieben. Politisch sind sicherlich auch die Nationalhymnen: »Mit Gottes Hilfe« hat Linus Schöpfer (Tagesanzeiger) einige Texte analysiert.

10. Afrikas WM-Teams boten auch diesmal insbesondere neben dem Platz wieder ein chaotisches Bild ab. Große Aufmerksamkeit erhielt das Thema der Prämienverhandlungen – rückblickend »Money For Nothing«, wie die FAZ titelt. Über die Schwierigkeiten patriotischer Algerier in Frankreich berichtete am Dienstag die ZEIT. Andererseits wurden die Algerier ebenso wie die Griechen bei ihrer Rückkehr ins jeweilige Heimatland sehr herzlich begrüßt (Yahoo). Weniger angenehm fällt der Empfang dagegen für Russlands Trainer Fabio Capello aus (Guardian).

11. Ein Magdeburg-Fan, der mit RB-Leipzig-Kunden spricht – Skandal! Ein so humorvolles wie lesenswertes »Plädoyer für die Liebe zum Spiel und gesunde Rivalität« bei 120Minuten.

 

Meist geklickter Link gestern:

Beliebtester Artikel aus der gestrigen Link11 war »Ann Coulter Is Right to Fear the World Cup« im Atlantic.

 

Field Reporter

Das liegt nicht an der Motivation. Woran genau, das weiß ich auch nicht. Das ist für mich eines der großen Mysterien des Fußballs. Denn es ist immer wieder zu sehen, dass Favoriten gegen Außenseiter nicht ihre Topform abliefern und die „kleinen Teams“ dagegen über sich hinaus wachsen. Genau das macht ja den Fußball aus, siehe DFB-Pokal.

DFB-U17-Trainer und Scout Christian Wück im »Interview« bei DFB.de

 

Mixed Zone:
Angesetzt: Die Kommentatoren der Viertelfinalspiele im deutschen Fernsehen (Kommentatorenblog) + + + Untertitelt: Restaurant bittet Gehörlose um Entschuldigung (Rolling Planet) + + + Verdun Blaming auf Tour in China (YouTube) + + + Making Of: Herrera-GIF (Vice) + + + Die Akademie für Fußballkultur hat die Shortlist für das »Fußballbuch des Jahres« bekannt gegeben + + + Internetverkehr:
Der Zusammenhang zwischen WM und Online-Pornos (Spiegel) + + + Lasogga: Immerhertha wartet auf den Vollzug + + + Chosen Few: HSV-Ultragruppe will sich von der Profimannschaft verabschieden + + + Frankfurt: Eintracht-Inside startet eine Diskussion im Blog + + + Saarbrücken: Märchenhaftes ereignet sich an der Saar (FCSBlog) + + + Vor 25 Jahren: gewann die deutsche Elf die Frauen-EM 1989 (DFB-TV)

#Link11: Der Ball ist runder denn je und ein Spiel dauert 120 Minuten

Von acht Spielen in der Runde der letzten 16 Teams gingen sechs mit 0:0 in die Halbzeitpause und fünf in die Verlängerung (Eine vergleichende Einordnung findet sich bei Vermischtes aus dem Sport). Außerdem ist der Ball ja gegen das Flattern gefeit, steht also dem Fußballgenuss zu keiner der 120 Minuten im Weg. Was mit ihm und ohne ihn so angestellt wurde, präsentert euch auch heute wieder die Link11.

blogundpresseschau

1. Im abschließenden Achtelfinale der WM 2014 schlug Belgien die USA mit 2:1. Christian Eichler berichtet vom Spiel aus Salvador in der FAZ. Wer sich noch dazu entschließt, Fan der Belgier zu werden, dem sei die Seite BelgumizeMe empfohlen.

2. Ein Aufsehen erregender Moment in diesem aufregenden Spiel war eine einstudierte US-amerikanische Freistoßvariante, die aber nur fast zum Tor geführt hätte. Besser als die Choreografie mit dem stolpernden Thomas Müller bei Deutschland–Algerien war sie allemal. Daniel Meuren (FAZ) blickt auf die Standardtricks dieser WM. Aufsehen neben dem Platz erregte in den letzten Tagen die politische Bedeutung, die dem Soccer-Boom beigemessen wird: »Ann Coulter Is Right to Fear the World Cup« (The Atlantic).

3. Im ersten Spiel des gestrigen Abends war Lionel Messi mit zehn willfährigen blau und weiß gewandeten Mitspielern zu einem zähen 1:0 gegen die Schweiz gekommen. Ein Nachbericht steht in der SZ, eine Spielanalyse findet sich bei der Spielverlagerung, Tobias Käufer widmet sich in der FAZ dem »kleinen Diktator«.

4. Das Spiel gegen Australien war wohl das letzte in der erfolgreichen Trainerkarriere Ottmar Hitzfelds (dpa/FAZ). Recht nüchtern klingen dabei die Abschiedsworte der NZZ.

5. Noch einmal ein Blick zurück auf das deutsche Achtelfinalspiel gegen Algerien. Ecke:Sócrates geriet in Porto Alegre in den Sog der deutschen Fans. Tobias Escher hat die Begegnung auf dem Feld bei Spielverlagerung.de unter die Lupe genommen. Für den Königsblog hat Neuer Löws Job gerettet, die Analogbloggerberichte finden sich auf Schalkefan.de und eine weitere Einschätzung liefert das Volk ohne Raumdeckung. Vor dem Duell gegen Frankreich blickt die Sportnation auf zwei legendäre Spiele zurück, die Existential Comics blicken aus philosophischer Sicht auf das anstehende Duell.

6. Zum Stil der deutschen Mannschaft stellen 5 Freunde im Abseits die Gretchenfrage des Fußballs: »Schön oder erfolgreich?«.

7. Hervorstechende Person neben dem Platz war ein von Boris Büchler Interviewter. Während Per »Diogenes« Mertesacker in seiner Tonne Platz genommen (Bildbeweis) und der Ausspruch als Remix Verbreitung gefunden hat (11Freunde/YouTube), beschäftigt sich im Kulturteil der ZEIT David Hugendick mit dem Wert des Zornes. Die Stehplatzhelden suchen »gute Fragen nach einem Spiel«.

8. Daten werden vor dem Hintergrund dieser WM einmal mehr als neues, aktuelles und zukunftsträchtiges Instrument des erfolgreichen Fußballs gepriesen. Lesen Sie dazu ein Interview mit Oliver Bierhoff bei ChannelPartner. Eine interaktive Visualisierung diverser Daten der bisherigen WM bietet Matchstory.

9. Von Collinas Erben schon desöfteren kritisiert: Die Anweisungen von Massimo Busacca an die WM-Schiedsrichter. Eine Analyse dazu liefert Football Refereeing. Einige Einschätzungen liefert Klaas bei DRadio Wissen. Weitere Themen aus den Kommentaren zur letzten Folge von Collinas Erben: Zum Ablauf Spieler einweisen – Freistoßspray einsetzen und: Könnte Manuel Neuer als echter Feldspieler eingesetzt werden?

10. Bei jeder WM fragt man sich neu: Wird eine afrikanische Mannschaft überzeugen? In diesem Jahr schaffte es keine Mannschaft des Kontinents ins Viertelfinale. Philipp Eitzinger von Ballverliebt rezensiert die Leistungen der fünf AFC-Teilnehmer.

11. Das Blog »Sad Footballers« versammelt, nun ja, traurig aussehende Fußballer. Bei Jezebel finden sich einige der schönsten Umarmungen des Turniert. Wie die beliebten 8bit-Bildchen (oft an dieser Stelle der Link11 zu finden) entstehen, haben die Ruhr Nachrichten recherchiert.

 

Meist geklickter Link gestern:

Die Noten bei Gegen den Ball.
Field Reporter

Wir mussten drei Wochen lang erklären, dass wir ein Recht auf das Wort ‚Schwuchtel‘ haben. Wir haben auf tausende Arten erklärt, dass das ein Schrei der Euphorie ist und keine homophobe Beleidigung

Queer.de zitiert eine mexikanische Journalistin in einem Artikel über Schwulenfeindlichkeit bei der WM.

 

Mixed Zone:

Splitter: Mehrere Kurznachrichten bei der SZ + + + Alt: Das kundige Lob für Neuers Partie gegen Algerien aus der ZEIT + + + Pokal: Der DFB hat die erste Hauptrunde seines Pokalwettbewerbs zeitgenau angesetzt + + + SGE: Die Lage in Frankfurt und die Forderung »Caio her!« bei Eintracht-Inside + + + Kult: Neues aus St. Pauli beim Übersteiger + + + Hellas: Das Halbangst-Blog bricht eine Lanze für die unbeliebten Griechen + + + Umfrage: Der Bockcast bittet um Feedback + + + Union: ein kritischer Kommentar, gar nicht so fernab vom WM-Geschehen, beim Textilvergehen + + + Kuckuck: Eine Sekunde Ruhm für den Linienrichter (YouTube) + + + Gewalt: US-Amateurschiedsrichter stirbt nach tätlichem Angriff (AP) + + + Tattoo: Pinilla verewigt sein Fast-Tor auf dem Körper (Guardian) + + + Bereitschaftsdienst: Was passiert, wenn die ARD-Leitung auf die brasilianische Terrasse abbricht? (SWR) + + +

#Link11: Manu, der Libero

Bei dieser Weltmeisterschaft feiert die Dreierkette ihre Renaissance. Doch Deutschland, das gefühlte Mutterland des Liberos, vertraut weiterhin einer Viererabwehrkette. Gestern feierte zwar der Libero bei der DFB-Elf sein Comeback, aber es war kein Verteidiger, sondern der Torwart, der als freier Mann immer wieder seine löchrige Abwehr zusammenflicken musste.

blogundpresseschau

1. Die deutsche Nationalmannschaft hatte im Achtelfinale mit Algerien mehr Schwierigkeiten als erwartet (SZ, FAZ).

2. Manuel Neuer musste als Libero die Löcher in der Abwehr stopfen und erntete dafür Lob von allen Seiten. Lediglich Oliver Kahn nannte die Ausflüge seines Nachfolgers „Harakiri“ (SZ). Aber es ist nicht das erste Mal, dass Neuer den „Libero“ gibt, schon in der Verlängerung des Supercupfinals gegen den FC Chelsea war dies der Fall (SPIEGEL ONLINE). Mich erinnerten die beiden Auftritte Neuers an den „Flying Goalkeeper“ aus dem Futsal, und es ist ja bekannt, dass Neuers Klubtrainer Pep Guardiola sich vom Futsal inspirieren lässt (Fútbol Blog Barcelona). Ob der Libero Neuer nach dem Mittelfeldspieler Lahm eine weitere Erfindung von Guardiola ist, die in der deutschen Nationalmannschaft zur Anwendung kommt?

3. Auch bei der Benotung durch Gegen den Ball war Neuer der beste Deutsche am gestrigen Abend.

4. Für Wirbel sorgte gestern neben Neuer auch Per Mertesacker – allerdings erst nach dem Schlusspfiff, als er sich einen verbalen Schlagabtausch mit ZDF-Fieldreporter Boris Büchler lieferte. Während die FAZ Büchler lobt, kritisiert Klare Schwalbe ihn.

5. Sowieso ist Büchlers kritisches Interview in der aktuellen Fernsehberichterstattung eine Ausnahme. Gefühlt sitzen die Fernsehjournalisten und die Nationalmannschaft nicht in einem Boot, sondern in einem AIDA-Kreuzfahrtschiff, und die Journalisten geben die Animateure für die Nationalspieler. Ein Beispiel für den Jubeljournalismus ist der ARD-WM-Club oder, wie ihn Diago tauft, „ARD Fremdscham-Club“. Ich hätte nie geglaubt, dass ich das jemals sagen oder schreiben würde: Ich vermisse Waldis Scham…pardon…Stammtisch. Und ich habe auch keine Angst vor den EM- und WM-Qualifikationsspielen bei RTL.

6. Zurück zum Geschehen auf dem Spielfeld: Markus‘ BVB-Blog fordert Löw zu einer Rückkehr vom 4-3-3 auf das alte 4-2-3-1-System.

7. Wie eine taktische Anpassung doch funktioniert, zeigt derzeit die niederländische Nationalmannschaft (Querpass).

8. Gegen den kommenden Gegner Frankreich bedarf es bei der DFB-Elf auf jeden Fall einer Steigerung. Aber auch die Equipe Tricolore musste gegen ihren vermeintlich leichten Achtelfinalgegner Nigeria lange zittern (SPIEGEL ONLINE).

9. Heute schließen Argentinien gegen Schweiz und Belgien gegen die USA die Achtelfinals ab. Für den Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld könnte das heutige Spiel das Ende einer langen und erfolgreichen Trainerkarriere sein (RP).

10. Bei Gegner Argentinien ist Lionel Messi der unumstrittene Chef. Doch eine wichtigere Rolle für den Zusammenhalt der Mannschaft spielt Javier Mascherano (FR).

11. Mit Belgiens Trainer Marc Wilmots und US-Coach Jürgen Klinsmann treffen im letzten Achtelfinale zwei ehemalige Bundesliga-Fußballer der 90er aufeinander. Im letzten Duell der beiden als Bundesliga-Kicker gingen Klinsmann mit den Bayern als Sieger über Schalke und Wilmots hervor (YouTube).

Field Reporter

Wat woll’n se? Wollen se ne erfolgreiche WM? Wollen se, dass wir wieder ausscheiden und haben schön gespielt?

Per Mertesacker im Interview mit Boris Büchler

 

Mixed Zone: Eine Schwalbe macht noch keine Sperre: FIFA verzichtet auf Verfahren gegen Robben (SZ) +++ Rücktritt: Nigerias Trainer Keshi hört auf (SZ) +++ Kein Ende in Sicht: Lasogga-Poker geht weiter (SZ) +++

 

#Link11: Ach, Fußball!

Müdigkeit ist der Preis für ein Elfmeterschießen nach zu weiten Teilen quälend langen 120 Minuten. Ein Preis, den wohl jeder Fan bereit ist zu zahlen für dieses merkwürdige Kribbeln beim abschließenden Wettschießen.

Ach, Fußball!

Nun viel Spaß mit der #Link11. Erstellt von Julian Ritter und Klaas Reese.

blogundpresseschau

1. Costa Rica hielt gegen Griechenland bis zum Ende der Verlängerung in Unterzahl ein Remis und setzte sich dann im Elfmeterschießen durch. »Offensivgeist, Spektakel, kluge Kombinationen – all das hatte die Partie (…) nicht zu bieten«, befindet Tobias Escher bei Spielverlagerung.de. Daniel Theweleit (Spiegel) zeigt sich begeistert von Mannschaft und Trainer der Überraschungsmannschaft.

2. Wer das Elfmeterschießen in den Fußball einbrachte, vermag Der Standard zu berichten.

3. Die Niederlande stehen nach ihrem Sieg über Mexiko im Viertelfinale der WM. Dabei besteht die Elftal bei diesem Turnier hinter dem Offensivtrio van Persie, Robben, Sneijder vor allem aus bislang eher unbekannten Spielern. Die NZZ hat einige von ihnen kurz vorgestellt.

Spieler des Spiels war aber ein alter Bekannter: Arjen Robben. Thomas Hummel (SZ) entdeckt alte und neue Züge am „Ego Shooter“.

4. Fußballhistorisches ereignete sich beim 51.Spiel dieser WM: Zum ersten Mal musste ein Spiel zur „Cooling Time“ unterbrochen werden. Ein brasilianisches Gericht hatte die FIFA zu dieser Maßnahme gezwungen. (Handelsblatt)

5. Heute Abend dann das Achtelfinalspiel Deutschland – Algerien. Der DFB erinnert an das Aufeinandertreffen 1982. Oliver Fritsch (Zeit) analysiert wie die Tore der deutschen Nationalmannschaft bisher gefallen sind. Jörn Meyn (Morgenpost) lobt Toni Kroos, der einen großen Schritt bei dieser WM gemacht habe. Peter Ahrens und Rafael Buschmann (Spiegel) schauen sich die Ersatzspieler des deutschen Teams an.

Die interessanteste Frage vor der Partie lautet aber wohl Schweinsteiger oder Khedira? Christian Kamp (FAZ) über die Unterschiede der beiden Rekonvaleszenten und taktische Überlegungen.

Vor und nach dem Spiel wird es sicher wieder „Schwarz rot blöd“. BR Quer über Fans in Deutschland.

Auch Rassisten werden sichtbarer bei dieser WM. Andreas Bock (Tagesspiegel) sprach mit Claudia Krobitzsch vom Anti-Rassismus-Netzwerk „Fare“ über Reichskriegsflaggen und Blackfacing.

6. Zeitgenössische Berichte zu Brasilien–Chile sind überall zu finden. Richard Whittall wagt einen Blick in die Zukunft und darauf, wie man sich an dieses Spiel erinnern wird.

7. Eine Nebenerscheinung dieser WM, die »lieb gewonnen« zu nennen nicht vielen aus dem Herzen spräche, hat Dirk Gieselmann für 11Freunde beschrieben: Die Verwandlung normaler Zuschauer in »Ekstase-Monster« bei der Selbsterkenntnis auf der Anzeigetafel.

8. Weiteres Highlight der Weltmeisterschaft sind die Graffitikünste der Unparteiischen. Auch ein Thema für die Bundesliga wie Herbert Fandel und Wolfgang Niersbach erklären. (DFB)

9. Negatives Highlight war bei dieser WM bisher neben einem bissigen Uruguayer das Entfernen der Fanfahnen durch die FIFA. Tim Jürgens (11 Freunde) über das Verschwinden der Farbenpracht aus den Kurven.

10. Die Basellandschaftliche Zeitung hat eigentlich ein Porträt über Urs Siegenthaler veröffentlicht, die interessantesten Zeilen beschäftigen sich aber mit dem Hamburger Sportverein. Ein weiteres Interview  führte der DFB mit Siegenthaler. Hier spricht er über die WM im Allgemeinen und über Brasilien und Algerien im Speziellen.

11. Mitten in der WM wurde ein neues Vereinsblog aus der Taufe gehoben: Hannover 96 ist zentrales Thema beim Spielfreiblog.

Field Reporter

Was wäre, wenn alle Fußballmannschaften auf ihre eigenen Prämien und Gewinne verzichten und für die Menschen Brasiliens spielen würden? Für soziale Projekte, für die Armen, für Verbesserungen der Schulen und Krankenhäuser. Was wäre wenn ein Thomas Müller mit jedem Tor, das er schießt, die Welt ein Stückchen besser machen würde? Was wäre das für ein Fußballfest? Was wäre das für ein Signal für die Welt?

Gastkommentar, taz.

Mixed Zone:

Trainieren: Griechenlands Nationalspieler hätten lieber ein Trainingsgelände als Erfolgsprämien (newsbomb.gr) + + + Pfeifen: Howard Webb vermag den schlechten Ruf der Schiedsrichter bei dieser WM zu korrigieren (SZ) + + + Pressekonferenzen: Die DFB-PKs nehmen teils komische Züge an. (Welt) + + + Erinnerungen: Die besten Momente der WM mit Subbuteo-Figuren nachgestellt. (Subbuteo Art) + + + Statistiken: Tore, Gewicht, Größe etc. – sehenswerte Visualisierungen zur WM. (ejoh) + + + Wacklig: Benjamin Romberg (SZ) über Brasiliens Defensive. + + +  Betrugsvorwürfe: Rafael Buschmann (Spiegel) über Manipulationsvorwürfe gegen Kamerun. + + + Tradition leben: Der VfB bietet in einem eigenen Portal die Möglichkeit in Erinnerungen zu schwelgen.

#Link11: Das drohende Loch

Ganz schwieriger Tag heute. Als wohl trainierter Fußballfan darf man jetzt bloß nicht aus dem Rhytmus kommen. Schon die Umstellung von Nachtspielen um 1 auf frühre Anstoßzeiten um 22 Uhr war schwierig, jetzt aber einen ganzen Tag aussetzen – das wäre sicherlich ein fataler Fehler. Sicher, man kann ein paar Minuten damit zubringen sich die Achtelfinalpartien und die Planungen der Fernsehsender zu notieren (newsroom), aber danach droht man in ein Loch zu fallen. Meine Empfehlung ist deshalb der Genuss von gut Deutschland – Niederlande bei der WM 1990 (YouTube) um 18 Uhr und um 22 Uhr lasst ihr Frankreich – Deutschland bei der WM 1982 laufen (YouTube – achtet dabei besonders auf die eingekehrkerte Auswechselbank bei Minute 14:50).

Zwischen den Spielen dürft ihr dann gern mal abschalten. Empfiehlt sich bei dieser WM eh meistens. Es sei denn es gibt wieder Fotos von pudelnassen Journalisten und anderen Begleiterinnen.

blogundpresseschau

 

1. Gestern machte das deutsche Team dank eines schönes Tores von Thomas Müller den Einzug ins Achtelfinale als Gruppenerster perfekt. Da half dem US Men Soccer Team nicht mal die Pumphilfe von Hulk Hogan. (YouTube) Man gut, dass das Spiel überhaupt püntklich angepfiffen werden konnte – auch dank Monty-Python-Platztest (The Washington Post)

Jan-Christian Müller (FR) lobt vor allem die Aufstellung, denn aus seiner Sicht tut Schweinsteiger der Mannschaft sichtlich gut. Thomas Hummel (SZ) mahnt, dass es zu früh zum Feiern ist. Rafael Buschmann und Peter Ahrens (Spiegel) sehen das deutsche Team so reif wie nie zuvor. Tobias Escher (Spielverlagerung) hat das Spiel taktisch analysiert. Christian Kamp (FAZ) sieht die Leistung der deutschen Nationalmannschaft kritisch. Er meint: es muss noch deutlich mehr kommen, damit es für den Titel reicht.

2. Ich hatte sehr gehofft, dass nach dem Spiel gegen die USA die Berichte über den Nichtangriffspakt von Gijón abreißen würden. Nun heißt der nächste Gegner der Deutschen Nationalmannschaft aber Algerien und die haben das Ausscheiden von 1982 nicht vergessen (BBC) Benjamin Knaack (Spiegel) und Claudio Catuogno (SZ)  stellen das algerische Team vor.

3. Zeit für Rückblicke auf die Vorrunde. Die NZZ hat die zehn größten Überraschungen gesammelt. Andreas Rüttenauer (taz) nennt die WM ein „fußballerisches Desaster“. Der Bayern Blog blickt besonnen besonders auf die Bayern-Buben. Der Fehlpass-Podcast diskutiert die Vorrunde mit Max-Jacob Ost und Tobias Escher.

4. Die Bewertung der WM wird immer öfter auch den Daten überlassen. Richard Whittall (Foreign Policy) legt dar, warum die Datensammelwut – wie sie zum Beispiel im Baseball von großer Wichtigkeit ist – im Fußball nicht die dominierende Rolle spielen sollte.

5. Für einige Spieler wird die WM nun zum körperlichen Härtetest, denn morgen beginnt der Fastenmonat Ramadan. James Montague (New York Times) über die Effekte des Fastens aus die sportliche Leistungsfähigkeit.

6. Ein großes Thema während dieser WM ist auch der aufkeimende Nationalismus. Die Sozialpsychologin Petra Becker warnt, dass der Nationalstolz in Fremdenfeindlichkeit umschlagen kann. (Migazin) Auch Jan Tölva (Transparent) glaubt nicht, dass die Fanhnenschwenkerei nur harmlos ist. Marvin Mertens (Mittendrin) hofft gar auf ein schnelles Ende dieser WM, damit es keinen Platz für Rassismus und Nationalismus unter dem Deckmantel des Spors gibt. Fußball gegen Nazis hat „Blackface und andere Scheußlichkeiten“ gesammelt.

Auch gegen die Deutschen gibt es Vorurteile wie eine Untersuchung über Nazi-Beschimpfungen bei twitter zeigt. (Regressing)

7. Bitteres Thema sind auch die Matchfixing Vorwürde gegen den Fußballverband von Ghana. The Telegraph hat Videomaterial veröffentlicht, das den Verbandschef stark belastet.

8. Ein Blick in die WM-Geschichte ist das Elfmeter Quiz: Drin oder nicht? Und wo genau ging der Ball hin? (iceviral) „Spot The Ball“ von der NY Times kennt ihr ja schon.

9. Borussia Dortmund ist bei der Suche nach einem „strategischen Partner“ fündig geworden. 9% der Anteile des Vereins werden für 27 Millionen Euro veräußert. (SZ)

10. Luis Suárez wurde von der FIFA für 9 Spiele gesperrt. Dazu darf er die nächsten vier Monate an keinen Fußballaktivitäten teilnehmen. Thomas Kistner (SZ) kommentiert: „verdiente Strafe für einen Serientäter“. Die WM 2014 ist also für ihn beendet. Mutti, der Libero hatte eigenlich eine viel schlimmere Strafe verlangt.

Mehr über Sperren hat Lukas Rilke (Spiegel) lesenswert zusammengefasst.

11. Wir starten mit Sehempfehlungen, wir enden damit: „Das Wunder von Bern. Die wahre Geschichte.“ (ZDFinfo Mediathek) 45 Minuten hervorragende Bilder und eine weitesgehend bekannte Geschichte aus interessantem Blickwinkel.

 

Meist geklickter Link gestern: 

Das freut uns. Meist geklickt gestern: die neueste Ausgabe von Collinas Erben.

Field Reporter

„Kein Sponsor übt Kritik. Das ist ein Skandal, wie die Sponsoren kuschen. Die Sponsoren brüsten sich mit gesellschaftlicher Verantwortung, doch geht es darum, gesellschaftliche Missstände zu benennen, sind kritische Töne kaum zu hören“

André Bühler, Leiter des Deutschen Instituts für Sportmarketing, mahnt Reformen der Fifa an und erwartet dafür von den offiziellen Sponsoren, dass sie mehr Druck ausüben. (Stuttgarter Nachrichten)

 

 

Mixed Zone: Sperre aufgabhoben: Beckenbauer darf wieder zum Fußball. (Sportschau) + + + Veranstaltungstipp für Hamburg: Die Doppel-Sechs lädt heute Abend zum Copacabana Spezial. + + + Singende Fußballer: Ronald Strehl (Deutschlandradio) über die größten Hits der Kicker. + + + Soziale Verantwortung: Pavel Bußen (Transparent) fordert die FIFA auf mehr zu tun.

Rausschmeißer: Die irrste WM aller Zeiten. (scheissfussball)