#Link11: Wieder da

Na, habt ihr alle mitbekommen wie in der NFL Phil Taylor beim Vierschanzenspringen die Handballer in der 4 x 7,5 Kilometer-Staffel am Kitzbühler Hahnenkamm mit einem Serve-and-Volley abserviert hat?

Ja? Gut, aber das ist jetzt vorbei, die ganzen Methadon-Sportarten der vergangenen Wochen rücken seit kurzem wieder in den Hintergrund, denn: Die Bundesliga ist angekommen im Jahr 2016 und damit auch Fokus Fußball. Servus zusammen!

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1. Mit einem Paukenschlag begann am Freitag die Rückrunde: Der Außenseiter von der Isar kämpfte sich heroisch zu einem 2:1-Auswärtssieg in Hamburg. Den aufopferungsvollen Nahkampf gegen Lasogga und Rudnevs bezahlte Jerome Boateng mit einem Muskelbündelriss und fällt nun drei Monate aus. Gewohnt schnell und gut analysiert Miasanrot die Folgen. Im gleichen Blog ohnehin lesenswert für alle, die dem Noch-Supersuper-Club nicht ganz abfällig gegenüberstehen, ist: Das Rückrundenmanifest.

2. Nun gut, der Nobody hat am Freitag gewonnen und steht damit völlig überraschend weiterhin ganz oben in der Tabelle. Wann endet der Lauf? Wann sollte er enden? Dieser Frage ging Tim Pawlowski, Professor in Tübingen nach: Wie viel Dominanz erträgt eine Fußballliga? Er befragte diejenigen, die das alles bezahlen, die Zuschauer, und stieß in Dänemark auf eine (Achtung, schwieriges Wort gerade) Obergrenze an Favoritensiegen. Welche Auswirkungen das auch in Deutschland haben könnte, beschreibt Christoph Biermann in seinem Text

3. Nicht langweilig war es in Wolfsburg, wo Alex Meier beschloss, auch im neuen Jahr einfach mal öfter zu treffen. Dreimal, natürlich mit Hattrick, natürlich sehr bescheiden. Einfach ein Gude. Was war sonst noch? Borussia (gelb) siegt gegen Borussia (grün-weiß), Hertha spielt nur Unetschieden und ist trotzdem wegen der anderen Nullen da oben irgendwie der Gewinner des Spieltags und der alte Fritz beginnt sein langes Karriereende-Schaulaufen mit einer fantastischen Partie seiner Bremer gegen Schalke. Launig zusammengefasst auch im neuen Jahr von der Rückschau bei ZEIT Online, auch das beliebte DID-Sport-Power-Ranking gibt Aufschluss über den aktuellen Stand in Europa.

4. Ernst jetzt, wir müssen reden: Über Schiedsrichter und deren Führung. Was sich schon vor einem Jahr in einem bis heute aufschlussreichen, weil mit viel Insiderwissen garnierten, Artikel von Oli Fritsch andeutete, wurde beim Schiri-Trainingslager auf Mallorca offensichtlich: Weil Hellmut Krug und Herbert Fandel in einer Doppelsitze über die deutschen Schiedsrichter wachen, sind Macht und Einfluss umkämpfte Güter. Fandel reichte nun (vorerst) seinen Rücktritt zum Ende der Saison ein. Es geht um mehrere Themen und Vorwürfe: Die von vielen Schiris geforderte Professionalisierung; ein System aus Günstlingen, die bei der Linie von oben mitmachen sollen oder mit schlechten Bewertungen bestraft werden und fehlende Rückendeckung für den Menschen Schiedsrichter, wenn er mal einen Fehler gemacht hat. Beklagt von aktiven Referees. Vieles ist aufzuarbeiten, eine Reform scheint ausweichlich. Hintergründe gibt es sehr viele von Sven Goldmann, ein paar mehr noch hier und hier.

5. Ein anderes Thema, das uns in den kommenden Monaten sehr beschäftigen wird, ist die Neuvergabe der Bundesliga-TV-Verträge. Neidisch schielt die Liga seit Monaten nach England, wo im Sommer ein neuer TV-Deal in Kraft treten wird, der ein Volumen von 6,9 Milliarden Euro (2,3 Milliarden pro Saison bis 2019) haben wird. Prognose: Wird ein Transfersommer, in dem wir solche Tweets öfter lesen werden:

Ab der Saison 2017 will auch die Bundesliga ein bisschen mehr Moneyball spielen. Manche, wie FCB-Boss Rummenigge, träumen von einer Milliarde Euro pro Saison. Nun haben die Anhänger dieser Geldblase von prominenter Stelle Luft hinzugepumpt bekommen: Das Bundeskartellamt möchte eine so genannte „No Single Buyer Rule“ in die DFL-Auktion schreiben lassen. Heißt: Das Sky-Monopol auf Livespiele wäre zu Ende. Sky zahlt für die Exklusivrechte an den Livespielen bislang 468 Millionen Euro, nun sollen zwei oder mehr Bieter im kommenden Frühjahr aufeinander losgelassen werden um den Preis zu treiben. Wer das sein soll und welche Auswirkungen das auf den wachsenden Geldberg haben könnte, hat Michael Ashelm für die FAZ ausführlich beschrieben.

6. Über eben jenen, bislang nur in Gedanken existierenden Geldberg, haben drei Bundesliga-Manager gesprochen. Die Welt bat Klaus Allofs, Horst Heldt und Max Eberl zum gemeinsamen Gespräch. Von TV-Rechten, Boxing-Days in Deutschland, Abwerbeversuche englischer Klubs und RB Leipzig plauderte man sehr einvernehmlich, große Kontroversen sind nicht zu erkennen. Und noch wird gemeinsam vor einer Zersplitterung des Spieltags gewarnt.

7. Was geht eigentlich beim DFB? Ach so, nur das FBI ermittelt da jetzt auch noch. Bislang waren Schweizer und Frankfurter Staatsanwälte dem DFB wegen Steuerhinterziehung auf der Spur. Die US-Ermittler interessieren sich im Zuge ihrer umfassenden Aufklärung nun besonders für drei Schmutzgeschäfte, eines davon ist die WM-Vergabe 2006. Die schöne Geschichte, dass man zehn Millionen an die Fifa zahlen muss, um dann 170 Millionen zurück zu bekommen um dann drei Jahre später wieder zehn Millionen an die Fifa zurück überweisen zu müssen, ist ja bis heute die gültige Version von Beckenbauer und Niersbach. Das FBI interessiert sich auch sehr für den von Kaiser Franz unterschriebenen Vertrag mit Jack Warner über Freundschaftsspiele, Ausrüstung und WM-Tickets, der schon jetzt als Bestechungsversuch gewertet wird. Ob es wirklich dazu kam, soll am 4. März erklärt werden. Thomas Kistner (SZ) klärt auf.

Sport Inside hat, auf neuem Sendeplatz (Sonntagabend, 22.05 Uhr, WDR) derweil die ebenfalls ermittelnden Schweizer Staatsanwälte besucht, die versprechen: “Die Staatsanwaltschaft aus Frankfurt wird nicht mit leeren Händen nach Hause fahren.” Na dann.

8. Nicht nach Hause sondern nach Berlin flog die gelbe Borussia nach dem Sieg in Gladbach. Denn dort wartete das Jubiläumsspiel des 1.FC Union Berlin auf den BVB. Fuffzich (neugegründete) eiserne Jahre sind dit mittlerweile, und der BVB gratulierte mit einem 3:1-Sieg. Komischer Brauch. War aber nicht so wichtig, denn das Augemerk lag auf der riesigen Choreographie, welche die komplette Försterei mit einbezog und auch auf der Rückkehr von Krebspatient Benny Köhler.

Frank Willmann war unterdessen bei den offiziellen Feierlichkeiten der beiden Erzrivalen Union Berlin und BFC Dynamo, die beide in diesen Tagen ihren 50. Geburtstag begossen. Eine Stilkritik: “Die schönste Frisur: Polierte Glatzen, beide.”

9. Auch rüber ins neue Jahr geschafft hat es: Der Taktik-Nerd-Teil. Die Kollegen von Spielverlagerung.de haben während der Winterpause neben dem im Eingangssatz erwähnten alternativen Sportangeboten weiter ihrer großen Leidenschaft gefröhnt: Über Fußball und Taktik plaudern. Sieben Podcasts sind daraus entstanden, Pflicht für alle, die die Rückrunde zu Hause auf der Taktiktafel aufzeichnen wollen. Auch in England gewinnen Analysen solcher Art an Bedeutung. Rory Smtih hat für „The Times“ ein neues gesamtpremierleagueartiges Phänomen beobachtet, dass einen Kern der englischen Spielart bedroht.

10. Überhaupt erstmal mitspielen wollen die Kicker, die Dokumentarfilmer Mehdi Benhadj-Djilali über vier Jahre begleitet hat. Sie sind Anfang 30, frühere Bundesligaprofis und versuchen nun gegen die Arbeitslosigkeit zu kämpfen: “Es gibt auch im Fußball ein Prekariat”, sagt der Regisseur über seinen Film “Zweikämpfer”. Entstanden ist ein Film, der zeigt, dass die “Spieler im permanenten Zweikampf mit verschiedenen Gegnern sind”, sagt Benhadj-Djilali: “die öffentliche Meinung, die Gegenspieler, die Situation, die Familie.” All das hat er der Welt erzählt, die seinen Film auf einem Festival bereits gesehen hat. Klingt spannend. Hier geht es zum Trailer.

11. Ja, die Trainingslager der Bundesligisten sind nun wieder vorüber, der Empörungsjanuar über Sport in Katar (Lahm: “Darum geht es nicht !!11!!!”) und Dubai (Watzke: “Wir machen hier ja keine Werbung für ein Regime. Wir sind einfach da, wir sprechen aber auch mit normalen Menschen.”) legt sich wieder ein Jahr schlafen. Ich möchte hier aber dennoch auf ein sehr gutes Gespräch verweisen. Die taz hat den Sportwissenschaftler Elk Franke getroffen und ihn zu den aufkommenden Problemen einer Sportreise in einen Staat mit anderen Vorstellungen von Politik, Demokratie und Moral befragt. Ist gut geworden. Könnt ihr bis Januar 2017 aufheben.

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Euer Hunger auf Fokus Fußball in der Winterpause schien groß zu sein: Alex’ Erläuterungen zum neuen Regelwerk hatte ziemlich hohe Zugriffszahlen. Wer es noch nicht gesehen hat, hier entlang.

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4 comments » Write a comment

  1. Juhuu! Wir waren wohl alle nicht so ganz sicher, ob wir darauf zu hoffen wagen konnten. Schön, dass Ihr wieder da seid, vielen Dank!

    Ach, und Markus Schroth, vermute ich.

  2. Pingback: Round-Up: Herbert Stöckl - Miasanrot.de

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