#Link11: Lewa geht weiter

Robert Lewandowski mit den meisten Toren als Einwechselspieler, dem schnellsten Hattrick, dem schnellsten Viererpack und dem schnellsten Fünferpack in der Geschichte der Bundesliga. Machte aus einem 0:1-Rückstand innert 10 Minuten eine 5:1-Führung. War nicht schlecht, muss man zugeben. Dagegen verblasst der Rest natürlich. Trotzdem: Feine Texte auf 2-11.

blogundpresseschau

1 2 3 4 5. Fünnef Tore in neun Minuten. Dirk Gieselmann (11Freunde) versucht sich an einer Einordnung.

»Ich weiß auch nicht, was passiert ist«, sagte Daniel Caligiuri, Tränen oder Schweiß oder beides in den Augen, Sekunden nach dem Abpfiff mit zitternder Stimme. Fieldreporter kennen kein Erbarmen, sie fragen immer diejenigen nach Erklärungen, die sie nicht haben, und an diesem Abend der Dritten Art traf es den armen Caligiuri, der nun dastand wie einer, der beim Gassigehen am Mittellandkanal eine fliegende Untertasse gesehen hatte.

2. Das Spiel um Lewandowski herum, also vor allem vor ihm (zeitlich) und hinter ihm (räumlich). Falls das noch von Interesse ist: »Guardiola stellt falsch auf, aber richtig um«, meint Tobias Escher (Spielverlagerung) zur Partie BayernWolfsburg.

3. Hertha BSC schlug den 1. FC Köln mit 2:0. Jörn & Jörn (Morgenpost) über das Spiel und den Neuzugang und Doppeltorschützen Ibisevic.

4. Im Duell zweier Teams, deren Spielanlage das Fußballherz niedriger schlagen lässt, besiegten die Darmstädter Mentalitätsfußballer die Bremer mit 2:1. Frank Hellmann (FR) hebt besonders die Neubesetzung des Darmstädter Angriffszentrums mit Doppeltorschütze Wagner und Jan Rosenthal anstelle der Publikumslieblinge Stroh-Engel & Sailer hervor.

5. Der HSV hat »äußerst glücklich« in Ingolstadt gewonnen und nun zehn Punkte auf dem Konto. Der Spielbericht auf Sportschau.de enthält die vorstehende Bewertung, bei Zwergenwerke wird insbesondere Labbadia trotzdem bejubelt.

6. Am heutigen Mittwoch trifft der VfB Stuttgart auf seinen fußballerisch wohl schlagbarsten Gegner der bisherigen Saison: den Hannoverschen Sportverein von 1896. In den vergangen Spielen taten sich die Schwaben dadurch hervor, guten Fußball ohne erfolgreichen Torabschluss zu spielen, den Fokus also mehr auf das namensgebende Bewegungsspiel denn auf die fußballspezifischen Ergebniskriterien gerichtet. Heinz Kamke konnte sich für das letzte Spiel seiner Mannen dennoch erwärmen. Hannover dagegen ist in den Augen des Norddeutschen Rundfunks dieser Tage ein einzige Großbaustelle. Punkt eins:

die Mannschaft. Den bisherigen Eindrücken nach hat der Kader im Vergleich zur Vorsaison, als die Klasse erst am letzten Spieltag gehalten werden konnte, noch einmal an Substanz verloren. Der Abgang von Ex-Kapitän Lars Stindl (nach Gladbach) konnte nicht kompensiert werden.

7. In Sinsheim wird Borussia Dortmund im Gastspiel bei der TSG Hoffenheim einen Versuch unternehmen, die Tabellenführung zu halten. Die Vorzeichen scheinen eindeutig: bei den Westfalen läuft derzeit fast alles zusammen, bei den Badenern nur wenig. Im Vorfeld der Partie sind die veranschlagten Topzuschläge in den Fokus geraten, doch noch vor Anpfiff wurde die Angelegenheit zu den Akten gelegt. Beim Deutschlandfunk ist alles gesagt.

8. Dass mal alles zusammen läuft, mal überhaupt nichts, hat Zoltan Sebescen innerhalb weniger Wochen im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit erlebt. Bei ihm lagen ein Nationalelfdebüt als Außenverteidiger und ein Dreierpack in der Liga nur wenige Tage auseinander. Er wurde Teil der Vizekusen-Mannschaft und verdankt sein Karriereende einer Zecke, die nie Andreas hieß. Peter Stolterfoht (ein ähnlich großartiger Name) hat anlässlich eines Zahnradbahngesprächs der Stuttgarter Zeitung sein Auf und Ab aufgeschrieben.

9. Holger Gertz (Süddeutsche) schreibt über die Liebe modeignorierender Männer zum Trikot.

Dass der Mehrheit der deutschen Männer Klamotten wurscht sind, kann man der Mehrheit der deutschen Männer ansehen. Sie lassen sich ihre Kleidung von den Frauen rauslegen. Im Umfeld des Fußballs immerhin sind sie imstande, ein Kleidungsstück auch nach ästhetischen Gesichtspunkten zu beurteilen, das Hemd ihres Vereins. »Besser wär natürlich eine Kordel am Kragen« – einen Satz mit Modeblogger-Charme formuliert so ein Mann nur dann, wenn er über ein Trikot redet.

10. Für sein Blog »Der letzte Zehner« hat Cihan Acar ein altes Format wiederaufleben lassen: Beim »Sport Bild Watch« blättert er sich durch die letzte Ausgabe des Fachmagazins und gleicht die Schlagzeilen einerseits mit der Realität, andererseits mit dem Informationsgehalt des zugehörigen Textes ab.

11. Leider in der noch jungen Saison schon wieder Thema in der #Link11: Gewalt gegen Schiedsrichter im Amateurbereich. Die Verbandsschiedsrichter des Hamburger Fußball-Verbandes benennen in einem offenen Brief sowohl die Probleme als auch diejenigen Vereine, deren Verhalten im Umgang mit Gewalttätern berechtigten Anlass zur Sorge gibt. Besonders bemerkenswert ist angesichts der Urheber des Briefes, dass es sich keineswegs um die niedersten Klassen, sondern durchaus um Probleme im gehobenen Amateurbereich handelt. Auch in Leipzig gab es am vergangenen Wochenende einen Vorfall: Ein B-Jugendspieler schlug den Schiedsrichter mit der Faust ins Gesicht (Sportbuzzer).

Geburtstagskind des Tages

Wer hat heute Geburtstag? Einfach in die Kommentare posten! (Auflösung von gestern: Roy Präger wurde 44)

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Wochenendrebell – »Mein Interview mit Marco Höger«

Bandenwerbung
Die neueste Kabinenpredigt. Diesmal zum Roman »Wintertransfer« von Philip Kerr.

Field Reporter

»Ich bin doch der Kaiser, ich kann mich doch nicht entschuldigen, das habe ich noch nie gemacht.«

Eine Geschichte über Franz Beckenbauer und seine Worte über einen »winzigen Mexikaner« bei der WM 1986 (11Freunde)

Mixed Zone
Stuttgart: Buffy Ettmayer macht sich Sorgen um den VfB + + + Metrik: Für Leser mit Interesse an und Vorkenntnissen in den Standardmaßen der Fußballstatistik: Die Einführung des xPDO bei 11tegen11 + + + Vereinheitlichung: Wider das moderne Tornetz! (11 Freunde) + + + Osnabrück: Wegen Ermittlung des Einzeltäters nach Feuerzeugwurf nur Blocksperren, kein Geisterspiel (DFB.de) + + + Alte Herren: Sieger bei den DFB-Ü40/50-Cups: Hannover und Bielefeld (DFB.de) + + + Porzellankiste: Xabi Alonso bestreitet Vorwürfe, die sich sicherlich als unzutreffend herausstellen werden (SZ) + + + Verbeek: wird für seine Wortwahl (gestern in der #Link11) durchaus kritisiert (FR, Reviersport) + + + Doppelpass: Günter Klein (Münchner Merkur) über den Dauerbrenner des deutschen Fußballtalks und die Zukunft der Idee + + + Cantona: quartiert Flüchtlinge ein (Donaukurier/AFP) + + + #BILDnotwelcome: BILDblog hat Fotos aus den Stadien gesammelt + + + #RefugeesWelcome: Der Effzeh klotzt + + + Fake or Real: Crazy Football Names. John Oliver muss sich entscheiden (Dailymotion) + + + Kaiserslautern: Runjaic geht (SWR) + + + Katar vs Zwanziger: Der aktuelle Stand (Jens Weinreich) + + + Frauen: Kroatien – Deutschland 0:1 (FAZ) + + + Der einzig wahre Lewandowski: Sascha. Wie lässt er den FC Union spielen? (Eiserne Ketten) + + +

Kabinenpredigt: Der Wintertransfer

Gute Fußballkrimis sind nicht sonderlich häufig anzutreffen. Oft endet der Versuch, Fußball und Krimi zu verbinden mit einer wenig passenden Beschreibung der Fussballwelt und einer Storyline, die auch ohne das runde Leder ausgekommen wäre. Anders bei Philip Kerr. In seinem Thriller Wintertransfer ist der Fußball integraler Bestandteil: Ein Trainer stirbt, der Co-Trainer wird zum Ermittler wider Willen.

Der englische Hauptstadtverein London City ist dank dem Geld eines zwielichtigen russischen Milliardärs die englischen Fußballligen hochgeklettert. Scott Manson ist Co-Trainer des fiktiven Fußballclubs, der aus der Fusion vierer Vereine aus dem Londoner East End entstanden ist. Unter seinem Chef, der Trainerlegende Zarco, versucht er die Weihnachtszeit zu überstehen, die im Mutterland des Fußballs vor allem eins bedeutet: Stress. Während die meisten anderen europäischen Ligen im Winterschlaf sind, wird auf der Insel so viel gespielt wie sonst selten. Und dann ist auch noch das Transferfenster offen.

Scott Manson hasst Weihnachten aber nicht nur deshalb. Vor Jahren wurde er in einem Justizskandal eines Verbrechens beschuldigt, das er nie begangen hatte. Sein Verhältnis zur Polizei ist seither stark gestört. Und trotzdem wird er bald darauf selber zum Ermittler. Der Chefcoach von London City wird ermordet. Manson muss den Täter finden. Weil die Polizei dazu nicht in der Lage scheint. Weil sonst Details über den Verein und Coach Zarco bekannt werden. Und weil Manson nur so zum definitiven Nachfolger Zarcos werden kann.

Der Roman von Philip Kerr besticht auf mehreren Ebenen. Kerr schafft es, den Profifußball so zu beschreiben, wie er ist. Oder zumindest so, wie wir Aussenstehende ihn uns vorstellen: dubiose Geschäftsmänner, unbeglichene Rechnungen, zwielichtige Deals. Er schafft es aber auch, einen Mordfall in eine schlüssige Geschichte zu verpacken, die sich dem Leser trotzdem nicht von Anfang an offenbart. Im Gegenteil: Weil man immer mit neuen Erkenntnissen rechnet, kann man das Buch kaum zur Seite legen. Und Kerr streift gleichzeitig Tabu-Themen wie Homosexualität, die im Fussball bis heute existieren. Schade, dass er sie nur streift. Meist gelingt es ihm ausserdem, Randgeschichten zum Leben der Hauptfigur einzubauen, die diese greifbarer machen. Nur zum Schluss verliert er etwas die Geduld und entwickelt das Liebesleben Mansons etwas gar abrupt weiter. Das tut dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch. Wer Fußball und Krimis mag, kann mit Wintertransfer von Philip Kerr eigentlich nichts falsch machen.

Cover des Buchs Wintertransfer von Philip Kerr

Copyright: Verlag Klett-Cotta

Titel: Der Wintertransfer
Autor: Philip Kerr
Typ: Fussballkrimi
Preis: €14.95 / CHF 19.90
Seiten: 425
Infos: http://www.klett-cotta.de/buch/Literarischer_Krimi/Der_Wintertransfer/61855
Empfehlenswert für: Alle Krimifreunde

#Link11: Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich

Dienstantritt. An einem Dienstag. Wie passend. Dienstag ist der Montag der Frisöre. Niemand mag Montage. Außer man hat Urlaub – Jürgen Klopp steht für die Link11 nicht zur Verfügung. Seit Sonntag ist am Niederrhein Aschermittwoch. Am ganzen Niederrhein? Nein, für den einen oder anderen kommen Weihnachten und Ostern zusammen. Mit Frisören pflegt der aber eher keinen Kontakt.

Ähm… an die Arbeit.

blogundpresseschau

1. Überraschende Ereignisse werfen ihre Schatten bisweilen in Pressekonferenzen voraus. Und manchmal ist es genau andersrum. Borussia Mönchengladbachs respektive Max Eberls bemerkenswert offene PK zum Rücktritt von Lucien Favre kann auf Fohlen.TV in voller Länge angesehen werden.

2. Übergangsweise – von Eberl auch klar so benannt – tritt André Schubert Favres Nachfolge bei den Gladbachern an. Der 44-Jährige hatte dort erst zu Saisonbeginn die II. Mannschaft übernommen. Wasn das für einer? Ein 2012 von der Süddeutschen Zeitung geführtes Interview vermittelt einen ersten Eindruck vom Charakter des damaligen St.-Pauli-Cheftrainers.

3. Wie wird der Tabellenletzte den Verlust des enorm beliebten und erfolgreichen Schweizers verarbeiten? Diese Frage versucht abermals die Süddeutsche Zeitung zu beantworten. Die vorsorgliche Absage von Jürgen Klopp ist in Ulrich Hartmanns Artikel zwar nur eine Randnotiz – wir sollten dennoch alle froh sein, dass dieser Kelch an uns vorüber geht:

4. Vor Favres Abgang war die einigermaßen missglückte “Wir helfen”-Kampagne der Bild-Zeigung das bestimmende Thema des Bundesliga-Wochenendes.

»Bild ist ein Bollwerk gegen Hass. Wer etwas anderes behauptet, lügt«

Nachdem es einige Tage verdächtig ruhig um ihn geworden war, hat sich Chefredakteur Kai Diekmann jetzt in einem Interview mit Meedia unter anderem mit obigem Zitat lautstark zurück gemeldet.

Bochums Trainer Gertjan Verbeek behauptet etwas anderes:

5. Theo Zwanziger verwandelt sich immer mehr in eine Art Heiner Geißler des Weltfußballs und macht sich damit nicht nur Freunde: Die Bezeichnung Katars als “Krebsgeschwür des Weltfußballs” versucht der Fußballverband des Emirats derzeit per Unterlassungsklage zu unterbinden. So ist das manchmal mit originellen Vergleichen. Der frühere DFB-Präsident hat nun aber seine Klageerwiderung beim zuständigen Landgericht Düsseldorf vorgelegt. Brisant: Als Zeugen werden darin prominente Funktionärskollegen wie sein Nachfolger Wolfgang Niersbach, Joseph Blatter und Michel Platini benannt. Der Verhandlungsbeginn ist für den 2. Februar 2016 vorgesehen, die FAZ kennt weitere Details.

6. Man crush, anyone? Was den ewigen Roma-Kapitän Francesco Totti so besonders macht, beleuchtet Eight by Eight. Auf Englisch. Und mit viel Hach.

7. Jay-Jay aka die wesentlich bessere Hälfte der Wochenendrebellen hat es wieder getan.

»Magst du Klatschpappen?«

Diesmal befragt er einen aktuellen Bundesliga-Profi, der beim Kicker-Managerspiel doppelt so teuer wie Weigl ist, aber nur ein Drittel von Draxler kostet. Tolltastisch.

8. Was hierzulande als “Kick and Rush” bekannt ist, wird im vermeintlichen Ursprungsland dieser Taktik profanerweise als “long ball” bezeichnet. Der Niederländer hingegen nennt seinen “voetbal totaal” eher… ach, Trainer Baade kann das viel besser erzählen.

9. Zahl des Tages: 1. Exakt so viele Partien wurden gestern in den fünf höchsten deutschen Spielklassen ausgetragen. Sport1 hatte zu einer seiner berühmt-berüchtigten Regionalliga-Übertragungen geladen und sich mit Hessen Kassel vs. Waldhof Mannheim eine namhafte Paarung der Südwest-Staffel ausgesucht. Das kam nicht überall soo gut an:

In seine Spielbericht beschränkt sich der Sportsender gewohnt unboulevardesk auf das Wesentliche.

10. Wolfsburg: Die Karavwane siegt weiter, der Sultan hasst Dost? (Süddeutsche Zeitung)

11. Wolfsburg: Ach nee, doch nicht. (T-Online)

Geburtstagskind des Tages

Wer hat heute Geburtstag? Einfach in die Kommentare posten! (Auflösung von gestern: Horst Buhtz wäre 92 geworden)

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Noch einmal die #BILDnotwelcome-Thematik: Trifft der Leitsatz “auch schlechte PR ist gute PR” wirklich immer zu? Bitte entscheiden Sie selbst.

Field Reporter

»Warum spricht man Fußballern die Fähigkeit der sozialen Weiterentwicklung ab?
Am Beispiel Gojko Kacar: Jeder, wirklich jeder Mensch macht Fehler. Man kann sie verzeihen, man kann sie nicht verzeihen. Gut, ich gehöre zu denjenigen, die zweite Chancen geben, oder Dritte oder Vierte. Weil ich daran glaube, dass Menschen sich entwickeln.«

Beim HSV läuft es momentan den Umständen entsprechend ganz ordentlich. Sportlich zumindest. Im Umgang untereinander (genauer: Fans mit Spielern) sieht Baldrinho allerdings deutliches Verbesserungspotential.

Mixed Zone
Hamburg: Uwe Seeler macht sich Sorgen um Rudi Völler + + + Leverkusen: Rudi Völler macht sich Sorgen um den weiteren Saisonverlauf (Kicker) + + + Hannover: #Frontswag-Bingo (Twitter) + + + Echte Siege: Ist der BVB schon wieder auf einem Level mit den Bayern? (11Freunde) + + + Krefeld: Er kann es nicht lassen (WELT) + + + Bundesliga-Check: Möglicherweise werden Eier benötigt (Spielverlagerung) + + + Doping: Gibt es im Fußball nicht, die UEFA legt trotzdem eine neue Studie vor (Detektor.FM) + + + Ziemlich grün: Fußballerischer Appetitanreger (Twitter) + + + Seziert: Arsenals Finanzen (The Swiss Ramble) + + +

#Link11: Goodbye, Dramaqueen

Unlängst beschäftigten sich die Kollegen der 11FREUNDE mit dem “Konsensklub” aus Gladbach und deren Trainer Lucien Favre, der offenbar nicht zum ersten Mal seinen Rücktritt angeboten hatte. Auch diesen Sonntag machte er das wieder, erneut wollte Sportdirektor Max Eberl ihm diesen Wunsch nicht erfüllen. Mach ich es eben selbst, dachte sich Dramaqueen Favre und erschütterte die Borussia damit “ins Mark”, wie sie selbst schrieb.

Die Link11 vermengt heute außerdem Abschied nehmen, herzreißende Niederlagen, fremdenfeindliche Beleidigungen, sich selbst überhöhende Chefredakteure und Politik machende Argentinier in einen Blogeintrag. Kurz: Es war ein normales Fußballwochenende. Viel Spaß!

blogundpresseschau

1. Er hat es wieder getan. 2009 erklärte Lucien Favre seinen Rauswurf bei der Hertha in einer kruden Pressekonferenz  aus seiner Sicht. Gestern ist er nun vom Traineramt in Gladbach zurückgetreten. Ähnlich seltsam, denn er wählte den Alleingang an die Öffentlichkeit. Parallelen zum Abschied 2009 und dem Aus in Gladbach sechs Jahre später sehen einige: Das Neue Deutschland registrierte diese anhand von Favres Auftritten vor der Presse, ebenso wie Stefan Osterhaus in der NZZ, der zusätzlich die Abgänge Kramer und Kruse mit in seine Analyse einbezieht.

Kicker und Spiegel Online stoßen in etwa ins gleiche Horn, indem sie Favre unterstellen, die Mannschaft unmittelbar vor einer englischen Woche und in einer der schwersten Phasen seit dem Fast-Abstieg 2011 (Favres Beginn), im Stich zu lassen.

Gewohnt kurzweilig (35 Minuten) greift auch der Rasenfunk Favres Rücktritt auf. Zudem auch alle weiteren Partien in der messerscharfen Analyse des Ermittlers.

(Interessanter Aspekt jetzt: Markus Weinzierl vom FC Augsburg ist nun der Trainer der Liga, der am längsten bei seinem Klub ist.)

2. Genauso viele Punkte wie Gladbach hat der VfB Stuttgart. 0. In einem verrückten Match mussten die Schalker eigentlich nichts machen, außer auf die eine Chance zu warten, die der VfB ihnen anbot, um den Ball im Tor unter zu bringen. Auf der anderen Seite wollte genau das der VfB nicht hinbekommen. Ralf Fährmann hielt alles fest, was mehr oder weniger gefährlich auf sein Tor kam. Die SZ würdigt deshalb eine eine herzzerreißende Niederlage.

3. Am anderen Ende der Tabelle können wir uns langsam aber sicher auf die kommenden Wortüberhöhungen des Duells der beiden ungeschlagenen Klubs freuen. Der BVB und die Bayern schicken sich an, die 2-Vereine-Dominanz wieder herzustellen. Das Borussia-Fanzine Schwatzgelb.de sieht auch schon die ersten Parallelen zum von kindlicher Freude geprägten Herbst des Meisterschaftsjahres 2010/11.

Im Süden hat Miasanrot.de hat die nüchterene Analyse des Sieges in Darmstadt und würdigt Sebastian Rode.

4. Erstaunlich ruhig bleibt es derzeit um den Hamburger Sportklub. Nach den turbulenten Anfangswochen mit geklautem Rucksack und Pokalaus mittelmaßen sich die Rauten in der Liga ein. Grund genug für Raute22c die trotzdem auftauchenden Unstimmigkeiten nach dem 0:0 gegen Frankfurt unter der Prämisse “Unsere Probleme hätte ich gerne” aufzuarbeiten.

5.Wir kommen zum Thema der vergangenen Woche. Der Seismograph der Debatte um die Bild, der Twitteraccount von Kai Diekmann, blieb über das Wochenende bis auf die wenigen Danksagungen an die Vereine stumm. Zumindest schob er keine Provokation mehr hinten nach. Eine seiner besseren Ideen, schließlich hingen in vielen Stadien am Wochenende Protestplakate. (Das Round-Up hat der Wochendrebell.)

Das Schweigen des Sprachrohrs interepretiere ich jetzt einfach mal als einen kleinen Sieg der Kritiker, auch wenn das die oberste Etage der Axel-Springer-Straße 65 vermutlich anders sieht. (Spoiler: Ja, sieht sie)

Bild-Sportchef Walter M. Straten schweigt derweil auch, wird aber nicht allzu glücklich über den St-Pauli-Kritik- Alleingang seines Chefs gewesen sein. Denn es lässt sich zum Beispiel aus der Schalker Pressemitteilung ziemlich viel Unverständnis gegenüber der Bild-Redaktion heraus lesen, mit dem die Reporter der Zeitung künftig konfrontiert sein werden. Auch der 1. FC Köln ging in seiner Stellungnahme auf die gelegentlich unsauberen Methoden des Blattes ein.

Für mich ist das Thema durch. Während Fußballdeutschland die Bild am Wochenende im Mittelpunkt seiner Debatten hatte, rammte auf dem Mittelmeer eine Fähre ein Flüchtlingsboot und mindestens 13 Menschen starben, während sie auf ein friedliches Leben in unserer Wohlstands-Blase hofften. Es ist unerträglich. Zäune werden an den Außengrenzen hochgezogen, Kriegsschiffe patroullieren auf dem Meer und die armen Menschen, die es hier her schaffen, müssen es ertragen, dass sich eine Zeitung auf ihrem Rücken profilieren möchte. Das ist mir einfach viel zu billig und zu kurz gedacht, als das ich es noch weiter kommentieren möchte.

6. In Heidenheim schrieben die dortigen Fans ein neues Kapitel im Buch „Mehr oder weniger kreativer RB-Leipzig-Protest“ und klebten Geldscheine an den Leipziger Bus.

Dort aufgedruckt: Didi Mateschitz mit einer auffälligen Nase.

Für den Rotebrauseblog offenbar Antisemtismus:

Für Stadioncheck ein bisschen weniger. Anschließend diskutieren beide.

7. Vom einen Projekt zum anderen. Der frühere Verein Austria Salzburg wurde von einem Getränkehersteller gekauft und spielt seitdem in der Champions League in Österreich als dessen Litfaßsäule. Das wollten die enttäuschten Fans nicht und gründeten ihren eigenen Klub, Austria Salzburg. Von ganz unten haben sie es in die 2. Liga geschafft. Jetzt stößt das Projekt der Fans aber an seine Grenzen, denn das in Eigenregie renovierte Stadion genügt nicht den Anforderungen an ein Risikospiel. Und, ihr ahnt es, helfen kann jetzt eigentlich nur noch der ungeliebte Grund für die Neugründung: RB Salzburg. Der Standard erklärt die prekäre Situation.

8. In Berlin wurde unterdessen das Urteil gegen Meteor 06 gesprochen. Der Verein fiel in der Kreisliga durch antisemitische Beleidigungen und tätliche Angriffe gegen einen Zuschauer von Maccabi Berlin auf. Nun wurde über die Strafe entschieden: Bis 2017 ist der Täter vom Fußball gesperrt, Meteor hat sich ebenfalls von ihm getrennt. Dass der Streit zwischen den Vereinen damit nicht ganz geklärt ist, berichtet der Tagesspiegel.

9. Vor kurzem hatte ARD-Rechercheur Hajo Seppelt in einem Deutschlandfunk-Interview schon angedeutet, dass Doping auch im Fußball bald wieder auf die Agenda rücken würde. Nun ist es soweit: Vergangene Woche verkündete die Uefa, dass sie ein neues Anti-Doping-Programm in Auftrag gegeben habe („Das stärkste, das es bislang gab“). Offenbar ist diese PR auch nötig, denn am Wochenende veröffentlichten die ARD und die Sunday Times eine Studie, die die Uefa selbst in Auftrag gegeben hatte. Das Ergebnis:

Auffällige Steroid-Werte bei 68 Fußballern, die aus Langzeit-Studien vor allem aus der Champions League zustande kam.

Oha.

Die Kollegen von Fußballdoping sehen die Mär „Kein Doping im Fußball“ nun endlich durchbrochen und haben jetzt einige Fragen an die Uefa.

10. Von der Uefa ist der Weg nicht weit zur FIFA. Den am Freitag entlassenen Jeroma Valcke widmet taz-Redakteur Andreas Rüttenauer eine Liebeserklärung (“Schade um das ehrliche Arschloch). Spiegel Online berichtet über Mails und weiteres brisantes Material, das Ermittler nun doch nicht einsehen dürfen. Schweizer Recht macht es möglich. Und Claudio Catugno entlarvt in der SZ derweil das Märchen von Sepp Blätter, er könne nicht alle seine schwarzen Schäfchen bewachen und blickt mit Skepsis auf den stillen deutschen Fußballverband.

11. Ein kurzer Blick nach Argentinien. Dort herrscht zur Zeit Wahlkampf um das Amt des Staatspräsidenten, am 25. Oktober wird gewählt. Einer der Kandidaten: Mauricio Macri, ehemaliger Präsident der Boca Juniors und derzeit Bürgermeister von Buenos Aires. Eine weitere praktische Funktion: Er ist ein Freund von Carlos Tevez, der seit dieser Saison wieder für seine große Liebe Boca aufläuft. Nun hat sich Tevez zur Armut des Landes geäußert und damit den Eindruck erweckt, feinste PR für seinen Kumpel Macri zu machen. Denn erstens genießen in Argentinien Fußballer und ihre ausgesprochenen Sätze Weisenstatus und zweitens gibt es die von Tevez angesprochen Armut laut offizieller Regierungslinie so nicht, weswegen Tevez galant als “Hurensohn” beschimpft wurde. Ein Lehrstück über den Einfluss von Fußball in Argentinien bei der Jungle World.

Meist geklickter Link am Freitag
“Wir waren alle mal Flüchtlinge”. Christian Streichs Rede über seine Sicht auf die weltweiten Flüchtlingsbewegungen. Sehr gut. Auch heute noch sehenswert.

Field Reporter

»Die Mulis, die unsere Ausrüstung tragen sollten«, erzählte er, »sind alle krepiert. Wir nicht. Was mich am Leben erhielt, waren mein Wille, das Glück – und die vage Hoffnung, dass eines Tages der Ball wieder rollen würde.«

Dettmar Cramer war mehr als ein Fußballtrainer, das ließ er auch seine Interviewpartner spüren. Am Donnerstag verstarb er. Dirk Gieselmann erinnert sich an seine Lehrstunden.

Geburtstagskind des Tages

Wer hat heute Geburtstag? Einfach in die Kommentare posten! (Auflösung von Freitag: Heiko Peschke wurde 52)

Bandenwerbung 1:

Kollege Klaas fasst für die Lesefaulen unter euch den Spieltag in 11 Gifs.

Bandenwerbung 2:

Collinas Erben mit einer neuen Ausgabe ihres Podcasts, unter anderem mit der Frage an die Schiri-Ultras der Brigarde Hartmut Strampe, wo man seinen Beitritt zu den “Schiri-Hipstern” erklären kann. Die Brigade tourt unterdessen weiter durch Deutschland, immer auf der Suche nach unparteischem Support.

#Refereeswelcome

Mixed Zone

Hamburg: Uwe Seeler macht sich Sorgen.  + + + Horst Heldt mit einer interessanten Analyse seines Transfersommers (Blick.ch) + + + Der 1.FC Magdeburg hat die fanunfreundlichste Ansetzungen der 3. Liga (meint NurderFCM) + + +

CE072 High Pfeif!


It's raining penalties, sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League. Und über manche davon kann man ausführlich diskutieren. Das tun wir, aber wir haben noch viel mehr auf Lager: den unerwarteten Einsatz eines Premier-League-Referees an der Seite seiner Frau beispielsweise, einen Schiedsrichter, der auf dem Platz tatsächlich ein Telefon benötigt, einen Ex-Bremer, der Unparteiische in höchsten Tönen lobt, und eine brandneue Gruppierung, die im Stadion ausgerechnet die Schiris feiert. Dazu gibt es wie immer Antworten auf Hörerfragen.
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Musik: Tha Silent Partner – P Pulsar (Album Version)

Wir freuen uns über eure Kritik, euer Lob, eure Wünsche. Sendet uns dazu einfach eine Sprachnachricht.

Links: Auf dem Videoblog des DFB äußert sich Hellmut Krug zu einigen Situationen des 3. Spieltags — Die Facebook-Seite der Brigade Hartmut Strampe — Die Kolumnen von Collinas Erben auf n-tv.de — Collinas Erben bei Twitter und bei Facebook — Die offiziellen Fußballregeln als PDF-Datei zum Download

Shownotes: Wir haben jetzt Kapitelmarken!

Spendenkonto

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Klaas Reese
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#Link11: Lügen in Serie

Ein Kollege schrieb mir diese Woche: “Es ist aber auch ne tolle Zeit zum schreiben gerade.” Er hat Recht. Jetzt schickt sich auch noch die Fifa an, in einen Wettstreit mit der Bild um Schlagzeilen zu treten. Im Mittelpunkt: Generalsekretär Jerome Valcke, Serienlügner.

Kein Lügner aber zumindest ein übler Provokateur ist Kai Diekmann. Der Bild-Chefredaktuer hat diese Woche so überheblich ausgeteilt, dass er selbst die ersten Fußballvereine anekelte. Seine Kampagne wird er trotzdem weitermachen, am Wochenende tragen die meisten Bundesligisten den Bild-Aufnäher am Oberarm. Auch dazu hier in der Link11 mehr.

Irre Woche, das kann man nicht anders sagen. Und die Bundesliga beginnt heute erst. Wenn jetzt noch Red Bull seinen Rückzug aus allen Sponsorings bekannt gibt, können wir den Laden schließen. Davor aber noch die Link11 lesen.

blogundpresseschau

1.  Manchmal stelle ich mir die Fifa als einen Kreis voller greiser Männer vor, die in einem abhörsicherem abgedunkeltem Raum sitzen und genau wissen, dass sie sich an der Leidenschaft vieler Fans schamlos bereichern. In diesem Raum hofft jeder der Anwesenden darauf, nicht der nächste zu sein, dem Korruption nachgewiesen wird. Für einen hat das Bangen nun ein Ende: Pfüat di, Jerome Valcke. Vom Fifa-Freund Jens Weinreich gerne als Serienlügner genannt (gerichtlich erlaubt!), wurde der Generalsekretär nach einer dramatischen Sitzung gestern Abend freigestellt. Valcke hat, natürlich, alles bestritten. Ich sage mal: Schwierig, wenn man offiziell Lügner genannt werden darf. Die Geschichte, warum der Generalsekretär gehen musste, liest sich wie ein lupenreiner Krimi-Plot. Das Valcke offenbar schon fast ein Jahr vor der Vergabe wusste, dass Katar die WM 2022 bekommen würde, könnte auch noch spannend werden. Beim Schweizer Tagesanzeiger liegt der Fall sauber der Reihe nach aufgeschlüsselt.

Damit ist Sepps engster Vertrauter, Geschäfteeinfädler und Feuerwehrmann weg. Frage an die Buchmacher: Wie lang ist der Strohhalm, an den sich der scheidende FIFA-Boss noch klammert? Geht es nach den Dokumenten, die einige Medien diese Woche auf einem USB-Stick bekommen haben, sehr kurz. Erstmals könnte ihm Korruption nachgewiesen werden. Ebenfalls beim Tagesanzeiger zu lesen.

2. Nun aber zu denen, die auch wirklich Fußball spielen: Der BVB hatte gestern unerwartete Probleme gegen die sich wehrenden Russen aus Krasnodar. Erst in der Nachspielzeit fiel das 2:1 für die Borussia. Und: Das Stadion füllte sich nicht komplett. Zudem gab es Proteste gegen die Bild-Aktion (Mehr dazu später). Schwatzgelb.de reiht die Beobachtungen des Abends aneinander.

3. Souveräner bewältigte der Lokalrivale seine Aufgabe: Schalke gewann gegen Nikosia auf Zypern 3:0. Der Königsblog mit einer geteilten Analyse: Zum einen eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse, zum anderen seine Meinung zur Bild-Kampagne und warum Schalke wohl mitmachen wird.

Der Kicker hat alle Ergebnisse des gestrigen Spieltages.

4. Seine Premiere feierte gestern der FC Augsburg. Unter dem Slogan #keineSau war der Underdog nach Spanien gereist. Augsburg verkaufte sich in Bilbao 40 Minuten lang sehr gut, Halil Altintop brachte den FCA gar in Führung. Das Spiel endete aber 3:1 für die Spanier, trotz der Stewardessen (!). Kathrin Steinbichler war für die SZ mit in Bilbao und hat den Tag beobachtet.

5. Es ist die wohl anfälligste Region des Körpers für Fußballverletzungen: Das Kreuzband im Knie. Kim Kulig riss sich eben jenes 2011, kam zurück, musste wieder operiert werden und beantragt nun mit 25 Jahren und einem künstlichen Kreuzband Sportinvalidität. 33 Mal stand sie für die Nationalelf auf dem Feld und galt als eines der vielversprechenden Talente. Schade. Womensoccer mit einer Hommage an ihre Vergangenheit und einer Jubelarie auf ihre zukünftige Aufgabe bei DFB und ZDF.

6. Wir bleiben bei den Damen. Verteidigerin Saskia Bartusiak wurde gestern zur neuen Kapitänin der Nationalmannschaft gewählt. Tragen darf sie die Binde gleich heute, die Frauen starten um 16 Uhr in Halle/Saale in die EM-Quali gegen Ungarn. Im Fokus steht dabei auch Co-Trainerin Steffi Jones, die nächstes Jahr Chefcoach werden soll und sich nun einarbeiten darf. Hat nicht jedem gefallen. Daniel Meuren analysiert bei faz.net das Verhältnis von Noch-Trainerin Silvia Neid und Steffi Jones und bespricht die anstehenden Herausforderungen. (Leider benutzt er dabei das stereotype Narrativ der Mode, weil es um „modebewusste Frauen“ geht. Muss nicht sein, finde ich.)

7. Auch heute kommen wir um das Thema nicht drum rum: Die Diskussionen um den Bild-Badge “Wir helfen – Refugees Welcome” hat gestern wohl alle Bundesligisten beschäftigt. Ich probiere es zunächst mal mit einer kleinen Übersicht. Es ist, Stand jetzt, fast alles dabei:

Ein kompletter Verzicht (FC St. Pauli, Union Berlin, VfL Bochum, SC Freiburg, MSV Duisburg, der dafür aber mit kompletten Refugees-Welcome-Aufdruck am Trikot), ein halber Verzicht (1. FC Nürnberg), ein Unverständnis über den Verzicht (Flüchtlinge rein, Rheinland raus!), und keine Reaktion, also wohl der normale Bild-Badge am Oberarm (der Rest, unter anderem auch die komplette 1. Liga).

Sei es drum. Zu Kai Diekmann muss man nicht mehr viel sagen. Der ist komisch. (Für eine andere Wortwahl vermisse ich von Zeit zu Zeit Diekmanns Freund Malte Dürr. Malte, falls du das liest, schick doch mal ein paar Vorschläge.) Was ich mag, ist die besonnene Reaktion der Vereine. Sie verweisen auf ihr eigenes Engagement und verzichten in den Stellungnahmen auf große Polemik. Unterdessen bloggen viele Fans leidenschaftlich gegen ihre Klubs an, bei Fortuna Düsseldorf sieht der Supportes Club gar einen Schlag ins Gesicht aller Fans und einen Verrat an der Identität des Vereins. Harter Tobak. Die Aktion hat meiner Meinung nach zwei Dinge gezeigt:

  • Die Bild schafft es weiterhin mit plumper Provokation mehrere Tage lang ein Feuer und damit Aufmerksamkeit zu entfachen. Weil sie gleichzeitig auch ein “Bundesliga-Lizenznehmer” (Effzeh) ist, also Geld an die DFL und damit indirekt die Vereine für exklusive Videos überweist und das auch bei den kommenden TV-Verhandlungen 2016 ausweiten möchte, bleibt das Blatt ein mächtiger Mitspieler des Geschäfts. Ein Ausscheren will gut überlegt sein. Deshalb haben die meisten Vereine in ihrer Ablehnung wohl auch eher Solidarität mit St. Pauli bekundet als das Schaffen der Bild anzugreifen.
  • Andererseits hat sich gezeigt, dass sich unter Fußballfans eine breite Front und ein tiefes Misstrauen gegenüber der Bild gebildet hat. Und das dieses Raunen an der Basis noch immer bis in die Chefetagen durchdringt. Der Vereinsgedanke, er lebt ein bisschen weiter.

8. Auch das hatten wir gestern schon hier: Der “Fanrun” zu Gunsten der Flüchtlinge beim FC Bayern wird weiter heiß debattiert. Die Neuigkeiten seit gestern: Auch Domains zu einem Lauf zur Europameisterschaft 2016, beim BVB und bei S04 wurden schon reserviert, von wem ist nicht klar. Bislang fehlt auch eine Meldung des FC Bayern und eine ordentliche Rückmeldung der Veranstalter von Mandigo. Mal abwarten.Weiterhin die Empfehlung auf das Storify von Twitteruser @helmi und auf den geupdateten Blog von Miasanrot.

Die taz sieht bei der Bild, die bei beiden Themen, “Fanrun” und der Aktion am Wochenende beteiligt ist, ein Engagement als Geschäft. Außerdem bemerkt sie, dass @helmi, der als erster skeptisch wurde und anfing, Antworten auf seine Fragen zu suchen, dabei ganze Arbeit geleistet hat, in etwa so wie ein Journalist. Es zeigt sich gerade an diesem Beispiel, dass sich gute Blogger längst auf Augenhöhe mit Journalisten bewegen können und, wenn Zeit investiert wird, auch schöne Ergebnisse dabei rausspringen.

9. Vieles hatten die Blogger auch zur vergangenen Transferperiode zu schreiben. Der Transferwahnsinn diesen Sommer war keine besonders neue Entwicklung. Aber schon einigermaßen abgefahren, wie schnell und teuer Spieler im Juli und August verschachert wurden. Die europäische Spielergewerkschaft Fifpro will nun deshalb laut faz.net bei der EU-Komission Beschwerde einreichen und nichts weniger als das Transfersystem abschaffen. Die Gründe: Die Reichen beherrschen den Markt als Kartell, die kleinen Ligen bluten aus und ausstehende Spielergehälter werden zur Verhandlungsmasse. Christoph Becker erklärt die Offensive der Gewerkschaft.

10. Einer der Vereine, die laut Fifpro Teil des übermächtigen Kartells sein sollen ist der FC Barcelona. Dinge, die man bislang über den FC Barcelona wusste:

  • Messi

 

 

 

  • Pep
  • Xavi, Iniesta, Neymar, Suarez, Puyol
  • Haben ne ordentliche Jugendakademie (die ab und an auch mal mit illegalen Kindertransfers bestückt wird)
  • Deshalb darf Barcelona gerade offiziell keine Transfers tätigen, was aber einen stolzen Katalanen nicht weiter juckt
  • Sie fänden ohnehin ein eigenes Katalonien ganz geil
  • Sie finden Madrid demnach nicht ganz so geil
  • Haben viele Pokale

Dinge, die man (ich) bislang nicht über den FC Barcelona wusste:

  • Rechte Hooligans, die für einige Skandale in der Vergangenheit verantwortlich waren (Schweinskopf vs. Figo), eine Zeit lang sogar vom Verein hofiert wurden, jetzt aber verboten sind, aber irgendwie immer noch da.

Fred Otten hat bei der Vice die Details.

11. Bei all den ganzen Aufreger-Themen, die diese Woche den Puls haben hochschnellen lassen: Lehnt euch am Freitag mal kurz zurück, freut euch auf euer Fußballwochenende und gönnt euch diese 36 Traumtor-TordesJahres- UnfassbareKiste-Sekunden von Christian Beck aus Magdeburg. Werde versuchen, die Bude am Samstag gegen Lichtenrade-Ost nachzumachen. (In den nächsten Wochen also keine Link11 von mir. Bin dann im Krankenhaus.)

https://www.youtube.com/watch?v=aEN2fjgAYuk

 

Meist geklickter Link gestern
Vermutlich war euch die Lawine an Artikeln zum St. Pauli-Bildaktion-Verzicht ein wenig too much. Dann flüchtet man schonmal zum leichteren Stoff: Hakan Calhanoglu und seine Freistoßübungen haben am meisten interessiert.

Field Reporter

»Jetzt haben wir wenig über Fußball geredet, aber es gibt ja auch wichtigere Themen.«

Christian Streich, streitbar, aber ein Mann mit Rückgrat, gibt eine denkwürdige Pressekonferenz. Enthält Einblicke in die Entscheidungsfindung in seinem Verein, wie man mit der BILD-Kampagne umgehen soll. Sein mehrminütiger Monolog ist absolut sehenswert, dreht sich weiter, behandelt die Kolonialisierung der Europäer, die Flüchtlingsursachen und die deutsche Hilfsbereitschaft. Er sitzt vor den Sportjournalisten und erzählt einfach ein bisschen aus seinem Leben. Schön.

Geburtstagskind des Tages

Wer hat heute Geburtstag? Einfach in die Kommentare posten! (Auflösung von gestern: Sergej Barbarez wurde 44)

Mixed Zone
Hamburg: Uwe Seeler macht sich vorerst keine Sorgen, denn: Joe Zinnbauer hat einen neuen Job (Sportinsider)   + + +  Die Bayern intervenieren nach der Polizeiattacke in Piräus bei der Uefa (SZ) + + + Heute wird vor dem Sportgericht die antisemitische Attacke gegen Tus Makkabi Berlin verhandelt. Ein Interview. (Berliner Woche) + + + Robert Pohl, Sprecher von “Unsere Kurve”, erklärt seinen Frust darüber, dass viele Vereine an der Bild-Aktion teilnehmen werden (11freunde) + + +  In Babelsberg braucht niemand die Bild, um Flüchtlingen zu helfen. Hannes Hilbrecht war bei Welcome United (ZEIT Online) + + + Kann Bayer Leverkusen auch verteidigen? (NZZ) + + + Ein bisher nicht näher definierter Blog ätzt gegen “Reizphilosoph” Wolfram Eilenberger und dessen Abkehr vom FC Bayern. (Bayernmedien) + + + Dettmar Cramer ist gestern gestorben. Ruhe in Frieden. (DFB) + + +

#Link11: Welcome

Lass mich mal den Donnerstag machen. So viel Zeit hab ich die Woche über gar nicht, aber da geht es ja dann nur um die CL-Spiele und vielleicht kann ich Mittwoch schon etwas vorarbeiten.
Haha, Maik, selten so gelacht.

blogundpresseschau

1. Es ist ja gefühlt doch so, dass die Nummer 1 auch am häufigsten angeklickt wird.
Heute fällt die Wahl da nicht schwer und ich bin mir sehr sicher, bei den Links zu diesem Thema viele vergessen oder übersehen zu haben, die da auch zugehören. Es fiel in der Masse der vielen Reaktionen aber leider noch schwerer als sonst, den Überblick zu behalten. Und das ist gut so. #BILDnotwelcome
Man könnte hier sicher noch viel zu dem Thema schreiben, doch ist es unter unseren Lesern wahrscheinlich ein bißchen, wie Eulen nach Athen zu tragen oder zu erklären, dass der Ball (rund) ins Tor (eckig) muss. Die Links unter der Trikotnummer 1 sind also allesamt empfohlen, besondere Grüße gehen dann zusätzlich an das Zitat des Tages, siehe unten.

2. Während der FC St.Pauli die Form des freiwilligen Verzichts auf die Teilnahme am BILD-Marketing wählte und dies eigentlich auch nicht öffentlich machen wollte, fordern ja nun Fans fast aller Vereine ihren jeweiligen Club dazu auf, diesem Beispiel zu folgen. Der Ausgang bleibt abzuwarten, bei vielen dürfte die Angst vor anschließender schlechter (sogenannter) “Presse” überwiegen.
Positive Ausnahme ist da bis jetzt einzig der MSV Duisburg. Zwar wurde dort noch nicht kommuniziert, ob das BILD-Logo auch den Ärmel schmücken wird, aber bei einem großflächigen Brustaufdruck “Refugees Welcome” statt des Sponsors Balck Crevice geht es dann immerhin unter, wenn es denn überhaupt drauf bleiben sollte.

3. Damit genug von diesem Thema, eigentlich eh schon wieder viel zu viel Aufmerksamkeit für die Brandstifter. Kommen wir zu schönerem: Der Champions League. Genauer: Der Auftakt des FC Bayern bei Olympiakos Piräus.
Doch während man sich dort über den zwölften Auftaktsieg der Bayern in Folge in diesem Wettbewerb freuen sollte und die Kollegen der Spielverlagerung und vom MiaSanRot-Blog dies auch gewohnt fachmännisch in die taktischen Feinheiten zerlegen, gibt es aus Fansicht leider einen anderen Schwerpunkt. Wenn selbst ein Verein wie der FCB, der sich bisher nicht durch sonderlich polizeikritische Aussagen positionierte, von unverhältnismäßigem Schlagstockeinsatz” (SZ) spricht, so scheint doch einiges schief gelaufen zu sein.
Auch wenn generell die Vorstellung von “Verhältnismäßigem Schlagstockeinsatz” eine eher merkwürdige ist.
Darüberhinaus gibt es (ebenfalls in der SZ) noch Aufschlußreiches über die wirtschaftliche Situation von Olympiakos, seinen Herrscher und einen Manipulationsverdacht.

4. Bleiben wir kurz bei den Bayern und knüpfen doch nochmal an die vorherige Diskussion an. Der FC Bayern veranstaltet einen “Fan Run“, dessen Erlöse dann auch besagter “Wir helfen”-Aktion der BILD zugute kommen., 29,99€ für einen 5.000-Meter Lauf und als Bonus gibt es auch noch ein BILD-Plus-Abo? Auch sonst ist da alles etwas merkwürdig und intransparent. Man möchte dem FCB ein “Das Gegenteil von Gut ist Gut Gemeint” entgegenschleudern und zumindest @helmi hat diesbezüglich mal auf storify damit angefangen.

5. Stadionsprecher – das vielleicht letzte Mysterium des Profifußballs?
Jedenfalls gibt es vom sachlichen Vermelder der relevanten Informationen bis hin zum marktschreierischen Entertainers alle möglichen Facetten, selbst in Deutschland. Und wenn man dann in andere Länder schaut, wird es oft noch interessanter, was die 11Freunde jetzt in einem Interview mit “Decibel”, dem Stadionsprecher des SSC Neapel herausarbeitet.

6. Nochmal zurück zum sportlichen Teil der Champions League: Auch Bayer Leverkusen ist ja mit dem 4:1 gegen Bate Baryssau durchaus erfolgreich in die Gruppenphase gestartet, was angesichts der weiteren Gruppenmitglieder AS Rom und FC Barcelona natürlich auch so eingeplant war.
Hakan Calhanoglu konnte bei seinen bisherigen Auftritten abseits des Platzes wenig Bewerbungen für den Orden “Goldene Rhetorik am Bande” einreichen und auch die Überschrift in der FAZ “Ich musste ballern, ballern, ballern…” klingt eher nach einem Jürgen Drews-Song als nach neuen Erkenntnissen. Trotzdem durchaus lesenswert, was er über Freistöße, “Hallo sagen” und vieles Weitere erzählt.

7. Vom türkischen Nationalspieler Calhanoglu ist der Weg dann nicht allzuweit zu Carsi, der führenden Ultra-Gruppierung von Besiktas. Im aktuellen TRANSPARENT-MAGAZIN geht es generell um das Thema “Fußballfans vs. Erdogan“, hier kann man schon mal ein wenig reinschnuppern.

8. Ach ja, Europa-League ist ja auch noch, interessiert nur gefühlt eben #KeineSau. Der FC Augsburg (Augsburger Allgemeine) freut sich natürlich trotzdem wie Bolle auf seine internationale Premiere, während der BVB (schwatzgelb.de) und Schalke 04 (sport1) wohl die Gruppenphase möglichst schnell und schadlos überstehen wollen.
“Genießen” sei trotzdem das falsche Wort, so Paul Verhaegh im Kicker, aber freuen würde man sich schon. Zurecht, unbedingt.
Außerdem beleuchtet die Sportschau den mathematischen Ansatz des FC Midtjylland, sich langfristig Erfolg zu sichern.

9. Und wenn man dann die ganzen internationalen Spiele abgehakt hat, kommt es am Wochenende ja u.a. zum Derby in Köln gegen Mönchengladbach, welches in Sachen “Boykott” weiter auf beiden Seite für hitzige Debatten sorgt. Die Borussen gehen heute dann lieber zum Training als Samstag zum Spiel (kicker), während man bei effzeh.com mit “Zehn Dinge, die man nicht unkommentiert stehen lassen kann” ein Medienhandbuch für Fanfragen veröffentlicht.

10. Ein letztes Mal der FC Bayern: Erfolg macht sexy, sagt mensch. Wolfram Eilenberger erklärt nun aber in der ZEIT, warum regelmäßiges “zum Höhepunkt kommen” nicht gleichbedeutend mit wohligem Knistern ist. Läuft vielleicht demnächst als Verfilmung bei RTL II im Nachtprogramm, vorerst aber nur schriftlich: “Lieber FC Bayern, es ist aus mit uns.

11. Out of Soccer: Gestern lief die Meldefrist für die Olympia-Bewerbung für die Ausrichtung der Sommerspiele 2024 ab. Aus Deutscher Sicht schmeisst Hamburg seinen Hut in den Ring, so denn ein für Ende November geplantes Referendum dies nicht vielleicht doch noch verhindert.
Über Pro und Contra werden sich die Hamburger Bürger bis dahin hoffentlich ausführlich informiert haben, bei einem von den Befürwortern erhofften positiven Ausgang würde es dann im September 2017 gegen die Kandidaten Paris, Rom, Budapest und Los Angeles gehen (DW), die Entscheidung fällt in Lima.
Jens Weinreich blickt bei SPON auf “508 Seiten Prinzipien

Meist geklickter Link gestern
10.000 freie Plätze beim BVB-FKK. (Ruhrbarone)

Field Reporter

»Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.«

Max Goldt

Geburtstagskind des Tages

Wer hat heute Geburtstag? Einfach in die Kommentare posten! (Auflösung von gestern: Karl-Heinz Riedle wurde 50)

Mixed Zone
Hamburg:
 Uwe Seeler macht sich Sorgen um Kai Diekmann.  + + +  Bremen: Tim Borowski, Sportlicher Leiter der U23 wirft nach wenigen Monaten hin. + + + St.Gallen: Joe Zinnbauer wechselt in die Schweiz

#Link11: Oh wie ist das Schön

Es ist die Woche der europäischen Clubwettbewerbe: Champions und Euro League starten in die Saison 2015/2016. Neben rauschenden Fußballfesten und dem Schaulaufen der Superstars bedeutet das vor allem, dass altbekannte Fragen zu stellen sind. Werden all jene deutschen Clubs, die nicht die Worte “FC Bayern” im Vereinsnamen führen, wie gewohnt klägliche Rollen abgeben? Werden Vereine aus Manchester auch in diesem Jahr weniger Pässe an den Mann bringen, als sie Millionen in neue Spieler investiert haben? Wird Pep Guardiola es endlich allen recht machen können? Werden dieselben 3-4 Vereine der Vorjahre im Halbfinale stehen?

Ebenfalls gejährt hat sich gestern der Geburtstag von Trainerlegende Helmut Schön. Der “Mann mit der Mütze” wäre 100 Jahre alt geworden. Anlass genug für großartige Huldigungen, spannende Anekdoten und Fundstücke der Kategorie “Fokus Fussball Redakteure auf Tuchfühlung”.

blogundpresseschau

1. Die Champions League Saison der Herren hat begonnen und gleich der erste Spieltag bietet Duelle wie Man City gegen Juve (Hier in der Nachbesprechung bei Drifting into Space ) oder AS Rom gegen Barcelona. Stephan Reich aber weiß auch die unschönen Seiten des Lebens zu genießen und widment den seiner Ansicht nach unattraktivsten Paarungen der Woche eine kleine Lobschrift (11 Freunde). Oliver Fritsch und Fabian gehen da analytischer vor und stellen 7 Fragen zum Beginn der CL. Von “Nutzt Pep seine letzte Chance?” bis “Wem schreibt Horst Heldt dieses Jahr?” (Zeit).

2. Der VfL Wolfsburg besiegte ZSKA Moskau ohne dabei wirklich zu überzeugen. Zumindest gelang Julian Draxler sein Premierentor für den neuen Arbeitgeber (schriftliche Zusammenfassung bei Spox).

»Genau darüber haben wir ja nachgedacht: Was hat der Verkauf von Kevin für eine Wirkung auf die Fans? Es ist ein großer Verlust, natürlich. Aber auf der anderen Seite auch ein Zeichen, dass wir realistisch bleiben und wirtschaftlich denken.«

Ein demütiger Klaus Allofs gewährte derweil Michael Horeni Einblicke in seine Managerseele (FAZ). Nachdem der VfL gestern aufgrund leerer Zuschauerränge wieder einmal zum Ziel des allgemeinen Spotts wurde, denkt er womöglich anders über den de Bruyne Verkauf. Muss er aber nicht unbedingt.

3. Borussia Mönchengladbach hätte sich bei seinem ersten großen europäischen Auftritt seit Jahrzehnten kaum noch mehr selbst im Wege stehen können. 3 verschuldete Elfmeter und ein Quasi-Eigentor bedeuten weiterhin harte Zeiten für Gladbacher Fans (11 Freunde). Praktisch jedoch: Quasi in weiser Voraussicht hatte Peter Ahrens gestern an die Europokalauftritte der goldenen 70er Jahre erinnert (Spiegel). Die nimmt ihnen keiner mehr.

4. Real Madrid gewann sein gestriges Spiel souverän. Dabei kam das im Sommer verpflichtete (Super?)Talent Mateo Kovacic erstmals in der CL für den neuen Club zum Zug. Im Sommer hatten sich einige, mich inbegriffen, darüber gewundert, dass Real grade diesen, bei Inter zuletzt nicht vollständig überzeugenden Spieler verpflichtete. Rene Maric klärt für abseits.at, ob Kovacics Wechsel Sinn macht.

5. Gestern wäre Helmut Schön – erfolgreichster Bundestrainer aller Zeiten, 100 Jahre alt geworden. Martin Einsiedler erinnert an den “sehr sensiblen Menschen” Schön (Tagesspiegel), Hartmut Scherzer rekapituliert vor allem Erfolge und Niederlagen des “letzten großen Sachsen” (FAZ). Zu diesem Titel passend berichtet Sebastian Kahl von Schöns bewegter (und in der Flucht mündender) Karriere im DDR-Fußball (Fußball in Sachsen). Besonders schön: Collinas Erbe Alex hat Helmut Schön sogar schon einmal getroffen. Und es gibt eine Videoaufzeichnung davon.

 

6. Der FK Astana dürfte zu den eher kleineren Attraktionen der CL-Saison zählen. Doch der erste kasachische Club in der “Königsklasse” ist mehr als nur ein gewöhnlicher Außenseiter aus einer kleinen Liga. Denn wie auch die Bewerbung um die olympischen Spiele 2022 ist der Verein ein ehrgeiziges PR-Projekt der kasachischen Regierung (SZ).

7.

“Tim Wiese bewarf eine Politesse mit Geld.”

Das könnte man zwar eigentlich so stehen lassen, Lars Wallrodt hat aber dennoch eine Ereiferung über das gesellschaftsfeindliche Verhalten rüpelhafter Fußballer geschrieben und fordert eine “Charakterschulung” von Fußballvereinen (Welt).
Ich denke ja, etwas weniger Aufregung hätte es auch getan. Wie genau Fußballclubs schon im Jugendbereich auf das Benehmen ihrer Schützlinge achten, wurde kürzlich unter anderem in der Link11 besprochen.

8. Auch die (Un-)Wirksamkeit des Financial Fair Play war kürzlich ein Thema bei uns. Sport Inside hat sich am Montag der Sache angenommen und der UEFA vorgeworfen, vor europäischen Großclubs einzuknicken.

9. Am Donnerstag startet auch die Euro League. Unter anderem mit Borussia Dortmund und dem nicht ganz so bekannten Gegner FK Krasnodar. Damit ihr im Pub dennoch über das Aufbauspiel des Underdogs philosophieren könnt und jederzeit wisst, welchen Raum der Gegner überladen wird, hat Eduard Schmidt ein sehr ausführliches Profil des südrussischen BVB-Kontrahenten verfasst (Konzeptfußball).

10. Raphael Honigstein hat ein Buch über die “deutsche Fußballrevolution” geschrieben, die letztendlich im Gewinn der Herren-Weltmeisterschaft 2014 mündete. In einem Auszug aus “Das Reboot” erzählt er die Geschichte von Dietrich Weise, einem unbesungenen Helden besagter Revolution und geistigen Vater der modernen Jugendförderung im deutschen Fußball (Guardian).

11. Alexander Hleb hätte ein ganz Großer werden können. Bei Arsenal. Oder bei Barca. Selbst beim VfB Stuttgart. Zahlreiche Verletzungen und Fehlentscheidungen später ist der “Zauberlehrling” wieder in der weißrussischen Liga angekommen, der er einst entfloh. Philipp Ohnesorge über eine Karriere, die ganz anders hätte laufen sollen (11 Freunde).

Meist geklickter Link gestern
Klaas mit seinen GIFs zum Bundesligaspieltag

Field Reporter

»Die Schiedsrichter an der Basis werden oft vergessen. Es gibt einmal im Monat eine Schulung, aber es existiert niemand, der sich um ihre Sorgen und Nöte kümmert. Sobald man ein Problem hat, steht man ganz alleine da. Wie man mit Problemen umgeht, ist auch kein Teil der Ausbildung. Es werden einem letztendlich nur die Spielregeln eingetrichtert.«

Sebastian Patzel gewährt FuPa einige interessante Einblicke in das einsame Leben eines Schiedsrichters.

Geburtstagskind des Tages

Wer hat heute Geburtstag? Einfach in die Kommentare posten! (Auflösung von gestern: Michael Lameck wurde 66)

Mixed Zone
Jung & naiv: Sky hat einen “Youtuber” ins Moderatorenteam aufgenommen (DWDL) + + +  Collinas Erben auf Kurzwahl: Wenn der Schiri auf dem Platz zum Handy greifen muss (Morgenweb) + + + Kriegszustand: E-Jugendspiele und Hooligan-Eltern (Westdeutsche Zeitung) + + + Auch in Dortmund: Leere Ränge. Wegen zu hoher Ticketpreise (Ruhrbarone) + + + Korrumpiert: BILD, die DFL und Flüchtlingshilfe (11 Freunde) + + + Schwalben aus der Hölle: Heute mit Sergio Ramos (Youtube)

#Link11: Die Fakten tanzen

Die Bundesliga nutzt die Ärmelwerbefläche für eine Willkommensgeste gegenüber Flüchtlingen – sie nutzt dafür das Logo einer Aktion der BILD (ran.de). Schon am letzten Bundesligaspieltag wurden anlässlich einer möglichst pathetischen Wiederkehr zweier Fußballgötter mit der Nummer 14 einfache Zusammenhänge vorübergehend außer Kraft gesetzt (hier: alt und nicht fit => nicht gut). Geschichten, die nur der Fußball schreibt, waren es trotzdem nicht, schließlich kann ein Fußball gar nicht schreiben.

blogundpresseschau

1. Ästhetik, Distanz, Lethargie. Ein Portrait. Aber Димитър Бербато (Dimitar Berbatow) antwortet nicht auf jede Frage. Ein »Twenty-Minute Read«.

»I will have a game where you stand around doing nothing, and then in the end, the ball hits you in the knee and goes into the net. But that doesn’t make me feel happy. I need to play with the ball and feel it with my feet, to organise and make things happen. That is what make me feel like a player«

2. Die US-Justiz beschäftigt sich weiter mit der FIFA, mit abgezweigten und eingesteckten Geldern: Loretta Lynch setzt ihre Jagd nach den Millionenbetrügern und -bestechern in Zürich persönlich fort. SZ-Journalist Thomas Kistner schilderte im Deutschlandfunk die Sachlage und schrieb dann einen Artikel über die mit Spannung erwartete Pressekonferenz am gestrigen Montag.

3. Indes trägt die UEFA von heute an die Gruppenphase der diesjährigen Champions League aus und hofft spätestens in den KO-Runden auf attraktive Duelle. Im Morgengrauen hat die Frankfurter Rundschau einen Artikel ihres Autors für Fußballfinanzthemen, Frank Hellmann, online gestellt. Er dreht sich um ein Perpetuum mobile aus Finanzkraft und Erfolg in der Champions League. Stefan Osterhaus (NZZ) spart vor dem Einstieg des Wolfsburger VfL in den Wettbewerb nicht an deutlichen Urteilen zum Standort, zu Julian Draxler und zu André Schürrle.

4. Blicke zurück auf den vierten Spieltag der Bundesliga-Saison. In Form einer GIF-Party bei Reeses Sportkultur. Als Gesprächsrunde beim Rasenfunk. Als Schiedsrichter-Kolumme bei n-tv.de. Oder als Presseschau in der Presseschau (mit anderen Fokussen als hier auf 5–9) beim indirekten Freistoß.

5. Seit dem 4:2-Abenteuer im Trainingslager gegen Manchester City ist es still geworden um den württembergischen Überfall-Fußball – oder? Rene Maric (Spielverlagerung) analysiert das 1:2 der Stuttgarter in Berlin – ich lese heraus: der VfB spielt »eigentlich gut« (aber).

6. Hannover bot Dortmund überraschend lange Paroli, verlor schließlich mit 2:4. Niemals allein zeigt die Schwachstellen im 96-Spiel auf. Ein Beispiel: Gefährliche Diagonalbälle nach schwacher Staffelung im Pressing. Carsten Eberts (SZ) legt kurz dar, warum Matthias Ginter beim derzeitigen BVB einen herausragenden Rechtsverteidiger abgibt, deswegen aber noch nicht zur Lösung für die Nationalmannschaft hochgejubelt werden sollte.

7.

Nach dem Spiel. „Na, zufrieden?“ fragt Uli, den wir zufällig vor dem Block treffen. „Geht so…“ Wir lachen, grinsen, erzählen, fallen uns um den Hals und gegenseitig ins Wort und können uns gar nicht oft genug versichern, was das für ein geniales Spiel und wie gut es war, dass wir dabei waren. „ Das sind die Spiele, bei denen man dabei gewesen sein muss.“ „In zehn Jahren noch werden wir davon erzählen.“ “Was e Geschicht…” Yep „. Düdüdüdüda, düdüdüdüda, düdüdüdüdadadadüdüda… Fuß, Kopf, Zopf schwirrt, summt und pfeift es ringsherum.

Alex Meier, Fußballgott, sagt man. Der vorstehende Ausschnitt ist dem Bericht von rotundschwarz entnommen. Frankfurt schlug Köln mit 6:2. Schon zur Halbzeit führte die Eintracht mit 4:1, doch Fußballgötter kennen keine Gnade und so kassierte die für so sattelfest gehaltene Stöger-Defensive ein halbes Dutzend. Tobias Escher (Spielverlagerung) hat sich mit Alex Meiers Auslegung der Position Zehn und anderen Interpretationen dort anzusiedelnder Rollen an diesem Spieltag auseinandergesetzt.

8.


In Sinsheim unterboten sich Hoffenheim und Bremen halbzeitweise im Spielniveau. Dann kam Pizarro, und gleich der Wölbung einer Panflöte krümmte sich das Universum respektvoll für einige Minuten, Wurstelpässe durch überzählige Gegner kamen an, auch der letzte Schuss aus fast unmöglichem Winkel fand seinen Weg ins Tor, Bremen siegte 3:1. Die Verzerrung machte auch vor den Blogberichten zum Spiel nicht halt. So bemängelt der Akademiker-Fanclub das Ausbleiben eines Elfmeterpfiffes für Hoffenheim, Steffen (hb-people) hält einen Tor aus Abpraller nach verunglückter TSG-Rettungsaktion für hohe Bremer Fußballkunst. Der Spiegel bleibt unverzerrt.

9. Im Sonntagsspiel Nummer eins gewann Schalke, seines wertvollsten Millionenpferdes Julian Draxler beraubt, gegen Mainz. Tobias Escher hat darüber bei 11Freunde.de eine sanfte Melange aus Spielbericht und Taktikanalyse verfasst.

10.

Jeder Zuschauer, der außerhalb des Gästebereichs Nürnberger Insignien trug (und Rentner, die nur zufällig einen roten Pulli anhatten) mussten diese in einem Container mit der Aufschrift “Asservaten” abgeben.

In Franken, wo Siegen und Siechen für Außenstehende schwer zu unterscheiden sind, gewann die Spielvereinigung aus Fürth die 952. Austragung des dortigen Lokalduells. Christoph Ruf war auf der Spur der Derbysieger und berichtet im Spiegel über Spiel und Kurve, Vorkehrungen und Nachwehen.

11. »Hilfe, Image in Gefahr!« – Johannes Kopp (taz) schreibt über den Konformitätsdruck in Sachen Willkommenskultur und belegt diesen schließlich anschaulich mit einer Anekdote aus einer Pressekonferenz des Nationalteams.

Ein bisschen Antirassismus, ein bisschen Fair Play, ein paar Rote Karten für Homophobie. Alles möglichst plakativ aufbereitet. Die Marketingabteilungen und nicht Überzeugungstäter geben die Richtung vor. Mit der Not der Flüchtlinge ist den Fußballvereinen und Verbänden nun eine lukrative Chance zugespielt worden, auf der Welle der Großzügigkeit mitzusurfen.

Geburtstagskind des Tages

Wer hat heute Geburtstag? Einfach in die Kommentare posten! (Auflösung von Freitag: Slaven Bilić wurde 47)

Meist geklickter Link letzte Woche
Jens »Ich habe seit 20 Jahren so [wie Manuel Neuer heute] gespielt« Lehmann und sein Interview beim Standard.at.

Field Reporter

»Mein Eindruck ist, dass es vielleicht Hinweise dafür gibt, dass der Konsum von Dopingmitteln im Sport doch größer ist, als das, was bisher öffentlicht verlautbart ist.«

Hajo Seppelt mutmaßt im DLF zum kleinen Vorstoß der UEFA gegen Doping, den laschen Kontrollen und deren Ausbau – eine groß angelegte Rauschgift-Razzia im europäischen Fußball scheint für die Zukunft nicht ausgeschlossen.

Mixed Zone
Stuttgart: Buffy Ettmayer macht sich Sorgen um den VfB + + + Trendsport: Extreme Urban Parking Lot Night Street Soccer (Twitter) + + + Nationaltrainer: Lieber von Herberger lesen als über Schön sehen, findet und begründet Trainer Baade + + + Schön: findet Der Libero + + + Im Schattenreich des Kaiser Franz: Beckenbauer, einst Teamchef, nie Nationaltrainer, ist eine Zwielichtgestalt (der toedliche pass) + + + Inszenieren statt nur Präsentieren: Das neue »emotionale Zuhause des Fußballs« will ein Museum in Dortmund werden (DLF) + + + Wappentausch: Farben und Formen (Vice) + + + Europäische Ligen: Spielverlagerungs-Analysen zu Liverpool-United und Atletico-Barca + + + Xavi: Debüt in Katar (ESPN) + + + Berlin: Die »Brigade Hartmut Strampe« trat erstmals öffentlich auf (Facebook) + + + Dresden: Aias Aosman, Kind einer syrischen Flüchtlingsfamilie, bei der SG Dynamo (und eine Schweizer Einordnung »des Ostdeutschen«, Basler Zeitung) + + + Blue Curacao: Tim Rieke (Spielverlagerung) lässt den Blick durch die Welt schweifen + + + Frauen: Bayern – Wolfsburg, das Spitzenspiel(verlagerung) + + +

#Link11: TGIF

Fußballer zu sein stelle ich mir seltsam vor. Wäre ich für einen Job gemacht, bei dem Ikonenverehrung & falscher Erwartungsdruck, Reformpläne & russische Oligarchen, Meditationsübungen & Backrezepte derart nah beieinander liegen? Vermutlich nicht. All diese gegensätzlichen Extreme würden mich zu sehr verwirren. Noch dazu beginnt die Woche eines Fußballers erst so richtig, wenn wir Anderen bereits fröhlich tirilierend in Wochenenden voller Weinfeste und Drei Fragezeichen – Marathons brausen.

In diesem Sinne: Ich wünsche ein erfreuliches (Fußball-)Wochenende!

blogundpresseschau

1. Viel wurde in den letzten Tagen gesagt und geschrieben über Mario Götze. Man glaube an seine Stärke. Er brauche Vertrauen. Rene Maric sagt: Götze benötigt vor allem eine freiere Rolle in Pep Guardiolas taktischem System. Bei Spielverlagerung erklärt er, wie das zu bewerkstelligen sein könnte. Der arme Götze ist derweil schon wieder Gegenstand des Spotts, weil er ein Videolog mit Backrezepten veröffentlichte.

2. Ein anderer Spieler des FC Bayern wirkt derzeit, als könne er in jedem taktischen System der Welt seinen Platz finden. Mikey Traynor aus Irland hat Thomas Müller einen herzergreifenden Liebesbrief geschrieben und bittet ihn im gleichen Atemzug, am Tag des noch auszutragenden Spiels der DFB-Herren gegen Irland doch etwas anderes in Dublin zu unternehmen. Einige Veranstaltungstipps liefert er gleich mit (Balls.ie).

3.

»Ich habe jahrelang Probleme mit meinem rechten Knie gehabt, das war immer leicht geschwollen, die Ärzte haben nur gesagt, dass es gereizt ist. Irgendwann habe ich mich aufs Bett gelegt und mir immer wieder eingeredet, mein Körper wird Energie schicken und mein Knie heilen. Nach drei Monaten waren die Probleme weg.«

Jan Monhaupt führt ein interessantes Interview mit Jens Lehmann, der von Motivationsübungen unter Zuhilfenahme der Macht berichtet und erläutert, warum Manuel Neuer sich warm anziehen müsste, wenn Lehmann 10 Jahre jünger wäre (Der Standard).

4. Bei Manchester United hängt nach obskuren Ein- und Verkäufen sowie bahnbrechend schlechtem Fußball zum Saisonbeginn der Haussegen schief. Trainer Louis van Gaal äußerte sich zuletzt überraschend kritisch über den 55 Mio. teuren Transfer des 19-jährigen Anthony Martial (ESPN). Seine Spieler stellten den “General” derweil wegen der mangelnden Kreativität in Uniteds Spiel zur Rede (Spiegel).

5. Wie in der gestrigen Link11 berichtet, macht die FIFA dieser Tage wieder von sich reden. Im Lichte des bevorstehenden Besuchs von US-Justizministerin Lynch veröffentlichte nun Compliance-Chef Domenico Scala einen 8-Punkte Plan zur Reinwaschung von allen Sünden Reformierung des Weltverbandes. Jens Weinreich und Hans-Jürgen Maurus erklären, warum der eine Mischung aus Hintertüren und heißer Luft ist.  

6. Das Spitzenspiel in der Frauen-Bundesliga steht vor der Tür: Der zweitplatzierte FC Bayern empfängt die bislang hochsouveräne Mannschaft des VfL Wolfsburg. Zeit, einen Blick auf die Liga und die ersten Saisoneindrücke zu werfen (Miasanrot).

7. Auch die Herrenmannschaft des VfL bestreitet am Wochenende ein Spiel. Vermutlich mit Julian Draxler. Der gab kürzlich zu Protokoll, auf Schalke sei ihm zuletzt der Druck zu groß geworden. Die Schottische Furche merkt an, dass psychische Belastung im Sport zwar nicht unterschätzt werden solle, Draxler jedoch vor allem an sich selbst gescheitert sei. Und das nicht erst zuletzt.

Ich fand Draxlers Worte ja durchaus glaubwürdig und frage mich zudem, welche Erleichterung man sich von den so oft geforderten Worten “Ich wollte mehr Geld verdienen” verspricht…

8.

»Ooooh, ooh! Arnautovic…ah!«, schrie ORF-Kommentator Thomas König damals in sein Kopfmikrofon, als hätte er sich in einem verzweifelten Akt der Selbstkasteiung in den Bauch gestochen. Es tat wieder weh.

No more years of hurt. Österreich hat sich für die Euro in Frankreich qualifiziert. Die Schneise der emotionalen Verwüstung, die 18 lange Jahre des Wartens im Leben eines jungen Fußballfans hinterlassen, bannt Adrian Engel für 11 Freunde in einen Artikel.

9. “Woher stammt die Liga? Zwischen Globalisierung und Heimatgefühl: Was die Geburtsorte der Spieler über die Fußball-Bundesliga verraten.” Die Überschrift ist Programm bei einem optisch gelungenen wie informativen, an Interaktionsmöglichkeiten reichen Datenprojekt des bayrischen Rundfunks. Sehr schön!

10. Nochmal die FIFA, irgendwie. Eine spaßige Randnotiz der Fußballwoche war zweifellos die Ankündigung des Weltschachpräsidenten Kirsan Iljumschinow, der Nachfolger von FIFA-Patron Sepp Blatter werden zu wollen. Pointe voraus: Iljumschinow gilt als vom Kreml finanzierter Krimineller, der Schachverband Fide als eine Ansammlung korrupter Patriarchen (Zeit).

Als junger Gouverneur der bitterarmen südrussischen Region Kalmückien sauste Iljumschinow im weißen Rolls Royce durch die Steppe. Die Journalistin Larisa Judina, die ihn durch Recherchen kritisiert hatte, wurde tot im Straßengraben gefunden. Iljumschinow hatte natürlich nichts damit zu tun.

11. “Am Fußball interessiert mich vor allem das Drumherum.” schrieb unser ehemaliger Fokus Fussball Mitstreiter Stephan, alias Ermittler Dembowski, kürzlich mal bei Twitter. Bei Meinsportradio erzählt er vom Spiel seines Lebens – und dem Drumherum, das es dazu machte.

Meist geklickter Link gestern
Goldmann Sax fragt sich, warum der VfB Stuttgart derzeit so hart kritisiert wird und ob Mehmet Scholl sich eigentlich damals im Trainerlehrgang wundgelegen hat.

Field Reporter

»Am ehesten könnte ich mir in Europa noch eine Art »Luxussteuer« vorstellen: Gibt ein Verein für seine Gehälter mehr Geld als den vorher festgelegten Betrag X aus, muss er auf diesen Betrag eine Steuer an die Uefa abführen.«

Fabian Scheler, gestern noch Autor der Link11, heute schon wieder bei 11 Freunde, diskutiert mit Prof. Dr. Helmut Dietl, Experte für Betriebswirtschaftslehre, die Möglichkeit einer bundesligaweiten Ausgabenobergrenze nach dem Vorbild der NFL.

Geburtstagskind des Tages

Wer hat heute Geburtstag? Einfach in die Kommentare posten! (Auflösung von gestern: Bernardo Romeo wurde 38.)

Mixed Zone
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