CE66 – Viel sehen, wenig hören


Endlich ist Schluss mit dem Age Shaming – die FIFA hebt die Altersgrenze für Schiedsrichter auf! Wir freuen uns mit denjenigen Referees, deren allzu frühe Verrentung nun verdientermaßen verschoben wird. Außerdem blicken wir auf die Bundesliga-Spieltage 16 und 17 zurück, bringen den jungen Joschka Fischer gegen Andreas Neuendorf in Anschlag, würdigen Markus Gisdols Ausführungen zu den Assistenten und Vierten Offiziellen, beantworten Hörerfragen und stimmen zum Schluss sogar kurz ein, sagen wir, Weihnachtslied mit Fußballbezug an. Allen Hörerinnen und Hörern eine geruhsame Jahresendzeit und ein erquickliches 2015!
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Musik: Tha Silent Partner – P Pulsar (Album Version)

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Links: Die Schiedsrichter-Zeitung mit dem Titelthema »Körpersprache« — Als in der Bonner Südstadt plötzlich das Licht ausging — Die Kolumnen von Collinas Erben auf n-tv.de zum 16. und zum 17. Spieltag — Collinas Erben bei Twitter und bei Facebook — Die offiziellen Fußballregeln als PDF-Datei zum Download

Shownotes: 0:00 Intro: Andreas Neuendorf, mutmaßlich stocknüchtern – 0:50 Die FIFA schafft die Altersgrenze für Schiedsrichter ab – 4:35 Ein offenherziger Hellmut Krug zum Thema »Fehlentscheidungen« – 5:25 Bundesliga, 16. Spieltag, 1. FC Köln – Mainz 05 (Schiedsrichter: Florian Meyer): Handspiel, und keiner hat’s gemerkt – 8:50 Borussia Dortmund – VfL Wolfsburg (Tobias Welz): Wie war das jetzt noch mal mit dem Schutz des Torwarts? – 13:30 Hamburger SV – VfB Stuttgart (Felix Brych): Niedergemeiert – 16:25 Borussia Mönchengladbach – Werder Bremen (Robert Hartmann): Glück für Galvez – 22:05 17. Spieltag, Hertha BSC – 1899 Hoffenheim (Peter Sippel): Warum Andreas Neuendorf im Unrecht ist – 28:20 SC Freiburg – Hannover 96 (Günter Perl): Kein Handelfmeter, keine »Notbremse« – zu Recht? – 32:15 Schalke 04 – Hamburger SV (Markus Schmidt): Aufregung nach dem Schlusspfiff – 35:50 VfL Wolfsburg – 1. FC Köln (Peter Gagelmann): Keine Strafstöße zum Fest – 41:20 Bayer 04 Leverkusen – Eintracht Frankfurt (Wolfgang Stark): Weihnachtlich glänzender Auftritt des Referees – 43:20 Kleines Hinrundenfazit – 45:45 Markus Gisdol zu Assistenten und Vierten Offiziellen – 57:00 Antworten auf die Fragen von Hörern – 1:29:00 Fade-out

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115 comments » Write a comment

  1. Ich hätte da mal eine Frage zum Thema “Spielen ohne Schuh”:

    Man stelle sich vor, ein Torwart ist nicht fähig seinen Schuh vernünftig zuzubinden und verliert den Schuh bei einem Abstoß und rennt diesem Schuh hinterher während der Gegner den Ball über ihn hinweg ins Tor schießt.

    Was mache ich da als Schiedsrichter? Laufen lassen, oder gibt es eine Regelung beim Torwart, da der ja nun relativ wichtig für die Mannschaft ist.

    Jetzt nehme man an, dass der Torwart im Tor stehen bleibt und den Ball spielt. Anhand der Regel würde ich in dem Fall ind. Freistoß geben, ist das richtig?

    • Wenn der Torwart ohne ersichtliches Fremdverschulden einen Schuh verliert, gibt es für den Schiedsrichter keinen Grund, das Spiel zu unterbechen, solange der Keeper nicht den Ball spielt. Das heißt: Wenn dann ein Tor gegen seine Mannschaft erzielt wird, ist dieser Treffer gültig. Und wenn der Torhüter den Ball spielt, obwohl ihm ein Schuh fehlt, gibt es einen indirekten Freistoß gegen sein Team.

      • Merke: Falls einem sowas passiert, darf man auch nur mit einem Schuh eine Glanzparade zeigen, sollte sich aber in der nächsten Spielunterbrechung zügig den Schuh wieder anziehen.

  2. Also den Eckstoß lass ich persönlich immer noch ausführen, da ist der Referee auf Schalke auch einer der ganz wenigen seiner Zunft, der ein Spiel so beendet. Gefühlt machen das (wenn überhaupt) mal Schiedsrichter zur Halbzeit-Pause, aber auf die Sekunde wird doch fast nie abgepfiffen. Gefühlt wird da auch gern mal bei 2-3 Minuten Nachspielzeit erst 30-40 Sekunden später das Spiel beendet. Wird nicht spielentscheidend gewesen sein, aber dass man dann in so einem Fall auch noch die Mannschaft bevorteilt, die in der Nachspielzeit paar Sekunden herausgeholt hat, wundert mich dann schon ein wenig…

    Frohes Fest und vielen Dank für die letzte Folge.

  3. Hi,

    erstmal vielen Dank für den schönen Podcast!

    Bei dem Spiel Hannover 96 gegen Augsburg fiel mir auf, dass die Augsburger Aufwärmspieler bei dem Elfmeter für Hannover sehr nah am Tor auf das der Elfmeter geschossen werden sollte standen. Gibt es da Regelungen, wie weit der Abstand vom Tor sein muss? Der Abstand zum Ball blieb ja in jedem Falle gewahrt.

    Grüße

    • Die Reservisten dürfen sich je nach Platz in zwei Bereichen aufwärmen: 1. hinter dem ersten Assistenten, 2. hinter dem eigenen Tor auf der dem Assistenten abgewandten Seite. In beiden Fällen halten sie sich in den modernen, engen Stadien zwangsläufig sehr nah an der jeweiligen Spielfeldbegrenzungslinie auf. Das ist aber in Ordnung so und nicht zu beanstanden – auch nicht beim Strafstoß –, solange sich die Auswechselspieler fair verhalten. Von einem Mindestabstand steht zumindest in den Regeln nichts, vielleicht findet sich aber in den Durchführungsbestimmungen der DFL etwas, das habe ich nicht nachgeschaut.

  4. Wiedermal ein super Podcast wie immer! Danke :)
    Kann man eigentlich Vorteil geben bei einem Vergehen, welches einen indirekten Freistoss nach sich ziehen würde?

    • Ja, das ist möglich. Beim Vorteil kommt es nicht darauf an, ob das Vergehen einen direkten oder einen indirekten Freistoß nach sich ziehen würde.

  5. Moin ihr beiden,

    ich habe eben meinen Obolus für das Headset in den Hut von Fokus Fußball geworfen (hatte den direkten Spendenlink zu spät gesehen). Ich hoffe, dass dieser auch ankommt. Wenn nicht, dann dort bitte anklopfen. ;)

    Ansonsten auch hier noch einmal vielen Dank für die tollen Podcasts in diesem Jahr, die nicht nur durch Fachwissen überzeugen, sondern auch durch eine sehr anständige Produktion! Vielen Dank!

    Guten Rutsch und gut Pfiff in 2015
    Euer Philipp

  6. Hallo ihr beiden,

    vorweg ein riesen Lob an euch für den klasse Podcast – dank der Erwähnung von Tim Pritlove in einem seiner Podcasts bin ich nun auch seit einer Weile regelmäßiger Höher.

    Ich habe eine Frage zur Kommunikation der Schiedsrichter mittels Headset. Ich bin mir nicht sicher ob diese Frage in dieser Form bereits gestellt wurde, da ich nicht alle Folgen gehört habe.

    Ist eine funktionierende Kommunikation mittels Headset pflicht das ein Spiel angepfiffen werden kann, bzw. kann/muss ein Spiel angebrochen werden wenn die Kommunikation zwischen dem Schiedsrichter und seinen Assistenten plötzlich nicht mehr funktioniert und die Funktion nicht wiederhergestellt werden kann=> technisches Versagen?

    Beste Grüße

    • Das Headset dient der Erleichterung der Kommunikation im Schiedsrichtergespann, aber es ist nicht unabdingbar für das Spiel und dessen Leitung. (In den Amateurspielklassen beispielsweise wird es gar nicht eingesetzt.) Sollte es also ausfallen, setzen der Schiedsrichter und seine Assistenten die Partie ohne dieses Hilfsmittel fort. Wenn es dann zu Situationen kommt, in denen eine Besprechung sinnvoll oder gar erforderlich ist, muss der Referee eben an die Seitenlinie laufen und ansonsten auf die bewährte Verständigung via Zeichensprache zurückgreifen.

  7. Vielen Dank, dass ihr meiner Frage im Podcast Zeit gewidmet habt. Es war mir eine Ehre. Habt ihr schonmal überlegt “You are the ref” aus dem Guardian in Collinas Erben “aufzulösen”?

  8. Ich möchte Eure Aufmerksamkeit kurz hierauf wenden (an dieser Stelle bitte einen längeren Rant über deutschen Netz-“Journalismus” denken, danke).

    Wenn ich das richtig sehe, dann überschreitet zunächst ein Spieler der ausführenden Mannschaft die Linie (das Video ist schwer an der richtigen Stelle zu stoppen). Somit scheint die formale Voraussetzung, den Strafstoß zu wiederholen, gegeben.

    Jetzt reicht das ja in der Praxis nicht. Hier rennt dieser Spieler aber zielgerichtet an der Kante des Abstandskreissegments (?) los und hat bereits den Strafraum erreicht, als der Ausführende den Ball berührt. Und genau diesen Vorsprung nutzt er dann, um den “Nachschuss” zu verwandeln. Unabhängig von der Ausführung des Strafstoßes selber scheint mir hier ein Fall gegeben, wo man ernsthaft den Strafstoß wegen des zu frühen Hineinlaufens wiederholen lassen sollte. Und zwar aus der einfachen Argumentation heraus: Wenn nicht hier, wann dann? Irgendeinen Restgehalt muss die Regel doch auch bei zurückhaltender Auslegung beinhalten. Seht Ihr das ähnlich?

    Und damit zur eigentlich spannenden Frage: Ist dieser Trick erlaubt? Sprich: Muss der Strafstoß in Torerzielungsabsicht aufs Tor geschossen werden? Muss er überhaupt nach vorne gespielt werden (wie hier geschehen)? Nach meinem Bauchempfinden ist der Trick legitim und das Tor – abgesehen vom zu frühen Hineinlaufen – korrekt erzielt. Das scheint mir auch nicht dem Geist der Regel (Schuhu!) zu widersprechen. Denn der zweite Mann mag dadurch (meistens) weniger Probleme mit dem Torwart haben. Dafür hat er aber, wenn alle wirklich gleichzeitig losrennen, jede Menge Probleme mit den Gegenspielern. Ich sehe nicht, wo sich hier ein unfairer Vorteil erschlichen wird.

    Aber ich habe die Regel nicht mal gelesen.

    Wenn ich das richtig überblicke, dann habt Ihr den Elfer in der Regelkunde noch nicht behandelt, richtig? Das Video ist ja nun kein so wahnsinnig aktuell bewegendes Ereignis. Meinetwegen könnt Ihr eine Antwort auch bis dahin aufheben. Mit dem wie immer besten Dank im Voraus.

    • Eine indirekte Ausführung des Strafstoßes ist zulässig, in der Regel 14 heißt es nämlich lapidar: »Aus deinem Strafstoß kann ein Tor direkt erzielt werden.« Kann, muss aber nicht. Voraussetzung ist, dass der Ball nach vorne gespielt wird – und dass derjenige, der ihn dann übernimmt, bei der Ausführung mindestens 9,15 Meter vom Ball entfernt war. Nun kommt es auf anderthalb oder zwei Meter nicht an, aber hier war der Torschütze bei der Ausführung nur noch etwa fünf Meter vom Ball entfernt. Und da ist die allgemein akzeptierte Toleranzgrenze eindeutig überschritten. Daher hätte es einen indirekten Freistoß für die Verteidigung geben müssen – das ist die vorgesehene Spielfortsetzung, wenn ein Mitspieler des Schützen zu früh vorläuft und der Strafstoß nicht (direkt) verwandelt wird.

  9. Aha, danke schön. Knappe, präzise Antwort, die keine Fragen offen lässt (hier bitte nochmal Rant bzgl… ach, lassen wir das). Super.

    Stimmt, indirekter Freistoß. Du hast das oft genug beiläufig erklärt, aber anscheinend ist dabei bei mir zu wenig hängen geblieben. Die verschiedenen Spielfortsetzungen beim Strafstoß fand ich schon immer schwierig. Wiederholung ist, wenn bei gehaltenem Strafstoß der Verteidiger zu früh reinläuft oder bei verwandeltem der Stürmer, richtig?

    Ich rege an, dieses Beispiel zu nutzen, wenn die Regel in der Regelkunde drankommt (falls das irgendwann passieren sollte). Ich finde, daran kann man eine Menge deutlich machen.

    • Wir werden das Beispiel sicherlich aufgreifen, wenn wir die Regel 14 erörtern, denn es bietet eigentlich alles, was das Herz diesbezüglich begehrt.

      Was Vergehen beim Strafstoß betrifft, gilt folgendes Muster:

      Vergehen des Schützen oder eines Angreifers:
      — Ball geht ins Tor => Wiederholung
      — Ball geht nicht ins Tor => indirekter Freistoß für die Verteidigung

      Vergehen des Torwarts oder eines Verteidigers:
      — Ball geht ins Tor => Tor
      — Ball geht nicht ins Tor => Wiederholung

      Vergehen von Spielern beider Mannschaften:
      — Immer Wiederholung

      Edit 1: Wenn der Ball beim Strafstoß am Tor vorbeigeschossen wird und der Schütze oder ein Mitspieler zuvor ein Vergehen begangen haben, wird in der Praxis kaum ein Schiedsrichter auf indirekten Freistoß entscheiden. Schon deshalb, weil ein Abstoß (zumindest in der Theorie) der größere Vorteil ist – schließlich kann aus ihm ein Tor direkt erzielt werden.

      Edit 2: Wird der Ball beim Strafstoß nicht nach vorne gespielt, gibt es in jedem Fall einen indirekten Freistoß für die Verteidigung.

      • Diese Fragen kommen in jedem Anwärter Lehrgang in der Abschluss-Prüfung immer wieder Jahr für Jahr vor und mein Lehrwart hat uns da auch in der letzten Übungsstunde vor der Prüfung nochmal explizit drauf hingeweisen.

        @ Edit 1: Hier ist Abstoß in jedem Fall die korrekte Spielfortsetzung, wurde auf unserer November und Dezember Sitzung heftigst ausdiskutiert ;-) Das wurde erst vor kurzer Zeit geändert -> indirekter Freistoß ist eine falsche Spielfortsetzung. Aus einem Abstoß kann man ein Tor erzielen -> also maximaler Vorteil für die verteidigende Mannschaft, ich merk mir das immer so.

        • Nein, die falsche Spielfortsetzung ist der indirekte Freistoß nicht – jedenfalls nicht, wenn man das Regelheft zugrundelegt. Dort steht (auf den Seiten 101 bis 103) nach wie vor, dass immer dann auf indirekten Freistoß zu entscheiden ist, wenn entweder der Schütze oder ein Mitspieler gegen die Spielregeln verstößt und der Ball nicht ins Tor geht. Das gilt also eigentlich weiterhin auch für den Fall, dass der Ball am Tor vorbeigeschossen wird. Dass hier neuerdings auf Abstoß erkannt werden soll, geht aus dem Regelheft jedenfalls nicht hervor; es ist eine praxisnähere Auslegung durch den DFB, aber nichts, was offiziell in den Regeln verankert wäre.

          • Lieber Alex,
            meine Frage wurde ja von euch auch ausgiebig im Podcast behandelt -> in einem Haus-Regeltest, der in der Winterpause bei uns im Netz verfügbar ist war “Indirekter Freistoß” die falsche Antwort und gab den kompletten Punktabzug -> ich hatte sonst alle Fragen richtig, mich leicht geärgert und dann hab ich nochmal kurz nachgedacht, warum der Abstoß im Geiste der Regeln die korrekte Antwort hätte sein müssen. Mit der Eselsbrücke “maximaler Vorteil” hab ich es dann schlussendlich auch eingesehen und verstanden.

            Bei sowas muss man dann einfach feststellen, dass solche “praxinahen Auslegungen”, die in keinem Regelheft stehen in keinem Test eigentlich vorkommen dürfen/sollten -> da die Legitimation einfach fehlt.

  10. Moin,
    am Ende der Folge erwähnte Klaas, im Handball pfeife man bei zu frühen Pfiffen einfach weiter.
    Dieses im Handball als “Durchpfeifen” bezeichnete Prinzip gibt es nicht (mehr).
    Mir ist nicht bekannt, ob das jemals von den Regeln gedeckt war. Bis Ende der Neunziger war das zumindest je weiter man nach unten in den Klassen geht hin und wieder mal verbreitet.
    Seit mindestens Anfang des Jahrtausends wurde von allen Seiten massiv geschult das zu unterlassen.
    Mir ist dies in den letzten 10 Jahren (und ich habe da einige Spiele quer durch alle Leistungsstärken gesehen) allenfalls 1-2 mal untergekommen und da lag es meist an schlichtweg schlechten Schiedsrichtern – die meist dennoch besser waren als die Mannschaften die sie pfiffen.

    Hat mit der ganzen Thematik Fußball-SR nix zu tun, aber diese fehlerhafte Info wollte ich nicht unkommentiert lassen :-)

    Grüße und vielen viele Dank für den Podcast!

  11. Hallo,
    ich bin einer der wenigen (der einzige? Hörer von Collinas Erben in Schweden.

    Wenn ich deutschen Fußball sehe ist es mir sehr auffällig, dass es häufig wenig oder gar keine Nachspielzeit gibt.
    Mein Eindruck: Wenn der Sieg quasi schon fest steht (z.B. 4-1) pfeift der Schiri bei 90 einfach ab. Egal ob fünf Auswechslungen und zwei Spielunterbrechungen wegen Verlätzungen in der 2. Halbzeit waren. Das habe ich in England, Schweden, Frankreich oder Spanien nicht gesehen.
    Warum ist es so in Deutschland? Wie sehen die Richtlinien aus?

    Neugierig wie ich bin würde ich gern auch mal wissen: Duzen oder Siezen auf dem Feld?
    (In Schweden haben wir das Problem nicht, wir sagen immer du. Es sei denn, der König spielt mit…)

    Beste grüße aus Dalsjöfors, Schweden
    Erik

    PS: Ein Tip hätte ich auch noch. Wenn eine Münze vorm Anpfiff fehlen würde, lass einfach die Spielführer raten wie schwer das Schiedsrichterteam insgesamt ist. Das sorgt auf jefen Fall für Lachen und eine entspannte Atmosphäre. Der, der am wenigsten Kilos schätzt kriegt den Anstoß :)

    PS2: Warum hört ein Schwede einen deutschen Schiedsrichterpodcast? Ich habe früher in Berlin gewohnt. Jetzt Deutsch zu hören hilft mir die Sprache lebendig zu halten. Außerdem bin ich selbst Schiedsrichter in der 6. Liga und Linienrichter in der 4.
    Vielen Dank für euren tollen Podcast!

    • Viele Grüße nach Schweden! Wir freuen uns sehr, auch dort (einen) Hörer zu haben. Allzeit Gut Pfiff für dich!

      Das Thema Nachspielzeit und der Frage, warum sie in der Bundesliga meist kürzer ausfällt als in anderen europäischen Ligen, hatte ich kürzlich in unserer Spieltagskolumne für n-tv.de angesprochen, deshalb verweise ich hier mal darauf: http://www.n-tv.de/sport/fussball/collinas_erben/Schmidt-aergert-Schalker-Stark-scheidet-aus-article14201301.html

      Zu deinem Beispiel möchte ich aber noch etwas sagen: Wenn ein Spiel tatsächlich klar entschieden ist und beide Mannschaften mir gegenüber hinreichend deutlich machen, dass ihnen nichts an einer Nachspielzeit liegt (man hört dann gegen Ende gerne von verschiedenen Spielern: »Komm, Schiri, pfeif ab« oder merkt es ganz einfach an der beiderseitig immer leidenschaftsloser werdenden Spielweise), dann kommt da – sofern keine absolut zwingenden Gründe dagegen sprechen – vielleicht noch eine Anstandsminute drauf, und gut ist. Nach meiner Erfahrung ist diese Praxis im Sinne der Spieler und auch allgemein akzeptiert.

      Zum Siezen oder Duzen: In irgendeiner Folge (in welcher, weiß ich gerade leider nicht) haben wir darüber mal länger gesprochen. Knut Kircher hat in der Sky-Doku »Das 19. Team der Bundesliga« klar für das Sie plädiert, und damit liegt man in aller Regel auch nicht falsch, schon weil man so in jedem Fall eine professionelle Distanz zu den Spielern aufbaut. Ich selbst praktiziere in der Ansprache eine Mischung aus Sie und Du – es ist allerdings schwierig zu erläutern, wann mir das Sie und wann mir das Du sinnvoller erscheint. Das hängt nicht zuletzt von der Situation und dem Spielertypus ab. Nach meiner Erfahrung erreicht man den einen Spieler mit einem Du deutlich besser, während ein anderer alles andere als ein Sie als unangemessen oder gar herablassend empfinden würde. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber auch neutrale Ansprachen an (»Nummer acht, bitte mal zu mir!).

      Der Vorschlag für die Seitenwahl ist übrigens großartig! Ich glaube, beim nächsten Mal vergesse ich die Münze einfach absichtlich.

  12. Folgende Situation: Im laufenden Spiel hat ein Spieler von Team Blau den Ball am Fuß. Er stoppt den Ball, bückt sich und macht eine Geste, als wolle er den Ball in die Hand nehmen und aufheben. Der ihn angreifende Spieler von Team Rot bleibt völlig perplex stehen, er ist offensichtlich verunsichert. Ist das Spiel unterbrochen, hat er was nicht mitbekommen? Das nutzt der Spieler in Blau, zieht wieder an und geht an dem Roten vorbei.

    Meine Frage: kann man das Verhalten von Blau als Unsportlichkeit werten? Oder eher als zulässige Finte?

      • Ist diese Schlussfolgerung wirklich zwingend? Kann nicht auch ein Verhalten, dass nicht explizit unter Strafe steht, dann bestraft werden, wenn der Gegner oder das Spiel an sich lächerlich gemacht wird? Andernfalls hätte dieser, ich sach mal, Auffang-Tatbestand doch gar keinen Inhalt?

        Darüber hinaus würde ich persönlich dies in genau diesem Beispiel auch so sehen. Das empfinde ich als einen klareren Fall des Lächerlich-Machens als das beliebte Beispiels des Ball mit dem Kopf über die Torlinie schieben.

        Schon aus taktischen Gründen. Sonst bin ich nämlich als Gegenspieler gezwungen, weiter nach dem Ball zu arbeiten, wenn ich selber keine Unterbrechung wahr genommen habe. Und zwar auch dann schon, wenn ich mir nicht sicher bin. Sobald das in Mode kommt klingt mir das nach unschönen Szenen.

        • Nein, dieses Verhalten ist völlig regelkonform. Ich sehe hier auch nicht, dass der Gegner lächerlich gemacht wird. Es mag einen gewissen Graubereich zwischen Finte und Verhöhnung geben, aber ich kann hier lediglich einen Trick erkennen, dessen Scheitern übrigens durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Außerdem: Klappt eine Finte, dann sieht der Gegner nun mal selten glücklich aus. Und bitte: Abpfeifen, weil der eine so tut, als wolle er eine Regelübertretung begehen, und der andere darauf reinfällt und dann blöd aus der Wäsche guckt? Ach Gottchen, dann soll er sich halt nicht leimen lassen und einfach weiterspielen – unterbrochen ist, wenn der Schiedsrichter pfeift, vorher nicht. Mich erinnert das eher an die Spieler, die die Hand heben, weil sie glauben, der Gegner steht im Abseits. Selbst schuld, wer sich davon irritieren lässt.

          • Klar, das ist eine Wertungssache. Und ich finde Deine Einschätzung nicht völlig von der Hand zu weisen. Aber das ist der zweite Schritt. Der erste Schritt ist doch:

            Ist “Zulässige Finte, schon weil versuchtes Handspiel nicht strafbar ist. Deshalb (…) auch keine Unsportlichkeit” eine korrekte Schlussfolgerung? Gibt es diesen Automatismus? Oder kann nicht eine Handlung eine Unsportlichkeit sein, obwohl sie gegen keine Spielregel verstößt?

            Deine inhaltliche Argumentation zur Abgrenzung gegen diesen Graubereich lässt mich ahnen, damit nicht völlig falsch zu liegen.

          • Ich glaube, jetzt habe ich dich besser verstanden. Grundsätzlich ist es in der Tat so, dass eine Handlung unsportlich sein kann, obwohl sie nicht als solche gegen die Spielregeln verstößt. So ist es ja auch – du hast es bereits erwähnt –, wenn ein Angreifer alle Gegner ausgespielt hat und sich dann vor dem leeren Tor auf den Boden legt, um den Ball mit dem Kopf über die Linie zu befördern.

            Nur wäre ich im vorliegenden Fall nicht mal entfernt auf die Idee gekommen, dass die von Sir Henry beschriebene Handlung als Unsportlichkeit aufgefasst werden könnte. Das ist für mich vielmehr der klassische Fall einer Finte. Der Gegner wird, auf gut Deutsch gesagt, verarscht. Und ich möchte nicht, dass es für so etwas schon die Gelbe Karte gibt. Sonst diskutieren wir als Nächstes darüber, ob man nicht vielleicht auch bei einem gezielten Beinschuss… Nee, bitte nicht.

            Oder nimm den skurrilen Freistoßtrick beim WM-Spiel der Deutschen gegen Algerien. Was hat Müller da gemacht? Er hat sich freiwillig langgelegt, um die Gegner zu irritieren. Könnte man dann auch als Unsportlichkeit einstufen. Aber auch das war eine Finte, um den Gegner auszuspielen. Beim Tor im Liegen mit dem Kopf dagegen ist der Gegner bereits ausgespielt, und dann ist das keine Finte mehr, sondern eine gezielte Demütigung. Und das finde ich etwas anderes.

  13. Hallo…

    Zuerst möchte ich mich für den tollen Podcast bedanken und hätte mal eine Frage, die ich unter die Überschrift stellen möchte:

    Kann der Schiedsrichter einen Spieler aufgrund eines Regelverstoßes verwarnen?

    Was ich damit meine, möchte ich an einem Beispiel erläutern:
    Und zwar hat Mannschaft A einen indirekten Freistoß vor dem eigenen Strafraum aufgrund einer Abseitsposition von Mannschaft B. Der Torwart von Mannschaft A führt den Freistoß aus und spielt den Ball zu einem Verteidiger. Dieser passt jedoch nicht auf, weshalb ein Stürmer von Mannschaft B den Pass abfangen und ins Tor schieben will. Jetzt ist aber der Torwart regelfest und weiß, dass er den Ball eigentlich nicht noch einmal berühren dürfte, bevor ihn ein anderer Spieler berührt. Also rennt dem Ball hinterher und berührt ihn auch vor dem Stürmer.
    Im Endeffekt hat er jetzt absichtlich eine klare Torgelegenheit verhindert…
    Eine Ähnliche Situation wäre doch auch bei einem Abstoß, wenn der Torhüter den Ball knapp vor dem Stürmer, der außerhalb vom Strafraum wartet, noch innerhalb des Strafraums ein zweites Mal spielt.
    Was sieht hier die Regel vor?

    Dankeschön und Grüße aus der Kreisliga ;)

    • Dass der ausführende Spieler den Ball kein zweites Mal spielen darf, bevor ihn ein anderer Spieler berührt hat, ist bei jeder Spielfortsetzung so. Ein Verstoß wird aber nicht als Unsportlichkeit gewertet, sondern lediglich mit einem indirekten Freistoß geahndet, also nicht auch mit einer Verwarnung. Hierbei spielt nicht zuletzt eine Rolle, dass aus einem Vorteil kein Nachteil werden darf. Soll heißen: Wenn eine Mannschaft nach einer Spielunterbrechung den Ball wieder ins Spiel bringen darf, hat der Gegner vorher zwangsläufig irgendetwas getan, was ihn um den Ballbesitz gebracht hat (den Ball ins Aus geschossen, ein Foul begangen, den Ball absichtlich mit der Hand gespielt). Deshalb zieht auch jede Spielfortsetzung, bei der der ausführende Spieler den Ball direkt ins eigene Tor schießt (oder wirft), keine Torentscheidung nach sich, sondern einen Eckstoß.

      Und deshalb gibt es auch in deinem Beispiel nur einen indirekten Freistoß, aber keine Karte, weder die Gelbe noch die Rote. Hier liegt aber auch kein Fall einer verhinderten klaren Torchance vor. Denn der Angreifer war nicht im Ballbesitz, und wenn der Torwart den Ball mit einer fußballtypischen Handlung vor ihm erreicht hat (wozu das Spielen des Balles gehört, selbst wenn er es nicht durfte), dann ist keine eindeutige Torchance gegeben. Übrigens wird nicht mal ein verletzter Spieler oder ein Auswechselspieler, der sich neben seinem eigenen Tor aufhält und einen Ball, der ansonsten unzweifelhaft ins Tor gegangen wäre, mit dem Fuß wegbefördert, vom Platz gestellt. Die Begündung lautet auch hier: Für fußballtypische Handlungen wird ein Spieler nie mit einer Karte bestraft, auch dann nicht, wenn er damit ein klares Tor verhindert. Deshalb gibt es in einem solchen Fall nur einen indirekten Freistoß und eine Gelbe Karte für das unerlaubte Betreten des Platzes.

      • Und noch eine Nachfrage: Das Spielen des Balles mit dem Fuß ist eine Fußballtypische Handlung. Ich glaube mich zu erinnern dass ein Auswechseltorwart den Ball auch nicht mit der Hand aufhalten darf, also dafür rot bekäme. Liegt das im Endeffekt daran, dass er nicht der Torwart ist (weil der wird ja bestimmt und dem Schiri mitgeteilt) oder daran dass Handspiel an sich keine Fußballtypische Handlung ist? Also, um die Frage auf den Punkt zu bringen: Was wäre, wenn der Torwart den Ball erst anspielt damit ihn der Verteidiger mitnehmen kann, das noch im Sechzehner ist, der Verteidiger den Ball verpasst/nicht berührt und sich der Torwart dann auf den Ball wirft?

        • Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Frage genau verstanden habe. Also: Freistoß außerhalb des Strafraums, der Torwart spielt den Ball in seinen Strafraum und wirft sich dort dann auf den Ball, richtig? Falls es so gemeint sein sollte: Indirekter Freistoß für den Gegner, wo der Ball zum zweiten Mal berührt wurde. Der Torwart kann im eigenen Strafraum kein Handspiel verursachen, deshalb kann es hier keinen Strafstoß geben.

  14. Hallo euch beiden.

    Ich wollte mal fragen ob ihr im nächsten podcast nochmal auf den Freistoßspray eingehen könntet. Wurde er am 18. Spieltag in Augsburg bei Schneesturm benutzt und ist der Schaum dünner wegen den Temperaturen oder wurde der überarbeitet? Es ist ja nur noch ein fast unsichtbarer Strich.

    Und zum Thema Videobeweis könnte ich mir Vorstellen das das bei vielen Trainern ja auch zu mehr Vertrauen beitragen könnte. Denn ein Großteil der Entscheidungen sind ja richtig und wenn die Trainer denn ständig sehen das alles oder fast alles richtig gesehen wurde konzentrieren sie sich vielleicht doch wieder mehr auf ihr Mannschaft und nicht auf den Schiri der ja wieder ach so schlecht gepfiffen hat.

    Bitte macht weiter. Es gibt mir als doofen Fussball Fan auch eine andere Sicht auf die Schiris und die Entscheidungen. Ich muss oft an eure Erklärungen denken und rege mich fast nur noch über meine Mannschaft und nicht mehr über den Schiri auf. Gut was beim HSV auch nicht so schwer ist ;-)

    Also Lg QB

    • Im Podcast werden wir das Thema Freistoßspray eher nicht noch mal aufgreifen, deshalb antworte ich hier. Bei kalten Temperaturen zickt das Spray gewaltig, und dann kommt nur noch eine dünne Linie dabei heraus. Woran das liegt, mögen Chemiker erklären; dass es so ist, wurde schon kurz nach der Einführung verkündet. Und weil oft danach gefragt wird: Nein, es gibt bislang kein farbiges Spray, wenn Schnee fällt. Wenn die Sprühdose also nicht richtig funktioniert oder wegen des weißen Untergrunds ohnehin nicht gebraucht werden kann, muss sich der Schiedsrichter eben so behelfen, wie er das jahrzehntelang getan hat: Er stellt die Mauer einfach ohne Schaum.

      EDIT: Inzwischen habe ich erfahren, dass in der Winterpause beim Freistoßspray der Anbieter gewechselt worden ist. Die dünnen Linien erklären sich also nicht aus der Veränderung der Konsistenz des Sprays bei Kälte.

  15. Hallo zusammen,

    ich hätte mal eine Frage zum vergangenen Spiel Bayern – Schalke. Vor dem zum 1-0 führenden Eckball der Bayern war der Ball nach Ansicht der TV-Bilder mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht im Aus. Muss man dann nicht fragen, ob Lewandowski im Abseits stand, und man statt Eckball das Spiel mit Freistoß Schalke hätte fortsetzen müssen? Lewandowski bekommt den Ball nahe der Auslinie zwar von Nastsasic zugespielt, aber dieser spielt den Ball meiner Ansicht nach unabsichtlich (?), so dass ein strafbares Abseits vorliegt (vorliegen könnte). Könnt ihr das vielleicht aufklären?

    Vielen Dank!

    • Nein, es war kein Abseits (und kann auch gar keines gewesen sein). Der Ball wird ja von Lewandowski selbst hineingegeben und dann von einem Schalker wieder zu ihm gespielt. Ob absichtlich oder nicht, ist in diesem Fall unerheblich. Der ballführende Spieler kann sich auf keinen Fall selbst ins Abseits spielen, indem er den Ball abspielt und dann von einem Gegner wieder erhält.

  16. google hat mir bei dieser Frage leider gar nicht weiterhelfen können, oder ich habe die falschen Suchbegriffe genutzt..
    habe gerade auf
    http://www.n-tv.de/sport/fussball/collinas_erben/Fataler-Fehltritt-unflaetiges-Fluchen-article14476906.html
    von der unberechtigten Tribünenverbannung Roger Schmidts gelesen.
    was passiert eigentlich wenn ein Trainer diesem nicht folge leisten würde sondern sich einfach still auf seinen Platz setzt und die Fehlentscheidung nicht akzeptiert?
    Es gibt ja keinerlei Instanz die unter Einsatz von Gewalt berechtigt wäre die Verbannung durchzuführen.
    Spielabbruch? klingt irgendwie ziemlich hart dafür.. wie sieht die Strafe im nachhinein dafür aus, gerade wenn es auf einer Fehlentscheidung beruht?

    • Wenn der Trainer nicht gehen will, bekommt er eine Frist von vielleicht einer oder zwei Minuten gesetzt, außerdem wird der Kapitän der Mannschaft eingeschaltet. Wenn er sich weiterhin weigert, wird das Spiel abgebrochen. Ob der Verweis auf einer Fehlentscheidung beruht oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Den Anweisungen des Schiedsrichters ist Folge zu leisten.

    • Direkt von einer Fehlentscheidung oder Ungerechtigkeit zu reden, nur weil der Trainer dem Schiedsrichter nicht in die Augen schaut, während er ihn beschimpft, halte ich aber auch für übertrieben. Es war ja offenbar laut genug, dass der Vierte Offizielle es hören konnte. Und Tobias Stieler ist nun auch kein totaler Anfänger – der wird schon zu beurteilen wissen, was er noch durchgehen lassen kann und was nicht.
      Was Selbstkritik nach eigenen Verfehlungen angeht, sind Trainer häufig uneinsichtiger als die meisten Spieler, insofern würde ich da auf die Unschulds-Aussagen von Herrn Schmidt auch nicht allzu viel geben.

      • Na ja, na ja. Solche Situationen kennt wohl jeder Schiedsrichter: Ein Trainer oder Spieler schimpft vor sich hin – durchaus auch unflätig und über den Unparteiischen –, ohne dabei jemanden anzugucken oder anzusprechen. So was ist zwar unangenehm, weil man im Grunde ja weiß, dass man gemeint ist, und die Tirade vielleicht sogar hören soll. Aber da stellt man dann doch besser auf Durchzug. Ehrlich: Die Begründung »unflätiges Vor-sich-hin-Schimpfen« für einen Platz- oder Innenraumverweis habe ich noch nie gehört (zumindest nicht in der Bundesliga), und ich finde sie auch ziemlich dürftig. Mir kommt die Reaktion des Vierten Offiziellen dünnhäutig vor, und ich hatte nicht den Eindruck, dass sie ohne Alternative war.

        • Hm, na wenn du meinst. Ich bleibe trotzdem skeptisch – wenn sich mit Tobias Stieler und Peter Sippel zwei erfahrene BuLi-Schiedsrichter darüber einig sind, dass der Mann auf die Tribüne gehört, dann wird da schon irgendwas dran sein. ” Vor sich hinschimpfen” ist sicherlich nichts ungewöhnliches. Wenn dann zu so einer Maßnahme gegriffen wird, darf man wohl davon ausgehen, dass da Worte gefallen sind, die ein Schiedsrichter auch einfach nicht mehr überhören mag.

  17. Jerome Boateng ist ja gegen Schalke mit einer roten Karte (Notbremse) vom Platz geflogen. Die ursprüngliche Strafe waren 3 Spiele Sperre. Diese wurde nun auf zwei Spiele reduziert: http://www.sportschau.de/fussball/bundesliga/kommentar-dfb-sportgericht-rotsperre100.html

    Soweit, sogut. Allerdings hat mich der Satz “… ein weiteres dafür, dass der folgende Strafstoß nicht zu einem Tor geführt hatte …” verwirrt. Es gibt nicht wirklich ein Spiel Sperre zusätzlich wenn der Elfmeterschütze so kläglich versagt wie der Schalker, oder?

    Falls das doch stimmt: Warum? Boateng wird dafür bestraft, dass der Schalker Spieler unfähig ist?

    Das würde ja auch ganz neue taktische Möglichkeiten eröffnen:
    – Team A führt hoch und ein Spieler begeht eine Notbremse, fliegt vom Platz und es gibt 11m. Der Torhüter stellt sich neben das Tor und lässt den Schützen den 11er verwandeln. Somit verkürzt sich die Sperre um ein Spiel und der Spieler steht schneller wieder zur Verfügung.
    – Team A führt hoch, ein Spieler von Team B begeht eine Notbremse und verursacht einen 11m. Der Schütze spielt einen “Rückpass”, so dass der Torhüter den Ball sicher halten kann. Durch den verschossenen 11m verlängert sich die Sperre für den Spieler aus Team B um ein Spiel. Damit könnte man z.B. einen direkten Gegner (Abstiegskampf, Meisterschaft, Europa-Plätze) schwächen und seine Ausgangslage verbessern.

    • Die Normsperre nach einer »Notbremse« im Strafraum beträgt zwei Spiele. Wenn der folgende Strafstoß verwandelt wird, reduziert sich die Strafe jedoch auf ein Spiel, weil die Verhinderung der klaren Torchance nicht zum beabsichtigten »Erfolg« geführt hat. Wird der Elfmeter verschossen, bleibt es bei zwei Spielen. Das ist übrigens schon eine ganze Weile so.

      Was deine Szenarien betrifft, erst einmal eine Klarstellung: Der Torwart darf sich beim Strafstoß nicht neben das Tor stellen, er muss auf der Linie stehen und dem Schützen das Gesicht zuwenden. Aber er wird natürlich eine legale Möglichkeit finden, den Elfmeter ins Tor zu lassen, klar.

      Die taktischen Optionen, von denen du sprichst, gibt es tatsächlich. Ich sehe darin allerdings nichts Verwerfliches oder Unsportliches, sondern ein legitimes taktisches Ausnutzen der Regelsituation. Dass man da auch anderer Ansicht sein kann, weiß ich natürlich, aber ich teile das nicht. Für mich ist die Regelung so, wie sie ist, in Ordnung.

      • Ok, in dem Fall waren also die Presseberichte schlecht formuliert. Meiner Meinung nach ist es doch ein Unterschied zwischen “Regelsperre 2 Spiele, wenn Tor -> ein Spiel weniger” und “Regelsperre 1 Spiel und wenn Spieler zu dumm -> ein Spiel oben drauf”.

        Ich gehe auch mal davon aus, dass der Torhüter bei regelkonformer Aufstellung beim Strafstoß es irgendwie schaffen könnte, den Ball ins Tor zu lassen. Ebenso der Schütze den Strafstoß irgendwie unerfolgreich zu gestalten. Beim zweiten Fall wäre noch interessant ob der Ball vom Torwart gehalten werden muss, oder ob auch am Tor vorbeischießen zur vollen Sperre führt.

        Ich bin ja gespannt, ob ein Team diese Regelmöglichkeiten mal ausnutzt. Da kann ich ja irgendwie schon die Moralapostel “unsportlich unsportlich” rufen hören und Argumentationen mit dem “Geist der Regeln”.

        Ist diese Regel also absolut fest, dass auch die Moralapostel keine Chance haben? Man stelle sich nur vor, es geht am Ende der Saison um die Wurst für den Gegner, man selbst ist mit der Saison durch. Der Schütze legt sich den Ball auf den Punkt, läuft an und zimmert den Ball in Richtung der Eckfahne. Es ist für alle offensichtlich, dass er nie die Absicht hatte den Strafstoß zu verwandeln und einzig und alleine wollte, dass die Sperre für den vom Platz gestellten Spieler voll durchschlagen wird. Wenn dann die Regel befolgt wird, kann der Strafstoßschütze in diesem Fall noch wegen unsportlichem Verhalten belangt werden (vom Schiedsrichter im Spiel oder von Gremien danach)?

        • Hier habe ich das Ganze noch mal ausführlicher dargelegt: http://www.n-tv.de/sport/fussball/collinas_erben/Warum-Strafrabatt-kein-Unsinnsurteil-ist-article14486586.html

          Wenn es einen begründeten Verdacht auf unsportliches Verhalten oder die unsportliche Umgehung einer Regel gibt, wird der DFB-Kontrollausschuss im Zweifelsfall Ermittlungen aufnehmen. Wie so etwas ausgehen würde, vermag ich nicht einzuschätzen, weil es nach meiner Kenntnis bislang noch keinen vergleichbaren Fall gab.

          • Noch etwas zu den beiden Szenarien, die du aufgemacht hast:

            Fall 1: Wenn ich hoch führe, überlege ich mir doch zweimal, ob ich die Notbremse ziehe und damit eine Sperre riskiere. Wenn ich es tue, dann doch vermutlich deshalb, weil mir ein gegentorloses Spiel wichtig ist – sogar wichtiger, als auch im nächsten Spiel unbedingt dabei zu sein. Andernfalls kann ich auch wegbleiben, dann trifft der Gegner wahrscheinlich, das Spiel wird aber trotzdem gewonnen, und ich darf weiter mitspielen. Klar, es ist denkbar, dass die Notbremse aus einer unglücklichen Aktion, einer Unachtsamkeit oder einem Kurzschluss resultiert. Dann sagen vielleicht meine Mitspieler: Mach dir nichts daraus, unser Torwart lässt den Elfer jetzt rein, und du musst nur einmal aussetzen. Ich fände das aber nicht verwerflich, schließlich hat die Mannschaft sich ja eine komfortable Führung erarbeitet, dann soll sie sich jetzt halt den Luxus eines Gegentreffers leisten, wenn dafür der Mitspieler nur einmal pausieren muss.

            Fall 2: Der Tabellenführer spielt gegen den punktgleichen Zweiten und liegt kurz vor Schluss mit 3:0 in Führung. Nur zieht ein besonders guter und wichtiger Spieler des Verfolgers auch noch im Strafraum die Notbremse, der Tabellenführer hat also die Möglichkeit, mit einem verwandelten Strafstoß auf 4:0 davonzuziehen. Sein Schütze schießt den Elfer aber absichtlich schlecht, weil es ihm lieber ist, dass der Spieler des direkten Konkurrenten, der die Rote Karte gesehen hat, ein Spiel länger gesperrt wird. Auch das fände ich ein legitimes Ausnutzen des geltenden Rechtslage. (Im Beispiel könnte theoretisch natürlich der kuriose Fall eintreten, dass der gegnerische Torwart sich denkt: Ich lass den Ball lieber rein, verloren haben wir sowieso, und wichtiger ist es, dass XY nur für ein Spiel gesperrt wird. Aber dieser Fall ist unwahrscheinlich, weil der Schütze den Ball dann wahrscheinlich in die Wolken dreschen würde.)

            Wie man es auch dreht und wendet: Ich finde keinen Fall, in dem eine Situation entstehen könnte, bei der auf der Grundlage der geltenden Rechtslage ein wirklicher Skandal herauskäme.

      • Hätte da noch eine Frage, hoffe sie wurde noch nicht gestellt: Gilt das nur bei einem Elfmeter? Was ist wenn es einen Freistoß gibt, da es, sagen wir mal der Torhüter kurz vor dem Torraum war, der angeblich mit der Hand den Ball abgewehrt hat? Und dieser Freistoß geht dann direkt oder indirekt rein.

        Und wenn ich schonmal dabei bin, was wäre mit einem Trick-Elfmeter? Der Spieler läuft an, einer seiner Mitspieler außerhalb des Sechzehners auch, mit etwas anlauf, der Elfmeterschütze spielt nach links vorne und der Andere macht ihn dann rein. Würde der Notbremsende dann auch zwei Spiele Sperre bekommen?

        • Laut »Kicker« gilt das auch bei Freistößen (der DFB hat das nicht explizit so gesagt, aber ich gehe mal davon aus, dass die Information stimmt). Und was indirekt ausgeführte oder erst im Nachschuss verwandelte Strafstöße betrifft: Soweit ich weiß, gibt es auch in solchen Fällen den Strafnachlass.

  18. Zwei Fragen

    In einer der letzten Sendungen wurde das Thema aufgegriffen, was passiert, wenn ein Spieler Gelbwürdig foult, es Vorteil gibt und derselbe Spieler noch mal gelbwürdig pfeift. Die logische Antwort war. ERst Gelb, dann Gelb-Rot. Entspricht es aber nicht dem Sinn der Gelben Karte, dass sie eine Art Warnung ist, der Spieler in Zukunft aufpassen muss. Diese Warnung hat es im vorliegenden Fall nicht gegeben.

    Warum gibt es den Unterschied Spieler verhindert sichere Chance – Rot
    Spieler erzielt durch absichtliches Handspiel ein Tor – Gelb

    Wartend auf die nächste Sendung;)
    Frankfurter Löwe

    • Wir werden leider erst am 23. Februar wieder zum Podcasten kommen, und dann werden schon die ganzen Spiele in der Zwischenzeit viel Stoff geboten haben, weshalb ich nicht ganz sicher bin, ob wir dann auch gleich zu deinen Fragen kommen. Deshalb hier vorab in aller Kürze:

      1. Wenn ein Spieler ein verwarnungswürdiges Foul begeht und dann auf Vorteil entschieden wird, versuche ich als Schiedsrichter, wenn es möglich ist, dem Spieler die Verwarnung noch während des laufenden Spiels mündlich anzukündigen (»Vorteil, aber in der nächsten Unterbrechung gibt es Gelb!«). Wenn das nicht geht, ist das eben so. Die Alternative wäre, entweder auf den erfolgversprechenden Vorteil zu verzichten (was für die Mannschaft von Nachteil wäre, die ihn bekäme) oder dem Spieler, der das Foul begangen hat, gewissermaßen einen Freibrief für die nächste Unsportlichkeit auszustellen. Beides kommt nicht in Frage und ist auch nicht im Sinne der Regeln. Der Spieler muss sich also zurückhalten, wenn er merkt, dass nach einem Foul von ihm auf Vorteil entschieden wird, und mit einer Gelben Karte rechnen. Anders ist das nicht zu lösen.

      2. Der Sinn eines Fußballspiels ist das Erzielen von Toren. Die unfaire Zerstörung dieses Sinns wiegt schwerer, als ihm mit unfairen Mitteln nachzuhelfen. Deshalb gibt es für Ersteres Rot und für Letzteres nur Gelb.

    • In der letzten Saison beim Spiel Bayern – Schalke stand es 4:1, das Spiel war gelaufen. Nun begeht Papadopoulos eine Notbremse im Strafraum. Robben verwandelte damals sicher zum 5:1-Endstand. Hier hat doch niemand ernsthaft dran gedacht:
      a) Robben: Das Ding mit Absicht drüber zu semmeln damit S04 in der Folgezeit Papadopoulos einmal mehr ersetzen muss
      b) Fährmann: Das Ding mit Absicht durchzulassen, damit S04 im übernächsten Spiel wieder auf Papadopoulos bauen kann

      So Fälle gab es durchaus schon…die Sperre betrug damals ein Spiel.

  19. Hi!

    @Alex (18:33)
    Hmm…, ab wann beginnt denn für Dich der Begriff “Spielmanipulation” zuzutreffen?
    Für mich fängt er dann an, wenn ich bewusst ein schlechteres Spielergebnis herbeiführe.
    Und genau das wäre bei dem 2.Fall m.E. der Fall.

    Zum Thema Boateng:
    Ich bin ja kein Sportjournalist, deshalb habe ich mich mal schlau gemacht, welche Fälle es im letzten Jahr gegeben hat, auf die der Kommentar von Lorenz zutrifft (“Verzicht auf den Zuschlag bei Vorbelastung”). Gefunden habe ich Almog Cohen (20.Spieltag 13/14, Tätlichkeit), Javier Pinola (26.Spieltag 13/14, Notbremse ohne Torerfolg) und Georg Niedermeier aus dem aktuellen Podcast (ebenfalls Notbremse ohne Torerfolg). Alle 3 Fälle wo die geringe Sperre darauf hindeutet, dass der Kontrollausschuss zu dem Ergebnis gekommen ist, dass die Rote Karte als “Fehlentscheidung” zu werten ist und deshalb nur die vorgeschriebene Mindestsperre verhängt wurde. Völlig nachvollziehbar, dass bei “Fehlentscheidungen” keine Strafverschärfung vorgenommen wird.
    Und jetzt wird die Nicht-Strafverschärfung auf die Notbremse ausgeweitet? Das bedeutet doch de facto, dass der Platzverweis bei Notbremse als “Fehlentscheidung” gewertet wird. Hört sich für mich reichlich absurd an.
    Der DFB hat ja vor einiger Zeit eine 180Grad-Drehung vollzogen und prangert diese Notbremsenregelung als falsch an (gibt einen sehr lesenswerten Artikel des ehem.(?) Herausgebers der DFB-Schiedsrichterzeitung in dem erläutert wird, warum die Notbremsenregelung sehr vernünftig ist, leider habe ich den Link im Moment nicht zur Hand), wird jetzt versucht über die Sportgerichtsbarkeit Fakten zu schaffen?
    Soweit ich das richtig verstanden habe, habt ihr Kontakt zum Kontrollausschuss, eine Bewertung dieser Ausweitung fände ich interessant.

    PS: Auch ich vermisse den Podcast. :)

    • Wie gesagt: Für mich ist das ein legitimes taktisches Ausnutzen der Regelsituation. Ich kann zwar diejenigen verstehen, denen dabei nicht wohl ist, aber ich finde es nicht verwerflich. Und halte die Debatte darüber, wie sie beispielsweise von der Bild-Zeitung befeuert wird, übrigens auch für einigermaßen überzogen und an der Sache vorbei. Solche Extremfälle wird es, wenn überhaupt nur äußerst selten geben, während das Prinzip, das der Regelung zugrunde liegt, zu begrüßen ist: Großchance unfair verhindert? Dann raus und ein Spiel Sperre, wenn das Tor durch den Elfmeter doch noch fällt (die Notbremse also nicht zum »Erfolg« geführt hat), sowie zwei Spiele, wenn es nicht fällt. Genau richtig.

      Und der Begründung von Lorenz entnehme ich nicht, dass man Feldverweise nach Notbremsen grundsätzlich falsch findet und über die Sportrechtspraxis Fakten zu schaffen versucht. Man will hier nur keine Strafverschärfung bei einer Vorbelastung. Damit kann ich gut leben, schließlich liegt bei einer unfairen Tor(chancen)verhinderung meist kein rohes Spiel vor. Mit meinem Rechtsempfinden geht es völlig konform, wenn man grundsätzlich sagt: Ein Spiel Sperre, wenn der Ball doch noch reingeht, zwei Spiele (also die Normsperre), wenn nicht. Drei Spiele wie bei Boateng finde ich schon eine ganze Menge. So viel bekommst du für manche Tätlichkeit nicht.

      Das Kontrollausschussmitglied werden wir zum Podcast einladen, sobald wir genügend Geld für ein drittes Headset zusammen haben. Die Zusage des Betreffenden haben wir schon, er selbst hat auch bereits die Genehmigung des DFB bekommen. Dauert aber eben leider noch ein bisschen.

      • Wieso kann man dieses Interview nicht zu zweit einfach schon mal führen und dann in eine Folge mit einbauen ? Versteh das Problem nicht, weshalb da die Finanzierung des Equipments für sowas wichtiges (finde ich jedenfalls) Vorrang hat. Das Geld für das dritte Headset wird schon irgendwann da sein…da mach ich mir wenig Sorgen, aber dieses Gespräch hätte doch schon längst stattfinden können, richtig ?

        • Lieber Sebastian, bei allem Verständnis für deine Ungeduld: Wir betreiben den Podcast in unserer Freizeit und sind kein bezahltes Serviceunternehmen, das eine Verpflichtung gegenüber seiner Kundschaft hat. Wir würden gerne beide gemeinsam mit dem Mitglied des Kontrollausschusses sprechen, das Ganze also zu dritt aufnehmen – so, wie wir es mit Sascha Stegemann und Laura Duske auch getan haben (damals noch mit dem Tischmikro, dessen Verwendung aber nicht mehr in Frage kommt, weil wir hinsichtlich der Aufnahmequalität nicht mehr hinter den derzeitigen Stand zurückfallen möchten). Das hat konzeptionelle und inhaltliche Gründe, es geht nicht einfach nur um ein Frage-Antwort-Spiel, sondern um ein Gespräch, bei dem Klaas und ich auch unterschiedliche Herangehensweisen, Themen und Schwerpunkte haben (und das im Übrigen auch sorgfältig vorbereitet werden muss – einfach mal drauflosplaudern ist nicht). Wie dringlich so etwas ist, das ist eine Entscheidung, die wir uns vorbehalten; wichtiger als das Thema Sportrecht sind für uns die Fußballregeln und die Schiedsrichterei. Also: Alles zu seiner Zeit.

          • Dann habe ich da wohl etwas falsch verstanden -> Entschuldige vielmals.
            Ich hoffe inständig, dass das Gespräch dann auch sehr bald veröffentlicht wird und es im redaktionellen Bereich (von Seiten des DFB) nicht so eine Verzögerung wie bei Sascha Stegemann geben wird.

  20. Hm, wenn eine Notbremse zwar versucht wird, aber nicht erfolgreich ist – das Tor also trotzdem fällt – dann wird ja während des Spiels aufgrund der Vorteilsregelung gar kein Platzverweis ausgesprochen. Das könnte man dann ja konsequent weiterdenken und den Platzverweis gleich davon abhängig machen, ob der Elfer verwandelt wird. Die Argumentation – die Torverhinderung war nicht erfolgreich, das Tor wurde nicht verhindert – ist ja im Prinzip genau dieselbe.
    Wobei das dann wirklich Tür und Tor für Manipulationen öffnen würde.

    Wie sieht es denn eigentlich aus, wenn der Elfmeter pariert, dann aber direkt der Nachschuss verwandelt wird? Rein formal ist das ja dann kein unmittelbar durch den Elfmeter erzieltes Tor mehr. Ist dann etwa das “Fingerspitzengefühl” der Sportrichter gefragt? :p

    • Äh, die Frage bezieht sich auf die Strafreduktion einer Notbremse nach verwandeltem Elfer, falls das nicht offensichtlich sein sollte.

      • Zunächst einmal muss man dazu sagen, dass für den (seltenen) Fall, dass nach einer Notbremse der Vorteil gewährt wird (weil sich trotzdem eine Riesenchance ergibt), keine vollendete Verhinderung einer eindeutigen Tormöglichkeit vorliegt, sondern nur eine versuchte. Vollendet ist sie erst, wenn deshalb das Spiel unterbrochen werden muss. Der Elfmeter ist dann die vorgesehene regeltechnische Kompensation für die Vollendung, beim Vorteil dagegen liegt keine Kompensation vor, sondern lediglich ein Absehen von der eigentlich erforderlichen Spielunterbrechung, weil das für den Gegner günstiger ist. Deshalb gibt es für die Vollendung den Platzverweis, für den Versuch aber lediglich die Verwarnung. Regelphilosophisch sieht es zudem so aus, dass sich ein Spieler, der mit unfairen Mitteln eine glasklare Torchance verhindert, eines so schwerwiegenden Verstoßes gegen den Sinn und Geist der Regeln schuldig macht, dass er nicht mehr weiter mitspielen darf. Deshalb scheidet auch die Möglichkeit aus, ihn nach erfolgreicher Kompensation wieder zum Spiel zuzulassen.

        Wie es aussieht, wenn der Elfmeter erst im Nachschuss verwandelt wird, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich gehe aber davon aus, dass es den Strafnachlass auch gibt, wenn die Kompensation mittelbar eintritt, d.h. im direkten Nachsetzen.

  21. Hallo liebe Regelfreunde!

    Beim Spiel BVB-M05 ist mir bei Abseitssituationen folgendes aufgefallen:
    Wenn ein Spieler im Abseits stand, der Pass auf ihn aber noch von einem Abwehrspieler abgefangen wurde, hat der SR nach der Abwehr durch den Abwehrspieler trotzdem Abseits gepfiffen.
    Später gab es dann noch mal eine Situation, als sich ein Spieler der Angreifermannschaft, nicht aus dem Abseits kommend, zusätzlich für den Ball interessiert und ihn schließlich auch bekommen hat. Hier wurde dann nicht auf Abseits entschieden.
    Früher gab es mal die Regel, dass der SR so lange mit dem Abseitspfiff warten soll, bis der Spieler im Abseits den Ball tatsächlich empfangen hat. Das wurde später wieder abgeschafft. Heute ist selbst von der Intention, die diese Regel vielleicht ausdrücken wollte, das Gegenteil übrig geblieben. Oder?

    Vielen Dank für den Podcast!

    • Ich müsste die konkreten Situationen sehen. Wesentlich ist, ob der im Abseits befindliche Stürmer den Verteidiger angreift, um den Ball zu spielen oder nicht. Falls ja, soll grundsätzlich auf Abseits entschieden werden – es sei denn, aus dem Abfangen des Balles ergibt sich eine derart ungehinderte Ballkontrolle, dass eine Spielunterbrechung nur den Spielfluss stören würde.

  22. Frage: Gibt es eine Regelung oder Anweisung in welcher Reihenfolge bei gleichzeitigem Wechsel diese vorzunehmen sind?
    Grund der Frage: Vorhin, im Spiel 1. FC Kaiserslautern gegen VfR Aalen, der FCK führte mit 1:0 und es wurden zwei Wechsel gleichzeitig angezeigt. Erst wurde bei Aalen Chessa gegen Ademia gewechselt, dann beim FCK Klich für Zoller. Wäre es hier aus Schiedsrichtertaktischer Sicht nicht besser gewesen zuerst den Wechsel des FCK ausführen zu lassen?

  23. Hey,

    Ich bin erst vor kurzem auf euren Podcast gestoßen, falls ihr das folgende Thema also schon behandelt habt würde mir ein Hinweis auf die entsprechende Folge reichen. Ich bin heute morgen auf diesen Artikel gestoßen:
    http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/faz-net-regelecke-zur-strafreduzierung-beim-elfmeter-13422705.html

    und würde gerne wissen, ob dieser Artikel so zutrifft. Gibt es eine härtere Bestrafung für den Fall, dass ein Strafstoß verschossen wird?
    Grüße

    • Die Normsperre bei »Notbremsen« im Strafraum beträgt zwei Spiele. Wird der folgende Elfmeter verwandelt, reduziert sich die Sperre auf ein Spiel. Diese Regelung gibt es in den Profiligen nach Angaben des DFB bereits seit zehn Jahren. Im Amateurbereich wird das uneinheitlich gehandhabt, hier ist die Anwendung Sache der Kreise und Landesverbände. Anders als in Mainz (also dem in der FAZ genannten Beispiel) spielt es beispielsweise im Bereich des Fußball-Verbands Mittelrhein und des Kreises Köln (beiden gehöre ich an) keine Rolle, ob der Strafstoß nach einer »Notbremse« verwandelt wird oder nicht.

      Siehe auch: http://www.n-tv.de/sport/fussball/collinas_erben/Warum-Strafrabatt-kein-Unsinnsurteil-ist-article14486586.html

  24. Und nun eine weitere Frage, die sich aus der Strafreduzierungs-Regelung ergibt: Philipp Heerwagen vom FC St. Pauli II Hat gestern im Spiel gegen den BV Cloppenburg nach Notbremse außerhalb der Strafraums Rot gesehen. Der anschließende Freistoß traf ins Tor.

    Wenn wir jetzt mal außer Acht lassen, dass das in der Regionalliga stattgefunden hat und der DFB nicht zuständig ist: Gäbe es in den 3 Profiligen jetzt 1 oder 2 Spiele Sperre?

    Da es den Elfmeter ja nicht gibt, weil die glasklare Torchance wieder hergestellt werden soll, sondern allein deshalb, weil das Foul im Strafraum stattgefunden hat, sollte es doch eigentlich keine Rolle spielen, ob die genommene Torchance durch das Verwandeln eines Strafstoßes oder eines Freistoßes kompensiert wird. Oder wird die Notbremse außerhalb per se einen Tick verwerflicher beurteilt, weil der Sünder davon ausgehen kann, dass das Risiko, dass anschließend das Tor trotzdem fällt, viel kleiner ist?

      • Ja, eben so meinte ich das auch. Den Strafstoß gibt es nicht wg. der Notbremse, sondern wg. Foul- oder Handspiel im Strafraum, auch dann, wenn dadurch keine Torchance verhindert wurde. Außerhalb des Strafraum gibts Freistoß, selbst wenn eine 100%-ige Torchance bestand. Deshalb halte ich es auch für logisch, dass es den Strafnachlass gibt aufgrund des unmittelbar anschließenden Tores, egal ob es aus 11 oder 17 Metern erzielt worden ist. Schade, dass wir es jetzt nicht direkt überprüfen können.

        Eine weitere Frage, die ihr sicherlich schon längst irgendwann mal beantwortet habt: Kann eine rot-würdige Notbremse auch durch ein Vergehen erfolgen, die einen indirekten Freistoß nach sich zieht? Also wenn z.B. der Angreifer durch Sperren daran gehindert wird, den Ball ins leere Tor zu schieben. Oder durch ein “hohes Bein” daran, ihn einzuköpfeln.

        • Laut DFB gibt es den besagten Strafnachlass schon seit zehn Jahren. Vielleicht müsste man mal ein Spiel heraussuchen, in dem nach einer »Notbremse« außerhalb des Strafraums der folgende Freistoß verwandelt wurde, und dann schauen, ob der des Feldes verwiesene Spieler nur für eine Partie gesperrt wurde.

          Und: Ja, eine »Notbremse« kann auch durch ein Vergehen erfolgen, das einen indirekten Freistoß nach sich zieht. Das ergibt sich aus der Regel 12, in der zu den feldverweiswürdigen Vergehen auch das »Vereiteln einer offensichtlichen Torchance für einen auf sein Tor zulaufenden Gegenspieler durch ein Vergehen, das mit Freistoß oder Strafstoß zu ahnden ist«, gezählt wird. Zwischen direkt und indirekt wird also nicht differenziert.

          • Komisch, dass dann gerade das Reinlaufen eines Ersatzspielers zum Verhindern einer Torchance anders behandelt wird.
            Das hatten wir doch vor ein paar Monaten. Dafür gibt es doch auch einen indirekten Freistoß.

    • Rob, da sieht die Sache regeltechnisch völlig anders aus. Wenn ein Ersatzspieler auf den Platz läuft und den Ball wegschießt, der sonst ins Tor gegangen wäre, wird er für Letzteres gar nicht bestraft, sondern lediglich für das unerlaubte Betreten des Platzes (genau dafür gibt es die Gelbe Karte und den indirekten Freistoß). Es liegt also gar keine »Notbremse« vor. Begründung: Das Spielen des Balles ist eine fußballtypische Handlung und daher nicht ahndungswürdig. Anders sähe es aus, wenn dieser Ersatzspieler die Hände zur Hilfe nähme – dann wäre Rot fällig.

      • Aber er läuft doch eindeutig auf den Platz, um eine eindeutige Torchance regelwidrig zu verhindern.
        Wenn der Torwart in den Schlussminuten nach vorne stürmt, muss man nur den Ersatztorwart hinter das Tor stellen.
        Da gäbe es manches Tor des Monats weniger.

        Juristen muss man manchmal nicht verstehen ;)

          • Aus meiner Sicht ein klarer Fehler in den Regeln – bzw. Regelauslegung:
            Ein Spieler, der als Auswechselspieler ein Tor verhindert, kriegt nur gelb – ein Spieler der aus Versehen im Strafraum foult kriegt rot.

            Das ist für mich nicht nach dem Geist der Regeln! (Jingle-Zeit ;) )

            Nichts gegen die rote Karte bei einer “echten” Notbremse, wenn das Tor nur durch ein Foul verhindert wird.
            Im Mittelfeld wird da ja auch unterschieden zwischen taktischem Foul – gibt gelb – und Foul bei Kampf um den Ball – gibt nix.
            Diese Unterscheidung wäre doch auch bei Torchancen denkbar: taktisches Foul zur Verhinderung einer Torchance gibt Rot, normales Foul gibt Gelb.

            Ich versteh immer noch nicht, warum die Regel “Feldverweiswürdige Vergehen –
            “Vereiteln einer offensichtlichen Torchance für einen auf sein Tor zulaufenden
            Gegenspieler durch ein Vergehen, das mit Freistoß oder Strafstoß zu ahnden ist,” nicht gilt,
            wenn doch das “(Wieder-)Betreten des Spielfelds ohne Erlaubnis des Schiedsrichters” ein Vergehen ist, dass durch Freistoß zu ahnden ist. (“Indirekter Freistoß: ein anderes Vergehen begeht, das nicht bereits in Regel 12 erwähnt wird und für
            das die Partie unterbrochen wird, damit der fehlbare Spieler verwarnt oder des
            Feldes verwiesen werden kann.”)

            (Zitate aus Regel 12, S. 82f, http://www.dfb.de/verbandsservice/verbandsrecht/fussballregeln/, http://www.dfb.de/fileadmin/_dfbdam/34715-Regelheft_2014-15-DFB.pdf)

    • Die Torchance wird aber nicht durch das unerlaubte Betreten des Feldes verhindert, sondern durch das Wegschießen des Balles. Das unerlaubte Betreten des Feldes ist dafür nur die Voraussetzung, aber nicht die Tat selbst. Deshalb liegt weder ein Fehler in den Regeln noch in der Regelauslegung vor. Das Wegschießen des Balles stellt schlichtweg keinen Verstoß dar, deshalb kann es auch nicht geahndet werden. Dass das unbefriedigend ist, sei unbestritten.

  25. Lieber Alex,
    ich schätze Deine Kolumne für ntv wirklich sehr und lese diese auch mit großer Freude:

    Mit Deinem letzten Beitrag war ich in einigen Bereichen nicht einverstanden -> Du attestierst Herrn Aytekin eine sehr gute Leistung / abgesehen von den Ereignissen in der Nachspielzeit. Wenn man sich große Teiles dieses Spiels vor Augen führt, dann kann man durchaus zu dem Schluss gelangen, dass Aytekin was die Zweikampf-Bewertung angeht, hier doch eher pro Gladbach gepfiffen hat. Jedenfalls grenzt es an ein Wunder, dass der Spieler Granit Xhaka den Abpfiff noch erlebt hat -> zwei Grätschen hat Aytekin benötigt, um ihm endlich eine Gelbe Karte zu zeigen, anschließend begeht Xhaka noch weitere Fouls und wird am Leben erhalten. Ich finde hier hat Aytekin seinen Ermessens-Spielraum zu weit ausgedehnt und man (sogar ich ;-) ) hätte den Spieler vorher des Feldes verweisen müssen.

    Die Präsenz auf dem Platz war “Aytekin-üblich” sehr gut -> die Körpersprache war in großen Teilen auch sehr gut -> was mich gestört hat, dass er die Ansprache ausschließlich in Richtung der Auswärtsmannschaft gesucht hat und es bei Gladbacher Spielern “nichts zu besprechen” gab, gerade Xhaka hätte er deutlichst ermahnen müssen bzw. eigentlich seinen Trainer die Auswechslung nahe zu legen.

    Dieses pauschale “…Aytekins ansonsten ausgezeichnete Leisttung…” spricht für mich eher dafür, dass das Spiel eben leider nicht komplett angesehen wurde, bevor man sich zu so einer Aussage hinreißen lässt. Natürlich ist die Szene am Ende nicht der Maßstab für die Leistung —> aberwitzig, dass ausgerechnet Xhaka auch noch den Treffer erzielen muss. Ich hätte hier gern mal gewusst, wie Du zu der Meinung gelangst, dass Aytekins Leistung “ausgezeichnet” war, selbst Xhaka hat ja sinngemäßg gesagt “ich wusste während des Spiels, entweder seh ich Rot oder schieß ein Tor…”.

    Ich hatte bei der Ansetzung als solches schon kein gutes Gefühlt: Aytekin Referee, Knut Kircher 4. Offizieller, bei so einem brisanten Derby hätte man die Posten wohl besser mal getauscht.

    Beste Grüße,
    Seb

    • Dass man Schiedsrichterleistungen unterschiedlich bewertet, ist vermutlich so normal wie die unterschiedliche Bewertung von Deutschaufsätzen in der Schule. Ich fand Aytekins generelle Linie angemessen und dem Spielcharakter entsprechend, auch bei Xhaka sehe ich nicht, dass er zwingend vom Platz gehört hätte. Aytekins Umgang mit den Spielern und seine Körpersprache haben mir gefallen; dass er ein Unparteiischer ist, der bei den Fans polarisiert, weiß ich natürlich, aber ich mag sein Auftreten generell gern und fand auch seine Kommunikation am Samstag passend, weil deeskalierend. Insgesamt 28 geahndete Fouls (12 von Gladbach, 16 von Köln) sind ein Wert, der leicht unter dem Durchschnitt liegt und anzeigt, dass das Spiel zumindest nicht übermäßig unfair war (es sei denn, man ist der Ansicht, dass Aytekin eine Knüppelei zugelassen hat, was ich jedoch nicht so sehe). Auch die Kartenverteilung (2:4) ging für mich in Ordnung. Solche intensiven Spiele sind für den Schiedsrichter nie leicht, aber ich finde, dass Aytekin die Partie sehr gut im Griff hatte. Vielleicht hätte tatsächlich die eine oder andere Ansprache gegenüber Gladbacher Spielern dazukommen können, wiewohl ich auch nicht sagen würde, dass sich dieser Punkt entscheidend negativ auf die Partie ausgewirkt hat.

      • Nein, eine Knüppelei war es absolut nicht —> Xhaka wandelte für mein Empfinden sehr sehr nahe am Platzverweis und hat diese Grenze dann eigentlich überschritten. Das Problem ist ganz klar, dass er die gelbe Karte mit der 2. Grätsche bekommen hat, das wird auch taktische Gründe bei Aytekin gehabt haben —> hätte ihn Aytekin nach seinem ersten (etwas härteren) Foulspiel verwarnt, wäre das Spiel ohnehin anders gelaufen -> das kann man schlecht gegeneinander aufrechnen.
        Sinnbild für diese “Nichtansprache” war dann für mich relativ am Ende, dass Aytekin mit einem Kölner diskutiert, anstatt einen Gladbacher nach seinem (durchaus hart, aber nicht zwingend gelbwürdigen) Einsteigen wenigstens eine Ermahnung auszusprechen —> das hätte ich da eigentlich erwartet.
        Da ich aber nicht auf dem Platz war, weiß ich nicht was der Kölner da vom Referee wollte —> Aytekin wird schon seine Gründe gehabt haben, warum er das Gespräch zum Gefoulten / Mannschaftskollege des Gefoulten suchte.

        Ich wollte in keinster Weise die Leistung Aytekins als schwach oder unterirdisch hinstellen, nur habe ich mir mal die Mühe gemacht ihn ein wenig zu beobachten und da sind doch die ein oder anderen Negativaspekte aufgefallen. Grundsätzlich hat er in diesem sehr intensiven Spiel sehr gut die Ruhe bewahrt. Xhaka war für mein dafürhalten eben mehr als reif vorzeitig duschen zu gehen. Die Szene in der Nachspielzeit ist ärgerlich, macht aber die Leistung nicht gleich schlecht, das ist wohl auch klar.

        Grüße,
        Seb

  26. Mich würde sehr Eure Meinung zu der Rücknahme des Elfers im Spiel St. Pauli vs. Fürth interessieren. Ich hoffe ihr habt das irgendwo gesehen.

    Wobei es mir weniger um die Strafwürdigkeit des Handspiels an sich geht. Ich meine, dass in der Regel auf absichtliches Handspiel entschieden wird, wenn eine Flanke mit nach oben abgespreiztem Oberarm abgewehrt wird. Kann man aber sicher auch anders sehen.

    Sehr merkwürdig fand ich aber den weg zur Entscheidung. Schiri Petersen hat eine unverstellte Sicht auf die Szene und pfeift entschlossen und ohne zu zögern den Elfmeter. Der Assi nimmt seine Position am Strafraum-Eck ein. Nach heftigen Protesten der Fürther befragt Petersen dann den Assi und ändert seine Entscheidung.

    Ich gehe davon aus, dass der Assi der festen Überzeugung gewesen ist, dass der Fürther Röcker den Ball nicht mit der Hand berührt hat, sondern stattdessen z.B. mit dem Kopf, was die protestierenden Fürther dem Schiri auch einzureden versuchten, wenn ich die Gesten richtig deute. In dem Fall ist es natürlich extrem unglücklich, dass ein eigentlich nicht zweifelnder Schiri sich durch die falschen Wahrnehmung seines Assistenten von seiner richtigen abbringen lässt.

    Ist auch die andere Möglichkeit denkbar, nämlich dass auch der Assi das Handspiel wahrgenommen hat, sie aber für nicht strafbar erachtet hat? Also dass die beiden da über die vergrößerte Körperfläche und die Natürlichkeit der Armhaltung debattiert haben?

    Ich finde es gut, wenn die Schiris in Zweifelsfällen übers Headset die Zweitmeinung der Assis einholen, bevor sie entscheiden. Und ich find es auch richtig, wenn der Schiri nach eindeutigen Wahrnehmungstäuschungen eine bereits getroffene Entscheidung nach Intervention des Assis korrigiert, wie hier z.B., wenn er Hand statt Kopf gesehen hätte. Aber man kann doch nicht bei Graubereichs-Entscheidungen nach Protesten von Spielern nochmal in die Diskussion gehen und abwägen, wie man das, was alle gesehen haben, denn nun endgültig bewertet.

    Wenn das übliche Praxis sein sollte, hätte ich auch gegen den Video-Beweis-Unterbrechungen wenig einzuwenden, weil wesentliche Argumente dagegen dann entfallen würden.

      • Danke für den Hinweis. Hatte ich noch gar nicht gelesen. Frodo schreibt nur noch so selten, da vergisst man das…

        Kannst Du Dich denn an irgendeine andere Situation erinnern, in der ein Schiedsrichter aufgrund von Abwägungen in Graubereichsfällen eine getroffene Entscheidung revidiert hat?

        Wenn Schiri-Gespanne die Interpretation ihrer Wahrnehmungen nach Pfiffen nochmal diskutieren möchten, sollten sie TV-Bilder hinzunehmen können. Die Nachteile des TV-Beweises, dass man als Zuschauer Pfiffe des Schiris nur als vorläufige Entscheidung betrachten kann, dass das Spiel unterbrochen wird, oder dass in den zahlreichen Graubereichsfällen einen eindeutige Entscheidung auch dann nicht möglich ist, wenn man eindeutig sehen kann, wie es war, hat man dann ja eh schon.

        • Dass bereits getroffene Elfmeterentscheidungen nach Rücksprache mit dem Assistenten revidiert worden sind, hat es in den vergangenen Jahren schon einige Male gegeben. Wie oft es da um einen Graubereich ging wie oft eher um die Frage der Wahrnehmung eines Zweikampfs, weiß ich nicht auswendig. Meistens ist es ja auch so, dass die kurze Absprache – über das Headset – vor der Entscheidung erfolgt. Aber es passiert nun mal, dass der Schiedsrichter pfeift, bevor er sich mit dem Assistenten abgestimmt hat. Das ist dann vielleicht unglücklich, aber am wichtigsten ist es immer noch, dass am Ende die richtige Entscheidung steht. Die Diskussion über den Videobeweis möchte ich hier nicht schon wieder führen. Ich lasse den Befürwortern ihre Argumente, bleibe aber bei meiner Gegnerschaft.

          • Ich bin ja auch gegen den Video-Beweis, und zwar aus teilweise den gleichen Gründen, aus denen ich die Entscheidungsfindung in diesem Fall nicht richtig finde. Dass es am Wichtigsten ist, dass am Ende die richtige Entscheidung steht, wäre hingegen ja eher ein Argument für den Video-Beweis. Wobei es ja auch strittig ist, ob die Entsceidung richtig ist. Das ist ja das Wesen des Graubereichs, dass es sich nicht eindeutig klären lässt.

            Und ich kann mich bei den revidierten Entscheidungen nur an welche erinnern, wo es um klara Ja/ Nein-Fragestellungen geht. War der Ball hinter der Linie, hat Spieler X den Ball berührt, war es die Hand oder der Kopf und sowas. Hier frage ich mich, wie der Schiri hier mehr Hand gesehen haben könnte, als es war. Man kann es unterschiedlich bewerten, aber richtig gesehen hat es der Schiri doch offenbar.

            Und wieso “passiert” es, dass der Schiri pfeift? Es ist doch seine Entscheidung, zu pfeifen.

    • Ich meine mich erinnern zu können, dass Felix Brych und Florian Meyer mal einen Strafstoß zurückgenommen haben, weil sie dem Assistenten gefolgt sind, der kein Foulspiel gesehen hatte. Auch Zweikämpfe bewegen sich ja manchmal in einem Graubereich. Ist aber natürlich möglich, dass das Fälle waren, in denen es um »Ball gespielt« oder »Gegner getroffen« ging, ich weiß es nicht auswendig.

      In Hamburg hatte der Assistent eine bessere Position als der Schiedsrichter und konnte deshalb auch besser beurteilen, ob es ein strafbares Handspiel war oder nicht. Man kann sicherlich über die Entscheidung streiten, aber ich neige, wie schon beim Übersteiger geschrieben, stark zur Einschätzung des Assistenten. Man sieht an dieser Situation auch, wie sehr das Gewicht der Assistenten gewachsen ist. Natürlich sind sie formal weiterhin »nur« Helfer des Schiedsrichters, und natürlich ist es an diesem, die Entscheidungen endgültig zu treffen und zu verantworten. Aber faktisch sind die Assistenten schon gleichberechtigte Mitglieder des Teams.

  27. MOin moin,

    als relativ neuer Zuhörer hab ich mich nach dem Hören eures letzten Cast die Frage:
    gibt es bei Torhütern auch so etwas wie rauhes/brutales Spiel (kenne den genauen Bergiff hierzu nicht)? Die Frage kam mir nach dem Umboxen des Torhüters vom Bengalio gegen den Kölner Ujah.

    • Für Torhüter gibt es diesbezüglich keine Sonderregelung. Sie können sich genauso einer Tätlichkeit oder eines rohen Spiels schuldig machen und dafür entsprechend bestraft werden wie ein Feldspieler auch.

      • und wenn er den Ujah gegen Kopf und Ball boxt, reicht das nicht aus? Was wäre ein Beispiel für eine Tätigkeit? Wenn ich als Feldspieler bewußt in kauf nehme, nicht nur den Ball zu treffen sonder auch eine Verletzung des Gegenspielers zu erzielen bekomm ich doch auch eine Karte, oder? Und eine Verletztung bei Faust gegen Kopf nehm ich doch auch bewußt in Kauf, oder?

        • So wild war es dann auch wieder nicht. Dass man als Torwart beim Versuch, den Ball wegzufausten, versehentlich (auch) den Gegenspieler trifft, kommt vor und macht die Aktion noch nicht per se zu einer Tätlichkeit. Eine Tätlichkeit liegt laut Regeln dann vor, »wenn ein Spieler einen Gegner abseits des Balls übermäßig hart oder brutal attackiert«. Bei Benaglio – der ersichtlich beabsichtigt hat, den Ball zu spielen (der für ihn auch, und das ist nicht unwichtig, in Spielnähe war), und nicht, seinen Gegenspieler zu schlagen – können wir über Foul oder nicht Foul diskutieren, aber ein brutales Spiel war das mit Sicherheit nicht.

  28. Moin :)
    Beim Spiel Sevilla gegen Gladbach kam es zwei mal zu der Situation, dass ein Gladbacher ein gelbwürdiges Faul begang, der Schiedsrichter aber nicht ab pfiff sondern auf Grund der guten Ausgangangssituation für Sevilla weiterspielen ließ und erst nach 1-2 Minuten zur nächsten Spielunterbrechung die Karten verteilen konnte. Soweit so gut. Was wäre nun aber gewesen, wenn der Gladbacher, der das Faul begangen hat in der Zeit zwischen Faul und Spielunterbrechung ein weiteres gelbwürdiges Faul begangen hätte? Hätte der Schiedsrichter ihm dann die Gelb-Rote-Karte zeigen müssen. Womöglich hätte das zweite Faul, welches zur Gelb-Roten-Karte geführt hätte garnicht statt gefunden, wäre sich der Spieler seiner Vorbelastung bewusst gewesen.
    Ich hoffe man kann meinem Gedankengang folgen ;).
    Gruß Max

  29. Hallo!

    Wann nehtm IOhr den mal wieder einen Podcast auf?
    Ich vermisse Euch, Eure angenehmen Stimmen und Eure wunderbaren Erklärungen und Diskussionen sehr!

    Grüße, Dieter

    • Vielen Dank für die netten Worte! Wir wollten eigentlich am vergangenen Montag eine neue Folge aufnehmen, mussten dann aber feststellen, dass ein Headset defekt ist. Inzwischen haben wir Ersatz bekommen und werden nun am kommenden Montag aufzeichnen. Die Pause wird also in absehbarer Zeit endlich beendet sein.

  30. Hi,
    ich habe da mal eine Frage zum gestrigen EuropaLeague-Spiel Gladbach-Sevilla.
    Es geht um die Szene nach den 2:2 in der der Spieler von Sevilla die gelbe Karte erhielt.
    Ich kann zwar irgendwie verstehen, dass das Ball unter das Trikot stecken als Unsportlichkeit bewertet werden kann, aber was ist denn mit dem Verhalten der Gladbacher? Die stürmen zu dritt auf den Spieler ein und bedrängen ihn stark. Wenn ich in der Szene den Spanier unbedingt verwarnen will, kann ich dann das Verhalten der Gladbacher ungeahndet lassen? Und das die Gladbacher in der Szene ein Anrecht darauf hätten, dass ihnen der Ball ausgehändigt wird, kann ich mir kaum vorstellen (da die Spielfortsetzung Anstoss Sevilla ist).

    • Ich sag’s mal so: Die Gladbacher hatten – da es ja nicht sie sind, die das Spiel fortsetzen – sicherlich nicht unbedingt ein »Recht« auf den Ball, waren aber daran interessiert, dass die Partie schnell weitergeführt werden kann (was im Sinne der Regel ist). Der Spanier wiederum hatte kein Recht auf eine Spielverzögerung (und dass er das Spiel verzögern wollte, hat er durch das Verstecken des Balles unter seinem Trikot ja deutlich gemacht). Daraus resultierte ein Konflikt, dessen Verursacher man im spanischen Spieler sehen konnte. Insofern finde ich die Gelbe Karte für ihn angemessen. Angesichts der Tatsache, dass da gleich mehrere Gladbacher heftig auf ihn einstürmten, wäre eine Verwarnung für einen Gladbacher aber auch absolut vertretbar gewesen – und aus meiner Sicht die bessere Entscheidung.

  31. Fandet ihr den Pfiff gegen Aubameyang in der 40.min bei BVB-Schalke in Ordnung?
    Das wude als Behinderung des Torwarts im Torraum gewertet. Das die derzeitige Auslegung so fakt ist ist mir schon klar, ich finds nur unsinnig. Der ist vor Allem gefallen weil er am Ball vorbei sprang und ein bisschen konakt muss eigentich auch ein Torwart aushalten können…

    • Klar, das muss man nicht unbedingt pfeifen. Bei der eigentlichen Aktion greift Wellenreuther einfach nur vorbei, anschließend wird er vom stürzenden Aubameyang ein bisschen mit der Hand weggedrückt, aber das ist nicht zwingend ein regelwidriger Kontakt. Letztlich muss man sich die Frage stellen, ob man so was auch pfeifen würde, wenn es nicht der Torwart, sondern ein Feldspieler ist, der da in den Zweikampf mit Aubameyang geht. Sicherlich eher ein Pfiff der Marke »taktisch«.

  32. Gerade höre ich Alex aus Sport1.fm – hat eben wunderbar erklärt dass es gar keine dreifach Bestrafung gibt.

  33. Ich wollt mich einfach mal für euren großartigen Podcast bedanken.
    Danke Alex und Klaas

  34. Hallo Ihr beiden,

    erstmal vielen Dank für den Podcast, schön das es ihn gibt, auch wenn man manchmal anderer Meinung ist.

    Was mir schon seit einigen Tagen durch den Kopf geht…kann es sein,das, obwohl Fandel vor der Saison groß angekündigt hat, das auf keinen Fall, so wie bei der WM gepfiffen werden soll, der Stil (also z.B. mit persönlichen Strafen möglichst lang zu warten und möglichst Karten zu vermeiden, wo es geht) der WM dann doch Einzug in die Bundesliga gefunden haben? Oder?

    • Ich habe eigentlich nicht den Eindruck, dass die Schiedsrichter in der Bundesliga in dieser Saison anders pfeifen als vorher. Kommt sicherlich schon mal vor, dass zu lange mit der Karte gewartet oder ein taktisches Foul nicht mit Gelb bestraft wird. Aber das scheint mir nicht an geänderten Vorgaben zu liegen, so was passiert halt schon mal. Die Ansage, welche Anweisungen von der WM nicht übernommen werden, war ja recht deutlich.

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