#Link11: Die Nachfahren der Rumpelfüßler

8 Spiele: 6 Siege, 1 Unentschieden, 1 Niederlage, 20:4 Tore. Das Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Qualifikation für die EM 2000 kann man, betrachtet man die bloßen Zahlen, getrost als passabel einordnen. Seit gestern steht die DFB-Auswahl mit der gleichen Bilanz bei etwas schlechterem Torverhältnis da. Dazwischen liegen dennoch Welten, und damit meine ich nicht die Abgründe, die sich allein aus der zeitlichen Lücke und der dadurch bedingten Weiterentwicklung des Fußballs aufgetan haben.

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1. Mühsam nähert sich das Eichhörnchen. Die DFB-Auswahl kontrollierte gestern zwar das Spiel gegen Schottland, musste aber lange um den Sieg zittern. Raphael Buschmann fasst bei Spiegel Online das 3-2 zusammen und benennt die Baustellen. Thomas Hummel sah von der Kulisse unbeeindruckte Deutsche und ein schottisches Team, dessen Taktik beinahe aufgegangen wäre (SZ). Bemerkenswert auch die Kack-Tor-Dichte in Halbzeit 1 (Zusammenfassung bei RTL).

2. Die Verfolger des DFB-Teams in der Quali-Gruppe waren ebenfalls siegreich, Portugal gewinnt in letzter Sekunde und Nordirland macht die EM-Qualifikation noch nicht klar. Die SZ fasst die Partien von gestern zusammen. Heute ist in der EM-Quali Wayne Rooney mit England am Zug. Der beste Torschütze der Three Lions (zusammen mit Bobby Charlton) wird in Kürze 30 und steht nun seit fast 15 Jahren auf der großen Fußballbühne – Grund genug für den Tagesanzeiger ihm ein Porträt zu widmen. So langsam aber sicher im Karriereherbst kommt auch Zlatan Ibrahimovic an (ich schreibe das lieber etwas kleiner, auf dass ich mir nicht seinen Zorn zuziehe). Seine Schweden spielen ebenfalls heute Abend. Die Meinungen über die Nationalmannschaft nach Zlatan gehen auseinander. Nach Zlatan kommt lange nichts, sagt Zlatan. Aber der Gewinn der U21-EM macht Hoffnung (Ballesterer).

3. Die EM-Teilnahme ist noch aus eigener Kraft machbar für Albanien. Eine Qualifikation wäre der größte Erfolg der jüngeren Fußballgeschichte. Lange Jahre siechte der albanische Fußball dahin, auch bedingt durch die politische Situation. Sean Williams traf einen Spieler, dem es im stramm kommunistischen Albanien der Nachkriegsjahre verwehrt wurde, sein fußballerisches Können zu zeigen – Alfredo Ruco. Anhand seiner Biografie wird die Entwicklung des Fußballs bis zu den jüngsten Erfolgserlebnissen der Nationalmannschaft und des KF Skënderbeu nachgezeichnet (New Yorker).

4. Einer weiteren aufstrebenden Fußballnation widmet sich die NZZ. Aufstrebend ist relativ, denn wir reden hier von Weltranglistenplatz 164, 1500 verkauften Trikots und einem 0:15 am vergangenen Wochenende. Aber hey, es geht um Bhutan, ein Verband, der sich noch 2002 mit Montserrat um den Titel „Zweitschlechteste Fußballnation“ duellierte.

Alles andere als gut läuft es im serbischen Fußball. Die Vereinsmannschaften kämpfen ums Überleben und spielen eine untergeordnete Rolle im europäischen Fußball. Was in Serbien schief läuft und welcher Verein mit gutem Beispiel vorangeht und seinen Spielern regelmäßig ein Gehalt zahlen kann, erläutert Futbolgrad.

5. Eintracht Frankfurt hat ein Luxusproblem, meint Ingo Durstewitz (FR). Wenn Alex Meier wieder voll genesen ist, muss Armin Veh ihn in seinen Kader einbauen und das Spielsystem anpassen. Doch es gibt schon Offensivpersonal, das sich bisher bewährt hat.

In Bremen komplettiert Offensivkraft Claudio Pizarro den Kader. Der Transfer verbessert, obwohl niemand bei Werder das so recht thematisieren möchte, die Verhandlungsposition von Thomas Eichin bei seiner Vertragsverlängerung, die noch immer im Gange ist. Eine Bilanz von Eichins Arbeit bei Werder liefert der Weser Kurier.

6. Möchten sie wissen, wie es um RB Leipzig steht? Haben sie 10 Minuten Zeit? Dann kann ich wieder einmal den neuesten Beitrag im Rotebrauseblog empfehlen. Der mäßige Saisonstart wird mit erhellenden Zahlenspielen erläutert, die aktuelle Situation im Kader beschrieben und eine umfassende Ursachenanalyse betrieben.

7. Am Sonntag lief bei der ARD die ultimative Lobhudelei auf Franz Beckenbauer anlässlich seines 70. Geburtstag (ARD Mediathek). Dem Film gelingt nicht, woran sich viele Journalisten die Zähne ausbeißen. Beckenbauer ist nicht greifbar, kritische Fragen überhört er und wirkt in erster Linie: unschuldig. Warum der Kaiser sich schon immer aus allem heraushalten konnte und warum man es ihm durchgehen lässt, versucht Stefan Willeke in seiner Kritik herauszuarbeiten und streut nebenbei noch ein paar Begebenheiten ein, bei denen er in den Genuss der Beckenbauerschen Aura kommen durfte. Wer das Original nicht erträgt, dem sei Olli Dittrichs Schorsch Aigner empfohlen.

8. Aber es gibt auch Schatten. Journalist Andrew Jennings hat ein besonderes Geschenk für den Kaiser. Er erläutert en detail wie Deutschland zu WM-Ausrichter-Ehren 2006 kam: Leo Kirch, dicke Briefumschläge und FC Bayern-Freundschaftsspiele im Tausch gegen eine Stimme für die deutsche WM-Bewerbung (Mail on Sunday).

9. „Absurder Trash“ beschreibt den Inhalt eines Videos der Ultras Wuppertal wohl am treffendsten, das anlässlich des Spiels gegen den KFC Uerdingen „produziert“ wurde. Die 11freunde mit einer dem Inhalt angemessenen Analyse. Wer keine Angst um seine Augen hat, hier geht es zum Video. Mit der Ultrabewegung, ihrer Herkunft, Entwicklung und Radikalisierung hat sich der WDR befasst – herausgekommen ist ein hörenswertes Feature.

10. Nur noch selten sehen sich Spieler und Verantwortliche des jüdisch geprägten Amateurfußballklubs TuS Makkabi in Berlin offenem Antisemitismus ausgesetzt. Die Vorurteile und Beleidigungen bleiben. Sie fallen meist beiläufig (Tagesspiegel).

11. Der FC Porto hat mit einem offenen Brief einen Aufruf an alle Teilnehmer der Champions League gestartet. Der Vorschlag: 1 Euro je verkauftem Ticket sollen die Vereine an den ersten beiden Spieltagen spenden (Goal.com).  Borussia Mönchengladbach ist dabei (sport1). Anderes Engagement zeigt Celtic Glasgow, wodie Celtic FC Foundation Spenden sammelt.

Geburtstagskind des Tages

Wer hat heute Geburtstag? Einfach in die Kommentare posten! (Auflösung von gestern: Andreas Thom wurde 50.)

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Kleine Schritte gegen die englische Vormacht (Constantin Eckner)

Field Reporter

»Die Dauerkartenpreise in der Volkswagen Arena sind so günstig, dass es sich offenbar für einige Menschen lohnt eine Dauerkarte zu erwerben, ohne ein wirkliches Interesse am VfL Wolfsburg zu haben.«

Thomas Röttgermann, Geschäftsführer, VfL Wolfsburg. Der Verein sucht derzeit nach Wegen und Mitteln seine Tribünen zu füllen und wünscht sich einen Austausch mit den Fans (Wolfs Blog).

Mixed Zone
Hamburg: Uwe Seeler macht sich heute ausnahmsweise mal keine Sorgen + + + Iran: Kulturelle Invasion am Unterarm (FAZ+ + + Abgespact: neue Trainingsform bei Hoffenheim (kicker) + + + Putzig: Daniel Nyari illustriert Bastian Schweinsteiger in niedlich – wie wohl Philipp Lahm daneben aussehen würde? + + + Mario Götze: altert schneller, als man denkt (Schottische Furche) + + + Champions League: backpagefootball über den Neuling FC Astana + + + Zwischenfazit: Pleitegeigers Eindrücke vom HSV an Spieltag 1-3 + + + Lebensmittelvergiftung: Luxemburgs Nationalmannschaft außer Gefecht, passende Wortspiele im sozialen Netzwerk ihres Vertrauens (WAZ)

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Zum Geburtstag könnte er sich jetzt endlich das Hoffenheim-Tattoo gönnen, der Herr Babbel.

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