Blog- & Presseschau für Mittwoch, den 17.10.2012

Faszinierende Ereignisse spielten sich am gestrigen Abend ab. In der WM-Qualifikation dominiert Deutschland die Schweden rund 60 Minuten und erspielt ein 4:0, dann der Einbruch und der Vorsprung wird tatsächlich noch verspielt.

WM-Qualifikation

Wer die Tore noch nicht gesehen hat, kann dies bei der Sportschau im Schnelldurchlauf nachholen.

Das Spiel in Kurzform hat Spox zusammengefasst und mit Reaktionen einiger deutscher Spieler und Verantwortlicher ergänzt.

Gewohnt flott in der Analyse waren die Jungs von der Spielverlagerung. Tobias Escher nimmt das 4:4 des DFB gegen Schweden auseinander, lobt und kritisiert.

Im Fall der DFB-Elf fällt eine Bewertung schwerer. Der traurige Schlussakt dieses Spiels darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die deutsche Elf in der ersten Halbzeit eine ihrer stärksten Leistungen unter Löw zeigte. Der Einbruch kam erst nach rund 60 Minuten, aber er kam heftig. Im Mittelfeld und auf den Außen wurden die Schweden nicht mehr unter Druck gesetzt, die Viererkette zeigte sich im Spielaufbau dem erhöhten Druck nicht gewachsen. Löw verpasste es, durch Wechsel das Momentum wieder herumzureißen. Aus dem erhofften Befreiungsschlag wurde dieses Spiel ein erneuter Rückschlag für Löw.

Klaus Bellstedt von FTD moniert, dass niemand Kapitän Bastian Schweinsteiger vor dem Spiel zugehört hat.

Und weil er es war, der nach dem 6:1-Erfolg gegen Irland vier Tage zuvor, so als hätte er eine böse Vorahnung gehabt, als einziger deutscher Spieler gewarnt hatte. “Wir sind insgesamt auf einem sehr guten Weg, ich möchte aber sagen, dass wir den einen Schritt mehr gehen müssen, um Titel zu gewinnen. Wir müssen an jedem kleinen Rad gut sein, um die großen Spanier auch mal zu schlagen.” Das waren seine Worte in Dublin. Nach dem 4:4 von Berlin lässt sich festhalten: Keiner hat Schweinsteiger zugehört. Momentan reicht es nicht mal für Schweden.

Christian Kamp von der FAZ ist nach dem 4:4 ratlos. Wie kann man eine 4:0-Führung nach so einer Fußballdemonstration noch verspielen?

In diesen Minuten hatte es etwas Atemraubendes, wie sie aus kontrolliertem Ballbesitz das Spiel beschleunigten, so sehr, dass man beim Staunen über die Direkt- und Doppelpässe kaum hinterherkam. So muss es auch der schwedischen Defensive gegangen sein, die der Fabelkombination von Kroos und Reus, die abermals in Klose ihren Vollender fand, nichts entgegenzusetzen hatte.

Lars Wallrodt von der Welt spricht von hässlicher Fratze der Nationalelf und Schizophrenie dieser.

An dieser Stelle hätte eigentlich eine Eloge auf die deutsche Mannschaft stehen sollen. Eine Lobpreisung des perfekten Spiels, eine Huldigung des schönen Fußballs. Dann kam im Spiel gegen Schweden die 62. Minute, und es war, als würde Salzsäure über das Ölgemälde eines Alten Meisters gekippt. Das Spiel der Nationalelf zerfloss nach dem Anschlusstreffer zu einer hässlichen Fratze.

Sven Goldmann verweist im Tagesspiegel auf alte Sprichworte, Tugenden und Fußballweisheiten.

Irgendwie ist es billig, auch ein halbes Jahrhundert nach Sepp Herberger immer noch auf runde Bälle, nächste und schwere Gegner und andere Urweisheiten des Fußballs zu verweisen. Aber so ein Spiel dauert nun mal 90 Minuten. Und was interessiert diese großartige, annähernd perfekte erste Halbzeit gegen vermeintlich überforderte Schweden, wenn die zweite Halbzeit so stark abfällt und in einem Debakel endet wie die am Dienstag in Berlin?

Frank Hellmann und Matti Lieske von der FR sind sich sicher, dass eine schwere Zeit auf Jogi Löw zukommt. In diesem Jahr steht nur noch ein Testspiel aus, in dem man wenig korrigieren kann.

Auf Bundestrainer Joachim Löw dürften ein paar unangenehme Fragen zukommen. Ihn kann auch nicht trösten, dass die Seinen sich Lust und Laune in der ersten Stunde vier feine Treffer herausspielten. Ein wichtiger Gradmesser für die Stimmung im Lande wird nun noch der Jahresausklang am 14. November gegen die Niederlande in Amsterdam – obwohl es in dieser Partie nur ums Prestige geht.

Christian Spiller resümiert für Zeit Online und zitiert u.a. Gary Lineker.

Viermal schossen die Schweden aufs Tor, viermal trafen sie. Punktetechnisch tut das nicht weh, die Mannschaft wird sich sicher für Brasilien qualifizieren, dafür ist sie einfach zu gut. Aber das 4:4 wird die Charakterdiskussion wieder anheizen, so viel ist sicher.

Österreich mutiert zur Torfabrik, wie der Standard berichtet.

Die Schweiz besiegt Island und steht mit 10 Punkten so gut, wie lange nicht in der WM-Qualifikation. (NZZ)

Alle Spiele der anderen Gruppen hat der Kicker im Überblick.

U21-EM-Qualifikation

Dunkle Wolken zogen nach dem Hinspiel-Remis gegen die Schweiz über das U21-Team des DFB. Mit einem 3:1 in der Schweiz sorgte die Mannschaft von Rainer Adrion jedoch für beste Laune. (FR)

DFB-Sportdirektor Robin Dutt hatte ja in all seinen Interviews zwischen dem 1:1 im Hinspiel und diesem souveränen Erfolg von Luzern erklärt, dass eine EM ohne Deutschland wie 2011 „eigentlich kein zweites Mal“ akzeptabel sei. Es liegt nahe, dass diese Aussage nicht nur an die Spieler gerichtet war, sondern auch an den Trainer, dem es vor zwei Jahren nicht gelungen war, den DFB-Nachwuchs zum Kontinentalturnier zu führen. Eine Niederlage hätte eine Trainerdebatte ausgelöst.

Sportschau-Club

Waldi ist weg. Der Stammtisch in der Mottenkiste. Stattdessen versucht es die ARD mit einer Art Talkshow mit Gerhard Delling in der Vermittler-Rolle. Mit mäßigem qualitativen Erfolg, wie die FAZ findet.

Das einzige, was sich in diesem Moment noch bewegt, ist ein Auto, das im Hintergrund vor dem menschenleeren Stadion und vor den riesigen Schatten der Stadion-Statuen unentwegt mit Blaulicht durchs Bild fährt. Ein Krankenwagen. Wer hätte das gedacht, dass es schon so schlimm steht mit dem deutschen Fußball. Und mit dem Reden danach.

Der DFB und die DFL und der Rechtsstaat

Andreas Rüttenauer erörtert in seinem Blog DFB-Watch das Verhältnis vom DFB und DFL zum Rechtsstaat.

Der Fußball ist einmal mehr dabei, rechtsstaatliche Standards auszuhebeln. Die Sicherheitsapologeten in den Innenminsterien von Bund und Ländern können sich bedanken

Philipp Lahm und Oliver Bierhoff im Interview

Die SZ hatte gestern DFB-Kapitän Lahm im Interview. Heraus gekommen ist ein unterhaltsames Gespräch über Tischtennisplatten, Führungsspieler und Kommunikationsstrategien.

Auch Oliver Bierhoff äußerst sich bei Zeit Online zur Geschichte mit den Tischtennisplatten und die Kritik von Uli Hoeneß.

Bundesliga

Uli Hoeneß weiß sich zu äußern. In der Regel direkt und ein Blatt vor den Mund zu nehmen. So schließt er beispielsweise den Wunsch, dass die 60er bald ein eigenes Stadion haben, täglich in sein Nachtgebet mit ein. Zu lesen bei Reviersport.

Darüber hinaus verteidigt Hoeneß seine Kritik am DFB-Trainer Löw und an Miroslav Klose. Das Ganze als Video auch bei der AZ.

Clemens Tönnies hatte am Dienstag die Steuerfahnder zu Besuch. Beim Schalke-Boss gibt es den Verdacht auf Steuerhinterziehung.

Miasanrot interviewt in einer neuer Interview-Serie namens “Flanke” Bayernfans. Den Anfangs macht Alina über Pyrotechnik, Bayernfan-Arroganz und Bielefeld.

Breitnigge holt in der Länderspielpause alte Kamellen von Mario Basler aus der Mottenkiste.

Schwule Fußballer

Das Thema lässt die Medien nicht los. Gibt es schwule Fußballer oder nicht? Andreas Rüttenauer und Jan Feddersen wägen Pro und Contra ab.

Fotografie

Gestern bereits angekündigt. Regina Schmekens Bilder der deutschen Nationalmannschaft. Hier auch nochmal beim Deutschlandradio.

Polizeiwache im Stadion?

Auf St.Pauli wird derzeit darüber diskutiert, ob es eine Polizeiwache im Stadion gibt, oder nicht. Hinzu kommt, dass die Einrichtung dieses Gebäudes, den Bau des Fußballmuseums behindern könnte. Marco Carini von der taz im Gespräch mit Michael Meeske und Sönke Goldbeck.

Comeback

Eric Abidal hatte letztes Jahr einen Tumor in der Leber. Heute spielt er wieder. Sebastian Stier von den 11 Freunden beschreibt Abidals wunderbares Comeback.

Medien

Laut “DWDL” wird Giovanne Elber Experte für die “Sportschau”. Die ARD hat den Brasilianer auch im Hinblick auf die WM 2014 in Brasilien unter Vertrag genommen.

Bei “Sky” wird Harald Schmidt beim Spiel des VfB Stuttgart den Co-Kommentator neben Wolff-Christoph Fuss geben (Spiegel Online, Digitalfernsehen)

Direkt verwandelt weist noch einmal auf zwei Beiträge von “Sport Inside” hin, die sich zum einen mit dem Profispieler-Verband VdV und zum anderen mit Wutreden von Trainern beschäftigen.

Bloggen monetarisieren

Blogger stecken viel Zeit und Liebe in ihre Publikationsplattformen. Dass sich das auch mal finanziell lohnen muss, damit das so weitergeht, meint der Rotebrauseblogger. Er probiert ein neues Finanzierungsmodell für sein Blog aus. Eine virtuelle Fantribüne, die den Nutzer einen kleinen Obulus kostet.

Sonstiges

Der Übersteiger hat ebenfalls einige interessante Links zusammen getragen.

Link des gestrigen Tages

Im Land der 74 Erstligisten

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