CE67 – In dubio pro arbitro


Nach einer langen Pause melden sich Collinas Erben, die Fashion-Podcaster, aus der Winter-Weihnachtspause zurück und stellen gleich zu Beginn die neuesten Regelauslegungen der UEFA vor. Dazu diskutieren wir den Schiedsrichterrückgang in Deutschland und freuen uns über ein kurzes Interview mit Peter Gagelmann. Das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf den Bundesligaspieltagen 18 bis 23 mit einem säuerlichen Ewald Lienen am Ende. Zum Abschluss sind der Artikel »Wie Schiedsrichter verpfiffen werden«, die IFAB-Tagung und die Weiße Karte ein Thema. Auch an dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank an das Rautenradio und an alle Schenkenden und Spendenden!
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Links: Die Schiedsrichter-Trikots der kommenden Champions-League-Saison gibt es bei »The 3rd Team« bereits zu sehen — Auf n-tv.de haben wir erklärt, warum die »Dreifachbestrafung« gar keine ist und weshalb der Strafrabatt für Jérôme Boateng durchaus seinen Sinn hat — Die Ergebnisse der IFAB-Tagung in Belfast — Oliver Fritschs Text »Wie Schiedsrichter verpfiffen werden« auf »Zeit Online« — Die Kolumnen von Collinas Erben auf n-tv.de — Collinas Erben bei Twitter und bei Facebook — Die offiziellen Fußballregeln als PDF-Datei zum Download

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63 comments » Write a comment

  1. Hallo, eine Frage zu den am Anfang besprochenen Neuauslegungen einiger Regeln: Ab wann gelten diese? Ab sofort oder erst ab der nächsten Saison? Die werden dann doch sicherlich ins neue Regelheft aufgenommen oder wie läuft das ab?

    Im Speziellen eine Frage zum Thema “Auswechselspieler berührt Ball, kann Tor aber nicht verhindern”, da ich das vor kurzem erst mit jemandem disutiert habe: Wo genau steht etwas zur Auslegung, wie sie der DFB schon zuvor hatte? Wenn ich Regel 3 lese, komme ich zu dem Schluss, dass ich das Tor geben muss (eben weil dort der von Alex angesprochene Vorteil erwähnt wird). In Regel 10 steht gar nichts zu dem Thema. Mein Lehrwart hat mir zwar von der Regelauslegung berichtet, begründen konnte er sie mir aber nicht ;-) Muss sowas nicht in den zusätzlichen Erläuterungen des DFB im Regelheft festgehalten werden?

    Vielen Dank schon mal für die Beantwortung der Frage und für euren interessanten Podcast!

    • Die Regelauslegungen werden sofort wirksam. In ihrer Mehrzahl resultieren sie aus Antworten auf Fragen der UEFA-Mitgliedsverbände. das heißt, hier werden Regellücken geschlossen, Widersprüche beseitigt und notwendige Anpassungen vorgenommen. Deshalb wartet man damit auch nicht bis zur nächsten Saison. Wie viel davon im Regelheft landet, wird man sehen – es sind ja erst mal »nur« Auslegungen der UEFA, nicht der FIFA. Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen: Für Europa ist jetzt klargestellt, dass ein Strafstoß auch mit der Hacke aufs Tor geschossen werden darf; in Südamerika handhabt man das möglicherweise anders. Weltweit gültig ist die Anordnung erst, wenn die FIFA sie bestätigt hat. Es ist auch denkbar, dass sie anders entscheidet, dann werden die Schiedsrichter entsprechend neu instruiert.

      Zur Geschichte mit dem Auswechselspieler: Die Auslegung ergibt sich aus den Anmerkungen der FIFA zur Regel 3, Unterpunkt »Treffer mit zusätzlichen Personen auf dem Spielfeld«. Die Formulierungen, die man dort zu Drittpersonen und Auswechselspielern findet, sind ein bisschen missverständlich. Beim DFB interpretiert man sie so, dass auch die Auswechselspieler zu den Drittpersonen zu zählen sind und ein direkter Eingriff ins Spielgeschehen durch sie (wozu das Spielen des Balles unzweifelhaft zählt) in jedem Fall zu einer Unterbrechung führen muss. Diese Interpretation findet man tatsächlich nicht im Regelheft, sie ergibt sich aber beispielsweise aus den Regelfragen in der offiziellen Schiedsrichter-Zeitung und den Lehrbriefen des DFB.

      • Ich meinte auch eher die netten grünen Kästchen, wo der DFB noch was zur Auslegung sagt. Klar, dass sowas nicht in das pure Regelwerk aufgenommen wird.

        “Bisschen missverständlich” ist gut… Da muss man erstmal drauf kommen, dass Auswechselspieler plötzlich als Drittpersonen zu bewerten sind ;-) Ist aber ja in Ordnung, wenn man das so tut. Einziges Problem bzw. einzige Inkonsistenz, die aus meiner Sicht dann noch bliebe, wäre die Spielfortsetzung: Es geht im Falle des Auswechselspielers mit einem indirekten Freistoß weiter. Wenn aber eine “wirkliche” Drittperson die gleiche Aktion begangen hätte, wäre der SR-Ball die Spielfortsetzung. Da wird dann wieder unterschieden?! Für mich daher weiter mit einem Geschmäckle.

        • Mit »Regelheft« meinte ich in diesem Fall auch die grünen Kästen. Dass dort nichts steht, könnte daran liegen, dass der DFB es gar nicht notwendig fand, die betreffenden FIFA-Anweisungen noch einmal aufzugreifen und zu erläutern. Ist aber nur eine Vermutung. Ansonsten stimme ich völlig zu: Wenn die Auswechselspieler schon dadurch von anderen Drittpersonen unterschieden werden, dass ein unerlaubtes Platzbetreten durch sie einen indirekten Freistoß statt einen SR-Ball zur Folge hat, hätte man konsequenterweise auch die DFB- der FIFA-Auslegung anpassen können, statt den umgekehrten Weg zu gehen.

          • Hochinteressante Diskussion:

            Mein Lehrwart hat uns per Mail nur auf zwei Änderungen aufmerksam gemacht.
            * Täuschungsversuch bei falschem Spieler, der den Strafstoß ausführt
            * Spielfortsetzung bei Nicht-Einhaltung des Abstandes beim Einwurf

            Hab da mal nachgehakt, mal sehen was er anwortet…

  2. Entlich wieder neue CE Folgen. Und dann gleich so ein Mammut-ding.

    Zu den Trainer-Schiedsrichter konfrontationen:
    Der Unterschied zwischen Guardiola und Schmidt ist die Außenwirkung. Wenn der Schmidt in seinen Bart murmelt bekommen das grade die Leute mit die direkt hinter ihm sitzen, wenn Guardiola zur Eckfahne sprintet erkennt das jeder im Stadion und darüber hinaus.
    Wenn der Trainer in der Landesliga halblaut in seinen Bart murmelt hört man das immernoch über den halben Platz, in einem Bundesligastadion nunmal nicht, das ist der relevante Unterschied.
    Ich denke Alex hat einfach beschlossen Guardiola konkurrenzlos sympathisch zu finden und so ein süßer, kleiner Spanier ist nunmal keine Bedrohung.
    Klopp hat zwar manchmal ein zur Faust geballtes Gesicht, fasst dafür aber nicht andauernd irgendwelche Assistenten an. Ich möchte einmal in meinem Leben höhren wie Alex Klopp (oder Streich!) verteidigt wenn die an der Eckfahne beim Assistenten protestiert haben.

    • Ich weise noch mal darauf hin, dass sich in der Causa Guardiola selbst die Schiri-Chefs uneinig waren. Krug fand, dass Dankert hier einen Spielraum hatte und ihn gut genutzt hat, Fandel war der Ansicht, dass ein derart deutliches Verlassen der Technischen Zone in jedem Fall mit einem Tribünenverweis geahndet werden muss. Aus meiner eigenen Praxis würde ich sagen: Wenn jemand »nur« aufgeregt, aber nicht aggressiv oder gar bedrohlich ist, muss ich ihn nicht unbedingt von der Bank schicken. Selbstverständlich gälte das auch für die Herren Klopp und Streich. Diese beiden habe ich bisher allerdings bei Protesten gegen Schiedsrichter-Entscheidungen oft eher als aggressiv denn als lediglich aufgeregt wahrgenommen, aber das muss ja nicht immer so sein. Nach Fandels Intervention dürfte sich der Spielraum allerdings erledigt haben – der Trainer, der als nächster zur Eckfahne läuft, um dort auf den Assistenten einzuwirken, wird auf jeden Fall mit einem Tribünenverweis belegt werden, heiße er nun Guardiola, Klopp, Streich oder Schmidt.

      • Ich finde die gezeigte Respektlosigkeit ja viel schlimmer, und wenn mans auf die Fans bezieht, Gruppendynamisch gefährlicher als eine “ehrliche” Empörung, auch wenn sie einen Tick zu agressiv ist.

        Als Schiedsrichter kannst du alles mögliche machen, solange du den Respekt nicht verlierst kannst und das Spiel noch akzeptabel über die Bühne bringen kannst.

        Jetzt würde ich Guardiola nicht eine kalkulierte Respektlosigkeit vorwerfen, Ibrahimovic vs. Wolfgang Stark fällt mir da als bildliches Beispiel ein, aber ich finde Grundsätzlich lässt er hier mehr Respekt vermissen als z.B. Klopp als er in Neapel den 4. Offiziellen anfauchte, ihn aber nicht berührt hat.
        Jemandem der von seinem Auftreten her prinzipiell agressiv ist, sich aber soweit unter kontrolle hat dir körperlich fern zu bleiben, dem kann man, finde ich, relativ gut durch eine entsprechend dominantes Auftreten mit Körpersprache und Stimme in seine schranken weisen während das bei jemand der da etwas subtiler ist aber die körperlichen Grenzen überschreitet nicht so einfach möglich ist.

        Beim 4. Offizielen ist das unter Umständen noch verkraftbar, weil a) ist der eh der persönliche Betreuern der Trainer und b) ist er nicht permanent in die in-game Entscheidungen eingebunden.
        Das war aber hier nicht der Fall, weil die möglichkeiten des Assistenten ne gute Figur zu machen eingeschränkt sind (anders als bei Bibiana Steinhaus) und sowas sollte sich der Schiedsrichter, als Vorgesetzter des 4. Offiziellen, einfach nicht bieten lassen.

        • Den Punkt mit der Respektlosigkeit finde ich auf jeden Fall nachvollziehbar. Guardiolas Aktion hatte schon etwas von »Für mich gelten die Grenzen der Coaching-Zone nicht« und einer ziemlichen Indifferenz gegenüber der Rolle und Entscheidungsbefugnis des Schiedsrichters. Fast könnte man meinen, dass er die Unparteiischen nicht richtig ernst genommen hat. Andererseits hat er sich durch sein Kasperltheater selbst zum Horst gemacht – auf mich wirkte das alles eher lächerlich als aggressiv. Guardiola kam für mich rüber wie ein übermotivierter Trainernovize, dem man erst mal freundlich erklären muss, dass er bitte in seiner Technischen Zone bleiben soll und die Schiedsrichter nicht anzufassen hat, auch nicht in freundlicher Absicht. Natürlich ist das absurd, schließlich handelt es sich um einen erfahrenen Coach, der die Regeln genau kennt. Aber wenn ich die Körpersprache des betroffenen Assistenten und kurz darauf des Vierten Offiziellen richtig gedeutet habe, dann war denen auch mehr nach einem Kopfschütteln zumute als nach rigiden Maßnahmen. Insgesamt meine ich, dass sie da zumindest nicht als Deppen, mit denen man alles machen kann, aus der Nummer herausgekommen sind. Blamiert hat sich da eher der Bayerntrainer.

          Gleichzeitig ist es für die Schiedsrichter letztlich schwieriger, mit einer solchen Form von Protest umzugehen als mit einem offenen Gebrüll und Gemotze, das sie kennen und zu handhaben wissen. Das spiegelt sich auch in den unterschiedlichen Bewertungen durch Krug und Fandel wider. Was die Vierten Offiziellen betrifft, bin ich übrigens um einiges klüger geworden, seit ich immer mal wieder den Job des Chaperons (also des Dopingarzt-Hiwis) versehe. Da steht man die letzten 20, 25 Spielminuten vielleicht fünf Meter hinter dem Vierten Offiziellen und kriegt wirklich alles mit, was da so passiert und gesprochen wird. Die Vierten sind nicht nur Betreuer für die Trainer, sie sind regelrechte Prellböcke. Es gibt Trainer und Mannschaftsverantwortliche, die gerade in kritischen Phasen bei praktisch jedem Pfiff gegen ihre Mannschaft auf den Offiziellen losgehen, oft zu dritt, zu viert, zu fünft. Da braucht man gleichermaßen ein dickes Fell wie gute Nerven, Gelassenheit und Durchsetzungsvermögen – zumal man sich der Situation, anders als der Schiedsrichter auf dem Platz, auch nicht durch ein Entfernen vom Ort der Diskussion entziehen kann. Der Job ist viel härter, als man glaubt.

        • Ich sehe die gezeigte Respektlosigkeit bei Guardiola einfach nicht (zumindest nicht gegenüber dem SRA, allenfalls gegenüber der CoachingZone). Er protestiert nicht gegen die Entscheidung, sondern fragt nach, was der Grund für den Pfiff war. Das wird ihm vom SRA erklärt und Guardiola akzeptiert die Erklärung sofort. Da ist keine Aggression dabei, keine abfällige Geste, kein Eindringen in die persönliche Wohlfühlzone (afair).

          Und bitte nicht mit der Legendenbildung anfangen, dass Klopp den 4. Offiziellen nicht berührt haben soll. Einfach die Szene nochmal anschauen und sehen wie Klopp den 4. Offiziellen daran hindern will, der Konfrontation aus dem Weg zu gehen, indem er ihn am Arm greift.

          • Trotzdem geht es natürlich nicht, dass ein Trainer aus der Coaching-Zone rennt. Gut, das passiert nicht oft, aber wenn doch, dann muss man aufpassen, dass man keinen Präzedenzfall schafft, der zur problematischen Blaupause werden kann. Und da spielt es irgendwo natürlich doch eine Rolle, dass es sich hier um den Bayern-Coach handelt. Wenn ausgerechnet der die Grenzen dessen, was noch akzeptabel ist, neu zieht, hat das schon wegen der öffentlichen Reaktionen (die bei den Bayern nun mal zahlreicher ausfallen als bei anderen Klubs) unvermeidliche Folgen, möglicherweise bis hinunter in die Amateurklassen. Insofern verstehe ich die Argumentation für den Tribünenverweis. Und man hätte ihn formal auch problemlos vertreten und begründen können.

            Wenn ich es trotzdem richtig finde, wie Dankert reagiert hat, dann deshalb, weil er sich in der Situation sinnvollerweise andere, näherliegende, weil auf das laufende Spiel selbst bezogene Fragen gestellt hat: Habe ich einen Spielraum? Wenn ja, welche Sanktion wirkt sich wahrscheinlich positiver auf den weiteren Spielverlauf aus? Muss ich ihn zwingend auf die Tribüne schicken, unabhängig von der Frage, welche Folgen das für die Partie hat? Die Frage nach dem Spielraum hat der Schiedsrichter bejaht – die Gründe dafür hast du genannt. Mir ist ein solches Vorgehen nahe.

  3. Leider geil:
    Nach Ewigkeiten Pause startet Ihr – als Modepodcast für den gehobeneren Anspruch – mit der Schiedsrichterbekleidung für die kommende Saison.
    Stelle mir gerade vor, wie ab jetzt unzählige Beziehungen auf die Probe gestellt werden, weil die Schiris ja derzeit nur privat zuhause im neuen Dress rumlaufen dürfen…

  4. Also ich finde das Verhalten auch eher als Respektlos und irgendwie auch überdreht. Wenn jemand die ganze Linie runter rennt um den Schiri zur rede zu stellen empfinde ich es als zu viel des guten zumindest im Vergleich zu anderen Situationen wo die Schiris ja immer darauf bedacht sind das keiner widerspricht. Und dann noch die Handschütteln nach dem Tor. Mit solchen Gesten sollte man vorsichtig sein. (schön dank das sie das Foul bei der Ecke jetzt nicht gepfiffen habe) Und man stelle sich das Verhalten in einem Derby vor. Dazu kommt das er im gewissen Sinne ja auch ein Wiederholungstäter ist. (Bibiana Steinhaus) Aber trotzdem darf man nicht vergessen das es Menschen gibt die nun mal ein anderes Temperament haben. Und das das in anderen Ländern zum Alltag gehört. Und ich empfand es auch nicht als Böse. Da muss ich Alex auch Recht geben. Das wirkt bei Kloppo anders. Aber es war trotzdem zu viel des guten und dann hätte ich ihn gern auf der Tribüne gesehen um mal ganz freundlich zu zeigen das das in der Buli so nicht geht. Ohne großes Theater. Aber so war für mich zumindest, zwar Guardiola der Clown, aber die Schiris auch nur Statisten die mit der Situation nicht um zu gehen wussten. Oder man sagt halt Fußball lebt von Emotionen und solange sie keinen Beleidigen oder Bedrohen… “Feuer Frei” .

  5. Wenn ich euch richtig verstanden habe, plädiert ihr dafür, anstelle der jetzigen Dreifach-Bestrafung den Ausschluss (mit roter Karte) auf das “aktuelle” Spiel zu begrenzen. Ich selber sehe das als eher kritisch, weil das ab der (zum Beispiel) 75. Minute schon wieder sehr “lohnenswert” sein kann. Aus meiner Sicht wird um das Thema eh viel zu viel Wind gemacht und medial unterstützt!

  6. Stichwort Freistoßspray: nach meiner Kenntnis ist mittlerweile statistisch festgehalten, dass es so viele direkte Freistoß-Tore (nicht nur absolut sondern auch relativ) gibt, wie seit vielen Jahren nicht mehr. Ist dies nicht doch der Beleg dafür, es ein sinnvoller Vorstoß gewesen ist. Ihr habt dies ja mit der natürlichen Autorität der Schiedsrichter “kritisch” als unnötig gewürdigt. Ich selber stand und stehe dem Freistoßspray sehr positiv gegenüber, weil viele Diskussionen gar nicht mehr aufkommen – und manches Mal konnte man schon eine Krawatte bekommen, wenn sich der Abstand offensichtlich verkürzte. :-)

  7. Die Problematik dieses Strafnachlasses bei verwandelten Elfmetern nach Notbremsen zeigte sich gestern in Köln. Horn befindet sich im Dilemma: Hält er den Elfer ists gut fürs Torverhältnis und seine persönliche Statistik, hält er ihn nicht, halbiert er die Sperre für Wimmer.

    Ich finde es nicht gut, dass sich aufgrund der Rechtssprechungs-Praxis Situationen ergeben, in denen man durch eine gute Leistung seinem Mitspieler und seiner Mannschaft schaden kann. Das ist m.E. auch das noch schwerer wiegende Problem als dass es auch der gegnerische Schütze mit einer schlechten Leistung kann.

    • Horn hat nach dem Spiel gesagt – ob im Scherz oder nicht, sei dahingestellt –, er habe den Elfmeter absichtlich ins Tor gelassen, damit sein Mitspieler nicht so lange gesperrt wird (siehe den Kommentar von Timajesty weiter unten). Ich kann zwar nachvollziehen, dass man das komisch oder blöd findet, aber ich selbst halte diese Regelung für richtig. Wenn ich in der Nachspielzeit 4:1 führe und plötzlich ein Gegner frei durch ist, lasse ich ihn halt laufen, wenn ich mir die Rote Karte (und die nachfolgende Sperre) ersparen will. Wenn es mir aber wichtiger ist, dass nicht noch ein Gegentor fällt, halte ich ihn notfalls eben am Trikot fest – in dem Wissen, dass ich eine Normsperre von zwei Spielen absitzen muss, wenn mein Torwart erstens meinen Wunsch teilt und ihn zweitens auch erfüllt.

      • Das Dilemma entsteht aber erst, nachdem der Sünder seine Entscheidung getroffen hat, und es sind Andere, die sich darin befinden. Wenn z.B. der Torwart runter muss, handelt der Trainer in vielen Fällen im Sinne des Erfolges vernünftig, wenn er seinem unerfahrenem Nachwuchskeeper bei der Einwechslung mit auf dem Weg gibt, den Elfer doch bitte nicht zu halten. Pädagogisch sinnvoll ist das nicht. Der Ersatztorwart kann dann so sportlich fair bzw. so egoistisch sein, sein Bestes zu geben, oder den Anweisungen seines Trainers folgen und sich keine Mühe geben und darauf pfeifen, in 14 Tagen beim Abstiegsendspiel selbst im Tor zu stehen.

        Ist konstruiert, schon klar. Aber ich finde es eben völlig unnötig, dass Anreize für schlechte Leistungen gesetzt werden. Die Argumentation für die unterschiedliche Sprerrendauer kann ich schon nachvollziehen. Das Problem daran ist aber, dass sie de facto durch Elfmeterschütze und Torwart entschieden wird. Und das auch noch mit umgekehrten Interessen.

    • Es gibt aus meiner Sicht nur eine Konstellation, in der ich diese Regelung – dann aber sehr – problematisch finde: Wenn die Sperre über die Saisongrenze Wirksamkeit entfaltet und einer der Beteiligten für die nächste Saison beim Verein des Gegners unterschrieben hat.

      Auch da brauche ich viel, viel Fantasie, um mir eine sinnvolle Konstellation für eine auch nur halbwegs plausible Verschwörungstheorie zusammenzuschrauben. Aber auf die Diskussionen die trotzdem entstünden, auf die hätte ich jetzt schon keinen Bock.

  8. Grad drüber gestolpert:

    In der ersten Liga in Singapur mussten sich am Wochenende die Schiedsrichter in der Halbzeitpause umziehen – ihre schwarzen Trikots waren den dunkelblauen Trikots der einen Mannschaft so ähnlich, dass beide Teams in den ersten 45 Minuten den Schiedsrichter angeblich mehrmals mit einem Spieler verwechselten. Da dummerweise auch das Ersatztrikot der Schiedsrichter (orange) exakt die Farbe der anderen Mannschaft hatten, mussten sie in Fußballer-Trikots schlüpfen, die die Liga zum 20. Jubiläum aufgelegt hatte, die Fifa-Logos wurden hastig draufgesteckt. Singapurische Schiedsrichtervertreter beschwert sich jetzt, dass sie offiziell nur zwei Farben zur Auswahl haben, die dritte sei noch immer “unterwegs”.

    http://www.straitstimes.com/news/sport/football/story/wardrobe-clash-s-league-match-draws-flak-ridicule-20150309#2

  9. Moin,
    ein kurzer Kommentar zu FCSP – Greuth. Vielleicht war die Entscheidung des Linienrichters richtig, den Elfmeter zurücknehmen zu lassen. Aber: Während sich der Protest der Greuther Spieler in Richtung Hauptschiedsrichter richtete, rannte der Torwart der Greuther (Hesl) wie der Blitz zum Mann an der Außenlinie und zeigte beim näher kommen mehrmals den Scheibenwischer und mindestens dreimal den Vogel. Dann schrie er auf den Linienrichter ein. Als Belohnung wurde dann der Elfmeter zurückgenommen. Wenn das so richtig war, ist es ok. Und wahrscheinlich hatte er es da schon übers Headset kommuniziert. Aber die eigentlich richtige Entscheidung wäre hier dann Ecke und Rot für Hesl.

    Im weiteren Verlauf des Spiels hat das Gespann dann nicht einmal den Versuch unternommen, das überharte Einsteigen und die Schauspieleinlagen der Greuther zu unterbinden. Und das ist die die eigentliche Hauptkritik. Denn das Abseitstor war nun wirklich kaum zu erkennen.
    Und Heimschiris? Die haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Vielmehr hat man den Eindruck, dass in vollen und engen Stadien mit viel Atmosphäre die Schiedsrichter so intensiv daran arbeiten, sich auf keinen Fall von der Atmosphäre beeinflussen zu lassen, das am Ende das Gegenteil von Heimvorteil rauskommt. Die Kann-Entscheidungen fallen dann gegen den Heimverein.
    Viele Grüße,
    derKiesel

  10. Das Kuipers nicht seinen besten Tag hatte hat Alex schon bei n-tv seziert.
    Wenn ich mir jetzt vorstelle wie das ein Beobachter (z.B. Alex) sieht[und tun wir so als würde das Funktionieren wie im dfb gebiet also 1-10], was wär denn das ungefähr fürne Note? .
    Man muss ja mal ein gefühl für bekomen wie schlecht jemand pfeifen muss damit das ne 5 gibt.

    • Meinst du die Schulnote 5? Denn eine Schiedsrichternote 5 gibt es meines Wissens nach gar nicht, das geht erst ab 6.0 los. Hab da kurz diese Übersicht gefunden:

      9.0-10.0 = Exzellente Leistung
      8.5-8.9 = Sehr gute Leistung, wichtige Entscheidung(en) korrekt getroffen
      8.3-8.4 = Vorauszusetzendes Leistungsniveau erreicht
      8.2 = Zufriedenstellende Leistung mit Verbesserungspotential
      8.0-8.1 = Zufriedenstellende Leistung mit Verbesserungsbedarf
      7.9 = Ein wichtiger Fehler, ansonsten im Bereich 8.3-10.0
      7.8 = Ein wichtiger Fehler, ansonsten im Bereich 8.0-8.2
      7.5-7.7 = Unterhalb des vorauszusetzenden Leistungsniveaus. Mangelhafte Kontrolle, signifikante Verbesserungsnotwendigkeit, möglicherweise ein oder mehr als ein wichtiger Fehler.
      7.0-7.4 = Enttäuschend. Unterhalb des vorauszusetzenden Leistungsniveaus, Leistung mit einem klaren und wichtigen Fehler oder eine Leistung mit zwei und mehr klaren und wichtigen Fehlern
      6.0-6.9 = Inakzeptabel

      Quelle: http://buli-schiri.blogspot.de/p/benotung-schiedsrichter-bundesliga.html

      • Die Übersicht ist auf jeden Fall recht brauchbar und trifft es ganz gut. Man muss noch dazu sagen, dass die meisten Bewertungen in der Regel zwischen 8,3 und 8,5 liegen und dass Noten unterhalb von 7,8 und oberhalb von 8,9 extrem selten vorkommen. Übrigens spielt auch der Schwierigkeitsgrad des Spiels bei der Beurteilung eine wichtige Rolle. Eine sehr gute Leistung in einem schwierigen (oder sogar sehr schwierigen) Spiel gibt mehr Punkte als eine sehr gute Leistung in einem normal zu leitenden Spiel. Und in einem schwierigen Spiel fallen Fehler bei der Bewertung nicht so stark ins Gewicht wie bei einem normalen.

  11. Zu »Wie Schiedsrichter verpfiffen werden«:

    Ich fand Eure Auseinandersetzung mit dem Artikel – ohne dies in der Sache beurteilen zu können – in hohem Maße plausibel und nachvollziehbar. Ich habe das sehr genossen.

    ich empfinde es aber als problematisch, wenn ihr Fritsch’ Zeugen grundsätzlich als unbeachtlich abstempelt, weil sie ihre Namen nicht nennen. Es gehört zur guten alten Journalistentradition, dass ernsthafte Journalisten ihre Quellen schützen und dass es dem Leser im Zweifel ausreichen muss, wenn diese Namen einer vertrauenswürdigen und erfahrungsgemäß der Wahrheit verpflichteten Redaktion bekannt sind.

    Wir haben als Gesellschaft leider lernen müssen, dass ernsthafte Journalisten keinen Regelfall darstellen. Oliver Fritsch aber hat sich zumindest bei mir einen gewissen Vertrauensvorschuss erarbeitet. Ich persönlich gehe also davon aus, dass diese Aussagen authentisch sind. Ich hätte mir von Euch wahnsinnig gewünscht, dass Ihr den Artikel noch ein Mal unter der Prämisse beurteilt, dass alle diese Aussagen wahr sind. Das heißt, es bleibt problematisch, nicht einordnen zu können, welcher Beobachter, welcher Trainer das gesagt hat. Aber es war ein Beobachter, ein Trainer. Welche Schlussfolgerungen sind dann aus diesen Äußerungen zu ziehen und wie passen diese wiederum in Eure eigenen Beobachtungen der Realität? Das hätte die Auseinandersetzung mit diesem Artikel für mich als Außenstehenden rund gemacht.

    Ein absoluter Traum wäre übrigens eine Sonderfolge, in dem Ihr Euch mit Oliver Fritsch über den Inhalt dieses Artikels unterhaltet. Kritisch unterhaltet. Kritisch im Wortsinn.

    • Ich bezweifle die Authentizität der Aussagen auch nicht. Aber ich würde sie gerne einordnen können, und das kann ich nicht, wenn ich nicht weiß, von wem sie stammen. Wenig überraschend spielen nun mal auch unter Schiedsrichtern und Funktionären Eitelkeiten, Konkurrenz und Vorlieben eine Rolle, und sie könnten deshalb das eine oder andere Statement nicht ganz unmaßgeblich geprägt haben.

  12. Genau diesen Satz hast Du so aber nicht gesagt. Zumindest für mich kam das eher so rüber, dass die Aussagen deshalb völlig unbeachtlich wären.

    Kannst Du nicht gleichwohl auch ohne die Herkunft beurteilen zu können überlegen, von welchem Personenkreis sie stammen könnten und dann einordnen, was dies dann bedeuten könnte – gerne mit verschiedenen Varianten? Das wäre dann zwar unscharf, aber für mich immer noch ein Erkenntnisgewinn. Ich kann das nämlich gar nicht einordnen.

    • Tut mir leid, wenn das nicht so rübergekommen ist.

      Anonyme Aussagen laden natürlich immer zu Spekulationen ein. Klar habe ich mir auch meine Gedanken darüber gemacht, welches Statement von wem stammen könnte. Öffentlich werde ich das aber mit Sicherheit nicht tun.

      • Jetzt bin ich falsch rüber gekommen. Das sollst Du natürlich nicht.

        Aber es ist ja so: Ich kann damit überhaupt nichts anfangen.

        Gäbe es für Dich nicht eine wage Einschätzung, wie diese wagen Behauptungen aus Deiner Sicht einzuordnen sind? Drei Möglichkeiten würden mir spontan einfallen. a) Das passt zu überhaupt nichts, was ich erlebt und gehört habe. Aus meiner persönlichen Sicht ist das Unfug. b) Je nachdem, wer das geäußert hat, wären das beachtenswerte Äußerungen. Ich persönlich kann das jedenfalls weder widerlegen noch bestätigen. c) Ohne ins Detail gehen zu wollen erscheint es mir durchaus glaubhaft, dass sich der eine oder andere im Betrieb so äußert. Und dahinter könnte sich durchaus eine gewisse strukturelle Problematik verbergen. Ich persönlich hätte das alles so sicher nicht gesagt, aber unplausibel erscheint es mir nicht.

        Nur mal so ins Blaue gesponnen.

        Weil, für mich ist derzeit immer noch Oliver Fritsch der einzige, der für mich diese Äußerungen einordnet. Und er zeichnet mir aus diesen ein Bild. Außer Dir kann ich niemanden persönlich darum bitten, diesem Bild ein weiteres hinzuzufügen.

        In Bezug auf diese Äußerungen. Das darüber hinaus gezeichnete Bild war, wie gesagt, sehr deutlich erkennbar.

  13. Beim Leverkusen-Spiel gestern war Lars Bender zu Beginn Kapitän und hat seine Binde an Simon Rolfes abgegeben als dieser eingewechselt wurde. Mir schwirrt noch irgendwo die Regel im Kopf herum, nach der man die Kapitänsbinde nur abgeben darf, wenn man ausgewechselt wird. Denn sonst könnte man die Binde auch im Minutentakt durch die Mannschaft rotieren lassen. War das gestern regeltechnisch in Ordnung?

    • In den Regeln steht dazu nichts, es ist lediglich festgelegt, dass ein Spieler jeder Mannschaft der Kapitän sein muss. Wenn der Schiedsrichter informiert wird, dürfte deshalb nichts dagegen sprechen, dass die Kapitänsbinde innerhalb der Mannschaft weitergereicht wird.

  14. Gerade auf Twitter gelesen, dass du (Alex) da erstmal eine Pause einlegst.
    Da ich will, dass das folgende trotzdem ankommt gibts hier einen Kommentar, statt einer Antwort auf Twitter.
    Ich kann nachvollziehen, dass du dich dem stumpfen gemotze auf Twitter nicht mehr hingeben willst. Ich habe einiges gelesen und mich ernsthaft gefragt, wer hohl genug sein kann nicht zu erkennen, dass man aus euch Jungs vor allem erstklassige Informationen rausquetschen kann, mit stumpfem “Mein Verein ist der geilste, du Opfa” jedoch rein gar nichts erreicht.
    Ich habe euch auf Twitter als fundierte und zeitnah urteilende Informationsquelle genutzt und kann nur bedauern, darauf verzichten zu müssen.
    Zum Glück gibts ja auf anderen Kanälen noch einiges von euch und so werde ich mich vielleicht noch ein Quäntchen mehr auf die Podcast-Releases freuen :)
    Von mir ein großes Daumenhoch für eure Arbeit. Macht weiter so und sollte sich der Sturm auf Twitter etwas gelegt haben freue ich mich drauf euch auch da wieder lesen zu können.
    Besten Gruß aus dem beschaulichen Süden,
    Adrian

    • Tja. Werden wir wohl wieder bis zur nächsten Folge warten müssen, um die Diskussionen während des Live-Spiels aufzulösen. Und müssen uns solange mit dem Gequatsche der professionellen Kommentatoren auseinander setzen.

  15. Was genau sagen Regeln und Richtlinien eigentlich, wenn ein Spieler von Wurfgeschossen getroffen wurde? Anlass zu der Frage ist natürlich das Spiel Montenegro – Russland, das Deniz Aytekin zunächst nur unterbrochen hat, nachdem Akinfeev von einer Leuchtrakete getroffen worden war. Erst später im Spiel ist es dann komplett abgebrochen worden.

    War es richtig, es nochmal zu versuchen, oder hätte er gleich abbrechen müssen (spätestens, als klar war, dass Akinfeev nicht würde weiterspielen können)?

    Ich meine mich an beide Varianten in der Vergangenheit erinnern zu können: Bei Oliver Kahn vs. Golfball oder Boninsegna vs. Coladose wurde weitergespielt, bei Bierbecher vs. Schiriassi (St. Pauli) wurde abgebrochen (in letzterem Fall war freilich ein Schiedsrichter betroffen).

    Wäre es nicht klüger, in solchen Fällen generell abzubrechen? Man kann ja ohnehin von einer Annullierung des Ergebnisses und Wertung am Grünen Tisch ausgehen.

    • Aytekin hat die Spieler nach dem ersten Vorfall ja für mehr als eine halbe Stunde in die Kabine geschickt. Ich gehe davon aus, dass er die Entscheidung, das Spiel anschließend fortzusetzen, nicht alleine getroffen, sondern sich darüber mit UEFA-Offiziellen verständigt hat. Womöglich gab es von offizieller Seite die Befürchtung, dass ein sofortiger Abbruch zu Gewaltexzessen o.ä. führen würde. Was in den UEFA-Statuten zum Thema Spielabbruch steht, weiß ich nicht, aber offensichtlich soll nur dann abgebrochen werden, wenn es wirklich gar nicht mehr anders geht oder es trotz einer längeren Unterbrechung erneut zu Ausschreitungen kommt (wie gestern Abend).

  16. Hallo CE,

    Ersteinmal großer Lob zu dem Podcast. Finde das sehr gelungen und schade, dass uns dies nicht auf den Weiterbildungen als Vorschlag aufgezeigt hat, zumal ich auch noch auseinem FVM Kreis komme und ich weiß, dass unsere Lehrwarte von eurem Podast wussten.

    Bin dann zufällig darauf gestoßen.

    Ich habe eine Frage zu einer Ausführung in einer sehr frühen Folge, wenn ich mich recht erinnere CE 35.

    Es war der Fall, dass ein Spieler aus dem Abseits kam, dann ein Foulspiel an einem Mitspieler des abseits stehenden Spielees, der abseits stehende Spieler allerdings erst danach aktiv in das Spielgeschehen eingegriffen hat.

    Nach Regel 11 ist das stehen im Abseits noch nicht strafbar, erst der aktive Eingriff ist strafbar. Aus meiner Sicht ist das erste Vergehen in o.g. Situation das Foulspiel, erst danach kommt der aktive Eingriff des abseits stehenden Spielers, auch wenn der Ball bereits vorher gespielt wurde.

    Du, Alex, hattest in der Folge angeführt, dass bereits mit dem Pass schon das Abseits strafbar ist. Aus meinem Regelverständnis ist dies andersherum. Wäre sehr schön, wenn ihr darauf eingehen würdet.

    Und noch etwas: Bitte lasst euch nicht von den Äußerungen auf Twitter entmutigen. Nochmal einen großen Lob. Ich liebe solche Diskussionen über die Regeln.

    Vg

    • Erst einmal vielen Dank für das Kompliment, das uns sehr gefreut hat! Zur Beantwortung der Frage wäre es gut, die Podcastfolge und darin möglichst auch die genaue Stelle zu kennen, um die es geht. So, wie du es schilderst, hast du natürlich Recht. Allerdings hat es zur Saison 2013/14 ja eine Teilreform der Abseitsregel gegeben, und die hat auch wesentlich die Frage beeinflusst, wann genau ein Abseits strafbar wird. (Wobei wir uns anfangs schwer damit getan haben, die Änderungen zu erläutern, insofern möchte ich überhaupt nicht ausschließen, dass wir da auch mal danebenlagen – trotzdem sind eben manche Situationen vor Beginn der Saison 2013/14 anders bewertet worden als danach.)

      • Hi Alex,

        Danke für deine Antwort. Ich suche aktuell nach der entsprechenden Folge. Diese war tatsächlich in der Zeit, in der ihr noch Schwierigkeiten mit der neuen Auslegung der Abseitsregel hattet. Sobald ich sie rausgefunden habe, melde ich mich nochmal.

        Dazu noch eine Frage: wo im Regelheft ist die Änderung der Abseitsregel? Aus meiner Sicht doch nur in den Anweisungen der FIFA (blaue Kasten) und da dann auch nur unter den Beispielsituationen, di unbewegt aus meiner Sicht immer sehr irreführend sein können.

        Eine Frage zum Beobachterwesen im FVM habe ich:
        meine Entscheidungen als SRA in einem Spiel wurden immer wieder von den Spielern angezweifelt. So rief beispielsweise ein Spieler von der Strafstoßmarke aus zu mir rüber “du darfst mit der Fahne auch winken, der Stand ja 2 Meter im Abseits”, nachdem der Ball bereits ins Toraus gegangen war.

        In meinem letzten Spiel als SRA hat der Beobachter dazu gesagt, ich solle dann die Fahne bei jeder kleinsten Kleinigkeit heben bzw. dem SR durch verdecktes piepen mit dem Funkfahnensystem Bescheid geben. Ein anderer Beobachter sagte, egal was kommt, das sei Aufgabe des Schiedsrichters, diese Dinge zu ahnden, und ich solle nur Meldung an den SR geben, wenn Beleidigungen dabei sind. Was davon ist an euch Beobachter als Anweisung rausgegeben worden? Jede kleinste Kleinigkeit dem SR im Spiel mitteilen oder nur die wirklich klären Reklamationen, die definitiv mit einer Verwarnung bestraft werden müssen an den SR melden.

        Und noch eines: nach dem heutigen DFB Pokal Viertelfinale kam in der ARD noch eine Doku über Gewalttaten gegen Schiedsrichter. Ich habe dazu das Gefühl, dass im Bereich des FVM nicht wirklich Fälle publik werden, in denen es Attacken gegen den Schiedsrichter gab. Könnte entweder sein, dass es in unserem Verband weniger Fälle gibt oder diese wirklich einfach im verborgenem bleiben. Wie ist euer Standpunkt im Umgang des DFB, der Landesverbände und der Kreise, aber auch der Vereine und den Medien mit dem Thema “Gewalt gegen Schiedsrichter”. Ich habe dazu eine klare Meinung und mich würde euer Standpunkt dazu interessieren.

        So das soll es von mir ersteinmal gewesen sein, entschuldige, dass es so lang geworden ist.

        • Hi Maximummy,

          ich habe die gleichen Erfahrungen als SRA mach “dürfen”. Ich kann zwar zum FVM nicht viel sagen, da ich aus dem WFV komme, aber ich denke das wird gleich sein: leider (oder Gott sei dank) sind Beoachter auch nur Menshen und haben unterschiedliche Erwartungen an den SR/SRA. Ich denke, das man es nicht jedem recht machen kann. Da wo Alex vielleicht sagt, er möchte mehr vom SRA sehen, sagt ein Hugo Maier, dass er ein besseres Gehör vom SR verlangt. Solche Sachen, die Du schilderst sind, zumindest bei uns, nicht offiziell festgelegt und somit Sache der Abprache im Gespann. Ich fahre derzeit mit zwei Schiedsrichtern in die Landes- und Verbandsliga und beide handeln dies unterschiedlich. Und für beide Vorgehen gab es bereits sowohl Lob als auch (berechtigte) Kritik.

          An Alex und Klaas: Das ist mein erster Kommentar obwohl ich Euren Podcast schon lange höre. Ich bin wirklich begeistert!!! Es macht jedes mal aufs Neue Spaß Euch zuzuhören (bei den Fahrten zu den Spielen :) ). Weiter so!!! Lasst Euch von den Idioten (sorry) auf Twitter nicht einschüchtern.

          Viele Grüße und allzeit gut Pfiff
          Andy

        • Zunächst einmal zum Abseits: Die entsprechenden Änderungen finden sich im Regelheft zur Saison 2013/14 in den Richtlinien der FIFA auf Seite 72, dort waren sie durch Unterstreichung gekennzeichnet. Es sind Änderungen bei der Auslegung der Bereiche »einen Gegner beeinflussen« und »aus seiner Position einen Vorteil ziehen«, die teilweise gravierende Auswirkungen hatten. Im aktuellen Regelheft gibt es die Unterstreichungen nicht mehr, weil die entsprechenden Formulierungen nun ja nicht mehr neu sind.

          Zum Thema Beobachtungen kann ich mich den Ausführungen von Andy grundsätzlich nur anschließen und möchte noch ergänzen: Eine Anweisung, bei jeder Kleinigkeit die Fahne zu heben oder den Schiedsrichter anzupiepsen, existiert nicht (weder schriftlich noch mündlich). Ich rate den Assistenten als Beobachter, die Dinge, die sie selbst regeln können, auch selbst zu regeln, beispielsweise bei Protesten unterhalb der Grenze zur Beleidigung. Im Übrigen erwarte ich vom jeweiligen Gespannführer, dass er für lautstarke Reklamationen auch selbst ein Ohr hat und erforderlichenfalls interveniert – etwa durch eine deutliche Ermahnung, falls nötig, auch durch eine Verwarnung –, um den Assistenten zu schützen. In deinem Beispiel (unfreundlicher Zuruf von der Strafstoßmarke aus) hätte ich mir eine Ansprache durch den Schiedsrichter gewünscht, aber ganz sicher kein offenes Fahnenzeichen.

          Zum Thema Gewalt gegen Schiedsrichter und zur Rolle der Verbände haben wir im Podcast das eine oder andere Mal etwas gesagt. Soweit der Bereich des FVM betroffen ist, kann ich sagen, dass es schon seit einiger Zeit Schulungen für die Vereine zu den Bereichen Gewaltprävention, Deeskalation und Konfliktmanagement gibt. Vor wenigen Tagen war übrigens der Vizepräsident des FVM, Stephan Osnabrügge, bei WDR2 zu Gast; dort wurde ausführlich über das Thema Gewalt gegen Schiedsrichter gesprochen. Eine Aufzeichnung der Sendung gibt es hier: http://wdr.vo.llnwd.net/e1/CMS2010/mdb/ondemand/weltweit/fsk0/67/676137/676137_7216609.mp3

    • Für mich ist das ein »deliberate play« und keine »deflection«. Der Ball ist eine Weile unterwegs und wird aus einiger Distanz gespielt, der Verteidiger bewegt sich zu ihm hin und trifft ihn dann nicht richtig. In der Bundesliga gab es in dieser Saison schon wesentlich engere Beispiele, in denen die offizielle Einschätzung lautete: absichtliches Spielen des Balles. Dann trifft das hier eigentlich erst recht zu.

      • Da denkt man, man hätte die Abseitsauslegung verstanden und dann kommt so eine Szene…
        Ich bin da bei Dir, für mich eindeutig ein “play” des Balles, wie kommt die FIFA auf die Idee, das nicht so zu sehen?
        Andere Szene von derselben Seite:
        http://www.proreferees.com/news-play-of-the-week—2014—wk33.php
        Geht um das zweite Video (Columbus-Philadelphia):
        a) Ist das nicht eher eine deflection als ein play? Sehe nicht wirklich, dass der Verteidiger dem Ball ausweichen konnte.
        b) Selbst wenn man das als play versteht: Ist das nicht auf jeden Fall eine Torschussabwehr und damit die Abseitsstellung immer strafbar?
        Oder gibt es eine Auslegung, dass man für eine Torschussabwehr automatisch der “letzte Mann” sein muss?

        • Ob das nun ein »deliberate play« ist oder eine »deflection«, darüber kann man von mir aus noch streiten. Vor allem aber war es – und damit erledigt sich die Debatte eigentlich – eine Torabwehraktion (»deliberate save«), deshalb hätte der Treffer nicht zählen dürfen. Der betreffende Spieler muss dafür nicht »letzter Mann« sein, zumindest habe ich davon noch nicht gehört, und es steht auch nirgendwo.

  17. Hi Zusammen,

    zu meinem ersten Kommentar, ich habe die Stelle noch nicht gefunden, suche aber weiter danach.

    Jetzt aber zum eigentlichen Grund meines Kommentars. Dieser bezieht sich auf die Folgen 49 (1:33 h) und 50 (1:35 h). Thema war das Elfmeterschießen. Dazu habe ich letztes Jahr in Hennef einen Vortrag gehalten. Du sagtest, dass eine Mannschaft sich reduzieren muss, falls eine Mannschaft weniger Spieler als die andere zu Beginn des Elfmeterschießens aufweist. Die Spieler, die ausgeschlossen werden, dürfen aber im Mittelkreis stehen (Folge 49) und der entsprechende Spieler dürfte sogar als Torwart zwischen den Pfosten stehen und die Schüße des Gegners versuchen zu parieren.
    Die beiden letzten Punkte des Regelheftes (S. 114) weisen aus meiner Sicht aber darauf hin, dass ein entsprechend ausgemusterter Spieler komplett vom Elfmeterschießen ausgeschlossen wird, sowohl als Schütze als auch als TW und auch nicht im Mittelkreis, also auf dem Spielfeld stehen darf, sondern sich am Rand bei dem Trainern in der Coaching Zone oder außerhalb des Innenraumes befinden muss. Ich habe den Vortrag wie gesagt letztes Jahr in Hennef gehalten und bin auch von keinem der Kollegen (Lehrgangsteilnehmer als auch Lehrgangsleitung) auf einen Fehler hingewiesen worden.

    • Stimmt, die ausgemusterten Spieler stehen nicht im Mittelkreis bei den anderen Schützen, das ist eindeutig. Was die Sache mit dem Torwart betrifft, hatte ich mich schon vor einiger Zeit mal mit dem Verbandslehrwart kurzgeschlossen. Antwort: Wenn der Torwart zu denjenigen gehört, die als Schützen ausgemustert werden, darf er trotzdem in seiner Funktion als Torhüter am Elfmeterschießen teilnehmen. Alles andere wäre auch unverhältnismäßig. Denn so würde man den Vorteil, der der zahlenmäßig überlegenen Mannschaft durch die Reduzierung entsteht, in einen Nachteil verwandeln. Und das wäre nicht im Sinne der Regeln.

      • Hallo, Alex,

        ich sehe auch den Sinn der Regel.
        Trotzdem widersprichen die Aussagen von dir und eurem Verbandslehrwart geltenden Regeln, da entweder
        ein teilnahmeberechtigter Spieler, der Torhüter,( nur teilnahmeberechtigte Spieler auf dem Spielfeld [laut Punkt 12]) keinen Schuss ausführt , bevor der erste Spieler den zweiten Strafstoß ausführt (Widerspruch zu Punkt 10)
        oder
        ein nicht teilnahmeberechtigter Spieler auf dem Spielfeld ist (Widerspruch zu Punkt 12).

        Außerdem haben wir einen Widerspruch gegen den letzten Punkt, dass von der einen Mannschaft (mit Platzverweis) 9 Leute im Mittelkreis und von der anderen 10.

        Ich würde gerne von dir bzw eher von eurem Verbandslehrwart wissen, wie er diese auflösen kann.

        Gruß Joaker

        PS.: Ich habe meine beiden Kreislehrwärte (im FVN) gefragt. Die waren auch unterschiedlicher Ansicht.

        • Hier existiert ein Widerspruch, der sich wohl nur auflösen ließe, wenn man den Torwart zwänge, entweder zu schießen, wenn kein anderer Schütze mehr in Frage kommt, oder nicht am Elfmeterschießen teilzunehmen. Beides wäre allerdings völlig unverhältnismäßig und würde erstens weit schwerer wiegen als etwa eine ungleiche Zahl von Spielern im Mittelkreis und zweitens dem Sinn und Geist der Regeln entgegenstehen. Mit der Auslegung, wie sie unser Verbandslehrwart vorgenommen hat, müssten dagegen eigentlich alle leben können. Aber vielleicht kümmert sich das IFAB oder die FIFA ja mal darum.

  18. Hallo,

    mir ist gerade aufgefallen:

    Bei der Partie Hannover – Hertha trugen sowohl der Schiedsrichter als auch einer der Torleute (weiß gerade nicht welcher) ein gelbes Trikot. Das ist doch eingentlich so nicht vorgesehen, oder?

  19. Ich habe mal eine Frage zu der neuen Regelauslegung. Und zwar die Spielfortsetzung nach Schiedrichter KO. Was passiert wenn dem Schiedrichter ein bisschen Erinnerung und in der Zeit ein Tor gefallen ist? So wie ich das verstanden habe wird ja das Siel da fortgesetzt wo sich der Schiri dran erinnert. Und wird wenn der Schiri sich zu letzt an ein Tor erinnert, wird dann der Schiedsrichterball aus dem Tor ausgeführt, oder vom Mittelpunkt?

    Schönen Gruß,
    Pätti

  20. Kann man die Regeländerungen denn mittlerweile irgendwo nachlesen? Es wurde von Klaas mMn zu recht um Minute 20:00 herum kritisiert, dass es keine Veröffentlichung oder Öffentlichkeitsarbeit gab. Mittlerweile hätte ja auch die Möglichkeit bestanden, die neuen Auslegungen in der Schiedsrichter-Zeitung aufzugreifen. Aber auch dort gibt es keinen Artikel dazu.

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