#Link11: Zweitklassigkeit

Ich werde nicht müde, es zu betonen, aber irgendwie werde ich mit der Europa League nicht warm. Selbst dann nicht, wenn der VfL Wolfsburg auf das große Inter Mailand trifft. Donnerstag bleibt mein fußballfreier Tag. Allein bin ich mit dieser Einstellung nicht: So findet man am Freitag nach den Europa-League-Spielen auf den meisten Seiten nur Agenturberichte, kaum eine Zeitung schickt eigene Reporter zu den Spielen. Die Europa League bleibt im Vergleich zur Champions League einfach zweitklassig.

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1. Handeln wir die von mir ungeliebte Europa League zuerst ab: Der VfL Wolfsburg besiegt Inter Mailand mit 3:1. Hendrik Buchheister (Spiegel Online) sieht Kevin de Bruyne als großen Gewinner, während Andre Schürrle seine Form noch finden müsse. Die übrigen Ergebnisse der Europa League hat ebenfalls Spiegel Online.

2. Heute Abend geht es bereits weiter in der Bundesliga: Der VfB Stuttgart trifft auf Bayer Leverkusen. Trainer Roger Schmidt warnt seine Leverkusener, schreibt Stefanie Sandmeier (RP-Online). Goldmann Saxt bemüht (erneut) das Prinzip Hoffnung für den VfB. Vertikalpass hofft indes, dass die Schiedsrichter aus dem ominösen Bayern-Bonus ein Stuttgart-Bonüsle machen.

3. An dieser Stelle widme ich Kai Pahls allesaussersport einen eigenen Punkt. Wie jeden Tag listet er auf, welche Spiele es wo zu sehen gibt. Das ist seit Jahren ein großartiger Service, den man fast schon für selbstverständlich nimmt. Ist er natürlich aber nicht. Daher an dieser Stelle ein Dankeschön.

4. Manchester United wartet seit Längerem auf den großen Wurf. Und auch Jonathan Wilson, Vater der journalistischen Taktikanalyse, hat schon länger keinen großen Artikel zum Thema Taktik mehr veröffentlicht. Das lässt sich doch ganz gut kombinieren, dachte sich Wilson, und analysiert für den Guardian den Werdegang von Louis van Gaal vom Ideologen zum pragmatischen Coach. Dafür gibt es von mir eine Leseempfehlung (auch wenn Wilsons Einschätzung der Bayern-Zeit von van Gaal etwas seltsam anmutet).

5. Jaja, das Puckgate verfolgt weiter. Zur Erinnerung: Nach den Vorwürfen von Thomas Eichin, die Bayern hätten bei Schiris einen Bonus, fragte Sammer, ob der frühere Eishockey-Manager zu oft den Puck an den Kopf  bekommen hätte. Dirk Gieselmann (11Freunde) nimmt diese halbgaren Sprüche zum Anlass, eine Krise der Münchener Abteilung Attacke auszurufen. Eichin hat indes auf die Reaktion reagiert (s. kicker). Reinhard Schlüssler (DerWesten) wünscht sich hingegen, dass Wüteriche wie Sammer und Klopp sich an Ancelotti ein Vorbild nähmen.

6. Für die Abteilung Attacke war eigentlich stets Uli Hoeneß zuständig. Dieser Tage erscheint eine neue Biographie über den Ex-Bayern-Präsidenten, verfasst von Thilo Komma-Pöllath. Nach allem, was die Rezension von Christoph Cöln (Welt Online) beschreibt, scheint es ein Machwerk der übleren Sorte zu sein. Der Autor nutze alte Weggefährten, Psychologen und sogar Mimikanalysten aus, um Hoeness zu dämonisieren, schreibt Cöln.

7. Dr. Armin Klümper und Joseph Keul sind die Namen der Ärzte, die im aktuellen Doping-Skandal um die Freiburger Uni immer genannt werden. Josef-Otto Freudenreich (Kontext) geht weiter und schreibt: All die Mitwisser im wissenschaftlichen Betrieb, in der Politik und auch im Journalismus haben sich ebenfalls schuldig gemacht.

8. Nachtrag: Gestern war das Thema RB Leipzig und Fanproteste der Aufmacher der #Link11. Die Kampagne „Nein zu RB“ äußerte sich nun in einer Presseerklärung, in der sie aber nicht wirklich auf die aktuellen Geschehnisse eingeht (s. Faszination Fankurve). Stattdessen: Kritik an Rangnick. Außerdem gaben die Fans von Fortuna Düsseldorf bekannt, dass sie das Gastspiel in Leipzig boykottieren möchten (s. FR-Online). Im Schatten der Tribüne hat die Entwicklung der Fanszenen und des Fußballs im Allgemeinen kommentiert.

9. In Köln wurde nun nach dem Platzsturm gegen Gladbach bestraft. Michael Krämer (ksta) erklärt, was für Maßnahmen die DFL ergreift und wieso diese Köln hart treffen. Gianni Costa (RP-Online) lobt das Urteil, David Schmidt (effzeh.com) argumentiert gegen diese „Kollektivstrafen als Sippenhaft“. CDU-Politiker Wolfgang Bosbach kritisiert das Urteil ebenfalls (s. Faszination Fankurve).

10. Synchronität. Das Leid des modernen Fußball-Fans. Menschen, die schon einmal gleichzeitig skygo und twitter benutzt haben, wissen Bescheid. Trainer Baade hat sich dieser modernen Form des Leidens angenommen.

11. And now for something completely different: Die Dortmunder Opernbühne zeigt zum letzten Mal das Stück „Roxy und ihr Wunderteam“, eine Oper mit hohem Fußballbezug. Kees Jeratz (Zebrastreifenblog) rezensiert das Stück und blickt zeitgleich auf den Komplex Ruhrgebiet, Kultur und Fußball.

Meist geklickter Link gestern
Der Rotebrauseblogger befasst sich mit infantiler Kritik an RB Leipzig – und ihr befasst euch mit dem Rotebrauseblogger.

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Bei n-tv gibt es eine neue Kolumne der Erben Collinas zu bestaunen. Thema diesmal vor allem: die Partie Chelsea gegen PSG mit ihren zahlreichen Fehlentscheidungen.

Field Reporter

Mützel, Glatze, Mützel!

Der innovative Fangesang bei RW Oberhausen gilt Publikumsliebling Sebastian Mützel. Krystian Wozniak (Reviersport) porträtiert den Durchstarter.

Mixed Zone
Drittortauseinandersetzung: Dieser schöne Begriff findet sich in der Rechtsprechung, wenn Holligan-Gruppen sich an abgesprochenen Orten zu Schlägereien treffen. Strafrecht am Spieltag hat ein wegweisendes Urteil zu diesen Fällen analysiert. + + + Symposium: Hochrangige Vertreter der Fifa haben ein Symposium besucht, in dem es um Frauenfußball und den Kampf gegen Diskriminierung ging (s. Frauenfussballmagazin.ch). + + + Kurzer Besuch: Spox spekuliert, dass Lukas Podolski Inter am Saisonende bereits wieder verlässt. + + + Boulevard: Auch ich habe meine Schwächen. An dieser Meldung konnte ich einfach nicht vorbeischauen: Hummels-Freundin Cathy Fischer startet bei Let’s Dance! Julien Wolff (Welt Online) hat sie interviewt.

#Link11: Humor in die Kurven!

Kritik am kommerziellen Modell von Rasenballsport Leipzig ist legitim. Natürlich ist es diskutabel, ob der hier beschrittene Weg zum Beispiel besonders sympathisch ist. Aber was sich in Karlsruhe bei der Partie gegen Leipzig abspielte, das ist schlicht unter aller Kanone. Von Bullenseuche schwadronierten die KSC-Fans mit einer großen Choreographie, die die Badener sogar mit Mundschutz von sich fern halten wollten. Der Ausdruck der Kritik schießt hier eindeutig über das Ziel hinaus und sollte ebenso wie unsägliche Rattenball-Shirts der Anhänger von Union Berlin oder Nazi-Vergleiche in Aue eingemottet werden. Der Rotebrauseblogger hat die Kritik an der Ausdrucksweise sehr gut formuliert.

Ich möchte dem hinzufügen, dass ich Protest gegen das Red Bull Modell gut nachvollziehen kann. Ich wünschte mir lediglich, dass die Fußballfans mal weniger aggressiv ihre Kritik formulieren, sondern sich lieber humorvoll zum Ausdruck bringen. Warum nicht ein Banner mit der Aufschrift »Außer Bier kommt mir nix in die Dose«? Oder eine abgewandelte Version des Beatles-Klassikers »Can´t buy me love«? Mehr Humor in den Kurven. Das wünsche ich mir. Dann würden sich vielleicht auch weniger Deppen dazu angestachelt fühlen Mannschaftshotels zu belagern oder Bierbecher zu werfen.

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1. Für Paris Saint Germain sah es gestern ziemlich schlecht aus nach 31 Minuten als Zlatan Ibrahimovic mit einer diskutablen Roten Karte das Feld verlassen musste.

Nach dem Spiel äußerte sich der schwedische Stürmer zu seinen Gegenspielern:

»When I get the red all the Chelsea players come around. That for me, I don´t know: It felt like there were eleven babies around me.« (Vine)

Auch gegen zehn Mann konnte sich Chelsea danach keine klare Überlegenheit erspielen. Michael Cox (ESPN) lobt deshalb vor allem PSG-Trainer Laurent Blanc für seine Taktik. Könnte aber auch daran gelegen haben, dass mancher Chelsea-Spieler gegen einen Mitspieler verteidigte:

Auch Daniel Montazeri (Spiegel) lobt die Mourinho-Taktik von PSG. Sieht aber gegen einen Gegner vom Kaliber FC Bayern für die Franzosen schwarz, weil die Abhängigkeit von Ibrahimovic zu groß sei. 2. Zurück zu Zlatan Ibrahimović. Er verkörpert laut These Football Times »das Wesen des neuen, multikulturellen Schwedens«. Ein lesenswerter Beitrag über den »Zlataner Effect«. 3. Im zweiten Champions League Spiel am gestrigen Abend siedelte sich Donezk [Einen ausführlichen Hintergrundbericht zur Situation des Akhmetov-Clubs und seiner Zukunft liefert openDemocracy.] ergebnistechnisch irgendwo zwischen Paderborn und Hamburger SV an. 7:0 hieß es am Ende, was bei den Zuschauern weniger für Extase als für leere Ränge weit vor dem Ende des Spiels sorgte.


Den Bayern, die sich vor dem Spiel noch besorgt über den Ausgang des Spieles geäußert hatten, spielte es in die Karten, dass schon nach drei Minuten auf Elfmeter und Platzverweis entschieden wurde. Danach beherrschte der deutsche Rekordmeister das ukrainische Team vom Zuckerhut nach Belieben und sogar Holger Badstuber durfte nach langer Zeit mal wieder über einen Torerfolg jubeln. Christopher Ramm (Mia san rot) blickt mit Staunen auf die Zahlen zum Spiel: »74% Ballbesitz, 93% Passquote und 25 Torschüsse in einem Champions-League-Achtelfinale zeugen von einer sehr guten Leistung«. Sebastian Winter (Spiegel) sah eine extrem offensive Bayern-Aufstellung. Oliver Fritsch (Zeit) hatte während und nach dem Spiel genug Muße, um sich Journalisten auf Leitern und rhytmische Unparteiische anzuschauen:

»Der Strafraumrichter hinter dem seinem Tor wippte manchmal vor Langeweile mit dem Fuß den Takt der bayerischen Fan-Gesänge.«

Wie man es schafft – trotz eines überragenden Sieges – negativ in die Schlagzeilen zu kommen, zeigte Matthias Sammer. Zur Kritik Eichins (Ribéry hätte »fünfmal runtergemusst – SZ) an den Schiedsrichtern befragt, vergallopierte er sich mit dem Satz: »Eichin hat wahrscheinlich ´nen Puck an den Kopf bekommen«. (SZ)

4. Die Viertelfinalisten der Herzen aus Gelsenkirchen freuen sich derweil wie einst die 96-Fans nach einem unwichtigen Testspielsieg gegen Real Madrid. Benjamin Kuhlhoff (11 Freunde) wagt einen Blick in die Schalker Fanseele, die in ihm wohnt und mal »Zungenküsse« und mal »Arschtritte« bereithält. Eine Ode an die Hassliebe zum Fußball

Andreas Bock (11 Freunde) sprach mit Papa Sané. Der ist wenig euphorisch ob der Leistungen seines Sohnes und berichtet wie er in einem »dicken Porsche« in Wattenscheid Demut lernte.

5. Heute Abend dürfen dann die Europa League Teilnehmer ran. Wolfsburg empfängt Inter Mailand. Für Frank Hellmann (FR) die passende Gelegenheit, um Bas Dost zu portraitieren. Auch außerhalb Deutschlands hat sich die Qualität des VfL herumgesprochen. Im Podcast Football Weekly Extra lobten die Gesprächsteilnehmer den Autoclub fast überschwänglich.

6. Der Fette mit die 6 hört auf. Florian Kringe, besungen und beliebt, macht nach dieser Saison Schluss. Grund ist Arthrose in der Hüfte. (Bundesliga) Kringe, ab der C-Jugend für Borussia Dortmund am Ball, hatte besonders 2010 mit Verletzungen zu kämpfen. Jochen Tittmar (spox) schrieb zu dieser Zeit über den Dauerläufer, der damals bei seinem Heimatverein keinen Platz mehr im Team fand.

7. Phlipp Schneider ist Gladbach-Fan. Aktuell begleitet er seinen Lieblingsverein auf twitter mit @fohlenhistory durch die Aufstiegssaison 1965. Wie das funktioniert zeigt die Sportnetzschau.

8. Im Fußball erspielen sich Spieler gern einen Stammplatz. Einen solchen in der #Link11 hat sich das Thema Doping erspielt. Oliver Trust (Tagesspiegel) fragt:»Was wusste Gerhard Mayer-Vorfelder?« Martin Schneider (SZ) blickt ins Zitatearchiv und findet Dopingstatements von Zidane, Fuentes, Neururer, Daum und Co.

In Berlin droht derweil dem von Justizminister Maas und Innenminister de Maizière erarbeiteten Anti-Doping-Gesetz eine Verschiebung. Eigentlich sollte es noch vor der Sommerpause vom Bundestag verabschiedet werden, doch nun stellt sich nach FAZ-Informationen der CDU-Abgeordnete Reinhard Grindel gegen eine schnelle Abstimung. Er ist ehrenamtlich als Schatzmeister für den Deutschen Fußball-Bund tätig und will einem Anti-Doping-Gesetz nur zustimmen, wenn auch ein Gesetz gegen Spielmanipulation und Wettbetrug verabschiedet wird.

9. Einen ganz anderen Blick auf den Fußball gewinnt man, wenn man in einem anderen Land die WM erlebt oder selbst vor Ort zum Kicken geht. Zum Beispiel in Uganda. So wird man dann zum »Fußball-Hipster wider Willen«.

10. Gut 7000 Kilometer weiter westlich liegt die Heimat von Ousman Manneh. Der junge Mann aus Gambia lebt als anerkannter Flüchtling in Deutschland, weil in seiner Heimat ein Diktator mit Verfolgung und Willkür regiert. Über den Blumenthaler SV ist Manneh nun zur U23 von Werder Bremen bekommen. Olaf Dorow und Toni Nürnberg (Weser Kurier) berichten.

11. Dynamo Dresden gefiel augenscheinlich ein Bericht auf der Homepage des ZDF nicht. Deshalb wurde die Akkreditierung des Autoren für das Pokalspiel gegen Borussia Dortmund kurzerhand kassiert. Daraufhin soll das ZDF den Bericht, der sich kritisch mit dem Publikum der Dynamos auseinandersetzt, vom eigenen Onlineauftritt genommen haben. So berichten es unisono taz (»Kritiker müssen draußen bleiben«) und Zeit (»Wer kritisch berichtet, muss leider draußen bleiben«). Kurz danach wurde dem Journalisten die Akkreditierung wieder bewilligt. Ob es sich um einen Kuhhandel handelt, ist umstritten. Der Betroffene, Ullrich Kroemer, hat den Beitrag mittlerweile im Blog torial veröffentlicht.

Meist geklickter Link gestern
Der Erlebnisbericht eines Italieners, der sich mal Dortmund-Schalke gegeben hat. Auf Altravita.

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Fokus Fussball gibt es auch bei twitter.

Field Reporter

»Ich bin entsetzt von dem Schiedsrichter und dem Kontrollausschuss. Ich bin entsetzt darüber, dass so etwas hier in Deutschland möglich ist. Das ist respektlos hoch drei. […] Ich werde für eine völlig indiskutable Schiedsrichterleistung im Nachhinein auch noch bestraft. Das ist absolut inakzeptabel.«

Ewald Lienen wil nicht mit den Leuten vom Kontrollausschuss an einem Tisch sitzen. (Interview: Hamburger Abendblatt / Auszüge: Spiegel)

»Negativ? Dieser Druck von außen. Als Trainer muss man sich teilweise mit Dingen beschäftigen, mit denen man überhaupt nichts zu tun haben möchte. Aber es gehört zu deinem Job.«

Viktor Skripnik über die Herausforderungen seines Jobs, Erfolg und Statistiken. (Weser Kurier)

Mixed Zone
Quiz: Mourinho oder Ibrahimovic? Wer hat es gesagt? (11 Freunde) + + + Millionär: Simon Rolfes über seine erste Million und seine Karrieremanagementfirma für Profisportler (Capital)+ + +  Hooligandemo: In Erfurt ist eine für Karsamstag angekündigt. (TLZ) + + + Studie: Adidas bleibt Top-Spender der deutschen Sport-Sponsoren (Horizont) + + + »Zwuff« statt »Zwosch«: Roy Makaay (40) über seine Fußballkarriere. (11 Freunde) + + + Spielbericht: Der 11jährige Augenzeuge war beim Spiel Bayern – Braunschweig. (karinkoller) + + + Erleuchtet: In Leverkusen soll jetzt jeden Abend um 19:04 Uhr das Licht angehen. (SPONSORs bei twitter) Platz 3: Im zweiten Versuch konnte die Deutsche Nationalmannschaft an der Algarve gegen Schweden gewinnen. (Womensoccer) + + + Spielabbruch: In Athen musste das Derby im Pokal-Viertelfinale aufgrund eines Platzsturmes abgebrochen werden. (RP) + + + Geisterspiele: Der 1.FC Spich muss drei Monate ohne Zuschauer spielen. (General-Anzeiger) + + + Schwierige Zeiten: Olaf Jansen (Sportschau) über die Finanzen des MSV Duisburg. + + + Lüge: Polizeichef gibt nach 25 Jahren zu, dass er die Unwahrheit zur Hillsborough-Katastrophe gesagt hat. (spox) + + + Wie man spielt: Der österreichische Amateur-Spieler Martin Hofbauer war der erste Fußballer, der mit Beinprothese offizielle Punktspiele bestreiten durfte. Am Wochenende ist er im Alter von 22 Jahren verstorben. (11 Freunde)

#Link11: Knapp, knapper, die Knappen

Wer redet in einer Woche noch vom knappen Ausscheiden der Schalker in Madrid? Heute sollten wir darüber reden, denn das Ergebnis, der Sieg, die vier Tore im Bernabéu gegen den Titelverteidiger sind aller Ehren wert. Knapp war’s und knapp wird es werden bei den heutigen Partien in der Königsklasse. Die Link11.

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1. Beinahe, fast, um Haaresbreite wirft Schalke 04 Real Madrid aus der Champions League. Ein mutiger Auftritt im Achtelfinalrückspiel in Madrid bringt 3 Mal die Führung für die Schalker, aber am Ende fehlt doch ein Tor zum Weiterkommen. Torsten Wieland sah vor allem ein schwaches Real und ein Schalker Team, das durch laxes Abwehrverhalten das Viertelfinale abschenkte (koenigsblog). Die Zeit mit dem Spielbericht, das ZDF mit den Toren des 4:3-Siegs in Madrid.

2. Unknapp war das Ausscheiden des FC Basel – 0:4 unterlag man im Rückspiel in Porto. Alle Tore, alle mit dem Prädikat sehenswert, und ein Spielbericht beim Tagesanzeiger. Das Rückspiel steht Chelsea und PSG noch bevor (hatte ich erwähnt, dass das 1:1 im Hinspiel ein enges Rückspiel verspricht), Laurent Blancs Trainerstuhl könnte ein Ausscheiden PSGs zum Kippen bringen (kicker).

3. Der Blick von Pep Guardiola bei der gestrigen PK sagt alles – es wird knapp gegen Schachtjor Donezk im heutigen Rückspiel. Die SZ fasst die PK zusammen. 5 x 3 Einschätzungen zur Rückspiel, insbesondere zur taktischen Ausrichtung und Aufstellung der Bayern gibt es bei miasanrot.

4. Ist jetzt alles gesagt zu den jüngsten Dopingvorwürfen im Fußball? Mitnichten, denn zu groß ist die Chance, das die etwaige Dopingpraxis von den damals Beteiligten und heute Aktiven unter den Tisch gekehrt und zum Tagesgeschäft übergegangen wird. Die um sich greifende Amnesie, das kollektive Wegschauen beim Thema Doping und Schwachstellen bei den heutigen Kontrollen beleuchtet die FAZ.

5. Von der Champions League träumen kann derzeit Borussia Mönchengladbach. Mit knappem Vorsprung hat man sich auf Rang 3 festgesetzt. Der Westen über die Stimmung am Niederrhein und mögliche Zu- und Abgänge im Sommer.

6. Die neue MLS-Saison in den USA ist gestartet. Das Zuschauerinteresse steigt – mehr als 60.000 Zuschauer verfolgten das Auftaktspiel im Stadion in Orlando. Mit Altstars wie Kaká oder US-Nationalspielern wie Jermaine Jones und Jozi Altidore nicht verwunderlich. Jürgen Klinsmann sähe seine Spieler lieber in Europa. Die NZZ mit einer Bestandsaufnahme.

7. Zu groß für die Bundesliga: Uli Hesse durchleuchtet den VfB Stuttgart und sieht strukturelle Probleme. Über Jahrzehnte hatte der Klub eine absolute Vormachtstellung in der Region. Seit dem letzten Meistertitel gibt es im näheren Umfeld eine ganze Reihe von Klubs, die den Profifußball aufmischen – Flexibilität, Handlungsschnelligkeit und befreit vom Ballast einer aufgeblähten Erwartungshaltung sind die neuen Konkurrenten. Eine Entwicklung, die Hesse nicht nur in Stuttgart erkennt (ESPN).

8. Die Frankfurter Eintracht hat keine kompaktes Defensivkonstrukt und kassiert zu viele Gegentore – insbesondere gegen die vermeintlich schwächeren Teams der Liga. Ingo Durstewitz legt den Finger in die Wunde (FR) und fragt, warum denn nicht endlich die Fehler abgestellt werden. Bei Paderborn sind es nicht die Gegentore sondern die Flaute im Sturm macht Probleme, analysiert Schwarz und Blau. Am Wochenende treffen die nicht treffenden Paderborner und die dauernd zu viele Tore kassierenden Frankfurter aufeinander – das Hinspiel ging übrigens 3:1 an Paderborn.

9. Was läuft falsch im englischen Fußball? Die Frage aller Fragen, müsste doch die Liga mit den größten Einnahmen auch die erfolgreichste Europas sein. Ist sie aber nicht. Die mangelhafte Einbindung von Nachwuchsspielern trotz landesweiter Jugendakademien könnte ein Grund sein. The Whitehouse Address nimmt sich das Scouting von Jugendspielern auf der Insel vor und stellt das System in Frage: wird zu sehr nach physischen Aspekten gescoutet und sind veraltete Denkmuster bei der Auswahl von Spielern ausschlaggebend? Andererseits, wozu auf die Entwicklung von Talenten hoffen, wenn man im Sommertransferfenster noch mehr bei seiner Einkaufstour in Europa ausgeben kann? Stefan Szymanski erklärt warum (soccernomics).

10. Wenn man an deutsche Fußballer im Ausland denkt, fallen einem sofort die obligatorischen Wasserstandsmeldungen zu den Podolskis, den Khediras und den Kloses ein. Hendrik Helmke ist ein anderes Kaliber. Anstatt sich den deutschen Fußball von unten anzusehen, nutzt er den Sport als Möglichkeit Länder und Kulturen kennenzulernen – er spielte u.a. schon in Finnland, Malaysia und ist aktuell in Ägypten unter Vertrag – die Zeit führte ein Interview mit Helmke. Ein längeres Interview aus dem Dezember ist (hinter der Paywall) auch bei blog trifft ball zu finden.

11. Sócrates war immer mehr als ein Fußballer. Er engagierte sich für mehr Demokratie in den Fußballklubs und brachte mit Hilfe des Sports politische Themen auf die Agenda. Daniel Cohn-Bendit reiste während der WM 2014 durch Brasilien um herauszufinden, wie viel vom Vermächtnis Sòcrates‘ noch erhalten ist – das Ergebnis: eine 90-minütige Dokumentation (arte Mediathek). In Sachen Sócrates ist dieses Interview von Alois Gstöttner aus dem Jahr 2009 auch immer eine Empfehlung wert.

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Die Eindrücke eines italienischen Journalisten vom Revierderby in der Bundesliga (altravita.com).

Field Reporter

Bei den Bayern musst du aufpassen, wenn du in die Zweikämpfe gehst.

Unkt Thomas Eichin und wirft den Schiedsrichtern zweierlei Maß vor (Weserkurier).

Mixed Zone
Michael Preetz: macht sich keine Sorgen um Tolga Cigerci (kicker)  + + + Der Eismann ist da: Die Geschichte der Konsolidierung des englischen Viertligisten Wycombe Wanderers (Cavanis Friseur) + + + Realsatire: Aktives Abseits fasst die Geissbock-Begebenheiten der letzten Tage zusammen + + + Träne im Knopfloch: Nach der Entlassung von Unions Torwarttrainer Bahra (textilvergehen) + + + Polemik: Für die tägliche Portion Übertreibung muss man nur dem Präsidenten eines italienischen Fußballklubs lauschen – heute: Paulo Dybala, der 40 Mio. € Rohdiamant (spox)

#Link11: Depressing Reality

Da müht man sich redlich, elf Links zu elf Themen zu versammeln, jedem einzelnen Text den ihm gebührenden Platz einzuräumen. Und dann dopen die einen und die anderen stürmen(!) vermummt(!!) mindestens(!!!) bis zur Eingangstür des Leipziger Teamhotels. Ein dritter reißt den Bock an den Hörnern, dem dafür ein ABC-Pflaster genügen soll. Wieder nichts mit den elf Links in elf Punkten. Vielleicht morgen. Lesen Sie es trotzdem.

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1. Die Bundesliga, so findet Raphael Honigstein im Guardian, hat ihren Humor verloren. Fußball sei in Deutschland zu einer über alle Maßen wichtig genommenen Angelegenheit geworden. Dieser Sichtweise entsprechend ordnet er die Geschehnisse der letzten Woche ein, die Ereignisse um Marcel Reif, den Hannoverschen Graben zwischen Verein und Fans, die Warnschüsse in Stuttgart. Er endet mit einem Appell: »Football is supposed to be pleasure, a diversion from depressing reality – not a re-enactment of all its ills.«

2. Das Thema des Tages, welches bei weitem die meisten Artikel hervorgebracht hat: Doping. Die ZEIT veröffentlicht aus aktuellem Anlass ein Interview Daniel Dreppers mit einem Amateurfußballer aus dem Jahr 2012. Erster Satz: »Von Doping im Fußball in allen Klassen bin ich absolut überzeugt«. Fred Kowasch (Interpol.tv) dankt Andreas Singer von der Evaluierungskommission und verweist auf weitere, tagesaktuelle Erkenntnisse aus den Akten. Den aktuellen Stand fasst fussballdoping.de zusammen. Die SZ hat eine Zitatesammlung zum Thema publiziert.

3. Hinter dem Namen »Simone Meloni« steckt keine Pornodarstellerin, sondern ein italienischer Journalist. Altravita.com hat dessen Bericht vom Spiel Borussia Dortmund – Schalke 04 übersetzt. Den Worten des Bloggers ist nichts hinzuzufügen: Der Text bietet einen »Einblick, wie Italiener deutsche Kurven sehen, wie sie deutsche Stadien empfinden oder wie sie das Auftreten der deutschen Polizei bewerten. Ein sehr interessanter Beitrag zum Verständnis der Kulturen«.

4. Was bedeuten charakterliche Ecken und Kanten für den Job als Fußballprofi und warum werden sie seltener? Das Not-My-FCSBlog widmet sich der Frage: »Braucht der Fußball Typen?« und schlägt einen Bogen von Wolfram Wuttke zu Marco Reus.

5. Der VFC Plauen ist der SV Wilhelmshaven des Ostens. Was für die einen das Wattenmeer, ist für die anderen die tschechische Grenze. Was den einen die FIFA, ist den anderen der NOFV. Plauen meldete Insolvenz an, ist aber der Ansicht, dass der damit verbundene Zwangsabstieg nicht statthaft sei. Der Verein argumentiert damit, dass laut geltendem Insolvenzrecht die Insolvenz alleine kein Grund für eine Bestrafung sein dürfe und der Zwangsabstieg mit den Mindereinnahmen in niedrigeren Ligen ein Hindernis für eine erfolgreiche Sanierung darstelle. Fabian Scheler (ZEIT) hat sich der Sache angenommen.

6. Die Rasenfunk-Schlusskonferenz wartet diesmal mit den beiden großen Marcel-Reif-Apologeten des deutschen Sportjournalismus auf: Peter Ahrens und Oliver Fritsch befassen sich unter Moderation von Max-Jacob Ost dennoch überwiegend mit dem 24. Spieltag der Fußball-Bundesliga.

7. Julian Green hat wohl das Zeug dazu, ein großer Fußballspieler zu werden. Auf der Suche nach Spielpraxis ließ er sich an den Hamburg SV verleihen, der ihm diese aber derzeit nur in der Regionalliga zugestehen will. Cathrin Gilbert (ZEIT) über einen Jungstar in der Warteschleife.

8. 8by8 veröffentlicht ein Wayne-Rooney-Porträt von Jonathan Wilson. Der Text zeichnet einige Momente in Rooneys Karriere nach – auf und neben dem Platz – und bringt dabei großartige Szenen am Ball, Anekdoten aus dem Privatleben und enttäuschte Erwartung im Vergleich mit seinem langjährigen Mitspieler Cristiano Ronaldo unter einen Hut.

9.

Naja, der Hennes ist ja einiges gewohnt. Aber ich glaube, der hat ein bisschen Nackenschmerzen. Im Zoo werden wir ihm den Nacken wieder einrenken lassen,und dann kriegt er noch ein ABC-Pflaster obendrauf und dann geht datt wieder.

– so Jörg Schmadtke über Anthony Ujahs Torjubel mit Geißbock (Stehplatzhelden). PETA zeigen dem Effzeh für seinen laxen Umgang mit den Bedürfnissen des sichtlich begeisterten Tiers die Rote Karte.

10. Einem außergewöhnlichen Modus unterwerfen sich die Frauen-Nationalmannschaften beim järlichen Algarve-Cup: Das Turnier wird in drei Gruppen ausgespielt, an die sich das Finale direkt anschließt – für den Gruppensieger mit den wenigsten Punkten bleibt nur das Spiel um Platz 3. Dabei ist dieser Modus bereits eine deutliche Vereinfachung gegenüber den vorigen Jahren: Bis 2014 waren unter den drei Gruppen zwei stark und eine schwach besetzt, wobei der Sieger der schwachen Gruppe immerhin direkt für das Spiel um Platz 7 qualifiziert war. Bei der diesjährigen Austragung jedenfalls schlug Deutschland im letzten Gruppenspiel Brasilien mit 3:1 und ist damit punktbester Gruppenzweiter, punktgleich mit dem punktschlechtesten Gruppensieger und trifft daher morgen zum zweiten Mal binnen acht Tagen auf Schweden. (FAZ)

11 – Elf! Randbemerkungen weiß der Rotebrauseblogger seinem Zweitliga-Spielbericht aus Karlsruhe anzufügen. Randthemen u.a.: die Grässlichkeit des Badnerlieds und die Möglichkeit subtiler Rangnick-Kritik. Eine zwölfte (und auch dreizehnte) Randbemerkung ist beim Stadioncheck zu finden.

Meist geklickter Link gestern
Mutti, der Libero – »9 untrügliche Anzeichen für Doping im Fußball«

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Die Collinas-Erben-Spieltagskolumne bei n-tv.de über gefährliches Spiel, eine Notbremse in der Ferne und Hamburger Jungs.

Field Reporter

Ich habe noch nie ein Gesprächsangebot abgelehnt, aber auch noch keins bekommen.

Der Claus Weselsky der deutschen Polizei, Rainer Wendt, im Interview mit Fanzeit.de

Mixed Zone
Schalke: Was früher unter dem Namen »Salihamidzic« bekannt war, nennt der Königblog heute »Utility Player« + + + Dortmund: WDR SportInside erinnert an die Rettung der Borussia vor 10 Jahren + + + Dortmund: Der BVB garniert seine Initiative »Kein Bier für Rassisten« mit Argumentationshilfen gegen Stammtischparolen + + + Hamm(Westf): »150 BVB-Fans stiegen aus dem Zug, kletterten ins Gleisbett und bewarfen die Jugendlichen mit Steinen« (Fanzeit) + + + Hamm(Westf): Zwischen Clemens Tönnies und seinem Neffen geht’s um die Wurst (Wirtschaftswoche) + + + Afrika: Wann wird ein afrikanisches Nationalteam zu den besten der Welt zählen? (In Bed With Maradona) + + + Oviedo: The Old Number Ten mit einer Schwärmerei über Robert Prosinecki + + + Freiburg: SC-Fans protestieren und fordern zum Protest auf: mit Spruchbändern gegen die WM in Katar (Facebook) + + + Bremen: Ultra-Theater »Wir gegen die Anderen« (Fanzeit) + + + Hamburg: Baldrinho kotzt sich zum HSV und den Erwartungshaltungen im Umfeld aus + + + Berlin: Neues von einem der deutschen Hooligans, die 1998 Daniel Nivel verprügelten (BZ) + + + Karlsruhe: KSC-Torwart Rene Vollath pfeift nebenbei im Amateurfußball (11Freunde) + + + Brasilia: Das WM-Stadion dient inzwischen als Busparkplatz, die integrierten Räume als Büros (Stadionwelt) + + + Köln: Deyverson polarisiert auf Anhieb (kicker) + + + Liverpool: The Swiss Ramble analysiert die Finanzlage in der Stadt der Pilzköpfe + + + Frankfurt: Für die WM 2022 schlägt Heribert Bruchhagen einen parallel ausgetragenen nationalen Vereinspokal vor (FR) + + + Berlin: Einige Zahlen zu Herthas Kalkulationen für die Lizenzen in Liga 1 und 2 ohne Hauptsponsor (Morgenpost) + + + Budapest: Thomas Doll im Interview mit Spox.com + + + München: Der 1860-Investor will einen Cousin installieren (SZ) + + + Bochum: Die Faninitiative lädt Kinder der früheren Opel-Belegschaft zur Auswärtsfahrt ein + + + Augsburg: Der Bericht von SportInside verortet den FCA »über dem Limit« + + +

#Link11: Ausrasten am Montag

Dieser Montag tut, was Montage eben so tun: Er lässt die Emotionen hochkochen (wenn auch nur rückblickend), während der Produktivitätslevel mit „mittel“ bis „geht so“ gut beschrieben ist. Das Wochenende hatte nur wenig guten Fußball zu bieten – dafür aber die gesamte Farbpalette emotionaler Ausraster und Entgleisungen. Tobende (und beißende) Mobs in Stuttgart und Birmingham, das bittere Zerwürfnis von Hannover, bedrohliche Tweets bei 1860, Philipp Kösters gute alte Rowdy-Tage vor den 11 Freunden und Heiko Westermann, der erst die BVB-Offensive nieder rang und dann beherzt zum Mikrofon griff, um Tiraden im Stile eines Profiwrestlers hinein zu pöbeln. Was das alles mit Philipp Lahms Bartwuchs zu tun hat, erfahrt ihr weiter unten.

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1. Schalke hat sich von der Schmach im Revierderby rehabilitiert – und dabei sogar guten Fußball gespielt, ohne an Stabilität einzubüßen (Spielverlagerung). Oliver Müller und Torsten Wieland machten in der Aufstellung von Max Meyer den entscheidenden Faktor für den Sieg gegen Hoffenheim aus (Welt, bzw. Königsblog). Kevin-Prince Boateng könnte dagegen nun seinen Stammplatz an Meyer verlieren (Der Westen).

2. Der FC Bayern gewann trotz einer schwächeren Leistung (Süddeutsche) und mit Hilfe des Schiedsrichters (Collinas Erben) das Spiel in Hannover. Dante wird es egal sein: Er droht in München zum Problemfall zu werden (FAZ). Rene Maric merkt trotzdem an, dass seine frühe Auswechslung auch gruppentaktische Gründe hatte (Spielverlagerung). In Hannover ist das Spielgeschehen derzeit nur Nebensache. Die Liebe zwischen Verein und Fans ist nach dem unbeholfenen offenen Brief der Clubführung auf ca. 0 Kelvin abgekühlt (Faszination Fankurve). Jan C. Rode erklärt den langsamen Verfall der Hannoveraner Fankultur lesenswert an einer Reihe persönlicher Meilensteine (Brief an Kind).

3. Der BVB konnte seine Aufholjagd in Hamburg erst einmal nicht fortsetzen. Die Zuversicht der Dortmunder scheint dennoch eine ganz andere, als noch vor wenigen Wochen zu sein. Auch weil Ilkay Gündogan dem Spiel wieder seinen vielzitierten Stempel aufdrückt (Goal). In Hamburg zerrt derweil der Abstiegskampf an den Nerven. Heiko Westermann lässt in Uli Hoeneß Manier Dampf ab und rückt der Fußballwelt mal so richtig den Kopf zurecht (Welt). Dass Sportjournalisten es selbstverständlich viel schwerer als alle anderen Menschen auf der Welt haben, stellt daraufhin Christoph Kneer klar (Süddeutsche). Ob Rafael van der Vaart indes von den im Spiel davongetragenen Blessuren genesen wird, ist noch völlig unklar.

4. Auch in Stuttgart rückte das magere 0:0 gegen Hertha in den Hintergrund, nachdem es zwischen randalierenden VfB Fans und der Polizei beinahe zum Äußersten gekommen wäre (Welt). Die Vorkommnisse passen zum Bild eines chaotischen Fußballclubs. Peter Ahrens versucht, den sportlichen Verfall des ehemaligen Champions League Teilnehmers in Worte zu fassen (Spiegel). Vertikalpass findet in Neuzugang Serey Dié zumindest einen kleinen Anlass zur Hoffnung.

5. Wer „Verfall“ sagt, muss auch „1860“ sagen. Die dortigen Machtkämpfe sind um einige neue Episoden reicher, seit Noor Basha, „Statthalter“ des jordanischen Club-Investors Hasan Ismaik, mit aggressiven Methoden seine Stellenbeschreibung zu korrigieren versucht und die Clubführung mit kryptischen Hashtags bedroht (Süddeutsche).

6. Wachablösung in Spanien: Barca hat die Tabellenführung durch eine Gala von Suarez und Messi erobert, nachdem Real Madrid erneut patzte. Die Krise seines Vereins hat nun sogar den bisher beständigen Toni Kroos erreicht (Welt).

7. Das Pokalspiel Aston Villa gegen West Bromwich endete mit einem Eklat. Villas Fans stürmten nach dem Sieg ihrer Mannschaft das Spielfeld, jagten Gästespieler…und bissen den eigenen (!) Kapitän Fabian Delph (Welt).

8. Doping im Fußball bringt nichts. Und selbst wenn – Spieler wissen ohnehin nicht, was sie so alles gespritzt bekommen. So der Tenor beinahe jedes Bundesligatrainers und -funktionärs in der vergangenen Woche (Sport1). Dass beides freilich großer Unsinn ist, erklärte Dopingexperte Perikles Simon Kathrin Müller-Hohenstein im ZDF. VfB-Vereinsarzt Alois Hornung wurde in einem Interview mit der Sportschau sogar noch deutlicher – und beschuldigt auch den FC Bayern, sowie 1860 München, den FC Nürnberg oder den KSC. „Alle“ seien sie „doch zum Klümper gerannt“. Dass die Dopinggeschichte der Uni-Klinik Freiburg bereits vor der Ära Klümper begann, belegt ein Artikel der Badischen Zeitung von 2009. Manuel Krons-Drewello ist derweil einen Schritt weiter, als alle Vorgenannten und nennt 9 untrügliche Anzeichen für Doping im Fußball (Mutti, der Libero).

9. Langweilig an der Spitze – dicht gedrängt ab Platz 6. Wie entsteht dieses Tabellenbild? Raphael Honigstein sucht und findet Erklärungsansätze – vom Etat der Bayern, über auf falschen Erwartungen basierenden Transfers der „Urgesteine“, bis zur Anzahl der Clubs (ESPN).

10. „11 Freunde“-Chefredakteur Philipp Köster und sein Magazin sind aus der hiesigen Sporjournalismuslandschaft nicht wegzudenken. Im einem sehr unterhaltsamen Gespräch mit Jan Göbel erinnert er sich an die Anfänge des einzigen deutschen „Magazins für Fußballkultur“, Finanzspritzen von Omi, gefälschte Leserbriefe und erklärt, warum es nicht hinderlich ist, wenn Sportjournalisten gleichzeitig Fans sind (VOCER).

11. Überlebte Todesmärche, Nazi-Arbeitslager und der tragische Flugzeugabsturz von Superga, der die gesamte Torino-Mannschaft von 1949 das Leben kostete. Die Geschichte des jüdischen Erfolgstrainers Ernő Egri Erbstein ist eine Geschichte vom Fußball in Zeiten des Weltkrieges und (eigentlich) der Stoff, aus dem Kinofilme gedreht werden. Dennoch geriet sie über die Jahrzehnte fast komplett in Vergessenheit. Dominic Bliss hält sie nun in einem Buch fest (CNN).

Meist geklickter Link am Freitag

Die 11 Freunde mit ihrem Plädoyer für (noch) mehr Treten und Pöbeln.

Field Reporter

„Die Liste mit Vorfällen und Straftaten in Zusammenhang mit den ‚Boyz‘ ist zwei Din-A4-Seiten lang.“

Effzeh Präsident Werner Spinner verteidigt den Ausschluss des Ultra-Clubs (Kölner Stadt-Anzeiger).

Mixed Zone
Hamburg: Der FC St. Pauli steckt in Nöten (Blog trifft Ball) + + + Auf Druck der FIFA: Der Iran denkt über weibliche Stadionbesucher nach (Spiegel) + + + Maskottchen: Wer hat den Ältesten? (Trainer Baade) + + + Frankfurt: Jede Zelle in Heribert Bruchhagens Körper ist glücklich (FAZ) + + + MLS: Wird der US-Fußball je konkurrenzfähig sein? (11 Freunde) + + + Marseille: Steve Mandanda ist zu lässig für deine Aggressionen (Who ate all the pies) + + + London: Chelseas Matic verletzt sich beim Jubeln und fällt nun aus (11 Freunde) + + + Berlin: Textilvergehen zum Torhüterwechsel bei Union + + + Leipzig: Sturmtalent Yussuf Poulsen und der Fluch des guten Spiels (Der Rotebrauseblogger) + + + Bundesliga: Die Stehplatzhelden ziehen 5 Lehren aus dem 24. Spieltag + + + Liverpool: Sehr lesenswerte Tiefenanalyse der neuen Stärke des FC Liverpool (The Swiss Ramble) + + + Wolfsburg: Der VfL kann noch verlieren (Wolfs-Blog) + + + Frankfurt: Die SGE kassiert 4 Tore ausgerechnet vom Effzeh. Blog-G verabschiedet sich von den Europa-Träumen, Eintrachtinside moniert mangelnden Biss & kritisert Trainer Schaaf + + + 8. Vorhölle: Die 11 Freunde quälen euch mit der verstörendsten Bildergalerie aller Zeiten

#Link11: Immer auf dem Teppich geblieben

… doch mein Teppich, der kann fliegen. Ist das so, muss das so sein? Kann es einen Spitzenfußball ohne Doping, ohne Worthülsen, ohne Randale überhaupt geben oder ist er Teil der Ideenwelt? Ist die Macht über die Fußballzuschauer nur zum Preis der Entfremdung von ihnen zu haben? Is this the world we created? Das Ende (der Woche, des Fußballs, der Welt) ist nah, die elf akopalüzischen Links sollen den Leser an die Hand nehmen. Sie winken ihm zu und grinsen.

blogundpresseschau

1. Bei Borussia Dortmund schrillen die Alarmglocken, wenn gegnerische Spieler mit Gedanken, Worten und Werken offensichtlich näher am Prototyp des unverfälschten Arbeiterfußballs sind als es dem Marketing und der medizinischen Abteilung recht sein kann – so geschehen im Fall Erdmann vs. Susi. Benjamin Kuhlhoff (11Freunde) widmet vordergründig der fast vergessenen Freude über eine wahrhaftige Auskunft nach dem Spiel einen Artikel, schlägt dem Profifußball dabei aber auch vor, den Boden der Tatsachen nicht unter den Füßen zu verlieren.

2. An der letzten rhetorische Figur hätte auch Gerhard Delling seine Freude. Weniger Freude hatte Heinz Kamke am Auftritt des Dellingpartnernachfolgers Mehmet Scholl in der dienstäglichen Sportschau. In Form eines offenen vermeintlichen Briefes wendet er sich an den ARD-Experten und zeichnet zunächst den Verlauf der Beziehung von Adressat und Adressant nach, um schließlich, dem Artikel unter dem vorigen Punkt nicht unähnlich, den Gedanken zu äußern, der von Herrn Scholl vertretene Fußball könnte vom »hohen Ross herabsteigen«.

3. Fachliche Unterstützung für Kamkes Verärgerung findet sich in der Süddeutschen Zeitung von Biologie-Professor Werner Franke:

Es wäre für Dutt, Scholl oder Klopp nicht schlecht, wenn sie Grundlagen der Biologie und Medizin kennen würden. Das müsste allen Sportlern beigebracht werden. Das ist fehlende Bildung. Die Äußerungen zeigen auch: Die wollen ihr System schützen.

4. In die gleiche Kerbe, mit einem Fokus auf Mittelchen und Wirkungen, schlägt Anna Dreher in der ZEIT: Dass Doping im Fußball nichts bringe, sei »Unfug«. Perikles Simon, Mitglied der Freiburger Kommission, äußert sich bei Stuttgarter-Nachrichten.de zum Umgang mit Doping im Fußball und sorgt sich um den denkbaren schädlichen Einfluss von Beratern auf ihre Schützlinge. »Der Spieler kann nicht immer wissen, was gespritzt wird«, meint Philipp Lahm (Sport1). Auch Martin Hoffmann (Sport1) dementiert. Ausführliche Informationen zum Thema bietet das Rasenfunk-Tribünengespräch mit Jonathan Sachse.

5. Beim DFB befasst man sich dieser Tage auch mit anderen Themen: Der Ausrüstervertrag des Nationalteams läuft 2018 aus und die Verhandlungen für die Folgeperiode laufen an. Lars Gartenschläger (WELT) blickt zurück auf die letzten Verhandlungen und markige Worte Karl-Heinz Rummenigges.

6. In Hannover herrscht »Stimmungskrise«. Carsten Eberts (SZ) legt den Status Quo dar. Ein offener Brief der Klubführung von Hannover 96 an seine Fans und Freunde sorgte gestern für zahlreiche Reaktionen. Klaas Reese versuchte, zwischen den Zeilen zu lesen und zu schreiben. Grenzenlos Sankt Pauli veröffentlichte umgehend einen offenen Brief an die Spieler der Braun-Weißen. Die Roten Mädels schließen sich dem »Wir haben verstanden« an. Bei turus.net bespricht Marco Bertram die grotesken Passagen des Schriftstücks. Auch die Lokalpolitik bleibt nicht untätig. Matthias Waldraff, Oberbürgermeisterkandidat der CDU, schlug folgendes vor (Hannoversche Allgemeine):

Spielmannszüge von Schützenvereinen und Kapellen hannoverscher Feuerwehren sollen künftig während der Bundesliga-Spiele von Hannover 96 auf den Tribünen für Atmosphäre sorgen. »Meine Idee ist, eine Gegenkultur zu den Ultras aufzubauen, die glauben, ihr größtes Kapital wäre es, im Stadion allein für Stimmung sorgen zu können.«

7. In der Bundesliga steht heute Abend das Kellerduell zwischen dem VfB Stuttgart und Hertha BSC an. Im Falle einer Niederlage sieht Goldmann Sax die Schwaben vor dem »endgültigen Abstieg aus der Bundesliga«. Frühere Schicksalsspiele der Schwaben hat der Vertikalpass zusammengefasst.

8. Beim Prozess von Uli Hoeneß vor der Münchner Landgericht bleibt weiter ein gewisses Gschmäckle. Es scheint für Journalisten bislang nicht möglich zu sein, im üblichen Umfang Einsicht in das Urteil zu nehmen (ZAPP).

9.

„Ich bin hier der Bestimmer“, sagt Helge Leonhardt, der Ältere, als er die Stufen zum Trainingsplatz hinuntersteigt. „Ich sehe so aus wie Putin, sagen viele Leute, und ich weiß, was ich will. Ich weiß, was ich will.“ Er hat die Angewohnheit, Dinge doppelt zu sagen, die er besonders wichtig findet.

Anna Hähnig (ZEIT) mit einer Reportage aus der skurrilen Umgebung des FC Erzgebirge Aue, des »Schalke des Ostens«.

10. Der Hamburger SV gibt Geld aus, als qualifiziere er sich regelmäßig für das internationale Geschäft. Welche Konsequenzen es für seine Finanzsituation hat, dass dem nicht so ist, untersucht Sebastian Ragoss für Sportschau.de. Ein potenzieller Geldsegen könnte durch ein neu ausgehandeltes Abkommen bei den Fernsehrechten zu Stande kommen. Das Sportmedienblog geht verschiedene Ansätze zur Steigerung der Einnahmen durch.

11. Fussball-Gegen-Nazis.de bietet eine Einführung, ein Interview und weiterführende Links zum Reizthema »Struktureller Antisemitismus im Fußball«.

Meist geklickter Link gestern
Erster Alles Forever – Die Glocken von Georg Melches.

Field Reporter

Gewalt war nicht so mein Ding. Meine Jungs und ich waren eher auf »Michel aus Lönneberga«-Niveau: Ab und an mal Scheiße bauen, aber am Ende des Tages doch diejenigen sein, die den Omas die Einkäufe nach Hause tragen.

Thomas Zampach im Interview mit 11Freunde.

Mixed Zone
Madrid: Cristiano Ronaldo lässt seiner Wachsfigur regelmäßig die Haare kämmen (Sport1) + + + Düsseldorf: Im Magazin der Polizei NRW findet sich ein Bericht über das Konzept »Intensivtäter Gewalt und Sport« (PDF) + + + Moskau: Die Krim soll eine eigene Liga ausspielen (Handelsblatt/sid) + + + Bundesliga: Neuer Rasen für Schwarzwald-Stadion (kicker), Olympiastadion Berlin (twitter) und Veltins Arena (twitter) + + + Paris:
Es gibt Belege dafür, dass man sich beim Ligue-2-Spiel zwischen Caen und Nimes schon vor dem Spiel über das Ergebnis einig war. Diesen und weitere Fälle fasst die SZ zusammen + + + Halle: Nach Drohungen im Internet hat die SG Motor Halle ein in Kooperation mit dem nächstgelegenen Zweitligisten geplantes Trainingscamp für Kinder abgesagt (Spox) + + + Freiburg: Christian Streich beschimpft das Hoffenheimer Trainerteam als »Schweine«. Für einige Leser der Badischen Zeitung ist der Fall klar: Peter Gagelmann hat ihn dazu gebracht + + + Leipzig würde nach Rangnicks Einschätzung in der Bundesliga mehr Auswärtsfans als 16 aktuelle Bundesligisten mitbringen (ran) + + + London: »Get your tits out for the lads« sang man in Manchester angesichts der Chelsea-Mannschaftsärztin. Eine vom Sportministerium unterstützte Kampagne gegen Sexismus im Fußball setzt hier an (Guardian) + + + Bochum: Gertjaan Verbeek erregt in der PK Aufsehen (westline) + + + Brügge sehen und sterben (Zum Runden Leder) + + + Bielefeld: Auch das Arminia-Fanzine »11Freunde« ist bei der Berichterstattung offensichtlich auf dem Teppich geblieben:

So jubeln nur Fußballfans, die jahrelang Nackenschläge verpasst bekommen haben, die trotzdem zum nächsten und zum übernächsten Spiel kamen, die vielleicht nicht an die Sensation glauben, aber hoffen. Die sich vom Fußball, der kunterbunten Wundertüte, noch verzaubern lassen können.

#Link11: Call It Paranoia

Ich wundere mich, dass Selbstverständlichkeiten in manchen Diskussionen keine Rolle spielen. Niemand sollte ohne danach zu verlangen von anderen bespuckt oder mit Bierbechern beworfen werden. Schon weil so mancher Plastikbecher zu saftigen Platzwunden geführt hat.

Außerdem finde ich es schon befremdlich, wenn sich Fernsehreporter und Fußballtrainer ausgiebig über holprige Fußballsplätze echauffieren. Wer nicht auf einem Acker gegen einen Dritt- oder Viertligisten spielen will oder solch ein Spiel nicht sehen will, der soll es lassen oder den klammen Clubs den neuen Rasen finanzieren.

Und: wir können alles gern diskutieren, aber Hass noch keinem wirklich geholfen.

blogundpresseschau

1. Gestern haben sich im DFB-Pokal die Favoriten durchgesetzt: Bayern, Gladbach, Wolfsburg und Bielefeld. Christoph  Ruf (Spiegel) beobachtete in Leipzig wie die Wolfsburg das Pressing der Gastherren gekonnt ins Leere laufen ließen. Aus Sicht von Saskia Aleythe (SZ) waren deshalb alle zufrieden beim VfL – außer Bas Dost. Der schmollte.

Christian Spiller (Zeit) genoss die Atmosphäre beim ersten ausverkauften Spiel der Rasenballsportler und beobachtete vorher in der Bahn die anreisenden Fans:

»In der Straßenbahn zum Stadion bekannte Bilder: Fans, alt und jung, groß und klein. Viele mit RB-Schals, RB-Mützen, RB-Trikots. Die Männer sehen aus wie Wolfgang Stumph, die Frauen wie Simone Thomalla. Vielleicht sind hier ein wenig mehr Paare als gewöhnlich unterwegs, mehr Kinder, mehr Funktionsjacken.«

2. In Bielefeld kamen die Bremer mit dem Rasen nicht zurecht. (FAZ) Nach dem Spiel griffen Bremer Fans einen Zugbegleiter an. (RP)

3. In München mussten die Bayern die Braunschweiger doppelt so oft foulen wie die Kölner beim letzten Bundesligaspiel. Ob Ribérys Nachtreten zu ahnden war oder nicht bleibt umstritten. Es passte aber zum ungewöhnlichen Auftritt des FCB, der sich sogar kurz vor Schluss zu einer Rudelbildung hinreißen ließ. Torsten Lieberknecht ärgerte sich auch deshalb über den Schiedsrichter. (Spiegel) Matthias Schmid (SZ) nutzt das schöne Freistoßtor von Alaba, um ihn in eine Liga mit Beckham und Ronaldo zu erheben.

4. Offenbach bot der Gladbacher Borussia auf holprigem Geläuf einen ordentlichen Pokalfight. Der Erstligist war aber gut vorbereitet auf den traditionellen Fußballplatz und verzichtete weitesgehend auf das sonst so beliebte Kurzpasspiel wie Stefan Klüttermann (RP) berichtet.

5. Erneut gibt es schwere Vorwürfe gegen die FIFA. Christoph Becker (FAZ) berichtet, dass es im europäischen Parlament mit Sorge betrachtet, dass die sich stetig verschlechternde Menschenrechtslage in Russland ignoriert wird.

Field Reporter

»Ich spreche über dieses Thema vollkommen emotionslos und mache niemandem einen Vorwurf, weil ich mir Situationen vorstellen kann, in denen Menschen schwach werden und zu Doping greifen. Das passiert überall in unserer Gesellschaft, nicht nur im Sport. Wenn ein Mensch zehn Stunden Höchstleistungen abliefern muss, greift er womöglich zu Aufputschmitteln. Nichts anderes ist es im Fußball. Wir sollten zu dieser Dopingvergangenheit stehen und fertig. Heute sind wir dopingfrei, das können wir sagen.« Paul Breitner

 

6. Paul Breitner sprach im Interview mit Mathias Müller (tz) über Doping im Fußball früher und heute. Der ehemalige Arzt des VfB Stuttgart, Winfried Laschner, berichtet derweil, dass einige Profis des VfB lieber nach Freiburg fuhren, als sich von ihm behandeln zu lassen. (StZ) Ex-VfB-Physiotherapeut François Caneri schließt Doping bei seinem ehemaligen Arbeitgeber aus. (11 Freunde) Der VfB bittet derweil vergeblich um Akteneinsicht. (kicker)

Viele Experten schließen den Gebrauch von Anabolika zu therapeutischen Zwecken im Fußball nicht aus. (FR) Empfehlenswert in diesem Zusammenhang ist auch das Radiofeature des NDR aus dem Jahr 2010 zum Thema Doping im Fußball.

Lisa Sonnabend (SZ) erinnert an den ehemaligen Spitzensportarzt Armin Klümper. Im Interview mit dem ZDF erläutert Dr. Andreas Singler, warum er die Ergebnisse der Freiburger Kommision veröffentlicht hat und wieso er von einer »sehr problematischen pharmakologischen Kultur im Profifußball« spricht. Thomas Hummel (SZ) kommentiert die merkwürdigen Aussagen zum Doping von Dutt, Scholl, Klopp und Co.

Doping-Experte Perikles Simon fordert im Gespräch mit Christian Hönicke (Tagesspiegel) den Fußball dazu auf, sich helfen zu lassen.

7. »Call it Paranoia. Aber der Jugendfußball hat mir jegliche Gutgläubigkeit ausgetrieben.« Im Blog Erster alles forever schreibt ein Vater über die Erfahrungen im Jugendfußball. Dieses Mal dreht sich alles um Ömer, Dennis und Rot-Weiß Essen und die merkwürdigen Erlebnisse rund um ein Jugendfußballspiel: Die Glocken von Georg Melches.

8. Marcel Reif fühlt sich nach zwei sehr unschönen Vorfällen in Dortmund und Dresden bedroht. Im Interview mit Tagesspiegel und Welt und bei seinem Auftritt im Sportschau Club ärgert er sich über den Hass, der ihm entgegenschlägt, und gibt auch Jürgen Klopp eine Mitschuld an der Eskalation. Peter Ahrens (Spiegel) ergreift in seinem Kommentar Partei für seinen Kollegen und meint, dass kein Journalist zum Freiwild werden darf.

9. Gestern jährte sich das letzte Bundesligaspiel von Lothar Matthäus zum 15.Mal. Johannes Mittermeier (11 Freunde) erinnert an den letzten großen Auftritt vom »Raumausstatter, Raumdeuter, wahrscheinlich Raumfahrer« in Stuttgart.

10. »The Rise And Fall Of The Intercontinental Cup« – These Football Times blickt zurück.

11. Der Fangesang des Tages:

 

Meist geklickter Link gestern
Die Statistikanalyse von Saturdays on the Couch zum Schuss- & Abwehrverhalten der europäischen Topligen.

Bandenwerbung
In dubio pro arbitro – Die 67. Episode von Collinas Erben steht zum Download bereit.

Mixed Zone
Scouting: Wer nur mit Kopfhörern durch das Hotel läuft, hat bei Hoffenheims Scout Lutz Pfannenstiel keine guten Karten. (CNN) + + + Spitfight: Evans und Cisse erwarten Sperren. (spox) + + + Vergast: Weil in Hamburg Fußballfelder gesperrt werden mussten, dürfen Maulwürfe mit Ausnahmeregelung umgebracht werden. (SHZ) Ich meine! + + + Teuer: Das Fußballmuseum in Dortmund wird den höchsten Eintrittspreis der Stadt verlangen. (RN) + + + Gesuch: Gehörlose Futsal-Frauen bitten um Unterstützung für WM-Teilnahme in Bangkok (DGS auf twitter) + + + Phantomwahl: Wie Schalke vor knapp 40 Jahren das ganze Stadion über den Kauf eines brasilianischen Fußballers abstimmen ließ. (WDR sportinside) + + + Urteil: Ein Schalke-Fan muss wegen des Abbrennens von Bengalos im Stadion ins Gefängnis. (spox) + + + Gedenkstättenfahrt: Die BVB-Fanabteilung fährt im Juli nach Auschwitz. + + + Unabhängigkeit: Wie eine Fußballmannschaft in Indien zum Symbol wurde (These Football Times). + + + Fehlstart: Deutschland unterliegt Schweden beim Algarve Cup. (Womensoccer) + + + Trauer: Hertha trauert um ihren ersten Bundesliga-Torschützen (spox) + + + WM 2018: Kluivert soll Curacao zur WM in Russland führen. (NZZ) + + + Finale: Barcelona steht mit ter Stegen im Endspiel um die Copa del Rey. (NZZ) + + + Fanausweis: In Dänemark sorgt die Einführung eines Registrierungszwangs für Fußballfans für Diskussionen. (taz)

#Link11: Dope vs harte Realitäten

Die #Link11 zum Mittwoch ist straße. Mit anderen Worten: Es geht um Erlösquellen, um professionelles Dope-Verticken, es wird scharf geschossen, zu viel getrunken & Tacheles gesprochen. Nein, im Ernst. Es gibt bei uns heute den Versuch, euch einen Überblick zur Dopingsache Klümper zu verschaffen, katarische Allmachtsfantasien, den DFB-Pokal und den Start des US-Ligabetriebs – garniert mit ein paar Wahrheiten der Kategorie „…und was ich dann sah, verschlug mir den Atem“. Bereit? Pepe ist kein unfairer Spieler, Premier League Stürmer treffen das Tor nicht und die TSG Hoffenheim hat (womöglich) Hooligans. Was? Ja, genau. Aber lest es am Besten selbst.

blogundpresseschau

1. Die Pokalpaarung Dynamo gegen den BVB ist ein Duell mit unrühmlicher Vergangenheit. Fabian Scheler spricht mit „Unsere Kurve“-Sprecher und Dynamo Fan Robert Pohl über die Dresdner Fankultur, Pegida und ein tiefsitzendes Gefühl der Benachteiligung (Zeit). Das Spiel gewann der BVB zwar – hatte aber schwer mit Gegner und Platz zu kämpfen (Spiegel). Erneut mit aggressiven Fans zu kämpfen hatte dagegen Marcel Reif.

2. Das Hauptthema dieser Woche bleibt der Dopingverdacht rund um den Freiburger Sportmediziner Klümper (Fußballdoping). Ich könnte jetzt hier zwei Dutzend lesenswerte Texte besprechen, doch das wäre wohl zu viel des Schlechten. Hier eine Auswahl der interessantesten: Thomas Kistner wertet die Art, auf die dieses Dauerthema gerade jetzt wieder auf der Bildfläche erscheint, als Ergebnis von Unstimmigkeiten innerhalb der Evaluationskommission um Andreas Singler (Süddeutsche). Stefan Hupka spricht gar von einer Schlammschlacht (Badische Zeitung). Andere merken an, dass der deutsche Fußball schon seit Jahrzehnten (Spiegel von 1987) unter akutem Dopingverdacht steht. Eigentlich. Peter Ahrens etwa erinnert an die WM 1966 und Anabolika als offenes Geheimnis (Spiegel). Oliver Fritsch beklagt die Tabuisierung und eine Kultur des Dopings (Zeit). Antje Dresen erklärt Daniel Drepper, warum Fußballdoping heute mehr Sinn denn je macht – und warum sich große Medienhäuser bei der Berichterstattung in einem Interessenkonflikt befinden (Fußballdoping).

3. Doping ist nicht das einzige Problem, das der deutsche Fußball mit sich herumschleppt. Nach dem frühen Tod von Wolfram Wuttke spricht Uli Borowka mit Lutz Wöckener über Suchtprobleme im Profifußball (Welt) und nimmt die Vereine in die Pflicht.

4. Ein gezielter Angriff auf Aalener Fans, aggressive Kommerzkritik. Adrian Engel stellt dem TSG-Fanbeauftragten Michael Pisot die Frage, die wohl jeder Sportjournalist schon einmal stellen wollte: Hat Hoffenheim ein Hooligan-Problem (11 Freunde)?

5. In Katar macht man keine halben Sachen. So überraschen die Dimensionen der „Aspire Academy for Sports Excellence“, Katars Hochleistungszentrum für Jungsportler, denn auch (fast) nicht. In luxuriöser Atmosphäre werden hier seit 2005 die Talente von morgen herangezüchtet – europäische Clubs wie AJ Auxerre und ein gewisser FC Barcelona haben bereits zugegriffen. Da in Katar nur 300.000 Einheimische leben, kommen diese Talente meist aus Afrika, von wo sie gezielt angeworben werden. Entwickeln sie sich gut, winkt ihnen die katarische Staatsangehörigkeit samt der dazugehörigen gesellschaftlichen Vorzüge. Andrew Flint über den Ort, von dem aus Katar seine Fußballrevolution starten will (The Original Coach).

6. Wer nicht schießt, kann nicht ins Tor treffen. So viel ist mal klar. Doch wie wird in den europäischen Ligen eigentlich geschossen? Wer schießt am häufigsten, wer am effizientesten? Wie verteidigen Abwehrspieler die Schüsse? Wo sind hohe Flanken das Mittel der Wahl, wo wird aus 30 Metern aufs Tor gepfeffert? Saturdays on the Couch mit einer sehr interessanten Statistikanalyse zum Schuss- & Abwehrverhalten der europäischen Topligen.

7. Dem Rassismus-Eklat um eine Gruppe Chelsea-Fan in Paris zum Trotz: Der englische Fußballverband registriert eine gestiegene Bereitschaft, xenophobe Idioten Äußerungen zur Anzeige zu bringen (Guardian). Purely Football „kürt“ die englischen Clubs mit den meisten Stadionstrafen wegen rassistischer Vorkommnisse.

8. In dieser Woche startet die amerikanische MLS in die Fußballsaison. Chase Woodruff wagt einen Blick in die Kristallkugel (8by8). New Yorks David Villa ist derweil in die Welt der Fußball-Popsong-Schwerverbrecher eingetreten – wenn auch nur als Nebendarsteller (Who ate all the pies). Jason Davis wirft einen Blick auf den Verein hinter dem Song und sagt, was vom New York City FC zu erwarten ist (ESPN).

9. Erlösquellen braucht der Fußball! Zumindest seit der neue TV-Vertrag der englischen Premier League unterzeichnet ist. Marcel Pohlig macht der DFL keine Hoffnung, in naher Zukunft ähnliche Beträge mit ihrer Fernsehvermarktung zu erzielen. Schlicht, weil der deutsche nicht mit dem englischen Markt zu vergleichen sei – Sky fehle die Konkurrenz (DWDL).

10. Roger Schmidt scheint exemplarisch für Leverkusens Mannschaft zu stehen: Jung, wild & irgendwie ganz nett. Der Trainer & sein Team sind nach Dutt, Hyypiä und zwei Mal Lewandowski binnen 3 Jahren Bayers Hoffnungsträger auf eine neue Vereinsidentität. Dass das Entstehen einer solchen genau so wenig mit Kompromissen zu tun hat, wie Roger Schmidt, erklären Sara Peschke und Daniel Theweleit (Spiegel).

11. Pepe kennt man. Als schienbeinschindenden Brutalo und Protagonisten einiger der legendärsten Entgleisungen der vergangenen Jahrzehnte (siehe hier). Doch der Innenverteidiger hat sich unter Carlo Ancelotti vielleicht von allen Real-Spielern am deutlichsten entwickelt. Und begeht keine Fouls mehr. Das habt ihr richtig gelesen. Pepe foult nicht mehr (WhoScored).

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Die Zivilcourage eines Eintracht Frankfurt-Fans.

Field Reporter

„Ich finde, dass das von der FIFA kolossal zu kurz gedacht und ein komplett falscher Weg ist. Davon würden in erster Linie nur die finanzstärksten Klubs profitieren.“

Horst Heldt spricht mit Hassan Talib-Haji über di Matteos Taktik, seinen Vertrag…. und das Verbot von 3rd Party Investments (Goal).

Mixed Zone
Dortmund: Jürgen Klopp, ausführlich, zu einer möglichen Winter-WM (FUMS). + + + England: BBC und Sky wollen ein TV-Duell der FIFA-Präsidentschaftsanwärter veranstalten (Spiegel) + + + Rotterdam: Uefa bestraft Feyenoord wegen rassistischer Fan-Aussetzer (Guardian) + + + Ukraine: Schwalbe? Womöglich. Schaut es euch besser selbst an (Youtube). + + + Sunderland: Adam Johnson steht unter Verdacht, Sex mit einem 15-jährigen Mädchen gehabt zu haben (Guardian) + + + London: Steffen Freund, Feingeist bei Tottenham Hotspur, singt ein Liedchen mit den Fans (11 Freunde) + + + Inflationsbereinigt: Die 100 teuersten Transfers aller Zeiten (Bleacher Report) + + + Salzburg: Mildes Urteil nach antisemitischem Platzsturm (ORF) + + + Madrid: Die 11 Freunde mit Sergio Ramos NSFW-Content aus der Hölle. Ansehen auf eigene Gefahr (Instagram).

#Link11: Früher war alles…lassen wir das

Früher war alles besser, das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen! Darf man nicht! In mehrerlei Hinsicht. In Stuttgart braut sich ein handfester Dopingskandal um die VfB-Mannschaft der 70er- und 80er-Jahre zusammen. Auf Schalke lassen die im Amt befindlichen Trainer schon immer Käse spielen, quatschige Torjubel gibt es auch schon ein Weilchen und ob es sich lohnt im Angesicht aktueller Pokalaufgaben in der Vergangenheit zu kramen, ist ebenfalls nicht überliefert.

blogundpresseschau

1. Ein Mitglied der Evaluierungskommission zur Untersuchung von Dopingpraktiken an der Uni Freiburg war etwas vorschnell. In einer Zusammenfassung der bisherigen Arbeit wird dem VfB Stuttgart in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren systematisches Anabolika-Doping vorgeworfen, punktuell auch dem SC Freiburg (DW). Schwere Anschuldigungen in die eine ganze Reihe von namhaften Fußballern verwickelt gewesen sein könnten – man denke nur an die Stuttgarter Meistermannschaft von 1983/84. Kommissionsleiterin Paoli rügte zwar den nicht abgesprochenen Vorstoß, bestätigte jedoch gleichzeitig die Mitteilung (Jens Weinreich).

2. Der damalige „Heilsbringer“ der Fußballprofis ist kein Unbekannter – Skandale, wie der um den Tod von Birgit Dressel (Spiegel, 1987), pflastern den Weg des verantwortlichen Sportmediziners Armin Klümper. Nach der Enthüllung kommen die Reaktionen: Es ist alles dabei von „kann ich mir nicht vorstellen“ (Ottmar Hitzfeld u.a. bei spox) über „lächerlich“ (Ex-VfB-Trainer Sundermann bei sport1) bis hin zu Kommentaren, die endlich Aufarbeitung fordern (DW) oder es schon immer gewusst haben (FAZ).

3. Angstfrei spielte der BVB zuletzt wieder, diagnostiziert nurpferdeundfussball und reist nach Dresden zum DFB-Pokal-Achtelfinale. Wiedererstarkt sieht auch Miroslav Stevic den BVB im Interview mit eurosport. Bei Dynamo hofft man, dass sich Geschichte nicht wiederholt, schließlich waren es die Ausschreitungen von Dynamo-Fans im DFB-Pokal 2011 gegen Dortmund, die u.a. einen Ausschluss vom Wettbewerb mit sich brachte (MDR). Aber vielleicht wiederholt sich Geschichte doch, zumindest der positive Teil, hofft wiederum der Ballsalat-Blogger. Denn just in der Pokalrunde vor dem unsäglichen Gastspiel in Dortmund gastierte 2011 der amtierende Vizemeister in Dresden und konnte aus dem Wettbewerb geworfen werden.

4. Währenddessen regt sich Carsten Schulte in seinem Kommentar über den inszenierten Torjubel im Revierderby auf, Selbstvermarktung und Respektlosigkeit in einem ist das. Und Unterhaltung, nach der wir doch alle irgendwie lechzen, dachte man sich beim Spiegel und bastelte die obligatorische Torjubel-Klickstrecke.

5. Geschichte sollte sich auch wiederholen, wenn es nach den Lauterern geht – die müssen heute in Leverkusen antreten und konnten bereits 2014 die Werkself an gleicher Stelle aus dem Wettbewerb werfen (der betze brennt). In den weiteren Spielen empfängt heute Abend der VfR Aalen die TSG Hoffenheim und der SC Freiburg den 1. FC Köln – eine willkommene Abwechslung vom ständigen Schielen auf die Tabelle, findet effzeh.com.

6. Die 1.000-Euro-pro-Mitglied-und-Schalkes-Schulden-sind-bezahlt-Milchmädchenrechnung von Clemens Tönnies kontert Web04 mit einer ganz und gar nicht hanebüchenen Berechnung des Etats des durchschnittlichen Schalker Fans für seinen Verein. Torsten Wieland fragt sich, wann genau dieses früher™ war, als auf Schalke alles besser war.

7. Der vergangene Bundesligaspieltag verlangt weiterhin nach Aufarbeitung: Das Halbangst-Blog freut sich über einen dreckigen Sieg der Gladbacher, Sascha Rebiger hadert mit der Inkonstanz seines HSV und in Bremen sieht man Probleme in der Innenverteidigung und eine suboptimale aber alternativlose Situation im Tor von Werder (Vert et Blanc).

8. Wolfsburg gone wild. Auch wenn die Niedersachsen nicht sonderlich beliebt sind, eines müssen sie sich nicht vorwerfen lassen: Langeweile. Die SZ liefert die Gründe für den konstant hohen Unterhaltungswert der Wölfe. Immer etwas los ist auch in Berlin. Bei der Hertha könnte Michael Preetz am Ende der Saison den 3. Abstieg in 6 Jahren zu verantworten haben – der Tagesspiegel fragt sich, ob er der Richtige für den Posten des Managers ist.

9. Hooligangruppen verfolgen inzwischen politische Ziele. Sie marschieren mit bei Pegida, Legida und wie sie alle heißen. WDR sport inside mit einem Beitrag zur Politisierung und Radikalisierung von Teilen der Szene. 40 gewaltbereite Fans der Kategorie B soll es im Umfeld von RB Leipzig bereits geben. Im Vergleich zu anderen sächsischen Klubs zwar nur ein kleiner Kreis, aber der Spiegel sieht dennoch genauer hin.

10. Ein angenehmes Ohrgefühl garantieren die diesmal „in person“ aufgezeichnete Ausgabe der Schlusskonferenz mit der Zusammenfassung des Spieltags, der bockcast zum passablen Spiel der Kölner in München und das Textilvergehen bei dem man die Auswärtspartie bei RB Leipzig Revue passieren lässt.

11. Woher kommt die riesige Identifikation zwischen Verein, Stadt und Spieler? Ist sie Erfolgsrezept oder übermotiviert sie? Zum Abschied von Steven Gerrard aus Liverpool verfasste Dirk Gieselmann für die 11freunde ein ausführliches Porträt, das inzwischen auch online zu finden ist.

Meist geklickter Link gestern
Die Zivilcourage eines Eintracht-Fans als das berüchtigte U-Bahn-Lied angestimmt wird (Frankfurter Rundschau).

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Gelb für Batman – die Kolumne von Collinas Erben bei n-tv.

Field Reporter

Wenn’s Spitz auf Knopf ging, da haben wir gesagt: ‚Mensch Professor, ich muss am Samstag wieder ran.‘ Da hat man auch mal was Unvernünftiges gemacht.

Karlheinz Förster, unlängst.

Mixed Zone
Gesucht: das Tor der 2000er (Trainer Baade) + + + 1 Punkt: für den FC Ingolstadt und 1860 München im Montagsspiel der 2. Bundesliga (Spiegel) + + + 100 Punkte: für Norwich City, das trotz Abstieg aus der Premier League solide wirtschaftet (Swiss Ramble) + + + Punkt: für die Fans von Hannover 96 (fanzeit) + + + Punktabzug: es läuft nicht bei Lukas Podolski (SZ) + + + Kasachstan: hat einen neuen Nationalspieler – Max Merkel (Spiegel) + + + Sprachlos: Kees Jaratz drückt sich um einen Spielbericht + + + Erinnerungen: von Andreas Bock an ein Interview mit Wolfram Wuttke (11freunde)

#Link11: Kawumm! Zack! Bäm!

Liebe Fußballfreunde, es gab an diesem Wochende wohl kein Thema, das uns alle sowohl emotional, psychisch als auch physisch so mitgenommen hat, wie der Batman-Jubel der BVB-Profis Aubameyang und Reus. War es ein weiterer Schritt in Richtung Untergang des modernen Fußball-Abendland? Eine dekadente Zurschaustellung des eigenen Selbst, die nur auf Vermarktbarkeit und Generierung von Klicks zielte? Oder sehen sich Reus und Aubameyang vielleicht mit ihrer popkulturellen Anspielung in einer Linie mit Künstlern wie Andy Warhol? War es vielleicht sogar ein subtiler Protest gegen die Mediengesellschaft, in der Fußballspieler in den Stand von Superhelden gehoben werden? Vielleicht. Ich habe jedoch eine eigene Meinung zu dem Thema: Ich fand es einfach saucool. Und nun zum Fußball.

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1. Der FC Bayern eröffnete am Freitag den Spieltag mit einem 4:1-Sieg über den 1. FC Köln. Miasanrot beschreibt wie üblich drei Dinge, die am Bayern-Spiel besonders aufgefallen sind. Bemerkenswert ist der Text von Eintracht Inside: Der Frankfurt-Fan war in der Allianz Arena – und erklärt ganz nüchtern, dass die Bayern angesichts ihrer Taktik und ihres Einsatzes zurecht dort stehen, wo sie momentan stehen. Steffen Meyer (Miasanrot) klärt indes die Frage, wie es sich anfühlen muss, Manuel Neuer zu sein.

2. 78 Minuten lang lief Dortmund im Revierderby an, ehe der erlösende Treffer fiel. Am Ende stand es 3:0 – ein Ergebnis, das die Kräfteverhältnisse nicht annähernd wiedergibt. Eigentlich hätte es 8:0 ausgehen müssen. Anygivenweekend sah den verdientesten Derbysieg aller Zeiten, Schwatzgelb meint, das Spiel entschädige für eine ganze Saison. Torsten Wieland (Königsblog) war sowohl fasziniert als auch angewidert von der Leistung seiner Schalker. Peter Müller (DerWesten) schreibt ganz offen: Die Leistung der Schalker war „eine Schande“. Rene Maric (Spielverlagerung) hat das Spiel analysiert. Ich habe es bei den 11Freunden „Champagner-Fußball im Abstiegskampf“ getauft. Christian Eichler (FAZ) hofft, dass mehr Teams im Abstiegskampf auf spielerische Elemente setzen, genau wie Dortmund es zuletzt tat. Unschöne Begleiterscheinung: Fans rüttelten am Auto von Marcel Reif. Der blieb aber gelassen (s. Welt Online).

3. Einen kleinen Fokus müssen wir an dieser Stelle auch auf die Partie Stuttgart gegen Hannover legen – nicht weil diese besonders hochklassig war (im Gegenteil), sondern weil die Emotionen in beiden Vereinen besonders hoch schlagen. Goldmann Saxt sieht seine Stuttgarter auf dem Weg in Liga 2. Vertikalpass sieht die Tage von Huub Stevens gezählt. Auch in Hannover wird der Trainer angezählt. Volker Schulte beschreibt die Stimmung im Verein. Niemalsallein hat das Spiel aus Sicht der Hannoveraner analysiert.

4. Die übrigen Samstags-Partien: Tobias Schächter (Frankfurter Rundschau) befürchtet, Mainz stecke nach der Niederlage gegen Hoffenheim wieder voll im Abstiegskampf. Hertha holt gegen Augsburg einen wichtigen Sieg (s. Tagesspiegel). Die Partie Leverkusen gegen Freiburg lief auf einem Kleinfeld ab, wie der Screenshot bei Falsche Neun beweist. Ich habe auf Spielverlagerung die Partie Hamburg gegen Frankfurt analysiert.

5. Wahnsinn gab es am Sonntag in Bremen. Am Ende gewann Wolfsburg 5:3 – weil sie derzeit Tore am Fließband schießen, meint Frank Heike (FAZ). Hendrik Buchheister (Spiegel Online) findet, das Spiel habe deutlich bewiesen, dass Bremen noch einiges zum Spitzenteam fehlt. Zuvor gewann Gladbach gegen Paderborn (s. Sportschau).

6. Was war sonst so los? Chelsea gewann den englischen Ligapokal (s. FAZ). In der englischen Liga gewinnt Liverpool das Spitzenspiel gegen Man City (s. NZZ). Real Madrid spielte nur Unentschieden (s. Spiegel Online). Der Preis „gruseligster Kick des Wochenendes“ geht nach Hamburg. Die Partie Pauli gegen Aue war unter aller Sau (s. Spox).

7. In Belfast tagte am Wochenende die Regelkommission der Fifa. Lang erwartet wurde eine Entscheidung zur Dreifachbestrafung – und genau hier gab es keinen Konsens. Die FAZ skizziert die Entscheidungen. Ein weiteres Thema war die vierte Auswechslung in der Verlängerung, auch hier kein Konsens. Frank Meuren (FAZ) nimmt dies zum Anlass, zurückzublicken auf die Geschichte der Einwechslungen.

8. Noch vor der Partie am Wochenende hat Marco Bode der FAZ ein Interview gegeben. Er äußert sich zu Investoren und zur Frage, wie es mit der Bundesliga weitergehen soll. Ein spannender Einblick.

9. Wolfram Wuttke ist tot. Wuttke war Genie und tragische Figur in einem. Er hatte Talent wie kaum ein Zweiter zu seiner Zeit – und doch hat er den ganz großen Durchbruch nie geschafft. Philipp Selldorf (Süddeutsche) erzählt seine Lebensgeschichte. Heiko Buschmann (Reviersport) nennt ihn einen „genialen Provokateur“.

10. Hardy Grüne (Zeitspiel-Magazin) hat Erstaunliches erlebt. Als Fan des französischen Vereins Guingamp reiste er zum Europa-League-Spiel in Kiew – und wurde dort von Hooligans aus dem Stadion gejagt. Eine etwas zu lange,aber spätestens ab der Hälfte enorm lesenswerte Geschichte über Gewalt und politische Verwirrungen in der Ukraine.

11. Zum Abschluss noch eine Leseempfehlung für alle, die den Leseempfehlungs-Blog Fokus Fussball nutzen, um Leseempfehlungen für andere Blogs zu erhalten. Left Wing Soccer hat die hundert besten (englisch-sprachigen) Blogs zum Thema Fußball gesammelt.

Meist geklickter Link am Wochenende
Ihr habt euch mit kreativen Beleidigungen für das Schalke gegen BVB Derby eingedeckt (11Freunde).

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Collinas Erben waren zu Gast bei Sport1.fm und sprechen über die Dreifachbestrafung, die gar keine war, sowie über die gelbe Karte für Batman.

Field Reporter

Ich bin jetzt so lange dabei – die vier Monate schaffe ich auch noch.

Huub Stevens versucht es nach dem Unentschieden gegen Hannover mit Galgenhumor (s. Süddeutsche).

Mixed Zone
Zivilcourage: Frankfurter Fans singen in der S-Bahn das berüchtigte U-Bahn-Lied – und ein Dritter schreitet ein (s. Frankfurter Rundschau). + + + Dauerkarten-Kündigungsrecht: Ein Fan wollte die Kündigung seiner Dauerkarte nicht akzeptieren. Das Gericht weist die Klage gegen den FC Bayern ab. (s. Süddeutsche). + + + Post-WM: In Brasilien häufen sich die Gewaltakte bei Fußballspielen, schreibt Andreas Behn (taz). + + + Brause-Talk: Ralf Rangnick mit Welt Online im Gespräch über Thomas Tuchel und die Ambitionen von RB Leipzig.