#Link11: Oh Mandy!

Bevor die titelgebende Siegtorschützin in der #Link11 gelobhudelt wird, möchte ich an das Finale der Deutschen Meisterschaft vor 105 Jahren in Köln erinnern. Im Finale zwischen dem Karlsruher FV (nicht zu verwechseln mit dem KSC!) und Holstein Kiel sorgte nämlich erst ein Elfmeter in der Verlängerung für die Entscheidung. Es war der Pfingstsonntag 1910 und – aus heutiger Sicht – nur rund 4000 Zuschauer fanden an einem überaus heißen Tag zum neu angelegten Rasenplatz in den Weidenpescher Park (heute sieht man dem Platz die über 100jährige Geschichte an). Sie sehen ein wegen der „überaus großen Aufregung beiderseits“ – so die Neue Sportwoche – ein anfangs zerfahrenes Spiel, in dem der vom Engländer Townley trainierte KFV die bessere Elf stellt. Kiels Torwart Willi Friese muss mehrfach einen Rückstand verhindern.

Als es Elfmeter für den KFV gibt, schießt ihn Nationalspieler Max Breunig “haushoch in der Aufregung über das Tor“. Auch ein anderer Nationalspieler enttäuscht. So moniert die Neue Sportwoche: „Förderer hat beim Militär, wie es scheint, das Schießen verlernt“. In der 115. Minute gibt es erneut Elfmeter für Karlsruhe, Gottfried Fuchs ist im Strafraum gefoult worden und erneut schnappt sich Max Breunig den Ball. Diesmal trifft er – obwohl Friese noch die Finger am Ball hat. Karlsruhe ist Deutscher Meister und die Sieger werden in der Heimat mit Droschken durch die Stadt gefahren, ehe es vom Bürgermeister noch einen Lorbeerkranz gibt. So wird der Meister vor 105 Jahren gefeiert. Und auch der Sport-Journalismus steckt noch in den Kinderschuhen: die Neue Sportwoche verschweigt den Torschützen völlig.

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1. Zurück in die Gegenwart: Zunächst war es Kerstin Garefrekes, die aus 18 Metern Torentfernung den Ball quer durch den Strafraum flankte und exakt auf den Fünfmeterraum zielte, wo Célia Sasic mustergültig einnickte. Auf der anderen Seite war es eine kurz ausgeführte Ecke, die eine kurze Unorganisiertheit der Frankfurterinnen im Abwehrzentrum offenbarte und Marie-Laure Delie sehenswert – ebenfalls per Kopf – zum Ausgleich treffen ließ. Dann sah es schon nach einer sicheren Verlängerung aus bis Mandy Islacker der Ball im Strafraum der Französinnen in der 93. Minute vor die Füße fiel und sie in beckenbauerscher Manier mit dem Außenrist das siegbringende 2:1 erzielte. Am Ende durfte die Flankengeberin vom 1:0 als Erste den Pokal in die Berliner Luft stemmen. Herzlichen Glückwunsch nach Frankfurt!

Die Tore gibt es in der ZDF-Mediathek. Den ausführlichen Spielbericht von Kathrin Steinbichler (SZ) und Michael Horeni (FAZ). Im Radio klang das so. (hr)

2. Abseits dieses Finales in einem kleinen, luftigen Stadion mit bunten Sitzen und hohen Flutlichtmasten sieht es im Berliner Frauen- und Mädchenfußball recht düster aus. Martina Schrey (RBB) berichtet von allerlei Kuriositäten, Schikanen und Desinteresse. Ein bitterer Artikel.

Passen dazu der heutige Field Reporter:

»Ich würde mir mehr Bewusstsein für ihre Wirkung wünschen. Verbände könnten Vereinen, Trainern oder Schiedsrichtern einen Leitfaden erstellen, wie sie mit dem Problem umgehen. Oder auch mal sportgerichtlich durchgreifen. Dass Fußball nur Fußball ist, wie viele behaupten, stimmt ja nicht. Das tat es noch nie. Fußball ist so viel mehr, gerade im Breitensport.«

Tanja Walter-Ahrens im Gespräch mit Oliver Fritsch. (Zeit)

3. Kommen wir noch einmal kurz zurück auf das unterlegene Team im Finale der Champions League. Der Verein kommt aus der französischen Hauptstadt und darf deshalb als Überleitung zum Artikel von Carsten Pilger (120 Minuten) führen, der sich auf Spurensuche des Fußballs in Paris begeben hat. Eine Zeitreise vom 19.Jahrhundert bis in die Gegenwart.

4. Die Herren von PSG haben in der Champions League bereits die Segel streichen müssen. Es bleibt aber weiter im Rahmen des Möglichen, dass sie gegen den späteren Sieger ausgeschieden sind, denn Barcelona setzte sich nach Hin- und Rückspiel gegen Bayern München durch. Jonas Beckenkamp (SZ) nutzt die Möglichkeit, um den Champions League Torwart Barcas, André ter Stegen, zu loben.Daniel Montazeri (Spiegel) erklärt, warum Götze zunächst draußen bleiben musste.

Weil die Diskussionen um Bayern-Trainer Guardiola nach dem Ausscheiden in Pokal und Champions League und der Niederlagenserie in der Bundesliga nicht abreißen wollen, hat sich Oliver Fritsch (Zeit) quasi genötigt gesehen festzustellen, dass Guardiola die Bayern besser gemacht hat. Ein paar Fragen hat er dennoch formuliert. Robin Patzwaldt (Ruhrbarone) fragt ganz generell, wohin die deutsche Dominanz in der Champions League hin ist.

Im zweiten Halbfinale setzte sich Juventus Turin gegen Real Madrid durch. Daniel Montazeri (Spiegel) hebt in seiner Taktik-Analyse vor allem Arturo Vidal hervor, der im Angriff als offensiver Mittelfeldspieler agierte, sich bei verlorenem Ballbesitz aber auf die Sechser-Position neben Weintrinker Andrea Pirlo zurückfallen ließ.Jonathan Wilson (Guardian) stellt einen anderen Turiner in den Mittelpunkt und berichtet von Irrungen und Wirrungen in der Karriere von Carlos Tevez, der in dieser Saison zeigt, was für ein hervorragender Fußballer er ist.

Auf der anderen Seite wird Trainer Ancelotti angezählt. Sara Peschke (Spiegel) über eine Saison ohne Titel und einen Konkurrenten namens Zinédine Zidane.Oliver Meiler (SZ) kritisiert hingegen die Einkaufspolitik der Madrilenen.

Matthias Schmid (SZ) hat die Fakten zum Finale in Berlin und freut sich auf das Wiedersehen von Luis Suárez und Giorgio Chiellini.

5. In der Europa League treffen im Finale der FC Sevilla und Dnipro Dnipropetrowsk aufeinander. Dnipro schaltete den SSC Neapel aus, Sevillas Sieg auf dem Weg zum potentiell vierten Sieg in der Europa League gelang gegen den Gomez Club aus Florenz. (SZ)

6. Bei Terra X hat man sich mit Zuschauerströmen beschäftigt und dafür die Ticketdaten der Zuschauer beim Spiel Borussia Dortmund gegen Bayern München am Ostersamstag ausgewertet. Ein gelungenes Filmchen:

Aus der ganzen Welt strömen Fans am Ostersamstag zur Partie Borussia Dortmund gegen FC Bayern München ins Ruhrgebiet….

Posted by Terra X on Mittwoch, 13. Mai 2015

7. Fußballvereine in Südosteuropa treten aktuell nicht nur gegen Konkurrenten in Liga und Pokal an, sie spielen auch gegen die Wirtschaftskrise. Martin Ling hat im Auftrag der Rosa Luxemburg Stiftung diese Situation ausführlich analysiert. Ein langer Text für Internetausdrucker.

8. Oliver Ruhnert ist Nachwuchschef bei Schalke 04. Seine Meinung zur Nachwuchsarbeit von RasenBallsport Leipzig ist nicht die Beste:

»Wer auch nur einmal ein deutsches Nationaltrikot getragen hat, der wird von Leipzig angesprochen, da können Sie sicher sein.«

Neben Leipzig kommen auch die Hoffenheimer mit ihrer Art der Jugendarbeit gut weg bei Ruhnert. Das schwarz-weiß Modell zwischen Traditionsvereinen auf der einen und den neuen Konstrukten auf der anderen Seite funktioniert also auch auf der Jugendebene und wird aufgrund der Halbfinalhinspiele der U19 von Philipp Selldorf (SZ) unter dem Titel»Verkaufte Träume« untersucht.

9. Blicken wir kurz auf die Bundesliga. Stevens »kramt tief in der Motivationskiste«. (kicker) Torsten Wieland (Königsblog) schreibtüber die Hierarchie und Befehlsketten bei Schalke 04. Stefan Vogel macht es wie Ilsebill und salzt nach: er erklärt beim BVB-Fanamgazin schwatzgelb die rechtlichen Hintergründe der Freistellungen bei den königsblauen Freunden aus Gelsenkirchen.

10. Was hab ich früher am PC, einem 3/86er, die Siege meiner kleinen Fußballer gefeiert, die ich mir nur leisten konnten, weil ich bei Bundesliga Manager Pro durch den bekannten Schild-Cheat an der Bankfiliale ordentlich Geld erklickt hatte. Lange her und ich fragte mich tatsächlich schon, wie es der Fußball-Manager-Branche bei der ganzen Online-Manager-Konkurenz wohl geht? Markus Böhm (Spiegel) hat sich auf die Suche nach den Klassikern gemacht und die aktuelle Entwicklung unter die Lupe genommen.

11. Benjamin Kuhlhoff (11 Freunde) bedankt sich beim besten Trainer der Welt – seinem Vater.

Meist geklickter Link gestern
Stefan Osterhaus (NZZ) über die Diskussionen rund um Mario Götze, die »Züge einer Hexenjagd« haben.

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Mixed Zone
Verboten: Die Spieler der Primera Division dürfen nicht streiken. (DLF) + + + Abschied I: Nadine Angerer hört bald auf. (Womensoccer) + + + Abschied II: Steven Gerrard erwartet einen emotionalen Abschied von der Anfield Road. (Watson) + + + Gegenkandidat: Jakob Faber (Laola1) über Michael van Praag, der gern Nachfolger von Sepp Blatter werden möchte. + + + Datenschutz: In Niedersachsen stehen Listen szenekundiger Beamter in der Kritik. (NDR) + + + Sammelbildchen: Der TuS Lohmar-Birks lässt kleben. (WDR) + + + Bankdrücker: Xherdan Shaqiri sitzt trotz großer Pläne bei Inter Mailand meist nur auf der Bank. (watson) + + + Talentschmiede: These Football Times über den FC Porto. + + + TV-Tipp: Trainer Baade empfiehlt eine Dokumentation. + + + Interview: Ibrahima Traoré über seine Rolle bei Borussia Mönchengladbach, das Leben neben dem Fußball und Vergleiche mit Arjen Robben. (WAZ) + + + Analyse: Ein »Hauch Juego de Posición in Liga 3« – bei den Stuttgarter Kickers. (Konzeptfussball) + + + Spielabbruch: Bei der Copa Libertadores versprühte ein Fan Pfefferspray. (Spiegel) + + + Bilanz: Wo steht Manchester United nach 10 Jahren im Besitz der Familie Glazer? (ESPN) + + + Fußballsprache: Udo Stiehl, Grimme Online Award nominierter Macher der Floskelwolke, im Gespräch mit dem Deutschlandfunk über Floskeln im Fußball. + + + Hand drauf: Tim Jürgens (11 Freunde) über die Folgen der Lippenleserei. + + + Lobeshymne: In Köln wird er zum Heiligen St.Öger. (Effzeh) + + + Invitation: For Schürrle. (SZ)

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