#Link11: Schlange stehen vor dem Schicksalsberg

Die Ruhe vor dem Sturm. Ihr erinnert Euch sicher, diese Sekunden (Minuten, Stunden, wasauchimmer) als Frodo mit Sam endlich in Mordor war und es zuende bringen wollte – oder auch nicht. So ähnlich ergeht es derzeit vielen Fußballfans, die vor dem Ende der Saison stehen und nicht so recht wissen, ob sie den Ring da jetzt endlich ins Feuer schmeissen sollen, um den Mist hinter sich zu bringen, oder doch lieber noch etwas abwarten, denn vielleicht wird durch das Ende alles nur schlimmer. Eines ist sicher: Die Adler kommen dieses Mal nicht zur Rettung, wenn es böse ausgeht, weder im Abstiegskampf der 1. noch der 2.Liga. Ganz eventuell könnten Sie in Form des VfR Aalen noch in der 3.Liga auftauchen, wenn sie den Absteiger dort durch einen Lizenzentzug vor der Regionalliga bewahren, doch dazu dann mehr in der nächsten Woche. Jedenfalls tummeln sich zahlreiche Vereine unbeteiligt pfeifend vor der Ziellinie, während es in den Blogs eher verhaltene Stille gibt.
Schauen wir, was sich am letzten Werktag vor dem Pfingstwochenende im Blätter- und Blogwald so getan hat.

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1. Beginnen wir im Oberhaus. Der Abstiegskampf dominiert hier natürlich die Berichterstattung, wer sich da jetzt wie genau noch auf den Plätzen 6-8 einfindet ist noch unbedeutender in der Öffentlichkeit als die ESC-Halbfinals. Hendrik Buchheister schreibt im Weser-Kurier über die Leiden des jungen Werthers HSV, den Umgang der Fans, die Sichtweise von lokalen Musikgrößen und ehemaligen Größen des Vereins. Erfreulicherweise kommt Uwe Seeler dabei gar nicht zu Wort.
Die Welt nimmt sich des Themas etwas neutraler an und schaut einmal auf die finanziellen Folgen bei den TV-Geldern und blickt graphisch auf den bisherigen Saisonverlauf zurück.
Einen rettungsankernden Appell wirft der Wahlberliner Peter Ahrens dem SC Paderborn im Spiegel zu. Und wer nun immer noch nicht so genau weiß, was Abstiegskampf bedeutet, der fragt Reinhold Messner: “Der Abstieg ist brutal!“.

2. In der 2.Liga ist es am Sonntag ja sogar noch etwas spannender, denn nicht nur “unten” sondern auch “oben” geht es noch um alles, wenn man Ingolstadt und Aalen mal außen vor lässt. Einen gewohnt fundierten Rundblick auf die Gesamtwetterlage bietet der RoteBrauseBlogger, während es bei boelle.org explizit um das “Endspiel” des SV Darmstadt 98 gegen den FC St.Pauli geht. Den Gefühlslage in der Gästekurve kann man hingegen hier verfolgen.
Die Düsseldorfer Fortuna wird im Heimspiel gegen des FSV Frankfurt auch noch im Abstiegskampf mitreden, für die meisten Fortunen aber wichtiger dürfte die Verabschiedung von “Lumpi” Lambertz sein. Sein Kollege Christian Weber hat sich schon mal vorab schriftlich verabschiedet, die WZ durfte den Brief veröffentlichen.

3. Last but not least, auch in Liga 3 ist der Klassenerhalt das, was am letzten Spieltag noch entschieden wird, aus Mainz II, Hansa Rostock und der SpVgg Unterhaching wird noch ein Absteiger ausgewürfelt, wobei Letzere mit zwei Punkten Rückstand ins Rennen gehen und (wie eingangs erwähnt) der VfR Aalen eventuell noch von oben überholen könnte.
Die Gesamtsituation kann man im Kicker nachlesen, bevor es dann am Samstag um 13.30h auf den Plätzen los geht, u.a. in den Livestreams der Sportschau zu verfolgen.
Für den neutralen Zuschauer dürfte die Partie Dynamo Dresden – Hansa Rostock den größten “Abenteuerlevel” haben, auf hansafans.de gibt es einen persönlichen Ausblick auf das Spiel, inklusive Brief an die Mannschaft.

4. Von der 3.Liga zurück zum Weltfußball. Eigentlich ein weiter Weg, in der #Link11 nur eine Zeile. Die FIFA sorgt mal wieder für (je nach Sichtweise) Erheiterung oder Verzweiflung. Nach dem Niederländer Michael van Praag zog nun auch Luis Figo seine Kandidatur für das Amt des Gottes FIFA-Präsidenten zurück. Ob dies dem jordanischen Prinzen Ali bin Al Hussein ausreichend hilft, darf trotzdem bezweifelt werden. Ob er überhaupt das geringere Übel im Vergleich zum ewigen Sepp wäre, ebenso. Erheiterung, Verzweiflung, sucht es Euch aus.
Weniger erheitert, sondern einfach nur wütend hinterlassen einen weiterhin die Umstände bei der WM 2022 in Katar. Nun hat auch Amnesty International sich geäußert. Ob es was hilft? Warten auf Godot Sepp, der Zweifel bleibt, stark.

5. Zurück nach Deutschland. Welche Fans am Wochenende nun eine “Ode an die Freude” verfassen werden, sehen wir dann ja vielleicht am Pfingstmontag. Heinz Kamke hingegen macht sich bereits jetzt Gedanke über “Ungeschriebene Oden“, blickt dabei natürlich Schwerpunktmäßig auf seinen VfB Stuttgart, hakt dabei aber auch noch Themen wie die nachlassende Motivation beim FC Bayern ab.

6. Die Hälfte ist rum in der #Link11, Zeit für ein bißchen was zu Lachen und einen Kaffee.
Wobei, besser nicht, denn er könnte am Monitor landen.

7. Gar nicht zum Lachen hingegen ist das, was momentan rund um Emmanuel Adebayor passiert, der sich sogar mit Selbstmordgedanken an die Öffentlichkeit wandte, wie die 11FREUNDE berichtet. Auf seiner Facebook-Seite geht seine Verarbeitung seiner Gedanken weiter, hoffen wir das zumindest ihm dies hilft.
Vielleicht ist dies auch ein guter Zeitpunkt, wieder einmal darüber nachzudenken, wie mit ähnlichen Themen in Deutschland und unserer direkten Umgebung umgegangen wird, auch und gerade in Vereinen und Fanszenen. Beim FC St.Pauli gibt es (initiiert aus einem traurigen Anlass heraus) mit St.Depri inzwischen eine Anlaufstelle für Fans mit Depressionen.

8. Nochmal 1.Bundesliga, nochmal Abstiegskampf. Und Verarbeitung. Ein Western aus dem Westen, man hört förmlich die Musik im Hintergrund.
Im Königsblog, von Torsten Wieland.
Der letzte Job“.

9. And now for something completely different: Die 11FREUNDE mit einer wunderbaren Geschichte über Gil Heron. Gil wer? Kennt Ihr nicht? Kannte ich bisher auch nicht, obwohl ich Celtic als meinen Zweitverein bezeichne. Hätte ich aber kennen sollen. Lest selbst.

10. Es gibt Fußballspieler die weniger polarisieren als er. In Stellingen wird er immer noch ehrfurchtsvoll “Herr Rasen” genannt, ansonsten gilt er als der neueste heiße Shice im Wrestling-Business. Im ZEIT MAGAZIN gibt es nun Neues von Tim Wiese. Viel lesenswertes, fast ohne Fotos.

11. Last but not least: Die Vorgänge in der Bremer Fanszene waren in den letzten Wochen, Monaten und Jahren immer mal wieder auch hier Thema. Fußball ist nicht unpolitisch und wird es auch nie sein. Daher auch wichtig, es sich immer wieder wieder in Erinnerung zu rufen, wie es hier #Werder2013 getan hat.

Meist geklickter Link gestern
Die ZEITUNG, von der ja in der Regel behauptet wird, “aber der Sportteil ist gut!” hat mal wieder unter Beweis gestellt, dass dem eben nicht so ist und auch dort Hetze und unberechtigte Skandalisierung zum guten Ton gehören. BILDBLOG berichtete, Ihr klicktet.

Field Reporter

“Ich verstehe die ganze Fragerei nicht. Wir spielen noch ein Spiel, und dann sind wir entweder abgestiegen oder eben nicht.”

Admir Mehmedi, SC Freiburg, tiefenentspannt. (Hamburger Abendblatt)

Mixed Zone
Schalke: Fangesänge mit Orchester auf Schalke-TV + + + Marco-Reus-Drive-Alike-Contest: Karim Benzema hat gewonnen (Welt) + + + Paul Gascoigne: Wenn ein Fußballer einen Film über sich selbst verdient hat, dann sicher er. Nun ist es bald soweit. (falscheneun.net) + + + Peru: Es ist nicht überliefert, ob der Torwart zurecht Gelb bekommen hatte. Glatt Rot jetzt aber scheint okay. (Spiegel) + + + Italien: Während Bayern auf dem Weg zum Triple bekanntlich zweimal falsch abbog, befindet sich Juventus Turin noch auf Kurs: Pokalsieger. (Spiegel) + + + Italien: Ach guck, schon wieder Manipulationsvorwürfe. (Spiegel) + + + Union Berlin: Es menschelt, bei Union, es wird geheiratet. Außerdem wechselt man den Medienpartner, was nicht von allen begrüßt wird. (Textilvergehen) + + + Sinsheim: Ein Thema in fast allen Profivereinen: Die Durchlässigkeit vom Nachwuchs- in den Profibereich. (Neureich-Bimbeshausen) + + +

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#Link11: 25 Jahre FC Bayern München

Weil heute am Morgen ein wichtiger Termin ansteht, muss die #Link11 schon in der Nacht raus und ich bitte es nachzusehen, wenn ich einen interessanten Artikel übersehen habe. Sollte dem so sein, bitte ich um einen Link in den Kommentaren. Besten Dank. Und bleibt mir weg mit Schatzschneider.

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1. Auf der re:publica durfte ich einen ersten Blick in das Projekt der Erfolgsfans werfen und war als Freund der HisTOOORie direkt ziemlich begeistert. Eine Chronik, erschienen 25 Jahre nach Gründung des FC Bayern, schön eingescannt und leicht zu durchblättern. Interessant natürlich für Fans des FC Bayern, aber auch für Fans anderer Vereine, weil es ein ziemlich einzigartiger Blick in die Zeit zwischen 1900 und 1925 ist. Chapeau. Ein tolles Projekt, das der kicker genauer vorstellt!

2. Ein weiteres Mammuprojekt hat sportingintelligence veröffentlicht. Unter dem Titel Global Sports Salaries steht eine Broschüre zum Download bereit, die die Gehälter von 333 Teams aus 17 Ligen in 13 Ländern in 7 unterschiedlichen Sportarten zeigt. Bayern München hält seinen Rang aus dem Vorjahr liegt in dieser Liste aus 333 Teams mit einem durchschnittlichen Wochengehalt von 147.326 Dollar auf Platz 7. Nächster Bundesliga Club sind Schalke auf Platz 53 (82.082 $), Dortmund auf Platz 62 (77.306$) und Wolfsburg auf Platz 99 (52.617 $). Im Vergleich der Ligen ist die Bundesliga auf dem 6.Rang. Insgesamt eine große Menge Daten, die optisch gelungen ausgewertet werden.

3. Gestern war die Link11 so voll, dass sich der Artikel von Marco Mesirca (Spielverlagerung) in der Mixed Zone wieder fand. Passend zu den Global Sports Salaries möchte ich ihn aber ein weiteres Mal empfehlen. Sehr ausführlich. Sehr interessant.

4. Dinalo Adigo hat als Spieler von Lok Stendal üble rassistische Beleidigungen erlebt. Heute ist er einer der wenigen afrikanischen Trainer in Deutschland und arbeitet für Anker Wismar in einer Gegend, die auch heute noch eine Hochburg der Rechtsradikalen sind. Hannes Hilbrecht (Zeit) stellt Adigo vor.

5. Ein paar Ligen höher, aber noch immer unter ferner Liefen agierte der MSV Duisburg – bis zum letzten Wochenende. Trainer Baade erinnert sich für 11 Freunde an schwere Zeiten mit Drittligalivestreams und freut sich auf die Zweite Liga.

6.Nein. Auch der Sportteil ist nicht gut. Der BildBlog dokumentiert ein weiteres Beispiel für eine schlecht recherchierte und reißerische Geschichte. Im Mittelpunkt der Düsseldorfer Fußballer Charlison Benschop, der selbst via instagram für eine Richtigstellung sorgte.

7. Läuft beim DFB, denn auch die U17 spielt erfolgreichen Fußball. Frank Hellmann (Sportschau) stellt die nächsten Generation von Gewinnern vor.

8. Auf den Zettel von Steffen (Mia san rot) haben es die jungen Kicker noch nicht geschafft. Dennoch ein toller Service für die Bayern, denn der Bayern-Fan hat für seinen Lieblingsclub fachkundig die Scoutingarbeit übernommen, denn aus seiner Sicht brauchen die Bayern schon jetzt Ersatz für Robben und Ribéry, um auch in den nächsten Jahren auf der Erfolgswelle zu surfen.

9. Dass gewaltbereite Hooligans in der letzten Zeit wieder öfter auf der Straße kämpfen, ist seit der unsäglichen HoGeSa-Demonstration bekannt. Das mdr-Magazin exakt berichtet in einer knapp 30 Minuten Reportage über »Rechte Gewalt – Vom Stadion auf die Straße«. Sehenswert.

10. Kommen wir zur WM 2022. Der Sender Arte bietet im Format »Mit offenen Karten« einen kleinen Grundkurs über »Die Regionalmacht mit globalen Ambitionen«. Ein gelungener Grundkurs in nur 13 Minuten, der erklärt, warum ein Land mit der Größe Schleswig-Holsteins Geld in 40 Ländern investieren konnte und warum westliche Staaten nichts gegen die Politik Katars unternehmen. Eine Politik, die dazu führt, dass pro WM-Spiel in Katar mehr 62 Arbeiter auf Baustellen sterben werden (Guardian). Mehr als 62. Pro Spiel. Im reichsten Land der Welt.

11. Passend dazu die Meldung, dass Blatter wieder fast allein auf dem Wahlzettel bei der Abstimmung für das FIFA-Präsidentenamt steht. Thomas Kistner (Süddeutsche) ist nicht überrascht und kommentiert treffend. Blatter weilte in Ramallah, wo er einen Antrag Palästinas auf Ausschluss Israels zu vereiteln suchte, um bei seiner Wiederwahl nur Licht und keinen Schatten zuzulassen. (FAZ)

Der polnische Verbandschef Zbigniew Boniek bezeichnet die WM 2018 in Russland derweil als »katastrophalen Fehler« (Spiegel) und wundert sich über Aufmerksamkeiten der FIFA:

»Als Russland 2010 die WM zugesprochen wurde, war dies eine akzeptable Entscheidung. Aber aus heutiger Sicht ist die Ausrichtung der WM in einem Land wie Russland, das offen einen Krieg führt und einen anderen Staat überfallen hat, ein katastrophaler Fehler.«

Der Chef des russischen Organisationskomitees, Alexej Sorokin, ärgert sich natürlich über solche Aussagen und über die Medien, wie er Interview mit Dominik Bardow (Tagesspiegel) zugibt:

»Wir unternehmen große Anstrengungen, damit diese WM ein unvergessliches Erlebnis wird, aber sind erschüttert über Versuche, das zu verderben. Infrastruktur zu bauen ist das eine, aber unsere größte Herausforderung ist metaphysischer Natur. Ausländische Medien behaupten falsche Dinge über Russland. Wir fürchten, das könnte Menschen abhalten, zu kommen. Viele Besucher der Winterspiele in Sotschi waren überrascht, weil sie nicht erwartet hatten, dass das hier ein normales europäisches Land ist.«

Meist geklickter Link gestern
Fußball ist auch Mathematik. Deshalb wurde »Der Erfolgsrechner« (WamS) gestern am häufigsten geklickt.

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Wir sind auch bei facebook.

Field Reporter

»Was mir sofort klar wurde: Es wird immer Menschen geben, die zum HSV gehen. Ob nun AG oder e.V. Es wird laut sein, es wird die Mannschaft unterstützt, gesungen, geklatscht und gehüpft werden.

Ich bin dann nicht dabei.

Niemand wird mich vermissen.«

Florian (Nedsblog) über sein (Nicht-)Verhältnis zum Hamburger SV.

Mixed Zone
München: Das ZDF zeigt die Meisterfeier in einer Sondersendung und will sich nach einem Besuch im Bayernmuseum sogar trauen über die Champions League zu reden. + + + Italien: Miroslav Klose gewinnt nicht den italienischen Pokal. (Sportschau) + + + Bundesliga: Mit Stöger und Hasenhüttl werden nächste Saison wieder zwei österreichische Trainer in der Bundesliga an der Linie stehen. Philipp Eitzinger (Ballverliebt) erinnert an berühmte Vorgänger.  Leeds: Uwe Rösler wird Trainer. (Spiegel) + + + New York: Eric Cantona will 1 Million Dollar von Cosmos. (Guardian) + + +Sunderland: Dick Advocaat hatte Tränen in den Augen. (Guardian) + + + Dresden: Stahlwerk erinnert an den Dresdner SC – letzter Deutscher Meister vor der Teilung des Deutschlands. + + + Wolfsburg: Allofs bleibt bis 2019. (Spiegel) + + + Darmstadt: Wer steigt da eigentlich auf? (Sport1) + + + Hamburg: Der Aufsichtsrat des Hamburger SV soll Beiersdorfer in Anwesenheit von Klaus-Michael Kühne das Vertrauen ausgesprochen haben. (Goal) + + + Hamburg: Der MillernTon über den 5:1-Erfolg gegen den VfL Bochum. + + + Essen: Ein Erfolg im EuropaPokal kann zu Tänzen mit Staubsaugern führen. (Im Schatten der Tribüne) + + + Bremen: Endlich wird der Gästebreich umgebaut. (Werder)

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#Link11: »If« is not counting

Natürlich müssen die Klubs im Abstiegskampf für den Abstieg gewappnet sein, falls er sie erwischt. Sicherlich müssen Statistiken aussagekräftig sein, wenn man seine Entscheidungen darauf fußt. Aber müssen die Fernsehgelder sinken, sobald ein Klub Spiele oder Zuschauer verliert? Leidet der Wettbewerb in dem Fall, dass ein Unternehmen bei mehreren Teilnehmern involviert ist? Oder dem Trainer Vorschriften bei der Aufstellung gemacht werden? Wird Fans Unrecht getan, indem sie vom Staat in Listen geführt werden? Wird denen, die Unrecht getan haben und dafür einsitzen, nur noch beim Fußball die Ehre eines Handschlags zuteil? Setzt die FIFA das Leben von Menschen aufs Spiel, so sie den WM-Vorbereitungen in Katar ihren Lauf lässt? Und, doch etwas lapidarer: Wen nominiert ein Bundestrainer, sofern seine Spieler schon im Urlaub sind? Dürfen Spieler schon Partyurlaub machen, bevor die Saison zu Ende ist?

Wenn das Wörtchen »wenn« nicht wär, wär das Leben halb so schwer. Oder wie ein sichtlich angeheiterter Louis van Gaal sagt: »›If‹ is not counting«. Das alles und noch viel mehr würd’ ich senden, wenn ich Radio Deutschland wär’. So bleiben mir nur eine #Link11 und eine üppige Mixed Zone. Viel Vergnügen.

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1. Der Abstieg ist mit erheblichen Mindereinnahmen verbunden. Frank Hellmann (FR) liefert für die Allgemeinheit der Gefährdeten und die sechs Betroffenen selbst viele aufschlussreiche Zahlen und einen Eindruck davon, wie eng der Gürtel der Abstiegskandidaten geschnallt werden müsste. Was hängt an der Wand, macht Tick-Tack und wenn die Uhr runterfällt ist sie kaputt? Die FAZ schreibt mit kleinen Gemeinheiten über den Dino-Chronometer.

2.

“So Sachen wie ‘vollständige Pässe’ oder ‘zurückgelegte Kilometer’ sind völlig wertlos. Ein Profi kann 100 Prozent erfolgreiche Pässe gespielt haben, aber er hat trotzdem schlecht gespielt, wenn keiner davon zu einem Tor führt.” Daten, so sein Credo, brauchen jemanden, der sie versteht, sonst beantworteten sie nur Fragen, die keiner gestellt hat.

Die Welt mit einem Portrait von Matthew Benham, der mit seiner Wettfirma und seinen beiden auf Zahlenbasis geführten Vereinen in Dänemark und England Aufsehen erregt. O diese possenhafte Mathematik.

3. Besonders um die Zahlen, die vor den Eurozeichen stehen, drehen sich mehrere aktuelle Artikel. Die FAZ berichtet über geplante Änderung der Financial-Fairplay-Regeln. Der Spiegel berichtet vom weiter bestehenden Bestreben der Traditionsvereine der unteren Tabellenhälfte, die Fernsehgelder weniger an den sportlichen Erfolg zu koppeln, wobei der radikalste, aus Hoffenheim kommende Vorschlag, allen gleich viel auszubezahlen, wahrscheinlich auch nicht mit Begeisterung aufgenommen wird.

4. Für die SZ kommentiert Claudio Catuogno die Mehrfachbeteiligung VWs, die im FC Ingolstadt demnächst an einem weiteren Bundesligisten beteiligt sind. Die Geschichte des FCI, der in den elf Jahren seines Bestehens zusammen ebenso viel Geld für Zugänge ausgegeben hat wie der 1. FC Nürnberg alleine im letzten Sommer; bei dem der Autohersteller eher eine Rolle wie beim FC Bayern als eine wie beim VfL Wolfsburg spielt, hat Uli Hesse für ESPN niedergeschrieben.

5. Polizeidirektionen in Niedersachsen führen in sogenannten SKB-Dateien (Dateien für Szenekundige Beamte) mindestens mehrere Hundert Personen, denen die Behörden »eine Neigung zu Gewalt und Krawall« attestieren. Sammlung, Speicherung und Löschung der Daten sind nun in der Diskussion. Der NDR liefert Fakten sowie Stellungnahmen von FDP und Fan-Anwalt Hüttl.

6. Kommen wir zu jenen, deren Neigung zu Gewalt und Krawall sie hinter Gittern gebracht hat. Eintracht Fuhlsbüttel ist eine Mannschaft, die nur aus Insassen der dortigen JVA besteht. Sie trägt ihre Spiele auf dem Ascheplatz innerhalb der Gefängnismauern aus und hat einer Sonderregelung gemäß ausschließlich Heimspiele und kein Aufstiegsrecht aus der untersten Kreisklasse. Der NDR Sportclub hat Trainer und Spieler in einer halbstündigen Reportage bei Training und Punktspiel begleitet.

7. Die Parallelen zwischen deutschen Gefängnisinsassen und Arbeitern in Katar sind hinlänglich beschrieben. Der FIFA wäre es ein leichtes, das Leben der letztgenannten zu ändern (oder gar zu retten?), findet Marina Hyde im Guardian. Auch von den WM-Hauptsponsoren wird gefordert, zu Arbeitsbedingungen Stellung zu beziehen, berichtet die BBC.

8. Bei der Vorbereitung auf und Qualifikation für die sechs Jahre zuvor stattfindende Europameisterschaft 2016 steht ein auf Mitte Juni gelegter Doppelspieltag an. Christof Kneer (SZ) über das Zustandekommen des Termins und die Kaderplanung. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um »Baumann, Jantschke, Caligiuri, Stindl« zu rufen.

9. Der brasilianische Trainer hat solche Probleme anscheinend nicht. Matthias Rüb berichtet für die FAZ von der vertraglichen Verpflichtung der Selecao, in jedem Spiel seine Stars zum Zuge kommen zu lassen: » Neymar muss immer spielen«.

10. Trainer Baade (11Freunde) sieht den MSV Duisburg nach Zwangsabstieg, Selbstfindung und Wiederaufstieg nach zwei Jahren stärker als zuvor in seine sportliche Heimat, Liga 2, zurückkehren. Thiemo Müller (kicker) sieht den Mallorca-Ausflug, den die Spieler des MSV ebenso wie die des Mitaufsteigers DSC momentan unternehmen, sehr kritisch: Das Auslaufen, obwohl noch Plätze auszuspielen sind, sei Ausdruck einer »elementaren Fehlentwicklung im Fußball«. Dass Feierlaune am Saisonende nicht nur dem Wettbewerb der anderen, sondern vor allem der eigenen Mannschaft schadet, findet der Spielbeobachter, der in der Betrachtung dieses Phänomens beide Extreme des Spektrums vom gelegentlich erstklassigen 1. FC Köln bis zum ruhmreichen FC Bayern bearbeitet.

11. Louis van Gaal hielt bei der Saisonabschlussfeier Machester Uniteds eine Rede. Er zeichnete den Saisonverlauf nach, erinnerte an entscheidende Momente und zeigte auf, wie dicht der Verein an der Spitze vorbeigeschrammt sei. Außerdem nutzte er die gesamte Bühne, erklärte, dass Ryan Giggs immer Recht habe und verteidigte die Ehre einer Saxophonistin. (YouTube)

Meist geklickter Link gestern
Meist gelesener Artikel war Dirk Gieselmanns »Der Kapitän verlässt das sinkende Schiff. Rafael van der Vaarts unrühmlicher Abgang« bei 11Freunde.de.

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Als Kommentator habe ich aber noch 20 andere Aufgaben während des Spiels: Zweikämpfe, Spieler erkennen, Dramaturgie, Dinge drumherum. Es ist ja nicht so, dass man die ganze Zeit nur auf die Taktik gucken kann. Hätte man sich zum Beispiel bei Barcelona gegen Bayern nur darauf konzentriert, hätte man während des ganzen Spiels nichts anderes mehr machen können. Und: Du musst dich auch immer fragen, für wen du das Ganze machst. Und das ist nun mal letztlich eher die breite Masse.

Jonas Friedrich (Sky) über den Job als Kommentator, die Rolle der Taktik und seine eigenen Vorlieben im Interview mit Konzeptfussball.

Mixed Zone
Hamburg: Uwe Seeler hat nicht mehr viel Hoffnung (SpOn) + + +
Wolfsburg: Allofs bestellt das Feld in Wolfsburg bis 2019 (SZ) + + + Wolfsburg: Auf dem virtuellen Feld treten Gamer für den VfL an (PM) + + + Heidelberg: Der Hoffenheimer Akademiker-Fanclub über das Zurückfahren der TSG-Berichterstattung der Lokalmonopolzeitung RNZ + + + Italien: Wettskandal in Liga drei und tiefer, Mafia beteiligt (dpa/FAZ) + + + Iran: Zwei Teams feiern gleichzeitig den Titel, eines lag falsch (11F) + + + Deutschland: »Radio Deutschland« ist nicht »Deutschlandradio« + + + Italien: Pokalfinale der Frauen wird wegen Aussage des Amateurliga-Präsidenten nicht ausgetragen (sid/Handelsblatt) + + + Frankfurt: Kevin Trapp im Interview mit der FR über Anforderungen an einen Torwart, die Saison der Eintracht und das Amt des Kapitäns + + + Bulgarien: DFB-U17 steht im EM-Finale (SpOn) + + + DFB: Der vorläufige Kader für die U19-EM + + + Hamburg: »Warum singen die das Baumarktlied?« Die Wochenendrebellen beim HSV + + + Heidenheim: Jan Zimmermann über seinen Hirntumor (Spox) + + + Altenessen: Boykottierter Kreisligist tauscht Kader weitgehend aus (dpa/RP) + + + Ramallah: Warum Palästina Israel aus der FIFA ausschließen möchte (NZZ) + + + Madrid: Die Finanzen Reals unter der Lupe bei Spielverlagerung + + + Middlesbrough: Die Finanzen des Klubs aus Yorkshire unter der Lupe bei The Swiss Ramble + + + Empoli: hat einen Konzepttrainer (NZZ) + + + München: Zwei Meisterspielerinnen des FC Bayern im Doppelinterview bei Miasanrot + + + Italien: Fernsehrechtevergabe wird wegen Abspracheverdacht untersucht (Guardian) + + + München: Ein Mann von der Allianz löst den anderen im Aufsichtsrat ab (Handelsblatt) + + +

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#Link11: Mehr als rauf und runter

Zwei große Themen bleiben in deutschen (Sport)Medienlandschaft: Abstieg und Aufstieg. Selbstverständlich spiegelt sich das auch hier wider. Diese Link11 enthält Spuren vom Abstiegskampf in Liga 1 und 2 und arbeitet sich in Sachen Aufstieg bis zu den Entscheidungsspielen der Regionalligameister vor. Aber auch die Nebenschauplätze werden nicht außen vor gelassen: zweifelnde Schiris, anormaler Erfolg, enttäuschende Saisonverläufe und hoffnungsvolle Talente haben ebenso ihren Platz und ihre Berechtigung.

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1. Rafael van der Vaart fehlt Hamburg am letzten Spieltag. Nicht wegen einer heldenhaften Rettungstat sondern wegen einer unnötigen gelben Karte. Dirk Gieselmann mit einem Abgesang auf einen Spieler, der mal Heilsbringer war und heute nur noch eine Figur der Boulevardpresse zu sein scheint (11freunde). Einen Vorsatz bei van der Vaart sieht auch der Kommentator der mopo. Didi Hamann sagt schon mal gewohnt meinungsstark die Absteiger voraus (SPON) und wer in süß-sauren Abstiegskampf-Erinnerungen schwelgen möchte, kann sich einen Zusammenschnitt gönnen (bundesliga.de).

2. Er steht im Rampenlicht, obwohl er es gar nicht so recht will, aber nach dem Aufstieg bzw. schon in der Rückrunde stieg das mediale Interesse an Ingolstadt-Trainer Ralf Hasenhüttl. Der legt viel Wert auf das richtige Umfeld und schätzt die Fußballprovinz, in der er fernab vom großen Medienrummel mit seinen Mannschaften arbeiten kann. Die SZ mit einem Porträt des Österreichers. Der Erfolgsgeschichte des FCI widmet sich auch der BR und hat bei Blickpunkt Sport ein Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Peter Jackwerth geführt.

3. Wer nach mehr Aufstiegseuphorie lechzt, der wird beim MSV Duisburg fündig. Am Wochenende gelang mit einem Sieg gegen Kiel die Rückkehr in Liga 2. Kees Jaratz hält die Stimmung in der Stadt und unter den Fans fest. Nach der Partie wurde eine Polizistin von einer von einem Duisburger abgefeuerten Signalrakete verletzt – wiederum dokumentiert im Zebrastreifenblog.

4. Während in Deutschland der Meister schon seit April feststeht, machte der FC Barcelona erst am vergangenen Wochenende den Titel klar. Der noch im Winter kritisierte Luis Enrique hat ein defensiv stabiles Team geschaffen, das Sturm-Trio funktioniert, Lio Messi übertrifft sich selbst, das Triple ist machbar, wenn nicht sogar erwartbar – Oliver Meiler über die Saison der Katalanen und die besondere Art des Trainers beim Tagesanzeiger.

5. Die Anomalie des Gladbacher Erfolgs. Während andere Topteams in Europa deutlich öfter aufs Tor schießen als ihre jeweiligen Gegner, verhält es sich in Gladbach umgekehrt. Saturdays on the Couch taucht ab in die Daten und versucht die Ursachen für die gute Saison der Fohlen zu ergründen.

6. Nummer 6 ist heute für Podcasts reserviert: miasanrot bespricht u.a. die letzten schmerzhaften Niederlagen, die Kaderplanung und die Götze-Situation. Der ebenso enge Abstiegskampf in Liga 2, das letzte Spiel gegen die in den Abstiegsstrudel geratenen Frankfurter und die Jugendarbeit beim FC Union ist Thema beim Textilvergehen.

7. Der Druck auf die Schiedsrichter wird größer, das Spiel wird schneller, die richtige Entscheidung zu treffen nicht einfacher. Wieso werden die Schiedsrichter immer noch zu Allwissenden hochstilisiert, die immer und sofort richtig entscheiden müssen? Alexander Endl schlägt in seinem Kommentar bei Clubfans United ein Umdenken vor – er fordert: dem Zweifel eine Chance.

8. UEFA-Koeffizienten-Arithmetik. Das Wort verrät es: Ein Thema, das nicht runtergeht wie Öl sondern nach kognitivem Engagement verlangt. Eine Änderung bei der Belegung der Setzlisten sorgt dafür, dass ab kommender Saison die Meister der sieben stärksten Ligen und der Champions League-Sieger als Gruppenköpfe gesetzt sind. Da mit Juve und Barcelona zwei nationale Meister im CL-Finale aufeinandertreffen, rückt der Meister der achtbesten Liga nach. In der Praxis bedeutet das: PSV Eindhoven ist gesetzt, Real Madrid landet in Topf 2. ESPN erläutert. Was der Europapokal für Teams aus den kleineren Ligen bedeutet, erklärt ballverliebt anhand der Chancen der österreichischen Teams in der bevorstehenden Quali – zusammengefasst: ein ausverkauftes Heimspiel im Spätsommer.

9. Louis van Gaal hat seinen Landsmann Memphis Depay von PSV zu Manchester United gelotst. Wird er ein neuer Cristiano oder ein neuer Nani, das ist die Frage. Der junge Niederländer bringt sowohl die fußballerischen Möglichkeiten als auch die Extrovertiertheit mit, die an CR7 erinnert. Francois Duchateau mit einem Porträt des Neuzugangs bei der taz.

10. Die Gemüter im Fanlager des 1. FC Saarbrücken erhitzt derzeit ein Schreiben des Bayrischen Hotel- und Gaststättenverbands an Würzburger Hoteliers in Anbetracht der bevorstehenden Aufstiegsspiele zwischen Saarbrücken und den Würzburger Kickers. Die Formulierungen darin sind ungelenk bis diffamierend – es wird beispielsweise darum gebeten, pauschal die Polizei davon in Kenntnis zu setzen, wenn Fans aus dem Saarland oder Frankreich in den Hotels absteigen. Das FCS-Blog mit dem Schreiben im Wortlaut und einer Stellungnahme zu der Mitteilung.

11. Es mag ja Analysten geben, die selbst beim grottigsten Kick noch gutes Verschieben, ein kompaktes Mittelfeld oder eine optimale Besetzung der Zwischenlinienräume erkennen. Mir ist diese Art der Rezeption des Fußballs immer etwas fremd geblieben – so ganz finde ich mich nie zurecht in den spieltaktischen Analysen. Ich erkenne meist nur, ob mir ein Spiel fußballerisch grundsätzlich gefällt oder eben nicht. Bei der Hertha gab es dahingehend wenig zu bestaunen in dieser Saison. In seiner Kolumne beim Tagesspiegel lässt Frank Lüdecke seinem Unmut freien Lauf. Einen bitteren Nachmittag erlebte auch Torsten Wieland beim Spiel seiner Schalker gegen Paderborn – daran konnte auch der Sieg nichts ändern (Königsblog)

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Der Tweet mit den Zahlen zur gefühlten Wettbewerbsverzerrung durch den FC Bayern.

Field Reporter

Wir sehen in den nächsten Wochen, was passiert.

Nachts ist es kälter als draußen. Kevin de Bruyne redet Klartext (Welt).

Mixed Zone
Hamburg: Uwe Seeler hat “nicht mehr viel Hoffnung” für den HSV (Tagesspiegel) + + + Flugkurve: 8bit Football animiert Roberto Carlos’ legendären Freistoß + + + Ungeschickt: ein kurioses Eigentor in Frankreichs 2. Liga (whoateallthepies) + + + Was macht eigentlich: Jens Jeremies (Beweisfoto bei Twitter) + + + Back for good: Marco Höger darf in den Schalker Kader zurückkehren (SPON) + + + Stevie G: Stahlwerk NK erinnert sich + + + Was sagt Löw: der Bundestrainer traut Freiburg den Klassenerhalt zu (kickwelt)

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#Link11: Zwiebeln schneiden

Heute fiel es mir schwer, ein Hauptthema unserer Linkschau auszumachen und mich an diesem zu einer blumig-wortreichen Einleitung entlang zu hangeln. Zu vielseitig ist die Themenauswahl dieser Montags-Link11. Neben dem hochspannenden Bundesliga-Abstiegskampf samt Statistikbombe zählten wieder einmal skrupellose Geschäftspraktiken (dieses Mal im Fokus: Jugendscouting) zu den Themen des Wochenendes. Ihnen entgegen stehen heute Fragen über Fußballromantik, echte und unechte Underdogs, der liebevolle Abschied von einer wahren Legende und ein ganz spezieller Körperteil von Manuel Neuer. Warum ich den in einer Reihe mit “Romantik” und “Liebe” nenne, weiß ich gerade auch nicht.

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1. Mit Steven Gerrard verlässt demnächst eine waschechte Legende den FC Liverpool und die europäische Fußballbühne (Tagesspiegel). 17 Jahre Anfield! Gestern lief Stevie G das letzte Mal im Heimstadion auf, das ihn zum Abschied natürlich frenetisch bejubelte und besang. Zeit, Zwiebeln zu schneiden.

  Loyalty…   Ein von David Beckham (@davidbeckham) gepostetes Foto am


Eine der vielen positiven Seiten Gerrards: Verlässlichkeit in der Frisurenfrage  

2. Der FC Ingolstadt war sicherlich bislang nicht das Zentrum der Fußballwelt. Eine souveräne Zweitligasaison samt folgerichtigem Aufstieg später hat sich das für einen Moment geändert. Sara Peschke sieht darin vor allem einen Verdienst von “Aufstiegstrainer” Ralph Hasenhüttl (Spiegel). Neben dem FC Bayern und Wolfsburg spielt damit das dritte vom Volkswagen Konzern unterstützte Fußballunternehmen in der Bundesliga. Nicole Selmer sieht darin ein Problem – und kritisiert die halbherzigen Regularien der DFL (ballesterer).

3. Rekorde im frühzeitigen Erringen der deutschen Meisterschaft sind beim FC Bayern zur Gewohnheit geworden. Dass angesichts des so ausbleibenden Leistungsdrucks auch mal ein Spiel mit halber Geschwindigkeit abgespult wird, liegt auf der Hand. Der Rest der Liga sieht das freilich anders – und wirft dem Rekordmeister alljährlich Wettbewerbsverzerrung vor. Filippo Cataldo hat sich des Themas angenommen (SZ). Sven Metzger beantwortet die Vorwürfe bei Twitter mit nackten Zahlen.

4. Der Kampf um die letzten rettenden Plätze im Tabellenkeller der Bundesliga ist so dramatisch wie selten (Welt). Das schreit nach Statistiken und Analysen. Lucas Rilke hat sich vor allem einiger grundlegender Fragen des Abstiegskampfs angenommen. Werden im Tabellenkeller vor allem lange Bälle nach vorne gehauen? Bewirken Trainerwechsel in höchster Not tatsächlich etwas (Spiegel)? Nicht unwichtig ist auch die Frage: Wer steigt eigentlich bei welcher Ergebniskonstellation ab?

5. Manuel Neuer ist nicht nur Welttorhüter, sondern auch der Reklarmierarm der Nation. Martin Hoffmann hat Neuers ganz besonderem Körperteil eine Ode gewidmet und sagt: Reklarmierarm is the new Hand Gottes (Sport1)!

6. In den vergangenen Wochen ging es hier oft um die Kollision der guten alten Fußballromantik mit Profisport als planbarem Geschäft. Das Übersteiger-Blog hat eine Podiumsdiskussion besucht, die sich ähnlichen Themen widmete und berichtet darüber.

7. Die englische Premier League steht im Ruf, eher die Business-Seite des Fußballs zu verkörpern. Dennoch ist sie die beliebteste Liga der Welt. Dicht gefolgt von der Bundesliga, die Beliebtheitspunkte auf den großen Rivalen gut macht. Vor allem in England selbst. Conor Garrat erläutert die Gründe dafür (120 Minuten). Auch hier gilt: Kann Spuren von #echteLiebe Fußballromantik enthalten

8. Katar bleibt ein Thema – und das ist gut so. Für SternTV hat Norbert Blüm die Arbeitsbedingungen vor Ort einer Prüfung unterzogen. Ohne etwas vorweg nehmen zu wollen: Er hat dabei Sklaven gesehen. Ein Team der BBC hatte weniger Glück und wurde vorsichtshalber festgenommen, als es seinem Job nachgehen wollte.

9. Laut dem DFB erreichen Profifußballer heute um bis zu 5 Jahre früher ihren Leistungszenit, als noch vor einigen Saisons. Das macht die Zeit für eine erfolgreiche Fußballausbildung kürzer – und das Rennen um potenzielle Talente verbissener. Armin Lehmann berichtet von Scouts, die wie Kopfgeldjäger agieren und Vereinen, die Schweigeklauseln in die Verträge 13-jähriger Kinder einfügen (Tagesspiegel). Schalkes Nachwuchskoordinator Oliver Ruhnert teilt seine Sorgen (Deutschlandfunk/ARD).

10. Island belegt den 33. Rang in der FIFA-Weltrangliste. Eine beachtliche Leistung, rangieren ähnlich bevölkerungsarme Nationen wie etwa Luxemburg doch meist weit jenseits der 100. Brian Blickenstaff erklärt, warum Island so stark ist (VICE).

11. Das 8by8 Magazin startet eine neue Reihe über englische Fußball-Kommentatoren. In Folge 1 schaut man Sunderland-Experte Nick Barnes über die Schulter – und in die kunstvoll aufbereiteten, handschriftlichen Notizen zu jedem Spiel.

Meist geklickter Link am Freitag
Der malerisch schöne Weidenpescher Park des VfL Köln 99

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Klaas spricht im Deutschlandfunk über den Spieltag, Alex via Collinas Erben auf n-tv.

Field Reporter

“Ich registriere in einigen Medien einen gewissen Anti-Guardiola-Trend. Mit der Stimmung in unserem Verein hat das aber rein gar nichts zu tun. Wir sind sehr zufrieden mit diesem Mann!”

Kalle Rummenigge weiß, wer der Feind ist (SZ).

Mixed Zone
Hamburg: Uwe Seeler und Frank Heike machen sich Sorgen um den HSV (Tagesspiegel) + + + Mittel gegen Stadionverbote: Ein handelsüblicher Kran (Youtube)  + + + Ungemach: Die Schottische Furche hat ein grundsätzliches Problem mit der Schalker Personalpolitik  + + + Selbstversuch: Ein anderer Schalkefan versucht erfolglos, seinen Verein zu verstehen (Unter Flutlicht) + + + + Israelkritiker: Einige Guardian Journalisten gehen auf Konfrontationskurs mit dem israelischen Fußballverband  + + + Wird alt: Bastian Schweinsteiger (11 Freunde) + + + Erlesene Runde: Der Rasenfunk diskutiert den 33. Spieltag + + + Gewinner: Francesco Acerbi 2, Krebs 0 (Goal) + + + Geis: Alle wollen ihn – 442 porträtiert ihn + + + Rigoros: Beklauter Schiri bricht Spiel ab (Ruhr Nachrichten) + + + Bestenfalls viertklassig: Hansa Rostocks Fankurve (Fanzeit) + + + Nabel der Fußballwelt: Was erlaube, Deutschland (DLF)? + + + Newcastle: Der Club steht dank seines verhassten Eigentümers vor einer Zerreißprobe (Cavanis Friseur) + + + Eier: Mo Idrissou hat sie (Facebook)

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#Link11: Oh Mandy!

Bevor die titelgebende Siegtorschützin in der #Link11 gelobhudelt wird, möchte ich an das Finale der Deutschen Meisterschaft vor 105 Jahren in Köln erinnern. Im Finale zwischen dem Karlsruher FV (nicht zu verwechseln mit dem KSC!) und Holstein Kiel sorgte nämlich erst ein Elfmeter in der Verlängerung für die Entscheidung. Es war der Pfingstsonntag 1910 und – aus heutiger Sicht – nur rund 4000 Zuschauer fanden an einem überaus heißen Tag zum neu angelegten Rasenplatz in den Weidenpescher Park (heute sieht man dem Platz die über 100jährige Geschichte an). Sie sehen ein wegen der „überaus großen Aufregung beiderseits“ – so die Neue Sportwoche – ein anfangs zerfahrenes Spiel, in dem der vom Engländer Townley trainierte KFV die bessere Elf stellt. Kiels Torwart Willi Friese muss mehrfach einen Rückstand verhindern.

Als es Elfmeter für den KFV gibt, schießt ihn Nationalspieler Max Breunig “haushoch in der Aufregung über das Tor“. Auch ein anderer Nationalspieler enttäuscht. So moniert die Neue Sportwoche: „Förderer hat beim Militär, wie es scheint, das Schießen verlernt“. In der 115. Minute gibt es erneut Elfmeter für Karlsruhe, Gottfried Fuchs ist im Strafraum gefoult worden und erneut schnappt sich Max Breunig den Ball. Diesmal trifft er – obwohl Friese noch die Finger am Ball hat. Karlsruhe ist Deutscher Meister und die Sieger werden in der Heimat mit Droschken durch die Stadt gefahren, ehe es vom Bürgermeister noch einen Lorbeerkranz gibt. So wird der Meister vor 105 Jahren gefeiert. Und auch der Sport-Journalismus steckt noch in den Kinderschuhen: die Neue Sportwoche verschweigt den Torschützen völlig.

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1. Zurück in die Gegenwart: Zunächst war es Kerstin Garefrekes, die aus 18 Metern Torentfernung den Ball quer durch den Strafraum flankte und exakt auf den Fünfmeterraum zielte, wo Célia Sasic mustergültig einnickte. Auf der anderen Seite war es eine kurz ausgeführte Ecke, die eine kurze Unorganisiertheit der Frankfurterinnen im Abwehrzentrum offenbarte und Marie-Laure Delie sehenswert – ebenfalls per Kopf – zum Ausgleich treffen ließ. Dann sah es schon nach einer sicheren Verlängerung aus bis Mandy Islacker der Ball im Strafraum der Französinnen in der 93. Minute vor die Füße fiel und sie in beckenbauerscher Manier mit dem Außenrist das siegbringende 2:1 erzielte. Am Ende durfte die Flankengeberin vom 1:0 als Erste den Pokal in die Berliner Luft stemmen. Herzlichen Glückwunsch nach Frankfurt!

Die Tore gibt es in der ZDF-Mediathek. Den ausführlichen Spielbericht von Kathrin Steinbichler (SZ) und Michael Horeni (FAZ). Im Radio klang das so. (hr)

2. Abseits dieses Finales in einem kleinen, luftigen Stadion mit bunten Sitzen und hohen Flutlichtmasten sieht es im Berliner Frauen- und Mädchenfußball recht düster aus. Martina Schrey (RBB) berichtet von allerlei Kuriositäten, Schikanen und Desinteresse. Ein bitterer Artikel.

Passen dazu der heutige Field Reporter:

»Ich würde mir mehr Bewusstsein für ihre Wirkung wünschen. Verbände könnten Vereinen, Trainern oder Schiedsrichtern einen Leitfaden erstellen, wie sie mit dem Problem umgehen. Oder auch mal sportgerichtlich durchgreifen. Dass Fußball nur Fußball ist, wie viele behaupten, stimmt ja nicht. Das tat es noch nie. Fußball ist so viel mehr, gerade im Breitensport.«

Tanja Walter-Ahrens im Gespräch mit Oliver Fritsch. (Zeit)

3. Kommen wir noch einmal kurz zurück auf das unterlegene Team im Finale der Champions League. Der Verein kommt aus der französischen Hauptstadt und darf deshalb als Überleitung zum Artikel von Carsten Pilger (120 Minuten) führen, der sich auf Spurensuche des Fußballs in Paris begeben hat. Eine Zeitreise vom 19.Jahrhundert bis in die Gegenwart.

4. Die Herren von PSG haben in der Champions League bereits die Segel streichen müssen. Es bleibt aber weiter im Rahmen des Möglichen, dass sie gegen den späteren Sieger ausgeschieden sind, denn Barcelona setzte sich nach Hin- und Rückspiel gegen Bayern München durch. Jonas Beckenkamp (SZ) nutzt die Möglichkeit, um den Champions League Torwart Barcas, André ter Stegen, zu loben.Daniel Montazeri (Spiegel) erklärt, warum Götze zunächst draußen bleiben musste.

Weil die Diskussionen um Bayern-Trainer Guardiola nach dem Ausscheiden in Pokal und Champions League und der Niederlagenserie in der Bundesliga nicht abreißen wollen, hat sich Oliver Fritsch (Zeit) quasi genötigt gesehen festzustellen, dass Guardiola die Bayern besser gemacht hat. Ein paar Fragen hat er dennoch formuliert. Robin Patzwaldt (Ruhrbarone) fragt ganz generell, wohin die deutsche Dominanz in der Champions League hin ist.

Im zweiten Halbfinale setzte sich Juventus Turin gegen Real Madrid durch. Daniel Montazeri (Spiegel) hebt in seiner Taktik-Analyse vor allem Arturo Vidal hervor, der im Angriff als offensiver Mittelfeldspieler agierte, sich bei verlorenem Ballbesitz aber auf die Sechser-Position neben Weintrinker Andrea Pirlo zurückfallen ließ.Jonathan Wilson (Guardian) stellt einen anderen Turiner in den Mittelpunkt und berichtet von Irrungen und Wirrungen in der Karriere von Carlos Tevez, der in dieser Saison zeigt, was für ein hervorragender Fußballer er ist.

Auf der anderen Seite wird Trainer Ancelotti angezählt. Sara Peschke (Spiegel) über eine Saison ohne Titel und einen Konkurrenten namens Zinédine Zidane.Oliver Meiler (SZ) kritisiert hingegen die Einkaufspolitik der Madrilenen.

Matthias Schmid (SZ) hat die Fakten zum Finale in Berlin und freut sich auf das Wiedersehen von Luis Suárez und Giorgio Chiellini.

5. In der Europa League treffen im Finale der FC Sevilla und Dnipro Dnipropetrowsk aufeinander. Dnipro schaltete den SSC Neapel aus, Sevillas Sieg auf dem Weg zum potentiell vierten Sieg in der Europa League gelang gegen den Gomez Club aus Florenz. (SZ)

6. Bei Terra X hat man sich mit Zuschauerströmen beschäftigt und dafür die Ticketdaten der Zuschauer beim Spiel Borussia Dortmund gegen Bayern München am Ostersamstag ausgewertet. Ein gelungenes Filmchen:

Aus der ganzen Welt strömen Fans am Ostersamstag zur Partie Borussia Dortmund gegen FC Bayern München ins Ruhrgebiet….

Posted by Terra X on Mittwoch, 13. Mai 2015

7. Fußballvereine in Südosteuropa treten aktuell nicht nur gegen Konkurrenten in Liga und Pokal an, sie spielen auch gegen die Wirtschaftskrise. Martin Ling hat im Auftrag der Rosa Luxemburg Stiftung diese Situation ausführlich analysiert. Ein langer Text für Internetausdrucker.

8. Oliver Ruhnert ist Nachwuchschef bei Schalke 04. Seine Meinung zur Nachwuchsarbeit von RasenBallsport Leipzig ist nicht die Beste:

»Wer auch nur einmal ein deutsches Nationaltrikot getragen hat, der wird von Leipzig angesprochen, da können Sie sicher sein.«

Neben Leipzig kommen auch die Hoffenheimer mit ihrer Art der Jugendarbeit gut weg bei Ruhnert. Das schwarz-weiß Modell zwischen Traditionsvereinen auf der einen und den neuen Konstrukten auf der anderen Seite funktioniert also auch auf der Jugendebene und wird aufgrund der Halbfinalhinspiele der U19 von Philipp Selldorf (SZ) unter dem Titel»Verkaufte Träume« untersucht.

9. Blicken wir kurz auf die Bundesliga. Stevens »kramt tief in der Motivationskiste«. (kicker) Torsten Wieland (Königsblog) schreibtüber die Hierarchie und Befehlsketten bei Schalke 04. Stefan Vogel macht es wie Ilsebill und salzt nach: er erklärt beim BVB-Fanamgazin schwatzgelb die rechtlichen Hintergründe der Freistellungen bei den königsblauen Freunden aus Gelsenkirchen.

10. Was hab ich früher am PC, einem 3/86er, die Siege meiner kleinen Fußballer gefeiert, die ich mir nur leisten konnten, weil ich bei Bundesliga Manager Pro durch den bekannten Schild-Cheat an der Bankfiliale ordentlich Geld erklickt hatte. Lange her und ich fragte mich tatsächlich schon, wie es der Fußball-Manager-Branche bei der ganzen Online-Manager-Konkurenz wohl geht? Markus Böhm (Spiegel) hat sich auf die Suche nach den Klassikern gemacht und die aktuelle Entwicklung unter die Lupe genommen.

11. Benjamin Kuhlhoff (11 Freunde) bedankt sich beim besten Trainer der Welt – seinem Vater.

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Stefan Osterhaus (NZZ) über die Diskussionen rund um Mario Götze, die »Züge einer Hexenjagd« haben.

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Wir freuen uns über ihre Empfehlung bei twitter. Vielen Dank!

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Verboten: Die Spieler der Primera Division dürfen nicht streiken. (DLF) + + + Abschied I: Nadine Angerer hört bald auf. (Womensoccer) + + + Abschied II: Steven Gerrard erwartet einen emotionalen Abschied von der Anfield Road. (Watson) + + + Gegenkandidat: Jakob Faber (Laola1) über Michael van Praag, der gern Nachfolger von Sepp Blatter werden möchte. + + + Datenschutz: In Niedersachsen stehen Listen szenekundiger Beamter in der Kritik. (NDR) + + + Sammelbildchen: Der TuS Lohmar-Birks lässt kleben. (WDR) + + + Bankdrücker: Xherdan Shaqiri sitzt trotz großer Pläne bei Inter Mailand meist nur auf der Bank. (watson) + + + Talentschmiede: These Football Times über den FC Porto. + + + TV-Tipp: Trainer Baade empfiehlt eine Dokumentation. + + + Interview: Ibrahima Traoré über seine Rolle bei Borussia Mönchengladbach, das Leben neben dem Fußball und Vergleiche mit Arjen Robben. (WAZ) + + + Analyse: Ein »Hauch Juego de Posición in Liga 3« – bei den Stuttgarter Kickers. (Konzeptfussball) + + + Spielabbruch: Bei der Copa Libertadores versprühte ein Fan Pfefferspray. (Spiegel) + + + Bilanz: Wo steht Manchester United nach 10 Jahren im Besitz der Familie Glazer? (ESPN) + + + Fußballsprache: Udo Stiehl, Grimme Online Award nominierter Macher der Floskelwolke, im Gespräch mit dem Deutschlandfunk über Floskeln im Fußball. + + + Hand drauf: Tim Jürgens (11 Freunde) über die Folgen der Lippenleserei. + + + Lobeshymne: In Köln wird er zum Heiligen St.Öger. (Effzeh) + + + Invitation: For Schürrle. (SZ)

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#Link11: Chaostheorie

Der deutsche Vereinsfußball befindet sich in einer Phase der Veränderung. Das betrifft sowohl die Art, mit der Fußballvereine geführt werden, als auch die veränderten Erwartungen, die damit einhergehen. Nicht nur Bayern München ist neben seinem Dasein als Sportmannschaft vor allem ein höchst professionell geführter, internationaler Konzern. Und Konzerne stehen – wie wir alle wissen – nicht sonderlich auf Überraschungen. Denn es geht um viel Geld, das sicher investiert werden möchte. Max Eberl sagte kürzlich, Fußball sei für einen Manager zu “80 % planbar”. Eine realistisch anmutende Einschätzung. Nach Spielen wie dem gestrigen Duell Bayern Münchens mit dem FC Barcelona sollten wir uns jedoch in Erinnerung rufen, dass die laut Eberl nicht planbaren 20 % des Fußballs zum großen Teil auf dem Platz stattfinden, dort, wo es am wenigsten gelingt, den Chaosfaktor Mensch auszuklammern. Und mal ehrlich: Genau das macht doch den Spaß aus, oder?

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1. Nun ist es also passiert: Der ist FC Bayern trotz anders lautender Zielvorgaben aus der Champions League ausgeschieden. Wie zu erwarten war, hätten die meisten Zuschauer es nach dem Spiel besser gemacht, als Pep Guardiola (Sport1). Offenbar haben die vergangenen Leistungen des Clubs bei einigen Betrachtern den Wunsch nach einem vollständig determinierten Spiel ausgelöst. Der mag fehlgeleitet sein – sollte vom FC Bayern jedoch als Lob aufgefasst werden. Wie weh dem Club das vieldiskutierte Fehlen von Robben, Alaba und Ribery tut, belegt Philipp Reich mit einigen Zahlen und Fakten (Watson).

Thomas Müller ist immer fit und lieferte gestern ein gutes Spiel ab – wie meist unter Guardiola. Oliver Fritsch meint trotzdem: Taktik-Chaot Müller und Kontrollfreak Pep – das sind Gegensätze (Zeit). Oliver Bierhoff nimmt derweil Mario Götze in Schutz, wie es sonst nur Löwenmütter tun (11 Freunde).

2. Der SV Darmstadt 98 ist im Begriff, den Sprung in die Bundesliga zu schaffen (Spiegel). Zeit, sich mit dem waschechten Fußballzwerg zu beschäftigen, dessen Trainer Dirk Schuster sagt:

“Wir haben in der Bundesliga nichts verloren!”

(Welt)

3. Bei Schalke 04 dreht sich weiter alles um die abrupte Trennung von Kevin-Prince Boateng und Sidney Sam. Den anfälligen wie eigenwilligen Boateng als Führungsspieler zu verpflichten, war von Beginn an ein Fehler, schreibt Lutz Wöckener. Boateng seien zunächst die Ambitionen der Vereinsführung aufgebürdet worden – nun habe man ihn geopfert (Welt). Die Spielergewerkschaft rät Boateng indes, den Noch-Arbeitgeber zu verklagen (Welt). Der ebenfalls suspendierte Marco Höger dürfte darauf wohl verzichten. Ihm winkt ein neuer Vertrag (Goal). Das werden sicher interessante Verhandlungen…  Schalkes Fans kommentieren das Chaos auf und abseits des Platzes beim nächsten Heimspiel mit Schweigen (Ruhrbarone).

4. Die deutsche U-17 Nationalmannschaft sorgt weiter für Furore bei der Europameisterschaft in Bulgarien. Das Team um den Dortmunder Felix Passlack bezwang Tschechien souverän mit 4:0 (Spiegel). Den zweimaligen Torschützen Passlack hat Constantin Eckner etwas genauer unter die Lupe genommen (Spielverlagerung).

5. Zum Aufstieg geprügelt? Der SV Altenessen II scheint dieser eine, ganz bestimmte Kreisligaverein zu sein, den wir alle kennen. Ihr wisst schon. Diese Sorte Verein, zu dessen Auswärtsspielen du deinen muskelbepackten Cousin als Unterstützung mit nimmst, weil du sonst um dein Leben fürchten musst. Besagte Cousins scheinen der Liga-Konkurrenz leider ausgegangen zu sein – weshalb die Duelle mit den vermeintlichen Schlägern seit nunmehr 2 Monaten boykottiert (und als Siege für Altenessen gewertet) werden (Spiegel). Klingt nach einer todsicheren Siegestaktik. Ruft mal jemand Pep Guardiola an?

6. Ali gegen Foreman, Powell gegen Lewis… Messi gegen Ronaldo? Zuletzt ging vor acht Jahren ein Weltfußballer-Titel nicht an einen der Beiden. Dirk Gieselmann wird Angst und Bange ob der schier unglaublichen Überlegenheit der beiden Ausnahmeathleten. Denn er weiß, dass die Sportgeschichte mit Duellen dieser Gewichtsklasse nicht gerade spendabel umgeht (11 Freunde). Wird demnächst früher alles besser gewesen sein?

7. Einige werden vermutlich am Rande mitbekommen haben, dass kürzlich ein polnischer Ultra bei Auseinandersetzungen mit der Polizei ums Leben gekommen ist. Radoslaw Zak arbeitet die Hintergründe zum Tod Dawid Dziedzics für Ballesterer auf.

8. Auch bei Eintracht Frankfurt klafft eine Lücke zwischen Anspruch und Realität. Das schreibt zumindest Björn Wisker. Der Verein selbst sehe das Abschneiden in der Bundesliga und die Art seines Zustandekommens offenbar nicht so kritisch und arbeite sich lieber an vermeintlich böswilligen Journalisten ab. Als eher trockener Charakter wurde Eintracht-Coach Thomas Schaaf früher einmal (unter anderem von Journalisten) gefeiert. Diese Zeiten sind nun offenbar vorbei. Schaafs einsilbige Art könne ihm in Frankfurt zum Verhängnis werden, schreibt (abermals) Dirk Gieselmann (11 Freunde).

9. Der Rubel rollt im europäischen Vereinsfußball vor allem in der Champions League. Benny Semmler wirft einige beeindruckende Zahlen in den Raum: So verdiene allein die Berliner Tourismus-Branche ca. 21 Mio. € mit dem Endspiel der Königsklasse (Blog trifft Ball). Dass Einnahmen freilich nur eine Seite der Medaille sind, verdeutlicht Jonathan Sachse. Er zeichnet das Bild einer steuerfinanzierten Luxusparty für Ehrengäste. Und nennt ebenfalls beeindruckende Zahlen (correct!v).

10. Die Berichte über Auseinandersetzungen zwischen (linken) Ultras und (rechten) Hools im Umfeld des SV Werder sind nicht neu. Zuletzt wurde der interne Konflikte der Bremer Fanszene beim Derby gegen den HSV überdeutlich. Nach einem kräftezehrenden inneren Konflikt und 5 Festnahmen nebst Hausdurchsuchungen (Kreiszeitung) geht nun auch die Bremer Polizei davon aus: Wenn Neonazis links Ultras attackieren, liegt ein politisches Tatmotiv vor (Spiegel). André Anchuelo klagt an, die deutsche Polizei sei in solchen Fragen offenbar lernresistent (Jungle World).

11. Elf wackere Union Fans mit einer Vorliebe für obskure Reiseziele befinden sich in Tiraspol, Transnistrien. Man bereitet sich mental auf das Derby aller Derbys (Sheriff Tiraspol gegen den FC Tiraspol) vor, eine Partie, die mindestens so politisch aufgeladen ist, wie BFC Dynamo gegen Union in den frühen 80er Jahren. Was folgt, sind spannende Erzählungen zu den gesellschaftlichen Hintergründen der Partie und ein Spielbericht, der mich auf ungute Weise daran erinnert, warum ich damals in der Kreisliga (vermutlich) immer die Rückennummer 4 tragen musste (Spielbeobachter). Stichwort: Chaosfaktor

Meist geklickter Link gestern
Stefan Osterhaus über eine Hexenjagd namens Götze (NZZ)

Field Reporter

“Wir sind weltweit zusammen mit Real Madrid der einzige Club, der unabhängig ist. Wir haben keine multinationalen Konzerne im Hintergrund wie Bayern München. Wir haben keinen Scheich, wir haben keinen Milliardär oder eine Private-Equity-Gesellschaft. Wir haben nur uns selbst, unsere Fans und den Wert unserer Marke.”

Barca-Vizepräsident Javier Faus ist ein Mann der Romantik (Handelsblatt).

Mixed Zone
Neues Format: Doppelsechs News HD. Unbedingt das Premium Paket buchen! + + + Elegant: Wie man Wurfgeschosse aus dem Zuschauerraum abwehrt (Youtube) + + + Spanien: Der Liga droht noch immer ein Streik (Spiegel)  + + + Gegen Diskriminierung: FIFA will neue Spielbeobachter einführen (Fanzeit) + + + Günstig: Eintrittskarten für die EM 2016 (Sportschau) + + + + + Sandhausen: Die DFL zieht dem SV mitten im Abstiegskampf 3 Punkte ab (Bundesliga) + + +

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#Link11: Menetekel

blogundpresseschau

1. Der FC Bayern München muss heute Abend das Rückspiel im Halbfinale der Champions League bestreiten. Er befindet sich in einem »Zersetzungsprozess«, wie Stefan Osterhaus, der Auslandskorrespondent der Neuen Zürcher Zeitung, in seinem prägnanten Artikel schreibt. Rummenigge rede die Saison schön, notwendigen Diskussionen über sportlich Verantwortliche werde ausgewichen, stattdessen bizarrerweise ein Abwurf Neuers oder die charakterliche Eignung Götzes moniert. Die Grenze zur Unappetitlichkeit sei überschritten.

2. Auf Schalke wurden gestern in Boateng und Sam zwei Großverdiener wegen mangelnder charakterlicher Eignung freigestellt. Daniel Theweleit (Spiegel) geht auf die ihnen vorgeworfene Sabotage am Teamgeist ein und sucht die Grenzen des Verantwortungsbereichs von Manager und Kaderplaner Horst Heldt.

3. Schon eine schlichte Differenzierung hebt den Artikel von Richard Leipold (FAZ) von einigen anderen ab, die in den letzten Tagen über Borussia Mönchengladbach verfasst wurden:

Damit es nicht zu romantisch klingt: Auch in Gladbach beziehen Leistungsträger immense Gehälter, aber gemessen an der nationalen und vor allem internationalen Entwicklung, geben die Verantwortlichen das Geld mit Augenmaß aus.

Mit sowohl maßvollem als auch präzisem Lob würdigt er, was dort unter Eberl und Favre entstanden ist. Obwohl der Weltmeister Kramer und Max Kruse den Verein verlassen werden, herrscht am Niederrhein demütiger Optimismus.

4. Nachdem einer der typischen Kämpfe bis aufs Messer gestern Abend in Karlsruhe gewonnen wurde, klopft der inzwischen zweitplatzierte SV Darmstadt ans Tor der Bundesliga. Alex Westhoffs vor dem Spiel auf FAZ.net erschienenes Portrait der Lilien und ihres Trainers will helfen, den überraschenden, aber nun kurz bevorstehenden Durchmarsch von der dritten in die erste Liga zu verstehen.

5. Trainer Baade erzählt von einem unbedeutenden Turnier seiner Jugend, dem Geist eines solchen Jugendturniers und damit auch von der Jugend.

Weil wir damals so gut drauf waren, wie man nur drauf sein kann, wenn man noch nie Liebeskummer hatte, gar nicht weiß, was einen da in diesem Bereich alles noch erwartet, man sich also ohne jegliche Ablenkung voll aufs Spiel konzentrieren kann, schossen wir auch diesen Gegner in nur 2×15 Minuten vom Platz. […] Mir und meinem Busenfreund, der auf dem linken Flügel immer hinter mir aufräumte und meine Laufwege im Schlaf kannte, dürstete es ein wenig.

Ob sich der Ich-Erähler hier in der Wortwahl subtil mit Jesus vergleicht? Jemandem, der von seinem »Busenfreund« schreibt, wäre dies ohnehin nachzusehen. Seine Mannschaft reüssierte jedenfalls bei jenem Turnier: Der Hauptteil spielt »In der KO-Runde«.

6. »Christian Fiel beendet seine Karriere« hieß es gestern in der Mixed Zone. Aber es ist viel mehr als das – erlauben Sie mir, den Link noch einmal hervorzukramen. Der spanisch-schwäbische Profi blickt in einem halbstündigen Vortrag auf eine der vielen unbesungenen Fußballerkarrieren zwischen einigen Europacupspielen und Jahren in der dritten Liga zurück: Auf eine 3:0-Führung gegen die Bayern und ein Gegentor in Babelsberg, bei dem der Abwehrversuch über die kahle Stelle am Hinterkopf rutschte. Auf die Vertragsverhandlungen mit Mutter, Damenbesuche und die große Liebe. Auf Phasen, in denen es nur aufwärts ging und solche, in denen er Heulsuse, Sklavin des Herzens war. Und in einem gescheiterten Erklärungsversuch auf das Schießen eines schönen Tores. Halten Sie sich nicht mit Authentizität oder Larmoyanz auf. Genießen Sie. Eine sehenswerte Pressekonferenz ohne Fragen, in voller Länge bei YouTube.

7. Das Blog heißt »Der Wochenendrebell«, aber angesichts der wachsenden Zahl beteiligter Kinder wächst die Wochenendrebellion allmählich über Einzelpersonen hinaus.

Damit war der Samstag verplant und ich fragte meine vierjährige Tochter, was sie dann am Sonntag unternehmen möchte. Ich hatte ihr Spielplatz, Therme oder Kino angeboten. Alles Dinge, für die man sie begeistern kann.

„Ich will ins Stadion.“

Beim Zweitligaduell zwischen Mittelfeldklub und einem heißen Anwärter auf Platz Nummer Siebzehn sind Vater, Sohn und Tochter erstmals gemeinsam vor Ort. Der Text über die »Wochenendrebellin« ist jetzt online.

8. Der FC Bayern München errang am Sonntag erstmals in der Geschichte des deutschen Fußballs das Double aus Deutscher Meisterschaft der Damen und Herren. Vor 5.200 Zuschauern und unter Gratulation Karl-Heinz Rummenigges feierte die Frauenmannschaft um Spielführerin Melanie Behringer den überraschenden Titelgewinn. Christoph Leischwitz (SZ) gibt für der Planung der gemeinsamen Meisterfeier zu bedenken, dass bis dahin mehr als eine Dame in die WM-Vorbereitung verschwindet.

9. 367 Jahre Westfälischer Friede und dann das: Traditionell (!) treffen das Münsteraner Gymnasium Paulinum und das Osnabrücker Carolinum jährlich aufeinander, um auf sportliche Weise den Besseren zu bestimmen. Was jung und unschuldig klingt, findet dieses Jahr nicht statt. Altschüler, die inzwischen zur »Osnabrücker Hooligan-Szene« (Paulinum) gehören, hatten die Partie schon im vergangenen Jahr gestört.

Auch die unübersichtliche Lage des Sportplatzes habe dem Paulinum-Schulleiter Gerd Grave Sorgen gemacht. Während die Osnabrücker Illoshöhe über zwei Eingänge verfüge, die man kontrollieren könne, sei das Gebiet auf der Sentruper Höhe in Münster sehr unübersichtlich. So gebe es mehrere Eingänge, und auch Unbefugte könnten heimlich auf das Gelände gelangen. Eine Situation, die das Paulinum nach einigem Hin und Her zur Absage bewegte.

Die Neue Osnabrücker Zeitung nimmt sich des Derbys an.

10. War früher alles besser? Oder sollte man lieber froh über die Segnungen des modernen Fußballs sein? Im Schatten diese Zweifels verfasst Patrick seinen Kommentar der Woche. Die gute alte Zeit, in der von vielen Spielen nur Endergebnisse zu sehen war, die Fernsehtechnik in Bulgarien noch nicht so ausgereift war, Uerdingen und Waldhof ebenso Teil der Bundesliga waren wie Roland Wohlfarth. Es mag vom Autor nicht beabsichtigt sein, aber sein Artikel untermauert die These, wonach das Fußballpublikum dazu tendiert, stets die Fußballwelt seiner eigenen Kindheit oder Jugend zum Idealbild zu verklären.

11. Der DFB setzt sich für Flüchtlinge ein – die bereitgestellten Mittel können allerdings höchstens als Tropfen auf einem heißen Stein verstanden werden. Das Rettungsboot, das der DFB den beteiligten Vereinen bereitstellt, muss aufpassen, nicht auf Grund zu laufen.

Reichardt verzweifelt an den bürokratischen Hürden des DFB und des Weltfußballverbandes (Fifa). Der will Menschenhandel ähnlichen Praktiken etwa beim Wechsel von talentierten Jugendlichen aus Afrika nach Europa vorbeugen. Falls der Heimatverband antwortet oder 30 Tage lang nicht auf die Anfrage reagiert – was bei den Ländern, aus denen die Flüchtlinge kommen, öfter der Fall ist – , bekommen die Flüchtlinge einen Spielerpass. Reichardt sagt, die gesamte bürokratische Prozedur dauere oft noch viel länger. „Da sind die Kinder dann teils schon woanders untergebracht.“

Leonie Feuerbach zeigt für die Frankfurter Allgemeine Zeitung einige Probleme bei der Schaffung einer Willkommenskultur auf.

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Neben dem Primus der Vorwoche: Tobias Eschers »Schalker Stillstand. Ist di Matteo der richtige Trainer?« auf 11Freunde.de.

Field Reporter

Die Kabine ist ein zwangloser Raum, dort ist Nacktheit nicht sexuell konnotiert, sondern der Körper das Sportgerät auf seine Weise. Im Vordergrund steht der Trainer nicht als Mann, sondern als Führungspersönlichkeit. Ein guter Trainer versucht aber, respektvoll mit den Rückzugsräumen der Spielerinnen umzugehen. Das gilt übrigens auch für Männer, die Männer trainieren.

Ich beichte: Darüber hatte ich mir nie Gedanken gemacht. Katja Kraus, Spielerin bei den Damen und Funktionärin bei den Herren, führt einige Aspekte dieses Themas im Gespräch mit der ZEIT aus.

Mixed Zone
Niederlande: Der DFB hat für die U15-Länderspielreise eine Auswahl des Jahrgangs 2000 getroffen + + + Köln: Schalke-Fan sieht komplettes Spiel nüchtern (Mutti, der Libero) + + + Fernsehen: Das Kommentatoren-Blog über die Ansetzungen der Woche und Steffen Simon auf Viertliganiveau + + + Düsseldorf: Sportvorstand Schulte freigestellt (f95.de) + + + Arroyo de San Serván: Fünfligist wiegt Kontrahent mit falschen Live-Tweet in Sicherheit (sid/11f) + + + Berlin: DFB-Pokalfinale mit Torlinientechnik (Sportschau) + + + Sandhausen: Neue Spannung im Abstiegskampf der Zweiten Liga: Punktabzug! (kicker) + + + Schweiz: Die Eidgenossen finden Fussballer wenig vertrauenswürdig. Das Trauma des Elfmeterschießens gegen die Ukraine scheint tief zu sitzen (NZZ) + + + Darmstadt: Plakate zum Aufstieg (Twitter) + + +

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#Link11: Ruhe vor dem Sturm?

Saisonendspurt – das ist eine gesunde Mischung aus Schwelgereien in den Erinnerungen vergangener Spielzeiten… und blankem Chaos. Diesem Strickmuster folgt auch die heutige Link11. Während sich Verantwortliche der Bayern und des FC Schalke gegenseitig an die Gurgel gehen, scheint beim Rest der Liga entspannte Gleichgültigkeit zu herrschen. Selbst bei HSV und VfB zeigt das Stimmungsbarometer wieder moderat nach oben. Jan Böhmermann und Raphael Honigstein lockern das Geschehen mit Anekdötchen aus dem Krieg (noch weiter) auf. Genießen wir also die trügerische Ruhe, bevor der nächste Trainer entlassen, Transfer bekannt gegeben oder Spieler vom Platz gestellt wird.

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1. Die Saison des FC Bayern ist frühzeitig beendet. Die Erwartungen konnten Guardiola und sein Star-Ensemble nicht erfüllen. Dass das nicht nur am Star-Ensemble, sondern auch an den Erwartungen liegt, erklärt Mia San Rot. Für Peter Unfried ist die Überhöhung des FC Bayern verständlich, hat der Verein doch den omnipotenten Supertrainer der Gegenwart in seinen Reihen. Den Mann, der den Code des Fußballs schreibt, wie ein allwissender Programmierer. Von einem Bug, wie der Niederlage gegen Barcelona, sollte man sich dabei nicht ablenken lassen (taz). Programmierfehler sieht auch Franz Beckenbauer (FAZ).

2. Beim FC Schalke droht wieder einmal der System-Neustart. Nach der katastrophalen Leistung gegen den FC Köln drohte Horst Heldt seinen Spielern gar mit dem Rauswurf (Welt). Tatsächlich könnte der aktuelle Krach dem Schalker Manager sogar bei zukünftigen Entscheidungen helfen. Im Sommer steht bei den Knappen ein großer Umbruch ins Haus (WDR). Den hinterfragen wiederum die Ruhrbarone. Schließlich entstand bereits der aktuelle Kader unter Horst Heldt. Mit seinem Wutausbruch versuche dieser auch, von eigenen Fehlern abzulenken. Tobias hinterfragt dagegen für 11 Freunde den Schalker Trainer. 

3. Der HSV lebt! Und könnte dennoch Opfer seiner Altersschwäche werden, schreibt Oliver Fritsch. Der Mannschaftskern habe seinen Zenit längst überschritten. In diesem Jahr könne jedoch nichts mehr passieren. Wer so viel Dusel habe, steige auch nicht ab (Zeit). Wie sich Abstiegskampf für einen Fußballfan anfühlt, illustriert der Sitzplatzultra in seinem Liveticker der Partie des SC Freiburg gegen den HSV. 

4. Für den Akademikerfanclub ist der Saisonendspurt der TSG Hoffenheim eine kräfteraubende Angelegenheit. Vom turbulenten Spiel in Frankfurt verwirrt, versucht man nun seine Gedanken zu ordnen. Irgendwo zwischen Wilhelm Busch und dem Euro-Austritt Griechenlands kommt schließlich die Erkenntnis: Die TSG ist raus aus dem Euro League Rennen. Oder vielleicht auch nicht.

5. Jan Böhmermann mag nicht (hauptsächlich) für seine Fußballkenntnisse bekannt sein, der Hooliganismus liegt ihm aber dennoch im Blut. Von einer Radioreportage, die zum Stadionsturm wurde (Facebook).

6. Auch Journalist Raphael Honigstein ist sich nicht zu schade, mal selbst die Blutgrätsche auszupacken. Erst recht nicht, wenn José Mourinho und Avram Grant im gegnerischen Team spielen. Für Sport1 erinnert er sich an die Partie und die lockere Stimmung zwischen Mourinho und Chelsea-Eigentümer Roman Abramowitsch. Damals, 2 Monate bevor Mourinho entlassen wurde. An seinem pragmatisch-zähen Fußball, dem damaligen Streitpunkt mit Abramowitsch, hat er seither wenig verändert.

7. Fußball sei mehr als eine Frage von Leben und Tod, hat Bill Shankly einst angeblich gesagt. Dass zumindest ersteres manchmal der Fall ist, beweist die (Horror-)Geschichte von Mwepu Ilunga. Der vor allem für einen komödiantisch anmutenden Moment während der WM ’74 bekannte Kongolese war als Sportler eines der Lieblingsspielzeuge von Diktator Joseph Mobuto. Zumindest eine Zeit lang (11 Freunde).

8. Wegen einer Niederlage gegen den VfL Bochum ist der Aufstieg des FC Ingolstadt vorerst vertagt. Macht nichts! Spielverlagerung analysiert schon einmal die Pressingkultur beim künftigen Erstligisten. Udo Muras dagegen runzelt die Stirn. Noch ein aufgemotzter Provinzklub, der beinahe ohne Fans in die erste Liga vorrückt? “Spitzenspiele” zwischen Hoffenheim und Ingolstadt, während VfB und/oder HSV in der zweiten Liga spielen? Doch gemach! Die Bundesliga erfreut sich eines rekordverdächtigen Zuschauerschnitts und Tradition… die kann man erwerben (Welt).

9.

“Fußball ist für das Management zu 80 % planbar.”

Das sagt zumindest Max Eberl. Ob Didi Beiersdorfer das genau so empfindet, sei mal dahingestellt. Die Bundesligatabelle jedoch scheint Eberl Recht zu geben: Auf den Rängen 2-6 hat sich hinter dem allmächtigen FC Bayern eine neue, stabile Oberschicht formiert (SZ). Diese versucht nun, ihre Position in der Nahrungskette so weit wie möglich zu festigen – ehe der Aufstieg von RB Leipzig die Karten wieder neu mischt.

10. Der österreichische Fußball findet aus europäischer Sicht beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Dabei schreibt er dieselben spannenden Geschichten um Aufstieg und Fall von Traditionsclubs, legendäre Trainerpersönlichkeiten und Mäzene, wie z. B. die Bundesliga. Wenn auch in einem (derzeit) etwas kleineren Rahmen. Marco Stein interessiert das nicht – er arbeitet die bewegte (jüngere) Vergangenheit der österreichischen Bundesliga in einer neuen Blog-Serie auf (120 Minuten).

11. Aus Borussia Dortmund wird in diesem Jahr niemand mehr schlau. Seit der Bekanntgabe von Jürgen Klopps Rücktritt scheint der BVB plötzlich nicht mehr verlieren zu können. Hätte Klopp das doch früher gewusst (Sportschau & Welt)! Schwatzgelb-Autor Daniel Regnery versucht, 9 brauchbare Thesen über das Spiel des BVB aus dessen Duell mit Hertha BSC abzuleiten.

Meist geklickter Link am Freitag
Meilenweit: Der Abstauber mit einem Umbruch bei Bayern München

Bandenwerbung
Collinas Erben berichten von bedrohten Schiedsrichtern im Amateurfußball, unser Autor Ruben rezensiert ein Buch über die Leiden eines nordamerikanischen Fußballfans in den 80ern.

Mixed Zone

Mit Mutti ins Stadion: Ajax’ Spieler verbinden Spiel- und Muttertag (Falsche 9)   + + + Hannover: 96s Unterstützer mit neuer Fanvertretung (Rotekurve) + + + Abstiegskampf der Anderen: Der Rasenfunk zum 32. Spieltag + + + de Bruyne: Der nächste Mega-Transfer? Der Abstauber analysiert + + + Rostock: Hansa ist in Not (Spiegel) + + + Analyse: Die Stehplatzhelden ziehen 6 Lehren aus Spieltag Nr. 32  + + + U-17: Spielverlagerung mit einem Scouting-Report zu Johannes Eggstein + + + Regionalliga: 4 Clubs erhalten keine Lizenz + + +  U-21: Ard und ZDF übertragen die kommende Europameisterschaft (DFB) + + +  London: Wenn der Bürgermeister die Kopf-Blutgrätschte auspackt (Squawka) + + + Dresden: Christian Fiel beendet seine Karriere (Dynamo)

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Kabinenpredigt: The Soccer Diaries – An American’s Thirty-Year Pursuit of the International Game

Ein in New York geborener Italo-Amerikaner entdeckt in jungen Jahren den Fussball für sich. In den 80er Jahren ist er damit im Land von Eishockey, Base-, Foot- und Basketball jedoch eher die Ausnahme denn die Regel. Trotzdem lässt ihn der Sport nicht los. Nur: So ganz greifbar wird seine Faszination für den Leser nicht.

Zugegeben, ich bin skeptisch, wenn schon im Buchtitel „Soccer“ steht. Obwohl mir durchaus bewusst ist, dass das Wort eigentlich keine amerikanische Erfindung ist, sondern vom englischen „Association“ stammt. Und obwohl ich mir bewusst bin, dass die Vorbehalte gegenüber dem amerikanischen Fussball bloß auf Vorurteile gründen. Ich war noch nie dort. Zumindest nicht beim Fußball. Auch deshalb wollte ich mir dieses Buch zu Gemüte führen, in dem ein in New York geborener Italo-Amerikaner die Liebe zum Fussball entdeckt, diese aber über viele Jahre kaum mit jemandem teilen kann, und trotzdem Fan bleibt. Eine Geschichte eines Fans, ähnlich wie Fever Pitch. Nur nicht so gut.

Der junge Michael J. Agovino wird eher zufällig auf Fussball aufmerksam. In seiner New Yorker Wohnung empfängt er ein paar spanischsprachige Sender, die ab und an Fussballspiele übertragen. Und in New York wird ein Legendenspiel ausgetragen, das er dank seines Vaters besuchen kann. Die ersten Kapitel sind geprägt von Geschichten, wie der junge Knabe alles verschlingt, was einen Fussballbezug aufweist. Und wenn es französischsprachige Magazine sind, die er in den Frankreichferien der Familie ersteht, obwohl er der Sprache nicht mächtig ist. Agovino wird älter und mit ihm wächst auch der Fußball in den USA zu einem immer beliebteren und ernstzunehmenderen Sport heran. Was dem Buch fehlt, sind Beschreibungen der Faszination Fußball, die im Gedächtnis haften bleiben. Was Nick Hornby in Fever Pitch geschafft hat, schafft Agovino leider nicht. Vielmehr fragt man sich nach der Lektüre, wie er jedes Datum – das Buch ist wie ein Tagebuch aufgebaut – genau wissen kann, im Text aber gefühlt auf jeder zweite ein Sachverhalt ungenau beziehungsweise mit einem „Das weiss ich nicht mehr so genau“ beschrieben wird.

Immerhin kann sich Agovino zu einigen klaren Haltungen durchringen, die durchaus kontrovers sind. Er kritisiert Red Bull Salzburg, weil der Getränkekonzern hier einen traditionsreichen Klub übernommen habe. Da diese Tradition den Vereinen der amerikanischen Major Soccer League sowieso fehle, darfs dort aber genau gleich zu und hergehen wie in Salzburg. Auch gegen die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Katar hat er keine großen Einwände.

Am wertvollsten ist das Buch eigentlich dort, wo es gar nicht beabsichtigt, große Geschichten zu erzählen. Agovino erzählt nämlich auch die Geschichte einer Familie in der New Yorker Bronx, die sich nicht alles leisten kann, die durch zwielichtige Gegenden zu Fußballspielen reisen muss, die aber für die Verhältnisse anderer Familien der Bronx ganz gut dasteht und sich sogar Ferien leisten kann. Und Agovino offenbart auch die Anspruchshaltung, die man US-Amerikanern manchmal zuschreibt, die ganze Welt hätte nach ihrer Zeitrechnung zu funktionieren. Dass an 9/11 in Europa Fußball gespielt wurde, erachtet er als skandalös. Natürlich darf da auch Kritik an England nicht fehlen, dem Mutterland des Fussballs und eigentlich auch der USA, auch wenn diese subtil erfolgt. Anlässlich eines England-Aufenthalts schreibt Agovino: „I wanted a local lager, but they didn’t have any.“ Diese Kritik zumindest kann man Agovino nicht verübeln.

Cover Soccer Diaries

Copyright: Nebraska Press

Titel: The Soccer Diaries – An American’s Thirty-Year Pursuit of the International Game
Autor: Michael J. Agovino
Typ: Autobiographisches Fussballbuch
Preis: 30.90 CHF / $26.95
Seiten: 312
Infos: http://www.nebraskapress.unl.edu/product/Soccer-Diaries,675899.aspx
Empfehlenswert für: Alle, die sich für die Lebensgeschichte eines in den USA geborenen Italieners interessieren, der sich im Land von Base-, Foot- und Basketball für den Fußball begeistert.
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