Die Blog- & Presseschau für Mittwoch, den 28.11.2012

Englische Woche in der Bundesliga. Große Stimmung kam gestern trotzdem nicht auf, nicht nur wegen der Aktion 12:12, sondern auch weil die Bayern-Verfolger Federn ließen und der Bundesliga ein Alleingang der Bayern droht.

Wer heute was auf die Ohren braucht im Büro, dem empfehle ich Collinas Erben. Alex Feuerherdt und Klaas Reese haben sich Montag getroffen und sich über den fußballkulturellen Code unterhalten.

Bundesliga

Dortmund – Düsseldorf 1:1 (1:0)

Felix Meininghaus (Tagesspiegel) bezweifelt, ob die Dortmunder das Spiel wirklich Ernst genommen haben.

Als es dann gestern Abend gegen den Aufsteiger aus dem Rheinland ging, standen Mario Götze, Ilkay Gündogan und Mats Hummels nicht im Kader des BVB. Die Frage, ob alle drei Stammspieler tatsächlich nicht spielfähig waren oder für den Gipfel am Samstag geschont wurden, bleibt hypothetisch. Wie auch immer, der Meister tat zu wenig, um die Fortuna zu schlagen, am Ende kamen die Dortmunder vor 80.100 Besuchern über ein 1:1 (1:0) nicht hinaus. Die Generalprobe für den Knüller beim Rekordmeister ist damit missglückt.

Sebastian Kehl äußert sich (DerWesten) zur Aktion 12:12, möchte aber keine Stellung beziehen.

Wir wussten schon, was uns in den ersten zwölf Minuten heute erwartet. Die Jungs haben uns am Sonntag schon instruiert und haben uns erzählt, welcher Gedanke dahinter steckt. Die ersten zwölf Minuten waren schon komisch. Aber danach haben die Fans Vollgas gegeben. Obgleich wir heute Schmalkost auf dem Rasen geboten haben, waren die Fans immer da. Am Ende sind wir aber allesamt enttäuscht über den Ausgang des Spiels.

Klar überlegen sah Travis Timmons (Bundesligafanatic) die Dortmunder und vergleicht sie mit den Bayern.

The final stats should grab your attention. Dortmund put up Bayern-esque offensive numbers, yet looked pretty toothless while doing so.Ironically enough, all this offense seemed to take Dortmund out of their usual running/pressing game. (In case you’re wondering, Dortmund and Düsseldorf had pretty similar distance-covered/running stats.) They looked insipid with the ball, since they are team built for running and turning out quick attacks after gaining possession. When possession is a given for Dortmund, they aren’t themselves – they are not Bayern, neither in their squad composition nor in their 4-2-3-1 formation.

Warum das kommende Spiel der Dortmunder gegen München an sportlicher Bedeutung verliert, nur weil die Bayern theoretisch schon heute Herbstmeister werden kann, soll mir Jan Reschke (Spiegel Online) mal erklären. Wer war nochmal Herbstmeister in der letzten Saison? Wer Meister?

Ärgerlich ist hingegen, dass das Spitzenspiel nun an sportlicher Bedeutung verloren hat. Sollten die Münchner am Mittwoch gegen den SC Freiburg gewinnen, steht das Team vorzeitig als Herbstmeister fest und hätte elf Punkte Vorsprung auf Dortmund. Selbst bei einem Erfolg der Borussia beim FC Bayern blieben noch acht Zähler.

Nach dem Spiel boykottierte die Düsseldorfer Mannschaft den Pay-TV-Sender Sky (RP). Der Sender habe nicht neutral über die Düsseldorfer berichtet.

Dortmund spielt nur Remis gegen Düsseldorf und Dembowski bringt es auf den Punkt aus Sicht der Westfalen. Ein unfassbar dämliches Unentschieden.

Schwatzgelb zieht ein trauriges Fazit zum Spiel.

Das war einfach zu wenig für den Sieg in der zweiten Halbzeit. Wenn man das Spiel so im Griff hat, darf man sich nicht von einem deutlich unterlegenen Gegner derart den Schneid abkaufen lassen. Nach dem Gegentreffer zeigte die Mannschaft zwar nochmal Moral und warf alles nach vorn, aber das war letztlich viel zu spät. So schenkte man zwei Punkte her und verpasste die Chance sich von der Konkurrenz um den zweiten Platz abzusetzen und konnte auch keinen weiteren Druck in Richtung der Spitzenposition ausüben.

Auch Athletic Brandao meint, dass einmal aufs Gaspedal treten nicht für einen Sieg reicht.

Anstatt zumindest für eine Nacht bis auf erträgliche sechs Zähler an den Spitzenreiter aus München ran zu rücken und vorm Gigantenduell mit dem FC Bayern Druck aufzubauen, leistete sich der BVB den nächsten selbstverschuldeten Ausrutscher. Im Derby gegen Schalke war das Team durch ein Taktikexperiment von Trainer Jürgen Klopp an die Wand gefahren, nun aufgrund eigener Überheblichkeit.

Hamburg – Schalke 3:1 (0:0)

Marcell Jansen (Facebook) musste gestern zur Dopingprobe und scheint bestanden zu haben, trotz 4 Schmerztabletten. Prost Mahlzeit.

Hamburg spielt mit neuem Rauten-System und das richtig gut, wie auch die Spielverlagerung findet.

Ein hochverdienter Sieg für den HSV, der in seinem neuen System sofort sehr sicher wirkte und Schalke über das gesamte Spiel hinweg nie ins Spiel kommen ließ. Finks Team hatte mit dem Ball zwei grundlegende Möglichkeiten im Aufbauspiel, die sie konsequent durchzogen. Gegen den Ball passte die Raute gut zum Gegner, da dieser zu selten auf Spielverlagerungen zurückgriff.

Frau Pleitegeiger weiß nach dem Spiel ihres HSV gegen Schalke wieder, warum sie ihren Verein so liebt.

Plötzlich ist mir wieder klar, weshalb ich diesen Verein so liebe: Er ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man bekommt.

Schalke verliert und die blauweißen Blogger hadern massiv mit dem eigenen Verein. Blogundweiss stellt fest, dass der Motor abkühlt und die Krise vor der Tür steht.

Unter Flutlicht freut sich zwar über die Rotation von Huub Stevens. Obasi und Pukki fanden jedoch keinerlei Bindung zum Spiel. Wie auch?

Es ist für mich leider das typische Henne-Ei-Prinzip: Keine Spielpraxis, kein Bindung zum Spiel – keine Bindung zum Spiel, wenig Einsatzzeit.

Auch Torsten Wieland will keine einzelnen Charaktere für die Niederlage verantwortlich machen.

Es war viel schlimmer, denn das gesamte Paket Schalke 04 passte nicht: Die moralische Einstellung passte nicht, die Taktik passte nicht, die vor Wochen noch wie automatisch abgelaufenen Spielzüge funktionierten nicht mehr, durch die Einwechselungen änderte sich nichts, die Kraftreserven fehlten. Gar nichts passte.

Der Schalkefan kritisiert neben der eigenen Mannschaft auch Hamburgs Trainer Fink, der nichts von der Schweigeaktion 12:12 gewusst haben wollte.

Thorsten Fink fand es auf der Pressekonferenz nach dem Spiel witzig, seine Unkenntnis bezüglich der breit angekündigten Aktion 12:12 zur Schau zu stellen. Ich kann daran nichts Witziges finden. Finks Aussage präsentiert die „Blase Profifußball“: Das Geld mit beiden Händen in den Keller schaufeln und gleichzeitig betonen, dass einem die ernsthaften Sorgen und Anliegen der Geldgeber komplett am Arsch vorbei gehen – dafür braucht es schon sehr viel Borniertheit. Oder Dummheit. Oder Ignoranz. Oder Skrupellosigkeit.

Frankfurt – Mainz 1:3 (0:2)

Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein (FR) vermerken einen schwarzen Tag für die Frankfurter Eintracht.

Für die Eintracht war es ein schwarzer Abend im Stadtwald, nichts, aber auch gar nichts wollte gelingen, die Hessen bekamen nie Zugriff aufs Spiel, liefen der Musik hinterher. Die Mainzer waren wacher, spritziger, schneller, auch gedanklich. Sie waren Herr in der Manege, die mit 47800 Zuschauern nicht mal ausverkauft war.

Marc Heinreich (FAZ) geht auf die angespannte Personalsituation in Frankfurt ein.

1:3 hieß es am Dienstag aus Sicht des Aufsteigers, der ersatzgeschwächt nicht an die vielen mitreißenderen Auftritte an selber Stelle anknüpfen konnte. Die Hessen blieben trotzdem auf dem vierten Tabellenplatz, während die Rheinhessen durch den ersten Sieg in Frankfurt auf den siebten Rang vorrückten. Was Trainer Armin Veh und seinen Leute an diesem Abend zusätzlich die Laune verdorben haben dürfte: Kapitän Pirmin Schwegler und Verteidiger Carlos Zambrano sahen jeweils die fünfte Gelbe Karte und fallen an diesem Freitag in Düsseldorf gesperrt ebenfalls aus.

Alexander Hornung (Sportschau) lobt die Mainzer, die den Gegner vor dem Spiel perfekt analysiert hatten und am neuralgischen Punkt der Frankfurter operierten.

Dass die Eintracht oft von der individuellen Klasse ihres Offensivallrounders Alexander Meier lebt, zeigt schon der Blick auf die Bundesliga-Torschützenliste, die der Frankfurter mit neun Treffern anführt. Ihn bekämpften die Mainzer bereits bei der Ballannahme mit bis zu drei Gegenspielern, hielten ihn so weitgehend vom Tor fern. Meier, der ohne echte Torchance blieb, gab später zu: “Wir haben schlecht gespielt, aber die haben es uns auch extrem schwer gemacht. Wir hatten kaum Räume, um unser Spiel aufzuziehen.”

Blog-G fasst nach der klaren Heimniederlage der Frankfurter gegen Mainz zusammen: Unter dem Strich dürften die Frankfurter nach diversen Sperren und Verletzungen nächste Woche Mühe haben ein Team zusammen zu bekommen.

So, dann kehren wir mal zusammen: Schwegler nicht dabei, Zambrano war klar (ich hätte mit Veh wetten sollen), Occean dürfte kein Thema mehr sein. Matmour kommt zurück, immerhin einer, der von dieser Klatsche unbelastet ins Spiel gegen Düsseldorf gehen kann. Drei Punkte verloren. Nicht nur in der Tabelle, das ist kein Problem, sondern beim Werben um Rode und Jung. Das könnte fatal sein.

Heute Abend spielt Freiburg gegen die Bayern und Diven haben Hausverbot im Dreisamstadion (Welt).

Zweite Liga

Der FSV Frankfurt gewinnt in Bochum und belohnt sich zur Freude von Schwarzblaues Bornheim endlich wieder selbst.

Endlich haben sich die Schwarz-Blauen mal wieder für die eigene Leistung mit 3 Punkten belohnt. Und dennoch sollte man dabei nicht ganz außer Acht lassen, dass die Streuung bei so manchen Pässen wieder einmal FSV-typisch im Meterbereich gelegen und defensiv die Zuordnung manchmal nicht ganz gestimmt hat. Auf das gesamte Spiel gesehen trübt das die gute Leistung aber höchstens marginal.

Sicheres Stadionerlebnis

David Schumann (1Live) hat sich noch einmal mit dem “sicheren Stadionerlebnis” auseinander gesetzt und fordert mehr Besonnenheit in der medialen Diskussion.

Doch genau diese für den Fußball so typische Fankultur wird durch die unreflektierte Panikmache vieler Boulevard-Medien und die reflexhaften, oftmals populistischen Forderungen vieler Politiker in Gefahr gebracht. Es empfiehlt sich also, genau hinzugucken, sachlich zu diskutieren und Problemfans, die es unbestritten gibt, zu isolieren anstatt sie zusammen mit der überwiegenden Mehrheit an friedlichen Fans und Zuschauern in einen Topf zu stecken – denn die müssen in letzter Konsequenz die Zeche dafür zahlen, dass sich einige wenige daneben benehmen und die gesamte Fanszene in ein schlechtes Licht rücken.

Michael Ashelm (FAZ) interviewt Martin Kind zum Thema.

Ich verstehe schon die Polizei und die Innenminister, dass sie irgendwann sagen: so nicht. Aber ich warne zugleich davor, solche Ereignisse überzubewerten. Die Zuschauerzahlen in der Bundesliga sind deutlich gestiegen, dadurch sind auch die absoluten Zahlen der Vorfälle hochgegangen. Relativ gesehen ist mit größter Wahrscheinlichkeit sogar ein Rückgang zu verzeichnen.

Dann lieber Paderborn

Christian Jakubetz (AZ) will lieber die 60er in der zweiten Liga sehen, als Sven Göran Eriksson an der Linie und Tim Wiese im Tor bei den Löwen.

Aber bei Licht betrachtet: Die Vorstellung, dass bald Tim Wiese im Löwen-Tor gemeinsam mit einem alternden Brasilianer und einem ansonsten ebenfalls nach Geld zusammengestellten gesichtslosen Kader, angeleitet von Sven-Göran Eriksson durch das Stadion läuft – dann lieber noch ein bisschen 2. Liga.

Gerald Kleffmann und Philipp Schneider (SZ) waren bei gerade eben diesem Spiel. 1860 gegen Paderborn und die Münchner gewinnen unter ihrem neuen Trainer und hören ein Kompliment vom alten Schweden (Eriksson).

Insolvenzticker

Udo Moras (Welt) erzählt die Geschichte vom Herbst der sterbenden Fußballvereine.

Tradition zu verkaufen: Aachen hat Insolvenz angemeldet, Duisburg droht das gleiche Schicksal, Offenbach und Osnabrück sind gefährdet. Viele kleine Klubs erliegen in besseren Tagen dem Größenwahn.

Kein Geld in Berlin

Hertha BSC hat 6 Millionen Euro Verlust in der Saison 2011/2012 gemacht. Stefan Hermanns (Tagesspiegel) schreibt dies Michael Preetz zu.

Fußball im Krisengebiet

Libanon. Da wird Fußball gespielt? Ja genau und sogar unter der Anleitung eines deutschen Trainers. Grund genug für Andrea Böhm (ZEIT online) eine Reportage darüber zu schreiben.

Daniel Theweleit (FR) blickt auf die U21-Europameisterschaft, die im nächsten Jahr in Israel stattfinden soll. Es gibt einige Bedenken aus Fußballerkreisen.

Jaklin Jazrá, Kapitänin der Frauenfußball-Nationalelf Palästinas, erzählt im Deutschlandfunk von ihrem sportlichen Alltag.

Denkt an die Kinder

Man muss auch mal zugeben, wenn man was nicht kennt. Wer die Parole “Denkt an die Kinder” noch nicht gehört hat, speziell aus den Reihen der Presse, möge sich beim Übersteiger informieren.

12 Minuten 12 Sekunden schweigen

Die Aktion lief gestern u.a. in den Stadien der ersten und zweiten Liga an. Der 1.FC Kaiserslautern informierte seine Anhänger auf der Vereinswebsite über diese unabhängige Fanaktion.

Verrückt nach Fußball

Die Dokureihe von Marc Quambusch schlägt hohe positive Wellen in der Fanszene. Michael Wollny interviewt für Eurosport Quambusch, der den Untergang des italienischen Fußballs prognostiziert.

Verrückte im Fußball

Trainer Baade kann Rivalitäten im Fußball nicht verstehen und dennoch kann er sich mit einem fein gemachten Video von Pattex anfreunden.

Schnorres par excellence

Thomas Hitzlsperger trägt Schnurrbart für einen guten Zweck. In der ZEIT-Online-Kolumne “Alles außer Fußball” erklärt er für welchen.

Forumskultur

Im Forum der Stuttgarter Nachrichten wurde Sven Ulreich beleidigt. Die Redaktionen löschten, waren bestürzt und schließen nun das Forum für eine Woche. Eine erzieherische Maßnahme.

Podcast

Das Howler-Magazin ist nun auch mit einem Podcast am Start.

Die Doppel-Sechs beschäftigen sich mit dem Spiel des HSV gegen Schalke 04.

Mentalitätsmonster

Die 11 Freunde-Redaktion hat Mentalitätsmonster gemalt.

Strafe für Luiz Adriano

Gegen jede Fairplay-Regel verstieß Donezk-Stürmer Adriano im Champions League-Spiel gegen Nordsjaelland, als er einen Schiedsrichter-Ball im gegnerischen Tor unterbrachte. Nun zog die UEFA Konsequenzen und sperrte Adriano für ein Spiel. (NZZ)

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Ben Esche (ZDF) über Spielerberater in Dortmund, die die Stimmung trüben.

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2 comments » Write a comment

  1. War der Schalkefan auf der Pressekonferenz? Dürfen in Hamburg Blogger dahin? Das fänd ich gut.

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