#Link11: Handkäs mit Musik

Wer wissen will, was es mit dem Titel auf sich hat, muss bis unten durchhalten. Das Überspringen der 11 Punkte zwischen dieser Einleitung und der Mixed Zone wird dennoch nicht empfohlen, schließlich finden sich dort auch heute wieder erlesene Perlen des Sportjournalismus. Mit welchem Tier derjenige verglichen werden könnte, der sie überspringt, nur um die Anspielung mit dem Sauermilcherzeugnis zu verstehen, muss hier wohl nicht expliziert werden. In diesem Sinne: Oink!

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1. Die Verflechtung von Fangewalt und Hooliganismus mit international agierenden rechtsextremen Organisationen ist Thema eines Spiegel-Artikels von Rafael Buschmann. Konkreter geht es um den verbotenen Austria-Wien-Fanclub »Unsterblich«, Hooligans des 1. FC Köln und die deutsche Vereinigung »GnuHonnters«. Über die bei den Auseinandersetzungen in Köln im Januar beteiligte BVB-Gruppierung »Desperados«, deren Mitglieder von der Polizei zum überwiegenden Teil als gewalttätig eingestuft werden, ihre Offenheit für Rechtsradikale und ihren Einfluss beim BVB, berichtete zuletzt die WAZ.

Bei Lichterkarussell.net wird ein Blick darauf geworfen, welche politischen Verbote die Stadionordnungen deutscher Profivereine vornehmen: ausnahmslos alle untersuchten Vereine sprechen sich gegen rechtsextremes oder rechtsradikales Verhalten explizit aus oder verweisen zumindest auf den einzuhaltenden Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

2. Tiefpunkt unter den spielerischen Leistungen des Spieltags ist der Auftritt des Hamburger Sportvereins. Philipp Pelka von Spielverlagerung.de hat untersucht, welche Schwächen das Hamburger Spiel derzeit aufweist und wie der Gegner sie am vergangen Samstag zu nutzen wusste. Der Linke Läufer unkt, mit diesem Auftreten werde der HSV keinen einzigen Punkt mehr einfahren. Sascha Rebiger geht einen Schritt weiter und ist sich des Abstiegs schon sicher.

Andreas Bock erinnert dagegen auf 11Freunde.de daran, dass der HSV desöfteren so schlecht oder noch schlechter dastand und sich bisher noch jedes Mal irgendwie gerettet habe: »Früher war auch nicht weniger Abstiegskampf«. Das Abendblatt hat mit dem neuen Aufsichtsratschef Jens Meier über die Lage gesprochen.

3. Eine im wohligen Gewusel des Bundesligawochenendes ein wenig untergegangene Meldung war der Einstieg des Unternehmens »Kohlberg Kravis Roberts & Co« bei der Berliner Hertha. Michael Rosentritt fasst den Deal für 11Freunde eher wohlwollend zusammen, Stefan Osterhaus beschreibt für die NZZ die Kehrseite der Medaille, erinnert an das Ansinnen des Investors und weist auf einen Ausspruch des KKR-Chefs hin: »Gratulieren Sie mir nicht, wenn ich eine Firma gekauft habe. (…) Jeder Idiot kann ein überteuertes Unternehmen kaufen.«

4. Nach dem Tod von Luis Aragonés, der fast 25 Jahre seiner Karriere als Spieler und Trainer bei Atlético Madrid verbracht hat, hat der Verein die Tabellenführung der spanischen Liga übernommen. Im Guardian schlägt Sid Lowe eine Brücke zwischen beiden Ereignissen. Ebenfalls in englischer Sprache liegt ein ausführlicher Text von Graham Hunter über den Trainer vor, mit dem Spaniens Erfolgsserie im Länderfußball begann.

5. Im Guardian teilt Michael Moruzzi aus: Von der konsensfähigen These »Without context statistics are meaningless« ausgehend breitet er Spott über jene aus, die vor lauter Statistik das Auge für das Spiel verlieren. Seine Konklusion: »These people don’t deserve football.« Eine verblüffende Neuerung bei der Erfassung von Bildern und der Generierung von Statistiken liefert ein schwedischer Zweitligist: Die Frauen von Hammarby IF filmen ihr Training aus 50-90 Metern Höhe mit einer Drohne (Spiegel).

6. Mehmet Scholl hat seinen Wechsel von Bayern 2 (Fußballmannschaft) zu Bayern 2 (Radiosender) vollzogen und seine erste Sendung modierert. Grund genug für Uli Hesse, bei ESPN auf den Musikgeschmack des deutschen Fußballs zu blicken und gleichzeitig die deutsche Musiklandschaft einer internationalen Leserschaft verständlich zu machen.

7. Thiagos Rekordauftritt hinsichtlich der Ballkontakte ist nicht nur wie jedes Bundesligaspiel verfilmt worden, findige Ballberührungsbewunderer haben das Spiel auf seine Einflussnahme hin zusammengeschnitten (Daily Motion). Thiago verkörpere »so ziemlich genau das, was Guardiola von einem Fußballer verlangt«, heißt es in der FR.

Dass Thiago aber durchaus nicht die Mentalität verkörpere, die Pep von einem Fußballer erwarte, ist bei Eurosport zu lesen. Die AZ zieht nach seinem neunten und bisher besten Bundesligaspiel einen Vergleich zu Franz Beckenbauer.

8. Die aufregendste, interessanteste und mutigste Schiedsrichteraktion des Wochenendes war wohl Michael Weiners Zurücknehmen von Rot und Elfmeter im Spiel Berlin – Nürnberg. Collinas Erbe Feuerherdt hatte sich dazu schon am Sonntag differenziert geäußert, inzwischen hat sich überraschend der DFB auf seiner Internetseite zu Wort gemeldet: Das entscheidende Detail ist demzufolge, dass sich Ramos und Schäfer nicht in einem Zweikampf um den Ball befunden haben. Daher liege keine strafbare Abseitsposition vor und die Entscheidung sei falsch.

9. Zwei Streitpunkte, die in dieser Situation Bedeutung gehabt hätten, will das International Football Association Board bei seinem nächsten Treffen besprechen: Sowohl die sogenannte Doppel- oder Dreifachbestrafung als auch die Möglichkeit der Einführung einer Videowiederholung als Unterstützung für den Schiedsrichter stehen auf der Tagesordnung (FAZ/dpa).

10. Der berüchtigte Calciomercato, in den das italienische Transferfenster gipfelt, wird vom WDR in einem Beitrag für Sport Inside dokumentiert.

11. Kees Jaratz lässt sein Leser im Zebrastreifenblog am Hochgefühl eines Sieges in letzter Minute teilhaben.

 

Bester Link gestern:

Über die Realitätsferne eines ZEIT-Redakteurs echauffierte man sich gestern im Halbangst-Blog.

 

Field Reporter

Ich hatte Angebote von Dortmund und Hamburg. Mit Felix Magath, der zu der Zeit Manager in Hamburg war, hatte ich eigentlich schon einen Vertrag ausgehandelt. Zwei Tage später erfuhr ich am Telefon, dass Felix Magath als Manager beim HSV entlassen worden war. Also bin ich von heute auf morgen nach Dortmund gefahren, um dort bei Dr. Gerd Niebaum vorzusprechen.
Es gab, kurz nachdem bekannt wurde, dass ich nach Dortmund gehe, eine Fan-Demo gegen mich. Den Dortmunder Fans stank es, einen Rummenigge vom FC Bayern bei sich im Verein aufzunehmen.

Zu Michael Rummenigges 50. Geburtstag gibt es auf 11Freunde.de ein Interview mit ihm.

 

Bandenwerbung:

Noch bis Donnerstag läuft die Wahl zum Sportblogger-Beitrag des Jahres 2013. Lesenswerte Texte stehen zur Abstimmung.

 

Mixed Zone:

Winnie: Schäfer soll Jamaika als Nationaltrainer weiter zur WM 2018 führen (FR) + + + Vorreiter: Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg produzieren für den asiatischen Markt ein alternatives Fernsehbild von der Gegentribüne aus, um Bandenwerbung vor der Haupttribüne gezielt vermarkten zu können (Oliver Wurm) + + + Kaiserschmarrn: Die FAZ spricht Aussagen Franz Beckenbauers angesichts seines Lebensstils und seiner Arbeitgeber die Relevanz ab + + + Limonadenhitler: Der Rotebrauseblogger hält einen Tiefpunkt im Umgang mit Red Bull Leipzig fest: ein Hitlervergleich im öffentlich-rechtlichen Rundfunk + + + Pionier: Hicabi Emekli ist ein Vorreiter des Fußballs in den Vereinigten Staaten (Washington Post) + + + Kurt Landauer: Die Münchner Fans erinnern an ihren früheren Präsidenten, die SZ tut es ihnen gleich. + + + Auflösung: Die Mainzer »Handkäs Mafia« vermeldet, auf welchen Plätzen das asozialste Verhalten im Rahmen einer Schweigeminute stattgefunden hat.

 

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