#Link11: Rasenballsport-Ultras und Erinnerungen an Clirim Bashi

Es bleibt ein Kommen und Gehen. Außer in Hoffenheim. Viel Spaß mit der #Link11

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1. Die beste Liga der Welt und Weltmeister wird die Halbfinalspiele der Europacupwettbewerbe wohl am heimischen Fernseher verfolgen. Nach den Bayern ging nun auch der VfL Wolfsburg unter. 1:4 hieß es am Ende. (Die taz liefert die passende Überschrift.) Trainer Dieter Hecking sah eine Niederlage, die »die Sinne schärft«. Hendrik Buchheister (Spiegel) nennt es eine »Lehrstunde«. Carsten Eberts (SZ) sah einen Trainer, der froh war in weiter Ferne zu Neapel seinen Geburtstag zu feiern.

Titelverteidiger Sevilla konnte sein Spiel gegen St. Petersburg hingegen drehen, Mario Gomez erreichte mit Florenz ein Unentschieden in Kiew und der FC Brügge und Dnjepr Dnjepropetrowsk trennt sich torlos unentschieden. (FAZSpiegel)

2. Wer für die Niederlage der Wolfsburger verantwortlich ist, wollte in Wolfsburg niemand sagen. In München ist jetzt aber klar, wer für das miese Resultat in Porto die Hauptschuld trägt. Völlig überraschend soll es die medizinische Abteilung des Champions League Viertelfinalisten. Das wollen sich Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und sein Team nicht bieten lassen und sind geschlossen zurückgetreten. Das Vertrauensverhältnis zum Trainer sei zerstört. (Hintergründe bei SZ und FAZ) Daniel Meuren (FAZ) nennt den Rücktritt ein schlechtes Omen für Guardiola, weil nach dem letzten und bis gestern einzigen Rücktritt von »Mull« kurze Zeit später der Trainer weg war und der Arzt wieder auf seinen Posten zurückkehrte.

3. Der Ärger vieler Bayern-Fans über den unwürdig anmutenden Abschied des Docs ist groß. Es zeigt sich, dass eine Trennung immer ein schwieriges Unterfangen ist. In Dortmund scheint man das mit Klopp ganz gut hinbekommen zu haben. Im Auffe Ohren-Podcast von schwatzgelb wird sich artig bedankt bei Kloppo. Stefan Vogel (Luschenelf) zeigt sich deshalb einfach nur dankbar für die Zeit mit dem Trainer. Hans Leyendecker (SZ), der schon elf Jahre vor Klopps Geburt BVB-Fan war, versucht eine realistische Einschätzung seines Clubs, die natürlich Spitzen für den Nachbarn auf Schalke bereithält, manch diskutable These beinhaltet und fast wie der erste Blogeintrag eines 65-jährigen anmutet. Arsene Wenger findet den ganzen Zirkus um Jürgen Klopp lächerlich. (Guardian)

4. Glückwünsche zur 200. Big Show gehen an das Sportradio 360. Insgesamt fünf Stunden gibt es auf die Ohren. Dabei natürlich auch ganz viel Fußball.

5. Interessantes Gerichtsurteil in Hannover: Die Staatsanwaltschaft hatte ein Jahr und sechs Monate Haft für einen beim Pyro zündeln erwischten 96-Fan gefordert. Ein Sachverständiger konnte allerdings keine Gefahr für die umstehenden Besucher feststellen. Deshalb wurde der geständige Ultra freigesprochen. (HAZ)

6. Raphael Honigstein (Vice) war zu Gast beim FC St.Pauli, um herauszufinden wie es der Verein schafft zwischen Mythos und Kommerz zu bestehen. Eine gut 20-minütige Dokumentation mit vielen Fanstimmen. Sehenswert, auch wenn natürlich einiges Altbekanntes wiedergekäut wird.

7. Die Dummen sterben nicht aus. Leider. Beim Spiel Babelsberg gegen Cottbus zeigten sich wieder einige mit ihren Naziklamotten und -bannern und hoben den Arm zum Hitlergruß. Sören Kohlhuber hat das Spiel, das mit einer Spielunterbrechung einen weiteren Tiefpunkt erlebte, mit Fotos festgehalten.

8. Anderthalb Autostunden entfernt wird der Fußball gerade neu gedacht – was die meisten nicht gut finden. Selbst auf der eigenen Tribüne. Thomas Fritz (Zeit) hat Rasenballsport Leipzig Anhänger gefunden, die sich zur Ultra-Kultur bekennen und nicht alles gut finden, was Red Bull macht. Die Schottische Furche versucht derweil Mitglied bei Rasenballsport zu werden.

9. Und Red Bull kann viel machen, weil ein finanzkräftiger Investor große Pläne hat. Wie können die anderen Fußballclubs in Deutschland da mithalten? Aufschlussreich ist die Multimedia-Übersicht der Sportschau, die die Finanzkraft der Bundesligavereine vergleicht. Erstaunlich, dass fünf Clubs die Hälfte des Bundesliga-Umsatzes ausmachen.

10. Heute Abend kämpft Alemannia Aachen um den Aufstieg. Gegner ist der Spitzenreiter: die Zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach. Grund genug für Sascha Theisen sich im Überdachte Fußball-Fanzine an die großen Spiele gegen die Borussia zu erinnern – auch wenn es damals noch gegen die 1.Mannschaft ging. Ein Wiedersehen mit Jan Schlaudraff, Taifour Diane und Clirim Bashi.

11. Was Aachen anstrebt, ist Hammarby schon gelungen. Das Team konnte nach fünf Jahren wieder in die höchste schwedische Spielklasse aufsteigen. Nils Kubowitsch blickt für Cavanis Friseur auf die Entwicklung eines Vereins, der selbst als Zweitligist den höchsten Zuschauerschnitt aller schwedischen Vereine erreichte.

Meist geklickter Link gestern
David über den Klopp Abschied wurde gestern am häufigsten geklickt. (Haihappening)

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Eine neue Folge von Collinas Erben steht zum Download bereit: Fußball ist kein einfaches Spiel.

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»Mein Vater und ich trafen uns mit Uli Hoeneß in München. Es war eigentlich ein gutes Gespräch, doch mir missfielen einige Details im Vertrag. Also unterschrieb nicht. Es war vermutlich der größte Fehler meines Lebens.«

Michael Anicic war auf dem besten Wege für lange Zeit Bundesligaprofi zu sein. Doch dann machte er einige Fehler wie er im Interview mit 11 Freunde zugibt.

Mixed Zone
Hamburg: Uwe Seeler macht sich Sorgen. + + + Vertragsverlängerung: Markus Gisdol soll noch zwei Jahre länger bleiben. (Spiegel) + + + Abgesang: Berni Mayer (Vice) sieht die Flügelzange und einen neuen Bayern-Spieler für 100 Millionen Euro kommen. + + + Boykottende: Fenerbahces Spieler wollen wieder Fußball spielen. (Spiegel) + + + Podcast: Eine neue Episode der Erfolgsfans aus dem Stadion. + + + Rot-Weiss: Die Zweierkette über die Geschichte des Vereines aus Erfurt. + + + Rezension: 120Minuten über »Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB«.

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CE68 – Fußball ist kein einfaches Spiel


Wir verarzten die Bundesliga-Spieltage 24 bis 28, besprechen die Viertelfinal-Partien in DFB-Pokal und Champions League und warten mit Kuriositäten und Besonderheiten aus Wien, Belfast und Karlsruhe auf. Mehr Details in den Kapitelmarken.
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Musik: Tha Silent Partner – P Pulsar (Album Version)

Wir freuen uns über eure Kritik, euer Lob, eure Wünsche. Sendet uns dazu einfach eine Sprachnachricht.

Links: Interview mit KSC-Keeper René Vollath bei 11 Freunde — Der Fauxpas der Schiedsrichterin beim U19-Spiel der Frauen zwischen England und Norwegen im Video — Die Kolumnen von Collinas Erben auf n-tv.de — Collinas Erben bei Twitter und bei Facebook — Die offiziellen Fußballregeln als PDF-Datei zum Download

Shownotes: Wir haben jetzt Kapitelmarken!

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#Link11: Auf dem Trainerkarussell fahren alle gleich schnell

Jürgen Klopp ist nicht mehr. Bei Borussia Dortmund. Ab Sommer. Aki Watzke bestritt die Pressekonferenz mit gravitätischer Mimik und Diktion, die an eine Grabrede erinnerten. Der baldige Ex-Trainer wurde für seinen Satz »Der Verein ist größer als wir alle« umgehend gefeiert. Die Verehrung der Fans ist den beiden authentischen Fußballliebhabern im sonst so glatten Business sicher.

Dabei war es nicht viel weniger als ihre Pflicht, eine rührselige halbe Stunde abzuhalten. Der BVB ist Vorreiter darin, emotionale Bindung zum Verein nicht nur zur Schau zu stellen, sondern sie zu kapitalisieren. Unabhängig davon, wie kontrolliert das Bedauern letztendlich öffentlich abgeleitet wurde: Wo »Echte Liebe« ein Claim, Gefühle ein Verkaufsargument sind, wäre es vereinsschädigend gewesen, den Abgang nur nüchtern zu vermelden. Es hätte der Marke geschadet, dem Image des Klubs.

[Klopp] schaffte es auf seine doch ziemlich einzigartige Weise, fröhlich die eigene Beerdigung bei Borussia zu moderieren, und danach springlebendig den Raum zu verlassen. (Philipp Selldorf, SZ)

Schließlich steht in Konsequenz all dessen auch der Aktienkurs auf dem Spiel; er steigt und fällt mit dem Auf und Ab der Fanseele. Das Gerücht am Morgen hatte den Kurs gesenkt, im Laufe der pathetischen Pressekonferenz stieg er wieder deutlich an. Bei den Kenndaten der Aktie heißt es »Sektor: Medien / Entertainment«. Liefern die Bosse keine gute Show ab, ist mit einem Kursverlust zu rechnen. Wir befinden uns im Zeitalter des modernen Fußballs, nicht auf dem Bolzplatz. Auch und gerade in Dortmund.

So viel kommentierend zum gestrigen Geschehen, unter dem Banner liegt die nüchterne Sachebene. Die #Link11 arbeitet auf, was passiert ist und legt vor, was dazu geschrieben wurde.

blogundpresseschau

1. Die Eckdaten und einige Zitate der gestrigen Pressekonferenz sind oben unter »rührselige halbe Stunde« verlinkt, es handelt sich um einen Artikel bei Spiegel Online. Klopps Ära und die Gründe ihrer Beendigung rekapituliert Oliver Fritsch in der ZEIT. Beim Versuch, die Pressekonferenz im Liveticker zu übertragen, scheiterte ein Journalist des englischen Telegraph – er verstand kein Deutsch.

2. Kommentare zur gestrigen Rücktrittsankündigung gibt es einige. Drei seien hier empfohlen. Stefan Osterhaus (NZZ) verweist auf Clausewitz und sieht bei Klopp den »Rückzug aus einer unhaltbaren Position«. Für Dirk Gieselmann (11Freunde) ist der BVB-Burnout logische Folge des jahrelangen Rausches – Dortmund müsse sich nun fragen, ob man nicht im Stile Lucien Favres auf Solidität umsteigen wolle. David Theis geht in seinem Blog auf zwei Sätze Klopps genauer ein. Er schließt sich dem vermeintlichen Konsens von der Folgerichtigkeit und Notwendigkeit dieses Schrittes nicht an. Weitere Pressestimmen stellt der Indirekte Freistoß vor.

3. Nachgereicht werden muss an dieser Stelle der prophetische Bericht des Ermittlers Dietfried Dembowski vom Dienstag. Einem gefälschter Twitter-Account gleich wusste er alles schon vorher. Wie alles begann, wie alles so kam, wie es jetzt ist. Eine alternative Darstellung.

Vor der Tür trat Dembowski einmal gegen einen alten Wartburg.
„Scheiß Hipster! Scheiß Hummels! Scheiß Saison!“

4. Sascha Rebiger ist im Urlaub und legt seine Gedanken zum neuen HSV-Trainer Bruno Labbadia deswegen besonders kurz und knackig vor – dabei klingt er durchaus hoffnungsfroh. Beim Aktiven Abseits ist dagegen von einer »Bankrotterklärung« die Rede – nicht viel weniger kurz oder knackig werden hier einige Hoffnungslosigkeit stiftende Aspekte der Verpflichtung abgearbeitet. Länglicher kommt der Artikel des Vierten Mannes daher: er setzt bei seinem 360°-Blick einen völlig anderen Fokus auf den Gesamt-HSV, Zinnbauer, Knäbel und Tuchel – der neue Trainer ist da nur eine Randnotiz. Warum Labbadia »die beste aller Notlösungen« ist, erörtert Hendrik Buchheister in seinem Artikel für die Frankfurter Rundschau: Was kann er, was nicht, und was ist jetzt zu tun?

5. Am Abend gab es eine weitere Trainermeldung: Nach Informationen der Stuttgarter Nachrichten hat der VfB Stuttgart Alexander Zorniger als Trainer für die Saisons 2015/16, 2016/17 und 2017/18 unter Vertrag genommen. Nach Informationen des kicker stellt sich die Situation minimal komplizierter dar: Trainer und Verein seien sich zwar einig, es liege aber noch kein unterschriebener Vertrag vor. Erfahrungsgemäß spricht eine solche Festlegung des kicker allerdings für baldigen Vollzug.

6. Später wurde dann auch Fußball gespielt. Zum Gesamtwerk des gestrigen Tages passend verlor der FC Bayern mit 1:3 in Porto. Rene Maric (Spielverlagerung) analysiert Portos Pressing und Alonsos Deckungsschatten, der auf Mitspieler fällt. Sara Peschke (SpOn) berichtet vom berechen- und schlagbaren FC Bayern dieser Tage. Auch die Münchner haben gestern einen Trainerwechsel vermeldet: Ex-Basel-CL-Trainer Heiko Vogel rückt vereinsintern von der U19 in die U23 auf (Sport 1).

7. Der andere große Münchner Verein hat momentan einen Trainer. Andererseits hat die Berichterstattung über das Derby der zweiten Mannschaften von Roten und Blauen für Empörung unter den Löwenfans gesorgt. Zwei Gruppen (Der Fanrat 1860 sowie die Freunde des Sechzger Stadions) haben Stellungnahmen zur in ihren Augen verzerrten und verzerrenden Wiedergabe der Ereignisse veröffentlicht. Mangels weitergehender Kenntnisse oder einordnender Presseberichte seien sie hier zum Selbststudium verlinkt.

8. Heute Abend tritt der VfL Wolfsburg in der Europa League gegen die SSC Neapel an. Der Gastgeber rechnet nicht mit vollem Haus (Wolfsburger Allgemeine) – ein Umstand, den man bei anderen Vereinen schlicht der Attraktivität des Wettbewerbs zuschreiben würde, der VfB Stuttgart kann ein trauriges Lied davon singen. Marcus Bark (Sportschau) sprach in aller Ruhe mit Dieter Hecking.

9. In England jährt sich bald das Feuer im Stadion von Bradford zum dreißigsten Mal, bei dem 1985 56 Fans starben. Martin Fletcher war damals 12 Jahre alt und hat nun ein Buch darüber geschrieben. Er sieht einen Zusammenhang zu einer Reihe von Bränden in Unternehmen des damaligen Klubbesitzers, bei denen von den Versicherungen nach heutigem Wert mehr als 35 Mio. € auszahlten. Der Guardian berichtet.

10. Ein namentlich nicht genannter Zweitligaspieler hat versucht, sein Sky-Fußball-Paket als Werbungskosten steuerlich geltend zu machen. Das Finanzgericht Münster hat über den Fall entschieden: Die Übertragungen bei Sky »richteten sich nicht an ein Fachpublikum«, mithin sei »nach allgemeiner Lebenserfahrung« davon auszugehen, dass der Kläger die dargebotenen Fußballspielen nicht ausschließlich zum Zwecke der Weiterbildung genutzt habe. Die Klage wurde abgewiesen. (Beck aktuell)

11. Ein Veranstaltungshinweis für den Samstag: Das Not My FCS-Blog macht durchaus Lust auf den »Saar-Mosel-Schlager« Saarbrücken – Trier.

Meist geklickter Link gestern
Die FAZ über Spitzengehälter für Fußballstars.

Field Reporter

Ich bin für den Cheftrainer-Posten nicht meine Wunschlösung

Ralf Rangnick über Ralf Rangnick zur Besetzung der Trainerstelle in Leipzig (SportBild/sid/Sportal)

Mixed Zone
Düsseldorf: Auch Zweitligist Fortuna 95 hat einen neuen Trainer engagiert: Frank Kramer wurde im Schatten Klopps und Labbadias vorgestellt (RP) + + + Hamburg: Labbadias neuer Arbeitgeber hat weitere Anteile an den Mann gebracht: Agrar-Unternehmer Helmut Bohnhorst steigt mit 4 Mio € ein (Spiegel) + + + England: Ronald Reng und Thomas Hitzlsperger über Lehren, die der englische Fußball aus dem deutschen ziehen kann (BBC, mp3) + + + Leverkusen: Emir Spahic verabschiedete sich im Muhammad-Ali-Shirt von Bayer 04 (BHDragons) + + + Hamburg: Valon Behrami nennt Details der vermeintlichen Schlägerei: Der Boden sei glitschig gewesen und er von selbst umgefallen (BaZ) + + + »Es ist nur Fußball. Niemand ist gestorben.«

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#Link11: Die Motten und das Licht

Nicht hineinschauen! Es ist zu hell, es blendet, es ist nur eine Unterhaltungsshow, wahre den emotionalen Abstand! Aber es glitzert so schön! Und hast du den Außenrist-Zauberschuss gesehen und was Ramos mit Mandzukic gemacht hat? Nicht zu fassen, da kann man nicht wegschauen. Und weißt du noch damals, der junge Manu und ’87 die Hacke? Ich gebe zu, ich schaue ins Licht, verfolge die Champions League. Und ich gehe davon aus, dass es viele Link11-Leser genauso halten. Ich reiche euch eine Sonnenbrille. Nicht blinzeln! Sonst verpasst ihr das nächste Außenrist-Beinahe-Tor. Die Link11.

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1. Madrid und Madrid trennen sich 0:0 im gestrigen Viertelfinal-Hinspiel der Champions League. Damit bleibt Real auch im 7. Spiel gegen Atletico in Folge ohne Sieg (Zusammenfassung bei sky). Viel Wind und eine unterhaltsame Partie sah der Tagesanzeiger. Ein überlegenes Real, das zu vielen Abschlüssen gegen ein nicht wie gewohnt kompaktes Atletico kam, sah Spielverlagerung. Juventus Turin siegte im 2. Viertelfinale knapp gegen Monaco durch einen umstrittenen Elfmeter – Spielbericht bei der SZ, Zusammenfassung bei sky.

2. In den Spielen heute Abend empfängt der FC Porto die Bayern, das hat der aufmerksame Fußballinteressierte sicher schon am Rande registriert, und PSG trifft auf Barcelona. Die Partie der Bayern wird vorab umfassend bei miasanrot aufgedröselt. Die NZZ schaut sich die Liste der Ausfälle bei Bayern und Paris an. Letzteren fehlt u.a. Zlatan Ibrahimovic und im Umkehrschluss zum gestern meistgeklickten Text (siehe unten) stellt sich ob des Fehlens des unantastbaren Superstars die Frage: Wenn Alles ohne Zlatan Nichts ist, wieso tritt PSG dann überhaupt an?

3. Punkt 3 ist diesmal für Europapokalerinnerungen reserviert. Unvermeidlich muss hier an Rabah Madjer erinnert werden. Der wiederum erinnert sich nicht nur an sein Hackentor sondern spricht auch über seine Vorahnungen. Das komplette Interview von Javier Cáceres kann man inzwischen beim Tagesanzeiger nachlesen. Abseits des Landesmeisters-Finals 1987: denkt Manuel Neuer an den FC Porto, erinnert er sich wohl an eines der besten Spiele seiner Karriere (NZZ).

4. Das größtmögliche Extrem zur Glitzerwelt Champions League? Der HSV ist prädestiniert dafür und auch von ihm kann man den Blick nicht abwenden. Bei jeder neuen Hiobsbotschaft aus Hamburg blendet den Beobachter nicht das Licht sondern es fühlt sich an wie der Autounfall, den man sich eigentlich nicht anschauen will. Man guckt doch. Neuestes Kapitel: Bruno Labbadia ist der neue Trainer in Hamburg, Thomas Tuchel ist aus dem Spiel (Zeit) ebenso wie Co-Trainer Peter Hermann (HSV). Dazu kann man eine Meinung haben:

Was ich persönlich verstörend finde, sind nicht die Personalentscheidungen selbst, das zu bewerten steht mir nicht zu, sondern die Art und Weise wie in Hamburg was wann kommuniziert wird.

5. Wenn man in Zusammenhang mit Dennis Bergkamp von einem Missverständnis spricht, kann es sich doch eigentlich nur um ein versehentlich gebuchtes Flugticket handeln. Nicht unbedingt. In Bed With Maradona widmet sich ausführlich den zwei unglücklichen Spielzeiten, die der Niederländer bei Inter Mailand verbrachte, wo der Spielstil des Teams sich nicht mit Bergkamps Auffassung von Fußball vereinbaren ließ.

6. Der BVB hängt im luftleeren Raum der Liga. Mit etwas Geschick kann die Saison noch auf einem Europa League-Platz abgeschlossen werden. Aber ist das als Dortmund-Fan überhaupt erstrebenswert – die zusätzlichen Spiele unter der Woche, hat das Team den Europapokal verdient? Schwatzgelb mit dem Für und Wider. Oli Fritsch legt in seinem aktuellen Text den Finger anschaulich in die Wunde und beleuchtet die Leistungen von Mats Hummels. Anhand von Beispielen zeigt er die Schwächen des Dortmunder Verteidigers auf und unterstellt ihm einen die Mannschaft schwächenden Hang zum Spektakel (Zeit).

7. Bleiben wir bei den Problemfällen der Bundesliga. Hannover gewinnt keine Pflichtspiele. Am vergangenen Spieltag sah es mal wieder kurz für ein paar Minuten so aus, als könnte es was werden mit dem Dreier. Wurde es aber nicht. Stattdessen ein Unentschieden zuhause im Abstiegskampf gegen die Hertha. Der Trainer angezählt, der Kader in Auflösung – sieht grad alles nicht so gut aus, meint das spielfreiblog. Um die Ergebniskrise auf Schalke hinwegzufegen, müssen einfach mal die Schuldigen benannt werden. Ein einfaches Formular hilft – alle rausschmeißen, Kevin Kuranyi zuerst (königsblog).

8. 22 Jahre und Leistungsträger bei einem Champions League Anwärter. Die Entwicklung Granit Xhakas ist bemerkenswert, seine aktuelle Form lässt ihn bei Gladbach herausragen. David Nienhaus veranschaulicht in Text und Gif was den Schweizer auszeichnet (watson). Einen Knick in der Karriere gab es bei Philipp Wollscheid. In kürzester Zeit machte er in der Bundesliga von sich reden und kam zu Einsätzen in der Nationalmannschaft. Inzwischen spielt er – unter dem Radar der deutschen Öffentlichkeit – in der Premier League (SZ).

9. Was kann man mit den Milliarden aus der Vermarktung des Fußballsports nicht alles für tolle Dinge machen? Nachwuchsförderung, Basisarbeit, Infrastruktur. Stattdessen fließt viel von den Mehreinnahmen in Form von explodierenden Gehältern an die Spieler. Und zwar an die Topspieler. Denn sie sind mit ihrer Ausstrahlung und ihrem Aussehen Aushängeschilder und wichtigste Markenbotschafter. Die FAZ widmet sich den Gehaltsstrukturen der Fußballstars.

10. In Nürnberg versucht sich der in Frage gestellte Martin Bader an Populismus, um die Fans wieder auf seine Seite zu ziehen. Verdiente Spieler des Clubs gehen inzwischen in Opposition zur sportlichen Leitung (Clubfans United). In München bei 1860 hofft man – auf die Rückkehr von Rubin Okotie. Noch ist unklar, wann der Stürmer wieder spielen wird (SZ).

11. In Düsseldorf blickt man nach vorne und stellt die Weichen für die neue Saison. Dann übernimmt Frank Kramer, ehemaliger Fürth-Coach, den Trainerposten. Viel Erfolg bei seiner neuen Aufgabe wünscht das Halbangst-Blog, lässt aber an gleicher Stelle dem Zynismus freien Lauf und wähnt die Düsseldorfer Vereinsführung auf einem von Vermarktung und Projektdenken gekennzeichneten Irrweg. Etwas entfremdet vom Verein ist auch Rainer Bartel, der in einem langen Text den Aufstieg der Fortuna nach dem Absturz in die Viertklassigkeit nachzeichnet. Unermüdliches Engagement der Fans war ein Kennzeichen der “besseren” Fortuna deren Anfang vom Ende der Aufstieg in die Bundesliga am grünen Tisch war (the düsseldorfer).

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Über das Fußball- und Medienphänomen Zlatan (FAZ).

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Wir, besser gesagt Ruben Schönenberger, stellen den Bildband “The Homes of Football – Britische Fussballkultur in den 90er Jahren” vor.

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Es muss mindestens eine Tribüne vorhanden sein, damit es für mich als Stadion gilt. Ich versuche immer, ein Spiel in dem Stadion zu sehen und 90 Minuten da zu sein

Groundhopper David Gohla im Interview bei der Zeit.

Mixed Zone
Plädoyer: für RWE (Im Schatten der Tribüne) + + + 100: Ausgaben des ballesterer-Magazins gibt es inzwischen, ein Interview über das Erfolgsgeheimnis (footage) + + + In den Zwanzigern: Die Erfolgsfans lassen detailreich die Entwicklung des FC Bayern zwischen 1920 und 1930 Revue passieren + + + Alle zusammen: ein Regeländerungsvorschlag vom Kelschblog + + + Verstorben: Werder-Legende Pico Schütz (Weser-Kurier) + + + Die Aussichten: für eine Teilnahme Thailands bei der WM 2018 bei Thai Fußball

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Kabinenpredigt: The Homes of Football – Britische Fussballkultur in den 90er Jahren

Die 80er Jahre waren für den britischen Fussball wohl die prägendsten. Heysel, Hillsborough und Bradford sind Stichworte, die den meisten Fussballfans – auch auf dieser Seite des Kanals – einen Schauern über den Rücken jagen. Unter anderem wegen dieser Katastrophen stand der Fussball in seinem Mutterland vor weitreichenden Veränderungen, die Stuart Roy Clarke fotografisch dokumentiert hat.

Ob diese Veränderungen nun nötig waren oder nicht. Ob diese nun übers Ziel hinausschossen oder nicht. Ob es nun an dem politischen Kalkül von Margaret Thatcher, der eisenern Lady, lag oder nicht: Ab Ende der 80er und vor allem im Verlauf der 90er Jahre begann sich der Fussball in England zu wandeln. Sicher spielten dabei auch ganz andere Faktoren eine Rolle – mit der zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung des Fussballs sei nur eine genannt. Sicher ist aber auch, dass sich Britanniens Fussball nie mehr so verändern sollte, wie er es in den 90ern tat. Stuart Roy Clarke hat dies in seinem Bildband eindrücklich dokumentiert.

Stacheldraht vor Millwall-Fans

Copyright: Stuart Roy Clarke & Spielmacher

Nicht zu Unrecht bezeichnet 11Freunde-Chefredakteur Philipp Köster den Fotografen Stuart Roy Clarke im Vorwort als den „Dokumentar des Wandels“. Auch wenn Clarke diese Absicht vermutlich gar nicht hatte, als er die Fotos geschossen hat, so zeigen sie doch eindrücklich auf, was sich alles verändert hat. Undenkbar ist heute, dass die Fans von einem mit Stacheldraht versehen Zaun vom Spielfeld getrennt werden, wie es noch 1990 bei Millwall der Fall war. Undenkbar ist heute, dass sich Journalisten von der Pressetribüne per Telefon an die Redaktion wenden, um einen Spielbericht zu diktieren, wie dies noch 1996 in Kilmarnock gepflegt wurde. Undenkbar ist heute, wie gleich mehrere Vereinsangestellte händisch den Spielstand auf einer hölzernen Tafel aktualisieren, wenn ein Tor gefallen ist, wie noch 1991 bei Shrewsbury Town. Clarke zeigt aber auch auf, dass mutmasslich durch den modernen Fussball eingeführte Neuerungen schon viel länger Bestand haben, als man denkt. Zeuge dafür ist beispielsweise West Hams Upton Park, der schon 1990 über einen Family Stand verfügte.

Stadien, die komplett abgerissen wurden; die Einführung der All-Seater-Stadien; die Abschaffung der Zäune zum Spielfeld hin. Kurzum: Mit den Stadien hat auch der Fussball in Grossbritannien ein neues Gesicht erhalten. Clarke schafft es nicht nur, dies festzuhalten, in dem er die quasi prä-modernen Stadien ablichtet. Er bannt auch den Wandel an sich auf Papier. Der Abriss der alten Tribünen des Old Trafford in Manchester oder die sich bereits im Bau befindlichen neuen Tribünen für die Fans von Newcastle United oder Bradford City zeugen davon.

Abbruch Old Trafford

Copyright: Stuart Roy Clarke & Spielmacher

Man kann den Bildband als romantisierende Ode auf die Vergangenheit des britischen Fussballs sehen. Und in der Tat gibt es dafür Anhaltspunkte. So zum Beispiel die Landkarte der englischen Stadien auf der Innenseite des Buchumschlags, wo beispielsweise das American Express Community Stadium in Brighton schlicht als Falmer Stadium aufgeführt wird, wie es wegen seiner geographischen Lage vor der Vergabe des Namensrechts genannt wurde. An dieser Stelle sei die Randnotiz erlaubt, dass auf jener Karte sogar die Isles of Scilly mit der selbst proklamierten kleinsten Liga der Welt vermerkt sind. Auch Philipp Köster schlägt im Vorwort – zumindest teilweise – in diese Kerbe, wenn er sagt: „Der ideale Zuschauer in dieser schönen, neuen Fussballwelt sitzt auf einem Schalensitz, schwenkt sein Fähnchen und will unterhalten werden.“ Man kann den Bildband aber auch als Begrüssung des neuen Zeitalters im Mutterland des Fussballs sehen. Denn auch dafür gibt es Anhaltspunkte: Der erwähnte Stacheldraht in Millwall wird wohl niemanden dazu verleiten, sich dorthin zurückzuwünschen.

Ob man nun in Clarkes Bildern das eine oder das andere sieht: Die Momente, die Clarke festhält, werden jeden Fussballfan erfreuen. Und sei es nur das scheinbare Detail, dass er oft genau im richten Zeitpunkt auf den Auslöser drückte. So zum Beispiel bei einem Freistosstor in Sunderland, über das erst der Schütze selbst jubelt, während die restlichen 21 Spieler noch realisieren müssen, was gerade passiert.

Cover Homes of Football

Copyright: Stuart Roy Clarke & Spielmacher

Titel: The Homes of Football – Britische Fussballkultur in den 90er Jahren
Autor: Stuart Roy Clarke
Typ: Bildband mit unzähligen in und um Grossbritanniens Stadien geschossenen Fotos aus den 90er Jahren
Preis: 54.90 CHF / 39.80 EUR
Seiten: 240
Infos: www.homesoffootball.co.uk
Empfehlenswert für: Alle, die in Bildern von Fans, Stadien und deren Umgebung mehr erkennen können als nur einen festgehaltenen Moment. Speziell empfehlenswert für alle mit einem Flair für Grossbritannien und seinen Fussball.
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#Link11: Poetische Hysterie

Der europäische Ligafußball nähert sich seinem Saison-Endspurt. Das heißt der Erfahrung nach: Alle flippen völlig aus. Vereine, Fans und Medien stacheln sich gegenseitig zu einer mordsmäßigen Gaudi an, Werbeagenturen erledigen mit Imagekampagnen den Rest. Stimmige Gesamterscheinung einer Unterhaltungsindustrie für den Einen, eine Spur zu viel Ablenkung für den Anderen. Trotz des täglichen Liga-Hintergrundrauschens stand der gestrige Tag aber unter dem Eindruck des Todes zweier großer Denker und Fußballfreunde. Fraglos haben Eduardo Galeano und Günter Grass Fußball anders kennengelernt, als er heute ist. War er besser? Vielleicht ein bisschen romantischer. Dieser Montag jedenfalls bot reichlich Anlass (und Themen), um über “Werte” & “Tradition” im Fußball zu philosophieren.

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1. Eduardo Galeano war ein gefeierter Autor & Journalist, eine der einflussreichsten politischen Persönlichkeiten Lateinamerikas (Guardian) – und ein großer Fußballfan. Sein gestriger Tod ruft Erinnerungen an sein Kultbuch “Soccer in Sun and Shadow” sowie daran wach, wie einzigartig er die martialische Poesie dieses “verrückten englischen Spiels” beschrieb.

2. “Poesie” ist in etwa das letzte Wort, das mir zum Spiel des HSV einfallen würde. Der taumelnde Dino kann einem wirklich leid tun. Hoffnungsträger Thomas Tuchel ist verhindert (FAZ), die Fans sind aufgebracht, Valon Behrami und Johann Djourou…sogar noch aufgebrachter. Wenig überraschend braucht der HSV für den medialen Spott nicht zu sorgen (NDR). Nein, wirklich nicht (NJOY). Und als ob das alles nicht schon Folter genug wäre, bedroht nun auch noch der rachsüchtige Ex Verein und Spieler.

Wir erleben einen Traditionsclub vor dem kompletten Zusammenbruch. “Wir”, das heißt, alle außer Andreas Bock. Der erklärt für 11 Freunde, warum der HSV selbstverständlich nicht absteigt.

3. “Jung & frech” lautet der Markenclaim des SC Paderborn. Nur verständlich, dass man sich da bei der Vereinswerbung auch mal etwas Frecheres einfallen lässt. Zum Beispiel einen fingierten Einbruch ins eigene Stadion (FAZ). Erstligareif.

4. Abstiegskampf, das ist der permanente emotionale Ausnahmezustand für Fans. Die Stimmung auf den Rängen ist meist gedrückt, Ultras kritisieren zum Teil lautstark das eigene Team. Das mag nicht immer schön sein, gehört aber dazu. Die strauchelnden Vereine halten mit einem Werbe-Dauerfeuer dagegen. Durchhalteparolen und Aufrufe zum Zusammenhalt werden per Tweet, Imagekampagne oder Aufkleber-Aktion in die Kurven getragen. Lars Gartenschläger erklärt die Institution Abstiegskampf zur Hochsaison der Klatschpappenkultur (Welt).

5. Nicht, dass man nicht auch mit den Nerven am Ende sein könnte, wenn man nicht im Abstiegskampf steckt. Das Web 0.4 Blog jedenfalls hat genug von der Lethargie des FC Schalke und beklagt die leeren Phrasen seiner Verantwortlichen.

6. Zlatan Ibrahimovic ist der Inbegriff des modernen Fußball-Superstars. Das verdankt der Stammgast jeder “Die 10 schönsten Tore aller Zeiten”-Auflistung nicht nur seinem einmaligen Talent, sondern auch einer einzigartigen Selbstvermarktung. Eine eigene Suchmaschine inklusive. Kritische Zwischentöne – oder anders: Journalisten – sind dabei zunehmend unerwünscht. Christian Eichler über die Einseitigkeit eines Fußball- und Medienphänomens (Welt).

7. Frank Lampard spielt für Manchester City. Steven Gerrard bald nicht mehr für Liverpool. Alessandro Del Piero schon lange nicht mehr für Juve. James Spiking fragt sich: Ist Loyalität im Fußball ein überholtes Konzept (Soccer without Limits)?

8. Eine neue Woche, neue Situationsanalysen zum Spiel des BVB. Die Kehrseite des Medieninteresses lernt in dieser Saison vor allem Trainer Klopp kennen. Zwar wird seine Mannschaft nach wie vor den Erwartungen nicht gerecht – jedoch ist sie immerhin 5. in der Rückrundentabelle. Christoph Cöln empfiehlt Dortmunds Trainer dennoch ein “Sabbatical” (Welt), während sich Dirk Krampe über Michael Zorcs Halbzeitansprache während des Borussia-Derbys wundert (Ruhr Nachrichten). Man kann es drehen, wie man möchte: Die anhaltende Rückendeckung für Klopp scheint eine irritierende und zuweilen verärgernde Wirkung auf manche Betrachter zu haben. Dabei macht auch das Saisonfinale mit einer Prise Humor deutlich mehr Spaß.

9. Der Nachwuchs des FC Chelsea hat die prestigeträchtige UEFA Youth-League gewonnen (Spox). Dennoch sind Club und Trainer nicht dafür bekannt, sehr geduldig mit jungen Spielern umzugehen. Thorgran Hazard,  Kevin de Bruyne und aktuell 24 (!) Leihspieler können davon vermutlich ein Lied singen. Mark Worrall kritisiert José Mourinhos verschwenderischen Umgang mit Chelseas Jugendakademie und fragt, ob wohl der 18-jährige Lionel Messi bei Chelsea dieselbe Chance wie seinerzeit in Barcelona erhalten hätte – oder als Leihspieler bei Vitesse Arnheim versauert wäre (ESPN).

10. Verlieren gehört zum Fußball dazu. Das weiß niemand besser, als Spieler und Fans von Avenir Beggen, dem schlechtesten Team der Champions League Historie. Ex-Stürmer Armin Krings spricht mit 11 Freunde über die luxemburgische Liga und warum trotz deftiger Niederlagen die Freude am Spiel stets überwog.

11. Apropos alte Traditionen und Bräuche… “An einem Benefizspiel für den Frieden teilgenommen. Elfmeter geschunden. Siegtor geschossen. Schlägerei mit Journalisten und Ordnern gehabt.” Ein normaler Nachmittag im Leben des Diego Maradona (11 Freunde).

Meist geklickter Link gestern
Der Verrückte von Marseille.

Field Reporter

“[…]es wäre sicher nicht gut, wenn sich der Frauenfußball ein Beispiel nähme an dem, was im Männerfußball geschieht, also im Grunde eine moderne Form hochdotierter Sklaverei. Die Spieler sind nicht mehr Herr ihrer eigenen Entscheidung, meistens sind Berater dabei, der Marktpreis wird jeweils von den Vereinen beim Verkauf oder Ankauf bestimmt, und das ist auch eine nicht würdige Situation für diese jungen Leute, die ja, was man voraussehen kann, dieser Situation auf die Dauer auch nicht gewachsen sein werden.”

Günter Grass bevorzugte den Frauenfußball (Deutschlandfunk).

Mixed Zone
Bremen: Alles ist möglich. Marco Bode blickt in die Zukunft (Weser Kurier) + + + Liverpool: Eine Ode an Jordan Henderson, den neuen Boss der Reds (8by8) + + + Frankfurt: Alex Meiers Saison ist vorbei (Spiegel) + + + Turin: Gigi Buffon spielt weiter. Und weiter und weiter…. (Spiegel) + + + Hannover: 96’s Ultras haben sich in den Amateurfußball zurückgezogen. Ein Erlebnisbericht aus der “heilen Welt”. (taz) + + + Bremen: Der SV Werder fliegt im Sommer nach Bali (Weser Kurier)

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#Link11: Ein Dino mit einer Laterne

‘Nich lang schnacken – Kopp in Nacken!’, sagt man hier in Hamburg, wenn man anstoßt. Viele HSV-Fans dürften diesen Spruch am Wochenende angewendet haben, als sie sich den Frust von der Leber soffen. Der Absturz des HSV auf den letzten Tabellenplatz ist das große Thema der heutigen Link11. Und ich will hier auch nicht lang schnacken, sondern direkt zur Sache kommen. Los geht’s!

blogundpresseschau

1. Das Drama kam zum Schluss: Stuttgart besiegte Bremen in einem Last-Minute-Thriller mit 3:2. Der Vertikalpass freut sich überschwänglich, dass sein VfB nicht mehr auf dem letzten Platz steht. Die HB-People sehen einen Haufen Gründe für die Bremer Niederlage – u.a. die eigene Leistung, individuelle Fehler und den Schiedsrichter. Ich habe die Partie für die 11Freunde analysiert. Köln gewann schon ein paar Stunden zuvor verdient mit 3:2 gegen 1899 Hoffenheim (s. u.a. Spiegel Online).

2. Der Brennpunkt des Wochenendes befindet sich woanders: Der HSV befindet sich nach dem 0:2 gegen Wolfsburg auf dem letzten Tabellenplatz. Zu allem Überfluss prügelten sich auch noch Djourou und Behrami in der Kabine (s. u.a. Spiegel Online). Christian Kamp (FAZ) sieht die Autorität von Trainer Knäbel schon nach zwei Spielen beschädigt. Jan Kahlke (taz) sieht den Trainer in einer Lose-Lose-Situation, könnte er doch glatt zwei Jobs verlieren. Oscar Beck (Welt Online) fragt sich: Ist der HSV bereits innerlich abgestiegen? Felix Magath macht indes den Loddar und bringt sich selbst ins Gespräch (s. FAZ). In den Verhandlungen mit Thomas Tuchel fehlen nur noch die letzten Details, wird indes gemutmaßt (s. u.a. Mopo).

3. Die Samstagnachmittagsspiele: Schwatzgelb ist unzufrieden mit dem 1:3 gegen Gladbach und fragt die Dortmunder: “Was ist nur mit euch passiert?” Zwischendurch legte sich Klopp mit Kehl an, schreibt Welt Online. Torsten Wieland (Königsblog) sieht seine Schalker beim 0:0 gegen Freiburg am Erwartbaren gescheitert. Milan Pavlovic (Süddeutsche) sieht Schalke so lahm wie zu Kellers Zeiten. Thomas Kilchenstein (FR-Online) meint, einer der großen Sieger beim Münchner 3:0 über Frankfurt sei Sebastian Rode, der unerwartete Stammspieler. Paderborn schaffte gegen Augsburg einen wichtigen Sieg (s. kicker). Und Leverkusens Trainer Roger Schmidt erklärte nach dem Sieg gegen Mainz seine Spielidee im ZDF Sportstudio.

4. Am Freitag bereits verpasste Hannover 96 beim 1:1 gegen Hertha den Sprung aus der Abstiegszone. Präsident Kind spricht Trainer Korkut trotzdem das vollste Vertrauen aus (s. u.a. Ruhrnachrichten).

5. Emir Spahic war noch nie ein ruhiger Kerl. Sein Ausraster im Pokalspiel kostete ihm nun aber den Job. Leverkusen und Spahic haben im “gegenseitigen Einverständnis” den Vertrag aufgelöst (s. u.a. FR-Online).

6. Diese Woche geht es hochklassig weiter. Bayern München trifft in der Champions League auf den FC Porto. Spox gibt den Startschuss zur Champions-League-Vorberichterstattung. Was bietet sich mehr an, als einen Akteur des 87er-Finales zu interviewen? Jean-Marie Pfaff spricht über frühere Zeiten und die unnötige Finalniederlage anno dazumals.

7. Der Fall Klümper und die Dopingverstrickungen der deutschen Topathleten, Kapitel 7: Frank Zimmermann und Alexandra Röderer (Badische Zeitung) beschreiben, wie die Stadt Freiburg den Dopingarzt unterstützte und ihm gar eine moderne Praxis mietfrei zur Verfügung stellte.

8. Marcelo Bielsa ist wohl einer der spannendsten Trainer, der aktuell im Fußball arbeitet. Seine Marseiller Mannschaft ist dementsprechend eins der spannendsten Projekte der aktuellen Zeit. Cavanis Friseur skizziert die Saison der Franzosen und erklärt, was sie so besonders macht. (Großartig auch das Symbolbild für “Wechselbad der Gefühle” zu Beginn des Artikels.)

9. Das Großereignis diesen Sommer ist natürlich die Frauen-Fußball-WM. Es ist das Abschiedsturnier von Silvia Neid, die danach als deutsche Nationaltrainerin aufhört. Im Sportgespräch mit dem Deutschlandfunk erzählt sie, warum sie mit gemischten Gefühlen auf das Turnier blickt.

10. Fußball und Politik, das sind zwei Dinge, die müssen sich nicht gegenseitig ausschließen. In Bed with Maradona schreibt über den Einfluss des Fußballs auf die britische Parlamentswahl im Jahr 1970.

11. Derby, das steht für Lokalrivalität und Zwietracht. Dass es auch anders geht, beweist das Duell Dundee gegen Dundee: Es gilt als das friedlichste Derby der Welt, wie die Sportschau berichtet.

Meist geklickter Link am Wochenende
Pep nervt, behauptet der Tagesanzeiger. Euch hat diese Meinung interessiert.

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In eigener Sache: Zusammen mit Sven Schultze war ich zu Gast beim Rasenfunk. Gemeinsam arbeiten wir den 28. Spieltag ab – und reden lange über den HSV.

Field Reporter

Auch ich darf mal scheiße spielen!

Lewis Holtby spricht Klartext gegenüber den Hamburger Fans (s. 11Freunde).

Mixed Zone
Gute Geste: Der Nordberliner SC nahm Flüchtlinge in den Verein auf und half ihnen, die passende Kleidung und Schuhe zu erwerben (s. Berliner Woche). + + + Unglücklicher Scheich: Nach dem 2:4 im Stadtderby gegen United steht Manchester Citys Trainer Pellegrini vor dem Aus (s. Spiegel Online). + + +

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#Link11: Die Zeit der Romantik ist vorbei

Will dir den Frühling zeigen,
der hundert Wunder hat.
Der Frühling ist waldeigen
und kommt nicht in die Stadt.

Nur die weit aus den kalten
Gassen zu zweien gehn
und sich bei den Händen halten –
dürfen ihn einmal sehn.

Sie lasen: »Will dir den Frühling zeigen« von Rainer Maria Rilke. Erschienen in »Erste Gedichte« (Insel-Verlag, Leipzig 1913). Was die ARD kann, kann die Link11 schon lange. Und nun zum Spocht.

blogundpresseschau

1. »Nur durch Emotionen wird das Produkt Fußball verkauft« – was klingt wie eine frühe Parole des früheren TSG-Geschäftsführers Jochen Rotthaus, der »die Herzen akquirieren« wollte, kommt aus dem Munde des HSV-Marketingvorstandes. Es sind inzwischen die Vereine mit Tradition und Fans, aber ohne sportlichen Erfolg im selben Maße, die sich derart BWL-studiert ausdrücken. Sie vermitteln den Fußball als Wirtschaftsobjekt, ihre Geschichte als einzurechnenden Faktor, die Leidenschaft ihrer Fans als Einnahmequelle. Weil andere Klubs das längst getan und unter anderem dadurch sportliche Erfolge und Mehreinnahmen erreicht haben. Weil der Weg der Kommerzialisierung eingeschlagen, die Schuldigen ausgemacht und die Feindbilder bennant sind, kann der Rest inzwischen weitgehend gefahrlos folgen. Der Weser-Kurier hat Fakten und Stimmen zur Ausschüttung der Fernsehgelder gesammelt.

2. Das titelgebende Zitat stammt heute von Harald Strutz, Präsident des 1. FSV Mainz 05 – einem Verein, der regelmäßig die Fronten wechselt. Manager Christian Heidel forderte einerseits ganz allgemein von Bundesligapartien das Potenzial, Zuschauer zu elektrisieren, findet aber andererseits (siehe 1.), dass diese Elektrisierung bei den Fernsehgeldern nicht berücksichtigt werden sollte, schließlich entstünden dem eigenen Verein dadurch Mindereinnahmen. Heidel schied die Bundesligavereine stets in jene, die dorthin gehörten und jene, die den eigentlich dorthin gehörenden den Platz wegnähmen. Sein Präsident Harald Strutz dagegen zeigt sich im Interview mit Spox offen für Investoren. Gerade Vereine, die etablierte Bundesligsten verdrängt noch in der Entwicklung zum festen Mitglied der Bundesliga begriffen seien, fände er als Unternehmer interessant.

3. Bleiben wir beim Geld: Die Kostenübernahme fußballnaher Polizeieinsätze bleibt diskutabel. SZ-Schwergewicht Heribert Prantl macht nicht viele Worte: die DFL solle zahlen. Die sich etablierende Kostenumlegung von Strafen für Böller und Beleidigungen ist »so logisch, das man sich fragen kann, warum die Klubs erst in jüngerer Zeit darauf gekommen sind«, findet Christoph Becker in der FAZ. Die Fanhilfe Hannover arbeitet indes weiter an den Folgen der Zwangsanreise zu Eintracht Braunschweig.

4. Sportschau.de analysiert regelmäßig die finanzielle Situation eines Bundesligisten. Diesmal steht Bayer 04 Leverkusen an, doch die »Fußball GmbH« ist von der Veröffentlichungspflicht der Geschäftszahlen befreit.

5. Auf der anderen Rheinseite, in Köln, war Geld schon immer ein Reizthema. Mal hatte man keines, zu anderen Zeiten war der Umgang mit den vorhandenen Mitteln verbesserungsfähig. Heute ist der eigene Verein so seriös geworden, dass das Geld der anderen stärker thematisiert wird. Dabei ist das eigene Fußballverständnis wachsam gegenüber Abweichlern: »Für uns zählen Werte wie Ehrlichkeit, Treue, Verbundenheit und Charakter und nicht Gewinnmaximierung«, sagt Stephan Schell. Deswegen wird von »Fans und Ultras« demonstriert, für den »Erhalt der Fankultur«, gegen Mäzene wie Dietmar Hopp, der im Zuge der Gewinnmaximierung mehrere Hundert Millionen Euro ausgab und sie ohne Treue oder Verbundenheit zu seinem Heimatverein in den Fußball steckte. Weiteres Leitthema ist das Strafensystem des DFB, das dem von Teilen oder Einzelnen der Kölner Fanszene wiederholt demonstrierten Verständnis von Fankultur sicherlich im Wege steht (Faszination Fankurve).

6. Den Nachwirkungen der öffentlichkeitswirksamen HoGeSa-Aktionen widmet Vice einen Artikel. Dass auch »einvernehmliche Hooligan-Kämpfe« als Straftat bewertet werden und somit Hooligans der Bildung einer kriminellen Vereinigung verdächtig werden, hat Folgen, über welche die Sächsische Zeitung berichtet und dabei ein Loblied auf die sächsische Justiz singt – die letzte Strophe in Moll.

7. »Und täglich grüßt die Extrawurst« beim Volk ohne Raumdeckung ist eine Streitschrift, die mit Eloquenz und Verve sowie anhand von in ihrer Vielzahl beeindruckenden Fallbeispielen die Existenz des Bayernbonus’ darlegen will. Wie man auch zum inhaltlichen Vorwurf und dem Beweis durch Beispiel stehen mag: der Kraft freisetzende Ärger, der in diesen Text geflossen ist, macht ihn alleine schon lesenswert.

8. In der Bundesliga steht Hannover an der Pforte des Abstiegssumpfes und die Hertha vor dem gesicherten Mittelfeldplatz. Die Berliner Morgenpost mit einem Vorbericht zum Freitagsspiel.

9.

Wenn es mit Lorant jetzt nicht klappt, dann klappt es eben nicht. Aber wenn es klappt, dann sind wir alle Helden.

Josef Hofmann, der Vereinsvorsitzende des TSV Waging am See, im launigen Telefoninterview mit einem Redakteur der Süddeutschen Zeitung.

10. Der GoalImpact, ein Algorithmus zur Bewertung von Spielern quer durch die Geschichte des Fußballs, hat sich einem Upgrade unterzogen. Thomas Müller wird nun als bester Spieler aller Zeiten geführt. Mit dem TretImpact befasst sich der zurückgekehrte Ermittler Dietfried Dembowski in seinem völlig anderen Blog eher prosaischer und verächtlicher Ausrichtung.

11. Romantik, deren Zeit vorbei ist. Das blutende Herz einer mit 0:4 Unterlegenen, geschlagen und verloren: »Das Herz von St. Pauli«.

Dann verselbstständigte sich das Geschehen auf seltsame Weise und überrollte mich, als stünde ich mit unsicheren Füßen auf einem Surfbrett im Angesicht einer riesigen Monsterwelle, die auf mich zu rast und mich unter sich begräbt. Tor um Tor fiel, in teils bizarrer Entstehung und mich erfasste ein Entsetzen, das mir die Sprache verschlug.

Meist geklickter Link gestern
»Pep nervt«.

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Die Collinas-Erben-Kolumne bei n-tv.de arbeitet die Mittwochsspiele im DFB-Pokal auf.

Field Reporter

The centre of everything is the relationship, and empathy, not only with the individual but in the team. And to have that empathy in the team we all must give up something. It’s not about establishing the perfect relation between me and you; it’s about establishing the perfect relation to the group, because the group wins things; it’s not the individual who wins things

José Mourinho im Interview mit dem Telegraph über seine Arbeit als Trainer; nicht als Taktikexperte, sondern als Betreuer einer Gruppe junger Menschen.

Mixed Zone
Braga: Eines jener Tore, die kein Spieler, sondern eine Mannschaft erzielte (YouTube) + + + Leverkusen: »Infolge einer hitzigen Diskussion gab es anschließend eine kurze Schlägerei«. Mittendrin: Emir Spahic (SZ berichtet) + + + Hoffenheim: Der Akademiker-Fanclub legt sein Sky-Interview offen + + + Dreseden: Uwe Neuhaus trainiert ab der nächsten Saison Dynamo + + + Berlin, Berlin: Lucien Favre wollte ganz sicher nie nach Berlin (kicker) + + + Kent: Die Polizei warnt vor Fußballspielen im Stau, der fußballinteressierte Twitterer hat eine Rückfrage + + + Paris: Ibrahimovic im »Scheißland«-Ligabetrieb für 4 Spiele gesperrt (FR/sid) + + + Belfast: Nach grobem Regelfehler 18 Sekunden nachgeholt (kicker). Rudi Völler nickt zustimmend + + + Unterhaching: 2 Punkte Abzug (SpVgg) + + + Stuttgart: Antonio »Ich bin fit, ich bin einsatzbereit, ich will helfen, den Rest entscheidet der Trainer« Rüdiger im Interview (kicker) + + + Landespokale: Ein Überblick bei turus.net + + + Ingolstadt: Ralph »felgenralle« Gunesch ruft zu Kleiderspenden an Flüchtlinge auf (Facebook) + + + Bayern: der BFV streitet weiter mit FuPa, diesmal indirekt + + + Köln: Peter Stöger im Interview mit 11Freunde + + + Neunkirchen: Ein VW [sic] soll einen Traditionsverein retten (Blog Rot & Weiß) + + + Frankreich: Le footballeur masqué, der maskierte Fußballer, hat eine anonyme Autobiografie geschrieben (Spiegel) + + + England: Was liest Uli Hesse? (120minuten) + + +

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#Link11: Die Nerven!

Fußball ist aufreibend, spannend (sagte ich ja gestern bereits), nervt aber auch bisweilen. Das ewige Hin und Her beim HSV nervt und schlägt langsam in Resignation um. Fußballstadien nerven mitunter dessen Anwohner, Schiedsrichterbenachteiligungsjammerei sowieso. Und Pep nervt! Warum? Die Link11 verrät es.

blogundpresseschau

1. Arminia Bielefeld gelingt die nächste kleine Sensation. Nach engagiertem Spiel konnte, wieder Mal auf der Alm, ein Bundesligist aus dem Pokal geworfen werden. Die Sportschau mit einer ausführlichen Zusammenfassung, der Spielbericht beim Spiegel.

2. Das zweite Viertelfinale wurde ebenfalls durch Elfmeterschießen entschieden. Auch wenn die Leverkusener treffsicherer waren als zuletzt in Madrid – am Ende reichte es für die Bayern zum Weiterkommen. Miasanrot sah einen starken Alonso und suboptimale Konter der Münchner. Die Analyse von Spielverlagerung sah ein von Leverkusen über weite Strecken kontrolliertes Spiel. Direkt nach den Viertelfinals wurde das Halbfinale im DFB-Pokal ausgelost: die Bayern empfangen Dortmund und Bielefeld erwartet Wolfsburg (DFB). Ach, und übrigens: Pep nervt. Meint Christian Andiel beim Tagesanzeiger. Er erträgt die Selbstinszenierung und das “pseudo-philosophische Gestammel” nicht.

3. Das Pokalspiel gegen Hoffenheim nimmt anygivenweekend zum Anlass, sich den Kader des BVB genauer anzusehen: Wer stach heraus und könnte auch in der nächsten Saison eine Stütze sein. Eine ähnlich Frage stellt sich auch Michael Zorc, der andeutete mit den diesjährigen Transfers nicht alles richtig gemacht zu haben (der Westen).

4. Die tägliche Dosis WM liefert Punkt 4. Bevor ich mich dem Daueraufreger Katar widme, ein Blick auf die DFB-Frauen. Für die beginnt in wenigen Wochen die WM in Kanada und gestern gab es einen Testlauf gegen Brasilien. Im Vorfeld des Spiels hatte Marta ein bisschen eskaliert als sie den Deutschen Spielerinnen Schauspielerei vorwarf (Welt). Die Antwort folgte auf dem Platz – ein deutliches 4:0 für das DFB-Team stand am Schluss zu Buche (Sportschau). Jetzt also Katar. Wer soll für den Mini-Staat 2022 überhaupt auflaufen, wenn man sich nicht blamieren will? Anders als bei der jüngsten Handball-WM im eigenen Land, wo die Einbürgerung von Starspielern recht unkompliziert war, bastelt der Wüstenstaat an einem, den Fifa-Regularien entsprechenden, Kader für die Heim-WM (BBC).

5. So langsam aber sicher nahen die Spieltage, an denen es für viele Teams nicht mehr ums Überleben geht. Außerhalb der Abstiegsregion befindet sich zum Beispiel Eintracht Frankfurt auf dem 8. Platz. Der Schein trügt, meint Eintracht-Inside und geht hart mit Trainer Schaaf ins Gericht – zu rumpelig die Siege, zu eindimensional die Spielweise und die Vereinsführung versprüht nach außen hin dennoch Heile-Welt-Feeling. Das passt eher zu Augsburg, wo Auf dem Feld nicht auf das Erreichen oder Nichterreichen des Europapokals schielt sondern nach vorn blickt und die Spieler im Kader vorstellt, die sich in den kommenden Wochen empfehlen müssen oder ansonsten in der Versenkung verschwinden könnten.

6. Was tun Fans nicht alles, um ihren Verein zu unterstützen? Im Land herumfahren und auf die prekäre Situation ihres Herzensvereins aufmerksam machen zum Beispiel. Borussia Neunkirchen hat Insolvenz beantragt und einige Fans machen einfach mal anstatt zu hadern. Mit einem VW Käfer tingeln sie durch Deutschland, machen aufmerksam, sammeln Spenden und Unterschriften für eine Versteigerung. Bei Stahlwerk NK sowie auf der Facebook-Seite des Blogs wird man dieser Tage über den Fortgang der Ereignisse informiert.

7. Les’ ich von Hamburg, les’ ich von Resignation. Wie, mit was, mit wem soll sich der HSV vor dem Abstieg retten? Die Spieler verunsichert und hin- und hergeschoben, die Vereinsführung agiert voreilig und macht einen überhasteten Schritt nach dem anderen, um von Problemen abzulenken. Das hat Methode und ist ein Sargnagel des HSV, meint Daniel Jovanov (goal.com). Untergangsstimmung verbreitet auch zwergenwerke:

[…] Für die kleinen Angestellten und uns Fans spielt im Rumpf des Schiffes noch eine Band.

8. Das Trainerkarusell ist in Bewegung. Wer macht es in Zukunft in Stuttgart, in Hamburg oder in Leipzig. Tuchel!? Um einfach mal den Namen fallen zu lassen. Bei RB kursiert ein ganzer Sack voll Namen (inzwischen ohne Tuchel) allerdings mit dem limitierenden Faktor 2. Bundesliga und einer Rolle, in der sich der Neutrainer Ralf Rangnick unterordnen müsste. Der rotebrauseblogger dekliniert die aktuelle Situation und die Kandidaten durch und kommt zu einem naheliegenden Schluss.

9. Academia Tahuichi. Noch nie gehört. Ich zumindest. Bis gestern. Die bolivianische Talentschmiede ist eine der erfolgreichsten weltweit und bildet reihenweise bolivianische Fußballprofis aus. Darüber hinaus bietet die Akademie ihren Schützlingen auch Zukunftsperspektiven abseits des Sports und holt jedes Jahr tausende Kinder von der Straße. Die NZZ stellt das Projekt vor, das schon mehrfach für den Friedensnobelpreis nominiert war.

10. Zurück auf Start. Breno spielt wieder. Bei seinem alten Klub in Sao Paulo. Manuel Veth erzählt seine Geschichte und sieht den Fall des aufs Abstellgleis geratenen Jungprofis als ein Beispiel für das fehlende Verantwortungsbewusstsein einiger Klubs und den Umgang mit jungen südamerikanischen Profis.

11. Kläranlage, Autobahnkreuz und Fußballstadien – alles wird in Fröttmaning abgeladen sagen die Anwohner. Für neues Ungemach sorgt die Aufstockung der Plätze in der Allianz-Arena (SZ). Für ein anderes Problem soll das Münchener Stadion nicht Ursache sondern Lösung sein. Nach dem Münchener Amateurderby wird eine Verlegung zukünftiger Spiele nach Fröttmaning ins Auge gefasst. Stefan Viehauser bei Fankultur.com über die Panikmache in den Medien und eine kurzsichtige Verlegung.

Meist geklickter Link gestern
Sascha Rebiger fasst den Abstieg des HSV ins Auge.

Field Reporter

Ich verstehe das nicht! Leider sind wir die, die alles akzeptieren müssen.

Christian Streich sagt, was für alle Fußballer gilt. Die armen Spieler und Vereine müssen die Entscheidungen des Schiedsrichters akzeptieren. Schlimm aber wahr. Endlich spricht es einer aus (FAZ).

Mixed Zone
Zur Kasse: will die Polizei Bremen die DFL für den Einsatz beim Nordderby bitten, die das wiederum ablehnt (FR) +++ Reingemacht: Podcast-Folge 152 steht zum Hören bereit +++ Niedere Beweggründe: warum wir dem Fußball nachgehen, deckt Trainer Baade auf +++ Festgenommen: mutmaßliche Angreifer auf den Fenerbahçe-Bus (SPON) +++ Underperformer: wer verdaddelt in der Champions League (Guardian) +++ Gabun: richtet den Afrika-Cup 2017 aus (SPON) +++ Werner Lorant: spielt den Feuerwehrmann in Liga 7 (SZ) +++ Was würde Zlatan tun: eine zlatanisierte Google-Variante (Stuttgarter Zeitung) +++ Grüner Tisch: das Länderspiel Montenegro-Russland wird für Russland gewertet (sport1)

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#Link11: Anspannung und Entspannung

Es gibt diese Momente höchster Anspannung im Fußball – für Spieler und Zuschauer gleichermaßen. Meist in den letzten Minuten eines Spiels. Eine Ecke, ein Freistoß, der noch irgendwie ins Tor soll. Gelingt dies, vielleicht auch noch sehenswert, folgt Entspannung. Auf einer Seite. Aber auch neben dem Platz unter den Fans gibt es die Entspannten und die Angespannten, die noch bei der absurdesten Gelegenheit ihr Revier markieren. Das und mehr in der Link11. Diesmal tuchelfrei.

blogundpresseschau

1. Der alte Mann und das Tor. Ich bitte diese überstrapazierte Metapher zu entschuldigen, aber ich konnte einfach nicht anders. Setzt ein Treffer wie ihn Sebastian Kehl gestern erzielte nicht eine unglaubliche Erfahrung und Ruhe voraus. Auf diese Art und Weise. In der Verlängerung. Um es abzukürzen: Borussia Dortmund steht durch Kehls Siegtreffer nach einem offenen Schlagabtausch mit Hoffenheim im Halbfinale des DFB-Pokals. Die Tore bei der Sportschau, SPON mit dem Spielbericht.

Trotz eines 1:0-Sieges durch Elfmeter ließ sich das zweite Viertelfinale von gestern auch relativ unverkrampft an. Die Wolfsburger konnten ihre vielen Chancen nicht verwerten, aber auch die Freiburger hatten ihre Gelegenheiten. Die Sportschau wiederum mit der ausführlichen Zusammenfassung, die SZ mit dem Spielbericht.

2. Vor dem heutigen Pokal-Viertelfinale in Leverkusen setzt Pep Guardiola auf Soft Skills und fordert Leidenschaft vom verbliebenen Personal. Die SZ mutmaßt, dass man aufgrund der personellen Engpässe wieder eine defensiv ausgerichtete Bayernmannschaft zu sehen bekommt. Auf dem Weg zu 100% Fitness befindet sich indes Philipp Lahm, der dem Merkur ein ausführliches Interview gab – im gewohnten aalglatten, selten aneckenden und nie zuviel verratenden Lahm-Duktus. In Bielefeld erwartet man am Abend Borussia Mönchengladbach, doch viel wichtiger als das Halbfinale im Pokal scheint den Bielefeldern der Wiederaufstieg in Liga 2 zu sein. Den Weg nach dem schmerzhaften Abstieg in der Relegation und die anhaltende Glückssträhne bei der Pokalauslosung beleuchtet die SZ.

3. Ganz anders als Philipp Lahm – Katharina Baunach, ebenfalls beim FC Bayern spielend. Sie gewährt tiefe Einblicke in die Trainingsarbeit und ihre Fußball-Karriere bei den FCB-Frauen. Miasanrot hat ein ausführliches Interview mit ihr geführt.

4. Der Unterschied zwischen VfB Stuttgart und VfL Wolfsburg? Natürlich, der Kader der Wölfe ist besser bestückt – mit Weltmeistern, die man mal eben einwechseln kann. Aber wie ist es möglich, dass bei einem Team des so auf Disziplin bedachten Huub Stevens, ein Sechser und der Spielmacher situativ die Innenverteidigung bilden, fragt Vertikalpass.

5. Der deutsche Fußball hat ein Nachwuchsproblem. Also nicht wirklich, zumindest nicht so, wie man sich ein Nachwuchsproblem typischerweise vorstellen würde. In Berlin wollen so viele Kinder Fußballspielen wie nie – das ist das Problem. Es gibt nicht ausreichend Trainer, um die Kinder zu betreuen – der Tagesspiegel zu den Berliner Verhältnissen.

6. In der 2. Bundesliga sortiert sich das Feld – Aufstieg, Abstieg, Niemandsland. Der rotebrauseblogger liefert einen kompakten Rundumschlag zur allgemeinen Lage der Liga und beleuchtet die Teams, die derzeit von sich reden machen. Vereine aus den neuen Bundesländern könnte es in der nächsten Saison der zweithöchsten Spielklasse nur noch zwei geben. Das Textilvergehen (in Textform) über die Aussichten für den Profifußball im Osten.

7. Die kleine Borussia macht es dem BVB vor, meint Michael Horeni (FAZ). Am Niederrhein hat man es mit kleinem Transferbudget und überlegener taktischer Ausrichtung geschafft, sich in der Spitze der Liga zu etablieren. Werte, auf die man sich auch in Dortmund besinnen sollte. Ein Kommentar.

8. Zumindest aus der Abstiegsregion hat sich Borussia Dortmund befreit, was in Hamburg und Paderborn nicht der Fall. Beide Teams taumeln dem Abstieg entgegen. Ein entsprechend düsteres Bild zeichnen die Kommentatoren. Sascha Rebiger spricht HSV-Interimstrainer Knäbel die Kompetenz ab und schwarzundblau hadert weiterhin mit der Paderborner Harmlosigkeit.

9. Augsburg Calling ist keine Punk-Coverband mit schwäbischem Akzent. Es handelt sich um ein Fanprojekt, das die Augsburger Anhänger und die jeweiligen Gästefans ganz entspannt zusammenbringt. Fankultur.com dokumentiert die Arbeit anhand des Auswärtsspiels der Schalker in Augsburg. Unentspannt war dagegen eine Gruppe von Ultras, die bei einem Gedächtnislauf gegen Faschismus in Dortmund einen Läufer angriff, weil er den falschen Schal trug (schwatzgelb.de).

10. Was bleibt hängen von einem Stadionbesuch, von einem Spiel, von einer Saison? Manchmal nur Momente, einzelne Szenen die bezeichnend sind, die sich einbrennen ins Gedächtnis. Kees Jaratz beschreibt so eine Szene kurz vor Schluss beim Spiel seiner Duisburger gegen Hansa Rostock. Ganz großartig geschrieben, wie ich finde.

11. In der Chinese Super League kommt gerade einiges zusammen: Geld, steigendes Zuschauerinteresse, talentierte Nachwuchsspieler und große Namen. Die NZZ über eine Nicht-Operetten-Liga.

Meist geklickter Link gestern
Die Angstmacher – der von Rechtsextremen durchsetzte FC Dornburg (taz).

Field Reporter

[…]die Richter des Fußballs sind die Schiedsrichter und nicht wir. Sie treffen die Grundentscheidung, wir reagieren darauf und sind sozusagen die Richter der zweiten Reihe.

ein DFB-Sportrichter im Interview bei spox

Mixed Zone
Weißer Fleck: welcher Verein bringt das Saarland wieder auf die Fußballlandkarte fragt das Not My FCS Blog +++ Kaderplanung: Wie sieht der Mainzer Kader in der kommenden Saison aus? Die FR analysiert die Aussagen von Manager Heidel im Doppelpass +++ Bildmaterial: vom Sieg des FC St. Pauli gegen Fortuna Düsseldorf liefert Stefan Groenfeld +++ Abgemeldet: die U23 von Union Berlin (Tagesspiegel) +++ Analyse: von Spielverlagerung zum 0:0 zwischen Bremen und Mainz

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