#Link11: Schaffenspause

Liebe Leserin, lieber Leser!

Seit dem 3.August 2012 gab es die #Link11. Leider können wir den Service #Link11 aktuell nicht bieten und euch nicht die lesens-, sehens- und hörenswertesten Beiträge zum Fußball bringen. Es war keine Entscheidung, die wir jetzt ganz frisch für uns getroffen haben, es war viel mehr ein schleichender Prozess, denn nach und nach gingen uns die Kuratoren aus. Neue Kinder, neue Wohnungen, neue Jobs – es gibt viele gute Gründe, warum wir unserer unbezahlten Nebentätigkeit für Fokus Fussball nicht mehr nachgehen können.

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Eigentlich schade, denn Newsletter gewinnen Journalismuspreise, werden von der Presse gelobt und werden allüberall – sogar bei befreundeten Fußballmagazinen – wiederentdeckt. Leider haben wir es nicht geschafft über die letzten Monate und Jahre ein größeres Publikum für uns zu begeistern, denn seien wir ehrlich: wenn man nach zwei, drei Stunden #Link11-Frickelei sehen würde, dass man 2000 und nicht nur 400 Leser gefunden hätte, dann wäre die Motivation sicher größer sich für die Recherche durch Tweets, facebook-Nachrichten, RSS-Reader und die Linksammlung in der Slack-Gruppe zu wühlen. Und auch die Gespräche mit anderen Medien, die Interesse an einer Zusammenarbeit zeigten, verliefen immer wieder im Sande.

Ob und wann es mit der #Link11 weitergeht, das bleibt leider offen. Wir bedanken uns bei allen Lesern und Abonnenten für das Interesse, bei allen Bloggern, Journalisten und Podcastern für die tolle Arbeit abseits der irren Transfermeldungen, der Baby-Beichten und sonstigen Boulevardergüsse.

Ich möchte mich ganz herzlich bei den Machern bedanken, die hier für die Empfehlungen sorgten: Julian, DavidFabian, Jens, Tobias, EndreasStephanMaik, Jens, Thomas und Sebastian. Es war mir immer wieder eine Freude eure Texte zu lesen, euren Empfehlungen zu folgen, um einen Überblick über das Fußballgeschehen zu bekommen, und mit euch zusammenzuarbeiten.

Wir empfehlen abschließend ganz uneitel die Social Media Kanäle con »Collinas Erben« (twitter/facebook) und »Fokus Fussball« (twitter/facebook/G+). Dort werden wir euch über Neuigkeiten informieren und sicherlich auch guten Fußballstoff empfehlen.

Wir kommen hoffentlich – um es mit einem verletzten Fußballer eurer Wahl zu sagen – stärker wieder.

Mit sportlichen Grüßen

Klaas

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#Link11: Kulturensöhne

Kaum ein Begriff wird so oft überstrapaziert oder falsch kontextualisiert wie der der sagenumwobenen »Kultur«. Wenn wir ehrlich sind, dient er meist als Platzhalter von groben, sinnentstellenden Vereinfachungen. Besonders häufig fällt mir das im Zusammenhang mit dem höchst subjektiven und nicht selten elitär-ekligen Begriff der »Fankultur« auf, der heute ebenso eine Rolle spielt, wie sein großer Bruder, der auf nationale, beziehungsweise regionale Einheitlichkeit abzielt und häufig unter dem Künstlernamen »Mentalität« auftritt.

blogundpresseschau

1. 

»Der Sportreporter will den Menschen glauben, mit denen er zu tun hat. Darf er das noch?«

Ich steige mit zwei Debattenbeiträgen ein, die ausnahmsweise den Sport als Ganzes zum Thema haben. Claudio Catuogno reflektiert anhand des noch immer sträflich unterdiskutierten Dopingkomplexes in einem lesenswerten Essay die Widersprüchlichkeit der dem Geschäft so zuträglichen Aspekte »Ästhetik« und »Personenkult« und mahnt sich und seine Kollegen zu mehr kritischer Distanz (SZ). Autor Dietrich Schulze-Marmeling verhandelt die Doppelmoral im Umgang mit Spitzenathleten am Beispiel Max Kruse in einem langen Facebook-Post.

2. Wer kritische Distanz sucht, wird bei Peter Ahrens vom Spiegel regelmäßig fündig werden. Er berichtet von im Lichte der Anschläge von Brüssel und Paris geplanten Sicherheitsmaßnahmen für die EM in Frankreich und fragt sich, ob das noch eine Kultur der Freiheit ist. Ich erinnere mich grade mit einigem Unbehagen daran, wie ich nach der Nacht des 13. November (wenn auch nicht ganz so pointiert) befand, der Fußball dürfe nicht zu einer Bühne für europäische Muskelspiele werden und mich fragte, wem »Hochsicherheit« eigentlich überhaupt etwas bringt (Spox).

3. 

»Dieses [Organisationskomitee] hat es seit der WM-Vergabe vor fünf Jahren nicht geschafft, die Situation für die 4000 Beschäftigten auf den drei Stadionbaustellen al-Rayyan, al-Khor und al-Wakrah zu verbessern. Wie das mit den 70 000 Arbeitern gelingen soll, die während der geplanten Stosszeit im Jahr 2018 für die WM im Einsatz sein werden, ist schleierhaft.«

Nur ein kleinerer Themensprung: Die WM in Katar wird mit dem Leben tausender Zwangsarbeiter bezahlt. Immer noch. Die mittlerweile aus dem Zentrum des Medieninteresses gerückte Menschenrechtssituation vor Ort wird künftig eher schlimmer als besser werden (NZZ).

4. Mit Fußballstatistiken ist es so eine Sache. Einerseits liefern sie, so sie als Teil eines Kontextes betrachtet oder zur Stützung einer These verwandt werden, oft erhellende Einblicke. Andererseits ist jedem statistischen Wert eine gewisse Unschärfe anhängig, die oft bereits in seiner Definition begründet liegt. So bildet beispielsweise die gerne zum Beleg der Kreativität eines Offensivspielers herangezogene Begrifflichkeit des »Schlüsselpasses« nicht ab, ob dieser Pass ein zu hart gespielter, halbhoher Hoppelball, sondern nur, ob er der letzte Pass vor einer eigenen Torchance war. Die Profis Stefan Reinartz und Jens Hegeler haben daher ein Start-Up gegründet, das künftig die Wertigkeit eines Passes in Zahlen ausdrücken können will. Kollege Julian ist noch nicht überzeugt. Ich schließe mich dem an (Deutschlandfunk).

5. Als beim Spiel des BVB gegen Mainz auf der Tribüne das Schweigen des sonst so chaotisch lauten Westfalenstadions kurz vor und nach dem Abpfiff vom gemeinsamen YNWA zerrissen wurde, habe ich auf der Tribüne kurz und vergeblich um Fassung gerungen. Welch schöne, menschliche Geste im Angesicht einer Tragödie. Am nächsten Tag waren sich auch Berichterstatter rund um den Globus einig: Das ist wahre Fankultur!

Das Rote Erde Blog nimmt dieses traurig-schöne Schauspiel nun zum Anlass, den Aufstieg von »Retortenvereinen« wie RB Leipzig zu hinterfragen, die mit einer solchen Authentizität nicht dienen können. Vermutlich weil deren Anhänger nicht zu echten menschlichen Emotionen fähig sind? Mit Verlaub: Ein Artikel, der alles beinhaltet, was mit dem Kulturbegriff vieler Fußballfans nicht stimmt.

Dass Fans auch echte Probleme haben, verdeutlicht Rainer Kühn in seinem Beitrag über Sicherheitsmaßnahmen beim Derby Preußen gegen Osnabrück.

6. Von der roten Erde – folgerichtig – zur roten Brause: RB Leipzig erlebte mit 2 Niederlagen aus 3 Spielen und dem Verlust der Tabellenführung etwas wie eine erste kleine Saisonkrise. Das Rotebrauseblog ordnet den Status quo seines Teams anhand einiger Statistiken der 5er-Spitzengruppe der zweiten Liga in einen größeren Kontext ein und wagt ein dezentes Fazit. So kann man eben auch bloggen.

7. Apropos Kultur: Frank Willmann hat sich das albanische Hauptstadt-Derby (FK gegen Partizan) vor Ort gegönnt und dabei festgestellt, dass dort einige Dinge dann doch ein wenig anders laufen, als man es hierzulande gewohnt ist. Ein lesenswerter Erlebnisbericht (11 Freunde).

8. Stellt euch vor, ihr steht total auf Fußball, eure Heimatstadt hat aber kein eigenes Team. Stellt euch nun weiter vor, ihr müsstet für das nächste ernsthafte Fußballmatch regelmäßig in eine der gefährlichsten Kartell-Hochburgen der Welt reisen. Ich weiß nicht, ob das nun schon Kultur ist. Aber ich bin mir sicher, das jede Kultur irgendwann mal einen Anfang hat.

9. »West-Ham hat einen 18-jährigen Deutschen für 11 Millionen gekauft!« Was war ich aufgeregt, als 2009 von einem neuen Supertalent geschrieben wurde. »Der wird sicher der neue Bernd Schneider!« Savio Nserenko schlug dann einen anderen Weg ein. Eine im Licht aktueller Ereignisse interessante Geschichte darüber, dass Reichtum und Druck nicht jeden jungen Menschen zu stabilisieren vermögen (SZ).

10. 

»Wie schlimm es für den finanzstärksten Verein der Welt aktuell sportlich bestellt ist, zeigt nicht nur ein Blick auf die Tabelle, sondern die Tatsache, dass Louis van Gaals United, die uninspirierendste Red-Devils-Mannschaft der vergangenen 30 Jahre, im Vergleich mit den trägen Nachbarn im Etihad-Stadion weitaus jünger, beweglicher und zwingender wirkte.«

Es ist derzeit nicht gut bestellt um Englands (finanziell) ganz Große. Raphael Honigstein erklärt, warum Pep Guardiola für Man City schon zum Problem geworden ist, bevor er überhaupt sein Amt antritt (The Red Bulletin). Wie mies es dagegen dem Stadtrivalen (sportlich) geht, sehe man daran, dass der große Hoffnungsträger dort Bastian Schweinsteiger heiße, schreibt Simon Hughes (Independent). Au Backe!

11. Zum Abschluss noch ein schöner Reisebericht. Bayern-Fan Sammy hat den Rahmen zweier Fußballspiele genutzt, um zwischen Hochnebel und Bengalorauch den Balkan zu erkunden (Sammy sagt…).

Gedenken
Zum Leben des heute verstorbenen Johann Cruyff sei ein Artikel aus einer vergangenen #Link11 (Platz 11) empfohlen. Rust in Vrede.

(Da die Nachricht mich erst unmittelbar vor der Veröffentlichung erreichte, nimmt die heutige #Link11 leider nicht umfangreicher auf Cruyffs Wirken Bezug.)

Geburtstagskind des Tages

Wer hat heute Geburtstag? Und wer ist wer?
(Auflösung von gestern: Alfred Nijhuis wurde 50)

Field Reporter

»Die deutsche Kultur steht ganz weit oben bei uns. Wir gucken die Spiele immer in der »Bierschenke« in London, wo es deutsches Bier und Essen gibt. Das Bier wird meist aus Krügen getrunken. Wenn Dortmund gewinnt, dann trinken wir nachher meist aus einem BVB-Stiefel.«

Konstantin Westenhoff spricht mit Ben McFadyean, dem Vorsitzenden von Englands größtem BVB-Fanclub, über (Na was wohl?) Kultur. Und Bier. Und Kloppo (11 Freunde).

Mixed Zone
Kultur: Thomas Eichin macht sich Sorgen um Afrika (FAZ)  + + + Couragiert: Antirassistische Dynamo-Fans + + + Noch hipper als Spielverlagerung.de: Statistik-Skizzen im Retro-Look (Soccer in Sepia) + + + Besonders: Fußball mit Prothese (FAZ) + + + Romantisch: Ein Duett mit Eric Cantona (taz)

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#Link11: Raus aus Jogis Mupfel

blogundpresseschau

1. Montagnachmittag: Der DFB streicht Max Kruse aus dem Kader für die anstehenden Testspiele (DFB.de). Javier Cáceres (SZ) fasst die Verfehlungen des Wolfsburgers zusammen. Aktives Abseits erinnert an die Historie des Aus-der-Nationalmannschaft-geworfen-werdens. Gestern tauchte ein privates Nacktvideo des Spielers auf, am gestrigen Abend waren von Seiten seines Vereins verständnisvolle Töne zu hören: »Wir haben bei der Aufarbeitung der aktuellen Entwicklung den Eindruck gewonnen, dass Max Kruse jetzt dringend unsere Hilfe benötigt«, wird Klaus Allofs im kicker zitiert.

2. Der Kommentar zur Angelegenheit, der gestern die meiste Zustimmung fand, stammte von der SZ, trug den Titel »Wer will Max Kruse schaden?« und ist inzwischen vom Netz genommen. Bei der ZEIT schreibt Christian Spiller von »Sittenstrenge«, Jürgen Ahäuser in der FR von Scheinheiligkeit und Heuchlerei. Peter Ahrens (SpOn) hebt hervor, dass Kruse für das Nationalteam zu verzichtbar sei, um die Freiheiten anderer Spieler zu genießen. Christian Otto (FAZ) diskutiert, ob in Typ wie er dem VfL Wolfsburg nicht eigentlich gut tun müsste.

3. Sehr interessant, was Ulrich Hartmann in der SZ berichtet: Es geht um das Fußballturnier bei den olympischen Spielen in Rio. Weil Doping dort ernst genommen wird, müssen sich die in Frage kommenden Spieler jetzt schon von der Nada überwachen lassen. Deswegen hat der DFB einen geheimen Vorab-Kader von 40 Spielern übermittelt. Außerdem: Mangels Abstellungspflicht haben die Bundesligisten vereinbart, pro Verein maximal zwei Spieler für das Turnier abzustellen – bei vielfach vertretenen Vereinen wie Hoffenheim (Volland, Süle, Amiri, Toljan, Schwäbe) oder Schalke (Goretzka, Meyer, Sané, Wellenreuther) vielleicht schade für die Spieler, denen so die Möglichkeit eines olympischen Turniers entgeht; andererseits eine Chance für die Spieler anderer Vereine.

4. In den letzten Tagen häufen sich die Berichte aus der Hauptstadt: Die Hertha will weniger Hertha und mehr Berlin sein. Ein Schritt auf diesem Weg könnte ein Stadionneubau außerhalb der Stadtgrenze sein. Klaus Hoeltzenbein (SZ) berichtet über die Distanz zwischen Stadt und BSC. Uwe Bremer (Morgenpost) trägt Fragen und Antworten zu einem denkbaren Neubau zusammen:

»Hertha sollte den Ball flach halten«, sagt die Sportexpertin der Linkspartei, Gabriele Hiller. »Hertha und das Olympiastadion gehören zusammen, ob das Publikum so treu ist, auch in ein anderes Stadion zu ­kommen, ist fraglich.«

5. Weder Hertha noch Berlin ist die TSG Hoffenheim. Seit Julian Nagelsmann dort das Steuer übernham, sammelten nur Bayern und Dortmund mehr Punkte. Rene Maric (Spielverlagerung) analysiert die Veränderungen im Großen und die Umstellungen im Kleinen, mit denen der neue Trainer das Team auf die Erfolsspur brachte. Von der kommenden Saison an wird die TSG auf ihren ausbalancierenden Sechser Tobias Strobl verzichten müssen. Der 25-Jährige wechselt zu Borussia Mönchengladbach (RP).

6.

»Euro 2016 is the kind of event we can’t delay or postpone. We can’t exclude the possibility of playing behind closed doors as we cannot exclude terrorism«

Damit ist der Satz gefallen. Die Möglichkeit, dass Spiele der EM im Sommer als Geisterspiele ausgetragen werden, könne nicht ausgeschlossen werden. Giancarlo Abete, Vizepräsident des UEFA-Exekutivkomitees, hat ihn ausgesprochen. Der Guardian hat ihn festgehalten. Zur sportlichen Seite der umfangreichsten Europameisterschaft aller Zeiten hat Constantin Eckner eine umfangreiche taktische Vorschau geschrieben: In einem Artikel für jede der sechs Gruppen werden die beteiligten Mannschaften ausführlich vorgestellt.

7. Weil der Verdacht besteht, dass der DFB Eintrittskarten für das Turnier auf unsaubere Weise unters Volk brachte, hat das Bundeskartellamt ein Verfahren gegen ihn eingeleitet. Es besteht der »Verdacht des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung« (ZEIT)

8. Auch zwischen FIFA und DFB tut sich mal wieder etwas: die Ethikkommission des Weltverbandes ermittelt gegen Mitglieder des Organisationskomitees der WM 2006, u.a. Beckenbauer, Niersbach und Zwanziger. Die FIFA gab das selbst bekannt, die FAZ fasst zusammen.

9. Auch zum vergangenen Bundesligaspieltag gibt es aus (schieds)richterlicher Sicht einiges anzumerken. Stark, Schaaf und Djilobodji seien als Protagonisten der Collinas-Erben-Kolumne bei n-tv.de genannt. Werder Bremen hat sich inzwischen dahingehend geäußert, die Drei-Spiele-Sperre für Djilobodjis Halsabschneidergeste nicht akzeptieren zu wollen (kicker)

“Es gibt Gesten, die in unterschiedlichen Kulturen verschiedene Bedeutungen haben. Wir müssen erklären, dass diese Geste in Afrika gebräuchlich ist”, sagte Eichin der Bild-Zeitung. Den Innenverteidiger aus dem Senegal “in typisch deutscher Manier durchs Dorf zu treiben, geht nicht”

Eine etwas ekelhafte Argumentation (zitiert nach SZ), unterstellt sie Öffentlichkeit und Sportgericht doch Engstirnigkeit und Intoleranz. Nebenbei wird hier die Bremer Selbstdarstellung als letzter Hort der Authentizität im Profifußball gestärkt, wo Spieler (wie auch Junuzovic) noch zu ihren Vergehen stehen und deswegen den Freispruch verdienen.

10. Besonders schlimm hat es Werder Bremen auch bei den gestern veröffentlichten Ansetzungen der restlichen Spieltage (Bundesliga.de) getroffen: Das Spiel beim HSV findet am Freitagabend nach dem dienstäglichen DFB-Pokalspiel in München statt – »aus sportlicher Sicht eine Katastrophe«, so Senegalexperte Thomas Eichin (kicker). Außerdem im Bremer Spielplan: Ein Montagsspiel gegen den VfB Stuttgart, welcher den Spieltermin wegen des zu erwartenden kleineren Gästeanhangs für einen inakzeptablen Wettbewerbsnachteil hält (kicker).

11. Die Bremer Offiziellen akzeptieren den Spieltermin dagegen klaglos – das Muster scheint klar: Die Traditionsvereine der zweiten Tabellenhälfte halten zusammen, wenn es darum geht, anderen die Fernseheinnahmen zu kürzen und werden ganz still, wenn sich aus einer ganz und gar nicht traditionellen Veränderung ein eigener Vorteil ergibt. Dabei wäre die Partie zwischen Bremen und Stuttgart nichts weiter als ein Rückspiel zur ersten Montagspartie der Ligageschichte: 1964 trafen die beiden des Ostermontags um 15 Uhr aufeinander. Die Chancen, dass es zu dieser Wiederauflage überhaupt kommt, stehen allerdings wegen der europäischen Wettbewerbe nicht gut: Für den Fall, dass Wolfsburg gegen Real ausscheidet, Dortmund aber gegen Liverpool weiterkommt (Der Wettmarkt sieht diese Konstellation zu etwa 60% eintreffen), dürfte Dortmund – Wolfsburg auf den Montag getauscht werden. Damit wären auch die beiden Bundesliga-Mittelständler ruhiggestellt; selbst seit Jahren auf Sicherheitsabstand zu internationalen Wettbewerben, würden sie dieser Andeutung von Zweitklassigkeit sicherlich gerne aus dem Weg gehen. Schließlich wird es im Oberhaus bald mehr Geld geben – die DFL hat die Ausschreibung der Rechte 2017-2021 nun formell angekündigt (Handelsblatt).

Geburtstagskind des Tages

(Auflösung von Montag: علی دایی (Ali Daei) wurde 47)

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Raphael Honigstein – »Was passiert mit der Champions League?«

Field Reporter

»Uwe hat uns sofort weggejagt, er hat gesagt: ›Hört auf zu protestieren, der Schiedsrichter hat entschieden!‹ In solchen Kategorien hat man damals gedacht. Aber wir Jüngeren waren eben für die Gerechtigkeit«

Wie ein jugendlicher Reclam-Held spricht Wolfgang Weber im Tagesspiegel über die WM 1966.

Mixed Zone
München: Thomas Müller macht sich Sorgen um einen älteren Mitspieler (GIF) + + + München: Hoeneß’ Bank und Banker verurteilt (FAZ) + + + Луганськ/Luhansk: Pele-Schrein (Yahoo) + + + Kolo Toure: wurde 35; Anekdote (Twitter) + + + Berlin: 11mm-Fußballfilmfestival verleiht Preise (11-mm.de) + + + Mönchengladbach: Tobias Strobl kommt ablösefrei aus Hoffenheim (kicker) + + + Passspiel: Warum es für manche Spielertypen leicht ist, beim FC Bayern gut auszusehen (Ronald Reng) + + + Brüssel: Belgien – Portugal abgesagt (FAZ) + + + Enschede: Thesker-Rückkehr als Doppeltorschütze nach Hodenkrebs (11F) + + +

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#Link11: Ick wunder mir über jarnischt mehr

Liest sich wie der neueste Scherz des Twitter-Accounts AfD Bremen-Nord: Eine #Link11 am Montag. Keine Sorge, wir sind es wirklich, wir haben es geschafft, auch am Montag mal wieder den Spieltag aufzuarbeiten. Pünktlich zur Länderspielpause gibt es erst nochmal eine Ladung Bundesliga. Im Mittelpunkt, wie sollte es anders sein: die Hauptstadt. Dit jefällt. blogundpresseschau

1. Freitagabend, 17:30 Uhr, S-Bahnhof Ostkreuz, S3 bis nach Erkner: Ein kräftiges Rot an vielen Schultern, eene Molle in jeder Hand, 20 Minuten Fahrt vom Techno-Sumpf am Ostkreuz in die grüne Lunge Berlins, dem schönen Köpenick. Heimat des 1.FC Union Berlin, Heimat der alten Försterei, Heimat der Union-Familie, die sich am vergangenen Freitag mit fast 20 000 Zuschauern traf, um einen der Ihren wieder in der Familie willkommen zu heißen: Benny Köhler, der vor einem Jahr die Diagnose Krebs erhielt, sich sechsmal in die Chemotherapie quälte und trotzdem immer das Ziel verfolgte, wieder Profifußballer zu sein. Es ging ums Leben nicht ums Sterben. Patethisch, ja, aber angemessen. Der Union-Blog Textilvergehen mit den richtigen Worten: Ein Spiel, größer als jeder Sieg.

2. Wir bleiben in Berlin, fahren aber von Köpenick eine gute Stunde in den Westen, nach Charlottenburg, wo sich langsam der süßlich monetäre Duft der Champions League verbreitet. Ich bin ehrlich: Seit ich in Berlin wohne, übersteigen meine Besuche bei Union und anderen Berliner Vereinen denen bei der Hertha um das Zehnfache. Außerdem verschenkt die Hertha jede Saison drei bis vier Punkte wegen der schlechte Stimmung und wegen des Stadions und überlegt deswegen ein neues zu bauen (Vorbild Allianz Arena, kein Scherz), so die steile These der Morgenpost. Jedenfalls: Die Hertha, sie ist nicht ganz so angesagt bei den jüngeren, ich bin ja kein Einzelfall. Ein Berliner Freund von mir sagt: Die olle Hertha will das vielleicht auch gar nicht sein, denn dann wäre sie ja nicht die olle Hertha. Da steckt wahres drin, jedoch gibt es eine neue Idee: Warum nicht die Berliner Start-Up-Szene (jung, erfolgreich, dynamisch) mit der Hertha (all das noch nicht) zusammenbringen? Nun: Ein Finanzdienstleister-Start-Up sammelte per „Crowdlending“ innerhalb von neun Minuten und 23 Sekunden (!) eine Million Euro (!!) für die Hertha (!!!!), die meisten der Gelder kamen aus Berlin. Geplant waren 60 Tage Spendenphase. Jetzt wird das als Durchbruch für die Start-Up-Banker gefeiert, ob es auch der Hertha hilft?

3. Kurzfristig: Ja. Die Hertha gewann am Wochenende gegen Ingolstadt mit 2:1. Das passte nicht jedem, vor allem nicht Ingolstadts Co-Trainer Michael Henke: „Du wirst hier beschissen, weil die Hauptstadt ja Champions League spielen muss“, sagte Henke über die vermeintliche Fehlentscheidung vor dem 0:1. Ein wenig Geschichtsbildung: Hat er sich im Verein vertan und den BFC gemeint, der es in der DDR ja leichter als andere hatte. Kann passieren. Schiri-Schelte gab es natürlich auch woanders: Hannovers Thomas Schaaf legte mit seiner Kritik am Ex-Referee und heutigem Sky-Kartenverteiler Markus Merk einen Blick auf das angespannte Verhältnis Trainer-Schiedsrichter frei. Merk hatte sich über ausbleibende Hannoveraner Proteste gewundert, Schaaf werte das als Aufruf zum Meckern und sucht nun zwischen „Frechheit“, „respektlos“ und „unfassbar“ nach dem richtigen Wortschatz, um den Abstieg irgendwie noch zu verhindern. Wiert scwär. 

4.Ihr merkt: Wir liegen mitten in der Schlammschlacht des Spieltages. Unten wird es immer enger, (oben auch, dazu später mehr) und mit Hannover scheint der erste schon im Morast versunken zu sein. Die DFL war trotzdem so gnädig und schenkte Hannover das Topspiel gegen Frankfurt: „Nur wem der Erste Weltkrieg gefallen hat oder die Ergebnisse der letzten Landtagswahlen, dem dürfte vielleicht auch dieses Match Spaß bereitet haben“, schreibt dazu Oli Fritsch in der Bundesliga-Rückschau. (ZEIT Online)

Liegt auch mit im Schützengraben: der Rasenfunk-Podcast. Wem 35 Minuten Hannover-Rant (von FoFuBa-Kollege Klaas) und 40 Minuten Darmstadt-Hoffnung nicht zu lange sind, hier entlang. Auch die Kollegen von Spielverlagerung.de „nahmen“ sich die Zeit, das Topspiel von Hannover und Frankfurt anzugucken und auch noch zu analysieren. Hut ab. Weitere Analysen dort: Schalkes Glückssieg gegen Gladbach, Wolfsburgs Real-Madrid-Warm-Up-Remis gegen Darmstadt und eine Analyse mit dem Titel: „Hipster-Treffen in Berlin“. Ich sags ja, die Hertha überrascht uns alle noch.

5. Wir klettern nach oben. Auch dort ist noch nicht so viel entschieden, wie die Bundesliga-ist-tot-Analysen vor der Winterpause vermutet haben lassen. Der BVB drehte dank einiger Umstellungen das Spiel in Augsburg auf ein 3:1 und verfolgt damit weiterhin die Bayern mit fünf Punkten Abstand. Und das Restprogramm des BVB (Werder, S04, HSV, VfB, Wob, SGE und Effzeh) liest sich tendenziell leichter als das der Bayern (SGE, VfB, S04, BSC, BMG, FCI und H96). Die Bayern dürfen nix mehr liegen lassen. Der BVB auch nicht. So ist Fußball. Irre. Was beide noch eint: Die zahlreichen Nebenschauplätze. Der BVB wird sich in den kommenden zwei Pausenwochen mit einer Klopp-Mania ausgesetzt sehen, die Bayern haben noch ganz andere Kaliber zu bieten: Alabas Vertragsverlängerung als Zeichen an den Neu-ManCity-Trainer der gleichzeitig aber auch der eigene ist, Sammer, Hoeneß, Götze-Gerüchte, Superligen und Supersetzlisten. Dass die Bayern dennoch selbst entscheiden, was mit ihnen passiert, kommentiert Christof Kneer (SZ).

6. Am liebsten wäre Karl-Heinz Rummenigge, dass er auch über den Gegner im Achtelfinale der Champions League bestimmen könnte. Denn mit Juve mussten die Bayern einen auf Geschäftsebene eng befreundeten Klub vom Geldtopf abkapseln. Juve-Boss Andrea Agnelli und Rummenigge kennen sich gut aus der ECA. Der Ton, der dort angeschlagen wird: „Wir können nicht immer nur vom Schicksal abhängig sein.“ (KHR) Ein denkwürdiger Satz, einer der tief blicken lässt. Das Werkzeug dafür: eine Setzliste. „So spricht jemand, dem der Fußball scheißegal ist“, kommentiert der wütende Carsten Schulte (Westline). Wer von fanwütend auf ökonomenkalt wechseln möchte: Die Welt hat Wirtschaftsprofessor Sascha L. Schmidt interviewt, der sagt, dass der Fußball nur den Marktgesetzen folgt. Und ironischerweise findet sich die sachlichste Kolumne zu diesem Thema beim Red-Bull-Magazin „Red Bulletin“ für das Raphael Honigstein die Optionen, wie man noch mehr Geld aus dem Fußball quetschen könnte, durchdekliniert.

7. Spannender Gedanke: Rummenniges Vorschlag der Superliga in einem „herrschaftsfreien Diskurs“ mit allen 255 ECA-Klubs debattieren. Dieses Diskursmodell hat sich nun der DFB in einer anderen Sache notiert. Die „AG Fankulturen“ soll mehr Laustärke in den stillen Fandialog bringen. Spiegel Online liegt das Konzept vor, inklusive der großen Bedenken von Fanvertretern. 

Ein Beispiel dafür, warum der Diskurs oft stockt, lieferten am Wochenende Fans des 1. FC Kaiserslautern und die Bundespolizei in Köln. Die Polizei und die Bahn meldeten über Twitter und Pressemitteilungen sehr sehr schnell ihre Sicht auf die Sperrung des Kölner Hauptbahnhofes nach der 3:4-Niederlage des FCK in Düsseldorf. Ein paar Ausschnitte: „randalieren“, „Eisenstangen“ und die Bahn, die daraus einen eigenen Hashtag bastelte (#vandalismus) und den Kölner Bahnhof vorübergehend sperrte. Die Stellungnahme der rot-weißen Fanhilfe aus Kaiserslautern lüftet hingegen die Pfefferspray-Details aus dem Zug und aus randalierenden Idioten wird ein übertriebener Polizeieinsatz, der in die unnötige Sperrung eines der größten deutschen Bahnhöfe mündete. „Der Betze brennt“ fasst zusammen. Mein Tipp: Die Wahrheit liegt in der Mitte.

8. Noch ein Beleg für die Schwierigkeiten im Dreiecks-Dialog Fußballfans – Verbände – Polizei: 15 Ultras aus Oberhausen sollen wegen des anzunehmenden hohen Aggressionspotentials zum Idiotentest für den Straßenverkehr. Wow.

9. Zu den schönen Dingen: Wie gut muss es sich eigentlich gerade anfühlen, Fan von Leicester City zu sein? Schaue ich dieses Video, weiß ich, dass es in Europa wohl gerade keinen glücklicheren Haufen Fußballfans gibt. Ein Team, 132 Jahre alt, noch ohne irgendeinen Titel, steht fünf Spieltage kurz davor die Premier League zu gewinnen. Am Wochenende gab es den nächsten 1:0-Minimalistensieg. Bisher dachte man, Premier-League-Champion zu werden sei nur möglich wenn mit seinem Vermögen an Dagobert Duck heranreicht, heute weiß man: Es geht auch mit Robert Huth und Christian Fuchs. 

10. Am vergangen Donnerstag jährte sich das Wunder von Grotenburg zum 30. Mal. Bayer Uerdingen lag im Viertelfinals des Europapokals der Pokalsieger zur Halbzeit 1:3 gegen Dynamo Dresden zurück. Zuschauer strömten zu Tausenden zur Halbzeit aus dem Stadion, das ZDF erhielt erboste Briefe warum nicht die Bayern zu sehen waren. Das Hinspiel hatte Dynamo mit 2:0 gewonnen, Uerdingen war so gut wie raus. In einer spektakulären zweiten Hälfte aber drehten sie das Spiel auf ein 7:3 und nahmen die politische Wende ein bisschen vorweg. Jan Mohnhaupt (ZEIT Online) mit einem schönen Rückblick, 11Freunde sprach mit Wolfgang Funkel (Uerdingen) über das Wunder.

11. In Frankreich laufen derweil die Vorbereitungen für die Fußball-EM. Das bestimmende Thema: Terrorangst. Deshalb übten 1200 Polizisten den Ernstfall und simulierten in Nimes den Chemiewaffen-Anschlag auf eine Fanmeile (Rheinische Post). Der Deutschlandfunk übt zwischen den Zeilen Kritik an der Geheimhaltung von Polizei, Staat und Medien.

Geburtstagskind des Tages (neben Twitter und Lothar Matthäus: watt ne Riege)

(Auflösung von letzter Woche: Wilfried Sanou wurde 32)

Meist geklickter Link vergangene Woche
Könnte auch diese Woche wieder aktuell werden: Das Interview von Vice Sports mit Uli Borowka über jegliche Arten von Sucht.

Field Reporter

»Ein Team von Robotern zu haben, das Fußball gegen den Weltmeister spielt, ist nicht der große Zweck des Ganzen. Das bringt ja, abgesehen vom Unterhaltungswert, nichts.«

Wer hat es wo gesagt?

Der Zweck ist viel größer: Er dient der Wissenschaft, der Medizin vielleicht. Tim Laue ist Informatiker und programmiert Roboter so, dass sie Fußball spielen und hat sich mit den Fanboys der künstlichen Intelligenz aus der ZEIT Online Sportredaktion über Roboter und Fußball unterhalten. Zukunftsweisende Berichterstattung.

Mixed Zone
Hamburg: Uwe Seeler macht sich Sorgen, dass der HSV gegen RB Leipzig in die Relegation muss, aber sorgt sich nicht um Cacau. Der hat nie an sich gezweifelt (Sueddeutsche)  + + + Dortmund-Fan: Bewerten Sie bitte die Dummheit dieser Nachricht auf einer Skala von 1 bis 10. (Twitter) + + + Max Kruse und das Berliner Nachtleben: Bleibt eine Fortsetzungsgeschichte. Jetzt droht der DFB- und Wolfsburg-Rauswurf. (Kicker) + + + Neues Album und Geschichten über den 1. FC Köln:  Annenmaykantereit bei 11Freunde + + + Wie Chinas größte Firma Wanda den Fußball aufmischt und sich Gewicht bei der WM-Vergabe erkauft (AP) + + + Istanbul-Derby abgesagt, aber große Geste der Ultras von Galatasaray (SpOn und WSC) + + + 10 Jahre Twitter, auch Sportvreine sind im Business angekommen (DLF) + + + Wieder da: Das DID-Sport Power Ranking. Janz groß. (DID Sport) + + +

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#Link11: Eine große sportliche Veranstaltung

blogundpresseschau

1. Der Champions League soll ein neuer europäischer Vereinswettbewerb übergeordnet werden: Michael Ashelm (FAZ) berichtet über Pläne der UEFA:

Geredet wird über spezielle Punktesysteme, in der alle möglichen Beurteilungen eingehen in die sportliche Setzliste. Hier soll wohl auch die Stärke der jeweiligen Liga einfließen. Zur Diskussion stehen ebenfalls Faktoren, die sich auf die Attraktivität der Vereine und ihre Bedeutung im Marketing und nicht nur auf Meisterschaften beziehen könnten. Verhindert werden soll eine sportliche Verwässerung, wie sie in den vergangenen Jahren in der Champions League durch Zugeständnisse und Wahlgeschenke der Funktionäre an kleinere Fußballnationen stattgefunden hat. Auf der anderen Seite sollen attraktive nationale Wettbewerbe nicht durch eine Superliga zu sehr in die Defensive gedrängt werden. Eine Ausweitung der Spieltage sei nicht geplant, ist zu hören.

2. Kai Pahl (Allesaussersport) zweifelt am Vermarktungspotenzial für einen dritten europäischen Wettbewerb. Raphael Honigstein schlägt in 140 Zeichen eine umgekehrte Sichtweise vor:

Man sollte dem Marketingsprech nicht auf den Leim gehen. Superliga ist CL rebranded. Die echte Neuerung ist ein dritter Wettbewerb unter EL

3. Ein Kommentar, der Monopolisierung und Werteverfall im Zuge marktwirtschaftlichen Strebens anprangert, findet sich in der kapitalismuskritischen FAZ:

Gedanken wie Solidarität, Entwicklungshilfe oder Markenvielfalt sind dritt- und viertrangig. Im Fußball ist es wie in allen anderen Branchen im globalen Wettstreit: Die Großen werden immer größer, am Ende bleiben ein paar Marktführer, neben ihn haben nur noch ein paar Firmen mit regionaler Bedeutung Platz, und Anbieter die Nischen bedienen.

4. Derzeit läuft im bestehenden Spitzenwettbewerb, der Champions League, das Achtelfinale. In keinem der beiden gestrigen Rückspielen fiel ein Tor. Manchester City reichte dieses 0:0 gegen Dynamo Kiew nach dem Sieg im Hinspiel zum Einzug ins Viertelfinale (SZ). Atlético musste nach 0:0 im Hinspiel, 0:0 im Rückspiel und 0:0 in der Verlängerung gegen PSV ins Elfmeterschießen. Dort trafen die ersten vierzehn Schützen allesamt, Narsingh verschoss für PSV, Juanfran besiegelte den 8:7-Sieg i.E. (kicker). Wellen schlug ein Video, das PSV-Fans beim Erniedrigen von Bettlern auf einem Madrider Platz zeigt (SZ).

5. Deutscher und italienischer Marktführer duellieren sich heute Abend in München. »Brutale Polizei« wie im Hinspiel (11Freunde) ist dabei wohl nicht zu erwarten. Ausgangslage und Verletztenstand auf Seiten der Bayern und der alten Dame hat die SZ ausformuliert.

6. Eine fulminante, geistreiche wie provokante Kolumne hat Kartoffel-Philosoph Wolfram Eilenberger bei der ZEIT vorgelegt. Anlass ist auch hier die heutige Partie zwischen Bayern und Juventus. Er schreibt über Spielkontrolle als Maxime eines Ängstlichen, »Sinnentleerung durch Überhöhung« sowie die Trennung von Spiel und Ergebnis und bezieht sich dabei auf Peter Handke und Rudi Völler:

Der ästhetische Genuss des Spiels ist im Fußball mit anderen Worten untrennbar an die Unverfügbarkeit des Ausgangs gebunden – und damit an eine durchgängige, geradezu emphatisch begrüßte Verantwortungsübernahme des leitenden Personals für dieses Ergebnis. Und dies nicht etwa obwohl, sondern gerade weil jedem wahrhaft Fußballliebenden klar ist, dass in diesem Spiel keine notwendige Verknüpfung zwischen Leistung und Ergebnis existiert.

7. Im zweiten Spiel des heutigen Abends wartet die Neuauflage des Champions-League-Finals 2006 zwischen Barcelona und Arsenal. Benjamin Kuhlhoff (11Freunde) hält die Erinnerungen Henrik Larssons fest:

Als wir den Rasen des Stade Saint-Denis zum Abschlusstraining betraten, spürte ich, dass kein Weg an mir vorbeiführen würde. Ich traf aus allen Lagen, rannte wie ein Verrückter, Frank Rijkaard lobte mich lautstark. Als alle anderen bereits in die Kabine gingen, blieb ich mit Samuel Eto’o draußen, um Abschlüsse zu üben. Ich wollte ein Gefühl für den Strafraum bekommen, das Geräusch des Netzes hören. Co-Trainer Henk Ten Cate schlug Flanken, Sami und ich schossen Ersatzkeeper Albert Jorquera die Bälle um die Ohren. Es hallte durch das leere Stadion.

8. In der SZ analysieren Johannes Aumüller und Thomas Kistner die Möglichkeit, dass sich die Ungereimtheiten im Zusammenspiel von DFB und FIFA nicht auf die Vergabe der WM 2006 beschränken. Sie verweben Informationen aus dem Freshfields-Bericht mit ihren eigenen Kenntnissen und rücken die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 in den Vordergrund. Die FIFA selbst geht indes in ihrem eigenen Skandal einen weiteren Schritt zur Festigung der Opferrolle und fordert Schadenersatz von diversen früheren Amtsträgern (SZ).

9. Die Rolle der US-Behörden ist dabei vielleicht die größte, die den USA in der Geschichte des Weltfußballs je zustand. Warum eigentlich bringt es ein Land, in dem immerhin ein Drittel der Jugend Fußball spielt, keinen Messi hervor (oder wenigstens einen João Moutinho)? Dieser Frage ist Elliott Turner im Guardian nachgegangen.

10. Am 05.07. wird der Bundesgerichtshof den Fall des SV Wilhelmshaven verhandeln. Rechtsanwalt Jan F. Orth über die Bedeutung der Entscheidung, eine rechtswissenschaftliche Analyse ist angehängt.

11. Patsche sucht das Glück: Frank Willmann folgt in seiner Reportage dem verschlungenen Lebensweg von Nico Patschinski über Stock und Stein, durch Hoch und Tief, sportlich und privat. Erschienen bei ZEIT Online.

Mein Vater hat damals uff Union gestanden, weil es ein Arbeiterverein war. Heute gibt’s keene Arbeiter mehr.

Geburtstagskind des Tages

(Auflösung von gestern: Mikael Forssell wurde 35)

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tz – »Bayern-Fans attackieren Seehofer und Herrmann per Banner«

Field Reporter

»Sollte man das Problem offensiver angehen?« – »Ja, denn es ist so offensichtlich mittlerweile. Max Kruse ist ein schönes Beispiel. Der Junge hat im Oktober 75.000 Euro in einem Taxi in Berlin vergessen. Außerdem hat er eine Wohnung in Las Vegas. Viel offensichtlicher kann man es nicht ausleben. Es ist fast schon ein Hilfeschrei. Doch niemanden interessiert es. Das Einzige was kommt, sind hetzerische Schlagzeilen.«

Uli Borowka im Interview mit Vice über »das Problem« und seine Erfahrungen mit Alkohol und Medikamenten im Profifußball.

Mixed Zone
Bundesliga: Schneckenrennen um die internationalen Plätze? (Königsblog) + + + Zweite Liga: Der Rotebrauseblogger listet minderjährige Debütanten auf + + + Niederrheinpokal: Das Halbfinale zwischen RWE und dem FC Kray lief live bei Sport1, ohne (!) Kommentierung durch Jörg Dahlmann. ISDT wunderte sich + + + Leverkusen: Erneute Muskelverletzung bei Toprak (kicker) + + + Kaiserslautern: Dr. Markus Merk Kandidat als Sportvorstand (Sport1) + + + Bremen: Zehenbruch bei Veljkovic (kicker) + + + Paris: Warum 20 Minuten mit Zlatan ergiebiger als 2 Jahre mit Philipp Lahm sind (DRadio) + + + Köln: Frank Schaefer verlässt den FC (PM) + + + Köln-Süd: Kollege Klaas stellt das Filmprojekt »Fortuna Stories« vor + + +

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#Link11: The Sound Of Silence

Es ist in den letzten Monaten in Mode gekommen, dass man statt zu schweigen applaudiert, um einen Verstorbenen zu ehren. Im Prinzip eine würdige Geste, auch weil man so verhindert, dass irgendein Volldepp meint die Stille für unangebrachte Zwischenrufe nutzen zu müssen.

Was für ein starkes Zeichen allerdings der Verzicht auf Gesänge und Anfeuerung sein kann und wie durchdringend Stille sein kann, zeigte ein sehr sensibles Publikum im Westfalenstadion. Die #Link11:

blogundpresseschau

1. Starten wir mit den Fans: In Darmstadt wurde vor dem Spiel mit einer Choreographie (fanzeit) und einer Schweigeminute dem verstorbenen Fan Jonathan »Johnny« Heimes gedacht, der Mannschaft, Trainer und Verein auf dem Weg von Liga 3 in Liga 1 inspiriert hatte. Auch die Fans des FC Augsburg schlossen sich dem Gedenken respektvoll an, was das Darmstädter Tagblatt zu einem Dankesbrief an den FCA und seine Fans bewegte. Kollege Fabian Scheler (Zeit) findet die richtigen Worte:

»Auch in Darmstadt gedachten Heim- und Gästefans aus Augsburg dem verstorbenen Lilien-Fan Johnny. Wieder einmal geriet der Fußball zur Parabel des Lebens. Große, intensive Momente, wenn es mehr als 100.000 Menschen schaffen, würdevolle Menschlichkeit vorzuleben.«

In München drückten Bayern-Fans ihren Unmut über Aussagen von Ministerpräsident Horst Seehofer und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann mit Bannern aus. (tz)

In Dortmund geriet der Fußball zur Nebensache, nachdem der Todesfall eines Borussen während des Spiels im Stadion die Runde machte. Alle Fans im Stadion, egal ob Mainzer oder Dortmunder reagierten mit Betroffenheit und Schweigen, was eine beeindruckende und auch bedrückende Form des Mitgefühls zeigte. Spieler, Funktionäre und Fans waren nach dem Spiel bewegt, vor allem als das ganze Stadion »You´ll Never Walk Alone« intonierte.

Felix Meininghaus (SZ) nennt es einen beeindruckenden Sieg der Menschlichkeit. Benjamin Kuhlhoff (11 Freunde) verneigt sich vor den BVB-Fans. Peter Penders (FAZ) zweifelt, ob es solch eine Reaktion auch bei einem Derby zwischen Dortmund und Schalke gegeben hätte und warnt davor die Kraft des Fußballs zu überhöhen.

2. Die Meldung, wonach 96-Ultras die Spieler des abstiegsbedrohten Clubs nach der letzten Niederlage zum Ausziehen der Trikots zwangen, bestätigte sich bisher nicht. (HAZ)

3. Mehrere Bundesländer führen oder führten geheime Datenbanken über Fußballfans. Diese wurden nun öffentlich und sorgen für einiges Aufsehen. (DLF) Wer warum polizeilich gespeichert wurde, bleibt womöglich dennoch weiter geheim. (ballesterer)

4. Kommen wir zum Sport: Michael Horeni (FAZ) befürchtet, dass die besseren Trainingsspielchen in der Bundesliga dazu führen, dass der FC Bayern an Klasse verliert. In Hamburg schreibt Tanja (Raute 22C) über die oft geforderte Geduld mit dem HSV – sie kann es nicht mehr hören.

5. Kommen wir zum Jugendfußball: 250.000 €uro bezahlte Rasenballsport Leipzig Ablöse an die Hertha – für einen 15-jährigen. Sport Inside über die Preisexplosion bei Fußballtalenten und das Geschacher um die Jüngsten.

6. Kommen wir zu Regelfragen: Der Interimspräsident des DFB, Rainer Koch, möchte Gelbsperren auslosen. Jörg Schmadtke hält das für Quatsch. (kicker)

Neben dieser »Baustelle« muss der Rücktritt der DFB-Schiedsrichterin des Jahres 2014, Marija Kurtes, mit Sorge betrachtet werden. Sie bemängelt beim DFB unter anderem »fehlende Transparenz in den Entscheidungsstrukturen«. Und auch bei den Männern regt sich Unmut – nur öffentlich äußern möchte sich kein Bundesligaschiedsrichter. Dafür sprechen die Ex-Schiedsrichter Merk und Rafati. (Spiegel)

In seiner Kolumne wundert sich der Erbe Collinas Alex Feuerherdt (n-tv) über Karl-Heinz Rummenigge, Tin Jedvaj und Bastian Dankert.

7. Kommen wir zur Sportpolitik: Allen Dementis zum Trotz tauchen wieder Ungereimtheiten zum Beratervetrag der FIFA für Michel Platini auf. (FAZ)

8. Ungereimtheiten finden sich auch in großer Zahl im Freshfields-Report. Jan Christian Müller (FR) hat den Bericht auf Kurioses und Fragwürdiges abgeklopft.

9. Kommen wir zur Fußballgeschichte: Das »Wunder von Uerdingen« jährt sich zum 30.Mal. Sport Inside zeigt Bilder vom packenden 7:3 und zeigt was die Stasi beim Besuch der Dresdner Fußball beim »Klassenfeind« mitzuschreiben hatte und welche Konsequenzen das Spiel hatte.

10. Kommen wir zum internationalen Fußball. In der Türkei wird die fanatische Unterstützung und die große Beliebtheit durch die Politik ausgenutzt, um Einfluss zu nehmen. Leidtragende sind Opposition und Fans. (DLF)

Immerhin darf in der Türkei nun endlich wieder Tischfußball gespielt werden. 47 Jahre war das Freizeitvergnügen verboten. (tumds)

11. Vor dem Rückspiel des FC Arsenal gegen Barcelona sprach Sid Lowe (Guardian) mit Dani Alves. Wer Alves für einen überbewerteten Außenverteidiger und unangenehmen Selbstdarsteller ohne Fähigkeit zur Reflektion hält und seine Meinung ungern ändern möchte, der sollte auf die Lektüre verzichten.

»What is ‘defend’?,” he continues. “That no one ever dribbles or attacks? Bloody hell, football would be boring, wouldn’t it? You can prepare [only] to defend but then the guy dribbles past you anyway … what, you think you’re the only one that’s quick? If you ‘defend’, you don’t attack; if you ‘attack’, you don’t defend? What’s football for? To win. And to win you have to score more. The winner isn’t [just] the team that defends incredibly; if you defend well but don’t score, it’s worthless.«

»People think the life I lead, being well paid, is the reason I’m like this. No. I was happier when I lived in the countryside with my dad than I often am now. Why? Because I didn’t know how prostituted the world is.«

Geburtstagskind des Tages

(Auflösung von letzter Woche: Thomas Christiansen wurde 43)

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Das Gespräch mit Investor Sven Schmidt über die Superliga. (Handelsblatt)

Field Reporter

»Der Kick war wirklich spontan. Ich bin nach dem Pokalfinale mit ein paar Leverkusener Jungs nach Ibiza geflogen. Dann rief ein ehemaliger Mitspieler aus Siegen an und meinte, er würde am Mittwoch heiraten und davor noch einen kleinen Kick unter Freunden organisieren. Ich bin aus alter Verbundenheit nach Hause geflogen, dort angetanzt und habe mir ohne Fremdeinwirkung das Kreuzband gerissen. Das war die dümmste Entscheidung meines Lebens. Meine Frau hat noch im Vorfeld gesagt, ich solle den Mist sein lassen und mich in der Sommerpause erholen. Hätte ich mal auf sie gehört…«

Patrick Helmes über sein Karriereende, neue Ambitionen als Trainer und das fordernde Training von Felix Magath. (spox)

Mixed Zone
Top 3: Der Übersteiger erinnert sich an seine drei größten Fußballmomente. + + + Trainerschmiede: Sandro Schwarz ist der nächste Trainer der U23 von Mainz 05, der mit guten Leistungen seines Teams auf sich aufmerksam macht. Ein Gespräch über Nachwuchsarbeit, Trainerarbeit und den Abgang von Christian Heidel. (spox) + + + Abschied: Norbert Elgert, Nachwuchstrainerlegende und DFB-Trainer des Jahres 2013, kündigt seinen Abschied von der »Knappenschmiede« an. (RevierSport)  + + + Abschied II: Havard Nordtveit zieht es von Gladbach in die Premier League. (kicker) + + + Ärgerlich: Elias Kachunga geht nicht ran und verpasst deshalb einen möglichen Bundesligaeinsatz. (FAZ) + + + Absage: Die FIFA hat Qualifikationsspiele Kuwaits abgesagt. (reuters) + + +  Memories: 100 Fotos von Maradona. (Goalden Times) + + + Planänderung: Die DFL will nun doch 90 statt 45 Minuten Zusammenfassung im Free-TV. (kicker) + + + Verzicht: Wattenscheid 09 verzichtet auf einen Lizenzantrag für die 3.Liga, weil der Verein die Lizenzauflagen des DFB nicht erfüllen kann. (RevierSport) + + + Statement: Robin Himmelmann, Torwart des FC St. Pauli ist nachdenklich:

Es ist Sonntag, kurz nach sechs Uhr abends.Mit einer gewissen Sorge blicke ich auf Balkendiagramme und Zahlen vor mir…

Posted by Robin Himmelmann on Montag, 14. März 2016

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#Link11: U – U – EFA Cup!

Es ist wirklich jammerschade, dass die UEFA kein Interesse an der Europa League hat. Seitdem der Name sich vom UEFA-Cup wegbewegte und einen der schönsten Fangesänge der Republik ad absurdum führte, führt der Bewerb ein stiefmütterliches Dasein. So scheint es, dass die Spiele nur für die jeweiligen Teilnehmer interessant sind – es sei denn, dass die Vereine gerade aus der Champions League hinabgestiegen sind, um sich im »Cup der Verlierer« mit einer B-Elf aus dem Wettkampf zu verabschieden. Dann interessieren die Spiele oft nur noch reisefreudige Fans.

In Liverpool ließen die Augsburger die Europa League mal wieder aufleuchten, weil sie zeigten worum es in diesen internationalen Wettbewerben gehen sollte: ein gute Zeit haben, internationale Bekanntschaften machen und so auch ein Stück Europa zu leben. Die Dortmunder glänzten dazu gestern gegen Tottenham, auch weil ihre Fans sich auf die Fahnen geschrieben haben, dass dieser eine Pokal in der internationalen Titelsammlung noch fehlt. Ich wünsche deshalb allen Dortmundern eine gute Zeit beim Rückspiel in London und freue mich auf einen Europapokalabend am Fernseher.

blogundpresseschau

1. Gestern schoss sich Borussia Dortmund mit einem beeindruckenden 3:0 den Weg ins Viertelfinale der Europa League frei. Tottenham trat zwar nur mit einer besseren B-Elf an, die Borussia überzeugte dennoch mit einer »bärenstarken Vorstellung« (spox), war »nah an der Perfektion« (Spiegel) und bot »große Dortmunder Fußball-Kunst« (FAZ).

2. Dem zweite Bundesligaverteter wurden deutlich »die Grenzen aufgezeigt« (Zeit). Spielbeobachter Schmidt sorgt sich um das Selbstvertrauen seiner Mannschaft (kicker). Thomas Moch (Cavanis Friseur) erklärt, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass ein Verein aus dem 50.000 Einwohner Städtchen Villareal so erfolgreich wurde.

3. In der Premier League gewann der FC Liverpool gegen Manchester United. Ein »Sieg der Taktik« (Spiegel).

4. Ein amerikanischer Milliardär. Finanz- und machtgetriebene Fußballclubs und -funktionäre. Eine gemeinsame Idee. Ewan MacKenna erklärt, warum die Frage nicht mehr ist, ob es eine europäische Superliga geben wird, sondern wann es sie geben wird. Und auch ein Investor glaubt im Gespräch mit dem Handelsblatt nicht, dass sie noch zu verhindern ist.

5. Wer die Superliga im TV übertragen darf, ist natürlich noch völlig offen. Dafür steht fest, dass sich die ARD die TV-Rechte am DFB-Pokal bis 2019 gesichert hat. (Spiegel)

6. Legen wir den Fokus auf Werder Bremen. Tobias Escher war zu Gast beim werderschnack. in einer knappen halben Stunde diskutiert er die Taktikvarianten von Werder in der laufenden Saison und stellt Stärken und Schwächen heraus. Werder-Fan Lars Kranenkamp spricht mit den Bayern-Fans von Mia San Rot vor dem Spiel der Bremer in München über falsche Entscheidungen, fehlende Flexibilität und Claudio Pizarro.

7. Die beiden Gelbsünder Fritz und Junuzovic werden vom DFB-Sportgericht wohl nicht extra gesperrt (kicker, 13.11 Uhr) Wir werden uns also an die Otze-Geschichten gewöhnen müssen. Beim 1.FC Köln drohen übrigens Vogt und Modeste Gelbsperren.
UPDATE 13:50: Beide müssen jeweils 20.000 €uro bezahlen. (Tagesspiegel) Frag ich mich: Was ist mit den fünf Darmstädtern?

8. Kurzer Blick in Liga 2: Der 1.FC Kaiserslautern hat deutlich Stellung bezogen gegen die Berichterstattung der Sport-Bild. Diese hatte behauptet, der Verein liege »am Boden« und stehe kurz vor einem »Finanz-K.O.« Der FCK schreibt:

»Falschmeldungen dieser Art schaden dem Verein nachhaltig, zeugen von einem verantwortungslosen Umgang mit Fakten und schaffen Unmut bei Fans & Partnern.«

9.Das Magazin When Saturday Comes feiert seinen 30.Geburtstag. Wir gratulieren ganz herzlich und empfehlen einen Blick auf die Titelbilder und in die ersten Ausgaben. Schreibmaschine ick hör dir trapsen.

10. Frank Willmann (Zeit) war zu Gast beim 150.Belgrader Stadtderby zwischen Partizan und Roter Stern. Für die internationale Presse wurde eigens ein englischsprachiges Banner mit der Aufschrift »150. Serbisches Derby-Passion-Wahnsinn-Nationalstolz-Schönheit-Krieg-Liebe-Glaube-Loyalität-Gefühl-Mentalität-Gratulation« entrollt. Ein Bericht über Pyro, Rauch und serbische Gelassenheit.

11. Von Pep Guardiola ist das schöne Bonmot überliefert, dass Johan Cruyff die Kathedrale erbaute und es nun unser Job sei sie zu pflegen. Mit dieser Ansicht ist der Bayern-Trainer nicht allein:

»Cruyff ‘s admirers don’t just like the way he and his teams played. They believe the world could be a better place if his vision of football prevailed. Cruyffian football, they feel, is more beautiful, more fun and more spiritual than other approaches.«

David Winner (Bleacher Report) hat sich die »Church of Cruyff« angesehen und erzählt von Cruyffs Wirken ab seiner Jugend bis hin zum Messi/Suarez-Elfmeter. Ein großes Lesevergnügen.

Geburtstagskind des Tages

(Auflösung von gestern: Toni Polster wurde 52)

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Sven Goldmann (Tagesspiegel) traf einen Ex-Schiedsrichter: Robert Hoyzer ist zurück im Spiel.

Field Reporter

»Wir haben keine Tradition und unsere Spieler kommen alle aus dem Ausland. Aber international sind wir sehr beliebt. Wir haben zum Beispiel die zweitmeisten Twitter-Follower aller Klubs des Landes. Die Leute mögen es, dass wir den Spielern eine zweite Chance geben. Wir möchten auch auf vielen anderen Ebenen ein alternativer Verein sein. Viel offener und zugänglicher. Wenn man uns besucht, kann man mittrainieren, wenn man möchte. Man kann auch in der Halbzeit in die Kabine gehen und die Halbzeitansprache halten.«

John Gontier auf dem Weg in die Champions League mit einem Zweitligisten aus Gibraltar zu ungewöhnlichen Methoden (11 Freunde).

Mixed Zone
Laufverbot: Die taz-Redaktion hat Geh-Fußball getestet.  + + + Abwehrspieler: Jérôme Boateng erklärt sein Geheimnis (The Players Tribune) + + + Extra Time: Die erste Ausgabe des Magazins der Queer Football Fanclubs Deutschlands. + + + Rückholaktionen: Warum stellen italienische Fußballclubs so gern ihre Ex-Trainer wieder ein? (transfermarkt) + + + Verschwiegenheitsklausel: Tönnies will bei Geheimnisverrat seine Aufsichtsratskollegen zur Kasse bitten. (WAZ) + + +Empfehlungen: Trainer Baade über »New Kids On The Blog«.

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#Link11: Die Basis liegt in Brotdorf

blogundpresseschau

1. Im gestrigen Champions-League-Achtelfinalrückspiel zwischen dem FC Chelsea und Paris Saint-Germain setzten sich die Franzosen mit einem 1:2 durch. Stefan Osterhaus (NZZ) berichtet vom Spiel. Rene Maric (Spielverlagerung) analysiert die Taktik des Matches. Im zweiten Spiel des gestrigen Abends siegte Benfica mit demselben Ergebnis in Sankt Petersburg (kicker).

2. Der FC Chelsea ist damit zwar aus der Champions League geschieden, befindet sich dennoch auf dem Weg der Besserung: Nach der schwachen Hinrunde unter José Mourinho hat sich das Team gefestigt. Peter Ahrens (Spiegel Online) über die Hauptperson dieser Konsolidation. Andererseits befindet sich der Klub mitten im sportlichen und menschlichen Zerfall, wenn man dem Artikel von Sven Haist in der SZ folgt: Dieselben Ergebnisse und Personalien werden hier ungleich düsterer gesehen.

3. Um den Solidaritätsbeitrag, der von der Ablöse für den Pariser und früheren Frankfurter Torhüter Kevin Trapp abgeführt werden muss, ist im Saarland ein Streit zwischen den Teilhabern einer Spielgemeinschaft entbrannt (11Freunde):

»Kevin hat bei uns angefangen. Die Basis seiner Karriere liegt sozusagen in Brotdorf«, berichtete etwa der Vorsitzende des dortigen FC, Arno Heinz, bei fupa.net. Da kann der SV Mettlach zwar nicht mithalten, aber Teil der Jugendspielgemeinschaft waren sie unbestritten allemal. Und so pochten auch sie darauf, am vermeintlich warmen Geldregen beteiligt zu sein. Das argumentativ heißeste Eisen hatten allerdings die Bachemer im Feuer, denn bei ihnen war Kevin Trapp seinerzeit laut Spielerpass gemeldet.

4. Einige taktische Nachworte zum 25. Spieltag: Hoffenheim hatte »eigentlich vom Ansatz sehr gut aussehenden Ansätze«, die dann aber zu einer 5:1-Niederlage in Stuttgart wurden (Spielverlagerung). Thomas Schaaf ließ in Hannover zuletzt unorthodoxes Zeug spielen: Ein zentrumslastiges 4-2-2-2, bei dem die Mittelstürmer im Pressing die Flügel besetzen (Niemals allein). In Wolfsburg probierte Andre Schubert mit seinen Borussen ein 3-4-3, Wolfsburg ist zuletzt desöfteren im 4-3-3 unterwegs (Spielverlagerung).

5. Nicht Teil des Gladbacher 3-4-3 war Martin Stranzl. Der Österreicher mit derzeit genau 256 Bundesligaeinsätzen wird im Sommer 36-jährig seine Karriere beenden. Stefan Hermanns (Tagesspiegel) über den Abgang einer Leitfigur und einer Personifizierung der wiedererstarkten Gladbacher Borussia.

6.

Ganz ehrlich? Ich finde Fußball manchmal rätselhaft: Warum hat Pep seine Kapuze vom Wintermantel immer umgekrempelt? Warum kriechen Trainer bei Regen nicht unter einen Regenschirm? […] Warum tun Spielerberater so geheimnisvoll? Und warum sitzen die immer, immer, immer im Auto? Warum gibt es keine Dopingbefunde im Fußball? […] Warum wird der Ball so oft aus gegeben, obwohl er nicht aus war? […] Warum muss zum Fußball eigentlich immer Bier getrunken werden? Warum nicht mal ’ne vegane Wurst und ein Erdinger Alkoholfrei? Warum haben die Grünen das noch nicht erkannt? […] Warum kostet ein Fußballtrikot aus Plastik 80 Euro? Warum gibt es Fußballphilosophen und keine Tischtennisphilosophen?

Markus Völker (taz) stellt 62 Fragen zum Fußball.

7. Robert Hoyzer ist Technischer Direktor bei Viktoria Berlin. Sven Goldmann (Tagesspiegel) hat ihn getroffen und portraitiert einen Resozialisierten, der selbst in seiner Seriosität bei mir noch einen schmierigen Eindruck hinterlässt: »›Gibt es eigentlich noch das Café King? Egal, ich war lange nicht mehr in der Gegend.‹«

8. Bei Eintracht Frankfurt tritt in diesen Tagen ein Bruderpaar seinen Dienst als Trainer an: Niko und Robert Kovac sollen den drohenden Abstieg abwenden. Tobias Schächter (SZ) portraitiert die beiden Brüder und ihre bisherige Trainer- und Netzwerkarbeit. Über die anstehenden Veränderungen hinter und über den Trainerteam berichtet Ingo Durstewitz in der FR.

9. 1860-Finanzier Hassan Ismaik möchte erstmals ein Auswärtsspiel besuchen: Dasjenige in Leipzig.

Und daher grübelt nun halb München, weshalb der Jordanier sein Auswärtsdebüt ausgerechnet bei einem Spiel bei Tabellenführer Leipzig geben möchte, das a) von den 1860-Ultras boykottiert wird, weil die finden, dass dort ein ziemlich unnötiger Brauseklub von den Brausemillionen eines Brausekonzerns künstlich bebraust wird und bei dem b) Möhlmanns Truppe nach drei Siegen in Serie aller Voraussicht nach wieder auf die Mütze bekommen wird.

Philipp Schneider (SZ) hat einen Erklärungsansatz.

»Nur Platz 10: HSV bangt um Zusatzeinnahmen durch Relegationsspiele«. Der Postillon berichtet über das sich abzeichnende Verfehlen des Saisonziels.

11. In Frankfurt wurde den 23 Absolventen der diesjährigen Fußball-Lehrer-Ausbildung ihre Lizenz verliehen. DFB.de führt eine Liste der Absolventen. Rang 1 und 2 der Notenbesten belegten zwei Trainer der TSG Hoffenheim. Auszeichnungen für Lebens- und Jahresleistungen gingen an Ottmar Hitzfeld und Markus Kauczinski (kicker).

Geburtstagskind des Tages

(Auflösung von gestern: Jan Furtok wurde 54. Bernd Hölzenbein wurde 70, aber nicht in der #Link11, nur in der FAZ)

Meist geklickter Link gestern
Daniel Raecker (Spiegel) – »Wolfsburg im Viertelfinale: Großer Sieg, kleine Freude«

Field Reporter

»Egal, wer Präsident geworden ist: Die Fifa funktioniert, da muss man nichts machen.«

Ex-FIFA-Patron Joseph Blatter wird 80 und hat eine Organisation geschaffen, die von selbst läuft. Ein Geburtstagsinterview im Blick.

Mixed Zone
Kaiserslautern: Friede Springer macht sich Sorgen (Der Betze brennt) + + + England: Ticketpreise im Gästeblock werden auf 30 Pfund gedeckelt (sid/SpOn) + + + England: Sehr, sehr, sehr unwahrscheinlicher Treffer beim Training (BBC Sporf) + + + Manchester: Happiness is a small mirror (Trainer Baade) + + + Thailand: Die Veränderungen zur neuen Saison bei thai-fussball.com + + + Klagenfurt: Warum nicht Jörg-Haider-Stadion? (Ballesterer) + + + Schalke: Intersaisonaler Vergleich der Punktzahlen (Königsblog) + + + Frauen: Deutschland unterliegt den USA mit 1:2 (FAZ) + + + Tottenham: Dortmunds Gegner im Portrait (Tagespiegel) + + + Darmstadt: Johnny Heimes ist verstorben (FAZ) + + +

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#Link11: Bleibt wieder ewig hinter sich

Tja, so ist das. Ist ja auch keine Neuigkeit. Geklickt habt ihr trotzdem. Jetzt wo ihr schonmal hier seid: Ich biete Champions-League-Euphorie in Wolfsburg, Kartenfrust in Bremen, Nagelprobe (höhö) für die TSG Hoffenheim, die Freshfields-Erkentnisse des DFB, die Uefa, die einen transparenten Neustart übt (Spoiler: es sind wirklich die allerersten Schritte), Geheimdokumente von mir und liebe Frauen, herzlischen Glückwunsch! Und danke liebe Wolfsburger, solche Plakate sind besser als jede von uns hingeklatschte Überschrift. Viel Spaß mit der Link11!

blogundpresseschau

1. Der VfL Wolfsburg hat das Viertefinale der Champions League erreicht. Das reicht denke ich, um den gestrigen Abend zusammenzufassen. Viel gab es beim 1:0-Sieg nicht zu sehen, dafür war die Stadt danach im Ausnahmezustand.

Seine weiteren Beobachtungen fasst Hendrik Buchheister hier zusammen. Ein weiterer Artikel auf Spiegel Online ist noch witziger: “Sparfüchse des Abends: Die Wolfsburger Zuschauer, die ihr schwer erarbeitetes Geld nicht für vage Ideale wie “erstes und vielleicht einziges Champions-League-Achtelfinale, das je in meiner Stadt stattfindet” ausgeben.

Wolfsburg schafft also historisches und überholt sich selbst. (Wenn man das Plakat der Wolfsburger „Kleinstadt Gang“ vom Wochenende „Wir werden auf ewig hinter uns bleiben“ streng auslegt. Gestern hat die “Kleinstadt-Gang” angekündigt, ihre Aktivitäten ewig hinter sich zu lassen)

2. Blieb nicht auf ewig ohne vier gelbe Karten: Zlatko Junuzovic. Er gab zu, sich in der Schlussphase des Werder-Sieg am Wochenende die fünfte Gelbe freiwillig abgeholt zu haben, um gegen die Bayern nicht dabei zu sein zu dürfen. Darmstädter Schule, hätte man gesagt, hätte Zlatko kein Interview nach dem Spiel gegeben und genau das zugegeben. Nun reden wir darüber, wie ehrlich Bundesligaprofis sein dürfen, denn Junuzuvic muss sich für seine Aussagen am Freitag vor dem DFB Sportgericht rechtfertigen, was die fünf Darmstädter, die es genauso offensichtlich trieben, nicht machen mussten (Clemens Fritz muss auch zum Sportgericht. War in einer früheren Version falsch). Wird spannend. Auch herrlich sind Junuzuvics Verteidigungs-Ansagen im vereinseigenen Interview von gestern:

Frage: “Sladdi, die Leute denken du hast das mit Absicht gemacht. Sag mal was!”

Antwort Sladdi: “Ja, so haben es viele aufgefasst, aber ich war einfach nur froh, dass ich endlich nicht mehr diese Last mit den vier gelben Karten mit mir herumtragen muss.“

3. Heute entscheidet sich, ob die TSG Hoffenheim bald einen neuen Trainer braucht. Denn wenn ihr aktueller, Jungspund Julian Nagelsmann, seine Trainerlizenz nicht erhält, darf er streng genommen auch keine Bundesligamannschaft trainieren. Um das zu vermeiden, musste er beim DFB-Trainerlehrgang in Hennef mit einer A-Jugend die Red Zone üben. Witzig, dass der DFB auch NFL-Football üben lässt. Andere Lehrgangsteilnehmer wie Jeff Strasser jedenfalls glauben, dass Nagelsmann das schafft. Die FAZ beobachtete die angehenden Trainer in den letzten Tagen der zehnmonatigen Ausbildung in Hennef und stellte fest, wie Julian Nagelsmann seinen Spagat aus Bundesliga und Hennefer A-Jugend mit Fragen stellen hinbekommt.

4. Um das große Ganze hat sich der Blog Miasanrot Gedanken gemacht. In einer dreiteiligen Serie haben die Autoren versucht, die Lage der Bundesliga unter finanziellen (Teil 1), effizienten (Teil 2) und taktisch-strategischen (Teil 3) Punkten abzuklopfen. Im zuletzt erschienenen dritten Teil analysieren vier Experten und Autor Tobi die Grundrezepte der Bundesligateams, reden über Risiko und das Scheitern einzelner Trainerphilosophien und finden so schöne Sätze wie „das Atletico Madrid des kleinen Mannes“ (Darmstadt). Ziemlich starke und ziemlich lange Analyse, die ohne das Phrasendreschen noch lesenswerter wäre. Und ein Teil des Fazits am Ende überrascht natürlich nicht, weil es ziemlich deutsch ist: Die Bundesliga könnte so viel mehr, es mangelt aber an der Risikobereitschaft.

5. Die Bundesliga: wir schimpfen über sie, wir finden sie kommerziell, wir sehen sie weit hinter anderen zurück, aber eigentlich mögen wir sie dann doch ganz gerne. So ähnlich liest sich das Fazit aus dem vorher empfohlenen Text jedenfalls. Komplett anders sehen die jungen Herren das, die Alex Raack für die neue Ausgabe der 11Freunde gesprochenhat. Sie haben die Schnauze voll von allem. Von Aalglattness, WM-Vergabeness, Sponsorness und Sensationslosness. Protokolle gescheiterter Beziehungen.

6. (Es folgt: Werbung in eigener Sache.) Ebenfalls in dieser 11Freunde-Ausgabe findet ihr eine Geschichte von Ron Ulrich und mir, die sich mit dem Investor Doyen Sports und seinen dubiosen Third-Party-Ownership-Geschäften bei Twente Enschede beschäftigt. Sie haben dazu geführt, dass Twente nun kurz vor der Insolvenz steht, weil sie mit dem Investor illegale Absprachen getroffen haben. Unsere Grundlage waren zahlreiche interne Mails und Verträge, die von Footballleaks, dem Wikileaks des Fußballs, veröffentlicht wurden. Twente ist kein Einzelfall. Die Macht dieser Investorenfirmen ist riesig, sie reicht bis in die Bundesliga. Mit Luc Castaignos und Joshua Guilvagui sind / waren mindestens zwei Profis von Doyens Geschäften direkt betroffen. Hier beschreiben wir, wie diese Geschäfte mit den Transferanteilen dafür sorgen, dass Investoren bestimmenden Einfluss über Transfergeschäfte erhalten.  (Eigenwerbung Ende)

7. Auch geleakt wurde der Freshfiels-Bericht des DFB am vergangenen Freitag. Der DFB hat es im Rahmen seiner neuen Transparenzoffensive auf der eigenen Homepage getan. 42 Anwälte haben 128 000 Dokumente und Mails gelesen, 600 Ordner in der Hand gehabt und sich dafür 3,5 Millionen Euro vom DFB zahlen lassen. Gut investiertes Geld um herauszufinden, was mit 6,7 Millionen passiert ist. Der Spiegel mit einem Überblick.

Kommentatoren sind sich einig, wie es billiger gegangen wäre: Franz Beckenbauer hätte sein Schweigen brechen müssen. Seine persönlichen Konten sind direkt betroffen. “Der Kaiser gibt, der Kaiser nimmt”, heißt dazu die Analyse von Oliver Fritsch (ZEIT Online). Eine gute Frage wirft auch Michael Ashelm (FAZ) auf: Warum sagt Beckenbauer nicht einfach, dass die Zeiten damals andere gewesen seien und geht offensiv damit um, beim dreckigen Spiel zumindest kurz eingewechselt worden zu sein. Zu groß aber scheinen die persönlichen Seilschaften zu sein. Und die Frage die sich anschließt: Was weiß er noch so aus den vielen Jahren Funktionärsleben in der Fifa?

Weder sei die WM gekauft noch könne man den DFB freisprechen, lautet die zentrale Freshfields-Feststellung. Es mangelt lediglich an Beweisen. Klar ist: Das Geld floss nach Katar. Was dann passierte, ob damit die WM-Vergabe beeinflusst wurde oder Fifa-Boss Sepp Blatter im Wahlkampf unterstützt wurde: Wissen wa jetzt immer noch nich, wa?

Man merkt aber: Es riecht nicht nach der reinen Luft der Aufklärung. Es gärt weiter im Sumpf. („Abhängigkeiten in einem korruptionsbedingten Umfeld“ nennt das Jurist. Weiß ich seit Freitag.) Sich nicht mehr im Sumpfe waten sieht sich, oh, dingdong, Überraschung, der DFB selbst und Rainer Koch, DFB-Vizepräsident. Unsinn, sagt daraufhin die taz. Die FAZ sieht nach dem DFB-Schlusspfiff weiteren Erklärungsbedarf. Der könnte nun von der Fifa kommen.

8. Jack Warners Lustreisen nach Deutschland kurz vor der WM-Vergabe im Mai 2000, inklusive Kniestrümpfen für die Frau und privatem Faxgerät, was alles der DFB zahlte, nehmen Johannes Aumüller und Thomas Kistner (SZ) zum Anlass zu fragen, was es braucht, um eine WM gekauft zu nennen. Es gibt mittlerweile viele weitere kleine und mittlelgroße Geschenke des DFB an verschiedene Stellen, die politischen Geschenke der Bundesregierung wie Waffen nach Saudi-Arabien spart der Freshfields-Bericht ohnehin aus.

Ähnlich, juristisch-korrekt über Umwege, äußert sich Sportrechtler Christoph Schickhardt gegenüber der Welt: „Ein Strauß von Umständen, die in der politischen Bewertung auf Korruption hindeuten.“ Ein zweiter starker Satz über den DFB aus dem spannenden Interview: „Was da nach dem Auftauchen der 6,7 Millionen Euro abgelaufen ist, geht gar nicht. Da hätte sich jeder Dorfverein aufgelöst.“

9. Ihr Transparenzfähnchen neuerdings auch ganz weit raus hängt die Fifa unter dem neuen Präsidenten Gianni Infantino. Für Zweifler dieser neuen Taktik (also für fast alle) empfehle ich diesen Text von Matt Scott (Insideworldfootball, addendion: Only in Englisch gehalten).

Er beschreibt darin, wie die Uefa bis heute über den Fall von Olympiakos Piräus hinwegsieht. Jahrelang hat sich auch Infantino in seiner Funktion des Generalsekretärs als größter Ignorant gezeigt. Kann passieren, Olympiakos wirft man ja nur vor, korrupt bis ins hellenische Mark zu sein, mit einem Mafia-Syndikat Spielverschiebungen zu organisieren und das Haus eines Fifa-Schiedsrichters, der sich den Anweisungen der Olympiakos-Bosse wiedersetzt hat, zu zerbomben. Auch das jüngste Spiel von Olympiakos gegen Anderlecht in der Europa League begleiteten ziemlich merkwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen. Und Infantino? Feiert seinen Wahlhelfer und Nachfolger als Uefa-Generalsekretär, Theodore Theodoridis, der auch der Sohn des Vizepräsidenten von Olympiakos ist. Schön: Die alte Fifa ist wieder da.

10. Ich komme nochmal auf dem Sumpf, den DFB-Vize Rainer Koch schon durchwatet gesehen haben will. Koch ist in seiner Funktion als DFB-Vize für Recht auch für das Anti-Doping-Kontrollsystem des DFB verantwortlich. Doping im Fußball, da wartet ja schon der nächste Sumpf. Die Kollegen von Fußballdoping.de stochern seit Jahren in diesem Morast. Nun wollen sie das wieder vermehrt versuchen, weil die Freiburger Aufklärungskommission ihre Arbeit eingestellt hat. Im Zentrum: Ehemalige Spieler aus Freiburg und Stuttgart. Ein schönes Zitat eines Ex-Spielers gibt es schon mal: „Die Tabletten, Spritzen und Salben würde ich gerne mal auf einem Haufen sehen, die füllen sicher eine ganze Badewanne“. Oh oh, Herr Koch, ich bin gespannt, ob ihre Füße in diesem Sumpf trocken bleiben.

11. Kommen wir zu den schönen Seiten des Lebens: den Frauen. Gestern war Weltfrauentag. Welchen langen, ganz ganz langen Weg hin zur Anerkennung die Frauen im Fußball auf sich nehmen mussten, beschreibt dieser Text der Westdeutschen Zeitung von 2011 (Bei Twitter als Klassiker des Frauenkampftags in meine Timeline gespült worden, Danke, Jan Tölva). Der Ausgangspunkt: Die Siegprämie für die Frauen für den EM-Titel 1989: Ein 1b-Kaffeeservice von Villeroy & Boch.

Ich überlasse euch die Entscheidung, ob es in diesem Zusammenhang ein Rückschlag oder ein Fortschritt ist, dass es eine Wahl zur “heißesten Sportmoderatorin des Jahres” gibt. Gewonnen hat sie jedenfalls Laura Wontorra (Sport1). “Große Ehre” teaste Sport1 bei Facebook. Ich nicke.

Geburtstagskind des Tages: Geburtstagskind des Tages

(Auflösung von letzter Woche: Jörg Stiel wurde 48)

Meist geklickte Links vergangene Woche
Spannende Kombination: Uli Hoeneß neue Hautverzierungen, die er sich laut Postillon im Knast zulegte und Christian Spillers Odekritische Wüdigung” zu 25 Jahren Pay-TV.

Field Reporter

»Ein Fitnesstrainer hat mir später gesagt, dass Favre da viel vor sich her genuschelt hat: „Boah, der Neustädter, der kann, der versteht alles…“ Ab da hab ich bei ihm immer gespielt. Egal wie und was, er hat immer einen Platz für mich gehabt. Und als ich dann zu Schalke gegangen bin, hat er das ja öffentlich als herben Verlust bezeichnet, als wenn Barcelona auf Xavi verzichten müsste. Das ist natürlich schon eine große Ehre, wenn so jemand das über einen sagt.«

Die Halbfeldflanke hat sich mit Roman Neustädter nach der Videoanalyse des müden Schalker 0:0 gegen Frankfurt getroffen. Offenbar war das ein guter Zeitpunkt, um mit Neustädter über aufregenderes zu sprechen: seine eigene Karriere. Gute Idee: Eine Taktiktafel daneben zu stellen. Sehr spannend.

Bandenwerbung: Unser neues Format Podcast-Schau mit einigen Leitcastlern der Szene. Welche? Selber gucken!

Mixed Zone
Hamburg: Uwe Seeler macht eine betroffene Mine: Haben seine kostenlosen Ehrenkarten ein größeres HSV-Finanzloch als bislang angenommen gebuddelt? (NDR) + + + Burn-out: Sascha Lewandowski hört als Trainer bei Union Berlin auf. Die Union-Gemeinde trauert. (Textilvergehen) + + + Kollege Klaas, auch einer von Collinas Erben, im Deutschlandfunk über den Videobeweis und weitere neue Fußballregeln (Deutschlandfunk) + + + Wichtig: Verweisen auf die Suche nach Fußballkleidung für Geflüchtete im Raum Dortmund: Schwatzgelb.de + + + Böser Wolfsburg-Diss eines Beraters: Fahr da mal hin und sag mir, ob du dir das drei Jahre lang antun willst. Weitere Beraterinsights: (TZ) + + +

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Podcast-Schau: Vom neuen Maradona zum gelassenen Taxifahrer

(c) jqmj

Thomas Tuchels esoterisch-elitärer Touch

Die erste Empfehlung ist die vorletzte Folge der Rasenfunk Schlusskonferenz. Moderator Max-Jacob Ost hatte sich kurz nach dem zum Fußballklassiker hochgejazzten Spitzenspiel zwischen Borussia Dortmund und Bayern München mit Borussia-Fan Stefan Vogel und mit dem stets nerdtralen Taktikfetischisten Tobias Escher  verabredet Die drei besprechen so ruhig und unaufgeregt die Partie, dass Thomas Helmer sicher schon ganz nervöse Zuckungen bekommen würde beim Hören. Schade, dass der Doppelpass-Moderator die Sendung wohl nie hören wird, denn er könnt sonst lernen, dass man auch ohne Phrasenschweinunterbrechungen mit DJ Munich unterhalten kann – und sogar noch jede Menge Mehrwert liefert.

[Die letzte Folge des Rasenfunks, in der die restlichen Spiele des 25.Spieltags besprochen wurden, habe ich leider noch nicht gehört, bin mir aber sicher, dass nichts Unerhörtes dabei wäre, wenn ich sie dennoch ungehört empfehle.]

»I lost the love for the game.«

In England gibt es mit Talksport ein Radioprogramm, das wirklich nur über Sport redet. Den ganzen Tag. Zu Gast war Sonny Pike (ab 11 Uhr), ein einst hochgelobtes Fußballtalent, das leider nicht den großen Durchbruch schaffte, obwohl schnell Vergleiche mit Maradona berechtigt schienen, weil der junge Kicker bei einem internationalen Jugendturnier in Dänemark in sechs Spielen 28 Tore erzielte. Im Gespräch erzählt er von hoch dotierten Werbeverträgen, Probetrainings bei Ajax Amsterdam und seinem heutigen Glück als Familienvater und Taxifahrer. Der Guardian hat die Geschichte auch aufgegriffen.

Mike Hanke hat investiert.

Christoph Metzelder: „Für junge Fussballer ist Instagram heute die wichtigste Plattform“

Christoph Metzelder war schon im Dezember bei den Online Marketing Rockstars zu Gast. Neben allerlei Marketingtalk erzählt der Ex-Profi von seinen Erfahrungen in der Marketingwolke Real Madrid, seinem Engagement für den TuS Haltern und dass er sich vor der Bekanntgabe seines Wechsels zu Schalke 04 für einen Shutdown aller Onlinekanäle entschied, um einem Shitstorm aus dem Weg zu gehen. Dazu berichtet Metzelder, wie er maßgeblich am Transfer Raúl nach Gelsenkirchen beteiligt war und wie Ex-Profis heute investieren.

»Ich strukturiere meine Vergangenheit nach Fußballsaisons«

Ganz herzlichen Glückwunsch an das Textilvergehen zu Folge 250. Ich bin großer Fan des unverkrampften Fußballtalks aus Berlin. Die Podcaster nehmen sich selbst nicht so wichtig und diskutieren auch die großen und kleinen Themen abseits des Rasens und rund um den Lieblingsverein aus Köpenick zu. Mit ganz viel Selbstironie, mal mehr oder mal  weniger gelungenem Wortwitz und immer extrem charmant. Interessant für Fans aller Vereine.

Die Macher, die erst kürzlich von Union Berlin für ihr Engagement mit einer Ehrennadel ausgezeichnet wurden, lassen sich von den Feierlichkeiten nicht aufhalten und haben pflichtbewusst nach jedem eisernen Spiel weiter produziert, so dass mit Folge 251 und 252 schon Episoden zum Abruf bereitsetehen, die nach der Krankmeldung bzw. Demission von Trainer wegen Burn-Out die richtigen Worte finden.

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