#Link 11: Kölsch ist nicht zwingend unseriös

Eine Woche ohne Champions League, ohne Pokal, ohne Länderspiel. Ein erster Vorgeschmack auf die Sommerpause. Ein bunter Themenmix aus Hoeneß, FCK, Polizei, VfB, WM-Kader, letztem Spieltag, Magath, Schuldenberg, Hooligans, Nazis und Raimund Hinko. Wir wünschen allergrößtes Lesevergnügen.

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1. Am vergangenen Freitag habe die außerordentliche Mitgliederversammlung des FC Bayern München Karl Hopfner nicht zum neuen Präsidenten, sondern zum Übergangspräsidenten für die Haftzeit von Uli Hoeneß gewählt, meint Christian Eichler (FAZ). »Einzige Voraussetzung für die Rückkehr in die Führung der Bayern: gute Führung im Gefängnis. Weder sein Nachfolger noch die Mitglieder stünden der Resozialisierung als bayrischer Fußball-König im Wege«. Auszüge aus Uli Hoeneß’ Tagebuch veröffentlicht Markus Völker in der taz.

2. In der Angelegenheit der mehr oder minder versteckten vermeintlichen oder tatsächlichen Subventionen des Landes Rheinland-Pfalz für den 1. FC Kaiserslautern findet Kurt Beck, der Kauf des Fritz-Walter-Stadions habe zum damaligen Zeitpunkt »kein untragbares Risiko« dargestellt (Allgemeine Zeitung). Das Zitat ist einer ausführlichen, halbstündigen Dokumentation des Südwestrundfunks über diese Verflechtungen, diese »enge Verzahnung« entnommen, die in der ARD Mediathek angesehen werden kann.

3. Bei Strafrecht am Spieltag arbeitet Matthias Düllberg den Polzeieinsatz beim Spiel Hamburg–München am vergangenen Samstag auf. Seine Einschätzung fällt nicht allzu wohlwollend aus: Zum einen bezweifelt er die Verhältnismäßigkeit des Eindringens in den Block, zum anderen hält er die entstehende Situation für »offenkundig ebenso wenig überschaubar, wie sie kontrollierbar war«.

4. Henri Kamke hat einen Text über den VfB Stutgard und eine ihn betreffende Feinheit der französischen Sprache geschrieben. Es geht um den Nichtabstieg und das leitende Personal der kommenden Spielzeit. Wie üblich schafft er es auch diesmal, Thomas Hitzlspergers Tor nach der Pardo-Ecke unterzubringen und mit einem Satz über einen Umstehenden anzudeuten, dass er sogar selbst im Stadion war. Chapeau!

5. Die Niederlande und Bosnien haben Spielerlisten in Hinblick auf die WM 2014 bekannt gegeben (SZ). Der erweiterte Kader der deutschen Auswahl wird am Donnerstag bekannt gegeben werden. Die FAZ zeigt den Zeitplan bis zum Beginn der WM auf, die SZ wirft Namen in den Ring und fragt sich, wen Hansi Flick bei Stuttgart–Wolfsburg wohl beobachtet haben könnte.

6. Am nächsten Wochenende steht der letzte Spieltag der obersten deutschen Ligen an. A Football Report erzählt vom besonderen Geist dieses letzten Spiels, dem letzten vor der vereinsfußballfreien Zeit, bei dem selbst in England die Sonne zu scheinen beliebt: »An Ode to The Football League’s Final Day«.

7. Felix Magath ist mit Fulham aus der Premier League abgestiegen. Christian Eichler (FAZ) hat einen Abgesang auf den »überlegen lächelnden Typ Sportlehrer, den man aus der Schule kennt und der nirgendwo Verbündete hinterlässt«, verfasst. Fußball und Literatur erklärt Magaths Arbeitsweise in den Worten Charles Dickens’.

8. Zwei Texte über die Exklubs von Mesut Özil und Klaus Fichtel, Angelos Charisteas und Ailton, Thorsten Legat und Mladen Krstajic: In Bremen wurden in bester Traditionsklubmanier Leistungsträger der Vergangenheit gefeiert und zugleich der Leistungsträger der Gegenwart verabschiedet (Vert et blanc). Ein Vorbild unter dem Motto »Spaß trotz Schulden« bietet dagegen derzeit der FC Schalke 04. Torsten Wieland (Königsblog) berichtet von der Jahreshauptversammlung.

9. Tom Mustroph berichtet in der NZZ von den Spannungen zwischen Polizei, Fans und Mafia im organisierten Fußball. Im Fokus dabei: Napolis »Fan-Anführer« Gennaro de Tommaso. »Mafia-Aussteiger bezeichneten ihn als Verbindungsmann zwischen der kriminellen Organisation und der gewaltbereiten neapolitanischen Fan-Szene«, so Mustroph. Hans-Jürgen Schlamp (Spiegel) nennt ihn »Genny der Schreckliche« und kennt weitere Namen und Verbindungen. Bei 5 Freunde im Abseits ist eine kleine Einführung zum Thema mit weiteren Links zu finden.

10. In Deutschland geht es um Nazi-Hools und Salafisten: Christoph Ruf (Spiegel) über die Vernetzung der Szene und die Wahl eines gemeinsamen Feindes. Georg Kirsche berichtet in der taz von einem gewaltsuchenden Bremer Aufgebot beim Nordderby und der Seelenruhe der Polzei.

11. In München ist ein alter Zwist wieder aufgebrochen: Der zwischen der »Sport Bild« und Bastian Schweinsteiger. Raimund Hinkos Text ist zweifellos eine Polemik, eine destruktive Kritik, aber auch nicht völlig frei von Belegen. Ein Text, der gestern kurzzeitig für Aufsehen sorgte, bevor ihn ein fliegender Döner von der Bildfläche verdrängte.

 

Meist geklickter Link gestern:

Nummer eins am Montag war der WAZ-Text zum Abschied von Robert Lewandowski.

 

Field Reporter

Wenn Sie „kölsch“ mit unseriös gleichsetzen, dann ist das ein falsches Klischee. (…) Einer meiner Wünsche ist, dass der 1. FC Köln wieder ein feiner Verein wird. Im Sinne der Worte meiner verstorbenen Mutter, die 1972 zu mir gesagt hat: „Junge, geh zum FC, das ist ein feiner Verein.“ Fein, das hieß: kein Theater, finanziell solide, viele Spieler aus der Gegend und viele Nationalspieler. Das war damals typisch Köln, und eben nicht Chaos und Selbstüberschätzung. Meine Motivation ist es, dort wieder hinzukommen.

Toni Schumacher bemüht sich in der FAZ, das Bild Kölns und des Effzeh im Lichte des Erfolges gerade zu rücken. Hut ab vor dem Mentalitätswandel am Rhein.

 

Mixed Zone:

Derdiyok am Scheideweg: Der Schweizer hat »womöglich die letzte Chance, seine fußballerische Zukunft doch noch in Bahnen zu lenken, die seinen Qualitäten entsprechen« (RP) + + + Lauth macht weiter: Der Nutella-Boy will seine Karriere nach Auslaufen des Vertrages bei 1860 noch nicht beenden (SZ) + + + U17-EM-Kader: Trainer Christian Wück spricht einige Worte über jeden seiner Schützlinge (DFB.de) + + + Beste Liga der Welt: Aktives Abseits vergleicht Deutschland, England, Spanien + + + Crystal Palace holt 0:3 auf: Was der FC Liverpool einst gegen den AC Mailand tat, widerfuhr ihnen gestern durch drei Treffer der Underdogs aus London + + + Hoheneder-Interview: Der Leipziger Innenverteidiger im Gespräch mit DiePresse.com + + + Sachsen Leipzig zahlungsunfähig: Die Stadtwerke haben den Strom im Alfred-Kunze-Sportpark umgehend abgeschaltet (Leipziger Volksstimme) + + + Hans Meyer über Schiedsrichter: Im Gespräch mit Dirk Gieselmann (11Freunde) fragt sich der Kult-Trainer, warum Dr. Merk, dieser hervorragende Schiedsrichter, in Spielen mit Meyers Beteiligung so oft unter seinem Niveau geblieben sei + + +

 

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