#Link11: Oh Lilien! Oh Lienen! Oh Lilien!

Es war etwas töricht die #Link11 an diesem Dienstag nach den Saisonfinals zu übernehmen, denn eine große Welle an Artikeln bricht über den Fußballfans im Lande zusammen, bevor sich Sommerpause und Transferwahnsinn ausbreiten.

Neben dieser großen Puzzleaufgabe hatte ich zwei Ohrwürmer zu bewältigen. Auf der einen Seite dieser eingängige Ausruf »Die Sonne scheint« von Alberto Colucci, dass gefolgt von einem »Oh Lilien! Oh Lilien! Oh Lilien!« auch noch ein »Ooo-hooo« zum Festklammern in den für Ohrwürmer zuständigen Hirnregionen zu bieten hat. Und auf der anderen Seite haben die Jungs von Fettes Brot nach dem Klassenerhalt einen alten Nationalgalerie-Klassiker zu einer Ode an ihren Trainer Ewald Lienen umgeschrieben. Bereits die zweite Hymne auf »Zettel-Ewald« nach der Heldensaga der Wise Guys.

Lasst die Lieder bei der Lektüre der #Link11 einfach im Hintergrund laufen. Das Klicken und Lesen könnte schließlich heute etwas länger dauern. Viel Spaß dabei!

blogundpresseschau

1. Weil es zeitlich noch näher liegt, starten wir mit Liga 2. Der FC St.Pauli hat sich – wie oben erwähnt – in der 2.Liga halten können. Nach dem Spiel war nicht mal mehr Zeit für ein Interview. Präsident Oke Göttlich zehrte Trainer Lienen vom Sky-Mikro zum Zug. Stefan Groenveld hat tolle Bilder aus Darmstadt mitgebracht. Einen Spieler der braun-weißen Kicker hat Zeit-Autor Kilian Trotier besonders unter die Lupe genommen: Julian Koch, verletzungsgeplagter Mittelfeldspieler, kämpfte nicht nur gegen den Abstieg, sondern auch um seine fußballerische Zukunft. Eine bemerkenswerte Langzeitreportage, die auch berührt:

»Sie fuhren hin, Julian Koch spürte seinen rechten Fuß nicht mehr. Er wurde in den OP-Saal geschoben. Als er aufwachte, sagten die Ärzte zu ihm: Wären Sie am Nachmittag gekommen, wir hätten Ihnen den Unterschenkel abnehmen müssen.«

Koch musste sich mit dem Kiezclub am letzten Spieltag geschlagen geben und konnte den Darmstädter zum Aufstieg gratulilien. Christian Spiller (Zeit) erlebte pures »Bölle-Feeling«, das Fußballromantikerherzen höherschlagen lässt, und beschreibt eine eindrucksvolle Aufstiegsfeier mit Bilderbuchplatzsturm. Die FAZ hat fünf Gründe für den Darmstädter Aufstieg gesammelt: »Kurios: Die Scoutingabteilung, in der andere Klubs auf etliche Mitarbeiter zurückgreifen, besteht aus den beiden Vätern von [Trainer] Schuster und [Co-Trainer] Franz.« Der hr hat wunderbare O-Töne gesammelt.

Wer sich über das letzte Bundesligajahr der Lilien ein Bild machen will, dem sei eine Reportage des ZDF-Sport-Spiegel empfohlen, die die letzten Feierabendfussballer der Bundesligageschichte und einen ersten sehr kurzen Auftritt von Cha Bum-kun in der Bundesliga zeigt.

Bernd Schwickerath (Spiegel) war in Kaiserslautern, wo der verpasste Aufstieg zur Routine und Spielerabgänge unvermeidlich geworden sind. Die SZ bietet eine Chronik zu 1860. Einem Verein »gefangen zwischen Tradition und Chaos«. Der Verein muss laut Philipp Schneider (SZ) unter »bösen Vorzeichen« in die Relegation. Bei Union Berlin entwickelt sich eine Wechselposse um Stürmer Sebastian Polter. (Tagesspiegel)

2. Kommen wir von den Höhen in Liga 2 zu den Untiefen in Liga 1. Freiburg wird nächste Saison wieder versuchen müssen sich im oberen Drittel der Zweitligatabelle zu etablieren, nachdem ein kreuzdämliches Eigentor den finalen Katastrophenmoment einer von Unentschieden und späten Gegentoren geprägten Saison bedeutete. Christian Streich nannte es nach dem Spiel in der Schlusspointe ein »Spiegelbild einer total grotesken Saison«. Christian Kamp (FAZ) über einen schleichenden Niedergang und schwierige Wochen. Christof Kneer (SZ) kommentiert den Abschied von der Freiburger Kreativschmide. SC-Fan Carmelo Policicchio beschreibt für 11 Freunde die Leere, die sich durch den Abstieg in ihm ausbreitete.

Ansgar Löcke (Spielfrei) verteilt Zeugnisnoten für 96 und seine Spieler. Neben Stindl konnte ihn nichts wirklich überzeugen. Niemals allein nennt den Sieg gegen Freiburg »schmeichelhaft«. Ich sehe es ganz ähnlich und habe für 11 Freunde über eine Saison geschrieben, in der es mehr Offene Briefe als gute Spiele von 96 gab.

3. In Paderborn gab es nach dem Spiel Applaus für alle. Für die Absteiger aus der größten Stadt im Süden der Region Ostwestfalen-Lippe und für den VfB. Bei letzteren hat man seinen »Jahrhundertretter« (O-Ton Robin Dutt) entlassen. Roland Zorn (FAZ) über den Abschied vom Wiederholungstäter Huub Stevens. Alexander Zorniger wurde derweil auch offiziell als neuer Trainer beim VfB bestätigt. (Spiegel) VfB-Fan Ute Lochner bedankt sich in ihrem Rückblick vor allem bei Daniel Ginczek, der ihr half monatelang angehäuften Ballast abzuschütteln. (11 Freunde) Im Blog Vertikalpass wird auch die besondere Rolle von Robin Dutt gewürdigt. Goldmann wagt sich an einen Saisonrückblick in mehreren Teilen. In Teil 1 muss Fredi Bobic die Sachen packen.

Für Frank Lüdecke (Tagesspiegel) sind die Paderborner trotzdem der Gewinner der Saison. Stephan Simann lässt die Saison im eigenen Blog Schwarz und Blau und bei 11 Freunde Revue passieren.

4. Gerettet hat sich einmal mehr der HSV – auch wenn die kurze Freude nach der erreichten Relegation sich schon nächste Woche wieder verflogen sein könnte. Frank Heike (FAZ) beobachtete die Zitterpartie der Hamburger und meint, dass die Relegation ein Geschenk für den dienstältesten Bundesligisten ist. Oliver Fritsch (Zeit) beschreibt, warum der HSV nervt und wie er Gerechtigkeitsgefühle strapaziert. Kay Sokolowsky (taz), HSV-Fan seit Keegan und Happel, erträgt den Dilettantismus kaum noch und fragt sich wie man ein ausgestorbenes Tier als Maskottchen wählen konnte. HSV-Fan Tanja Hufschmidt hat ihre Erlebnisse im Abstiegskampf lesenswert verarbeitet (11 Freunde). Auch Daniel Jovanov (goal) ist emotional ausgebrannt und sieht die größte Aufgabe noch auf Labbadia zukommen. Relegationsgegner Karlsruhe gibt sich kämpferisch und will die Uhr abstellen. (FAZ)

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p style=”text-align: justify;”>Beim Gegner fliegt Trainer Roberto di Matteo raus. Mit 229 Tagen Amtszeit ist er noch flotter als Fred Rutten (268) und Frank Neubarth (267) bei Schalke rausgeflogen. (via Torsten Wieland bei facebook) Uwe Berndt (web) sieht nicht im Trainer den Hauptschuldigen. Für ihn rückt Clubboss Clemens Tönnies immer mehr in den Fokus der Kritik. Auch Daniel Theweleit (Spiegel) sieht mindestens zwei größere Baustellen als den Trainerposten bei den Königsblauen. Philipp Selldorf (SZ) nennt es einen »Schalker Schaden auf allen Ebenen«. Benjamin Kuhlhoff (11 Freunde) spricht Manager Horst Heldt im Verhalten das Bundesligaformat ab. Schalke Jugentrainer Norbert Elgert, der mit der U19 des Vereins die deutsche Meisterschaft gewinnen konnte (RevierSport, Königsblog), schloss ein Engagement als Trainer der 1.Herrenmannschaft praktisch aus. (sid u.a. bei 11 Freunde)

5. Gerettet hat sich am letzten Spieltag auch die Hertha. Daniel Otto verarbeitete als Hertha-Fan den Abstiegskampf bei den 11 Freunden. Stefan Hermann (Tagesspiegel) fragt sich, was Trainer Pal Dardai nun plant: Ungarn und/oder Hertha? Michael Rosentritt (Tagesspiegel) fragt sich, warum Michael Preetz so fest im Sattel sitzt. Der Hoffenheimer Akademikerclub sah in den 90 Minuten gegen Hertha ein Spiegelbild der Saison.

6. Besonders deutlich kommentiert Christian Gödecke (Spiegel) den Abstiegskampf. Jeder bekommt sein Fett weg. Nur die Absteiger Paderborn und Freiburg erfahren Mitleid. Tobias Escher (11 Freunde) geht die Sache wie üblich analytischer an und erklärt was die Absteiger falsch gemacht haben. Ron Ulrich (11 Freunde) beschreibt was Huub Stevens und Michael Frontzeck richtig gemacht haben.

7. In Dortmund freut man sich über den Einzug in die Europa League und schickt zwei mit Applaus raus (siehe unten). Dank Trainerwechsel muss der Umbruch nicht ganz so groß ausfallen wie mit Jürgen Klopp. Freddie Röckenhaus (SZ) beschreibt die Pläne für den großen Umbau beim BVB. Die erste Baustelle wurde schon geschlossen. Gonzalo Castro wechselt von Bayer Leverkusen zum BVB. Constantin Eckner macht sich auf die datengestützte Fahndung nach einem neuen Stürmer für die Dortmunder. Einen mit Lewandowski-Qualitäten. Mia san rot rechnet mit der Bayern-Saison ab und hat 16 Thesen zum Deutschen Meister.

8. Kommen wir zu den Angeboten für eure Podcast-Player: Im Sportgespräch mit Philipp May (DLF) beschreibt Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking seine Fußballphilosophie und meint, dass der Erfolg des VfL nicht allein den VW-Millionen geschuldet ist. Sie schaden aber vermutlich auch nicht. Der Bockcast widmet sich ausgiebig dem Effzeh und der Liga insgesamt und ist sich nicht sicher, ob das Motto für die kommende Saison #klassenerhalt1516 oder #missionbaku lauten sollte. Im Textilvergehen widmet sich die Fünferrunde Union und verabschiedet sich von geschätzten Spielern. Im Rasenfunk wird der letzte Spieltag seziert und den Verantwortlichen in der Bundesliga an vielen Stellen kein gutes Zeugnis ausgestellt.

9. Johannes Aumüller (SZ) würdigt den Torschützenkönig der Bundesligasaison 2014/2015: Alexander Meier. Timo Müller (taz) traf ihn zum Interview.

10. Die Sportschau hat viele Datensätze der abgelaufenen Saison durchforstet und schick aufbereitet.Auch Constantin Eckner hat sich ausführlich mit den Daten in Liga 1 und 2 beschäftigt und interessante Schlüsse gezogen. Tobias Escher (Spielverlagerung) hat eine Direktvergleichstabelle angelegt.

Christian Spiller (Zeit) meint, dass diese Saison »die Trainer geschrumpft« hat. Dirk Gieselmann (Tagesspiegel) schreibt, dass sich der Fußball in der Saison 2014/2015 zu einer »Bundesliga-Saison der Celebrities, der 15-Minuten-Berühmtheiten und der Böcke ohne Sünde« entwickelt hat. Eine sehr lesenswerte Beobachtung, die in dem Satz »In einer komplizierten Welt ist es einfacher, Einzelne an den Internet-Pranger zu stellen« kulminiert.

11. Zum Abschluss widme ich die letzte Nummer dieser #Link11 den zahlreichen Abschieden: Der Westen hat gleich ein ganzes »Klopp-Spezial« zum Abschied vom Jürgen gebastelt. (Dembowskis Abschied von Klopp ist deutlich unterkühlter – dafür begrüßt er die Boatengs bei der Hertha.) Jürgen Klopp selbst hat sich in einer Videobotschaft von den BVB-Fans verabschiedet und einen guten Rat für die Zukunft formuliert. (BVB bei YouTube). Alex Raack (11 Freunde) lobt die gelungene Abschiedszeremonie in Dortmund (Mitschnitt beim BVB bei YouTube) – auch wenn er wohl gern eine Petition zum Verbot von Blumensträußen bei Verabschiedungen auf den Weg bringen würde. Fabian Scheler (11 Freunde) hat Sebastian Kehl, Claudio Pizarro, Nikolce Noveski und Simon Rolfes mit freundlichen Worten in den Ruhestand geschickt. Bei Gladbach wird Thorben Marx vom Profi zum Praktikanten. (kicker) Der Halbangst-Blog verabschiedet Andreas »Lumpi« Lambertz nach Dresden. Heiko Buschmann (ZDF) verabschiedet zwei Schiedsrichter: Peter Gagelmann und Thorsten Kinhöfer müssen aufhören. Emotional wurde es auch in Barcelona, wo sich Xavi nach 17 Jahren verabschiedete. (Video bei 11 Freunde)

Tobi (Schwatzgelb) musste sich letzten Samstag neben Kehl und Klopp vor allem von seinem Opa verabschieden. Ein sehr schöner Text über Großväter, Gefühlswelten und eine schöne Nebensache.

Meist geklickter Link gestern
Das Zeit Magazin über den Ex-Torhüter Tim Wiese.

Bandenwerbung
Alex Feuerherdt (Collinas Erben) lobt die Schiedsrichterleistungen am letzten Bundesligaspieltag.

Field Reporter

»Ich fände es eigentlich ganz cool, wenn man immer noch durchs Klubheim in die Kabinen gehen würde. Das ist heutzutage im Profifußball wohl leider nicht mehr realisierbar.«

Jan-Philipp Kalla über ein Leben mit St.Pauli. (11 Freunde)

Mixed Zone
Alternative Tabelle: Werder Meister, 96 steigt ab. (Spiegel) + + + Rauswurf: Ancelotti wurde als Trainer von Real Madrid entlassen. (kicker) + + +Russische Rassisten: Über den Umgang der FIFA mit Problemen mit dem WM-Gastgeber 2022. (Tagesanzeiger) + + + Finale: Eine Analyse des U17-Endspiels zwischen Frankreich und Deutschland. (Spielverlagerung) + + + Traumhüter: Lars Leese trainiert jetzt einen Siebtligisten in Köln. (Interview: fussball) + + + Ultra HD: Das DFB-Pokalfinale setzt neue Standards. (heise) + + + Rückkehr: Norwich kommt zurück in die Premier League. (Spiegel) + + + Meister: Galatasaray ist zum 20,Mal türkischer Meister. Bei spox findet sich eine Zusammenfassung des Spieltags. + + + Vertragsverlängerung: Schmadtke und Wehrle bleiben dem 1.FC Köln langfristig erhalten. (effzeh) + + + Legende: Die Boca Juniors mit einem schönen kleinen Filmchen über ihr berühmtes Stadion. + + + Strafstoß, Rot, Sperre: Es bleibt dabei. (Spiegel) + + + Maradona: Der ehemalige Weltklassefussballer bezeichnet FIFA-Präsident Sepp Blatter als »Diktator auf Lebenszeit«. (FAZ) + + +  Spielersuche: Das Team der Fußballer mit geistiger Beeinträchtigung sucht neue Mitspieler. (taz)

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4 comments » Write a comment

  1. Lieber Klaas Reese, schönen Dank für die Erwähnung meines “Taz”-Nachrufs auf den HSV. Ich freute mich noch mehr darüber, würden Sie meinen Namen richtig schreiben: Sokolowsky mit -y, nicht mit -i. So viel Zeit wird hoffentlich sein.

  2. Pingback: Lass mal Sommerpause machen! | Schwarz und Blau

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