CE57 – Der Einstieg in die persönlichen Strafen


»Schiri-Skandal bei WM! Geheime FIFA-Anordnung gegen frühe Gelbe Karten!« So schlagzeilt heute ein nicht ganz unbekanntes Balkenblatt, und wenn es nicht so boulevardesk wäre, könnten wir glatt schwören, von diesem Geheimnis schon einmal gehört, ja, sogar über es gesprochen zu haben. Gleichwie: Auch in zwei Viertelfinalspielen – vor allem in jenem zwischen Brasilien und Kolumbien – war der späte Einstieg in die persönlichen Strafen erneut ein Thema, das die Gemüter erhitzte. Abseits aller Aufregung schauen wir diesbezüglich wieder genau hin, versuchen zu versachlichen und erörtern die Folgen. Dazu sprechen wir über die Ansetzungspolitik der FIFA, erläutern die Kriterien für eine »Notbremse«, hinterfragen die Empörung über das Foul, durch das Neymar aus dem Turnier befördert wurde, fachsimpeln über taktische Fouls, beschäftigen uns mit regeltechnischen Abgründen beim Elfmeterschießen und verraten, was Mathieu Debuchy mit Claude Debussy zu tun hat. Außerdem spekulieren wir ein wenig über die noch ausstehenden Schiedsrichter-Einteilungen, um zu dem wenig überraschenden Ergebnis zu kommen: Nichts Genaues weiß man nicht.
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Musik: Tha Silent Partner – P Pulsar (Album Version)

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Links: Die Schiedsrichter-Einzelkritik von »The 3rd Team« — Die Studiogespräche von DRadio Wissen mit Collinas Erben — Collinas Erben bei Twitter und bei Facebook — Die offiziellen Fußballregeln als PDF-Datei zum Download

Shownotes: 0:00 Urs Meier zum Foul von Juan Zúñiga an Neymar – 1:15 Streng geheim! – 2:00 Die Schiri-Einzelkritik von »The 3rd Team« und die Ansetzungspolitik der FIFA – 12:20 Mehmet Scholl in Rage – 12:50 Viertelfinalspiele: Brasilien – Kolumbien 2:1 (SR: Velasco Carballo, Spanien): Warum dem Referee die Partie aus den Händen geglitten ist – 46:40 Frankreich – Deutschland 0:1 (Pitana, Argentinien): Ein unsichtbarer Unparteiischer und ein Erbe Debussys – 49:50 Argentinien – Belgien 1:0 (Rizzoli, Italien): Soft-Skill »Kommunikation« – 52:10 Niederlande – Costa Rica 4:3 n.E. (Irmatov, Usbekistan): Über einen neuen Rekord und nachlassende Konzentration – 1:12:30 Spekulatius im Sommer – 1:18:45 Fade-out

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25 comments » Write a comment

  1. Ich kann mich den Ausführungen von Alex zum Brasilien gegen Kolumbien nur anschliessen. Das sich das Spiel so entwickelte war zu grossen Teilen die Schuld des Schiedsrichter. Für mich die schwächste Leistung im Turnier, von einer Treter WM zu reden halte ich allerdings für stark übertrieben. Richtig brutale Fouls kann man in diesem Video sehen, die Portugiesen hatten bei der WM 1966 nur eins im Sinn. Pele aus dem Turnier zu treten. http://www.youtube.com/watch?v=9OtnR06Z3EY (ab Min 1:28) Das sind für mich Fouls um Spieler zu verletzen.

  2. Danke für die Folge! Ihr sprecht mir aus der Seele, was alle Szenen des “Spieltags” betrifft. Bei Irmatov, den ich sonst sehr gerne pfeifen sehe, hatte ich auch leider den Eindruck, dass er sich um die gelb-rote Karte für Diaz drücken wollte. Er hatte in gewisser Weise das umgekehrte Problem Carballos: Durch seine bis dahin konsequente Linie hätte er in einem weitgehend fairen Spiel einen Platzverweis aussprechen müssen. Schade, dass er es dann nicht getan hat.
    Dem usbekischen Nationalteam tut ihr übrigens Unrecht. Soweit waren sie nämlich nicht von der WM-Qualifikation entfernt. Erst in den Asien-Playoffs sind sie im Elfmeterschießen an Jordanien gescheitert, welche dann in den Interkontinentalplayoffs gegen Uruguay die Segel streichen mussten. Auf dem Weg dorthin gelangen Usbekistan u.a. Siege gegen Japan und den Iran sowie ein Unentschieden gegen Südkorea. Vermutlich dürften Irmatov und sein Assistent trotzdem noch ein Weilchen die einzigen Usbeken bleiben, die sich Chancen auf ein WM-Finale ausrechnen dürfen. ;)

    • Interessanterweise standen sie auch 2006 ähnlich knapp vor der WM-Qualifikation.
      Allerdings annullierte(!) die FIFA(!!) den 1:0 Hinspielsieg und setzte Wiederholungsspiele(!!!) an.
      Im Wiederholungsspiel gab es leider ein schlechteres Ergebnis als im Original (bei dem der Schirifehler, der zur Annullierung führte, die Usbeken benachteiligte).
      Seitdem nennt man Usbekistan auch das “Nürnberg Zentralasiens”…

    • Im Artikel heißt es “Skandinavier müssten beispielsweise auch in südeuropäischen Ligen pfeifen”.
      Nicht nur bei solchen Überlegungen, sondern auch schon jetzt (BuLi-Spiele, Europapokal, EM/WM) frage ich mich: Wie sieht es denn mit den Kosten für die Anreise/Unterkunft aus? Trägt die der Schiri selbst? Oder gibt es eine Pauschale (z.B. abhängig von der Entfernung des Spielorts zum Wohnort?
      Europapokal und vor allem EMs/WMs sind ja sicher nochmal ein Sonderfall, da haben die Schiedsrichter ja überwiegend sehr weite Anreisen (und die Hotelkosten explodieren ja üblicherweise in den Austragungsländern von EM/WM).

      Grüße
      Hendrik

      • Die Kosten für die Schiedsrichter werden im Profibereich von den Verbänden getragen, auch die für Reise und Unterkunft. Im Amateurbereich des DFB ist das anders, da werden der jeweilige Spesensatz und die Fahrtkosten von den Vereinen bezahlt.

      • Diese “Austausch-Programme” gab es doch schon längst – was hat es gebracht ?! Was würd es in Zukunft bringen ?

        Wurde doch in der Folge ausgiebig diskutiert. Die Lücke zwischen Europa und dem Rest der Welt ist einfach nicht mehr vorhanden…

  3. Da das hier mal irgendwann Thema war.
    Der Unterschied zwischen kreisförmiger Aufstellung der Mauer zu einer geraden beträgt gerade 5cm, die der mittlere Spieler vom Ball näher oder weiter weg steht.

    Eine 5-Mann-Mauer ist wohl ca. 2 Meter breit (http://www.4-4-2.com/fussball/Videos/Mauer-Absicherung-bei-Freistoss-misslingt.aspx).
    Der Radius des Kreises ist bekanntlich 9.15 Meter.
    Die Höhe des Kreissegments (https://de.wikipedia.org/wiki/Kreissegment) mit Bogenlänge/Sehnenlänge 2 Meter ist dann das Ergebnis.

    Jetzt würde mich mal interessieren, was passiert, wenn ein Spieler oder Trainer die korrekte Abmessung anzweifeln oder sogar nachmessen würde. (Gott sei Dank kam das TV noch nicht auf die Idee die korrekte Abmessung wie die Abseitslinie einzublenden.)

    • “Gott sei Dank kam das TV noch nicht auf die Idee die korrekte Abmessung wie die Abseitslinie einzublenden.”

      Wenn ich mich richtig erinnere, wurden im TV durchaus schon Kreise eingeblendet, um den korrekten Abstand der Mauer einzublenden. Nicht nur in Wiederholungen/Standbildern, sondern durchaus auch während der Live-Übertragung.
      Keine Ahnung, wie exakt das ganze war, aber meist war schon gut zu erkennen, dass der SR die Mauer korrekt positioniert hat.

      Grüße
      Hendrik

      • In Strafraum-Nähe ist der Halbkreis vor dem Strafraum eine ganze gute Hilfslinie um die 9.15m relativ exakt einzuhalten. Es ist aber nicht verboten die Mauer auf 10 oder 11 Meter zu stellen, es gibt keinen Maximal- sondern nur einen Minimal-Abstand, den die Mauer vom Ort des Freistoßes haben muss.

        Das Fernsehen hat sich diesen virtuellen Mittelkreis abgewöhnt -> die Referees sind gut genug geschult diesen Abstand herzustellen.

  4. In der Tat: sehr ärgerlich für Neymar. Alex hat die Situation wieder einmal ganz klar analysiert – 100% nachvollziehbar.

    Ein nicht zu vernachlässigender Grund für den so unglücklichen und schmerzhaften Ausgang dieser Aktion ist, dass Top-Spieler wie Neymar regelmäßig mit Cortison “fit gespritzt” (schmerzfrei) werden. Und eine der Nebenwirkungen bei einer gewissen Regelmäßigkeit ist, dass die Knochen brüchig werden. Das endet dann so krass, wie in diesem Fall.

  5. Alex, hast DU einem gewissen “Hagi” das ganze diktiert aufs Blatt Papier diktiert oder hat er das alleine “observed” =) Sei ehrlich…bin da eben über einen gewissen Match Report gestoßen.

  6. Hallo,

    leider habe ich noch nicht alle Podcasts durchgehört, daher weiß ich nicht, ob das schonmal angesprochen wurde:
    Bei Diskussionen mit US-Amerikanern wurde Unverständnis darüber geäußert, dass wir uns mit einem unentschiedenen Spielausgang abfinden. Dort ist man gewöhnt, dass es am Ende eines Spiels immer einen Sieger gibt, egal ob er erst nach der 4. Overtime oder durch Penalty-Schießen feststeht.. es muss einfach einen Gewinner geben.

    Würde mich freuen, wenn ihr das mal im Podcast diskutieren würdet (hoffentlich habt ihr da unterschiedliche Standpunkte *g*)…
    Denkbar wäre doch, dass es auch in der BuLi eine Verlängerung und ggf. Elfmeterschießen gibt, die Mannschaft, die erst nach Verl./ES verliert, könnte dann als Anerkennung zumindest noch 1P bekommen (ähnlich wie im Eishockey), die Siegermannschaft vielleicht statt 3 nur 2 Punkte, als “Strafe” dafür, dass man es nicht innerhalb der ersten 90min geschafft hat.. also da könnte es doch schon einige interessante Szenarien geben?

    Grüße
    Hendrik

    • Das Thema hatten wir noch nicht, wohl vor allem deshalb, weil es eigentlich nicht so recht in einen Schiedsrichter-Podcast passt. Wie man mit einem Unentschieden verfährt, ist ja keine Frage der Fußballregeln, und sie betrifft die Unparteiischen auch nicht direkt. Aber wir besprechen das mal intern.

  7. 1) Schön, dass ihr Kruuls Verhalten thematisiert und kritisiert habt. In einer österreichischen Zeitung hat ein aktiver Schiedsrichter an diesem Verhalten nichts auszusetzten gehabt, er hätte ja die Schützen nicht beleidigt oder provoziert. Habe ich für ausgemachten Unsinn gefunden, wenn der Torhüter dort auftaucht und auf den Schützen einzureden beginnt, ist er ja schon wegzuschicken, wie will man denn wirklich kontrollieren, was er sagt. Braucht sich nur der Schütze provoziert fühlen, Kruus stoßen und schon ist der größte Wirbel perfekt. Bin auch so wie ihr überzeugt, dass eine Ermahnung mit funkelnden Augen ausgereicht hätte.

    2) Eine Frage zu Freistößen, ich habe diese Szene erst vor kurzem bei einem Testspiel gesehen. Freistoß aus zentraler tornaher Distanz, die verteidigende Mannschaft beginnt eine Mauer zu stellen. Zwei Spieler stehen schon, als sich der dritte dazustellen will, stehen dort schon zwei Angreifer. Gab natürlich Unruhe, vom Gestikulieren sah es so aus, dass die Angreifer sagten: “Wir dürfen hier doch ebenso stehen.” Der Schiri brachte dann wieder Ruhe rein, aber meine Frage: Haben die Verteidiger erstes Zugriffsrecht auf ihr Plätzchen? Wie will man denn den Angreifern wirklich verbieten, die Mauer aufzulösen? In den Regeln findet man hier nichts drüber, was meint denn ihr dazu?

    Um zum Foul an Neymar: Völlig richtig, was ihr gesagt habt, war eher übereifrig und ungeschickt als bösartig, Gelb wäre richtig gewesen, mehr sicher nicht.

    • Zur Freistoßfrage: Da haben die Angreifer völlig Recht. In den Regeln steht ja nur, dass bei einem Freistoß die Spieler der gegnerischen Mannschaft 9,15 Meter vom Ball entfernt sein müssen. Wenn sich Spieler des ausführenden Teams neben die Mauer stellen, ist dagegen – solange sie sich sportlich verhalten – nichts einzuwenden, nicht einmal dann, wenn sie es von beiden Seiten tun. Da müssen die Verteidiger eben schneller sein.

  8. Hallo!

    Eine Frage zum Thema Elfmeterschießen brennt mir unter den Nägeln:
    Gibt es beim Elfmeterschießen besondere Vorschriften, wo sich Spieler, Torhüter und eben auch Trainer aufhalten dürfen/müssen?
    Bei den Trainern wird das sicherlich wie sonst auch die Coaching-Zone sein, oder dürften sie sich tatsächlich doch zur Erteilung von weiteren Anweisungen oder zur moralischen Unterstützung zu den Spielern gesellen?
    Wie sieht es bei den Spielern aus? Müssen sie, wie man es eigentlich immer sieht, im oder in der Nähe des Mittelkreises stehen oder könnten sie sich auch wie bei einem Elfmeter in der regulären Spielzeit üblich regelkonform irgendwo außerhalb des Strafraums aufstellen, z.B. etwa 20 Meter vor dem Tor? Somit hätte man einen wesentlich kürzeren Weg bis zur Ausführung und könnte der steigenden psychischen Belastung beim eher langen Weg von der Mittellinie aus dem Weg gehen.
    Und wo genau müssen die Torhüter der gerade ausführenden Mannschaft stehen? Die übliche Position ist ja etwa an der Strafraumgrenze in Höhe der Torlinie oder dahinter. Dürfte er sich auch dem Tor nähern ohne dabei den gegnerischen Torhüter abzulenken? Oder sich bewusst wesentlich weiter vom Strafraum zu entfernen um selbst einen langen Weg zurück zu legen und so die Zeit bis zur Ausführung für den folgenden Schützen des Gegners zu strecken?

    • Hier ist ein Schaubild aus dem offiziellen Regelheft, das fast alle deine Fragen beantwortet: http://fokus-fussball.de/wp-content/uploads/2014/07/Elfmeterschiessen.jpg

      Im Regelheft heißt es zudem im Abschnitt »Vorgehensweisen zur Ermittlung eines Siegers«:
      — Beim Elfmeterschießen befinden sich nur die teilnahmeberechtigten Spieler und das Schiedsrichter-Trio auf dem Spielfeld.
      — Alle Spieler außer dem Schützen und den beiden Torhütern halten sich im Mittelkreis auf.
      — Der Torwart aus dem Team des Spielers, der einen Elfmeter ausführt, wartet auf dem Spielfeld außerhalb des Strafraums, in dem das Elfmeterschießen stattfindet, an der Stelle, an der die Torlinie und die Strafraumbegrenzungslinie zusammentreffen.

  9. Betreff die Aktion von Neuer beim Rausfausten im Finale inklsuvie Knie-ins-Gesicht:

    Neuer war ja zu erst am Ball und daher kein Foul, sondern wohl, wenn überhaupt, gefährliches Spiel. Wäre das dann indirekter Freistoß für Argentinien gewesen?

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