#Link11: Raumdeuter

Heute geht es bei uns bunt gemischt zu. Der gestrige Championsleague-Abend wechselt sich mit den üblichen Skandalen um Firlefranz, Niersbach und den langen Schatten der anstehenden FIFA-Präsidentenwahl sowie Herzerwärmendem aus dem Bereich „Kultur“ und feinsten Nerd-Analysen ab.

Wäre diese Link11 also eine Position auf der Taktiktafel, hieße sie vermutlich „situativ die Zwischenlinienräume überladende falsche Neun nach dem Vorbild Thomas Müllers“. Oder so ähnlich.

blogundpresseschau

1. Das Championsleague-Duell zwischen Bayern und Vorjahresfinalist Juventus endete überraschend nicht mit einem Dominanzsieg der Münchener, sondern nur 2:2. Julien Wolff meint: Pep Guardiola kann dennoch stolz auf seine Mannschaft sein (Welt). Auch Christian Gödecke sieht eine große Leistung (mit kleinem Makel) (Spiegel).

Zwei Schlüsselspieler der beiden Clubs sind „Juwel“ Paulo Dybala und – natürlich – Thomas Müller. Grund genug, sich ihnen etwas ausführlicher zu widmen. Julius Müller-Meiningen nimmt Juves zunächst als Fehleinkauf abgestempelten Hoffnungsträger unter die Lupe (FAZ), Uli Hesse versucht das Mysterium des „Raumdeuters“ Müller zu ergründen (Guardian).

2. Arsenal gegen Barca – eine Partie, ohne die sich die CL-Saison irgendwie unvollständig anfühlen würde. Dass die Aufeinandertreffen eigentlich immer gleich ausgehen, mag dabei eine Rolle spielen. Auch gestern hielt Arsenal zunächst gut mit, bestrafte sich dann aber selbst. Im mittlerweile siebten KO-Duell mit den „Blaugrana“ wird es für Wengers Team aber allmählich Zeit, endlich den berühmten nächsten Entwicklungsschritt zu gehen. Die zentrale Figur dabei ist Mesut Özil, der „beste Kellner Europas“ (Morgenpost). Für Peter Ahrens, der das gestrige Spiel bespricht, braucht es jedoch eher einen „Magier“ (Spiegel).

Dass auch Barca nur menschlich ist, zeigt Vereinspräsident Bartomeu: Er fürchtet die Konkurrenz aus der Premier League. Bürgerliche Demut rummenigge’scher Prägung (BBC).

Auch Alex Clapham sorgt sich um den FC Barcelona, genauer gesagt, um dessen Allerheiligstes: „La Masia„, die legendäre Trainingsakademie des Clubs sei im Begriff, ihren vielgerühmten Glanz zu verlieren (These Football Times).

3. „Sorgen“ heißt auch beim nächsten Thema das Stichwort: Die FIFA steht vor einer Präsidentenwahl, die eigentlich niemand so recht erleben möchte (Zwölf). Zu egal ist die Frage, wer denn nun der nächste Ludwig XIV. des Weltverbandes wird.

Pünktlich zum anstehenden Großereignis eröffnet die FIFA einen neuen Luxus-Gebäudekomplex in Zürich. Ihr dürft gerne raten, ob das 140 Mio. € teure Bauwerk denn auch wirtschaftlich ist – oder ihr lasst es euch von SRF erzählen. Noch etwas tiefer in die Welt der FIFA-Immobiliendeals taucht Rebecca Ruiz ein (New York Times).

Philipp May rekapituliert derweil das zurückliegende FIFA-Jahr. Eine lesenswerte Chronologie, deren Arbeitstitel wohl auch „Das Ding aus dem Sumpf“ hätte lauten können (DLF).

4.

»Neben dem dubiosen und sportpolitisch einflussreichen Scheich Ahmad Al Sabah aus Kuweit war der Deutsche nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung der einzige Funktionär im Fifa-Exekutivkomitee, der den Compliance-Chef der Fifa, Domenico Scala, rügte, weil dieser zuvor einen umfassenden Reformentwurf für den Weltverband öffentlich vorgestellt hatte. «

Was macht eigentlich Wolfgang Niersbach? Michael Ashelm geht auf die Suche nach dem Abgetauchten, der an seinen Ämtern bei FIFA & Uefa festhält (FAZ). Ungereimtheiten gibt es derweil – oh Ironie der Ähnlichkeit – auch beim Bau der luxuriösen neuen DFB-Zentrale. CORRECT!V liefert eine Detailbetrachtung ab, wie man sie in Deutschland eben (fast) nur bei CORRECT!V geboten bekommt.

5. Tennisbälle und Boykotte: Ärger regt sich zunehmend auch (wieder) in der deutschen Fanszene. Hendrik Buchheister betrachtet zwei Zentren des Fanprotestes gegen Verbände und Vereine näher und fragt: „Was bringt das eigentlich alles?“ (Spiegel)

»Ich wünschte mir diesen polizeilichen Enthusiasmus bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus und anderer menschenverachtender Taten. Allerdings in der Hoffnung, dass man sich dann zielführend um die Täter kümmert und nicht einfach irgendwo herumstochert, nur um zu zeigen, dass man etwas tut.«

Dass auch für Fußballfans (wie die Schalker „Hugos“) die Unschuldsvermutung gilt, schien zuletzt der WAZ nicht so recht zu schmecken. Das wiederum stößt Rechtsanwalt Thomas Wings übel auf. Er nimmt den ungewollt Bände sprechenden Artikel von Stefan Wette Stück für Stück auseinander und zeichnet dabei das Bild eines Landes, das eine Terminologie der Vorverurteilung pflegt, Strafverfahren mit der großen Gieskanne ausschüttet und so überall dort kriminalisiert, wo es eigentlich gar nicht nötig wäre (Dorkawings). Ich bin versucht, zustimmend einen Tennisball aus dem Fenster zu pfeffern.

6. Wir bleiben auf Schalke: Dort wird letzthin gerne mal die These bemüht, der Trainer wechsle immer viel zu spät aus. Torsten Wieland überprüft anhand knallharter Zahlen, wie viel Wahrheit in diesem alten Kneipenhauer steckt (Königsblog).

7.

»Bewegung findet in erster Linie im Gehirn statt.«

Verletzungsepidemien wie die jüngst beim FC Bayern zu bestaunende sind noch immer ein Thema, dem es an befriedigenden Erklärungen mangelt. Ansätze gibt es zwar zu Hauf, doch an deren Ende steht eben der Konjunktiv. Nichtsdestotrotz ist Constantin Eckners Kritik an schablonenhaftem Athletiktraining sehr spannend.

8. Die Herthaner Stark und Weiser sind Kandidaten für den deutschen Olympia-Kader der Herren. Das bringt erheblich verschärfte Doping-Kontrollen durch die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) mit sich.

»Seit einigen Tagen sind bei Stark und Weiser unangemeldete Doping-Kontrollen zwischen 6 Uhr morgens und 23 Uhr erlaubt. Wird jemand drei Mal nicht am von ihm angegebenen Ort angetroffen, droht eine Sperre von bis zu zwei Jahren.«

Wie scharf diese Regelungen sind und was eine spezielle Überwachungs-App damit zu tun hat, erfahrt ihr bei BZ.

9. Die Spieler des Horden Colliery Welfare A.F.C. haben da andere Sorgen: Der Amateurclub wird demnächst das Stadion verlassen müssen, in dem er seit seiner Gründung im Jahr 1908 spielt. Harry Pearson liefert zu seinen Ehren ein nostalgisches, vom nordostenglischen Dauerregen durchnässtes Porträt britischen Arbeiterklassefußballs ab, dass euch wehmütig ums Herz wird. Versprochen.

10. Republikflucht, Knast, Kirche, brasilianischer Star-Fußballkommentator. Gerd Wenzel erzählt von seinem nicht ganz alltäglichen Werdegang (Zeit).

11. Was macht eigentlich Franz Beckenbauer (außer Sklaven zu übersehen)? Hauptsächlich: Beschwingt bei SKY moderieren (Messis Elfmeter? Ging gar nicht!) und Andere für sich sprechen lassen. Einfach zurücklehnen und genießen.

Geburtstagskind des Tages

(Auflösung von gestern: Cédric Makiadi wurde 32)

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Ultrapeinlich stellte sexistische Fans an den Pranger

Field Reporter

»Das Foulspiel ist auch nach Ansicht der Fernsehbilder absolut unstrittig. Ein Dortmunder Spieler hat schnell reagiert. Damit hat er den Konter, der durch ein Foulspiel unterbunden wurde, schnell fortgesetzt. Ich finde, dass eine Ausführung mit einer Karenz von drei, vier, fünf Metern absolut in Ordnung ist. Das liegt im Ermessen des Schiedsrichters.«

Felix Zwayer arbeitet bei der Sportschau die wochenendliche Totalentgleisung von Bayer Leverkusens Verantwortlichen auf.

Mixed Zone
Zurecht: Roger Schmidt erhält eine Sperre (DFB) + + +  Regelkonform: Wie es für Schmidt (auch) hätte ausgehen können (Reviersport) + + +  Totalitär: 1860 Münchens Vorstellungen von „Berichterstattung“ (DieBlaue24)  + + + Schmähung: Gehört Hoffenheim in die zweite Liga (Welt)? + + + Stunk: Juve-Schikane gegen Bayern Fans (Spiegel)?

#Link11: Hooligan-Rudi

Gekloppe, Geklitsche, Gezündel, Geflüchtete, Gephilosophiertes und Untergegangenes. Die #Link11 in gewohnt positivistischem Mantel gehüllt.

blogundpresseschau

1. Der vergangene Bundesliga-Spieltag schien bis zum Sonntagnachmittag müde dahinzuplätschern, das ist im Februar zwischen Europapokal und Karneval nun mal so. Doch die Ödnis hatte ihre Rechnung ohne die Gockel vom Leverkusener Kreuz gemacht. Es wurde doch noch aufregend. In den Hauptrollen: Roger Schmidt, Felix Zwayer und Rudi Völler. Ich denke, die strittigen Szenen sind mittlerweile bekannt, der DFB ermittelt gegen Schmidt und Völler, das Strafmaß wird wohl drastisch ausfallen, mutmaßte Daniel Theweleit in Leverkusen. In der folgenden Debatte um Handzeichen, Machtspielchen und Regelauslegung bildeten sich drei Fraktionen, der Einfachheit wegen in Ultrakategorien eingeteilt:

Auf der Heimseite: die „Sektion Regelhüter“. Ihr Mantra: Gottverdammtwarum hat es so lange gedauert, bis ein Schiedsrichter mal genug hat von den ständigen Mäzchen der Trainer an der Seitenlinie? Zwayer hat alles richtiggemacht, als er das Spiel unterbrach, an Roger Schmidt vorbei in die Kabine stiefelte und erst wieder rauskam, als sich dieser auf die Tribüne trollte. Vertreter dieser Gruppe finden sich bei den 11Freunden und bei der Schottischen Furche wieder.

2. Deren gegenüberstehende Gruppierung wird vom Capo Oli Fritsch (ZEIT Online) angeführt. Fritsch hatte sich in der Vergangenheit schon mehrfach mit Felix Zwayer, seiner Rolle im Hoyzer-Fall und seinem wundersamen Aufstieg an die Spitze der deutschen Schiedsrichter-Gilde beschäftigt. In diese Verwunderung hinein passt, dass Fritsch (und laut seinen Quellen auch andere aus der Schiri-Szene) Zwayers Aktion für überzogenes Drama halten. Er hätte auch wie ein normaler Mensch einfach Roger Schmidt erklären können, dass er den Freistoß ein paar Meter vorne des Spielflusses wegen weiterlaufen ließ und dass Herr Schmidt doch bitte jetzt auf die Tribüne möge. Er wählte die Eskalation, was die Debatten der vergangenen Stunden belegen. Ob das die Aufgabe eines Schiedsrichters ist, sei dahingestellt. Ich persönlich finde mich auch eher in dieser Gruppe, das aber nur am Rande. Ich finde es schön, dass ihr das jetzt wisst. Das Schmidts Verhalten weiterhin unnötig bleibt, bestreitet aber auch Capo Fritsch nicht.

So sehen es die Sportschau-User:

3. Wie gesagt: Dann gab es da noch Rudi Völler. Er bildet, um im Bild zu bleiben, die Hooligangruppe dieser Debatte. Hooligan deswegen, weil Völler ebenso wie die kräftigen Jungs nicht mehr so genau auf die sportlichen Details achten wollte, als er ans Sky-Mikro gebeten wurde:

Sky-Hellmann: „Der Schiedsrichter ist neutral.“ – Rage-Rudi: „Ach, der ist neutral!? Achsoooo.“

Die FAZ hat das ganze Gespräch protokolliert. Ich frage mich auch: Wie hätte diese Partie mit Klopp an der BVB-Linie ausgesehen? Eine wilde Beißerei? Eine Opel-Corsa-Attacke auf Schmidt? Ein Rasierer-Wurf? Nachdenkliches am Dienstag. Eher Nützliches kommt von Benni Kuhlhoff (11Freunde). Er legte für alle Trainer und Funktionäre, von der Bundesliga bis zur Kreisklasse, die perfekte Wutrede zurecht:

„Natürlich hätten wir auch gern einen ______ (hier bitte den Namen eines überteuerten Superstars aus dem Ausland einfügen), aber wer soll den bezahlen? Ein ______ (hier bitte den Namen des Vorstandsvorsitzenden des Hauptsponsors einfügen)? Oder die Zuschauer? Oder ihr? Wer denn nun? Da seid ihr still, was? Da fällt euch nichts mehr ein.“

Bin gespannt auf die nächste Halbzeitpause in der Berliner Freizeitliga.

4. Wir verlassen den Theaterstadl Bundesliga und betreten die ganz große Bühne des schmierigen Inszenierens: Willkommen am Zürichberg. Am Freitag wählt sich die Fifa einen neuen Präsidenten, der, wie sollte es anders sein, natürlich alles anders, besser, reformierter machen will. Die fünf Kandidaten umgarnen in den letzten Tagen nochmal die 209 wahlberechtigten Verbände. Immer wieder wird genau jene Konstellation, Fidschi-Insel-Stimme = Britische-Insel-Stimme, als Hauptursache eines kranken Systems genannt. Gleich mehrere TV-Dokus gehen in dieser Woche der Fifa und ihren Problemen auf den Grund.

Gestern legte die ARD vor, der Fokus lag auf der WM-Vergabe nach Russland und Katar und der Rolle Franz Beckenbauers. Zudem äußert sich zum ersten Mal DFB-Strippenzieher Fedor Radmann. Heute Abend folgt eine Arte-Doku, die nach den Abzweigungen sucht, die der Weltverband in seiner langen Geschichte nahm, um krank zu werden. Das umfassende und lesenswerte Dossier dazu gibt es hier. Morgen folgt eine ZDF-Reportage, in der wieder Fedor Radmann eine Rolle spielen wird. Zudem listet das ZDF in einem Webspecial alle Fifa-Funktionäre mit den ihnen zusammenhängenden Skandalen auf.

5. Schon am Sonntag, als Rage-Rudi noch Weizen bestellte, stellte WDR Sport Inside die beide Favoriten auf den Fifa-Thron vor: Scheich Salman aus Bahrain und Gianni Infantino (Schweiz) gehen als Favoriten ins Rennen. Das Fazit liest sich so:

Interessante Zahlen hat die Initiative New Fifa Now, die auch im WDR-Beitrag zu Wort kommt: 40 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage würden keinen der Kandidaten wählen. Die vermutlich beste Idee kommt vom Kandidaten Prinz Ali (Jordanien) Er will die Wahl absagen.

6.  Vor allem dem Scheich Salman aus der Herrscherfamilie von Bahrain werden schlimme Dinge nachgesagt: Dass er kritische Medienberichte mit Drohungen seiner Anwälte überziehen lässt, nun gut: Fifa-Schule. Er soll aber auch Sportler, die 2011 für mehr Demokratie protestiert haben, in seinem Land an die Folter verraten haben. Zu seinen beständigsten Kritikern gehört der Nah-und-Fernost-Fußball-Experte James Dorsey. Er forscht auch am Fankultur-Institut der Uni Würzburg und hat dort in einem längeren Vortrag auf den Punkt gebracht: Wird Salman gewählt, geht die Fifa unter.

7. Untergang, das passt sprachbildlich auch zur Hansa-Kogge. Gut, so schlimm ist es noch nicht, aber ruhige See herrscht in Rostock gerade auch nicht. Nach den Umwälzungen im vergangenen November, als deutlich wurde, wie Ultras des Vereins den Verein mitbestimmen, erhebt nun der Rostocker Polizeichef sehr ähnliche Vorwürfe. Grund waren Ausschreitungen gegen Aue am Wochenende. Es droht erneut ein Geisterspiel, der Sponsor wird am kommenden Wochenende nicht auf dem Trikot zu sehen sein, sondern seine Werbung aus Protest mit einem schwarzen Balken abkleben.

8. Kommen wir zum Champions-League-Achtelfinale, oder wie man in München sagt: Saisonauftakt. Gegen Juve wird es gleich zu mehreren interessanten Wiedersehen kommen. Mario Mandzukic („würde mit Pep Guardiola keinen Kaffee trinken gehen“) trifft auf seinen Ex-Klub, ebenso auf der anderen Seite Arturo Vidal und Kingsley Coman. Miasanrot bereitet umfassend auf das Spiel vor, hat ein Interview mit einem Juve-Fan geführt, die Statistiken analysiert und eigene Thesen zum Spiel formuliert:

„3. Mandzukic trifft nicht. Dass Sandro Wagner gegen uns getroffen hat trifft uns schon hart genug.“

9.

Unbenanntaa

10. Pyrotechnik ist kein Verbrechen galt bislang als gebrüllte Utopie. Vergangene Woche aber stellte das Landgericht Münster ein Verfahren ein, dass sich gegen einen Osnabrücker Fan richtete, der 2014 die Pyroshow beim Derby gegen Münster koordiniert haben soll. Pyrotechnik also kein Verbrechen? Bene Nießen (Vice Sports)  hat den Prozess anaylsiert und mit dem Anwalt des Fans gesprochen, Dr. Hüttl, und festgestellt: „Der eigentlich korrekte Slogan ‚Pyrotechnik ist kein Verbrechen‘ ist mit einem großen Sternchen und jeder Menge Kleingedruckten versehen.“

11. Derzeit wird ja auch viel über Grenzschließungen debattiert. Das würde hässliche Bilder produzieren, sagen die Gegner und wissen womöglich noch gar nicht, das mitten in Europa bereits täglich solche Bilder entstehen. Im französischen Calais warten in einer Zeltstadt tausende Flüchtlinge auf die Überfahrt nach England. „Jungle“ hat sich das Camp genannt, in dem mittlerweile eine eigene Struktur mit Kirchen, Moscheen, Schulräumen und Büchereien entstanden ist. Auch Fußball wird hier gespielt und ist vor allem für die vielen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge eine Alltagsflucht. Amy Lawrence war für den Guardian im Camp unterwegs und hat eine eindringliche Multimedia-Reportage verfasst.

Geburtstagskind des Tages

(Auflösung von Freitag: Steven Cherundolo wurde 37)

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Collinas Erben 77, noch vor dem Leverkusener SCHAND-Sonntag. (Halt, das war etwas weiter östlich. Pardon. Es geht wirklich nur um Sport.)

Meist geklickter Link am Freitag
Der Kickschuh-Blog im Gespräch mit FCB-Breitnigge vor dem Knüller Bayern-Darmstadt.

Field Reporter

»Beim Sport und beim Fußball geht es um die Verkörperung von Werten im Spiel nach Regeln. Der Abgrund, der sich hier auftut, ist einer, der in die Wahrnehmung und das Selbstverständnis des Spiels eingreift.«

»Es geht für viele Menschen nicht nur um einen Sport, sondern um einen Teil ihres Ichs.«

»Die Fifa hat eine ähnliche Funktion wie einst die katholische Kirche.«

Philosoph Wolfram Eilenberger redet im Deutschlandfunk über Handball und die AfD seine Liebe zum Fußball, über die Fifa und die Bedrohung, die der Fifa-Sumpf für die Fans darstellt.

Mixed Zone
Hamburg: Uwe Seeler macht sich Sorgen.  + + + Barcelona hat Respekt vor dem Arsenal FC (Wu gefällt das) (FAZ) + + + Preußen Münster Fans auf der Zugfahrt nach Hause. Peinlich. (Ultrapeinlich und Kreiszeitung) + + + Fünferle, Hochball, aus der Luft, Englisch, hoch eins, aufdipfin, ausputten: Meint alles das gleiche. Trainer Baade auf der Suche nach einem Bolzplatz-Klassiker. Class. + + +

#Link11: Ochmonek Reality

Runde der letzten 32? Sechzehntelfinale? Zwischenrunde (kicker.de)? Für die aktuelle Phase der Europa League hat sich noch keine wirklich prägnante Bezeichnung eingebürgert. Deutlich namhafter kommen die Duelle mit Bundesliga-Beteiligung daher: Liverpool (1973, 1976, 2001), Porto (2003, 2011), Schalke (1997), Leverkusen (1988) und Donezk (2009) konnten diesen Wettbewerb bereits für sich entscheiden. Cup der Verlierer? Pffff.

blogundpresseschau

1. Von wegen #keineSau: Das Kräftemessen des FC Augsburg mit dem großen Liverpool traf bereits seit der Auslosung auf großes Medieninteresse. Die Fuggerstädter (das wollte ich schon immer einmal schreiben!) zeigten im ersten europäischen K.O.-Spiel der Vereinsgeschichte eine ordentliche Leistung. Das 0:0 hinterlässt allerdings eine Mammut-Aufgabe fürs Rückspiel. Die Augsburger Allgemeine fasst das Spiel zusammen.

2. Ein weiteres torloses Unentschieden gab es aus dem ukrainischen Lviv zu vermelden. Für Schalke 04 ein gutes, wenn auch nicht ungefährliches Ergebnis. Die Königsblauen hatten Donezk weitestgehend im Griff, der Königsblog bemängelt aber die mangelhafte Chancenverwertung. Und auch trotz ausgebliebenem Torjubel hat Spiegel Online ereignisreiche 90 Minuten gesehen.

3. Borussia Dortmund besiegt den FC Porto ziemlich souverän mit 2:0. Indes geriet in diesem sehr nach Champions League klingenden Duell das sportliche Geschehen ein wenig aus dem Fokus – das Comeback von Nuri Sahin war bestimmendes Thema rund um den SI-Park. Schwatzgelb.de schreibt über einen gelungenen Europapokal-Abend.

4. Hier könnte man nun sicherlich den Absatz über die letzte Partie mit deutscher Beteiligung vermuten. Aber wieso eigentlich? Frei sein, dabei sein, die nächste Fahrt geht rückwärts. Mal antizyklisch denken. Alle Viere ungerade sein lassen. Mit den Erwartungen des Rezipienten spielen…

…ach Quatsch. Sporting CP – Bayer Leverkusen war die Paarung, die im Vorfeld am wenigsten für Gesprächsstoff sorgte. Vielleicht zu unrecht, denn mit einem 0:1-Auswärtserfolg verschaffte sich Leverkusen die wohl beste Ausgangslage aller Bundesligaclubs. Sportschau.de hat einen Spielbericht.

5. Die Highlights von allen EL-Partien gibt es auf dem offiziellen Youtube-Kanal von Sky.

6.  Steile These vom Tagesspiegel:

»RB Leipzig polarisiert, mobilisiert die Massen – und macht die Stadien voll. Der designierte Aufsteiger wird Zweitliga-Konkurrenten wie Union fehlen.«

Nun stellt sich die Frage, ob ein Ligawechsel der Leipziger im Umfeld der angesprochenen Konkurrenten tatsächlich als Verlust betrachtet würde. Im Idealfall wird dieser Artikel in den kommenden Tagen also Reaktionen in der Blog- oder Podcastlandschaft provozieren.

7.  Führerscheinentzug wegen der bloßen Mitgliedschaft in einem Fanclub? Was komplett gaga klingt, könnte für 15 Anhänger von Rot-Weiß Oberhausen bittere Realität werden. Faszination Fankurve erläutert die Hintergründe und steht zudem in Kontakt mit der Stadt Oberhausen.

8. Bayern München gegen Darmstadt 98 – einen krasseren Kontrast zwischen zwei Teams hat es in knapp 53 Jahren Bundesliga vielleicht noch nie gegeben. Der Kickschuh-Blog sprach vor diesem ungleichen Duell mit Bayern-Blogger Breitnigge.

9. Was macht der Mittelstand, wenn die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander zu gehen droht? Er tritt für gewöhnlich nach unten. Von dieser Regel bildet auch die Bundesliga keine Ausnahme. Wie Kicker.de berichtet, fordert nun ein Bündnis von sechs Mittelfeld-Clubs eine Deckelung der TV-Gelder für die zweite Liga.

10. Iker Casillas ist nicht mehr der Alte, weil Iker Casillas zu alt ist. Eventuell zumindest. 11Freunde.de mit einer Spurensuche in Porto.

11. Wenn der Begriff „Augmented Reality“ fällt, muss ich sofort und unweigerlich an Alfs nervige Nachbarn denken. Was auch daran liegen könnte, dass mir diese Technologie im Alltag noch nicht begegnet ist. Hertha BSC möchte das ändern und experimentiert derzeit mit Werbeplakaten, die auf eben jene „erweiterte Realität“ setzen. Die BZ weiß Genaueres. Gibt es auf Melmac eigentlich einen Flughafen?

Geburtstagskind des Tages

(Auflösung von gestern: Josip Šimunić wurde 38)

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Collinas Erben zählen Erbsen, Erbsen zählen Collinas Erben.

Meist geklickter Link gestern
Ron Ulrich fasst auf 11Freunde.de Berichte über Polizeigewalt bei Europapokalspielen zusammen. Nach wie vor erschreckend lesenswert.

Field Reporter

»Ich habe mich damit abgefunden, dass gekränkte Frauen zu außergewöhnlichen Maßnahmen greifen.«

Mo Idrissou (inzwischen beim KFC Uerdingen aktiv) gibt im Gespräch mit dem Reviersport eine neuerliche Kostprobe seines enormen Abstraktionsvermögens.

Mixed Zone
Hamburg: Uwe Seeler friert sich ein paar Sorgen für schlechte Zeiten ein + + + Frankfurt: Der frühere DFB-Generalsekretär Horst Schmidt sagt erneut zur WM-Affäre aus (SPON) + + + Leipzig: RBS sucht eine Fanhymne (Mitteldeutsche Zeitung) + + + Herzogenaurach: Der Hosenzwang wird nicht aufgehoben (Sponsors) + + + Calais: Fußball als Atempause für Flüchtlinge (Guardian)

#Link11: Die Revolution ist verschoben

Seit einem Handball-AfD-Island-Arierer-MigrantenmangelimHandball-Text sucht Link11-Autor Dembowski jeden Morgen nach einem neuen Aufreger-Thema, dass wir durch das Netzdorf treiben können. Wir helfen ihm heute. (Weitere sachdienliche Hinweise nehmen wir jeden Tag unter fokusfussball@googlemail.com entgegen). Fangen wir mit der gescheiterten Revolution an.

blogundpresseschau

1. Vielleicht ja hier aufregen? Bosman-Urteil, das klingt heute so, als hätte der Mann die Richter allein schon wegen des Namens auf seiner Seite gehabt. That’s boss! Schau, wie du damit klarkommst. So stell ich mir das damals ein bisschen vor. Und nun meine Frage: Wie hätten wir in 30 Jahren vom Heinz-Müller-Urteil gesprochen? Eben.

Auch Heinz Müller hatte eine Revolution geplant, gestern wurde sie abgesagt. Er wollte durchsetzen, dass Fußballer nach zwei befristeten Verträgen unbefristet angestellt werden. Für Müllers Mainz und die Liga war klar: Spieler wie Müller bis zu Rente durchfüttern? Auf keinsten! Das hat das Landesarbeitsgericht gestern ganz ähnlich, sprachlich etwas geschliffener, festgestellt. Wer es genauer haben möchte: Oli Fritsch (ZEIT ONLINE) hat nach dem Urteil einen Mann vom Fach (Jurist) befragt, der ihm erklärte: „Fußballspielen ist kein Beruf wie jeder andere.“ Gut, das wussten wir Hartplatz-Revoluzzer auch vorher. Revolution, leg dich wieder hin.

2. Heinz Müller reicht also nur einen Tag lang zum ‚uffregen. Schauen wir mal weiter: Ah, hier, Franz Beckenbauer, der geht eigentlich immer. 2014 durfte der Arme nicht nach Brasilien zur WM fliegen. Die Fifa wollte ein paar Dinge von ihm wissen. Doch wie einem das Leben manchmal so spielt, erinnerte er sich einfach nicht daran, wieso seine Reisen nach Russland und Katar und der Deal mit Gazprom, der ihn finanziell gerade so über Wasser hielt, etwas mit der WM-Vergabe in diese Länder zu tun haben könnte. Dafür hat ihn die Fifa jetzt mit 7000 Schweizer Franken verwarnt. Oh je, armer Franz, der Gazprom-Stundenlohn von heute Morgen ist damit futsch.

3. Kommen wir zu einem weiteren, sicheren Aufreger. Die Fifa wählt nächste Woche einen neuen Präsidenten. Gianni Infantino (Schweiz) und Frauenfreund Scheich Salman (Bahrain) gelten als die Favoriten. Aus Deutschland reist Reinhard Rauball als Chef der deutschen Delegation nach Zürich. Eigentlich könnte er auch einen Brief schicken, denn Rauball sagt ganz offen: Unser Kreuz bekommt Gianni Infantino. Weil Rauball aber noch mehr zu erledigen hat, fährt er trotzdem hin. Er sagt auch Sätze wie: „Müssen uns für Menschenrechte einsetzen.“ „Wandel durch Annäherung.“ „Politik der kleinen Schritte.“ Willy Brandt, bist du es? Ist das noch Sport oder schon Politik? Ach halt, das geht ja gar nicht zusammen, schreiben die bei Facebook immer. Die FAZ guckt da zum Glück nicht so oft rein und hat mit Rauball ein intensives Gespräch geführt, das die Machtpolitik im Vorfeld einer Präsidentenwahl offenlegt.

4. Reinhard Rauball hat, zumindest mich, etwas beruhigt. Ron Ulrich gelingt das Gegenteil. Er hat sich auf die Suche nach deutschen Fans gemacht, die Opfer von Polizeigewalt im Ausland wurden. Seine gefundenen Geschichten lassen schaudern, wenn Dortmunder Fans aus dunklen Gefängnisgängen in Sevilla erzählen, in denen sie spöttisch nach SS-Himmler und Duschkabinen gefragt wurden. Weil einige Vereine mit ihren Anhängern in diesen Wochen in Europa unterwegs sind ist das eine spannende Lektüre über die dunkleren Seiten von Auswärtsfahrenistschön.

5. Hoffentlich sicher unterwegs sind die Schalker in Lviv (Ukraine). Dort geht es gegen Schachtjor Donezk, einem Klub, der wegen des andauernden Krieges in seiner Heimatstadt nur noch Auswärtsspiele bestreitet. Internationale Spiele finden in Lviv statt, Ligaspiele an wechselnden Orten im Land. Vor nicht allzu langer Zeit blühte der Klub als stärkster Verein in Osteuropa auf, hatte Douglas Costa, Alex Teixeira und einen Milliardär alles zu verdanken. Doch eben jener reiche Mann, Rinat Achmetov, wirkt müde, wie Dennis Trubetskoy aus Lviv berichtet.

6. Torsten Wieland (Königsblog) lehrt in seinem Schalker Königsblog Geschichte und blickt zurück auf das „Todesspiel“ von 1942, einem zum Mythos angewachsenen Duell zwischen deutschen Besatzern und ukrainischen Fabrikarbeitern. Der Beitrag zeigt, warum Fußballblogs die Medienlandschaft bereichern.

7. Um die großen geopolitischen Fragen ging es auch im Spiel Fenerbahce Istanbul gegen Lokomotive Moskau. Das Europa-League-Hochrisiko-Spiel wurde bereits am Dienstag ausgetragen, Fenerbahce gewann 2:0. Seit im November ein russischer Kampfjet über der Türkei abgeschossen wurde, mögen sich die Führungen beider Länder nicht mehr wirklich. Und wie der Fußball so ist, ein Brennglas des Lebens, spielt sich dieser Konflikt auch auf dem Feld ab. Moskaus Dmitrij Tarasow zog nach dem Spiel in der Türkei sein Trikot aus und plötzlich war Wladimir Putin im Stadion. Tarasow trug unter dem Trikot ein Shirt, auf dem neben dem Kopf von Putin prangte: „Der höflichste Präsident“. Rückspiel in Russland ist nächste Woche.

8. Gestern schon verteidigte in der Champions League der AS Rom eigentlich ganz passabel gegen den brutal gut besetzen Kader von Real Madrid, am Ende aber schoben Christiano Ronaldo und Jesé zwei Mal den Ball ins Netz, was zum 2:0-Auswärtssieg genügte. Als es schon 2:0 stand, betrat einer der besten Fußballer aller Zeiten (sagt Pelé) das Feld. Francesco Totti ist eine Legende. So viele Zitate von ihm sind der süßlich-riechende Balsam auf unseren geschundenen Romantiker-Seelen: „Ich bin als Römer und Romanista geboren, und so werde ich auch sterben“ Bei nur wenigen Profis ist dieser Satz auch so gemeint, bei Totti bestehen daran keine Zweifel. Seit 1993 ist er der Roma treu, die 11Freunde haben eine immer noch starke Reportage aus dem Jahr 2014 anlässlich eines seiner vermutlich letzten internationalen Auftritte online gestellt.

9. Gut, der Übergang von Totti auf Wolfsburg wird jetzt schwer. Beide haben gestern gespielt, das ist doch schon mal was. Sonst gibt es wenig, was die beiden eint. Vielleicht ein Wunder im Rückspiel für Tottis Rom und dann ein Duell mit Wolfsburg im Viertelfinale? Wolfsburg jedenfalls hat seinen Teil dazu beigetragen. Mit einem 3:2 in Gent brachte sich der VfL in eine gute, wenn auch nicht perfekte Ausgangslage für das Rückspiel. Allerdings: Wer 3:0 führt, sollte auch in den letzten zehn Minuten des Spiels noch aufpassen. Ham se nich jemacht, so bleiben „gemischte Gefühle“. Der Kicker mit dem Spielbericht.

10. Immer häufiger mussten Innenministerien in den vergangenen Wochen zugeben, geheime Datenbanken über Fußballfans zu führen. Neben der Datei für Gewalttäter Sport gibt es so genannte SKB-Dateien, so etwas wie Tagebücher szenekundiger Beamte, mit unangenehmen Folgen für die darin auftauchenden Fans. Die Hintergründe zu diesen Dateien sammelt, ständig aktualisiert, Journalist Thorsten Poppe in seinem Blog.

Gestern kam raus, das die Hamburger Behörde, die besonders dreist über die Existenz der Datei gelogen hatte, nun 900 Fans aus der Datei gelöscht hat und einen Datenschützer einstellen will. Gut so, Transparenz ist hier nötig. Auch die Berliner Fanhilfe begrüßt das und fordert ihre Behörde auf, die Datei zu löschen. Nur: Beim gewohnten Berliner Behördentempo würde das mit heutiger Zusage erst 2019 geschehen. Abwarten. 

11. Wir bleiben in der Hauptstadt: Wer mal hier ist, sollte sich informieren, ob das Gastspiel seines Vereins nicht zusammenpasst mit einem Besuch bei TeBe Berlin im alten Mommsenstadion. Herrliche Atmosphäre da. Und Heimat einer Legende: Michael Fuß, Co-Spielertrainer von TeBe. Vergangene Saison schoss er TeBe mit 29 Toren in die Oberliga, nun wollte er wieder mehr spielen und wechselte im Winter nach Neukölln, bleibt aber Co bei TeBe. Fuß ist einfach ein wunderbarer Typ: Nun also Training bei beiden Vereinen, Arbeit im Schichtdienst bei Daimler, am Wochenende Punktspiele, er raucht, trinkt Bier, ist fast 40 und hat mit dem Neuköllner Präsidenten gewettet, in der Rückrunde mehr als 20 Tore zu schießen. Die Morgenpost mit einem kleinen Portrait.

Geburtstagskind des Tages
Hier wird jetzt mal ein Geheimnis gelüftet. Normalerweise bereitet uns Julian die Geburtstage vor, wir dumpfen Schreiberlinge müssen die nur Copy&Paste einfügen, zack ist das Ratespiel fertig. Heute morgen: Völlige Überforderung, Schnappatmung, kein Geburtstag vorbereitet, kein Quiz, Julian nich erreichbar, #aufschrei, Shitstorm droht. Verzeiht mir, heute hilft nur Wikipedia: Wir lernen, dass am 18. Februar 1546 Martin Luther starb, 1516 Maria Tudor geboren wird, mein Cousin Lennart Geburtstag hat, genauso wie Oliver Pocher, Roman Neustädter und ein italienischer Fußballer mit Zopf, der 1993 Weltfußballer war. Ratet doch mal, ohne Google. Ich hoffe das reicht, um Hassmails zu vermeiden.

Auflösung von gestern: Willi Koslowksi wurde 79 Jahre alt.

Meist geklickter Link gestern
Wie soll es anders sein: Ein sachlicher Aufreger! Endreas Müller persönliche Suche nach seinem eigenen Gespür für Taktikverständnis à la Spielverlagerung.de. (Spoiler: Er sucht noch.) Er wollte damit eine Debatte auslösen. Ist gelungen. Bei Twitter schrieben sich viele die Finger wund (ist ja sonst nicht so), und der im Artikel erwähnte Spielverlagerungs-Autor RM verfasste eine Replik, die Analyse der Analyse wenn man so will, unter der ebenfalls fleißig debattiert wurde. Bester Kommentar dort: „Dieser Artikel erinnert mich an meine Schulzeit im Physikunterricht, ich war zwar dabei, aber verstanden habe ich wenig. Und das war auch vollkommen okay so.“

Field Reporter

»Ich fühle mich gut, ich fühle mich jung. Deshalb bin ich ganz gewiss kein Pechvogel. Weil ich weiter das tun kann, was ich liebe. Und weil ich weiß, dass ich immer noch besser werden kann.«

Tja, Freunde, am Ende der Aufreger-Link11 noch etwas Schönes, berührendes: Holger Badstuber redet mit der FAZ so als hätte er die spanische Weihnachtslotterie El Gordo (dotiert mit 640 Millionen Euro) alleine gewonnen. Ohne Los. Gestern. Im Schlaf. Hat er aber nicht. Er hat sich wieder schwer verletzt, fällt drei Monate aus und geht damit beeindruckend pragmatisch um.

Mixed Zone
Hamburg: Uwe Seeler macht sich Sorgen.  + + + Schriftsteller Javier Marias über seine Liebe zu Real Madrid (11FREUNDE) + + + Pressemitteilung von „Kein Zwanni“ zu den Reaktionen auf den Tennisball-Protest in Stuttgart  (Kein Zwanni) + + +

did war die woche: aytac sulu rebel club periscope-broadcast aus der columbia university

Schon wieder Mittwoch, schon wieder DID-Tag

Und dazu noch Champions League. Heute kickt Wolfsburg in Gent. Verstecken Sie sich. Das Netz hat Witze vorbereitet, die Redaktoionen haben „so reagiert das Netz auf den Gent-kick“-Texte angelegt.

Bis die Tage

Dembowski

blogundpresseschau

Schottland – Introducing… Die Zukunft des Fußballs?

Schottischer Cup, zwei unfassbar wichtige Wiederholungsspiele zwischen den Hearts und den Hibs sowie Kilmarnock und dem ewigen Zweitligisten Rangers, doch die TV-Anstalten zeigen Champions League, zeigen den Fans die kalte Schulter.

Quatsch! Die Technik der Fans machte den Sendern einen Strich durch die Rechnung. Sie entschieden sich für Periscope, der weltweit beliebtesten App in Sachen Breaking Events all around the globe. 19.500 Anhänger des schottischen Fußballs verfolgten die Übertragung in außergewöhnlicher PC-Qualität. Sie sahen den unwirklichen Treffer von Nicky Clark in der zweiten Minute der Nachspielzeit zum 2:1 des Glasgower Traditionsteams gegen Kilmarnock, und den 1-0 Sieg der Hibs gegen die Jambos. Catch it while you can. The future is now! Zeit für schottische Verhältnisse. [RD93]

 

Columbia University – Bayern baggert an Talenten

“China, Büro in New York, Büro in Schangai, der Flughafen in Katar, Super League, die totale Dominanz!” Die Bayern, denkt DID-Chef Dembowski, machen mich noch total verrückt. Und jetzt, Dietfried, kümmern sich noch die Studenten der renommierten Columbia University, Studiengang Sportmarketing, um die Zukunft des Vereins. In Zusammenarbeit mit dem US-Büro werden dort neue Pläne zur Markenmaximierung entwickelt. „Ein stiller Schritt zur Internationalisierung. Ein tolles Programm“, sagt DID-Markenexpertin Miriam Wu. Dietfried Dembowski greift zum Hörer. Ein Anruf nach Australien. Das ist jetzt seine Rettung.

 

SV Darmstadt 98 – Aytac Sulu Rebel Club

Was war das für eine Aufregung? Darmstadt kassiert innerhalb weniger Minuten vier gelbe Karten, alle ziehen Sperren nach sich. Dazu gesellt sich eine weitere Sperre für Jerome Gondorf, der sich bereits in der ersten Halbzeit der Magie des Kartons nicht hatte entziehen können. Jetzt geht es gegen Bayern München, und wieder einmal ist die Liga in Gefahr. Geben die Vereine bereits vorher auf? Muss das unsägliche Verhalten der Lilien nachträglich mit einem Punktabzug bestraft werden? Nein, sagt Ned Zelic im DID-Gespräch.

Der mehrfache australische Auswahlspieler zeigt sich begeistert von den „Darmstadt Rebels“ und sagt: „Sie haben sicher nicht geglaubt, dass sie in München mit voller Mannschaftsstärke etwas erreichen können. Wieso sollten sie da Sperren in andere Spielen riskieren.“ Jedoch traut der Deutsche Meister von 1995 der Mannschaft von Trainer Dirk Schuster auch in der Allianz Arena einiges zu: „Sie werden mit 11 Spielern antreten, und die 100 % geben.“ Dazu DID-Überexperte Justin Hagenberg-Scholz: „Ich schließe mich dem australischen Franz Beckenbauer an. Seine Aussage ist a bit of indivdiual brilliance.“

 

Bosman erleichtert – Kehrtwende im Fall Heinz gegen Mainz

Expertentreff bei Schill. Sagt Hagenberg-Scholz: „Dieses Urteil wird Fußballgeschichte schreiben.“ Antwortet Dembowski: „Er ist der neue Bosman, das steht überall!“ Kommt zufällig ein Schotte in den Laden: „Worum geht es da überhaupt? Das ist doch kein Thema. Da wird nichts passieren.“ Der Überexperte trinkt KiBa, Schill serviert frisches Schulle. Man ist sich einig, dass man besser abwartet. „Es wird schon nichts passieren.“

Miriam Wu kommt von der Toilette. „Für die Internationalisierung wäre das wirklich schlecht. By the way, Schill, auf der Herrentoilette ist der Seifenspender alle.“ „Aber Du bist eine Frau!“

Auf einer Treppe im Gericht steht Heinz Müller und berät sich mit seinem Rechtsanwalt. Alles wird sich in Luft auflösen. Berichtet man. Dann die Kehrtwende. Zurück in den Gerichtssaal. Der Richter warnt. „Darauf ein Schulle“, freut sich der Schotte, und gemeinsam schauen sie nun den schottischen Pokal auf Periscope. Die Spannung ist greifbar. Mainz setzt alles auf eine Karte. Verweigert die Einigung. Nicky Clark trifft für die Rangers. Schon wieder. Was sich da vielleicht noch in Luft aufgelöst hat, erklärt der Deutschlandfunk.

 

Angers – Bloody Angers

Das DID Power Ranking sorgte in den letzten Monaten für mächtig Wirbel. Die Vergleichbarkeit des Fußballs. Auf einmal war sie da. „Es war ganz einfach“, sagt Dietfried Dembowski im DID-Gespräch. „Ich bin aufgewacht, und hatte diese Idee!“ Es war die beste Idee des Jahres 2015. Montag für Montag hängt ganz Europa vor dem Computer und wartet auf die neuesten Bewegungen in der ehrlichsten Rangliste des weltweiten Fußballs. So auch 11 Freunde-Schreiber Ilja Behnisch, der an dem kleinen französischen Erstligisten SCO Angers nicht vorbeikam. Jetzt beleuchtet er die unwahrscheinliche Geschichte von Lionel Messi und seinen Auftritten in der Ligue 1. Für Angers geht es nach einigen Niederlagen mittlerweile jedoch bergab. Im aktuellen DID Power Ranking stürzen sie auf Platz 39.

 

Flüchtlinge – Denen wird man doch nochmal helfen können.

Deutschland im September 2015. In München werden die Trains Of Hope begrüßt. Der Hauptbahnhof ist voller Helfer. Es ist beeindruckend. Für einen kurzen Moment ist die Welt nicht mehr aus den Fugen geraten. Die Münchener Polizei ist überwältigt. Der Rest des Landes auch. Euphorie. Der FC Bayern München kündigt zahlreiche Hilfsprojekte an, darunter auch eine Millionenspende aus den Erlösen eines Freundschaftsspiels. Die Hilfsbereitschaft nähert sich dem Höhepunkt. In der Liga erzählt man sich Geschichten. Die Vereine werden ihre Brust freimachen. „Refugees welcome“, soll dort stehen. Es kommt anders, die Lage eskaliert nachdem die DFL, Hermes und die Bild sich auf eine Aktion verständigen. Aber Fußballvereine in ganz Europa helfen weiter. Das Fare Network hat eine unvollständige, aber beeindruckende Liste zusammengetragen.

FIFA – Ein Drehbuch

Noch ein paar Tage bis zum Showdown. Bleibt Sepp Blatter weiter suspendierter FIFA-Präsident, wird er noch vorher reingewaschen, und welche Bündnisse und Kräfte können den Erfinder des Fußballs aus dem Amt jagen. Das alles erfahren wir in der kommenden Woche. ESPN schreibt noch einmal über die Ermittlungen geschrieben. Chuck Blazer spielt da natürlich eine Hauptrolle. „Ich freu mich schon auf die Verfilmung, das hier ist ein guter erster Entwurf für das Drehbuch“, sagt Dembowski und fügt an: „Für ESPN würde ich auch gerne einmal arbeiten.“

 

Josip Simunic – Der Kampf geht weiter

Im November 2013 freute sich Josip Simunic. Die kroatische Nationalmannschaft hatte sich soeben für die WM qualifiziert, und er tanzte und sang und grüßte die Fans. „Za dom spremni!“ Lautstark klang es zurück: „Spremni!“

Keine gute Idee. Es war die Grußformel der Faschisten. „Das war ein nicht unüblicher Ausdruck nationalistischer Liebe zur Unabhängigkeit Kroatiens“, sagt DID-Balkanexpertin Dörte im Gespräch. „Die ist stark ausgeprägt. Das macht es aber nicht besser.“ Sie verweist auf einen Chor im kroatischen Fernsehen.

Doch Simunic kam mit der Nummer nicht durch. Er verteidigte sich gegen eine FIFA-Sperre, doch niemand hörte ihn. Die WM fand ohne ihn statt. Jetzt tingelt er mit einem Film über die Lande. „Es mag kein United Passions sein, aber Mein Geliebtes Kroatien kann auch was“, sagt Ridley Ferundula. Der ehemalige Bundesligaprofi lässt sich derweilen mit der falschen kroatischen Flagge im Sydney Morning Herald ablichten, berichtet die Frankfurter Rundschau.

Trifon Ivanov – Der Mann vom Paninibildchen lebt nicht mehr

Er verstarb 50-jährig. „Er war der größte Spieler aller Zeiten“, sagt Ridley Ferundula, und stöbert in den zahlreichen Nachrufen im Guardian, auf ESPN oder Zwölf. „Once upon a time, when he still was an active player, Trifon Ivanov bought a tank. He purchased it directly from the army, without ammunition, and drove the meadows of countryside in his spare time“, liest Ferundula und weint eine Träne.

 

Der Liga der Weltmeister – Augenthaler geht in die Bezirksliga

Matthäus ist ein Experte, Littbarski ein Scout, Frank Mill war nie Weltmeister, und was macht eigentlich Bodo Illgner? Thomas Häßler und Klaus Augenthaler haben diese Frage mit ja beantwortet, und bei unterklassigen Vereinen in ihrer jeweiligen Heimat angeheuert. „Das ist super!“ findet Dembowski, und fordert „Respekt für die Entscheidung!“ Denn, so ergänzt Ferundula, „dort unten im Ligensystem macht Fußball noch Spaß.“ Die Süddeutsche findet Augenthalers neuen Job eher lustig.

 

Hagenberg-Scholz: Der Müller-Text langweilt mich

Justin Hagenberg-Scholz ist der DID-Überexperte, er kannte Drohnen schon bevor sie zu Waffen wurde, er reist regelmäßig nach Brentford, ins Mekka des englischen Fußballs, und veröffentlicht für DID Sport seine Beobachtungen direkt aus den Bundesliga-Stadien. Jetzt sagt er im DID-Talk: „Müllers Text ist eine Zeitverschwendung.“

Justin, Endreas Müller hat einem langen Text den Sinn von Taktikanalysen hinterfragt. Was sagst du dazu?

Was für eine Zeitverschwendung. Für den Verfasser, für den Leser, jetzt für mich während ich meine Sommerrollen esse. Und jetzt auch noch für die FoFu-Leser.

Warum?

Gerne schaue ich mir das im Detail an, wenn ich Zeit und Lust habe. Aus der Metasicht ist mir zweierlei negativ aufgefallen:

A Hier ist jemand auf der Suche nach der Wahrheit. Wie viel Taktik steckt im Fußball bzw. wie viel Wahrheit in der Taktikanalyse?

Der Verfasser stellt eine blödsinnige Frage in den Raum, um sich dann in der ohnehin unmöglichen Antwort in dieser zu verlieren. Alle kriegen ihr Fett weg, der Doppelpass, das Fernsehen. Er schreibt “ Schaltet man Sportschau und Co. ein, bekommt man oft einen Mix aus Unterhaltung, Küchenpsychologie und die auf einer eigenen Karriere im Profifußball beruhende „Expertenmeinung“ präsentiert“. Dieser Text ist noch viel schlimmer als das und die Wahrheit ist das letzte Einhorn: es gibt sie nämlich nicht.

Und B

Ja, B: Was wir Taktikanalysten wollen, ist unserer Leidenschaft nachgehen, ohne von unwissenden Fußball-Generalisten belästigt zu werden. Wir sind Spezialisten und die sind nunmal schwer zu verstehen. Verstehen Sie ihren Zahnarzt bei der Gebisskontrolle, wenn er der Assistenz irgendwelche Zahlen-Buchstabenkombinationen diktiert? Versteht man meine Laborberichte? Wer außer Pater Maurus versteht die Briefe des Apostel Paulus an die Epheser? Wer außer den Schiedsrichtern, Klaas und Lisa kennt das Regelwerk im Detail? Niemand! Deshalb gibt es Menschen, die versuchen komplexe Sachverhalte auch Klaus Normalwurst möglichst einfach zu erklären. Z.B. also MR, TE oder eben ich. Wir sind Spezialisten für ein Thema für das wir mit Leidenschaft brennen. Da brauche ich keinen Blinden, der mit mir über die Farbe diskutieren will und die verdammte Wahrheit sucht, nur um von seinen Komplexen abzulenken.

Lesen Sie den Text trotzdem, er ist gut! Hier auf 120 Minuten

Geburtstagskind des Tages

(Auflösung von gestern: Reiner Maurer wurde 56)

Meist geklickter Link gestern
CC Eckner über den jüngsten Bundesliga-Trainer aller Zeiten. Natürlich ne Taktikanalyse.

Field Reporter

Even his professional fouls are perfect

Ned Zelic, häufiger.

#Link11: Montag

Zu leben ist – Krieg mit Trollen
in Herzens und Hirnes Gewölb’.
Zu dichten – das ist zu halten
Gericht über sich selbst.

Dienstag ist der neue Montag. Zumindest, was die Link11 betrifft. Da wir gestern leider keinen Artikel veröffentlichen konnten, gibt es heute entsprechend viel aufzuarbeiten. Ich pendle zwischen sachlicher Bundesliga-Nachbetrachtung und den ganz großen sozialen, künstlerischen, ja, metaphysischen Fragen. Wer kümmert sich um die Rechte junger Fußballer? Ist Oliver Kahn ein Hippie geworden? Ist Arsene Wenger eher Rembrandt oder eher Ibsen? Könnte Stefan Effenberg womöglich doch kein so guter Trainer sein, obwohl er gut pöbeln kann? Macht ihn das zu einem Charles Bukowski oder zu einem Mario Barth? Was ist Langeweile? Quo vadis, deutscher Fußball?

blogundpresseschau

1. Der 21. Bundesligaspieltag bot einige Überraschungen und das rekordverdächtige Debüt von TSG-Trainer Nagelsmann. Tobias Escher bespricht die Partien HSV gegen Gladbach, Köln gegen Frankfurt und das besagte Debüt in seiner Spieltagskolumne für Spielverlagerung. Der hochgeschätzte Rasenfunk unterzieht das Fußballwochenende einer Tiefenbetrachtung.

5 Erkenntnisse zum jüngsten Bundesligatrainer aller Zeiten hat auch Benedikt Treuer gewonnen (Spox). Constantin Eckner analysiert die taktischen Kniffe des Neulings, greift dabei allerdings zu einer Headline, für die ich hiermit 1899 Stunden Twitterverbot fordere (Sport1).

2. Bayerns Routinesieg in Augsburg (wie immer kompetent analysiert von Miasanrot) wurde von der erneuten Verletzung Holger Badstubers überschattet. Dirk Gieselmann widmet sich dem „zerbrechlichen Krieger“, mit dem aktuell wohl ganz Fußballdeutschland leidet (11 Freunde).

Unerfreulich bleibt für Bayern-Unterstützer auch das Thema Katar. Wie es dort nach unzähligen Beteuerungen mittlerweile um die Bedingungen für Arbeiter steht, weiß der DeutschlandfunkSport Inside beleuchtet unter anderem den Widerspruch zwischen dem Vermarkten Hervorheben einer jüdischer Vereinstradition und Millionengeschäften mit einem stramm antisemitischen Regime. Mit O-Tönen eines gewissen A. Feuerherdt.

3. Beim BVB, der im Schongang 1:0 gegen Schlusslicht Hannover gewann, entdeckt Malte von Schwatzgelb derweil seine Liebe für die Langweile. Und die könnte man in Dortmund auch sicher genießen – gäbe es da nicht die Nazischläger von der „Borussenfront“.

4. Dem deutschen Fußball stehen derweil im Zuge ihrer Premier League Fixierung zukünftigen Konkurrenzfähigkeit einschneidende Reformen bevor (Sport1). Jens Kirschneck, im Fußballkulturmodus, alb-träumt währenddessen von einer Horrorzukunft, in der es nur noch Werks- und Konzernvereine gibt (11 Freunde).

5. 

»Wenn wir Fußball darauf reduzieren, dass nur das Gewinnen, das Zählbare etwas wert ist, verleugnen wir seine wirkliche Funktion, nämlich die Vermittlung von Spaß, Identifikation, Emotion und Lebensfreude.«

Klingt vernünftig, oder? Welcher Ex-Profi das gesagt hat, dürften trotzdem nur die wenigsten erraten (Welt).

6. Europas Fußballligen sind für junge afrikanische Talente schon länger ein Symbol der Hoffnung, endlich den Lebensverhältnissen der Heimat entfliehen zu können. Leider schlagen Betrüger immer häufiger Kapital aus dieser Hoffnung. Meist mit verheerenden Folgen. Doch auch europäische Clubs bedienen sich rücksichtslos auf dem billigen afrikanischen Markt. Dabei hat die FIFA Regeln, die genau das verhindern sollen. Eigentlich (ZDF).

Unfassbar erscheint auch die Geschichte von Cristian Manea. Eigentlich sollte das rumänische Talent beim FC Chelsea spielen – welchem Club, bzw. welcher privatwirtschaftlichen Drittpartei er mittlerweile wirklich gehört, ist kaum mehr nachvollziehbar. Costin Ştucan taucht in ein Geflecht aus korrupten Agenten, Steueroasen, Betrug und profitgierigen Nationalhelden ein. Einen besseren Wirtschaftsthriller werdet ihr so schnell nicht lesen (Futbolgrad).

7. Stefan Effenberg steht, ungeachtet der Tatsache, dass er ein Meister im Geben aggressiv-respektloser Interviews ist, als Trainer des SC Paderborn vor dem Aus. Aktives Abseits fasst die Lage des müden Tigers zusammen.

8. 

»Ein Team aus 11 Zidanes würde dich jederzeit fertig machen – aber ein Team aus 10 Nevilles und einem Rivaldo könnte das auch.«

Ein Zitat, das zwingend nach einer Analyse unter Zuhilfenahme von zwei bis acht Gläsern Bier verlangt, finde ich. So oder so, Rivaldo war eine der schillerndsten Fußballfiguren der Jahrtausendwende. These Football Times, mit bildhübschem neuen Langtext-Format, huldigt einem der großen Fiesling-Genies des europäischen und südamerikanischen Fußballs.

9. Knapp 20 Jahre und über 1000 Spiele als Coach. Arsene Wenger ist das Urgestein der Premier League. Doch längst sind nicht mehr alle davon überzeugt, dass der große Feingeist des FC Arsenal sein Spätwerk mit einem Titel zu krönen vermag. Jonathan Wilson fragt: Ist Wenger am Ende nur ein Sturkopf, der sich nicht mehr entwickeln mag oder doch ein Altmeister, der rechtzeitig zu sich selbst findet? Großartig (Guardian)!

10. Mit Kater zum Spiel, dann folgt ein 90-minütiges Grätschenmassaker, nach dem Spiel setzt es Backenfutter. Wahrlich, der Ruf des Amateurfußballs könnte besser sein. Doch ist er gerechtfertigt? Der Tagesspiegel hat ein datenaffines Journalistenteam in die Berliner Hobbyfußball-Szene entsandt, um den 6 gängigsten Klischees auf den Grund zu gehen. Herausgekommen ist mit dem „Blutgrätschen-Report“ eine in jeder Hinsicht gelungene Reportage. Hach. Schön.

11. Nur ein Trailer zu den TV-Austrahlungen der uruguayischen Primera División. Es gibt eben Promo – und es gibt Promo.

Meist geklickter Link am Freitag
Der Akademiker Fanclub und sein kritischer Brief an „Kein Zwanni“

Bandenwerbung
Collinas Erben bewerten die Schiedsrichterleistungen des Bundesligaspieltags

Field Reporter

»Wir spielen nicht Monopoly, wenn wir aufsteigen. Wenn wir jedoch einen begabten jungen Spieler finden, dessen Marktwert sich noch erhöhen lässt, sind wir auch bereit, eine entsprechende Ablöse zu zahlen. Aber nicht für ältere Spieler. Wir brauchen ein organisches Wachstum.«

Ralf Rangnick denkt in Assets, nicht in Hotels (FAZ). Michael Horeni entlockte Leipzigs Trainer einige Schmankerl dazu, was von RB in der Bundesliga zu erwarten ist.

Geburtstagskind des Tages

(Auflösung von Freitag: Heinz-Josef „Jupp“ Koitka wurde 64)

Mixed Zone
HamWolfsburg: Klaus Allofs macht sich noch keine Sorgen. Stefan Osterhaus schon (NZZ).  + + + Paradigmenwechsel: Ist Heinz Müller der neue Bosman? Oder gar mehr (Welt)? + + + Gelsenkirchen: Matip wechselt abslösefrei. Die SZ kritisiert Heldt, Hassanscorner dankt dem Spieler + + + Gigantisch: Barca zerlegt Vigo (Messi! Trickelfmeter! Frechheit?!) (Laola) + + + Dummheit des Jahres: PSG suspendiert Verteidiger Aurier. Zurecht. (Spiegel) + + + Niederlande: Spielmanipulation aufgedeckt (RevierSport)

#Link11: Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht

blogundpresseschau

1. Das heutige Fastengebet spricht Papiss Demba Cissé.

2. Am gestrigen Donnerstag saß der Vorstand der Deutschen Fußball-Liga zusammen. In der medialen Rezeption dieses Treffens werden dabei zwei Entscheidungen in den Vordergrund gestellt: Zum einen spricht sich die DFL für die Erprobung eines assistierenden Videoschiedsrichters aus, zum anderen für Reinhard Grindel als künftigen Präsidenten des DFB (kicker).

3. Die Spur der zwischen DFB, WM-OK und FIFA kursierenden 6,7 Millionen Euro wird in den letzten Tagen etwas deutlicher: »Der Strippenzieher in der DFB-Affäre packt ein bisschen aus«, überschrieben Johannes Aumüller und Thomas Kistner ihren Lagebericht in der SZ, der die neuen Informationen mit den bisherigen über Stimmlager und abtrünnige Asiaten in Einklang bringt. In der FAZ ist ein etwas parataktischerer Überblick erschienen.

4. Heute Abend beginnt in Mainz der 21. Spieltag der Bundesliga-Saison. Dort, wo Christian Heidel arbeitet, gegen diejenigen, bei denen er bald arbeiten soll. Wie auf Schalke üblich, weiß die Lokalpresse aber nicht nur, dass die Entscheidung darüber knapp ausgehen dürfte, sondern schlüsselt das sich abzeichnende Votum sogar nach Köpfen auf (Der Westen). Einen Ausblick auf die Partie liefert der Schalker Königsblog. Mainz 05 selbst zahlt seinem ehrenamtlichen Präsidenten übrigens eine Kombination aus Aufwandsentschädigung und Honorar zur juristischen Beratung seines eigenen Vereins. Das ganze Konstrukt und je eine formaljuristische und eine freiere Bewertung dieser Struktur finden sich in der FAZ.

5. Auch am Samstag und Sonntag wird wieder gespielt werden. Constantin Eckner (Spielverlagerung) hebt in der taktischen Vorschau drei Partien des 21. Spieltags der Bundesiga hervor, das Zebrastreifenblog die Zweitligapartie Duisburg – Karlsruhe und die Nichtabstiegshoffnung.

6. Mit Huub Stevens hat einer der aktivsten Bundesligatrainer der vergangenen zwanzig Jahre seine Karriere beendet. Klaus Hoeltzenbein (SZ) würdigt ihn mit einem Text, dem leider ein leicht jenseitiger Geruch anhaftet.

7. Einen Tag nach dem Rücktritt Huub Stevens‘ ernannte die TSG Hoffenheim einen neuen Cheftrainer: Julian Nagelsmann, der die Mannschaft im Sommer übernehmen sollte, kommt nun früh genug, um doch noch jüngster Cheftrainer der ersten Bundesliga zu werden. Die dpa und die SZ haben die Meldung um ein paar Fakten und ein paar Mutmaßungen zu einer kurzweiligen Einführung ergänzt. Danial Montazeri (Spiegel) stellt den von ihm praktizierten Stil in der Tradition des Hoffenheimer Spiels genauer vor.

8. Der ebenfalls der TSG verbundene Akademiker-Fanclub widmet sich der vielfach angesprochenen Ungleichbehandlung seitens »Kein Zwanni« und kündigt seinerseits einen Boykott der Partie in Dortmund an. Bei schwatzgelb.de verteidigt Stephan Uersfeld die Protestaktion vom vergangenen Dienstag, eine weitere Gegenmeinung habe ich bei Neureich-Bimbeshausen festgehalten. Bei 11Freunde werden die aktuellen Entwicklungen in der englischen Kundenszene beschrieben.

9. Der groß angekündigte »Finaltag der Amateure« stößt nicht nur auf Gegenliebe. Der sächsisch-anhaltinische Landesverband und insbesondere die beiden Favoriten in seinem Verbandspokal (1. FC Magdeburg und Hallescher FC) kritisieren mangelnde Vereinbarkeit mit dem Rahmenterminplan für Drittligisten (Mitteldeutsche Zeitung).

10. In der NZZ berichtet Claudia Rey aus dem Leben eines hauptberuflichen Dopingkontrolleurs:

»Was arbeitest du eigentlich, Papa« »Ich gehe zu Leuten nach Hause und sammle Urin ein.«

11. Thomas Kistner (SZ) schreibt über den Film »Dirty Games«:

[Dieser] Film darf den medialen Mainstream nicht erreichen. Er könnte Nachahmer finden, die den Sport Zug um Zug als das entlarven, was er ist: Die größte Bewusstseinstäuschung unserer Zeit. Wahrhaftig, ein Märchen.

Geburtstagskind des Tages

(Auflösung von gestern: Markus Happe wurde 44)

Meist geklickter Link gestern
Nico Schurr (Weser-Kurier): »So entsteht eine Bundesliga-Übertragung. Das Spiel, seine Macher und seine Verkäufer«

Field Reporter

»Alle haben immer Druck, die Schiedsrichter natürlich auch. Das sind Aussagen von Managern und Spielern, die den Schiedsrichter immer völlig außen vor lassen. Zum Klima kann man sagen, dass sich viel geändert hat im Vergleich zu den letzten Jahren. Höher, schneller, weiter ist das Motto. Die Gehälter steigen, es wird mehr im Fernsehen übertragen. Das ist auch ein Grund dafür, dass alle ein wenig gereizter sind.«

Der langjährige Bundesliga-Assistent und neue Bundesliga-Hauptschiedsrichter Patrick Ittrich im Gespräch mit dem NDR.

Mixed Zone
München: Karl-Heinz Rummenigge macht sich Sorgen (FCB.de) + + + Frankfurt: Glorreiche Halunken Teil 4 (#Neunziger #WZH #ZDF, Der Panenka) + + + Duisburg: Kentsch-Prozess geht im September so richtig los (Reviersport) + + + Stevenage: Teddy Sheringham, gefeuerter Trainer, geht inkognito zum Spiel (Guardian) + + + Mexiko: Trikotwerbung für den Papstbesuch – Geldstrafe (SZ) + + + Unterföhring: Die Kommentatoren-Ansetzungen für das Wochenende hat der Kommentatorenblog + + +

#Link11: »Dann geht er liegen«

Es war dann doch wieder ein saulangweiliger Fußballabend, obwohl das Wetter, die Atmosphäre und der Zustand des Rasens eigentlich so vielversprechend waren. Am Ende gewannen doch wieder dieselben. So musste man bis nach dem Spiel warten, um ein echtes Highlight zu erleben. Im Mittelpunkt zwei Niederländer. Zum Niederliegen.

blogundpresseschau

1. Im DFB-Pokal setzte sich völlig überraschend der FC Bayern München gegen den VfL Bochum durch. (Spielzusammenfassung bei der Sportschau) Bochums Trainer Verbeek echauffierte sich über seinen Landsmann Robben, der aus seiner Sicht zu schnellen liegen geht – was im Niederländischen wohl »eine Schwalbe machen« bedeutet. (kicker) Daniel Theweleit (Spiegel) sieht in Robben weniger den Umfaller als den Entscheider. Christopher Ramm (Mia San Rot) lobt die Chancenverwertung und Joshua Kimmich.

Außerdem setzte sich die Hertha gegen Heidenheim durch. (Sportschau) Bei den Berlinern hofft man, dass man durch die Erfolge der letzten Wochen und Monate endlich auch wieder mehr von den Schülern in der eigenen Stadt geliebt wird – die halten nämlich lieber zu München oder Dortmund. (Tagesspiegel)

2. Weiter geht es im DFB-Pokal mit dem Halbfinale. Berlin empfängt Borussia Dortmund und will den Rasen deshalb nicht auswechseln (immer hertha), die Bayern freuen sich auf Pizarro. Gespielt wird am 19. und 20. April. (Sportschau) Die Berliner sind froh, dass sie endlich mal zu Hause ran dürfen, schließlich wurde ihnen in den letzten Jahren nur in 29 % der Spiele das Heimrecht zugelost – der schlechteste Wert in der Ausarbeitung im Zugabe-Blog. Mehr Losglück haben zum Frankfurter und Freiburger – bringt aber wohl im Endeffekt auch nicht so viel…

3. Ein kurzer Blick zurück auf ein weiteres Viertelfinale sei gestattet. Borussia Dortmund konnte sich beim VfB Stuttgart durchsetzen, was nach Meinung von Tobias Escher (Spielverlagerung) vor allem an der Strategie der Dortmunder lag, die es schafften Konter der Schwaben zu vermeiden und durch Personalumstellungen das eigene Spiel umzustellen.

Mehr Schlagzeilen als das Spiel machten allerdings Tennisbälle (siehe auch did von gestern). Sebastian Weßling (WAZ) kommentiert, dass sich die BVB-Fans mit ihrer Aktion nur selbst geschadet hätten. Sie schaffen es damit aber wenigstens, dass man national und international aufmerksam auf ihren Protest gegen zu hohe Ticketpreise wird. (kickerCNN, Telegraph,  ESPN, Fox Sport Asia)

4. Ticketpreise waren auch ein großes Thema in der Premier League. Jedes Jahr wertet die BBC den »Price of Football« aus. Werner Sonnleitner (Abseits) hat das komplizierte Ticketpreissystem aufgedröselt. Klaus Hoeltzenbein (SZ) kommentiert die Ticketpreise in der Premier League. Er plädiert für eine Bewegung, die sich das Motto eines Klassikers von Donna Summer und Barbra Streisand auf die Fahnen schreibt: »Enough is enough«.

Bei Liverpool haben die Diskussionen rund um die Eintrittspreise nun zu einem Einlenken geführt – oder besser ein zurückkrebsen wie es watson nennt (Das Interview mit dem Liverpool-Fan zu den Eintrittspreisen sollte man sich nicht entgehen lassen!). Neben den Diskussionen neben dem Platz gibt es auch Diskussionen auf dem Platz. Über die Ursachen und Gründe macht sich David Theis (spox) Gedanken und analysiert den Kader auf allen Positionen. Ein Kaderumbruch im Sommer ist aus seiner Sicht unumgänglich.

5. Einen Umbruch gibt es auch im Landespokal – was vor allem Freunde des Groundhoppings unglücklich machen wird, denn in Zukunft wird es einen »Finaltag der Amateure« geben an dem alle Spiele der verschiedenen Landesverbände durchgeführt werden sollen. Diese Spiel überträgt die ARD in diesem Jahr am 28.Mai zum ersten Mal live (DFB, kicker). Maximal 21 Spiele werden dann in Konferenzen gezeigt. Ob alle Landespokalfinalspiele allerdings am selben Tag stattfinden können, ist noch unklar, weil die Relegationsspiele für die 3.Liga fest auf den 25. und 29. Mai terminiert sind. Es besteht also noch Hoffnung für Groundhopper, dass sie mehr als ein Landespokalfinale in diesem Jahr sehen können.

6. Hoffenheim braucht einen neuen Trainer, weil Huub Stevens wegen gesundheitlicher Probleme zurückgetreten ist. In einer Pressekonferenz sprach Stevens über die Beweggründe (Langversion und Kurzfassung bei YouTube) Der Vereinsarzt hatte Herzprobleme erkannt, vielleicht ist ein operativer Eingriff nötig.Beim kommenden Spiel der TSG werden die Co-Trainer das Team betreuen. Ob Julian Nagelsmann, der ab der kommenden Saison das Cheftraineramt übernehmen soll und aktuell seinen Fußballlehrerschein macht, direkt übernimmt, war zum Zeitpunkt der Pressekonferenz noch nicht klar.

7. Dürfen Bundesländer geheime Datenbanken über Fußballfans führen? Wie sieht es mit Auskunftsrechten aus? Wer kommt rein? Wie kommt man wieder raus? Fabian Scheler (11 Freunde) sprach mit dem Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte Philip Krüger über diese Fragen und die Rechtmäßigkeit der Datenbanken.

8. Wie weit es die Behörden manchmal treiben, zeigt nun das Beispiel St.Etienne. Dorthin dürfen gar keine Fans aus Basel anreisen. Nicht zum Stadion, nicht mal in die Stadt. (Tagesanzeiger)

9. Benjamin Best recherchiert seit Jahren zum Thema Sportbertrug. Sein neuster Film heißt »Dirty Games« und zeigt wie in den verschiedensten Sportarten weltweit manipuliert wird, um bei Sportwetten abzukassieren. Thomas Kistner (SZ) hat ihn gesehen und findet lobende Worte für den »entlarvenden Blick hinter die Sportkulisse«.

10. In der Affäre rund um die Vergabe der WM 2006 hat sich Fedor Radmann, Mitglied im Organisationskomitee, zu Wort gemeldet. Er macht einen erstaunlichen Unterschied zwischen Bestechung auf der einen Seite und einem »Beruhigungsvertrag« auf der anderen. Jack Warner sei zwar für die anderen gewesen, man meinte aber laut Radmann dennoch sich ihn durch Zuwendungen vom Hals halten zu müssen. (Welt)

11. Zum Abschluss die Empfehlung für einen Text über einen der großen Stürmer des letzten Jahrzehnts: Thierry Henry. Seine Trainer, seine Clubs, seine Vereine. Wunderbar zusammengefasst von Matt Gault (These Football Times).

Geburtstagskind des Tages

(Auflösung von gestern: Alan McInally wurde 53)

Meist geklickter Link gestern
»Der brilliante Abgang des Magiers« – Der Tagesanzeiger über Futsal und Ricardinho.

Field Reporter

»Eine kleine Geschichte: Ich kenne den Verbandspräsidenten eines afrikanischen Landes, der mir nahestand. Auf einmal sagte er mir, er würde jemand anderen unterstützen. Danach rief mich der Vizepräsident an und sagte: ‹Weisst du, was passiert ist? Sie haben ihn nach Dubai eingeladen.› Solche politischen Druckmittel und finanziellen Möglichkeiten habe ich nicht. Ich kenne einen anderen Präsidenten. Er hat mir gesagt, man habe ihm in Aussicht gestellt, er könne vielleicht etwas Kleines bekommen, aber er sagte: ‹Ich stimme für dich.›«

Jérôme Champagne, nach Ansicht von Beobachtern aussichtsloser Kandidat bei der FIFA-Präsidentenwahl, gibt sich im Interview mit der NZZ zuversichtlich. Er teilt gegen seine Konkurrenten – insbesondere Gianni Infantino – aus, würdigt die Arbeit von Sepp Blatter und erklärt, was aus seiner Sicht falsch läuft im Weltfußball.

Mixed Zone
Türkischer Pokal: Amed SK erreicht ohne Deniz Naki ein Unentschieden gegen Fenerbahce. (Welt)  + + + Provokationsvorwurf: Granit Xhaka glaubt, dass in der Bundesliga gezielt Spieler auf ihn angesetzt werden. (NZZ) + + + Neue Dokumente: Football Leaks hat weitere Verträge (unter anderem den von Real Madrid mit Toni Kroos) veröffentlicht. (NZZ, SZ) + + + Offene Arme: Russlands Sportminister Witali Mutko, Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee, will die Funktionäre Blatter und Platini bei der WM 2018 trotz ihrer Sperren auf der Tribüne sehen. (FAZ) + + + Inszenierung: Wie eine Bundesliga-Übertragung geplant und durchgeführt wird. (Weser Kurier) + + + Problem: Wattenscheid 09 spielt eine sehr erfolgreiche Saison, hat aber keinen Spieler über die Saison hinaus unter Vertrag (RevierSport) Was immer bleiben wird: die Hymne.

did war die woche – tennis, handball, futsal

Meine Damen und Herren!

Sparen wir uns einfach den Austausch von Höflichkeiten! Sie wissen: Mittwoch ist DID-Tag auf Fokus Fussball. Das wird in der Redaktion weiter kontrovers diskutiert. Aber noch haben sie mir das Wort nicht verboten.

Unbeirrt

Dembowski

blogundpresseschau

 

Stuttgart – Ziviler Ungehorsam stößt auf wenig Anklang. DFB droht mit Strafe.

Großes Tennis? Die Proteste der Dortmunder Anhängerschaft gegen die Hochpreispolitik der Bundesliga-Verein lösten noch am Abend erregte Diskussionen in den sozialen Netzwerken aus. Teile der Fans waren nicht nur dem Anstoß des Pokalfights ferngeblieben, sondern hatten in der 25.Minute des Spiels auch Tennisbälle auf den Rasen geworfen. Dies hatte unter den 40-Zoll-Fans für Unmut gesorgt.

„Natürlich fühlen sich Leute gestört, wenn man das „Event“ unterbricht. Das ist ja auch gut so“, sagt Kein Zwanni-Aktivist Marc Quambusch im DID-Gespräch. „Das ist eine Art des zivilen Ungehorsams.“ Die Proteste seien weiterhin nicht gegen „Leute, die Tennis mögen“ gerichtet gewesen, beschwichtigt die Szenegröße.

Bereits im Vorfeld der medienwirksamen Proteste kritisierten Ballsportliebhaber den erneuten Alleingang der Borussen, doch Quambusch will davon nichts wissen. Kein Zwanni sei für alle Fans offen, erklärt der Ex-Filmemacher, und verweist auf die Fans aus Köln und Mainz, die sich in der Vergangenheit ebenfalls gegen die Preissteigerungen ausgesprochen hatten. „Ich verstehe den Vorwurf nicht“, so der leidenschaftliche Fan, der sich im Vorfeld der Partie heiße Auseinandersetzungen auf Twitter lieferte.  Niedrige Preise seien im allgemeinen Interesse. Fußball, ergänzte Quambusch, sei „Volkssport und kein Geschäftsmänner-Sport.“

Am Mittwoch nahm der DFB Ermittlungen gegen den BVB auf. Rainer Wendt war für diese Redaktion für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

 

Internet – Philosoph löst Debatte aus

Der selbsternannte Fußball-Philosoph Wolfram Eilenberger veröffentlichte am Dienstag eine Kolumne auf Zeit Online. Handball als die Alternative für Deutschland. Der Auswahlspieler der deutschen Literaturnationalmannschaft verstand dies als Probebohrung in die aktuelle Volksbefindlichkeit.

Der Handball verweise „mit aller Macht auf eine selig verklärte, deutsche Reihenhausvergangenheit der achtziger Jahre“, befand der Philosoph, und widerbelebte das wunderbare Wort „kartoffeldeutsch“ — im Zusammenhang mit der Migrantenquote des erfolgreichen Handball-Teams — das noch in den 90ern-Jahren als Auszeichnung auf den Sportplätzen des Ruhrgebiets galt. Trotzdem stieß er in der Folge in den sozialen Medien auf erheblichen Widerstand, und Handball-World.com-Schreiber Christian Ciemalla hielt am Folgetag eine flammende Gegenrede. Spiegel-Autor Rafael Buschmann verstand auf Twitter die Welt nicht mehr.

„Ich finde kartoffeldeutsche Namen wie Wolfram oder auch Dietfried gut“, erklärte Ermittler Dietfried Dembowski im DID-Gespräch, ergänzte jedoch, dass er den Text eigentlich sehr gut fand. „Er hat eine Debatte ausgelöst. Im Internet! Das muss man erst einmal schaffen!“

 

Hoffenheim – Huub Stevens verabschiedet sich.

In akuter Abstiegsnot, und jetzt noch ohne Trainer. Huub Stevens (62) tritt aus gesundheitlichen Gründen als Trainer der Kraichgauer zurück, berichtet der SID. Seine kurze Amtszeit in Hoffenheim bleibt somit ein großes Missverständnis. Jetzt heißt es noch einmal „Der Knurrer aus Kerkrade“ schreiben, und Stevens alles Gute wünschen.

 

FIFA – Sheikh Salman hält nichts von einer Wahl

FIFA-Präsidentschaftskandidat Sheik Salman hat in einem Interview mit AP eine „win-win“-Lösung im Vorfeld der Wahlen am 26. Februar vorgeschlagen. Man solle sich einfach im Vorfeld auf einen Kandidaten einigen, sagte der bahrainische Fußballfunktionär, und meinte vielleicht sich. Dies wäre die beste Lösung für alle. Auch für UEFA-Zeremonieleiter und Verlegenheitskandidat Gianni Infantino, dem erst am Vortag die Unterstützung der stimmlosen European Club Association zugesichert wurde. Sheikh Salman griff eine Idee des russischen FIFA-Exco-Mitglieds Vitaly Mutko auf, und setzte auf die nationalen Verbände. „Sie können überzeugen!“

 

Futsal – Standing Ovations für Ricardinho

Der 30-jährige Portugiese Ricardinho, Weltfutsalspieler von 2015, erzielt ein Traumtor. Die Halle jubelt, der Stadionsprecher schwärmt, und wir glotzen Futsal beim Tagesanzeiger. „Dat Ding hätte ich auch gemacht“, sagt DID-Futsal-Experte Ridley Ferundula.

 

No Dice – Ein Ende

Das englischsprachige Fußballmagazin No Dice existiert nicht mehr. Das verkündeten die Macher auf Ihrer Facebookseite, und schrieben noch einen letzten launischen Text über das Lichtenberg-Derby. Sie gehen mit Willie Nelson und den Worten: “It’s been so long now. But it seems now, that it was only yesterday. Gee, ain’t it funny, how time slips away.” No Dice waren ein wunderbares Magazin. Danke für all die Jahre.

 

Geburtstagskind des Tages

(Auflösung von gestern: Άγγελος Χαριστέας (Angelos Charisteas) wurde 36)

Meist geklickter Link gestern
Die Welt sprach mit Deniz Naki, der vom türkischen Verband. für einen Facebook-Post eine Sperre aufgebrummt bekam.

Field Reporter

Es mag sein, dass der Schiedsrichter an der einen oder anderen Stelle nicht zu unseren Gunsten entschieden hat, aber daran lag’s nicht

Rudi Völler hat vor dem Interview mit Sky Kreide gefressen. Leverkusen unterlag Bremen trotz der kleinen Erbse und vielleicht auch wegen des Schiedsrichters mit 3:1 Toren. Der Werksklub fährt nicht nach Berlin

 

#Link11: Jeder Jeck is‘ anners

Die Link11 zum Veilchendienstag ist gar nicht mal so närrisch geraten. Dennoch: Wenn sich „Folter-Scheich“, „Hammer-Ali“, Sklaven-Franz“, „Pferdelungen-Dieter“ und „Würstl-Uli“ treffen, befindet man sich entweder in einem Karnevalsumzug, schaut eine „Kiezgrößen“-Doku auf N24 … oder man liest eben die Link11.

Na dann lieber Link11. In diesem Sinne…

blogundpresseschau

1. Die Wahl des nächsten FIFA-Präsidenten rückt näher. Zum engeren Kandidatenkreis gehört auch Bahrains Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa. Dass dessen Name untrennbar mit Menschenrechtsverletzungen aller Art verknüpft ist, hat nun (auch) FIFA-Sponsor Visa auf den Plan gerufen. Erfolgt über diesen wirtschaftlichen Druck ein Kulturwandel beim Weltverband (FAZ)?

Den zunächst als sicher gehandelten Rückhalt einiger afrikanischer Landesverbände scheint Salman zumindest verloren zu haben (FAZ).

2. Den Rückhalt ehemals treuer Gefolgsleute hat auch Franz Beckenbauer, der in Bahrain vermutlich keine Foltergefängnisse gesehen hätte, mittlerweile gänzlich verloren: Der DFB hat ein Verfahren gegen das gesamte Organisationskomitee der WM 2006 eingeleitet (SZ).

3. 

»Sie sind eine Ein-Mann-Authentitätsbrücke: Sie wissen die entscheidenden Dinge über das Leben. Sie wissen, wie man einen Fußballverein führt, eine Wurstfabrik aufbaut und das Gefängnis übersteht. Die Leute glauben Ihnen jetzt fast alles.«

Abgeschlossen scheint dagegen zumindest vorerst der Fall Uli Hoeneß, und

4. Wer derzeit Richtung Türkei schaut, wird das vermutlich mit Entsetzen tun. In Teilen des Landes herrschen Kriegszustände, Presse- und Meinungsfreiheit scheinen weitestgehend abgeschafft worden zu sein. Das bekam nun auch Fußballprofi Deniz Naki (ehemals bei St. Pauli angestellt) zu spüren. Er wurde wegen „separatistischer und ideologischer Propaganda“ vom Verband mit einer Rekordsperre belegt. Was er dafür tun musste, erfahrt ihr von Deniz Yücel.

5. 

»Das ist viel eleganter zu sagen: ‚Ich hab nix gegen Schwule, aber die Fans, die Medien, die ganzen südeuropäischen Länder – das sind ja die Probleme.‘ Und das sind sehr beliebte Strategien, den schwarzen Peter einfach anderen Gruppen oder anderen Dimensionen, Medien zuzuspielen und sich selber dann aus der Verantwortung zu stehlen.«

Die Debatte um homosexuelle Fußballer ist an einem toten Punkt angekommen. Ein, wie ich finde, sehr gelungener Beitrag von Everhard Hofsümmer widmet sich unter anderem der Frage: Wer muss den ersten Schritt gehen (WDR)?

6. Zu behaupten, dass – um es vornehm auszudrücken – der Weltfußball derzeit in einer ganzen Reihe moralischer Zwickmühlen steckt und gleichzeitig maximal einen Bruchteil seines positiven Einflusspotenzials nutzt, ist nicht besonders gewagt. An der Mehrheit der Profis scheint all das aber abzuprallen, wie Wattekugeln.

»Wenn die Heimkinder anderen Kindern begegneten, fühlten sie sich minderwertig, weil sie eben kein „normales“ Familienleben hatten, obwohl diese Normalität, nebenbei gesagt, sowieso eine Illusion ist. Deswegen waren sie gehemmt und schämten sich, was eigentlich gar nicht der Natur eines Kindes entspricht. Jetzt aber, mit einem Profi von Mainz 05 an ihrer Seite, fühlten sie sich respektiert. Sie blühten auf und gingen auf die anderen zu.«

Neven Subotic ist da ganz anders. Sylvia Witt und Oliver Uschmann haben mit dem BVB-Profi ein sehr lesenswertes Gespräch geführt (Galore).

7. Viel wurde zuletzt über die Transferoffensive der ersten chinesischen Liga geschrieben. Ex-HSV-Profi Jörg Albertz (Ihr wisst schon. Spitzname: „Hammer-Ali“) kennt besagte Super League von innen und hat Matthias Friebe seine Einschätzung der aktuellen Entwicklungen mitgeteilt (Deutschlandfunk).

8. Für eher groben Fußball stehen auch die Clubs der englischen „Fußballmetropole“ Birmingham. Das Übersteiger-Blog hat dem Charme der West Midlands einen kurzen Erlebnisbericht gewidmet.

9. Mit Charme hat auch der nächste Beitrag eine ganze Menge zu tun: Der Akademikerfanclub hat das Darben der hoffenheim’schen Fankultur in einer dadaistischen Liebeserklärung an miesen Fußball verarbeitet. Allein dafür muss die TSG eigentlich die Liga halten!

10. Mies ist derzeit auch der Fußball des FC Liverpool, was besonders schwer wiegt, da die Erwartungen an Englands ruhmreichen Traditionsverein kaum größer sein könnten. Dieses Missverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit vereint wohl kein Spieler der Reds so treffend in sich, wie ihr verhinderter Hoffnungsträger Daniel Sturridge. Cavanis Friseur über die Symbolfigur eines lahmen Riesen.

11. Schwer haben es in der Premier League (häufig) auch Neuankömmlinge aus der italienischen Serie A, so besagt es ein ungeschriebenes Fußballgesetz. Michael Cox auf der Suche nach Ursachen (ESPN).

Geburtstagskind des Tages

(Auflösung von Freitag: Frank Pagelsdorf wurde 58)

Bandenwerbung
Collinas Erben analysieren die Aufreger des Bundesligawochenendes. 

Meist geklickter Link letzten Donnerstag
Hertha BSC und die verschwundene Generation (Tagesspiegel).

Field Reporter

»Zu meiner Zeit war man immer enttäuscht, wenn man den Aufstieg nicht geschafft hat und bekam dadurch Unruhe. Mittlerweile ist man froh, wenn man überhaupt in der 2. Liga bleiben darf. Das ist schade, aber das hat auch nichts mit Pech zu tun, dafür gibt es Gründe.«

Benny Lauth galt einst als das nächste große Ding im deutschen Fußball. Bei LAOLA blickt der ehemalige 60er auf seine Karriere und das Scheitern seines Heimatvereins zurück.

Mixed Zone
Erwartungen erfüllt: Schalke fertigt den VfL ab (Königsblog) + + + WTF: Hannover-Jugendspieler planten Raubüberfall (Spiegel)  + + + Ödegaard & Co.: Wenn der Hype zu früh kommt (SZ) + + + Kreisliga-Archetypen: Von der Pferdelunge bis zum Verdribbelkönig (Watson) + + + Boykott: BVB-Fans contra VfB-Ticketpreise (Spiegel) + + +