#Link11: Immer auf dem Teppich geblieben

… doch mein Teppich, der kann fliegen. Ist das so, muss das so sein? Kann es einen Spitzenfußball ohne Doping, ohne Worthülsen, ohne Randale überhaupt geben oder ist er Teil der Ideenwelt? Ist die Macht über die Fußballzuschauer nur zum Preis der Entfremdung von ihnen zu haben? Is this the world we created? Das Ende (der Woche, des Fußballs, der Welt) ist nah, die elf akopalüzischen Links sollen den Leser an die Hand nehmen. Sie winken ihm zu und grinsen.

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1. Bei Borussia Dortmund schrillen die Alarmglocken, wenn gegnerische Spieler mit Gedanken, Worten und Werken offensichtlich näher am Prototyp des unverfälschten Arbeiterfußballs sind als es dem Marketing und der medizinischen Abteilung recht sein kann – so geschehen im Fall Erdmann vs. Susi. Benjamin Kuhlhoff (11Freunde) widmet vordergründig der fast vergessenen Freude über eine wahrhaftige Auskunft nach dem Spiel einen Artikel, schlägt dem Profifußball dabei aber auch vor, den Boden der Tatsachen nicht unter den Füßen zu verlieren.

2. An der letzten rhetorische Figur hätte auch Gerhard Delling seine Freude. Weniger Freude hatte Heinz Kamke am Auftritt des Dellingpartnernachfolgers Mehmet Scholl in der dienstäglichen Sportschau. In Form eines offenen vermeintlichen Briefes wendet er sich an den ARD-Experten und zeichnet zunächst den Verlauf der Beziehung von Adressat und Adressant nach, um schließlich, dem Artikel unter dem vorigen Punkt nicht unähnlich, den Gedanken zu äußern, der von Herrn Scholl vertretene Fußball könnte vom »hohen Ross herabsteigen«.

3. Fachliche Unterstützung für Kamkes Verärgerung findet sich in der Süddeutschen Zeitung von Biologie-Professor Werner Franke:

Es wäre für Dutt, Scholl oder Klopp nicht schlecht, wenn sie Grundlagen der Biologie und Medizin kennen würden. Das müsste allen Sportlern beigebracht werden. Das ist fehlende Bildung. Die Äußerungen zeigen auch: Die wollen ihr System schützen.

4. In die gleiche Kerbe, mit einem Fokus auf Mittelchen und Wirkungen, schlägt Anna Dreher in der ZEIT: Dass Doping im Fußball nichts bringe, sei »Unfug«. Perikles Simon, Mitglied der Freiburger Kommission, äußert sich bei Stuttgarter-Nachrichten.de zum Umgang mit Doping im Fußball und sorgt sich um den denkbaren schädlichen Einfluss von Beratern auf ihre Schützlinge. »Der Spieler kann nicht immer wissen, was gespritzt wird«, meint Philipp Lahm (Sport1). Auch Martin Hoffmann (Sport1) dementiert. Ausführliche Informationen zum Thema bietet das Rasenfunk-Tribünengespräch mit Jonathan Sachse.

5. Beim DFB befasst man sich dieser Tage auch mit anderen Themen: Der Ausrüstervertrag des Nationalteams läuft 2018 aus und die Verhandlungen für die Folgeperiode laufen an. Lars Gartenschläger (WELT) blickt zurück auf die letzten Verhandlungen und markige Worte Karl-Heinz Rummenigges.

6. In Hannover herrscht »Stimmungskrise«. Carsten Eberts (SZ) legt den Status Quo dar. Ein offener Brief der Klubführung von Hannover 96 an seine Fans und Freunde sorgte gestern für zahlreiche Reaktionen. Klaas Reese versuchte, zwischen den Zeilen zu lesen und zu schreiben. Grenzenlos Sankt Pauli veröffentlichte umgehend einen offenen Brief an die Spieler der Braun-Weißen. Die Roten Mädels schließen sich dem »Wir haben verstanden« an. Bei turus.net bespricht Marco Bertram die grotesken Passagen des Schriftstücks. Auch die Lokalpolitik bleibt nicht untätig. Matthias Waldraff, Oberbürgermeisterkandidat der CDU, schlug folgendes vor (Hannoversche Allgemeine):

Spielmannszüge von Schützenvereinen und Kapellen hannoverscher Feuerwehren sollen künftig während der Bundesliga-Spiele von Hannover 96 auf den Tribünen für Atmosphäre sorgen. »Meine Idee ist, eine Gegenkultur zu den Ultras aufzubauen, die glauben, ihr größtes Kapital wäre es, im Stadion allein für Stimmung sorgen zu können.«

7. In der Bundesliga steht heute Abend das Kellerduell zwischen dem VfB Stuttgart und Hertha BSC an. Im Falle einer Niederlage sieht Goldmann Sax die Schwaben vor dem »endgültigen Abstieg aus der Bundesliga«. Frühere Schicksalsspiele der Schwaben hat der Vertikalpass zusammengefasst.

8. Beim Prozess von Uli Hoeneß vor der Münchner Landgericht bleibt weiter ein gewisses Gschmäckle. Es scheint für Journalisten bislang nicht möglich zu sein, im üblichen Umfang Einsicht in das Urteil zu nehmen (ZAPP).

9.

„Ich bin hier der Bestimmer“, sagt Helge Leonhardt, der Ältere, als er die Stufen zum Trainingsplatz hinuntersteigt. „Ich sehe so aus wie Putin, sagen viele Leute, und ich weiß, was ich will. Ich weiß, was ich will.“ Er hat die Angewohnheit, Dinge doppelt zu sagen, die er besonders wichtig findet.

Anna Hähnig (ZEIT) mit einer Reportage aus der skurrilen Umgebung des FC Erzgebirge Aue, des »Schalke des Ostens«.

10. Der Hamburger SV gibt Geld aus, als qualifiziere er sich regelmäßig für das internationale Geschäft. Welche Konsequenzen es für seine Finanzsituation hat, dass dem nicht so ist, untersucht Sebastian Ragoss für Sportschau.de. Ein potenzieller Geldsegen könnte durch ein neu ausgehandeltes Abkommen bei den Fernsehrechten zu Stande kommen. Das Sportmedienblog geht verschiedene Ansätze zur Steigerung der Einnahmen durch.

11. Fussball-Gegen-Nazis.de bietet eine Einführung, ein Interview und weiterführende Links zum Reizthema »Struktureller Antisemitismus im Fußball«.

Meist geklickter Link gestern
Erster Alles Forever – Die Glocken von Georg Melches.

Field Reporter

Gewalt war nicht so mein Ding. Meine Jungs und ich waren eher auf »Michel aus Lönneberga«-Niveau: Ab und an mal Scheiße bauen, aber am Ende des Tages doch diejenigen sein, die den Omas die Einkäufe nach Hause tragen.

Thomas Zampach im Interview mit 11Freunde.

Mixed Zone
Madrid: Cristiano Ronaldo lässt seiner Wachsfigur regelmäßig die Haare kämmen (Sport1) + + + Düsseldorf: Im Magazin der Polizei NRW findet sich ein Bericht über das Konzept »Intensivtäter Gewalt und Sport« (PDF) + + + Moskau: Die Krim soll eine eigene Liga ausspielen (Handelsblatt/sid) + + + Bundesliga: Neuer Rasen für Schwarzwald-Stadion (kicker), Olympiastadion Berlin (twitter) und Veltins Arena (twitter) + + + Paris:
Es gibt Belege dafür, dass man sich beim Ligue-2-Spiel zwischen Caen und Nimes schon vor dem Spiel über das Ergebnis einig war. Diesen und weitere Fälle fasst die SZ zusammen + + + Halle: Nach Drohungen im Internet hat die SG Motor Halle ein in Kooperation mit dem nächstgelegenen Zweitligisten geplantes Trainingscamp für Kinder abgesagt (Spox) + + + Freiburg: Christian Streich beschimpft das Hoffenheimer Trainerteam als »Schweine«. Für einige Leser der Badischen Zeitung ist der Fall klar: Peter Gagelmann hat ihn dazu gebracht + + + Leipzig würde nach Rangnicks Einschätzung in der Bundesliga mehr Auswärtsfans als 16 aktuelle Bundesligisten mitbringen (ran) + + + London: »Get your tits out for the lads« sang man in Manchester angesichts der Chelsea-Mannschaftsärztin. Eine vom Sportministerium unterstützte Kampagne gegen Sexismus im Fußball setzt hier an (Guardian) + + + Bochum: Gertjaan Verbeek erregt in der PK Aufsehen (westline) + + + Brügge sehen und sterben (Zum Runden Leder) + + + Bielefeld: Auch das Arminia-Fanzine »11Freunde« ist bei der Berichterstattung offensichtlich auf dem Teppich geblieben:

So jubeln nur Fußballfans, die jahrelang Nackenschläge verpasst bekommen haben, die trotzdem zum nächsten und zum übernächsten Spiel kamen, die vielleicht nicht an die Sensation glauben, aber hoffen. Die sich vom Fußball, der kunterbunten Wundertüte, noch verzaubern lassen können.

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