#Link11: Ein Opernhaus im Regen

Die Vorfreude auf das größte Ereignis des deutschen Fußballs, das Duell zwischen den Giganten aus München und den sympathischen Underdogs aus Dortmund, das alljährlich die Massen elektrisiert, steht wieder einmal an. Fußball-Deutschland kann sich glücklich schätzen, nach Jahrzehnten der Langeweile ohne ein festes Spitzenspiel und Jahren der Etablierung des Germanicos nun diese Perle der sportlichen Irrelevanz, geschickt in die entscheidende Phase der Saison gelegt, am Samstag begehen zu dürfen. Während die Dortmunder Underdogs unter der Woche allerseits Anerkennung ernteten, als sie ihrer Rolle gemäß früher oder später aus der Champions League ausschieden, zimmerten die Münchner Giganten ihre Gegner aus England humorlos aus dem Wettbewerb. Das alles und noch viel mehr heute in der Link11.

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1. Zunächst zur jüngsten Auflage des ewig jungen Champions-League-Klassikers zwischen Bayern und Manchester. Diesmal wieder weniger Solskjaer und mehr »Robben zieht nach innen und ab«. Tobias Escher hat das Spiel für Spielverlagerung analysiert: Guardiola spielte mit falschen Außenverteidigern, was jedoch auf dem Papier viel interessanter als auf dem Spielfeld gewesen sei. Oliver Fritsch deutet in der ZEIT das Innenfutter von Peps Jackett im Rahmen des gesamten emotionalen Ausbruchs durch den Rückstand.

2. Im zweiten Spiel des gestrigen Abends schied nach Borussia Dortmund ein weiterer Halbfinalist des vergangenen Jahres aus: Atlético Madrid bezwang den FC Barcelona mit 1:0. Ein Spielbericht mit Bewegtbildmaterial findet sich auf FAZ.net. Die vier Teams, die nun im Halbfinale der Champions League stehen, hat der Guardian zusammen unter die Lupe genommen.

3. Das Spiel Dortmund–Real regte noch einmal zu Nachbetrachtungen an. Bei Spielverlagerung lobt Martin Rafelt das Ausnutzen der Schwächen des Gegners. Axel Raack schreibt für 11FREUNDE über den Mann, der diese überraschende Anpassung verköperte: Oliver Kirch. Peter Penders (FAZ) sieht den BVB in seiner Entwicklung und seiner Etablierung hohen Niveau bestätigt. Thomas Hummel dankt in der SZ für Mut und Raffinesse.

4. Nach der Champions League schließt heute die Europa League den internationalen Wettbewerb für diese Woche ab. Der FC Basel hat mit einem 3:0-Sieg aus dem Hinspiel gute Chancen aufs Weiterkommen. »Fehlen tut vor allem Strellers Aura« – das scheint in der Schweiz besserer Stil zu sein als in Deutschland (NZZ). Dieselbe Zeitung bringt auch einen Abriss der jüngeren Geschichte des Gegners aus Valencia.

5. Im Vorlauf des für Samstag geplanten Spiels zwischen dem FC Bayern und dem BV Borussia streiten sich Karl Hopfner und Hans-Joachim Watzke unter anderem in der Frage, ob man »über Uli Hoeneß als keine „Mutter Teresa“« sprechen sollte. Auf der anderen Seite muss auch klar gestellt werden: »Den Baron von Münchhausen sehe ich da schon als eine andere Figur« (Karl Hopfner über Hans-Joachim Watzke). Höchst brisante Fragen pflastern also den Weg zu diesem mit Spannung erwarteten und an sportlicher Bedeutung kaum zu überbietenden Germaniclassico (FAZ, kicker). Es sind wohl nur noch zwei Fragen zu beantworten. Ritt Aki je auf einer Kanonenkugel? und: Spekulierte Mutter Teresa mit dem Basmatipreis?

6. Der FC Bayern ging in jedem seiner letzten vier Pflichtspiele mit 0:1 in Rückstand, darauf folgte dreimal ein 1:1, darauf folgte zweimal eine 3:1-Führung der Bayern, die einmal mit einem 3:3 endete. Während also das Rückspiel gegen Manchester als bestmöglicher dieser Spielverläufe festzuhalten ist, hat Kickwelt über die gesamte Saison hinweg festgestellt, dass der Verein im Umbiegen von Rückständen geübt ist.

7. Der Rotebrauseblogger verarbeitet das Interview von Dietmar Hopp in der FAS. Ausgehend von dessen Gegenüberstellung der Vereine aus Hoffenheim und Leipzig schreibt der Leipzigfan über Normalität in der Bundesliga, das erträgliche Maß an heimatlosen Geldströmen und die Wirksamkeit der Jugendförderung bei der Imagebildung.

8. Unter besonderem Augenmerk auf die Stuttgarter Kickers und den Karlsruher FV berichtet die Stuttgarter Zeitung von der heute vor 81 Jahren erfolgten Ausgrenzung der Juden aus dem deutschen Fußball.

9. Von der Vergangenheit in die Gegenwart und vom Spitzensport zum niederklassigen Fußball. Benjamin Brumm stellt beim Stuttgarter Portal Kick-S zwei Blogs aus dem Amateurfußball vor: »Spätzleskick« aus Schwäbisch Gmünd und »Stuttgarts Sportplätze« aus Husum Stuttgart.

10. An der Wendung »Das ist kein Beinbruch« ist zu erkennen, dass letzterer wohl ziemlich übel ist. Der Schlenzer hat sich in der Defensive einen Schien- und Wadenbeinbruch zugezogen. Er schildert die Verletzung vom Platz über die Klinik bis durch die Reha. Und obwohl diese Verletzung bei ihm keine Karriere ruiniert und ihn keine WM kostet, ahnt man als Unversehrter: Man kann froh sein, seine Knochen am Stück zu behalten.

11. Sommer, Palmen, Sonnenschein, es hätte alles so schön sein können. Meer, Strand, Kokosnüsse, Caipirinhas und mittendrin Heiko Westermann braungebrannt und in Top-Form. So oder so ähnlich dürfte die Powerpoint-Präsentation für das deutsche WM-Camp am Zuckerhut mehr als 800km vom Zuckerhut entfernt ausgesehen haben. Doch nun das: Unerwartet vom Himmel fallendes Wasser durchspült ganze Dörfer, dabei steht die Regenzeit erst noch bevor, wie die NZZ berichtet. Das wäre Kinski nie passiert.

 

Meist geklickter Link gestern:
Die Halbangst-Zusammenfassung des Kult!-Regionalliga!-Niederrheinpokal!-Neururer!-Dahlmann!-Stimmung!-Abends war gestern Nummer eins.

 

Field Reporter

Die Spiele werden so angesetzt, dass die zu erwartende Qualität der Spielleitung möglichst hoch ist. Es wird überlegt, welcher Schiedsrichter aufgrund seiner Erfahrung und seines Qualitätsprofils zu welcher Paarung passt. Beispielsweise werden brisante Derbys grundsätzlich eher von erfahrenen Schiedsrichtern geleitet. Die Historie spielt bei der Ansetzung eine Rolle, ist aber kein Ausschlusskriterium. In Ausnahmefällen kann es sinnvoll sein, einen Schiedsrichter für eine Zeit nicht bei einem Verein anzusetzen, wenn sich beispielsweise aufgrund von gravierenden Ereignissen in einer Spielleitung eine Problemsituation zwischen einem Verein und einem Schiedsrichter ergeben hat. Das ist dann im Interesse aller Beteiligten.

Lutz-Michael Fröhlich erklärt, welcher Schiedsrichter wann, wo und warum angesetzt wird. (DFB.de)

 

Bandenwerbung:

In unserer Fokus-Fussball-Kabinenpredigt wurde gestern das britische Fußballmagazin »When Saturday Comes« rezensiert.

 

Mixed Zone:

Josip: Simunic zieht vor den internationalen Sportgerichtshof (CAS, dpa/RP) + + + Gerhard: Poschner wird Sportdirektor bei 1860 (SZ) + + + Lorenz-Günther: Köstner ist krank (RP) + + + Heinz: Kamke war krank + + + Peter: Tauber ist nicht nur CDU-Generalsekretär, sondern auch als promovierter Historiker zum Thema »Sport im Ersten Weltkrieg« zu Gast beim Deutschlandfunk + + + Kees: Jaratz schreibt über die Diskrepanz zwischen öffentlicher Wahrnehmung und Wirklichkeit bei Essen–Duisburg (Zebrastreifenblog) + + + Wer?: Trainer Baade sucht den »Most Unsung Hero« + + + Gegen Wen?: Die Gruppen der U17-EM im Mai wurden ausgelost (DFB.de) + + + Wechsel: Ramos, Mielitz, Pospech, Marcos Antonio und Thomas Brdaric(!) + + + Verletzungen und Sperren: Lasogga, Reinartz, Park, N. Müller, A. Hoffmann, Miller.

 

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

    • Danke für den Hinweis.

      Habe nachgeschlagen: Die Westgrenze Westfalens scheint zwischen Bochum und Essen zu verlaufen. Wattenscheid ist noch Westfalen, Kray nicht mehr.

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