#Link11: Poetische Hysterie

Der europäische Ligafußball nähert sich seinem Saison-Endspurt. Das heißt der Erfahrung nach: Alle flippen völlig aus. Vereine, Fans und Medien stacheln sich gegenseitig zu einer mordsmäßigen Gaudi an, Werbeagenturen erledigen mit Imagekampagnen den Rest. Stimmige Gesamterscheinung einer Unterhaltungsindustrie für den Einen, eine Spur zu viel Ablenkung für den Anderen. Trotz des täglichen Liga-Hintergrundrauschens stand der gestrige Tag aber unter dem Eindruck des Todes zweier großer Denker und Fußballfreunde. Fraglos haben Eduardo Galeano und Günter Grass Fußball anders kennengelernt, als er heute ist. War er besser? Vielleicht ein bisschen romantischer. Dieser Montag jedenfalls bot reichlich Anlass (und Themen), um über „Werte“ & „Tradition“ im Fußball zu philosophieren.

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1. Eduardo Galeano war ein gefeierter Autor & Journalist, eine der einflussreichsten politischen Persönlichkeiten Lateinamerikas (Guardian) – und ein großer Fußballfan. Sein gestriger Tod ruft Erinnerungen an sein Kultbuch „Soccer in Sun and Shadow“ sowie daran wach, wie einzigartig er die martialische Poesie dieses „verrückten englischen Spiels“ beschrieb.

2. „Poesie“ ist in etwa das letzte Wort, das mir zum Spiel des HSV einfallen würde. Der taumelnde Dino kann einem wirklich leid tun. Hoffnungsträger Thomas Tuchel ist verhindert (FAZ), die Fans sind aufgebracht, Valon Behrami und Johann Djourou…sogar noch aufgebrachter. Wenig überraschend braucht der HSV für den medialen Spott nicht zu sorgen (NDR). Nein, wirklich nicht (NJOY). Und als ob das alles nicht schon Folter genug wäre, bedroht nun auch noch der rachsüchtige Ex Verein und Spieler.

Wir erleben einen Traditionsclub vor dem kompletten Zusammenbruch. „Wir“, das heißt, alle außer Andreas Bock. Der erklärt für 11 Freunde, warum der HSV selbstverständlich nicht absteigt.

3. „Jung & frech“ lautet der Markenclaim des SC Paderborn. Nur verständlich, dass man sich da bei der Vereinswerbung auch mal etwas Frecheres einfallen lässt. Zum Beispiel einen fingierten Einbruch ins eigene Stadion (FAZ). Erstligareif.

4. Abstiegskampf, das ist der permanente emotionale Ausnahmezustand für Fans. Die Stimmung auf den Rängen ist meist gedrückt, Ultras kritisieren zum Teil lautstark das eigene Team. Das mag nicht immer schön sein, gehört aber dazu. Die strauchelnden Vereine halten mit einem Werbe-Dauerfeuer dagegen. Durchhalteparolen und Aufrufe zum Zusammenhalt werden per Tweet, Imagekampagne oder Aufkleber-Aktion in die Kurven getragen. Lars Gartenschläger erklärt die Institution Abstiegskampf zur Hochsaison der Klatschpappenkultur (Welt).

5. Nicht, dass man nicht auch mit den Nerven am Ende sein könnte, wenn man nicht im Abstiegskampf steckt. Das Web 0.4 Blog jedenfalls hat genug von der Lethargie des FC Schalke und beklagt die leeren Phrasen seiner Verantwortlichen.

6. Zlatan Ibrahimovic ist der Inbegriff des modernen Fußball-Superstars. Das verdankt der Stammgast jeder „Die 10 schönsten Tore aller Zeiten“-Auflistung nicht nur seinem einmaligen Talent, sondern auch einer einzigartigen Selbstvermarktung. Eine eigene Suchmaschine inklusive. Kritische Zwischentöne – oder anders: Journalisten – sind dabei zunehmend unerwünscht. Christian Eichler über die Einseitigkeit eines Fußball- und Medienphänomens (Welt).

7. Frank Lampard spielt für Manchester City. Steven Gerrard bald nicht mehr für Liverpool. Alessandro Del Piero schon lange nicht mehr für Juve. James Spiking fragt sich: Ist Loyalität im Fußball ein überholtes Konzept (Soccer without Limits)?

8. Eine neue Woche, neue Situationsanalysen zum Spiel des BVB. Die Kehrseite des Medieninteresses lernt in dieser Saison vor allem Trainer Klopp kennen. Zwar wird seine Mannschaft nach wie vor den Erwartungen nicht gerecht – jedoch ist sie immerhin 5. in der Rückrundentabelle. Christoph Cöln empfiehlt Dortmunds Trainer dennoch ein „Sabbatical“ (Welt), während sich Dirk Krampe über Michael Zorcs Halbzeitansprache während des Borussia-Derbys wundert (Ruhr Nachrichten). Man kann es drehen, wie man möchte: Die anhaltende Rückendeckung für Klopp scheint eine irritierende und zuweilen verärgernde Wirkung auf manche Betrachter zu haben. Dabei macht auch das Saisonfinale mit einer Prise Humor deutlich mehr Spaß.

9. Der Nachwuchs des FC Chelsea hat die prestigeträchtige UEFA Youth-League gewonnen (Spox). Dennoch sind Club und Trainer nicht dafür bekannt, sehr geduldig mit jungen Spielern umzugehen. Thorgran Hazard,  Kevin de Bruyne und aktuell 24 (!) Leihspieler können davon vermutlich ein Lied singen. Mark Worrall kritisiert José Mourinhos verschwenderischen Umgang mit Chelseas Jugendakademie und fragt, ob wohl der 18-jährige Lionel Messi bei Chelsea dieselbe Chance wie seinerzeit in Barcelona erhalten hätte – oder als Leihspieler bei Vitesse Arnheim versauert wäre (ESPN).

10. Verlieren gehört zum Fußball dazu. Das weiß niemand besser, als Spieler und Fans von Avenir Beggen, dem schlechtesten Team der Champions League Historie. Ex-Stürmer Armin Krings spricht mit 11 Freunde über die luxemburgische Liga und warum trotz deftiger Niederlagen die Freude am Spiel stets überwog.

11. Apropos alte Traditionen und Bräuche… „An einem Benefizspiel für den Frieden teilgenommen. Elfmeter geschunden. Siegtor geschossen. Schlägerei mit Journalisten und Ordnern gehabt.“ Ein normaler Nachmittag im Leben des Diego Maradona (11 Freunde).

Meist geklickter Link gestern
Der Verrückte von Marseille.

Field Reporter

„[…]es wäre sicher nicht gut, wenn sich der Frauenfußball ein Beispiel nähme an dem, was im Männerfußball geschieht, also im Grunde eine moderne Form hochdotierter Sklaverei. Die Spieler sind nicht mehr Herr ihrer eigenen Entscheidung, meistens sind Berater dabei, der Marktpreis wird jeweils von den Vereinen beim Verkauf oder Ankauf bestimmt, und das ist auch eine nicht würdige Situation für diese jungen Leute, die ja, was man voraussehen kann, dieser Situation auf die Dauer auch nicht gewachsen sein werden.“

Günter Grass bevorzugte den Frauenfußball (Deutschlandfunk).

Mixed Zone
Bremen: Alles ist möglich. Marco Bode blickt in die Zukunft (Weser Kurier) + + + Liverpool: Eine Ode an Jordan Henderson, den neuen Boss der Reds (8by8) + + + Frankfurt: Alex Meiers Saison ist vorbei (Spiegel) + + + Turin: Gigi Buffon spielt weiter. Und weiter und weiter…. (Spiegel) + + + Hannover: 96’s Ultras haben sich in den Amateurfußball zurückgezogen. Ein Erlebnisbericht aus der „heilen Welt“. (taz) + + + Bremen: Der SV Werder fliegt im Sommer nach Bali (Weser Kurier)

#Link11: Ein Dino mit einer Laterne

‚Nich lang schnacken – Kopp in Nacken!‘, sagt man hier in Hamburg, wenn man anstoßt. Viele HSV-Fans dürften diesen Spruch am Wochenende angewendet haben, als sie sich den Frust von der Leber soffen. Der Absturz des HSV auf den letzten Tabellenplatz ist das große Thema der heutigen Link11. Und ich will hier auch nicht lang schnacken, sondern direkt zur Sache kommen. Los geht’s!

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1. Das Drama kam zum Schluss: Stuttgart besiegte Bremen in einem Last-Minute-Thriller mit 3:2. Der Vertikalpass freut sich überschwänglich, dass sein VfB nicht mehr auf dem letzten Platz steht. Die HB-People sehen einen Haufen Gründe für die Bremer Niederlage – u.a. die eigene Leistung, individuelle Fehler und den Schiedsrichter. Ich habe die Partie für die 11Freunde analysiert. Köln gewann schon ein paar Stunden zuvor verdient mit 3:2 gegen 1899 Hoffenheim (s. u.a. Spiegel Online).

2. Der Brennpunkt des Wochenendes befindet sich woanders: Der HSV befindet sich nach dem 0:2 gegen Wolfsburg auf dem letzten Tabellenplatz. Zu allem Überfluss prügelten sich auch noch Djourou und Behrami in der Kabine (s. u.a. Spiegel Online). Christian Kamp (FAZ) sieht die Autorität von Trainer Knäbel schon nach zwei Spielen beschädigt. Jan Kahlke (taz) sieht den Trainer in einer Lose-Lose-Situation, könnte er doch glatt zwei Jobs verlieren. Oscar Beck (Welt Online) fragt sich: Ist der HSV bereits innerlich abgestiegen? Felix Magath macht indes den Loddar und bringt sich selbst ins Gespräch (s. FAZ). In den Verhandlungen mit Thomas Tuchel fehlen nur noch die letzten Details, wird indes gemutmaßt (s. u.a. Mopo).

3. Die Samstagnachmittagsspiele: Schwatzgelb ist unzufrieden mit dem 1:3 gegen Gladbach und fragt die Dortmunder: „Was ist nur mit euch passiert?“ Zwischendurch legte sich Klopp mit Kehl an, schreibt Welt Online. Torsten Wieland (Königsblog) sieht seine Schalker beim 0:0 gegen Freiburg am Erwartbaren gescheitert. Milan Pavlovic (Süddeutsche) sieht Schalke so lahm wie zu Kellers Zeiten. Thomas Kilchenstein (FR-Online) meint, einer der großen Sieger beim Münchner 3:0 über Frankfurt sei Sebastian Rode, der unerwartete Stammspieler. Paderborn schaffte gegen Augsburg einen wichtigen Sieg (s. kicker). Und Leverkusens Trainer Roger Schmidt erklärte nach dem Sieg gegen Mainz seine Spielidee im ZDF Sportstudio.

4. Am Freitag bereits verpasste Hannover 96 beim 1:1 gegen Hertha den Sprung aus der Abstiegszone. Präsident Kind spricht Trainer Korkut trotzdem das vollste Vertrauen aus (s. u.a. Ruhrnachrichten).

5. Emir Spahic war noch nie ein ruhiger Kerl. Sein Ausraster im Pokalspiel kostete ihm nun aber den Job. Leverkusen und Spahic haben im „gegenseitigen Einverständnis“ den Vertrag aufgelöst (s. u.a. FR-Online).

6. Diese Woche geht es hochklassig weiter. Bayern München trifft in der Champions League auf den FC Porto. Spox gibt den Startschuss zur Champions-League-Vorberichterstattung. Was bietet sich mehr an, als einen Akteur des 87er-Finales zu interviewen? Jean-Marie Pfaff spricht über frühere Zeiten und die unnötige Finalniederlage anno dazumals.

7. Der Fall Klümper und die Dopingverstrickungen der deutschen Topathleten, Kapitel 7: Frank Zimmermann und Alexandra Röderer (Badische Zeitung) beschreiben, wie die Stadt Freiburg den Dopingarzt unterstützte und ihm gar eine moderne Praxis mietfrei zur Verfügung stellte.

8. Marcelo Bielsa ist wohl einer der spannendsten Trainer, der aktuell im Fußball arbeitet. Seine Marseiller Mannschaft ist dementsprechend eins der spannendsten Projekte der aktuellen Zeit. Cavanis Friseur skizziert die Saison der Franzosen und erklärt, was sie so besonders macht. (Großartig auch das Symbolbild für „Wechselbad der Gefühle“ zu Beginn des Artikels.)

9. Das Großereignis diesen Sommer ist natürlich die Frauen-Fußball-WM. Es ist das Abschiedsturnier von Silvia Neid, die danach als deutsche Nationaltrainerin aufhört. Im Sportgespräch mit dem Deutschlandfunk erzählt sie, warum sie mit gemischten Gefühlen auf das Turnier blickt.

10. Fußball und Politik, das sind zwei Dinge, die müssen sich nicht gegenseitig ausschließen. In Bed with Maradona schreibt über den Einfluss des Fußballs auf die britische Parlamentswahl im Jahr 1970.

11. Derby, das steht für Lokalrivalität und Zwietracht. Dass es auch anders geht, beweist das Duell Dundee gegen Dundee: Es gilt als das friedlichste Derby der Welt, wie die Sportschau berichtet.

Meist geklickter Link am Wochenende
Pep nervt, behauptet der Tagesanzeiger. Euch hat diese Meinung interessiert.

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In eigener Sache: Zusammen mit Sven Schultze war ich zu Gast beim Rasenfunk. Gemeinsam arbeiten wir den 28. Spieltag ab – und reden lange über den HSV.

Field Reporter

Auch ich darf mal scheiße spielen!

Lewis Holtby spricht Klartext gegenüber den Hamburger Fans (s. 11Freunde).

Mixed Zone
Gute Geste: Der Nordberliner SC nahm Flüchtlinge in den Verein auf und half ihnen, die passende Kleidung und Schuhe zu erwerben (s. Berliner Woche). + + + Unglücklicher Scheich: Nach dem 2:4 im Stadtderby gegen United steht Manchester Citys Trainer Pellegrini vor dem Aus (s. Spiegel Online). + + +

#Link11: Die Zeit der Romantik ist vorbei

Will dir den Frühling zeigen,
der hundert Wunder hat.
Der Frühling ist waldeigen
und kommt nicht in die Stadt.

Nur die weit aus den kalten
Gassen zu zweien gehn
und sich bei den Händen halten –
dürfen ihn einmal sehn.

Sie lasen: »Will dir den Frühling zeigen« von Rainer Maria Rilke. Erschienen in »Erste Gedichte« (Insel-Verlag, Leipzig 1913). Was die ARD kann, kann die Link11 schon lange. Und nun zum Spocht.

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1. »Nur durch Emotionen wird das Produkt Fußball verkauft« – was klingt wie eine frühe Parole des früheren TSG-Geschäftsführers Jochen Rotthaus, der »die Herzen akquirieren« wollte, kommt aus dem Munde des HSV-Marketingvorstandes. Es sind inzwischen die Vereine mit Tradition und Fans, aber ohne sportlichen Erfolg im selben Maße, die sich derart BWL-studiert ausdrücken. Sie vermitteln den Fußball als Wirtschaftsobjekt, ihre Geschichte als einzurechnenden Faktor, die Leidenschaft ihrer Fans als Einnahmequelle. Weil andere Klubs das längst getan und unter anderem dadurch sportliche Erfolge und Mehreinnahmen erreicht haben. Weil der Weg der Kommerzialisierung eingeschlagen, die Schuldigen ausgemacht und die Feindbilder bennant sind, kann der Rest inzwischen weitgehend gefahrlos folgen. Der Weser-Kurier hat Fakten und Stimmen zur Ausschüttung der Fernsehgelder gesammelt.

2. Das titelgebende Zitat stammt heute von Harald Strutz, Präsident des 1. FSV Mainz 05 – einem Verein, der regelmäßig die Fronten wechselt. Manager Christian Heidel forderte einerseits ganz allgemein von Bundesligapartien das Potenzial, Zuschauer zu elektrisieren, findet aber andererseits (siehe 1.), dass diese Elektrisierung bei den Fernsehgeldern nicht berücksichtigt werden sollte, schließlich entstünden dem eigenen Verein dadurch Mindereinnahmen. Heidel schied die Bundesligavereine stets in jene, die dorthin gehörten und jene, die den eigentlich dorthin gehörenden den Platz wegnähmen. Sein Präsident Harald Strutz dagegen zeigt sich im Interview mit Spox offen für Investoren. Gerade Vereine, die etablierte Bundesligsten verdrängt noch in der Entwicklung zum festen Mitglied der Bundesliga begriffen seien, fände er als Unternehmer interessant.

3. Bleiben wir beim Geld: Die Kostenübernahme fußballnaher Polizeieinsätze bleibt diskutabel. SZ-Schwergewicht Heribert Prantl macht nicht viele Worte: die DFL solle zahlen. Die sich etablierende Kostenumlegung von Strafen für Böller und Beleidigungen ist »so logisch, das man sich fragen kann, warum die Klubs erst in jüngerer Zeit darauf gekommen sind«, findet Christoph Becker in der FAZ. Die Fanhilfe Hannover arbeitet indes weiter an den Folgen der Zwangsanreise zu Eintracht Braunschweig.

4. Sportschau.de analysiert regelmäßig die finanzielle Situation eines Bundesligisten. Diesmal steht Bayer 04 Leverkusen an, doch die »Fußball GmbH« ist von der Veröffentlichungspflicht der Geschäftszahlen befreit.

5. Auf der anderen Rheinseite, in Köln, war Geld schon immer ein Reizthema. Mal hatte man keines, zu anderen Zeiten war der Umgang mit den vorhandenen Mitteln verbesserungsfähig. Heute ist der eigene Verein so seriös geworden, dass das Geld der anderen stärker thematisiert wird. Dabei ist das eigene Fußballverständnis wachsam gegenüber Abweichlern: »Für uns zählen Werte wie Ehrlichkeit, Treue, Verbundenheit und Charakter und nicht Gewinnmaximierung«, sagt Stephan Schell. Deswegen wird von »Fans und Ultras« demonstriert, für den »Erhalt der Fankultur«, gegen Mäzene wie Dietmar Hopp, der im Zuge der Gewinnmaximierung mehrere Hundert Millionen Euro ausgab und sie ohne Treue oder Verbundenheit zu seinem Heimatverein in den Fußball steckte. Weiteres Leitthema ist das Strafensystem des DFB, das dem von Teilen oder Einzelnen der Kölner Fanszene wiederholt demonstrierten Verständnis von Fankultur sicherlich im Wege steht (Faszination Fankurve).

6. Den Nachwirkungen der öffentlichkeitswirksamen HoGeSa-Aktionen widmet Vice einen Artikel. Dass auch »einvernehmliche Hooligan-Kämpfe« als Straftat bewertet werden und somit Hooligans der Bildung einer kriminellen Vereinigung verdächtig werden, hat Folgen, über welche die Sächsische Zeitung berichtet und dabei ein Loblied auf die sächsische Justiz singt – die letzte Strophe in Moll.

7. »Und täglich grüßt die Extrawurst« beim Volk ohne Raumdeckung ist eine Streitschrift, die mit Eloquenz und Verve sowie anhand von in ihrer Vielzahl beeindruckenden Fallbeispielen die Existenz des Bayernbonus‘ darlegen will. Wie man auch zum inhaltlichen Vorwurf und dem Beweis durch Beispiel stehen mag: der Kraft freisetzende Ärger, der in diesen Text geflossen ist, macht ihn alleine schon lesenswert.

8. In der Bundesliga steht Hannover an der Pforte des Abstiegssumpfes und die Hertha vor dem gesicherten Mittelfeldplatz. Die Berliner Morgenpost mit einem Vorbericht zum Freitagsspiel.

9.

Wenn es mit Lorant jetzt nicht klappt, dann klappt es eben nicht. Aber wenn es klappt, dann sind wir alle Helden.

Josef Hofmann, der Vereinsvorsitzende des TSV Waging am See, im launigen Telefoninterview mit einem Redakteur der Süddeutschen Zeitung.

10. Der GoalImpact, ein Algorithmus zur Bewertung von Spielern quer durch die Geschichte des Fußballs, hat sich einem Upgrade unterzogen. Thomas Müller wird nun als bester Spieler aller Zeiten geführt. Mit dem TretImpact befasst sich der zurückgekehrte Ermittler Dietfried Dembowski in seinem völlig anderen Blog eher prosaischer und verächtlicher Ausrichtung.

11. Romantik, deren Zeit vorbei ist. Das blutende Herz einer mit 0:4 Unterlegenen, geschlagen und verloren: »Das Herz von St. Pauli«.

Dann verselbstständigte sich das Geschehen auf seltsame Weise und überrollte mich, als stünde ich mit unsicheren Füßen auf einem Surfbrett im Angesicht einer riesigen Monsterwelle, die auf mich zu rast und mich unter sich begräbt. Tor um Tor fiel, in teils bizarrer Entstehung und mich erfasste ein Entsetzen, das mir die Sprache verschlug.

Meist geklickter Link gestern
»Pep nervt«.

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Die Collinas-Erben-Kolumne bei n-tv.de arbeitet die Mittwochsspiele im DFB-Pokal auf.

Field Reporter

The centre of everything is the relationship, and empathy, not only with the individual but in the team. And to have that empathy in the team we all must give up something. It’s not about establishing the perfect relation between me and you; it’s about establishing the perfect relation to the group, because the group wins things; it’s not the individual who wins things

José Mourinho im Interview mit dem Telegraph über seine Arbeit als Trainer; nicht als Taktikexperte, sondern als Betreuer einer Gruppe junger Menschen.

Mixed Zone
Braga: Eines jener Tore, die kein Spieler, sondern eine Mannschaft erzielte (YouTube) + + + Leverkusen: »Infolge einer hitzigen Diskussion gab es anschließend eine kurze Schlägerei«. Mittendrin: Emir Spahic (SZ berichtet) + + + Hoffenheim: Der Akademiker-Fanclub legt sein Sky-Interview offen + + + Dreseden: Uwe Neuhaus trainiert ab der nächsten Saison Dynamo + + + Berlin, Berlin: Lucien Favre wollte ganz sicher nie nach Berlin (kicker) + + + Kent: Die Polizei warnt vor Fußballspielen im Stau, der fußballinteressierte Twitterer hat eine Rückfrage + + + Paris: Ibrahimovic im »Scheißland«-Ligabetrieb für 4 Spiele gesperrt (FR/sid) + + + Belfast: Nach grobem Regelfehler 18 Sekunden nachgeholt (kicker). Rudi Völler nickt zustimmend + + + Unterhaching: 2 Punkte Abzug (SpVgg) + + + Stuttgart: Antonio »Ich bin fit, ich bin einsatzbereit, ich will helfen, den Rest entscheidet der Trainer« Rüdiger im Interview (kicker) + + + Landespokale: Ein Überblick bei turus.net + + + Ingolstadt: Ralph »felgenralle« Gunesch ruft zu Kleiderspenden an Flüchtlinge auf (Facebook) + + + Bayern: der BFV streitet weiter mit FuPa, diesmal indirekt + + + Köln: Peter Stöger im Interview mit 11Freunde + + + Neunkirchen: Ein VW [sic] soll einen Traditionsverein retten (Blog Rot & Weiß) + + + Frankreich: Le footballeur masqué, der maskierte Fußballer, hat eine anonyme Autobiografie geschrieben (Spiegel) + + + England: Was liest Uli Hesse? (120minuten) + + +

#Link11: Die Nerven!

Fußball ist aufreibend, spannend (sagte ich ja gestern bereits), nervt aber auch bisweilen. Das ewige Hin und Her beim HSV nervt und schlägt langsam in Resignation um. Fußballstadien nerven mitunter dessen Anwohner, Schiedsrichterbenachteiligungsjammerei sowieso. Und Pep nervt! Warum? Die Link11 verrät es.

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1. Arminia Bielefeld gelingt die nächste kleine Sensation. Nach engagiertem Spiel konnte, wieder Mal auf der Alm, ein Bundesligist aus dem Pokal geworfen werden. Die Sportschau mit einer ausführlichen Zusammenfassung, der Spielbericht beim Spiegel.

2. Das zweite Viertelfinale wurde ebenfalls durch Elfmeterschießen entschieden. Auch wenn die Leverkusener treffsicherer waren als zuletzt in Madrid – am Ende reichte es für die Bayern zum Weiterkommen. Miasanrot sah einen starken Alonso und suboptimale Konter der Münchner. Die Analyse von Spielverlagerung sah ein von Leverkusen über weite Strecken kontrolliertes Spiel. Direkt nach den Viertelfinals wurde das Halbfinale im DFB-Pokal ausgelost: die Bayern empfangen Dortmund und Bielefeld erwartet Wolfsburg (DFB). Ach, und übrigens: Pep nervt. Meint Christian Andiel beim Tagesanzeiger. Er erträgt die Selbstinszenierung und das „pseudo-philosophische Gestammel“ nicht.

3. Das Pokalspiel gegen Hoffenheim nimmt anygivenweekend zum Anlass, sich den Kader des BVB genauer anzusehen: Wer stach heraus und könnte auch in der nächsten Saison eine Stütze sein. Eine ähnlich Frage stellt sich auch Michael Zorc, der andeutete mit den diesjährigen Transfers nicht alles richtig gemacht zu haben (der Westen).

4. Die tägliche Dosis WM liefert Punkt 4. Bevor ich mich dem Daueraufreger Katar widme, ein Blick auf die DFB-Frauen. Für die beginnt in wenigen Wochen die WM in Kanada und gestern gab es einen Testlauf gegen Brasilien. Im Vorfeld des Spiels hatte Marta ein bisschen eskaliert als sie den Deutschen Spielerinnen Schauspielerei vorwarf (Welt). Die Antwort folgte auf dem Platz – ein deutliches 4:0 für das DFB-Team stand am Schluss zu Buche (Sportschau). Jetzt also Katar. Wer soll für den Mini-Staat 2022 überhaupt auflaufen, wenn man sich nicht blamieren will? Anders als bei der jüngsten Handball-WM im eigenen Land, wo die Einbürgerung von Starspielern recht unkompliziert war, bastelt der Wüstenstaat an einem, den Fifa-Regularien entsprechenden, Kader für die Heim-WM (BBC).

5. So langsam aber sicher nahen die Spieltage, an denen es für viele Teams nicht mehr ums Überleben geht. Außerhalb der Abstiegsregion befindet sich zum Beispiel Eintracht Frankfurt auf dem 8. Platz. Der Schein trügt, meint Eintracht-Inside und geht hart mit Trainer Schaaf ins Gericht – zu rumpelig die Siege, zu eindimensional die Spielweise und die Vereinsführung versprüht nach außen hin dennoch Heile-Welt-Feeling. Das passt eher zu Augsburg, wo Auf dem Feld nicht auf das Erreichen oder Nichterreichen des Europapokals schielt sondern nach vorn blickt und die Spieler im Kader vorstellt, die sich in den kommenden Wochen empfehlen müssen oder ansonsten in der Versenkung verschwinden könnten.

6. Was tun Fans nicht alles, um ihren Verein zu unterstützen? Im Land herumfahren und auf die prekäre Situation ihres Herzensvereins aufmerksam machen zum Beispiel. Borussia Neunkirchen hat Insolvenz beantragt und einige Fans machen einfach mal anstatt zu hadern. Mit einem VW Käfer tingeln sie durch Deutschland, machen aufmerksam, sammeln Spenden und Unterschriften für eine Versteigerung. Bei Stahlwerk NK sowie auf der Facebook-Seite des Blogs wird man dieser Tage über den Fortgang der Ereignisse informiert.

7. Les‘ ich von Hamburg, les‘ ich von Resignation. Wie, mit was, mit wem soll sich der HSV vor dem Abstieg retten? Die Spieler verunsichert und hin- und hergeschoben, die Vereinsführung agiert voreilig und macht einen überhasteten Schritt nach dem anderen, um von Problemen abzulenken. Das hat Methode und ist ein Sargnagel des HSV, meint Daniel Jovanov (goal.com). Untergangsstimmung verbreitet auch zwergenwerke:

[…] Für die kleinen Angestellten und uns Fans spielt im Rumpf des Schiffes noch eine Band.

8. Das Trainerkarusell ist in Bewegung. Wer macht es in Zukunft in Stuttgart, in Hamburg oder in Leipzig. Tuchel!? Um einfach mal den Namen fallen zu lassen. Bei RB kursiert ein ganzer Sack voll Namen (inzwischen ohne Tuchel) allerdings mit dem limitierenden Faktor 2. Bundesliga und einer Rolle, in der sich der Neutrainer Ralf Rangnick unterordnen müsste. Der rotebrauseblogger dekliniert die aktuelle Situation und die Kandidaten durch und kommt zu einem naheliegenden Schluss.

9. Academia Tahuichi. Noch nie gehört. Ich zumindest. Bis gestern. Die bolivianische Talentschmiede ist eine der erfolgreichsten weltweit und bildet reihenweise bolivianische Fußballprofis aus. Darüber hinaus bietet die Akademie ihren Schützlingen auch Zukunftsperspektiven abseits des Sports und holt jedes Jahr tausende Kinder von der Straße. Die NZZ stellt das Projekt vor, das schon mehrfach für den Friedensnobelpreis nominiert war.

10. Zurück auf Start. Breno spielt wieder. Bei seinem alten Klub in Sao Paulo. Manuel Veth erzählt seine Geschichte und sieht den Fall des aufs Abstellgleis geratenen Jungprofis als ein Beispiel für das fehlende Verantwortungsbewusstsein einiger Klubs und den Umgang mit jungen südamerikanischen Profis.

11. Kläranlage, Autobahnkreuz und Fußballstadien – alles wird in Fröttmaning abgeladen sagen die Anwohner. Für neues Ungemach sorgt die Aufstockung der Plätze in der Allianz-Arena (SZ). Für ein anderes Problem soll das Münchener Stadion nicht Ursache sondern Lösung sein. Nach dem Münchener Amateurderby wird eine Verlegung zukünftiger Spiele nach Fröttmaning ins Auge gefasst. Stefan Viehauser bei Fankultur.com über die Panikmache in den Medien und eine kurzsichtige Verlegung.

Meist geklickter Link gestern
Sascha Rebiger fasst den Abstieg des HSV ins Auge.

Field Reporter

Ich verstehe das nicht! Leider sind wir die, die alles akzeptieren müssen.

Christian Streich sagt, was für alle Fußballer gilt. Die armen Spieler und Vereine müssen die Entscheidungen des Schiedsrichters akzeptieren. Schlimm aber wahr. Endlich spricht es einer aus (FAZ).

Mixed Zone
Zur Kasse: will die Polizei Bremen die DFL für den Einsatz beim Nordderby bitten, die das wiederum ablehnt (FR) +++ Reingemacht: Podcast-Folge 152 steht zum Hören bereit +++ Niedere Beweggründe: warum wir dem Fußball nachgehen, deckt Trainer Baade auf +++ Festgenommen: mutmaßliche Angreifer auf den Fenerbahçe-Bus (SPON) +++ Underperformer: wer verdaddelt in der Champions League (Guardian) +++ Gabun: richtet den Afrika-Cup 2017 aus (SPON) +++ Werner Lorant: spielt den Feuerwehrmann in Liga 7 (SZ) +++ Was würde Zlatan tun: eine zlatanisierte Google-Variante (Stuttgarter Zeitung) +++ Grüner Tisch: das Länderspiel Montenegro-Russland wird für Russland gewertet (sport1)

#Link11: Anspannung und Entspannung

Es gibt diese Momente höchster Anspannung im Fußball – für Spieler und Zuschauer gleichermaßen. Meist in den letzten Minuten eines Spiels. Eine Ecke, ein Freistoß, der noch irgendwie ins Tor soll. Gelingt dies, vielleicht auch noch sehenswert, folgt Entspannung. Auf einer Seite. Aber auch neben dem Platz unter den Fans gibt es die Entspannten und die Angespannten, die noch bei der absurdesten Gelegenheit ihr Revier markieren. Das und mehr in der Link11. Diesmal tuchelfrei.

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1. Der alte Mann und das Tor. Ich bitte diese überstrapazierte Metapher zu entschuldigen, aber ich konnte einfach nicht anders. Setzt ein Treffer wie ihn Sebastian Kehl gestern erzielte nicht eine unglaubliche Erfahrung und Ruhe voraus. Auf diese Art und Weise. In der Verlängerung. Um es abzukürzen: Borussia Dortmund steht durch Kehls Siegtreffer nach einem offenen Schlagabtausch mit Hoffenheim im Halbfinale des DFB-Pokals. Die Tore bei der Sportschau, SPON mit dem Spielbericht.

Trotz eines 1:0-Sieges durch Elfmeter ließ sich das zweite Viertelfinale von gestern auch relativ unverkrampft an. Die Wolfsburger konnten ihre vielen Chancen nicht verwerten, aber auch die Freiburger hatten ihre Gelegenheiten. Die Sportschau wiederum mit der ausführlichen Zusammenfassung, die SZ mit dem Spielbericht.

2. Vor dem heutigen Pokal-Viertelfinale in Leverkusen setzt Pep Guardiola auf Soft Skills und fordert Leidenschaft vom verbliebenen Personal. Die SZ mutmaßt, dass man aufgrund der personellen Engpässe wieder eine defensiv ausgerichtete Bayernmannschaft zu sehen bekommt. Auf dem Weg zu 100% Fitness befindet sich indes Philipp Lahm, der dem Merkur ein ausführliches Interview gab – im gewohnten aalglatten, selten aneckenden und nie zuviel verratenden Lahm-Duktus. In Bielefeld erwartet man am Abend Borussia Mönchengladbach, doch viel wichtiger als das Halbfinale im Pokal scheint den Bielefeldern der Wiederaufstieg in Liga 2 zu sein. Den Weg nach dem schmerzhaften Abstieg in der Relegation und die anhaltende Glückssträhne bei der Pokalauslosung beleuchtet die SZ.

3. Ganz anders als Philipp Lahm – Katharina Baunach, ebenfalls beim FC Bayern spielend. Sie gewährt tiefe Einblicke in die Trainingsarbeit und ihre Fußball-Karriere bei den FCB-Frauen. Miasanrot hat ein ausführliches Interview mit ihr geführt.

4. Der Unterschied zwischen VfB Stuttgart und VfL Wolfsburg? Natürlich, der Kader der Wölfe ist besser bestückt – mit Weltmeistern, die man mal eben einwechseln kann. Aber wie ist es möglich, dass bei einem Team des so auf Disziplin bedachten Huub Stevens, ein Sechser und der Spielmacher situativ die Innenverteidigung bilden, fragt Vertikalpass.

5. Der deutsche Fußball hat ein Nachwuchsproblem. Also nicht wirklich, zumindest nicht so, wie man sich ein Nachwuchsproblem typischerweise vorstellen würde. In Berlin wollen so viele Kinder Fußballspielen wie nie – das ist das Problem. Es gibt nicht ausreichend Trainer, um die Kinder zu betreuen – der Tagesspiegel zu den Berliner Verhältnissen.

6. In der 2. Bundesliga sortiert sich das Feld – Aufstieg, Abstieg, Niemandsland. Der rotebrauseblogger liefert einen kompakten Rundumschlag zur allgemeinen Lage der Liga und beleuchtet die Teams, die derzeit von sich reden machen. Vereine aus den neuen Bundesländern könnte es in der nächsten Saison der zweithöchsten Spielklasse nur noch zwei geben. Das Textilvergehen (in Textform) über die Aussichten für den Profifußball im Osten.

7. Die kleine Borussia macht es dem BVB vor, meint Michael Horeni (FAZ). Am Niederrhein hat man es mit kleinem Transferbudget und überlegener taktischer Ausrichtung geschafft, sich in der Spitze der Liga zu etablieren. Werte, auf die man sich auch in Dortmund besinnen sollte. Ein Kommentar.

8. Zumindest aus der Abstiegsregion hat sich Borussia Dortmund befreit, was in Hamburg und Paderborn nicht der Fall. Beide Teams taumeln dem Abstieg entgegen. Ein entsprechend düsteres Bild zeichnen die Kommentatoren. Sascha Rebiger spricht HSV-Interimstrainer Knäbel die Kompetenz ab und schwarzundblau hadert weiterhin mit der Paderborner Harmlosigkeit.

9. Augsburg Calling ist keine Punk-Coverband mit schwäbischem Akzent. Es handelt sich um ein Fanprojekt, das die Augsburger Anhänger und die jeweiligen Gästefans ganz entspannt zusammenbringt. Fankultur.com dokumentiert die Arbeit anhand des Auswärtsspiels der Schalker in Augsburg. Unentspannt war dagegen eine Gruppe von Ultras, die bei einem Gedächtnislauf gegen Faschismus in Dortmund einen Läufer angriff, weil er den falschen Schal trug (schwatzgelb.de).

10. Was bleibt hängen von einem Stadionbesuch, von einem Spiel, von einer Saison? Manchmal nur Momente, einzelne Szenen die bezeichnend sind, die sich einbrennen ins Gedächtnis. Kees Jaratz beschreibt so eine Szene kurz vor Schluss beim Spiel seiner Duisburger gegen Hansa Rostock. Ganz großartig geschrieben, wie ich finde.

11. In der Chinese Super League kommt gerade einiges zusammen: Geld, steigendes Zuschauerinteresse, talentierte Nachwuchsspieler und große Namen. Die NZZ über eine Nicht-Operetten-Liga.

Meist geklickter Link gestern
Die Angstmacher – der von Rechtsextremen durchsetzte FC Dornburg (taz).

Field Reporter

[…]die Richter des Fußballs sind die Schiedsrichter und nicht wir. Sie treffen die Grundentscheidung, wir reagieren darauf und sind sozusagen die Richter der zweiten Reihe.

ein DFB-Sportrichter im Interview bei spox

Mixed Zone
Weißer Fleck: welcher Verein bringt das Saarland wieder auf die Fußballlandkarte fragt das Not My FCS Blog +++ Kaderplanung: Wie sieht der Mainzer Kader in der kommenden Saison aus? Die FR analysiert die Aussagen von Manager Heidel im Doppelpass +++ Bildmaterial: vom Sieg des FC St. Pauli gegen Fortuna Düsseldorf liefert Stefan Groenfeld +++ Abgemeldet: die U23 von Union Berlin (Tagesspiegel) +++ Analyse: von Spielverlagerung zum 0:0 zwischen Bremen und Mainz

#Link11: Don’t hate the player(s)

Das lange Wochenende bot europäischen Vereinsfußball in der Nussschale. Spitzenspiele en masse – echte, gefühlte und solche, bei denen sich nur eine der anwesenden Mannschaften im Spitzenspiel-Modus befand. Dazu Tore in allen Facetten, vom Fünferpack (!) Ronaldos bis zum 60 Meter Hammer von Charlie Adam. Doch dann ist da ja noch diese andere Seite des Fußballs. Die, die so gar nichts mit Spiel und Spaß, dafür aber um so mehr mit blindem Hass zu tun hat und deren Ursachen häufig außerhalb der Stadien zu finden sind. Leider ist diese Seite auch in 2015 wieder ein fester Bestandteil des Fußballs – und somit auch der Link11. Ein Osterrückblick zwischen Gewaltschüssen und Gewalttätern.

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1. Horror-Nachrichten aus der Türkei: Der vollbesetzte Mannschaftsbus von Fenerbahçe war am Samstag das Ziel eines Anschlages mit Schusswaffen und Steinen. Schwerverletzte gab es zwar (entgegen zunächst anders lautender Berichte) keine, doch der Vorfall verdeutlicht auf erschreckende Weise, wie tief der türkische Fußball in einem Strudel aus Gewalt und politischen Intrigen steckt (SZ). Der nationale Ligaverband zog nun die Konsequenzen aus dem feigen Angriff und sagte den kommenden Spieltag ab (FAZ).

2. Auch der Mannschaftsbus des BVB wurde am Samstag von einem Bayern-„Fan“ attackiert (11 Freunde), er war jedoch unbesetzt. Das ehemalige Spitzenspiel gegen den Tabellenführer verlor der BVB mit 0:1. Für ungewöhnlich befanden dabei Einige Bayerns effiziente, aber sehr defensive Ausrichtung (Spielverlagerung). Andere wiederum nicht (Der Abstauber). Der „optisch überlegene“ BVB fand erwartungsgemäß keine Mittel gegen Guardiolas geparkten Bus. Ebenfalls kein Mittel zum Erfolg sind Schiedsrichterdiskussionen. Selbst wenn sie, wie schon nach den letzten Aufeinandertreffen, gerechtfertigt sind (WAZ). Die Flut zum Teil bizarrer Analysen und Expertenstatements zur Krise des BVB wird nach der Niederlage nicht abreißen. Nüchterner betrachtet Luca Gierl die (taktischen) Probleme der Borussia und unterstreicht dabei den Stellenwert von Nuri Sahin.

3. Auch der Mannschaftsbus von PSG wurde am Samstag von Fans des Derby-Gegners Olympique Marseille attackiert (Spiegel). Sagt mal, Freunde…ihr gebt Bescheid, wenn es schlimmer wird? Das rasante Spiel gewann Paris unbeschadet Dank einiger kluger Positionswechsel, mit denen man Marseilles hyperaggressive Mann-gegen-Mann Orientierung ins Leere laufen ließ (Spielverlagerung).

4. Datenanalyse war in den letzten Jahren der große Trend unter Fußballverstehern und solchen, die es mal werden wollen. Auch der DFB beschäftigt einen Chefanalysten. Er heißt Christofer Clemens und hat Christoph Biermann ein spannendes Interview darüber gegeben, warum man Statistiken nie ohne Kontext betrachten sollte (11 Freunde).

5. Der Kreisligist FC Ostelbien Dornburg ist eine Oase für Rechtsextremisten und Hooligans. Während Sachsen-Anhalts Fußballverband gepflegt wegschaut und anwesende Schiedsrichter nicht mehr Herr der Lage sind, terrorisieren und demütigen die Dornburger systematisch Spieler und Fans gegnerischer Vereine auf- und abseits des Platzes. Johannes Kopp berichtet von schier unglaublichen Szenen im deutschen Fußball (taz).

6. Der HSV hat wieder einmal einen neuen Trainer, wird die alten Probleme jedoch nicht los. Im Gegenteil: Beim desolaten 0:4 gegen Leverkusen orientierte sich Peter Knäbel zu sehr an der Taktik seines Vorgängers, schreibt Rene Maric (Spielverlagerung). Rob Alef dagegen hat richtig Temperatur und wünscht sich, der HSV möge doch bitte endlich zur Realität zurückfinden – in der zweiten Liga (Volk ohne Raumdeckung). Aktives Abseits macht einen Abstiegscheck und kommt zu dem Ergebnis: Uwe Seeler sollte sich Sorgen machen.

7. Liverpool verlor am Samstag gegen den FC Arsenal und einen überragenden Mesut Özil mit 1:4. Peter Mertesacker erklärt den Aufschwung seines Teams (auch) mit der wiedergefundenen Streitkultur (Independent). Pools empfindliche Niederlage im Kampf um eine Top-4 Platzierung wird noch von dem Umstand verschlimmert, dass zwei der größten Stützen des Teams gerade öffentlichkeitswirksam ihren Abgang provozieren (ESPN). Was nicht so schlimm wäre, hätte Liverpool die Suarez-Millionen halbwegs sinnvoll investiert. Über ein katastrophales Händchen bei Transfers schreibt David Usher.

8. Der Transfer Davie Selkes war einer der (künstlichen) Aufreger der vergangenen Woche. Nachdem sich die erste Empörung gelegt hat, erklärt Timo Sczuplinkski, warum das Klischee des raffgierigen Jungstars (wie so oft) zu kurz greift (Weser Kurier). Genau so kurz, wie das Feindbild RB Leipzig, schreibt Matthias Kiessling (Zeit). Wenn aggressive Fan-Folklore eine Debatte über komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge verdrängt, kommt eben selten etwas Gutes dabei heraus. Dabei kann Folklore doch etwas so Schönes sein (siehe unten)!

Klare Worte zum Ego-Trip selbsternannter „echter“ Fans sowie den vielzitierten Selbstreinigungskräften einer Fankurve, findet auch der Wochenendrebell – und verdeutlicht dabei wie nur er es kann, dass der Fußball eben die schönste Nebensache der Welt ist.

9. Franz Beckenbauer hat keine Sklaven gesehen. Effzeh Verteidiger Dominic Maroh schon. Ein Augenzeuge über Fußballturniere in Katar (KStA).

10. Fußball zu mögen ist schick, Fachdiskussionen über Trainerentlassungen (beim HSV) und Derbys sind allgegenwärtig. Doch was tun, wenn man keine Ahnung hat? Ruhig Blut. Trainer Baade hat einen Leitfaden für den perfekten Fußball-Poser erstellt.

11. Real Madrid lieferte zuletzt eher dürftige Vorstellungen ab und wurde von den eigenen Fans geschmäht und attackiert. Das hat Cristiano Ronaldo wütend gemacht. Reals Gegner Granada musste es ausbaden und dürfte seitdem unter schweren Albträumen leiden (Welt).

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Die Aprilscherz-Kekse der 11 Freunde.

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Collinas Erben bestätigten in Person von Alex Feuerherdt bei n-tv, dass Jürgen Klopp sich nicht ganz zu unrecht über Knut Kirchers Leistung am Samstag ärgerte.

Field Reporter

„Nicht persönlich, doch viele von Klümper behandelte Spieler kamen zu mir, weil seine Therapien bei ihnen nicht halfen. Sie erzählten mir, was und wie er es machte. Dasselbe mit Dr. Müller-Wohlfahrt. Daher wusste ich ziemlich genau Bescheid was in Deutschland passiert. Aber ich war nicht der einzige: Alle haben es gewusst im deutschen Verband, doch niemand hat etwas dagegen gemacht. Das ist das Schlimme daran!“

Der Schweizer Vereinsarzt Heinz Bühlmann spricht offen über Doping – einer „normalen“ Sache in den 80er Jahren (Baseler Zeitung). Hier auf die Frage, ob er Herrn Dr. Klümper gekannt habe.

Mixed Zone
Grandios: Das Quiz, auf das Arsenal Fans gewartet haben – Arsène oder Aristoteles (BBC)? + + + Korb: Thomas Tuchel sagt RB Leipzig ab (Spiegel) + + + Stark! Werder Bremen bekennt Farbe (Vereinswebsite) + + + Ernst: Das Doping-Problem des deutschen Fußballs (Badische Zeitung) + + + Gewalt: Dieses Tor wollt ihr sehen (Sky) + + + Money, Money, Money: Die CL wird 60 Jahre alt (Deutschlandfunk) + + +  Rückschritt vom Rückschritt: Schalke ist zu schwach für die CL (Königsblog) + + + Weise Worte: Der Rasenfunk zum Spieltag + + + Bissig: Juan Arango macht den Luis Suarez (FAZ) + + + Hach: 8 Stadien, deren Besuch sich nicht nur wegen des Fußballs lohnt (Inside11) + + + Endlich: Der Iran lässt Frauen ins Stadion (Spiegel) + + + Liedgut: Bradford Citys Fans kritisieren einen Mangel an Sauce auf den Stadionsnacks – per Kurvengesang (Who Ate All The Pies) + + + Englischer Traum: Ein Schweizer auf dem Weg in die Premier League? (NZZ)

#Link11: Transferleistungen

Es musste ja soweit kommen. Eine Link11, die voller Beiträge zu Transfers und Vertragsverhandlungen ist. Done Deal? Fee agreed? Alle BVB-Spieler zu Manchester United? Fjørtoft auf Autopilot? „Bild erfuhr…“? Nein, natürlich nicht so! Dennoch behandle ich den „Skandal“-Transfer von Davie Selke, die Nicht-Transfers des Mats Hummels (Das klingt nach einem brauchbaren Buchtitel!), neue DFB-Regeln für gierige Spielerberater, den Selbst-Transfer des Hamburger Transferbeauftragten Knäbel, die Beharrlichkeit des Heinz Müller und die Mutter aller halbseidenen Transfers: Neymar. Zur Auflockerung gibt es Aprilscherze von den 11 Freunden, die das Lack-Fass am 1. April sehr zu meiner Freude mal wieder extra weit geöffnet hatten.

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1. Davie Selke verlässt Werder Bremen. In Richtung RB Leipzig. Obwohl er noch vor Monaten seine Liebe zum aktuellen Arbeitgeber beteuert hatte. „Egal welche Liga, Hauptsache das Geld stimmt?“ „Warum gibt Werder sein größtes Talent so bereitwillig ab?“ Was wie die richtige Ausganssituation für Shitstorms und Debatten biblischen Ausmaßes klingt… ist auch genau das. Alex Raack nennt gute Gründe für den Transfer und weiß, warum er eine so massive Belastung für die Egos mancher Werder Fans ist (11 Freunde). Der Werderblog kann mit Fan-Hass nichts anfangen und mahnt Grün-weiß zur Ruhe. Dass der Wechsel zu einem Zweitligisten für Selke ein sportlicher Gewinn sein kann, aber keineswegs muss, schreibt der Rotebrauseblogger. Während RB zuletzt vielfach (mediale) Unterstützung wegen der erlebten Schmähungen erfuhr, wurden gestern Erinnerungen an Carlos Eduardo und 1899 Hoffenheim wach. Wirklich verstehen konnten den Transfer offenbar die Wenigsten.

2. Borussia Dortmund empfängt Bayern München. Was wie die richtige Paarung für aufregenden Spitzenfußball klingt, ist in dieser Auflage eine eher triste Angelegenheit. Die uninteressante Tabellenkonstellation und zahlreiche Verletzungen auf beiden Seiten stehen vor der Partie im Fokus. Während der BVB wie gewohnt auf dem Zahnfleisch geht, beraubt den Rekordmeister vor allem David Alabas Ausfall wichtiger Fähigkeiten (Spiegel). Favorit ist der FC Bayern trotzdem – sind die Dauerschlagzeilen (Any Given Weekend) und das Social Media Marketing (Deutsche Welle) rund um die Borussia derzeit doch wesentlich spannender, als ihr Spiel. Für Schlagzeilen (der besonders unschönen Sorte) sorgte aber auch Jerome Boateng (Welt).

3. Am 1. April ist das neue DFB-Reglement für Spielervermittlung in Kraft getreten. Es soll für mehr Transparenz bei Transfers und Vertragsverlängerungen sorgen und schafft bislang bestehende Spielerberater-Lizenzen ab. Was das bedeutet und wie es funktioniert, erklärt Fussball-Geld.

4. Apropos Transparenz: Im Zuge des von der spanischen Steuerbehörde untersuchten Transfers von Neymar zum FC Barcelona wurden nicht weniger als 13 Verträge zwischen diversen beteiligten Parteien unterzeichnet. Diana Uzum hat zusammengefasst, wer da nun wen bezahlt hat und erklärt, wo die gesuchten Steuermillionen möglicherweise zu finden sind.

5. Katar ist wieder einmal durch die leichte Ungleichbehandlung der Gesellschaftsklassen zum Thema geworden. So sollen zahlreiche Baustellenarbeiter zwecks Aufstellung eines Weltrekordes zur Teilnahme an einem Halbmarathon gezwungen worden sein. In Sandalen und Arbeitsschuhen. Ich lasse das mal so stehen (FAZ). Fußballerisch setzte Katar derweil ein positives Ausrufezeichen (Sport 1).

6. Der Rechtsstreit um Heinz Müllers Vertrag bei Mainz 05 könnte ein neues Zeitalter im deutschen Profifußball einläuten. Allerdings eines, das wir alle nicht erleben wollen, meint Horst Heldt (Sky). Müllers Vorwürfe gegen Thomas Tuchel schmettert Mainz‘ Manager Heidel derweil als ruchlose Prozessstrategie des Rentners Torhüters ab (nullfünf MixedZone).

7. Pegida, Ukip, Front National, Svoboda. Europa erlebt eine beängstigende Renaissance des Rechtsextremismus und der kruden nationalistischen Ideen. Das ist auch im Fußball spürbar, schreibt Johannes David (These Football Times). Besonders bedenklich sei jedoch nicht der Anstieg rechtsradikaler Aktivitäten rund um den Fußball, sondern die Verstrickung gefährlicher Hooligans mit ihren Gegenparts in der Politik.

8. Steffi Jones wird die nächste Trainerin der deutschen Fußball-Nationalmannschaft (der Frauen). Für Michael Horeni nicht nur ein Anlass zur Freude. Er kritisiert, eine so strenge Geschlechtertrennung wie beim DFB gebe es sonst nur im Iran (FAZ).

9. Gestern war der 1. April. Der Tag, der vermutlich Paarungszeit und zugleich zweiter Geburtstag eines jeden 11 Freunde Redakteurs ist. Und die Herren lieferten. Nämlich die 10 aufsehenerregendsten Aprilscherze der Fußballgeschichte. Danach brachen sie noch kurz den Allzeit-Highscore im beliebten Spiel „Schlechte Wortwitze mit Spielernamen„. Soll ich die fälligen Strafkästen verhängen oder macht ihr das?

10. England ist seit gefühlten 10 Jahren auf der Suche nach einem holding midfielder defensiven Mittelfeldspieler. Da haben sie etwas mit Manchester United gemeinsam. Dabei haben beide doch einen, der ohnehin nicht tot zu kriegen ist. Und noch dazu unterschätzt wird. Andy Mitten über Michael Carricks Karriere im Schatten Anderer und warum man ihm trotz seines gesetzten Alters mehr zutrauen sollte (ESPN).

11. Was durch Länderspiele und das tägliche Tuchel-Gerücht fast in Vergessenheit geriet: Nachdem der HSV zuletzt unter Zinnbauer und seinen Vorgängern oft wirkte, als trainiere er unter der Woche gar keinen Fußball mehr, hat der HSV nun jemanden zum Coach gemacht, der seit 15 Jahren unter der Woche nicht mehr trainiert hat. Das klingt logisch, ist aber ein großes Risiko. Herr Knäbel steht unmittelbar vor der ersten Bewährungsprobe und Sascha Rebiger harrt der Dinge, die da kommen (140+).

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Das wunderbare Symbolbild vom Spiel des SV Wehen gegen den FCK (F-Heubel).

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Field Reporter

„Im Sommer habe ich die Transferwelt kennengelernt. Die ist brutal hart und ohne irgendwelche Rahmen und Gesetze.“

Southamptons neuer Vorstandsvorsitzender Ralph Krueger, zuvor Eishockey-Manager, über seine Erfahrungen mit dem Fußball.

Mixed Zone
Transferbilanz: Die klugen Verkäufe des FC Porto (Eurosport/Twitter) + + + Äußert sich zu Hummels-Gerüchten & Sommertransfers: Watzke (Sky) + + + Refugees Welcome: Fortuna Köln lädt Flüchtlinge ins Stadion ein (Vereinshomepage) + + + Goodbye: Der Flatterball sendete gestern seine (vermutlich) letzte Podcastfolge  + + + Süßholz: US-Senatoren haben Sepp Blatter einen bösen Brief wegen Putin geschrieben (11 Freunde) + + + Refugees Welcome 2: Zwei Asylbewerber wollen bei Hansa den Durchbruch schaffen (Ostsee Zeitung) + + + Chernomorets Odessa: Ein weitere ukrainischer Club im Exil (Futbolgrad) + + + Einstellungssache: Fan des FC United of Manchester sein (Chrismon) + + + Messi, Özil… Spahic? Das Internationale Zentrum für Sportstudien hat die effektivsten Fußballer berechnet (Spox) + + + Derbysicher: Das beschauliche Köthen könnte sein eigenes Stadion bekommen (Turus) + + + Profigeschäft: Tobias Levels darüber, wie es ist, eiskalt abserviert zu werden (Spox)

#Link11: Gewalt gegen Maskottchen

Die Recherche für die heutige #Link11 gestaltete sich schwieriger als erwartet. Allüberall waren Stolperfallen in Form von mehr oder zumeist weniger lustigen Aprilscherzen aufgestellt. Ich hoffe, dass ich alle übersprungen habe – verlinke als Kriegsdienstverweigerer aber natürlich ohne Gewähr.

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1. Es ist Mittwoch. Heinz Kamke geht heute Abend kicken und hat in seinem Blog Angedacht wunderbar geschrieben wie sich die Zeiten ändern, das Spiel und die kleinen Spielchen mit den Gegenspielern, Mitspielern und Schiedsrichtern aber nicht. Jochen kickt heute nicht mehr und ist doch dabei. Kamke regt sich auf. Will noch immer gewinnen. Und hegt eine merkwürdige Bewunderung für einen Volleyball-Mitspieler seiner Frau.

2. Ob Thomas Tuchel heute kicken geht, ist leider nicht bekannt. Er war aber beim Volleyball. Das hat er kürzlich im Interview mit der Zeit erzählt. Welcher Verein der nächste ist, das bleibt weiterhin eine spannende Frage. Bleibt der HSV in der Bundesliga, dann stehen die Chancen auf einen Vertrag mit dem Messias begehrtesten Trainer seit Pep Guardiola wohl gar nicht so schlecht. Argumente für den Dino liefert Birger Hamann (Spiegel). Daniel Meuren (FAZ) meint, dass der HSV dank Knäbel gute Chancen hat. Christoph Biermann (11 Freunde) hat ebenfalls in die Glaskugel geblickt und ein besonderes Argument aus dem Helmut Dietl Klassiker Kir Royal abgeleitet:

3. Soziologen der Universität Münster machen eine Umfrage, um Besucher eines Fußballspiels über ihre Befindlichkeiten zu befragen. Klingt eigentlich harmlos. Doch zu den Auftraggebern des Forschungsprojektes SiKomFan gehören auch die Polizei und ein Rüstungskonzern. Fabian Scheler (Zeit) über die Hintergründe.

4. Domenico Mundo hätte wohl auch seine Probleme mit der Umfrage, denn die Polizei ist nicht sein liebster Freund und Helfer. Er hat mit dem Buch »Streunende Köter« die italienische Fußballszene aus Ultrasicht beschrieben. Im Interview mit Sapeur spricht er ausführlich über seine Zeit als Ultra, seine Bücher und Aufstieg und Fall der Fußballfanszene in Italien.

5. Ganz andere Probleme haben Fußballfans auf der Krim. Faktisch gehört die Krim zu Russland, rechtlich zur Ukraine. Das macht es auch für den lokalen Fußball schwierig. Denis Trubetskoy (Spiegel) eine neue Krim-Liga, die auch für die Uefa ein heikle Angelegenheit ist.

6. Heikel waren in den letzten Tagen auch die Umstände rund um einige Fußballplätze. Deshalb wurden einige Spiele wegen des Sturmes abgesagt (Beispiele in der Mixed Zone). In Elversberg konnte gestern gespielt werden. Die Spielvereinigung 07 schlug den FK Pirmasens durch einen Treffer in der 87.Minute mit 1:0. Und das obwohl Verein, Spieler und Fans noch vor dem Anpfiff den Sturz eines Symbols zu verkraften hatten:

Schon wenige Stunden später war das »Wahrzeichen und Naturdenkmal« (twitter) zerlegt. Dass das Stadion nun »An der umgestürzten Kaiserlinde« heißt, muss auch ein Aprilscherz sein.

7. Solche Baumstürze und Spielabsagen gehören zu einem normalen Saisonverlauf dazu. Dass aber ein Spiel wegen nicht kooperativer Medien, die einfach das Spiel SpVgg SV Weiden gegen FC Amberg, diesen Klassiker der Oberpfalz, filmen wollen, eine Absage droht, ist neu. Fupa berichtet über ihre Streitigkeiten mit dem Bayerischen Fußballverband. Interessant in diesem Falle auch die Kommentare.

8. Weniger um Film als um Fotos geht es im Blog von f-heubel.  Ein Foto pro Spiel. Der Fotograf und Fußballfan liefert seit Beginn der Saison tolle Stadionbildern. Von der A-Klasse über die Bundesligen bis hin zur Champions League sind viele sehenswerte Fußballmomente dabei. Meine Favoriten kommen bisher von den Spielen Everton – Stoke im Goodison Park, Darmstadt – Berlin am Böllefalltor und Saarbrücken gegen Homburg im Ludwigsparkstadion. Absolutes Highlight ist aber aus meiner Sicht das Bild dieses jungen FCK-Fans.

9. Was macht eigentlich Michael Skibbe? Er ist wieder zufrieden in der Türkei. Der Tagesanzeiger hat mit ihm gesprochen.

10. Peter Erben ist der letzte Überlebende der Liga Terezín, der Fußball-Liga des Ghettos Theresienstadt. Er sagt: »Das einzige was schön war, waren die Freizeitgestaltung und der Fußball.« Victoria Reith (Zeit) hat ihn in der Nähe von Tel Aviv besucht.

11. Rod Ackermann (NZZ) nerven all die Fähnchenschwenker, die immer und überall zeigen wollen: „Seht nur wie ausgelassen ich bin!“ Sein Ärger führt zu Gewaltphantasien gegen Maskottchen, die in Zukunft sicher auch beim AC Mailand droht. Nach dem Motto: »Goodbye, Kitty«.

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»Achtung, die Kleinen kommen“ – Aktives Abseits über den Erfolg kleinerer Fußballverbände in der EM-Qualifikation.

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»Im Profi-Fußball können Offenheit oder Ehrlichkeit in der menschlichen und sozialen Interaktion eine untergeordnete Rolle spielen. Darüber sollte sich meiner Meinung nach jeder Profi-Fußballer im Klaren sein.«

Tobias Levels im Interview mit spox über seinen Abschied aus Düsseldorf, die Zeit der Vertragslosigkeit und eine Chance in Ingolstadt.

Mixed Zone
Testspiele: Mexiko und Argentinien gewinnen. (spox) Die Schweiz spielt Remis gegen die USA. (NZZ) + + + Neuer Job: Rummenigge zieht es auch in ein Uefa-Amt. (Spiegel) + + + Rechtsstreit: Ist er aus dem Verein ausgetreten oder nicht? Ein ungewöhnliches Verfahren in der Kreisliga A in Wuppertal. (RevierSport) + + + Überführt: Der Feuerzeugwerfer beim Spiel Schalke – Köln wurde überführt und soll die 43.000 €uro des DFB übernehmen. (Schalke 04) + + + Nackt kicken in Herne: Gerrit Starczewski lädt zum nakedFUSSBALL. An den Stutzen könnt ihr sie unterscheiden. (RevierSport) + + + TV-Rechte: Sky-Chef Jeremy Darroch sprach mit der SZ auch über Fußballrechte. + + + »Von null auf hundert«: Maria Kurt (Spiegel) über die Entscheidung pro Steffi Jones. + + + Teilnahmeberechtigt: Tunesien darf nach Entschuldigung am Afrika-Cup 2017 teilnehmen. (Spiegel) + + + Absagen: Das U-20-Länderspiel musste wegen Niklas abgesagt werden. (Spiegel) Auch das Halbfinale des brandenburgischen Landespokals in Babelsberg wurde wegen einknickbarer Flutlichtanlage abgesagt. (Energie Cottbus) + + + Galerie: Passend zu den Wetterkapriolen zeigen 11 Freunde Fußballer im Schnee. + + + Ende: Du Ri-Cha hat seine internationale Karriere beendet – es gab Blumen und Tränen. (FAZ) + + + Sprints mit Ball: Jürgen Damm, mexikanischer Fußballprofi mit deutschen Wurzeln, ist der zweitschnellste Fußballprofi der Welt – hinter Gareth Bale. (Spiegel)

#Link11: Doppel-T

Thomas Tuchel, in Fußballkreisen nur TT genannt, ist das Thema des Tages. Wo geht er denn nun hin im kommenden Jahr, der gute Tuchel? Diese Frage stellen sich Fans wie auch die Klubchefs mancher Traditionsvereine. Doch warum eigentlich Tuchel? Er ist zwar eloquent, besitzt aber nicht den bezirzenden Charme eines Jürgen Klopps. In der Vergangenheit vergaloppierte er sich vor allem bei seinen ständigen Tiraden gegen die Schiedsrichterei; als medialer Heilsbringer taugt er kaum. Es sind in diesem Fall wahrlich die fachlichen Fähigkeiten, die ihn so begehrt machen. Und die Tatsache, dass es so viele andere Hoffnungsträger im deutschen Trainerbereich nicht gibt. Klopp, Favre und Hecking sitzen fest auf ihren Stühlen und dürften wohl kaum innerhalb der Bundesliga wechseln. Außer Weinzierl und Tuchel bleibt da nicht viel. Ein klassischer Fall von niedrigem Angebot und hoher Nachfrage – da wirkt ein guter Trainer schnell wie der neue Messias.

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1. Thomas Tuchel wird gejagt. Fast so intensiv wie Roger Rabbit. Die Liste der Klubs, die ihn unter Vertrag haben will, ist lang. Ganz vorne mit dabei: der HSV. Simon Braasch und Florian Rebien (Mopo) erklären nun, was der HSV alles zu tun bereit ist, um Tuchel an die Elbe zu locken. Jörg Strohscheins Sportschau-Artikel zur Frage, was Tuchel als nächtes macht, liest sich wiederum nach dem klassischen Motto: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Tuchels Ex-Spieler Heinz Müller sagt öffentlich dem kicker: „Tuchel ist ein Diktator“. Er lässt kein gutes Haar am Hoffnungsträger der Bundesliga-Führungsetagen.

2. Bundesliga-Vereine geben gerne Fan-Anleihe aus, um schnell an Geld zu kommen. Für die Fußballvereine lohnt es sich – für die Fans oft nicht. Fast 50% verzichten auf die ihnen zustehenden Zinsen, schreibt Lutz Wöckener (Welt Online). Er hat das Modell Fananleihe unter die Lupe genommen.

3. Für viel Aufsehen in den sozialen Netzwerken sorgte gestern das statistische Konzept von Miasanrot: Sie versuchen sich an einer Plus-Minus-Rechnung, um die Leistungen von Fußballspielern zu bewerten. Dazu werden die Anzahl der Tore und Gegentore herangezogen, die fallen, wenn ein Spieler auf dem Feld ist. Es ist ein interessantes Konzept, das meiner Meinung nach aber im Vergleich zum ähnlichen GoalImpact einige Kinderkrankheiten hat. Zum einen kann der Zeitraum einer Saison verzerren, gerade wenn Spieler nach Verletzungen kaum spielen oder sehr spät eingewechselt werden. Überhaupt sind späte Einwechslungen und bestimmte Spielverläufe Zerrfaktoren, die man irgendwie in den Begriff bekommen muss. Last but not least ist die Anzahl der Tore einem großen Glücksfaktor unterwerfen, weshalb ich persönlich Schuss-Statistiken immer bevorzuge. Im Gegensatz zum GoalImpact-Algorhythmus hat das Verfahren jedoch einen Vorteil: Es ist transparent.

4. Mats Hummels erklärte diese Woche im kicker-Interview, er könne sich einen Arbeitsaufenthalt im Ausland durchaus vorstellen. Die Ruhrnachrichten widmen ein Pro und Kontra der Frage, ob der Abgang gut oder schlecht für den BVB wäre. Philipp Selldorf (Süddeutsche) vermutet indes, dass Hummels mithilfe dieser Äußerungen beim BVB ein höheres Gehalt erhalten möchte. Daniel Mertens (Schwatzgelb) mokiert sich über eine andere Aussage des Interviews: Ihm stößt sauer auf, dass Hummels offen zugibt, er habe gar nicht unbedingt ins Champions-League-Viertelfinale vorstoßen wollen. Eine Gegenrede.

5. Gerne wird von grießgrämigen Fans vorgerechnet, dass ein Abstieg für den eigenen Klub heilsam sein könnte. Der kicker zeigt am aktuellen Beispiel VfB Stuttgart, wieso das ein Trugschluss ist: Der Etat würde sich halbieren, Einnahmen wegbrechen und damit wichtige Investitionen ausbleiben. Kleiner Nachtrag von mir: Ein Abstieg bedeutet meist auch eine „Verringerung der Personallast“, wie man im Business-Deutsch so schön sagt. Und entlassen werden nicht die Spieler. Allein deshalb finde ich es zynisch, davon zu reden, dass ein Abstieg einem Klub guttue.

6. Falls irgendwer die gestrige #Link11 verpasst hat, holen wir das Thema EM-Qualifikation noch einmal hervor. Aktives Abseits hat nämlich eine tolle Übersicht zur Frage erstellt, welche kleinen und großen Nationen sich nach derzeitigem Stand für die EM 2016 qualifizieren. Überraschungen garantiert. Trainer Baade freut sich über die Möglichkeit, alle britischen Nationalteams vertreten zu sehen – außer Gibraltar, die, so Erklärbär Baade, gar keine echten Briten seien.

7. Die WM 2022 wird kontrovers diskutiert. Dirk Burkhardt (Sportschau) widmet sich einer Frage, die bisher kaum jemand gestellt hat: Wie will der Gastgeber eigentlich sportlich mithalten? Geld ist auch hier die Antwort. Der Wüstenstaat investiert Millionen in die Nachwuchsförderung.

8. Wirklich spannend ist die Wahl zum Fifa-Boss nicht – alles andere als ein Blatter-Sieg wäre eine große Überraschung. Trotzdem schreibt auch diese Wahl wieder zahlreiche Geschichten. Tim Röhn (Welt Online) stellt die Kandidaten vor und wirft vor allem einen Blick auf Michael van Praag, den niederländischen Kandidaten, der sich derzeit als das Gegenbild Blatters stilisiert.

9. 2016 steht den DFB-Frauen eine große Zäsur bevor: Nationaltrainer Silvia Neid zieht sich in die Talentförderung zurück, Steffi Jones übernimmt (s. Süddeutsche). Claudia Neumann (ZDF Sport) findet den Schritt richtig. Daniel Meuren (FAZ) kritisiert hingegen: Jones habe keine Erfahrung, man habe einfach die bequeme interne Lösung gewählt anstatt nach sportlichen Alternativen Ausschau zu halten.

10. Ausschreitungen, Messerangriffe, Hitlergrüße – und trotzdem zieht der Fanbeauftragte des SV Babelsberg eine positive Bilanz nach dem Spiel gegen BFC Dynamo. Die Entwicklung sei insgesamt positiv und die Atmosphäre weniger giftig, sagt er im Gespräch mit Andreas Bock (11Freunde).

11. Ein wenig hohe Politik in unserer kleinen #Link11: Der PAOK Saloniki profitiert von einem griechischen Gesetz, das einem Steuerschuldner Teilschulden erlässt, wenn er eine bestimmte Summe sofort begleicht. Klubbesitzer ist der russische Unternehmer Ivan Savvidis, was den Autor Giorgos Christides (Spiegel Online) vermuten lässt, dass eine pro-russische Politik hinter dem Deal steckt – schließlich will Siriza sich derzeit bei Putin beliebt machen. Der Artikel macht aus meiner Sicht aber einige gedankliche Sprünge zu viel.

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Ein Dauerbrenner: Der Halbangst-Blog spottet über Detlef D. Soost.

Mixed Zone
Dumm gelaufen: Trotz zweimaliger Führung verliert die deutsche U21 gegen England (s. FAZ). + + + Simply the second best: Der Rotebrauseblogger nominiert seine Topelf der zweiten Bundesliga. + + + Der Zlatinator: Das Publikum bei Wrestlemania fordert per Plakat: Zlatan soll wrestlen! (s. Fanfeed) + + + Abschlussfeier: Der kicker listet auf, wer in diesem Jahrgang die Fußball-Lehrer-Ausbildung beim DFB bestanden hat. + + + Bibi und die 21 Schiedsrichterinnen, die ich nicht kenne: Die Fifa hat die Schiedsrichterinnen für die WM 2015 nominiert (s. Womensoccer). + + + Katsching! In der Champions und der Europa League lässt sich künftig noch mehr Geld verdienen – die Uefa erhöht die Zahlungen (s. Spiegel Online). + + + Lebenswerk: Jupp Heynckes hat vom DFB einen Preis für sein Lebenswerk erhalten. Jochen Breideband (DFB) spricht mit ihm über diese Auszeichnung, seine Trainerkarriere und den verdienten Ruhestand.

#Link11: Von Menschen und Göttern

Es wird nicht viel passiert sein, mag man denken, wenn man sich daran macht, eine Blog- und Presseschau zusammenzustellen. Nach einem Wochenende, an dem die ersten drei Ligen spielfrei blieben, an dem nicht einmal die U19-Bundesliga einen ordentlichen Spieltag angesetzt hatte. An dem einzig die Nationalmannschaften antraten, zum Schaulaufen wie die Brasilianer in London, zum Pflichtsieg wie die Deutschen in Tiflis.

Doch man springt zu kurz. Was auf einem Feld der Regionalliga passiert, motiviert einen Blogger. Was der DFB Integration nennt, juckt einen Journalisten. Was die Fanszenen über Frauen denken, beschäftigt Forscher. Schon muss man sich von seinem albernen Plan zurückziehen, die ersten 11 Verse von Schillers Glocke mit Links zum Fußball zu verwursten. Man will schließlich dem gerecht werden, was sich am Wochenende zusammengefunden hat; das würdig aufbereiten, was lesens- und empfehlenswert dem Leser entgegen tritt. Von allen Seiten bekommt man tolle Texte zugespielt, man muss sie nur noch über die Linie drücken.


 
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1. Die deutsche Nationalmannschaft hat Georgien mit 2:0 geschlagen. Mit von der Partie, auf deutscher Seite: Jerôme Boateng, Mesut Özil, Łukasz Podolski. Spieler, mit deren Namen und deren im Namen manifestierter Exotik sich der Deutsche Fußball-Bund gerne schmückt. Martin Krauß meint in seiner taz-Kolumne Press-Schlag: »Der DFB feiert sich selbst, weil Deutsche in der deutschen Auswahl spielen«. Fürwahr, »fürs Höfliche und Zurückhaltende ist diese Kolumne nicht erfunden worden«, wie der Autor selbst schreibt, aber gerade das macht sie zu einem verlässlichen Anlaufpunkt auf der Suche nach lesenswerten Texten zum Fußball und seinem Drumherum.

2. Die Kernzitate um die wenigen geschossenen Tore, die Bewertung der beiden unterschiedlichen Halbzeiten, Bewegtbildmaterial, ein paar Statistiken und der Spielverlauf im Ticker nachlesbar – Michael Horenis Spielbericht in der FAZ sollte das deutsche Länderspiel zur Genüge bearbeiten.

3. Der Abbruch der Parie Montenegro – Russland in Podgorica am vergangenen Freitag, als mehrere russische Spieler von Gegenständen getroffen wurden, darunter der russische Torhüter von einer brennenden Bengalfackel, sorgt für Aufregung im noch jungen Balkanstaat. Der kicker mit einem Lagebericht.

4. Experimental 3-6-1 nutzt die Länderspielpause, um seine hilfreichen Visualisierungen von Offensiv- und Defensivstatistiken in der Bundesliga auf den neuesten Stand zu bringen. So lässt sich etwa ablesen, dass Dortmund fast genauso viele Schüsse wie der FC Bayern abgibt, aber doppelt so viele Schüsse braucht, um ein Tor zu erzielen. Auch beeindruckend: Auf kaum ein Tor werden so viele Schüsse wie auf das Gladbacher abgegeben, aber nur jeder zwanzigste davon wird zu einem Tor.

5. Fussball-gegen-Nazis.de befasst sich nicht nur mit den namensgebenden Rechtsextremen, sondern auch mit anderen Themen zwischen Fußball und Gesellschaft. »›Einfach nur Ultra unter Ultras sein – das wär was!‹ – Ausschluss von Frauen in der Fankultur« heißt ein dort veröffentlichter Text von Frederik Schindler. Ein Artikel voller interessanter Gedanken zu Frauen, die von Fanausschlüssen nicht betroffen sind, zur speziellen Männlichkeit im Fußball und zu den Parallelen zwischen Ultra-Gruppierungen und Taubenzüchtervereinen. Unter dem Hashtag #UltrasGegenSexismus wurden Banner zum Thema gesammelt.

6. Halbzeit in der #Link11. Pause.

Ein Hobby sei generell ja eine Macke, meint sie. Aber mein Hobby sei ja eben kein Hobby mehr.

»Allesfahrer«. Eine Kurzgeschichte. Erschienen bei »Die Schottische Furche«.

7. Niemals Allein will seinen Lesern einen Sechser schmackhaft machen. Spielt beim Vierzehnten der Liga, kein Tor, keine Vorlage, nicht einmal taktische Fouls kann er: nur drei Gelbe Karten. Außerdem 1,71m klein und keine gute Zweikampfquote. Warum er trotzdem ein interessanter und guter Spieler ist, was er beim Anlaufen gut und beim Umschaltverhalten noch besser macht, wird im Taktikblog beschrieben. Er sei nicht der Motor, er sei der dritte Gang: »Man kann ohne, aber früher oder später platzt der Motor und man bleibt liegen.« Meine Damen und Herren: Manuel Schmiedebach – Fußballgott.

8. Für die FAZ beleuchtet Michael Horeni im mehrteiligen »Talentreport« die Jugendarbeit im deutschen Fußball. Nach den ersten drei Episoden widmet sich die Reihe nun der wohl interessantesten, weil ambitioniertesten Ausbildungsstätte: dem versierten Leipziger Personal inmitten ihrer Baustelle. In Teil 4 als Reportage mit Nachwuchschef Frieder Schrof und NLZ-Leiter Thomas Albeck und in Teil 5 beim Interview mit Sportdirektor Ralf Rangnick.

9. Vielleicht ist er gar nicht Manuel Neuer, sondern eine sprechende Werbefigur. Im Interview mit der WELT werden dem Welttorhüter Sätze wie »Man muss doch auch mal Mensch sein und abschalten« oder »Ich weiß, dass nach meiner Karriere das richtige Leben erst anfängt und dass ich eine Aufgabe brauchen werde, die mich ausfüllt« zugeschrieben. Zwei Jahre Jodelschule im Anschluss an die Karriere sollten mindestens vonnöten sein, um ihn wieder zu einem vollwertigen Glied der Gesellschaft zu machen.

10. In der Regionalliga West muss Rot-Weiss Essen seine letzten Aufstiegshoffnungen begraben: Es setzte eine 0:3-Heimniederlage gegen den SV aus Rödinghausen (zwischen Preußisch Oldendorf und Bünde gelegen, zuletzt fünf Aufstiege in Folge). Wer den Text bei Im Schatten der Tribüne liest, blickt in eine enttäuschte Fanseele, abgestumpft vom »Krampf« einer weiteren Saison in der Unterklassigkeit, empfänglich für die Melancholie eines Blicks in die Vergangenheit: »Selbst die Abstiegssaisons […] waren schöner«.

11. Zum Abschluss soll einer »dringend nötigen Versachlichung« verlinkend unter die Arme gegriffen werden. Letzte Woche hatte der kicker einen Artikel mit dem Titel »„Gegen Aktionismus“: Solidarisierung mit RB« überschrieben.

Auf einer ordentlichen Versammlung der DFL am Donnerstag in Frankfurt am Main sprachen sich der Ligaverband und die 36 Erst- und Zweitligisten für eine Solidarisierung mit dem Liganeuling aus. „Jedes einzelne Mitglied des Ligaverbands muss sich ohne Wenn und Aber davon distanzieren. Es kann nicht hingenommen werden, wenn einem Mitglied des Ligaverbands das Existenzrecht abgesprochen wird“, forderte Ligapräsident Reinhard Rauball. „Das Prinzip der Solidarität muss greifen.“

In Folge dieses Artikels sah sich der 1. FC Kaiserslautern veranlasst, unter dem Banner »Der FCK klärt auf« eine Pressemitteilung herauszugeben, in welcher der Verein von einer solchen Solidarisierung Abstand nimmt. Man sei zwar der Ansicht, »dass Beleidigungen unterhalb der Gürtellinie sowie die Androhung und Anwendung von Gewalt« im Fußball nichts zu suchen hätten, es mache aber »keinen Sinn, hier einzelnen Vereinen, wie beispielsweise RasenBallsport Leipzig, eine Sonderrolle zuzusprechen«, so Vorstandsvorsitzender Stefan Kuntz.

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Field Reporter

Es war am Ende unserer fünften gemeinsamen Saisonvorbereitung. Die Bindung und das Vertrauensverhältnis zu meinen Spielern waren auf einem Höhepunkt! Wir waren unter anderem im Wallis im Trainingslager, sind über tausend Meter den Berg hochgestiegen, morgens in der Frühe, um den Sonnenaufgang zu erleben. Wir erarbeiteten zum ersten Mal einen Teamvertrag mit einem verbindlichen Punkteziel für die Saison. Dann nach dem letzten Training am Genfer See habe ich gesagt: „Arno, was soll nächsten Sommer noch kommen? Wie sollen wir uns nochmal neu erfinden?“

War ein junger deutscher Trainer jemals so begehrt? Thomas Tuchel (zitiert über den Anfang vom Ende bei Mainz 05) im Interview mit der ZEIT.

Mixed Zone
Luzern: Integration ist auch im Schweizer Fussball Thema: Kann sich das Volk mit acht Secondos noch identifizieren? (taz) + + + Chisinau: Zlatan Ibrahimovic wurde beim Gastspiel in der Republik Moldau vom Torwart am Hinterkopf angeschossen (Tor, YouTube) + + + London: Bildchen von Neymar und Alexis Sanchez anlässlich des Spiels Brasilien–Chile (Daniel Nyari) + + + Paralipse: »Am besten, man bestraft man das mit Nichtbeachtung«, zitiert die dpa Mats Hummels in einem Text über Flitzer (FAZ) + + + Stuttgart: Goldmann Sax über des Desinteresse des VfB an Thomas Tuchel + + + Köln: Ein Nachruf auf Klaus Ulonska (11Freunde) + + + Mönchengladbach: Neue Regel – Wer »Ostersamstag« sagt, kommt nicht unter die ersten Elf. Heute: ein Interview mit Stephan Schippers (RP) + + + Paderborn: Der SC von 1907 versucht, eine in den AGB verankerte Strafe von bis zu 2.500€ den Weiterverkauf von Tickets gegen den FCB umzusetzen (Anwalt.de) + + + München: Thiago ist seit einem Jahr verletzt. Ein Bericht in der SZ + + + Kaiserslautern: Ilkay Gündogan im Gespräch über seine Verletzung, die Krim und das Aufschieben der Operation (Tagesspiegel) + + + Freiburg: Aus den Klümper-Akten: Der Versuch einer Legalisierung von Anabolika 1976 (Badische Zeitung) + + + Zürich: »Natürlich ist die FIFA korrupt« – eine Polemik des heutigen FIFA-Kommunikationschefs aus dem Jahr 2010 (Weltwoche) + + + Winter: Erleichterung! In Endreas Müller steckt kein Mario Barth. (Ein Jahr im Kreis (11)) + + + Hamburg: Öffentliche Kaderplanung beim HSV (SZ) + + + Sowjetunion: Mit den fremden Namen deutscher Nation begann die #Link11, mit den deutschen Namen fremder Nationen soll sie enden: Merkel, Schmidtgal, Neustädter. Ein Überblick von Kickschuh + + +