#Link11: Das Blatter-Spezial

Sepp Blatter tritt zurück. Irgendwann. Ja, das ist der Fifa-Chef, der sich trotz der Korruptionsermittlungen in seinem engsten gerade erst hat wiederwählen lassen. Für großen Jubel dürfte der Schritt des 79-jährigen Schweizers nicht gesorgt haben. Zumindest nicht bei den Journalisten, den er damit gestern den Feierabend versaute.

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1. Welchen Grund hat Sepp Blatter eigentlich, vier Tage nach seiner Wiederwahl zurückzutreten? In der Frankfurter Allgmeinen Zeitung wird die Vermutung geäußert, dass Anwälte ihm dazu geraten haben, weil er sich als Privatperson besser gegen die Ermittlungen wehren könne, als wenn er weiter Fifa-Chef bliebe. Die New York Times nennt zeitgleiche direkte Ermittlungen der US-Behörden gegen Blatter als möglichen Grund für den überraschenden Schritt.

2. In einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung wird klar gemacht, dass der Rücktritt Blatters nicht sofort erfolgt und er sich damit zumindest Luft verschafft, um im Hauptquartier Ordnung zu schaffen. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, was damit gemeint ist. Ein strategischer Rückzug eben. Ein neuer Präsident soll angeblich erst zwischen Dezember 2015 und März 2016 gewählt werden.

3. Auf Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke zielen und damit Sepp Blatter treffen. In der Süddeutschen Zeitung wird diese Strategie der amerikanischen Ermittler beschrieben. Valcke sei nicht nur der Mann fürs Grobe, sondern hätte vielleicht Interessantes über Sepp Blatter zu erzählen. Begonnen hat die Beziehung Blatter-Valcke kurz vor der Pleite der Fifa-Rechteagentur ISL, die mit 141 Millionen Euro Sportfunktionäre bestach.

4. Wer mit wieviel Geld den Verein Fifa finanziert, zeigt der Spiegel. Etwas komplexer hergeleitet, aber durchaus schlüssig erklärt die Zeit: Die Fifa gibt uns das Unmoralische, was wir insgeheim verlangen. Deshalb würden wir zwar die Fifa auspfeifen, aber trotzdem bei jeder WM alle Spiele sehen.

5. Dass ein Finanz-Chef durchaus auch Geld besitzt, ist nicht verwunderlich. Aber so viel? Laut Jens Weinreich dürfte Fifa-Fanz-Chef Don Julio Humberto Grondona rund 100 Millionen Euro besitzen. Eine interessante Aufschlüsselung, die Raum für viele weitere Fragen lässt.

6. Da das hier aber keine Blatter11 des Tages werden soll, sondern eine Link11, wechsele ich mal das Thema und komme zum Aufreger des Relegationsspiels zwischen dem HSV und KSC zurück. Ein vermeintliches Handspiel des Karlsruher Meffert ermöglichte dem Hamburger Diaz den Ausgleich per Freistoß in letzter Minute. Alex von Collinas Erben erklärt bei NTV, warum Schiedsrichter Manuel Gräfe diese Entscheidung traf. Etwas polemischer geht die Süddeutsche Zeitung die Handspielregel an und erklärt sie zur unfairsten Regel des Fußballs. War das nicht vor kurzem noch die vermeintliche Dreifachbestrafung? Aber manchmal sieht man in der Überzeichnung Missstände tatsächlich besonders deutlich.

7. Mit einer starken Meinung zur Relegation kommt der Spiegel und fordert: Schafft sie ab! Weil sie im Zweifel nur die abstiegsbedrohten höherklassigen Vereine belohnt. Weil sie ein zusätzliches Schloss am beinahe closed Shop Bundesliga sind. Den Kommentar können sie beim Spiegel heute noch einmal veröffentlichen. Sie müssen nur die Namen HSV durch TSV 1860 und Karlsruhe durch Holstein Kiel ersetzen.

8. Bleiben wir noch einmal beim HSV. Bei 11Freunde wird fehlende Demut bei den HSV-Spielern thematisiert, die nach der erneut überstandenen Relegation ausgelassener feierten als der FC Bayern seinen 25. Meistertitel. Der Spiegel schaut sich die Personalie Bruno Labbadia an. Trainer und Verein hätten sich beide gebraucht und müssten sich aber auch beide zur nächsten Saison neu erfinden, wenn nicht wieder das gleiche drohen soll. Das wichtigste für mich: Der Autor bringt das Wort „Mettbrötchen“ im Text unter. Bei der Taz verabschiedet sich jemand vom HSV als Fan. Etwas ehrlicher kommt das Abnabeln bei Nurdertim.de herüber, der erzählt, wie er das Spiel erlebte, obwohl er mit dem Klub nichts mehr zu tun haben will.

9. Nicht erst seit dem Clash zwischen Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Josep Guardiola i Sala beim FC Bayern steht das Thema Verletzungen im Mittelpunkt der Berichterstattung. Beim Blog Fußballverletzungen werden die Fehltage der einzelnen Spieler summiert und nach Klub sortiert ergibt das ein gut twitterbares Säulendiagramm. Ergebnis demnach: Schalke top, Gladbach flop. Für mich hat diese Auflistung allerdings nur einen ähnlich begrenzten Aussagewert wie die Laufleistung von Spielern in einer Partie. Erstens dürften ein, zwei schwere Verletzungen einen Verein in dieser Tabelle schnell nach unten schicken, denn das wird nicht gewichtet. Außerdem ist es für Trainer durchaus auch entscheidend, ob sich der Stammkeeper oder der dritte Torwart verletzt. Wenn eine Mannschaft drei, vier Spieltage auf vier, fünf Stammspieler verzichten muss, dürfte das durchaus heftige Auswirkungen haben sich aber in dieser Tabelle nicht so stark widerspiegeln.

10. In einer Kolumne bei ESPN fordert Uli Hesse die Uefa auf, die gesammelten Daten (16.000 Verletzungen in zwölf Jahren wurden für eine Studie gesammelt) transparent zu machen. Denn die Häufungen von Verletzungen bei Bayern München oder Borussia Dortmund würden Rätsel aufgeben. Zumal aus der Studie klar ersichtlich sei, welche Trainer verletzungsvorbeugend arbeiten würden und welche nicht.

11. Fast elf Stunden Podcast! Mir blieb etwas die Spucke weg, als meine Podcast-App heute die drei Episoden vom Rasenfunk Royale geladen hatte. Respekt an alle Beteiligten. Max vom Rasenfunk hat mit Experten von jedem der 18 Bundesligaklubs gesprochen und mit Rasenfunk Royale quasi das Kicker-Sonderheft der Podcast hervorgebracht. In Episode 1 geht es um Tabellenplatz 1-7. In Episode 2 um die Plätze 8-12. Und um ganz unten geht es in Episode 3. Bis zum Trainingsstart der Zweiten Liga dürfte ich jetzt genug Stoff für die Ohren haben.

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Vice – Wembley ist ein seelenloser Nicht-Ort.

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Die schlauen Leute danach immer. Mach dies, mach das, mach jenes. Warum spielt ihr nicht selbst oder trainiert? Geht mir nicht auf die Eier.

KSC-Torwart Dirk Orlishausen nach der Relegation gegen den HSV auf Twitter

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