#Link11: Good Vibrations

Gute Stimmung (fast) überall. In München frohlockt man, ob der Weitsicht und Präzision von Jerome Boateng, in Köln und Berlin ist eitel Sonnenschein, auf Schalke kann man sich mit einer Heimniederlage arrangieren, in Duisburg geht es vorwärts trotz roter Laterne und selbst ein mittelloser Fußballer im Sudan hört nicht auf, an seinen Traum zu glauben. Alles eine Frage der Einstellung.

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1. Den zeitsouveränen Taktikticker erfindet Constantin Eckner in seinem Rückblick auf den Bundesligaspieltag. Er dokumentiert die Abnutzungskämpfe vom Wochenende und lobt Andre Schürrle für sein Spiel als Neuner (Spielverlagerung). Quarterback Jerome Boateng huldigt die SZ.

2. Andre Breitenreiter leistete dem gesunden Kölner Selbstbewusstsein Vorschub, als er das Stöger-Team in der PK nach dem Spiel als „Topmannschaft“ bezeichnete. So ganz trauen, mag Unnatürliche Handbewegung dieser Aussage nicht. Auch in Berlin läuft es besser als gedacht – wer hätte vor der Saison vermutet, dass Vedad Ibisevic und Salomon Kalou ein funktionierendes Sturmduo formen (Tagesspiegel)?

3. Liverpool und Brendan Rodgers gehen getrennte Wege. Die Entlassung hatte sich angedeutet, die Gründe sind mannigfaltig. Eine verfehlte Transferpolitik sehen Cavanis Friseure. Es wurde teuer eingekauft, aber viele Spieler konnten nicht in den Kader eingebaut werden, die zweifelsohne über Qualität verfügen. David Conn sieht eine Identitätskrise und andere Teams, die in Sachen Infrastruktur und Management Liverpool deutlich enteilt sind (Guardian).

4. Die Gewerkschaft der Polizei macht sich Sorgen. Die derzeit veröffentlichten Zahlen der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze verdeutlichen, dass 1700 Polizisten permanent dafür abgestellt werden, die Sicherheit bei Fußballspielen zu gewährleisten (Handelsblatt). Es gibt natürlich noch eine andere Lesart des Berichts (PDF). Im Vergleich zum Oktoberfest ist ein Bundesligaspieltag (weiterhin) ein Kindergeburtstag und die Einsatzstunden der Polizei werden ebenfalls weniger – Hertha Inside wertet aus.

5. Wenn ein Sportdirektor trotz des letzten Tabellenplatzes gelobt wird, muss er einiges richtig machen. Kees Jaratz applaudiert Ivo Grlic für ein offenes Interview, in dem dieser sich am branchenüblichen Sprech orientiert, dabei jedoch auch etwas zu sagen hat und nicht nur hohle Phrasen drischt. Grlic verteidigt sein Festhalten am Trainer und seine Transferpolitik und wünscht sich ein Erfolgserlebnis (Reviersport). Dieses ist auch prompt mit dem Sieg der Duisburger im gestrigen Montagsspiel gegen Paderborn eingetreten (SZ). Alles richtig gemacht. Das gilt nicht für Paderborn, wo Schwarz und Blau viele Probleme und einen wackeligen Trainerstuhl sieht.

6. Welcome United heißt ein Team, das zu Babelsberg 03 gehört und dessen Kader ausschließlich aus Zuwanderern besteht. Als Teil einer Artikelreihe hat die taz der Mannschaft einen Besuch am 4. Spieltag in der Kreisklasse abgestattet. Kreisklassenromantik trifft Flüchtlingsteam trifft Babelsberger Ultras.

7. Jetzt was fürs Auge. In einem Artikel hat die NZZ eine nette Linkliste mit Illustratoren und Zeichnern im Fußballbereich zusammengestellt. Daniel Nyari liefert den putzigen Mini-Kroos und Old School Paninni trommelt für die Prints von miniboro, die ich bisher noch nicht kannte:


8. Die Premier League ist Big Business. Davon sieht man in Liverpool rund um die Anfield Road und Goodison Park wenig. Ron Ulrich hat eine Meile Fußmarsch auf sich genommen und die Menschen getroffen, die zwischen den beiden Stadien leben. Er zeichnet mit Foto- und Videomaterial das Bild einer sinnstiftenden Rivalität und zeigt die Absurdität einer treuen Fangemeinde, die einen Steinwurf vom Stadion entfernt lebt, sich aber kein Ticket für den Herzensverein leisten kann (11freunde). Weiteres Bildmaterial direkt beim Fotografen, der Ron Ulrich begleitet hat (David Oates).

9. „Ich bin eher so der olfaktorische Lerntyp“, habe ich in der Schule mal von einem Mitschüler gehört. Garnicht so abwegig ist es hingegen, das Hören dem Lesen vorzuziehen. Als Neuzugänge für die Podcast-Playlist gibt es den/das aktuelle Glückauf Pils, in dessen Verlauf Torsten Wieland nichts Verwerfliches an der Niederlage gegen Köln finden kann, den popkulturesk-unterhaltenden Spieltagsrückblick des Brennercast sowie die Altmeister vom Textilvergehen, die Unions Niederlage in Braunschweig aufarbeiten.

10.

Brücken und Asphalt zeugen vom Fortschritt durch Öldollars, dem die Konflikte um die Abspaltung des Südsudans im Jahre 2011 wenig anhaben können. Touristen sind noch selten im mittleren Niltal. Um sich diese Welt zu erschließen, bedarf es echter Abenteurerlust.

Hm, der Sudan, beschrieben in einer Touristeninfo. Hört sich nicht wirklich einladend an. Für Dennis France dennoch ein Sehnsuchtsort, die Mentalität der Sudanesen hat es ihm angetan. Der Berliner möchte Fußballspielen, hat einen Profivertrag im Sudan in Aussicht und strandet (Tagesspiegel) – was kein Grund ist, der ihn von einem 2. Anlauf abhalten würde.

11. Wenn eine Lokalzeitung ihrer Chronistenpflicht nachkommt ist das meist…dröge. Ganz anders, meiner Meinung nach, macht es ein Text der Sächsischen Zeitung, der die „Erzgebirgsultras“ eines Kreisklassenvereins vorstellt und den unbedarften Leser in Sachen Ultras an die Hand nimmt:

Die aktive Spezies ist meist leidensfähig, hat einen ausgeprägten Hang zur Selbstironie, manche der Gruppierungen sind – so wie beim Dresdner Sportclub – eher linksorientiert. Und alle eint, dass sie auf dem Dorfsportplatz so tun, als stünden sie im Bernabeu-Stadion.

Inwieweit 70er-Jahre Perücken mit der Ultrakultur vereinbar sind, steht auf einem anderen Blatt. Darüber hinaus dokumentiert der Text einen rassistisch motivierten Übergriff auf die Gruppe bei einem Auswärtsspiel (Sächsische Zeitung).

Geburtstagskind des Tages

Wer hat heute Geburtstag? Einfach in die Kommentare posten! (Auflösung von gestern: William Georg »Jimmy« Hartwig wurde 61)

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Eine neue Folge von Collinas Erben wartet darauf, gehört zu werden.

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Christoph Biermann erklärt, warum die Bayern so überlegen sind (11freunde).

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»Meine Aufgabe […] ist, richtungswegend Klassenerhalt. Und das wird ab heute um 8 Uhr stattfinden.«

Und das ist erst der Anfang. Thorsten Legats Brandrede bei seiner ersten PK als Neutrainer in Remscheid (RP). Ob man nun Kübel mit Spott über ihm ausleeren muss, sei dahingestellt. Eine ganze Reihe von denkwürdigen Neologismen hat er zweifelsohne kreiert.

Mixed Zone
Was macht eigentlich Stanislav Tschertschessow: er ist ab sofort bei Legia Warschau angestellt, Rightbankwarsaw mit einem Porträt + + + Kauczinski, Karlsruhe, Kosequenzen (Spon) + + + Doppelt hält nicht lang: Leonid Sluzki ist die russische Lösung für den vakanten Trainerposten bei der Sbornaja und wird wohl nicht mehr lang ZSKA trainieren (NZZ) + + + Nachruf: auf Rüdiger Raguse, einen engagierten BVB-Fan (schwatzgelb) + + + Trainerwechsel: 1860 München beurlaubt Trainer Fröhling – Benno Möhlmann übernimmt (1860 direkt)

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