CE47 – Dastar und Stadiondurchsagen


Der International Football Association Board (IFAB) hat auf seiner jährlichen Sitzung beschlossen: Es wird fürs Erste keinen Videobeweis geben, die sogenannte (vermeintliche) »Dreifachbestrafung« nach einer »Notbremse« bleibt, und das Zeigen von politischen, religiösen, kommerziellen oder persönlichen Botschaften auf Unterhemd oder -wäsche wird künftig strenger sanktioniert. Dafür darf jetzt mit Kopftüchern, Turbanen und anderen religiösen Kopfbedeckungen gespielt werden. Wir sagen in dieser Folge, was wir von alledem halten, und erörtern manch heiß diskutierte Szene vom 23. Spieltag der Fußball-Bundesliga, an dem das Schiedsrichtergespann in Dortmund ein überaus fragwürdiges Spruchband entfernen lassen hat. Gut so, finden wir. Dazu beantworten wir wieder Fragen unserer Hörer – unter anderem die, ob es eigentlich erlaubt ist, den Pfosten hochzuklettern. Viel Spaß und gute Erkenntnisse!
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Musik: Tha Silent Partner – P Pulsar (Album Version)

Links: Ein Artikel von Alex aus dem Jahr 2007 über den IFAB und die Geschichte der Fußballregeln — Jan F. Orth zum Thema »Dreifachbestrafung« — John Terry und der zweite Ball — Collinas Erben bei Twitter und bei Facebook — Das Collinas-Erben-T-Shirt gibt es hier — Die offiziellen Fußballregeln als PDF-Datei zum Download

Shownotes: 0:00 Intro: Werner Hansch und Heinz Erhardt – 2:00 Der International Football Association Board (IFAB), seine Zusammensetzung und Bedeutung und die Beschlüsse auf seiner jüngsten Sitzung – 20:45 Bundesliga, 23. Spieltag, FC Bayern – Schalke 04: Wirklich eine »Notbremse« von Kyriakos Papadopoulos? – 24:45 Eintracht Frankfurt – VfB Stuttgart: Die Tücken der Abseitsreform und wie eine gute Kooperation im Gespann aussieht – 36:00 Borussia Dortmund – 1. FC Nürnberg: Zum Sinn und Geist der Rückpassregel und zu einer couragierten Intervention des Schiedsrichtergespanns – 50:30 1899 Hoffenheim – VfL Wolfsburg: Warum Rot für Christian Träsch und Strafstoß für Hoffenheim? – 53:30 Werder Bremen – Hamburger SV: Was tun, wenn’s brennt? – 59:30 Champions League, Achtelfinale, Hinspiele, Galatasaray Istanbul – FC Chelsea: John Terry und der zweite Ball – 1:06:20 Zenit St. Petersburg – Borussia Dortmund: Strafstoß oder Stürmerfoul? – 1:10:30 Antworten auf die Fragen von Hörern – 1:28:40 Kleine Ankündigung in eigener Sache

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23 comments » Write a comment

  1. Hallo,

    ein Arbeitskollege von mir trainiert eine F-Jugend im Ruhrgebiet und berichtete mir heute, dass die Spiele seiner F-Jugend ohne Schiedsrichter ablaufen und die Kinder selbst die Entscheidungen auf dem Platz treffen. Ich konnte das garnicht glauben und habe mich in der Folge weitergehend darüber und über die Idee dahinter informiert (http://www.fairplayliga.de) und muss sagen, dass ich das für einen interessanten Ansatz halte.
    Frage an euch, falls es noch nicht im Podcast behandelt wurde: Was haltet ihr vom Spiel ohne Schiedsrichter, könnt ihr euch dass auch in höheren Altersklassen vorstellen und wo sind die Grenzen dieses Modells?

    Grüße, formarco

  2. Zu Chalsea vs. Gala noch ein Infobit:
    In der Premier League ist es üblich das nur 1 Ball benutzt wird, solange der erste nicht grad kaputt geht oder übers stadion fliegt, damit nicht mehr so häufig 2. Bälle ins Spiel kommen können.
    Terry ist also garnicht gewohnt das weitere Bälle dazukommen können. Klar kann/sollet ers weissen, aber Menschen sind halt gewohnheitstiere.

    • Danke schön für den Hinweis! Aber ganz ehrlich: Terry spielt schon so lange international, dass mir das Argument, er sei aus der PL nun mal nur einen Ball gewohnt, nicht sonderlich schlagkräftig vorkommt. Der wusste schon sehr genau, was er da tat.

      • Im Prinzip ja, aber du kennst das doch selber, irgendwann kommen bestimmte dinge einfach aus dem Rückenmark. Abseits siehtst du ja auch nicht so, dass du explizit drüber nachdenkst, sondern indem du deine Intuition trainierst und dann auf autopilot gehst.

        btw, wollte euch noch auf das hier hinweisen:
        http://www.telegraph.co.uk/sport/football/competitions/premier-league/10644977/The-stats-that-prove-Howard-Webb-bottles-big-decisions.html

        Das was die als statistische methodik vorgaukeln ist natürlich ein Witz, aber es ist nicht unplausibel das Webb den schwierigen Entscheidungen ausweicht.

        Kennt ihr das von euch bzw. als Ausbilder und Beobachter das Phänomen?
        Ich habs nicht bis in den beobachteten Bereich gebracht, aber was ich mitbekommen habe ist das es einem selten negativ ausgelegt wird wenn man die Spielentscheidung “den spielern” überlässt. (außer man baut dabei krasse Fehler rein).
        Für mich selbst war das immer ein harten Kampf(und viel Übung) die Dinge die ich wahrgenommen habe auch in kontroversen situationen durchzuziehen. v.A. allein bei Jugendspielen im Hinterland.

  3. @formarco: Ich hab beim Tennis so gut wie noch nie mit einem Schiedsrichter gespielt, diese werden pro Platz nur dann eingesetzt, wenn zwischen beiden Spielern regelmäßig Unstimmigkeiten auftauchen und das ganze von einer neutralen Person geleitet werden muss.

    @Tennis & Fußball – Vergleich: Ich fände es megatraurig, wenn beim Fußball das ganze in Richtung Tennis verläuft. Dort haben wir jetzt das Hawkeye (Videobeweis) schon seit Jahren im Einsatz. Was machen also die Schiedsrichter ? Die lehnen sich zurück und überstimmen ihre linienrichter so gut wie nicht mehr. Auf Nachfrage der Spieler kommt dann die platte Antwort:”Musst Du challengen, wenn Du meinst, dass der Ball aus/im Feld war.” Das finde ich dann schon befremdlich und will ich beim Tennis schon nicht sehen bzw. beim Fußball würde das in einer mittleren Katastrophe enden spieltechnisch gesehen…nebenbei: Wir haben Video-Beweis beim Feldhockey und Eishockey. Hier sind schon in wichtigen Spielen (Hockey WM-Finale und NHL Playoffs) teilweise schlimme Fehler passiert trotz Videobeweis (erfahrene Referees haben Fehlentscheidungen am Monitor getroffen) , also diese 0% Fehlerquote bekommt man nie in den Griff, solange da Menschen am Werk sind, die die Bilder auswerten.

    Beim Baseball testen sie das gerade im Spring Training – aktuell machen sie das direkt vor Ort mit Mini Monitoren und einer Verbindung zum Ü-Wagen. Hier bin ich mal auf den Ablauf in der Regulären Saison gespannt. Da wird bei jeder Challenge eine Verbindung mit der Zentrale aufgebaut und dort sitzen dann Experten, die zusammen ein Urteil fällen. Sehr interessant, dass es hier immer drei mögliche Ausgänge gibt:

    * Entscheidung bleibt
    * Entscheidung wird korrigiert
    * Entscheidung muss bestehen bleiben, weil das TV-Bild nicht eindeutig genug ist

  4. Eine Anmerkung zum Thema Stadionsprecher. Laut Spielordnung der DFL ist eine Anfeuerung des Publikums während des Spiels nicht gestattet. Unter III. §1 8.2. heißt es:
    “Die Stadionbeschallung darf vor und nach dem Spiel sowie in der Halbzeitpause uneingeschränkt zum Einsatz gebracht werden. Während des laufenden Spiels darf sie ausschließlich zum Zwecke der Bekanntgabe wesentlicher spielbezogener Informationen für die Stadionbesucher, z.B. Ein- und Auswechslungen, genutzt werden. Ausgenommen davon sind Spielunterbrechungen nach Torerfolgen, bei welchen auch kurze Unterhaltungselemente, z.B. Musikeinspielungen, möglich sind.”
    Mich würds freuen, wenn sich daran gehalten würde. Mir geht schon dieses Club-Urlaubs-mäßige Animationsgehabe vor und nach dem Spiel und das lustige “Danke-Bitte-Gedöns” bei Toren gehörig auf den Keks. Ist aber eine reine Geschmacksfrage, und nicht so sehr eine der Fairness.
    Meine Frage dazu: Ist der Schiri auch für die Durchsetzung der Spielordnung zuständig, oder dazu angehalten, Verstöße im Spielbericht zu vermerken? Oder ist für ihn allein das Regelwerk von Belang?

    • Danke schön, das war mir, offen gestanden, nicht bewusst, und ich hatte es auch nicht nachgeschlagen. Normalerweise gibt es ja auch keinen Ärger, wenn ein Stadionsprecher in fairer Form zum Support aufruft. Dafür, was passiert, wenn es unfair wird – und wie die Schiedsrichter dann reagieren –, hat Robin weiter unten ein gutes Beispiel herausgesucht.

  5. Zugabe: Thema F-Jugend, bei uns in Hessen ist es so, dass es “offiziellen Schiedsrichter” erst ab der E-Jugend gibt. F-Jugend darf im Prinzip jeder pfeiffen. Da sind die Jugendleiter immer froh, wenn es Freiwillige gibt, die den Job machen. Für Neulinge das ideale Trainings ein wenig “Wettkampf-Praxis” zum schnuppern. Und sind wir mal ehrlich: In der F-Jugend gibt es so gut wie keine Fouls- wenn mal ohne Absicht – und ansonsten kicken die Kleinen einfach nur ein wenig den Ball durch die Gegend. Das mit dem selbst entscheiden finde ich nun nicht so die Riesen-Herausforderung, aber trotzdem interessant, dass man solche Wege geht.

  6. Ja in meiner Jugendfussball Zeit gab es glaube ich bis zur C-Jugend keine “offiziellen”, angesetzten Schiedsrichter, sondern die Spiele wurden von Betreuern, Trainern, Eltern, Zuschauern, etc. geleitet.
    Zum Spiel komplett ohne Schiedsrichter: Der große Vorteil ist denke ich, dass so früh wie möglich ein Regelverständnis ausgeprägt wird und möglicherweise stärkt es die soziale Kompetenz eines jeden. Probleme müssen gemeinsam gelöst und Entscheidung unter Kompromissbereitschaft aller getroffen werden. Womöglich zeigen sich später weniger unfaire oder unsportliche Verhaltensweisen auf dem Platz, z.B. wird weniger gemeckert. Ist allerdings reine Spekulation. Interessant finde ich vor allem, inwieweit sich das System auf höhere Altersstufen übertragen lassen könnte.

    • Für mich kein strafwürdiges Handspiel. Normaler, regulärer Bewegungsablauf, keine Vergrößerung der Körperfläche, keine aktive Bewegung mit dem Arm zum Ball. Kann die Entscheidung, hier weiterspielen zu lassen, auf jeden Fall nachvollziehen.

  7. Ausnahmsweise keine Frage, sondern Neuigkeiten aus Österreich
    In österreichs zweithöchster Spielklasse gehen die Wogen im Abstiegskampf hoch:
    Der Präsident der Vienna zeigt doch tatsächlich den Schiedsrichter wegen Manipulationsverdacht an, weil der einen Treffer in der Schlussphase wegen abseits aberkennt, obwohl der Assistent die Fahne unten lässt. (Zudem verlegte er ein Foul kurzerhand außerhalb des Strafraums)
    http://www.laola1.at/de/fussball/erste-liga/hintergrund/erste-liga-vienna-zeigt-schiri-eisner-an/page/79628-33-52-52-.html (inkl. Video)
    Spotrechtlich ist wohl nichts zu machen, die Partie wird ziemlich sicher beglaubigt.
    Und ansonsten wird es ganz schwer, irgend etwas (sollte (!!) überhaupt etwas dran sein) zu beweisen

    Dass in Österreich auch in den Profiligen nicht immer alles sauber abläuft, ist aber spätestens seit dem Fall Taboga ein offenes Geheimnis
    Wie auch immer, ich dachte, dass euch und euren Hörer die News vllt interessieren könnten
    lg

  8. Eine Frage zum 25. Spieltag und dem Freistoß von Schweinsteiger. Laut Messung stand die Mauer 10,20 Meter vom Ball entfernt, also mehr als einen Meter weiter als nötig. Wie kann es bei einem Bundesliga-Schiedsrichter zu so einem Wahrnehmungsfehler kommen? Ihr hattet es ja kürzlich, dass die SR das eigentlich total im Blick haben.

    BTW fände ich es gut, wenn man den Abstand auf 10 Meter erhöhen würde, weil die Menschen heutzutage doch um einiges größer sind als vor 130 Jahren. Wäre der Fußball in Europa erfunden worden, hätten wir ja wohl 10 Meter.

  9. Apropos Iran: Hier es im Februar einen handfesten Skandal, weil als Frauen verkleidete Männer nach Singapur für die Frauen Nationalmannschaft spielen…es handelte sich um vier Transsexuelle, wo die OP noch nicht stattgefunden hat. Ich kenne das in solchen Fällen nur so, dass man das ganze nach der OP von einem Notar absegnen muss, um offiziell die Geschlechtswandlung bestätigen zu lassen…so lange gibt es Frauenfußball doch garantiert noch gar nicht im Iran. Bis vor ein paar Jahren, war es Frauen gar verboten in der Öffentlichkeit Fußball zu spielen – auch unter diesem Gesichtspunkt ist es absolut vertretbar mit Kopftuch / Schleier Fußball spielen zu dürfen.

    PS: So sieht Frauen Fußball im Iran in etwa aus. http://jebac.files.wordpress.com/2011/05/frauennationalmannschaft_iran1.jpg

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