Kabinenpredigt: When Saturday Comes – Heft 326 / April 2014

Als When Saturday Comes vor über 25 Jahren das erste Mal erschien, waren englische Mannschaften nach der Heysel-Katastrophe von Europapokalspielen ausgeschlossen, die „Iron Lady“ Margaret Thatcher war zum Totalangriff auf Fussballfans übergegangen und sogar das TV-Interesse war gering. Ganz andere Zeiten also, als sie der englische Fussball heute erlebt. Trotzdem hat sich das Fussballmagazin gehalten.

Der Kauf der neuesten Ausgabe von When Saturday Comes – oder kurz WSC – gehört seit Jahren zum Pflichtprogramm bei meinen Reisen auf die britische Insel. Ich kann nicht behaupten, die Anfänge des Magazins miterlebt zu haben. Als es 1986 erschien, kam ich gerade auf die Welt. Ich kann aber mit Sicherheit sagen, dass es seit meinem ersten Kauf im Jahr 2004 nie an Qualität eingebüßt hat. Auf rund 50 Seiten gehen die Macher an das Thema Fußball ran, ohne die klassische Berichterstattung zu kopieren, die in genügend anderen Publikationen zu finden ist. Zwar geht es auch in WSC um aktuelle sportliche Themen, daneben werden aber auch Themen angeschnitten, die es sonst eher selten zu lesen gibt. In der aktuellen Ausgabe berichten die Macher beispielsweise von einem schottischen Verein, der sich über Crowdfunding verschiedene Projekte wie zum Beispiel den Neubau des Vereinsshops finanzieren will. Die Autoren blicken immer wieder auch kritisch auf Entwicklungen, die nicht von allen goutiert werden. Ein Dauerbrenner sind dabei die Besitzverhältnisse der englischen Klubs.

Bei allen Themen liegt der Fokus nicht nur auf den Top-Klubs. So erhalten aktuell beispielsweise die Matchplakate des Lewes FC eine grosse Plattform, auch wenn der Klub gegen so illustre Gegner wie Hampton & Richmond Borough spielt. Als Randbemerkung: Ein Blick auf diese Matchplakate lohnt sich sehr! Aber auch das Match of the Month ist nicht immer eine Begegnung der Premier League. In der aktuellen Ausgabe gibts einen Matchbericht von Barnsley gegen Millwall.

Viele kleine Schnipsel komplettieren das Bild. Zeitungsausschnitte, Grafiken, Zitate und vieles mehr ergänzen die Texte und lockern noch dazu das Layout auf. Sogar die Werbung im Heft ist öfter Inspiration als nervige Reklame. Kein Wunder, ist der Eselsohr-Ratio bei WSC immer sehr hoch. Und kein Wunder hat WSC zu seinem 25-jährigen Jubiläum sowohl Independent als auch vom Guardian Glückwünsche erhalten. Beim deutschen Spiegel geht man sogar so weit, WSC als „Mutter aller Fanzines“ zu bezeichnen. Das ist zwar historisch sicher nicht ganz richtig, wenn man aber bedenkt, wie stark sich WSC in seinen Anfangsjahren für die englischen Fanzines engagiert hat, ist die Bezeichnung sicherlich gerechtfertigt. Kurzum: Ein Kauf lohnt sich. Immer.

Titel: When Saturday Comes – The half decent football magazine
Ausgabe: Heft 326 / April 2014
Typ: Fussballmagazin ohne Vereinsbindung
Preis: £3.25
Seiten: 48
Erscheinungsrhythmus: monatlich
Infos: www.wsc.co.uk
Empfehlenswert für: Alle des Englisch mächtigen Fussballinteressierten, die ernsthafte Geschichten und unerwartete Themen ebenso schätzen wie witzige Anekdoten und Zeichnungen.
Eselsohr-Ratio: 14,6% [Beim Lesen eines Magazins markiert der Rezensent einzelne Seiten mit Eselsohren, um später den Inhalt wieder aufzufinden, der als Themengeber für einen Blogpost, für einen eigenen Artikel oder auch einfach nur als Kaufempfehlung interessant ist. Die Anzahl Eselsohren wird ins Verhältnis gesetzt zur Anzahl Seiten.]

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In unregelmässigen Abständen werden in dieser Kategorie verschiedene Erzeugnisse rezensiert, die grob mit Fussballliteratur zusammengefasst werden können: Magazine, Bücher, Fanzines, … Der Rezensent, Ruben Schönenberger, schreibt selber über Fussball in seinem Blog, für das Fussballmagazin SENF und ab und an für weitere Erzeugnisse.

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  1. Pingback: #Link11: Ein Opernhaus im Regen | Fokus Fussball

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