#Link11: Todesstern des Südens

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1. Die Bundesliga nach acht Spieltagen: Der FC Bayern hat sieben Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger. Wie konnte es so weit kommen? Christoph Biermann (11Freunde) liefert schlüssige, überzeugende Ansätze zur einen, großen Antwort. Das gestrige 5:1 gegen den BVB erzählt Philipp EItzinger (Ballverliebt) in Form eines taktischen Zwiegespräches der beiden Trainer nach.

2. Eine mittelgute Nachricht: Auf dem Feld war der Primus in der bisherigen Saison gar nicht soo viel besser als die Konkurrenz. Im Allgemeinen sind die Schussstatistiken auf beiden Seiten gut, aber nicht außerirdisch, wie in den Grafiken von Experimental 3-6-1 abzulesen ist. Mehrfach bei den besten Teams zu finden: der Tabellenletzte VfB Stuttgart.

3. Jener VfB sorgte am Samstag bei Hoffenheim in mehrerlei Hinsicht für Verwunderung. Zum einen erreichte der VfB einen Punkt und war in der Nachspielzeit auch von dreien nicht allzu weit entfernt. Zum anderen wurde dieser Punkt ohne die für die bisherige Saison charakteristische spielerische Überlegenheit und ohne grotesk anmutende Chancenvernichtung erreicht. So hält dann auch der Vertikalpass Alexander Zornigers offene Kritik an Timo Werner für ein Ablenkungsmanöver (zum eingebundenen Musikvideo gilt: wir raten ab), während sich der Akademiker-Fanclub gar nicht erst ablenken lässt und die Wahrheit auf dem Platz verortet. Nicht auf dem Platz: Daniel Ginczek, Bandscheibenvorfall (kicker).

4. Aber zurück zum Anfang: Am Freitagabend gelang es dem 1. FSV Mainz 05 als immerhin zweiter Mannschaft in dieser Saison, den SV Darmstadt 98 zu schlagen. Rene Maric (Spielverlagerung) sah das erwartbare Duell zweier immergleicher Ansätze. In Darmstadt nutzt man derweil die Gunst der Stunde und konzipiert einen 33 Millionen Euro teuren Um- und Ausbau des Stadions von 17.000 auf 19.000 Plätze (Echo; zum Vergleich: der FC Augsburg baute sein neues 30.000-Zuschauer-Stadion für etwa 45 Mio).

5. Am Samstagnachmittag setzte Borussia Mönchengladbach seinen Aufwärtstrend mit dem dritten Sieg im dritten Ligaspiel unter André Schubert fort. Unter die Räder kam dabei der VfL Wolfsburg (2:0), dessen Geschäftsführer Sport Klaus Allofs mit der ZEIT in einem lesenswerten Interview nicht nur über den VW-Skandal und seine Auswirkungen auf den Deutschen Meister von 2009 spricht:

ZEIT: Erwarten Sie, dass, wenn im Konzern Einschnitte, gar der Abbau von Arbeitsplätzen drohen, die Debatte über explodierende Ablösesummen und unverhältnismäßig hohe Fußballergehälter wieder beginnt?

Allofs: Dieses, Verzeihung, populistische Gerede läuft ja bereits in den Talkshows. Davon halte ich nichts. Ein Konzern wie VW wird eine solch schwierige Situation verantwortungsvoll und vor allem selbstbewusst meistern.

6. Ähnlich wie das Duell zwischen Bayern und Dortmund angesichts der bisherigen Ergebnisse mit Spannung erwartet worden war, fußte die Spannung vor der Partie zwischen Hannover und Bremen auf dem beeindruckenden Dilemma, dass diesmal nicht beide gleichzeitig verlieren konnten. Niemals Allein springt wie gewohnt kritisch mit dem Frontzeck-Fußball um (»Lange Bälle, kaum Intensität, kaum Qualität«), der diesmal allerdings zu einem 1:0-Sieg reichte. Warum dennoch zu hoffen sei, dass mehrere Posten bald neu besetzt werden, ist bei The Walking Red nachzulesen. Der kicker transkribierte Viktor Skripniks Einschätzung als »Unruhig werden wir nicht, denn wir haben noch viel Zeit und noch sehr viele Spiele bis zum Saisonende« (Stellungnahmen zu allen Partien hier).

7. In ganz anderen Sphären sportlichen Erfolgs bewegt sich derzeit Pál Dárdai. Seine Hertha schlug den HSV nicht nur verdient mit 3:0, sie befindet sich nach Einschätzung von Tim Rieke (Spielverlagerung) durchaus gerechtfertigterweise auf dem vierten Tabellenplatz. Eine bemerkenswerte Entwicklung des Fast-Absteigers aus dem Frühjahr.

8. In Ingolstadt verlor die Frankfurter Eintracht. Bei Eintracht Inside hat sich die Unzufriedenheit mit Spielern, System, Auftritt, Ausstrahlung, mit jeder Sekunde des Frankfurter Spiels, mit dem »Verarschtfühlen« in einen Text niedergeschlagen. Bei Beves Welt wird über den Fußball nicht geschwiegen, den angenehmen wie unangenehmen Umständen einer Auswärtsfahrt aber auf eloquente Weise viel Platz eingeräumt:

Ob des Feiertages waren kaum LKWs unterwegs, wir glitten flott auf der A3 voran, unterbrochen von kleinen Stockungen. Ab und zu dann die Wahnsinnigen, die in der Mitte Schleicher, der Motorradfahrer, der in aberwitziger Geschwindigkeit die Spuren wechselte wie ein Rennfahrer und natürlich Eintrachtfanbusse. Würzburg, Nürnberg, Abfahrt Ingolstadt. Landschaft in herbstgrün zog an uns vorbei, auf einem Parkplatz harrte ein tschechischer PKW ohne Nummernschilder seinem Ende entgegen.

9. Dann kam der Sonntag. Im Schatten des Spitzenspiels wurden zwei weniger bedeutende Partien ausgetragen. Bayer Leverkusen schlug weder den Gegner noch sich selbst vollends und kam zu einem 1:1 gegen den FC Augsburg (RP). Der FC Schalke 04 ist am Ende seiner Siegesserie angelangt, er unterlag dem 1. FC Köln mit 0:3 (tief stehen – schnell umschalten – hoch gewinnen, Tagesspiegel).

10. Die fußballerischen Erben aus den neuen Bundesländern haben sich fünfundzwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung in der Drittklassigkeit versammelt. Die FAZ bringt aus diesem Anlass eine Reportage über den vorsichtigen Optimismus im Ostfußball, die Magdeburger Freude über den endlich erlangten Anschluss an den Profisport und die Dresdner Selbstverständlichkeit eines Wiederaufsteiges in die zweite Bundesliga.

11. Ein Kontrastmittel: Die ZEIT über Chaos auf der Führungsebene, finanzielle Not, windige Deals, Fangewalt und deren Tolerierung beim FC Hansa Rostock.

Geburtstagskind des Tages

Wer hat heute Geburtstag? Einfach in die Kommentare posten! (Auflösung von Freitag: Ciprian Marica wurde 30)

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»[…] zum Beispiel die Fahrt zu Auswärtsspielen mit Sonderzügen, die teilweise kostenlos war. Einige Fans haben allerdings gesagt: Nee, da fahren wir nicht mit, da sind wir unter Beobachtung. Deshalb gab es mit den Bezirksstellen […] immer auch einen regen Austausch vor den Spielen. Am Anfang der Spieltagwoche haben wir uns hingesetzt, den Erkenntnisstand abgeglichen und den Kontakt zur Polizei geknüpft. Bei Auswärtsspielen mit den Dienststellen vor Ort und mit der Transportpolizei, die in den Zügen zuständig war. […] Was den Kampf gegen rechts angeht, sehe ich keinen prinzipiellen Unterschied zu den Methoden, die der Verfassungsschutz anwendet.«

Die 11Freunde im Gespräch mit einem ehemaligen Mitarbeiter der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze des Ministeriums für Staatssicherheit, zuständig für die Beobachtung von Fußballrowdys.

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2 comments » Write a comment

  1. “”Untergang der Bundesliga”-Mimimi ist so langweilig wie der Kampf um die Meisterschaft.”

    Was will uns der Autor damit sagen? Das wir beides lassen sollen? Versteh ich nicht.

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