#Link11: Eine große sportliche Veranstaltung

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1. Der Champions League soll ein neuer europäischer Vereinswettbewerb übergeordnet werden: Michael Ashelm (FAZ) berichtet über Pläne der UEFA:

Geredet wird über spezielle Punktesysteme, in der alle möglichen Beurteilungen eingehen in die sportliche Setzliste. Hier soll wohl auch die Stärke der jeweiligen Liga einfließen. Zur Diskussion stehen ebenfalls Faktoren, die sich auf die Attraktivität der Vereine und ihre Bedeutung im Marketing und nicht nur auf Meisterschaften beziehen könnten. Verhindert werden soll eine sportliche Verwässerung, wie sie in den vergangenen Jahren in der Champions League durch Zugeständnisse und Wahlgeschenke der Funktionäre an kleinere Fußballnationen stattgefunden hat. Auf der anderen Seite sollen attraktive nationale Wettbewerbe nicht durch eine Superliga zu sehr in die Defensive gedrängt werden. Eine Ausweitung der Spieltage sei nicht geplant, ist zu hören.

2. Kai Pahl (Allesaussersport) zweifelt am Vermarktungspotenzial für einen dritten europäischen Wettbewerb. Raphael Honigstein schlägt in 140 Zeichen eine umgekehrte Sichtweise vor:

Man sollte dem Marketingsprech nicht auf den Leim gehen. Superliga ist CL rebranded. Die echte Neuerung ist ein dritter Wettbewerb unter EL

3. Ein Kommentar, der Monopolisierung und Werteverfall im Zuge marktwirtschaftlichen Strebens anprangert, findet sich in der kapitalismuskritischen FAZ:

Gedanken wie Solidarität, Entwicklungshilfe oder Markenvielfalt sind dritt- und viertrangig. Im Fußball ist es wie in allen anderen Branchen im globalen Wettstreit: Die Großen werden immer größer, am Ende bleiben ein paar Marktführer, neben ihn haben nur noch ein paar Firmen mit regionaler Bedeutung Platz, und Anbieter die Nischen bedienen.

4. Derzeit läuft im bestehenden Spitzenwettbewerb, der Champions League, das Achtelfinale. In keinem der beiden gestrigen Rückspielen fiel ein Tor. Manchester City reichte dieses 0:0 gegen Dynamo Kiew nach dem Sieg im Hinspiel zum Einzug ins Viertelfinale (SZ). Atlético musste nach 0:0 im Hinspiel, 0:0 im Rückspiel und 0:0 in der Verlängerung gegen PSV ins Elfmeterschießen. Dort trafen die ersten vierzehn Schützen allesamt, Narsingh verschoss für PSV, Juanfran besiegelte den 8:7-Sieg i.E. (kicker). Wellen schlug ein Video, das PSV-Fans beim Erniedrigen von Bettlern auf einem Madrider Platz zeigt (SZ).

5. Deutscher und italienischer Marktführer duellieren sich heute Abend in München. »Brutale Polizei« wie im Hinspiel (11Freunde) ist dabei wohl nicht zu erwarten. Ausgangslage und Verletztenstand auf Seiten der Bayern und der alten Dame hat die SZ ausformuliert.

6. Eine fulminante, geistreiche wie provokante Kolumne hat Kartoffel-Philosoph Wolfram Eilenberger bei der ZEIT vorgelegt. Anlass ist auch hier die heutige Partie zwischen Bayern und Juventus. Er schreibt über Spielkontrolle als Maxime eines Ängstlichen, »Sinnentleerung durch Überhöhung« sowie die Trennung von Spiel und Ergebnis und bezieht sich dabei auf Peter Handke und Rudi Völler:

Der ästhetische Genuss des Spiels ist im Fußball mit anderen Worten untrennbar an die Unverfügbarkeit des Ausgangs gebunden – und damit an eine durchgängige, geradezu emphatisch begrüßte Verantwortungsübernahme des leitenden Personals für dieses Ergebnis. Und dies nicht etwa obwohl, sondern gerade weil jedem wahrhaft Fußballliebenden klar ist, dass in diesem Spiel keine notwendige Verknüpfung zwischen Leistung und Ergebnis existiert.

7. Im zweiten Spiel des heutigen Abends wartet die Neuauflage des Champions-League-Finals 2006 zwischen Barcelona und Arsenal. Benjamin Kuhlhoff (11Freunde) hält die Erinnerungen Henrik Larssons fest:

Als wir den Rasen des Stade Saint-Denis zum Abschlusstraining betraten, spürte ich, dass kein Weg an mir vorbeiführen würde. Ich traf aus allen Lagen, rannte wie ein Verrückter, Frank Rijkaard lobte mich lautstark. Als alle anderen bereits in die Kabine gingen, blieb ich mit Samuel Eto’o draußen, um Abschlüsse zu üben. Ich wollte ein Gefühl für den Strafraum bekommen, das Geräusch des Netzes hören. Co-Trainer Henk Ten Cate schlug Flanken, Sami und ich schossen Ersatzkeeper Albert Jorquera die Bälle um die Ohren. Es hallte durch das leere Stadion.

8. In der SZ analysieren Johannes Aumüller und Thomas Kistner die Möglichkeit, dass sich die Ungereimtheiten im Zusammenspiel von DFB und FIFA nicht auf die Vergabe der WM 2006 beschränken. Sie verweben Informationen aus dem Freshfields-Bericht mit ihren eigenen Kenntnissen und rücken die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 in den Vordergrund. Die FIFA selbst geht indes in ihrem eigenen Skandal einen weiteren Schritt zur Festigung der Opferrolle und fordert Schadenersatz von diversen früheren Amtsträgern (SZ).

9. Die Rolle der US-Behörden ist dabei vielleicht die größte, die den USA in der Geschichte des Weltfußballs je zustand. Warum eigentlich bringt es ein Land, in dem immerhin ein Drittel der Jugend Fußball spielt, keinen Messi hervor (oder wenigstens einen João Moutinho)? Dieser Frage ist Elliott Turner im Guardian nachgegangen.

10. Am 05.07. wird der Bundesgerichtshof den Fall des SV Wilhelmshaven verhandeln. Rechtsanwalt Jan F. Orth über die Bedeutung der Entscheidung, eine rechtswissenschaftliche Analyse ist angehängt.

11. Patsche sucht das Glück: Frank Willmann folgt in seiner Reportage dem verschlungenen Lebensweg von Nico Patschinski über Stock und Stein, durch Hoch und Tief, sportlich und privat. Erschienen bei ZEIT Online.

Mein Vater hat damals uff Union gestanden, weil es ein Arbeiterverein war. Heute gibt’s keene Arbeiter mehr.

Geburtstagskind des Tages

(Auflösung von gestern: Mikael Forssell wurde 35)

Meist geklickter Link gestern
tz – »Bayern-Fans attackieren Seehofer und Herrmann per Banner«

Field Reporter

»Sollte man das Problem offensiver angehen?« – »Ja, denn es ist so offensichtlich mittlerweile. Max Kruse ist ein schönes Beispiel. Der Junge hat im Oktober 75.000 Euro in einem Taxi in Berlin vergessen. Außerdem hat er eine Wohnung in Las Vegas. Viel offensichtlicher kann man es nicht ausleben. Es ist fast schon ein Hilfeschrei. Doch niemanden interessiert es. Das Einzige was kommt, sind hetzerische Schlagzeilen.«

Uli Borowka im Interview mit Vice über »das Problem« und seine Erfahrungen mit Alkohol und Medikamenten im Profifußball.

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