CE71 – Perlen der Schiedsrichterei


In Berlin erfindet eine Boulevardzeitung einen Schiedsrichterfehler, den sonst niemand bemerkt hat, in Hoffenheim gibt es mal wieder Aufregung um das Thema Handspiel, und in Hamburg trifft der Schiedsrichter zwei Weltklasseentscheidungen, wie nicht nur ein früherer Kollege von ihm befindet. Auch der zweite Bundesliga-Spieltag bietet also wieder genügend Material für eine ganze Podcastfolge. Aber wir sprechen auch über einige Szenen aus den Rückspielen der Qualifikation zur Champions League und beantworten die Frage, wann genau eigentlich die Strafgewalt des Unparteiischen beginnt und endet.
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Musik: Tha Silent Partner – P Pulsar (Album Version)

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43 comments » Write a comment

  1. Hallo, ne kurze Frage zu den Amazon Wunschzetteln.

    Ich kann da immer nur meine eigene Adresse als Versandadresse auswählen. Habt ihr da irgendwie Erfahrungen? Ich will das ja schließlich nicht bei mir haben :)

    mfg
    Leon

    • Das ist seltsam, aber als ich gerade probehalber den Versuch unternommen habe, ging es mir wie dir. Bei der Suche nach einer Lösung bin ich dann darauf gestoßen, dass ich wohl mein Listenprofil aktualisieren muss – in der Tat stand dort aus unerfindlichen Gründen keine Anschrift. Das habe ich jetzt geändert, es sollte nun also funktionieren. Klaas müsste es seinerseits ebenfalls tun.

  2. Wie immer sehr angenehm zu hören. Auch wenn ich mit eurer Bewertung der Müller-Situation nicht übereinstimme. Das sieht total merkwürdig aus, was da passiert, aber sobald man anerkennt, dass das keine Absicht war, muss man doch eigentlich weiterlaufen lassen, oder? Der ganze Kram vonwegen Körperfläche und so dient doch nur dazu, Hinweise auf Absicht oder Nicht-Absicht zu finden. Was wiederum bedeutet, dass das bedeutungslos wird, sobald man zugegeben hat, dass es keine Absicht war.

    Klar, die aktuelle Praxis ist irgendwie so, dass man das abpfeift. Das wird ja schon dadurch schön gezeigt, dass sogar Müller selbst das folgende Tor für irregulär hielt. Aber ich sehe nicht, wie man das aus den Regeln rausholen kann.

    Nun kann man sich natürlich fragen, was daraus folgen würde, wenn man so ein Tor anerkennt. Versuchen bald Spieler regelmäßig Schüsse von Mitspielern zu stoppen, nur um da so eine Situation wie bei Müller draus entstehen zu lassen? Ich tippe eher nicht drauf. Das dürfte fast immer zu auffällig sein – und zu Ärger mit dem Mitspieler, von dem der Schuss kam, führen.

    Insofern würde ich keine größeren Konsequenzen erwarten, wenn man Schiedsrichtern sagt, in Zukunft solche Situationen laufen zu lassen. Die Welt wäre jedoch um das vielleicht ultimative ‘Müller-Tor’ reicher.

  3. Vielen Dank für eine neue Perle der Podcasterei ;-)
    Bezüglich der Diskussion um beim Elfmeter hereinlaufende Spieler hab ich mal eine Frage.
    Da wir jetzt ja (zumindest in der Bundesliga) unser schickes Hawk-Eye-System haben, ist es doch eigentlich sinnlos wenn der Linienrichter beim Strafstoss auf der Grundlinie steht. Statt dessen könnte er doch auf Höhe der Strafraumkante stehen um hereinlaufende Spieler im Auge zu behalten. Damit braucht der Schiedsrichter sich nicht darum zu kümmern und wird bei Regelverstoss von seinem Assistenten darauf aufmerksam gemacht. Könnte man ja auch mit der Fahne anzeigen. Wenn das zu Beginn einer neuen Saison klar kommuniziert und in den ersten Spielen auch so praktiziert wird dürften sich die Spieler nach ungefähr 3 Spieltagen damit arrangieren.

    • Das wäre natürlich eine Option. Andererseits besteht die Aufgabe des zuständigen Assistenten nicht nur darin, zu beobachten, ob der Ball die Linie überschreitet, sondern auch darin, das Verhalten des Torwarts zu überwachen und ggf. Meldung zu erstatten, wenn der Keeper sich deutlich zu früh von der Linie bewegt. Deshalb wird es wohl dabei bleiben, dass der Assistent beim Strafstoß auf der Torlinie steht.

  4. Zum Thema Karten habe ich noch eine schöne Anekdote, vor Jahren sprang ich als Notfallschiedsrichter bei einem niedrigstklassigen B-Jugendspiel ein, konnte aber in der Kürze der Zeit keine “Schiriausstattung” organisieren. So einigte ich mich mit den Betreuern und Kapitänen der Mannschaften auf folgende Lösung: Statt Pfiff rief ich laut “STOP” und die Karten wurden durch eine orangefarbene EC-Karte der norisbank und eine gelb-blaue EC-Karte der Postbank ersetzt (die dann aber auch nicht zum Einsatz kamen…). Hat funktioniert und sorgte für eine durchgehend sehr launige Grundstimmung auf dem Platz… :)

  5. Interessant fand ich bei HSV-VfB noch das Laufduell zwischen Ginczek und Djourou vor dem 3:2. Ginczek lief, m.E. nicht ganz unbewusst, Djourou in den Laufweg, Djourou brachte ihn dann, m.E. ebenfalls nicht ganz unbewusst, zu Fall. Ginczek lag, Djourou lief weiter und erzielte Augenblicke später den Siegtreffer. In erster Linie dumm gelaufen. Dennoch: ist es total abwegig, da überhaupt über ein Foul zu reden?

  6. Hallo ihr zwei,

    Zu #71 zwei Anmerkungen:

    1. hätte nie gedacht, dass ich das erleben durfte : Alex falsch! Bei der Hörer Frage, betreffend die zwei neben einander stattfindenden Spiele stellt Alex allein auf die zeitliche Strafgewalt des Schiedsrichters ab. Das ist hinsichtlich des Schiedsrichters 1 nicht richtig, denn dieser leitet ja bereits das Spiel. Dieser Schiedsrichter darf dem fremden Spielern deshalb keine Karte zeigen, weil eher nicht der persönlichen Strafgewalt des Schiedsrichters 1 unterliegt, denn es handelt sich um einen Dritten. Der Schiedsrichter des zweiten Spiels kann tatsächlich deshalb keine Karte zeigen, weil er noch keine zeitliche Strafgewalt hat.

    2. zu der Diskussion um die Notbremse wegen der Verhinderung der Entstehung einer Torchance: wie möchte der Kommentator das denn definieren? Wie soll eine normale Spielsituation von einer Entstehung unterschieden werden? Nur wenn hier eine vernünftige Abgrenzung vorgeschlagen werden kann, würde eine weitere Diskussion überhaupt lohnend erscheinen, andernfalls sollte es schon aus Gründen der Klarheit der Riegeln so bleiben, wie es ist.

    Ansonsten wieder eine super Folge, macht weiter so!

    • Das war zugegebenermaßen etwas missverständlich formuliert. Ich wollte am Beispiel der Passkontrolle vor dem Spiel grundsätzlich verdeutlichen, wann die Strafgewalt des Schiedsrichters überhaupt beginnt (und dass sie nicht schon einsetzt, wenn der Schiri das Sportplatzgelände betritt). Das bezog sich natürlich auf den Referee des A-Jugend-Spiels; meine Erklärung dazu setzte ja nach dessen Erwähnung ein. Die Handlung des Unparteiischen in dem B-Jugend-Spiel dagegen hat damit nichts zu tun, und ich habe in diesem Zusammenhang auch nicht mit der Strafgewalt argumentiert, aber nach den vorherigen Ausführungen könnte man es so verstehen. In jedem Fall hast du Recht, dass die Spieler des nachfolgenden Spiels während einer noch laufenden Partie wie Zuschauer zu behandeln sind. Karten können ihnen nicht gezeigt werden, weder vom Schiedsrichter des laufenden noch vom Schiedsrichters des nachfolgenden Spiels. Gleiches Ergebnis, unterschiedliche Rechtsgründe. Danke für die Klarstellung, das war wichtig.

    • Wenn ich mit klugscheißen darf: Der Satz “Die Strafgewalt des Schiris beginnt mit Betreten des Platzes und endet mit dessen Verlassen” beinhaltet doch die unausgesprochene, aber selbstverständliche Ergänzung “..mit Betreten des Platzes, auf dem das zu leitende Spiel stattfindet”. Der Platz, auf dem das B-Jugend-Spiel stattfindet, hat der Schiedsrichter des A-Jugend-Spiels nicht betreten. Insofern alles richtig und kein Grund für Entschuldigungen. So viel mitdenken wird man von seinen Hörern schon noch erwarten dürfen. ;)

      • Gleichwohl ist das nicht der Grund, weshalb Schiri 1 den fremden Spieler nicht verwarnen darf ;)

  7. Was haltet ihr von dieser Eckballvariante? (Meine Vermutung ist, dass SR-Pfiffe im Hintergrund nicht zu den Wiederholungen, sondern zum laufenden Spiel gehören)
    https://www.youtube.com/watch?v=U8HlRFTMfKA&feature=youtu.be

    Und im Vergleich dazu folgende Szene?
    https://www.youtube.com/watch?v=UlDc854aGHM

    Meiner Meinung nach hat die abwehrende Mannschaft keine wirkliche Möglichkeit, dass zu unterbinden, denn wenn einer von denen zur Eckfahne rennt und sich den Ball schnappt, wird es abgepfiffen und man handelt sich locker eine Verwarnung ein.
    Ich als SR würde auch erstmal blöd schauen und wahrscheinlich die Aktion der Angreifer abpfeiffen, auch wenn eine solche “Ausführung” theoretisch erlaubt ist.

  8. Lieber Klaas, lieber Alex,

    ich pfeife jetzt seit knapp 2 Jahren, auch dank eures Podcast.
    Eine Spielsituation warf bei mir einige Fragen auf.
    Am Sonntag wollte ich einen Freistoß per Pfiff freigeben. Ich habe das auch deutlich signalisiert. Als die Mauer stand und ich in Position war, führte der Schütze den Freistoß vor Pfiff aus. Ich ließ den Freistoß wiederholen, vergaß aber die Pflichtverwarnung. Es kam während des Spiels öfter vor, dass Spieler dieser Mannschaft vor dem Pfiff ausführen wollten. Da pfiff ich dann einfach schnell noch, denn: Es waren jeweils Spieler anderer Nationalität und sie schienen das nicht mit Absicht zu machen. Sie schauten mich auch direkt vor dem Freistoß jeweils kurz an.

    Frage 1) Bin ich zu barmherzig?
    2) Ist das mit der Zwangswiederholung eine DFB- oder eine FIFA-Regelung? (also vielleicht in anderen Verbänden anders geregelt)
    3) Ist die vergessene Pflichtverwarnung ein Wiederholungsgrund?
    3.1) Was für Gründe gibt es überhaupt, ein Spiel zu wiederholen?
    4) Das Punktesystem der Beobachtung ist auch für mich als Schiedsrichter schwer zu durchschauen. Vielleicht könntet ihr in einem eurer nächsten Podcast mal eine kurze Einführung in 8,5 bis 7,6 geben? (wenn nicht, könnt ihr diesen Punkt auch ungelesen lassen)

    Ich danke euch für all die erklecklichen Stunden bis hierher. Hab euch am Sonntag auf dem Weg zum Spiel gehört :-)

    Liebe Grüße,
    Mi-KhaEl-

    • Zunächst einmal vielen Dank für das nette Lob! Und wenn wir ein bisschen dazu beigetragen haben, dass du Schiedsrichter geworden bist (und bleibst), freut uns das natürlich noch mehr.

      Zu deinen Fragen:

      1.) Ganz ehrlich: ja. Die Pflichtverwarnung heißt nicht ohne Grund so. Wenn ein Spieler einen klar blockierten Freistoß vor dem Pfiff ausführt, ist eine Gelbe Karte zwingend. Und ich könnte wetten, dass es in deinem Spiel nicht zu weiteren vorzeitigen Freistoßausführungen gekommen wäre, wenn du beim ersten Vergehen die Verwarnung ausgesprochen hättest. Der DFB-Schiedsrichter-Lehrwart Lutz Wagner hat mal bei einer Fortbildung in Köln den Tipp gegeben, die Blockierung des Freistoßes nicht nur allgemein zu signalisieren (beispielsweise durch die in die Höhe gehaltene Pfeife), sondern den mutmaßlichen Schützen auch direkt anzusprechen. Er empfahl einen Dialog in dieser Art: »Ich gebe den Freistoß per Pfiff frei, vorher darf nicht geschossen werden, sonst muss ich Gelb zeigen. Okay? Sagen Sie ›ja‹.« – »Ja.« Wir haben alle ein bisschen darüber geschmunzelt, aber der Tipp hat sich in der Praxis als ziemlich gut erwiesen.

      2.) Die Regelung gilt zumindest für den Bereich des DFB. In der Regel 13 (Freistöße) heißt es unter »Zusätzliche Erläuterungen des DFB«: »Fordert die zum Freistoß berechtigte Mannschaft die Einhaltung der 9,15-m-Entfernung vom Ball, soll der Schiedsrichter die Entfernung feststellen, aber durch ein unmissverständliches Zeichen verhindern, dass der Freistoß vor der Freigabe des Balles ausgeführt wird. Wird der Freistoß trotzdem ausgeführt, so ist er zu wiederholen und der schuldige Spieler ist zu verwarnen.«

      3.) Nein.
      3.1.) Wenn ein Regelverstoß durch den Schiedsrichter begangen wird, der Auswirkungen auf das Spielergebnis hat. Davon zu unterscheiden ist die falsche Tatsachenentscheidung. Es würde den Rahmen sprengen, das hier im Detail auszuführen, aber es gibt eine sehr lesenswerte Sportrechtsarbeit zu dieser Thematik: http://sportrecht.org/cms/upload/seminararbeiten/Foertsch.pdf

      4.) Das ist ebenfalls ein Thema, das einer längeren Erklärung bedarf. Wir greifen es gerne in einer der nächsten Podcastfolgen auf und erläutern es dort.

  9. Ich vermute mal, die Szene, in der Sonnenschein Spahic den Elfmeter verursacht und Rot kassiert, wird auch ohne diese Anregung Thema der nächste Sendung sein. Mir macht Ihr eine Freude, wenn Ihr dabei verstärkt auf die Frage der Kausalität eingeht. Modeste(?) stolpert ja vorher bereits für alle sichtbar über den Ball (ich kann mir nicht vorstellen, dass Aytekin das übersehen hat). Genauso offensichtlich kommt danach der Kontakt von Spahic. Da stellt sich doch die Frage: Kann man an einem bereits stolpernden Spieler ein (einfaches) Foul begehen?

    Im richtigen Strafrecht wird z.B. das Erstechen eines irrtümlich für lebend gehaltenen toten Menschen als Versuch der Tötung gewertet. Gibt es das auch beim Fußball? Versuchtes Beinstellen ist immerhin strafbar, das würde also gehen.

    Zusätzlich möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um Gagelmann zu loben und zu kritisieren. Lob: Er gefällt mir in der Rolle des Sky-Erklärbären aus dem Off deutlich besser als der hektische und nicht immer logisch konsistente Merk. Und in dieser Szene weist er auf den zweiten Kontakt (neben dem Schieben mit dem Arm) am Bein hin. Muss man auch mit Zeitlupe erst mal sehen. Kritik: Gleichzeitig sagt er zur Kausalitätsfrage gar nichts. Dabei drängt sich das doch ziemlich auf. Aber gut, ihm wurde auch nicht entsprechend nachgefragt.

    Schön war übrigens die Einordnung von Kai Dittmann in der Sky-Konferenz, Spahic habe dort Aytekin schon sehr viel angeboten, um zu pfeifen. Hübsche Formulierung. In diesem Zusammenhang würde mich noch interessieren, ob sich Aytekin in seiner Entscheidung auch von Spahics Laufweg hat beeinflussen lassen. Der konnte nämlich in meinen Augen zu nichts besseren mehr führen als zu einem Foul.

    • Die Anregung nehmen wir gerne auf. Vorweg schon mal: Zur Frage der Kausalität findet sich im Regelwerk selbst nichts – da sind Stoßen und Beinstellen schlicht und ergreifend Vergehen, die einen direkten Freistoß bzw. Strafstoß nach sich ziehen. Allerdings spielt die Kausalität in der Praxis (also bei der Auslegung der Regeln) natürlich eine große Rolle. Und da wird der Schiedsrichter bei einem Spieler, der bereits ohne gegnerische Einwirkung ins Trudeln geraten ist, immer abwägen, ob ein Kontakt nun ursächlich für den folgenden Sturz ist oder nicht.

  10. Kreisklasse 5 in Hamburg, HFC Falke gegen SV Groß-Flottbek, 29.08.2015

    Der Torwart der Falken bekommt den Ball knapp vor dem Stürmer, der mit gestreckten Beinen in diesen Zweikampf geht.
    Ich habe den Pfiff des Schiedsrichters nicht gehört, daher meine Frage: Nach einem vermeintlichem Zusammenprall dreht sich unser Torwart vor Schmerzen gekrümmt in das eigene Tor. Mit dem Ball in den Armen. Nehmen wir mal an, der Schiedsrichter hat wirklich nicht gepfiffen, das Spiel war nicht unterbrochen, dann müsste der Schiedsrichter doch auf Tor entscheiden, oder?

  11. 1) Ihr lobt ja oft die deutschen Schiedsrichter, nur bei ausländischen Schiedsrichtern hört man teilweise zwischen den Zeilen Kritik heraus. Aber gibt es in der Bundesliga Unparteiische die euch weniger zusagen? Wenn ja, wer und warum?

    2) Vorhin gab es im Spiel Bremen gegen Mönchengladbach eine interessante Situation, in deren Mittelpunkt der Gladbacher Granit Xhaka stand. In der ersten Hälfte sah er die Gelbe Karte wegen eines Fouls an Clemens Fritz, das aber in Wirklichkeit sein Mitspieler begangen hatte. In der zweiten Halbzeit grätschte ebenjener Xhaka Fritz dann wirklich um, was für mich sehr nach Gelb aussah, Schiedsrichter Zwayer beließ es aber bei einer Ermahnung. Kann es sein, dass ihm in der Pause seine vermeintliche Fehlentscheidung mitgeteilt wurde? Ist es für einen Schiedsrichter (vor allem aus taktischer Sicht) in Ordnung es in einem solchen Fall bei einer mündlichen Verwarnung zu belassen, da der Spieler ja zuvor zu Unrecht die Gelbe Karte erhalten hat?

    3) Außerdem noch eine kleine Anmerkung: Vermutlich bin ich einer der wenigen denen es so geht, aber ich finde ihr übertreibt es ein wenig mit der Champions-League-Hymne. Generell war das eine gute Idee sie vor dem entsprechenden Teil in diversen Versionen einzuspielen, aber ich finde sie einfach zu lang. Ich denke einmal den Refrain inklusive Abschluss zu spielen wäre gut, aber das ganze Lied ist mir einfach zuviel, schließlich will ich ja euch hören, nicht die Hymne.

    Ansonten macht ihr einen Superpodcast und selbst mit 10-Minuten-Hymnen würdet ihr mich nicht verscheuchen. Vielen Dank dafür!

    • Zu 1): Wir äußern ja immer mal wieder Begeisterung, wenn uns ein Schiedsrichter besonders gut gefällt, generell oder in bestimmten Spielen. Und wir versuchen bei Fehlern – national wie international – zu erklären, warum sie passieren. So etwas wie ein Negativ-Ranking möchten wir aber nicht machen.

      Zu 2): Die Fragen würden wir gerne mit in die nächste Podcastfolge nehmen, wenn du einverstanden bist.

      Zu 3): Hm, okay. Wir sprechen mal darüber. Aber es gäbe ja auch die Möglichkeit des »Vorspulens«, dann geht die Hymne schneller vorbei…

      • 1) Okay, das ist auch verständlich. Ich dachte nur, dass so etwas euer Lob noch verstärken würde (wer alle lobt, lobt niemanden), aber das kann ich verstehen.

        2) Klar, gerne!

        3) So mache ich das im Moment auch, das war auch überhaupt nicht böse gemeint, nur konstruktive Kritik :-)

  12. Hallo ihr lieben,

    Ich habe vorhin Sky 90 gesehen und finde es zutiefst bedauerlich, dass für die Regelauslegungen von allen Anwesenden die SR verantwortlich gemacht werden. Letzenendlich sind wir SR nur diejenigen, die die Regeln durchsetzen sollen, und nicht diejenigen, die die Regeln und Auslegungen festlegen.

    Auch fand ich einen Kommentar des Gladbacher Co Trainers in der Halbzeitpause sehr nett, als er nach der Strafstoßentscheidung gegen sein Team gefragt wurde:
    “Von unserer Position aus, sah es aus, als wäre es ein klarer Strafstoß, aber selbst wenn nicht, muss man sagen, dass das Gespann entschieden hätte, und man das dann akzeptieren sollte. Die Schiedsrichter haben es schon schwer genug”
    Da wird die Arbeit eines SR’s mal richtig wertgeschätzt. Genauso wie ich letztes WE in der Kreisliga C einenObstkorb vom Heimverein zur Verfügung gestellt bekommen habe, fand ich sehr nett.

    Auch möchte ich einmal auf das Thema Gagelmann zurückkommen. Er hat dieses WE bei Sky einige Entscheidungen kommentiert und erläutert. Alle Entscheidungen der SR wurden von ihm als richtig kommentiert (also die, die er kommentieren sollte). Ich finde, man hat generell gemerkt, dass er noch deutlich mehr in der Praxis der Spielleitung drin ist als Dr. Markus Merk. Auch wenn ich selber den Kontakt zwischen Spahic und Modest gesehen habe, aber in live Geschwindigkeit sehr überrascht über den Pfiff war, der so rüberkam wie ein leider oft verwendeter Platzverweis kurz vor Ende des Spiels um ein Zusatz 1/10 in der Beobachtung zu bekommen. In der Zeitlupe siehman einen Kontakt, aber der Spieler stolperte bereits, daher bin ich auch da immernoch sehr hin und her gerissen, was ich davon halten soll und freue mich bereits auf eure Einschätzung und die Erklärung des DfB in einer der nächsten SR Zeitungen.

    • Auch wenn ich mich gerade nicht so gerne mit meinem Lieblingsverein beschäftige, möchte ich anmerken, dass diese Beobachtung des Co-Trainers kein Zufall ist. Seine Vorgesetzten Favre und Eberl behandeln die Schiedsrichter grundsätzlich respektvoll und fair. Zusammen mit einem sich aus dem alltäglichen Bla-Bla weitgehend raushaltenden Präsidium eine Außendarstellung, wie man sie sich nur wünschen kann.

      Man muss aber auch zugeben, dass in Gladbach allein Sascha Rösler damals das Kontingent an fremdschämigem bescheuerten Schiri-Anlabern für die nächsten 100 Jahre aufgebraucht hat.

      • Absolut richtig, sternburg.
        Auch sehr bedauerlich dass Xhaka zunächst wegen einer Schwalbe, die er im Interview nachher zugibt, verwarnt wird und dann mehr als folgerichtig nach dem Tritt mit gelb/rot vom Platz muss. Man kann diskutieren, dass die erste VW nicht richtig war, aber danach hatte er ja bereits ein weiteres durchaus VW würdiges Foul gemacht, wo er noch nicht des Feldes verwiesen sondern nur ermahnt wurde, wo vermutet wird (siehe Kommentare oben), dass dem SR das mitgeteilt wurde, dass es sogar noch der falsche Spieler war. Wobei ich mich dann frage, wer das gewesen sein soll:

        1. SR-Gespann: warum erst in der Pause und nicht bereits im Spiel um den Fehler zu korrigieren
        2. von Vereinsvertretern, sollte man eher nicht glauben
        3. Beobachter, aber warum sollte er in der Pause in die Kabine, kenne ich so jedenfalls nicht
        4. in der Pause Tv geguckt, dann muss ja fast schon ein Verdacht da gewesen sein, da ich bezweifle, dass die SR in der Pause fern gucken. Ich habe jedenfalls anderes zu tun

        Ich finde bei Gladbach auch sehr auffällig, dass, wenn einer meckert, Xhaka generell häufig vertreten ist, er somit logischerweise bei den SRn auch schonbekanntnist, da er auch desödteren einmal “hinlangt”. Die SR kennen nunmal ihre Schäfchen, und in der Bundesliga wohl noch besser als wir in den Kreis- und Verbandsklassen

  13. Ich fand das Verhalten von Florian Meier rund um Thiagos gelbe Karte (19. Minute) im Spiel Bayern gegen Leverkusen seltsam. Das Foul ist klar, Meier steht nah dran, hat die gelbe Karte schnell in der Hand und winkt sich Thiago noch zu sich, obwohl dieser schon fast direkt vor ihm steht. Das gibt den anderen Spielern die Möglichkeit, sich hinzu zu gesellen. Dadurch fordert Meier sie im Rückwärtsgehen auf, sofort wieder wegzugehen und holt sich Thiago weiter durch Gestik zu sich. Verbal passiert allerdings nicht, weil Meier die Pfeife im Mund hat. Als Meier und Thiago dann “alleine” sind, zeigt Meier nur die Karte. Ich hätte da nach dem vorhergehenden Verhalten mindestens eine kleine Ansprache erwartet, aber Meier hatte immer noch die Pfeife im Mund. Warum tut Meier das? Gibt es dafür eine plausible Erklärung? Wäre die Szene – wenn schon keine Ansprache stattfindet – nicht besser gelöst, wenn die gelbe Karte früher in der Luft ist?

    • Aus meiner Sicht hat Meyer das sehr gut gelöst. Nach Thiagos Foul kam es sofort zu einer kleinen Versammlung von Münchner und Leverkusener Spielern. In einer solchen Situation ist es nicht sinnvoll, sofort die Karte in die Meute zu halten, sondern besser, erst mal den Spieler aus dem kleinen Pulk herauszuholen und den Rest auf Distanz zu bringen, um die Situation etwas zu beruhigen. Das hat Meyer mit klarer Gestik getan. Als er Thiago dann so weit separiert hatte, dass ihm andere Spieler zumindest nicht mehr großartig reinquatschen konnten, hat er die Karte präsentiert. Thiago hat dann noch ein bisschen lamentiert, aber das war wirklich nicht der Rede wert. Eine zusätzliche Ansage war da aus meiner Sicht nicht erforderlich, das Zeigen den Karte hat genügt.

    • Weil es in der Regel 14 (Strafstoß) lediglich heißt: »Aus einem Strafstoß kann ein Tor direkt erzielt werden.« Kann, nicht muss. Eine indirekte Ausführung ist also zulässig. Voraussetzung ist, dass der Ball vom Schützen nach vorne gespielt wird und derjenige, der ihn dann annimmt oder aufs Tor schießt, im Moment der Strafstoßausführung weder den Strafraum noch den Teilkreis vor dem Strafraum betreten hatte (abzüglich der üblichen Toleranz von vielleicht zwei Metern).

  14. Hallo Alex,
    habe eine Anmerkung zur Szene aus dem Champions-League-Spiel “da wo der Ball schon weg ist, der Stürmer aber im Strafraum gehalten wird und auf weiterspielen entschieden wurde” -> das ist aber dann im Umkehr-Schluss mit einigen Szenen vergleichbar im Strafraum, wenn ein Stürmer beispielsweise sich in Richtung Toraus bewegt, der Ball gerade noch im Spiel ist -> aber ein Kontaktvergehen des Torhüters oder Abwehrspielers vorliegt.

    Möglicherweise werden diese Foulspiele eher geahndet, als ein Textilvergehen. Ist nur eine Vermutung, dass die Schiedsrichter gerade im Strafraum dahingehend ein wenig toleranter sind.

    Ich finde es eigentlich gut, dass auch mal so ein Strafstoß mit minimalsten Kontakt (Spahic vs. Modeste) gepfiffen wurde. Das zeigt dem Rest der Liga, dass man sich im eigenen Strafraum als Verteidiger eigentlich Null Komma Nichts erlauben darf.

    Viele Grüße,
    Seb

  15. Vor ein paar Wochen gab es ja die Situation mit dem Spielabbruch in Osnabrück wegen des Feuerzeug-Wurfs auf den SR.

    Eine Eurer Aussagen war sinngemäß “bei Angriff auf den SR in jedem Fall Abbruch”.

    Würde das auch während EM/WM gelten? Würden Fifa oder UEFA ein KO-Spiel im Zweifelsfall nach 10min abbrechen, weil ein Zuschauer einen Offiziellen attackiert hat? Noch dazu, wenn sich nicht feststellen lässt, zu welcher Mannschaft der Angreifer gehört und es ja keine Heimmannschaft in dem Sinne gibt?

    Und – was würden FIFA oder UEFA machen, wenn ein KO-Spiel wegen der Wetterverhältnisse (zB Halbfinale WM74) nicht regulär zuende geführt werden kann (und eine Wiederholung schon aus zeitlichen Gründen schwierig ist).

    • Das gilt grundsätzlich auch für Turniere wie eine Welt- oder Europameisterschaft, klar. Für einen Schiedsrichter ist es auch unerheblich, wie die Instanzen hinterher zu ihrem Urteil kommen und welche Konsequenzen ein Abbruch hat. Er hat ihn vorzunehmen, wenn es nicht mehr weitergehen kann, alles Weitere liegt dann nicht mehr in seinen Händen und ist auch nicht sein Bier.

      Wie die FIFA oder UEFA nach einem gewaltbedingten Spielabbruch während eines Turniers den Täter ermitteln, das Spiel werten etc., weiß ich so wenig wie eine Antwort auf die Frage, was sie bei einem witterungsbedingten Abbruch tun würden. Beides ist meines Wissens noch nie vorgekommen, und ich habe keinen Schimmer, was deren Regularien in solchen Fällen vorsehen. Vermutlich sollen solche Ereignisse möglichst um jeden Preis vermieden werden.

  16. Von Klaas als Moderator würde ich mich morgens gerne aus dem Schlaf wecken lassen. Tolle Stimme mit feiner Lakonie, die sehr gut mit Alex harmoniert.
    Aber genug der Lobhudeleien.

    Ich habe auch eine Frage.
    Ich wohnte am vergangenen Wochenende dem C-Jugendspiel FC Bayern München – SV Sandhausen bei und war einigermaßen erstaunt, daß zwei Assistenten die Linien rauf und runter rannten.
    Ab wann, also Alter und Liga, ist es im Jugendbereich üblich, daß der Schiedsrichter von zwei Assistenten unterstützt wird?

    • In überregionalen Jugendspielklassen (und hier handelte es sich ja um eine Partie der C-Junioren-Regionalliga Süd) sind Schiedsrichter-Gespanne obligatorisch. Darunter dürfte es von Verband zu Verband unterschiedlich gehandhabt werden. Hier im Fußballverband Mittelrhein haben beispielsweise die Schiedsrichter in der A- und in der B-Junioren-Mittelrheinliga seit einiger Zeit grundsätzlich Assistenten dabei, eine Klasse tiefer, also in den Bezirksligen, dagegen nicht. Im C-Junioren-Bereich pfeifen die Schiedsrichter mittelrheinweit alleine.

  17. Hallo,

    super Podcast, wenn er auch viiiiiiel zu selten kommt.

    Ich hoffe, ich bin hier richtig mit meiner Frage:

    Nach dem 2:1 von Schalke gegen Mainz hat Huntelaar
    bei seinem Torjubel die Eckfahne zerstört.
    Ich frage mich, warum ein Spieler für eine derartige
    Gewaltausbrüche nicht verwarnt wird, auch wenn diese
    “nur” eine Sachbeschädigung zur Folge haben.

    In den FIFA Auslegungen zu Regel 12 [1] steht bei
    Verwarnung für unsportliches Betragen “Ein Spieler
    ist wegen unsportlichen Betragens zu verwarnen,
    wenn er … unerlaubte Markierungen auf dem Spielfeld
    anbringt.“

    Ich würde es so deuten, dass auch keine Markierungen
    entfernt werden dürfen. Sicherlich ist es auch verboten
    die Strafstoßmarke zu verwischen. Genauso könnte man
    der Auffassung sein, dass das Zerstören der Eckfahne
    ebenfalls mit einer Verwarnung zu ahnden ist.

    Ist es nicht gegen die Vorbildfunktion der Spieler,
    wenn dieses Verhalten ungestraft bleibt?

    Spornt dieses nicht die Fans an, ihre Aggressionen nach
    dem Spiel an den Fahrzeugen der Schiedsrichter auszulassen?

    [1] http://www.dfb.de/fileadmin/_dfbdam/Regelheft_2013-14-DFB.pdf

    • Entscheidend ist letztlich, ob der Schiedsrichter in der Art des Torjubels eine Unsportlichkeit erkennt. Explizit erwähnt werden diesbezüglich in den Regeln: provozierende, höhnische und aufhetzende Gesten, das Erklimmen des Zaunes, das Ausziehen des Trikots sowie das Bedecken des Gesichts mit einer Maske oder Ähnlichem. Der Tritt gegen die Eckfahne ist dort nicht aufgelistet und bleibt straffrei, wenn der Schiedsrichter darin kein unsportliches Verhalten sieht.

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