#Link11: Potpourri

»Potpourri« ist eines meiner Lieblingsworte. Es handelt sich dabei um die kunstvolle Zusammenstellung entweder duftender Blütenblätter oder wohlklingender Melodien. Und es gibt einen hervorragenden Titel für die heutige Link11 ab, die von einer großen Themenvielfalt geprägt ist: Statistische Überlegungen und taktische Spiel- und Trainingsanalysen für die Nerds, kritische Auseinandersetzungen mit Deutschlands politischer Vergangenheit und Gegenwart für die Idealisten, die Poesie des Amateuerfußballs für die Nostalgiker, eine Journalistenschelte für die Twitterer, Youtube-Videos für die jüngere Generation. »Potpourri« eben. Tolles Wort.

blogundpresseschau

1. Selten erregte ein Bundesligist schon in der Saisonvorbereitung so viel Blogger- und Journalisteninteresse wie der BVB in diesem Jahr. Zwei Tage vor dem Dortmund Saisonstart in der Euro League Quali bleibt keine Trainingseinheit, kein O-Ton unkommentiert oder -analysiert. Mats Hummels etwa war aufgrund einer selbstkritischen Aussage zu seiner Ernährung eines der Themen der letzten Tage (Welt). Nun gut.

Wer sich jedoch für taktiklastige Inhalte oder den Aufbau des tuchel’schen Wundertrainings interessiert, dürfte jetzt voll auf seine Kosten kommen: Eduard Schmidt hat Dortmunds gesamtes Trainingslager in Bad Ragaz beobachtet und einzelne Trainingsübungen (samt Anschauungsmaterial) analysiert (Konzeptfußball). Momo Akhondi dagegen hat für Spielverlagerung einen Scoutingbericht zum Wolfsberger AC, Borussias Quali-Gegner, angefertigt.

2. Die zweite Bundesliga hat bereits ihren Spielbetrieb aufgenommen und einige interessante Partien zutage gefördert. Wer das Spiel des SC Freiburg gegen Nürnberg gesehen hat, wird verstehen was ich meine. Nur gut, dass Tim Rieke 5 der neun Partien (besagtes Torfestival inbegriffen) auf ihre taktischen Feinheiten hin untersucht hat (Spielverlagerung).

3. Die Makkabiade ist eine Olympia ähnliche jüdische Sportveranstaltung – die größte der Welt, um genau zu sein. In diesem Jahr findet sie in Berlin statt und erwartet mehr als 2.300 Sportlerinnen und Sportler aus 36 Ländern. Auch Deborah Rosenthal, Enkelin von TV-Moderator Hans Rosenthal, nimmt (für das deutsche Hockeyteam) teil. Mit Ronny Blaschke hat sie unter anderem über die Wurzeln der Makkabiade und die besonderen Herausforderungen für eine jüdische Sportlerin deutscher Herkunft gesprochen (Zeit).

»Das Veranstaltungskomitee der Maccabi Games empfiehlt den Athleten, nicht als jüdische Gruppe erkennbar durch “sensible Gebiete Berlins” zu laufen.«

Doch leider, das darf nicht unerwähnt bleiben, kratzt eine friedliche Sportveranstaltung am Stolz einiger Individuen menschenfeindlicher Gesinnung, was die alltäglich gewordenen Schmähungen und Drohgebärden im Netz zur Folge hat. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) hat daher bereits eine spezielle Website zur Meldung solcher Straftaten eingerichtet und offenbar weiterhin einige Gebiete als “No-Go Areas” deklariert (Störungsmelder). Die Welt zu Gast bei Freunden.

4. “Lügenpresse – halt die Fresse!” Das bekommen auch Sportjournalisten heuer regelmäßig zu hören. Doch auch abseits von “Patrioten”- und Pöblerkreisen genießen Marcel Reif und seine BerufskollegInnen einen denkbar schlechten Ruf. Günter Herkel beleuchtet, inwiefern (manche) Sportjournalisten einen Anteil an dieser Außenwahrnehmung haben und unterstreicht gleichzeitig, wie wichtig die Berichterstattung zu Sportveranstaltungen (und ihren Begleitumständen) für den demokratischen Prozess ist (ver.di).

5. 

Inmitten des bislang größten FIFA-Skandals schmuste Sepp Blatter neulich medienwirksam mit Wladimir Putin. Es benötigt nicht allzu viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass Blatters Russlandbesuch auch eine kleine Botschaft an seine amerikanischen (Straf)Verfolger war. Dabei, so schreibt Michael Ashelm, haben die die FIFA längst viel fester im Griff, als es nach außen den Anschein hat. In der FAZ erklärt er, welche Werkzeuge die US-Justizbehörde den Weltverband in die Mangel nimmt.

6. Die kommende WM in Russland ist Mit-Gegenstand der Ermittlungen gegen Blatter & Co. Die Seele des russischen Fußballs findet sich jedoch ohnehin außerhalb des Interesses Wirkungsbereichs der FIFA und fernab von teuren Hochglanzstadien, sagt Sergey Novikov. Der Fotograf ist seit 6 Jahren in Russlands Amateurligen unterwegs und portraitiert mit seiner Kamera Fußballer zwischen sozialem Leben in der Provinz und Mitspielern aus dem organisierten Verbrechen. Benjamin Bidder hat er einige seiner besten Bilder zu Verfügung gestellt (Spiegel).

7. These Football Times ist eines meiner Lieblingsblogs, nicht zuletzt wegen der großartigen Portraits diverser Spielerlegenden meiner Kindheit. Eine solche Legende ist Roberto Baggio, Träger des legendärsten Haarzopfes der jüngeren Fußballgeschichte, Edeltechniker und Erfinder des Mario Götze Transfers. Tryggvi Kristjánsson widmet Italiens großem Spielmacher der 90er Jahre einen lesenswerten Beitrag.

8. Die Auswertung statistischer Spiel- und Trainingsdaten bahnt sich langsam aber sicher ihren Weg in den europäischen Profifußball. Während z. B. Felix Magath wenig von statistischen Überlegungen hält, beschäftigte Manchester City zeitweise 11 Datenanalysten gleichzeitig. Leander Schaerlaeckens hat einen interessanten Beitrag über die Chancen und Risiken eines datengesteuerten Trainingsbetriebes am Beispiel der MLS geschrieben, Nik Dömer stellt einige europäische Pioniere und Kritiker der Datenanalyse vor.

9. Vor kurzem habe ich hier über eine Debatte zwischen der Stadt Hamburg und dem HSV berichtet, deren Gegenstand die geplante Unterbringung von Flüchtlingen auf einem vom HSV gepachteten Parkplatz ist. Der Verein hatte eine Unterbringung zunächst verhindert, weil er sich um sein Mitspracherecht hinsichtlich des “eigenen” Grundstücks geprellt sah. Man sei jedoch in “produktiven Gesprächen”.  Friederieke Gräff greift das noch immer nicht erledigte Thema noch einmal auf. Heraus kommt die Geschichte eines Fußballvereins, der natürlich helfen möchte. Aber zu Bedingungen, die die eigene Komfortzone nicht tangieren. Ein Konflikt, der exemplarisch für eine Großstadt steht, die sich erst noch vollends auf die neuen Nachbarn auf Zeit einstellen muss (taz).

10. Steht Klinsi vor dem Aus als Trainer der US-Herren? Nach recht vielversprechenden Leistungen bei der WM in Brasilien kommt das unerwartete Ausscheiden im Gold-Cup einer herben Enttäuschung gleich. Klinsmanns Team, so der Vorwurf, könne seine guten Leistungen immer dann nicht bestätigen, wenn es darauf ankomme. Kathrin Steinbichler hat darüber hinaus einen gewissen taktischen Stillstand beim US-Nationalteam ausgemacht (SZ). Dan Altman hält sich für Klinsmanns Beurteilung an nackte Zahlen und fragt, ob dies gar die miesesten Herrenmannschaft der vergangenen 10 Jahre sei (North Yard Analytics).

11. Der Sommer ist die Zeit der Transfers. Da gibt es rührende Begrüßungsinterviews in gebrochener Landessprache, Bekundungen, nun endlich beim Traumverein aus der Kindheit zu spielen, über Instagram angedeutete Wechselabsichten, Küsse aufs neue Vereinswappen und und und. Die Königsdisziplin des Transfercircus aber, ist die Spielervorstellung und ihr Meister heißt Dirk Kuyt. Zumindest seit dieser Woche. Ohne Rückwärts-Flick-Flack kann ich das dennoch alles nicht ernst nehmen.

 

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»Natürlich kann auch Geld mal eine Rolle spielen, wenn man finanzielle Sicherheit gewinnen will. Es gibt Lebensumstände, da kann ich das nachvollziehen. Wenn Arturo Vidal wegen der Kohle wechselt, dann weiß ich aber auch, dass er halb Santiago damit füttert. Aber wenn man viele Jahre in der Bundesliga gespielt hat und dann einer in die Emirate wechselt, da kann ich nur die Augen verdrehen.«

Stefan Reinartz dürfte mit seinem Interview in der Frankfurter Rundschau zahlreiche Fanherzen erobert haben.

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