Die Blog- & Presseschau für Mittwoch, den 06.03.2013

16 Minuten waren gespielt, da spielte sich eine Szene im Champions-League-Achtelfinale zwischen Manchester United und Real Madrid ab, die Detlef D.Soost nicht besser hätte choreografieren können. Wäre nicht der Ball im Spiel gewesen, hätte dieses formvollendete Tänzchen einen Platz auf den sangriagetränkten Dancefloors der Mallorcinischen Clubs verdient. Mesut Özil ergattert den Ball und versucht seinen Gegenspieler auszutanzen. Linkes Bein hoch, rechtes Bein hoch, ein Hüpfer hier, ein Hüpfer dort. Dann den Ball an den Nebenmann abgeben. Dann im Trubel der Tanzfläche abtauchen, später dann nochmal den einen Move auspacken, der selbst John Travolta hätte erbleichen lassen. Ein Pass weitergeleitet mit der Hacke, der das 2:1 für Real durch Ronaldo (der natürlich nicht jubelt – sich gar entschuldigt, 8Bit) einleitet und das Aus des Gastgebers aus Manchester in Old Trafford besiegelt.

Dabei war Manchester noch in Führung gegangen durch ein Eigentor von Sergio Ramos, hatte Real defensiv den Schneid abgekauft. Doch dann nahm der Schiedsrichter eine diskussionswürdige rote Karte in die Hand und veränderte das Spiel zu Gunsten der Spanier. Florian Haupt (Welt) spricht gar von einer „unerklärliche Laune eines Schiedsrichters“.

Sir Alex Ferguson war daraufhin außer sich, wie Andy Hunter (Guardian) berichtet.

Ferguson was so incensed at Cakir’s delayed decision that he pushed his kit-man out of the way to race from the dug-out to the pitch. No stranger to avoiding press conferences, but not to avoiding controversial decisions on Champions League nights, such as the defeat to Bayern Munich in 2010, the United manager sent his assistant, Mike Phelan, to face all questions after the game.

Hanspeter Künzler (NZZ) fasst weitere Reaktionen auf die rote Karte zusammen.

«Eine absolute Schande, eine schockierende Entscheidung», schnaubte sein Kollege Alan McInally, «die totale Verrücktheit», meinte der Schotte Charlie Nicholas. Der Ex-Internationale und BBC-Moderator Gary Lineker twitterte: «Der Referee hat Manchester United absolut gekillt.» Tatsächlich verlor Manchester United nach dem Platzverweis bald die Uebersicht.

Alle sind sich allerdings einig, dass die Einwechslung von Luka Modric den Unterschied ausmachte. Er traf zum 1:1 und brachte frischen Schwung in die Offensive. Das fand auch Gareth Bale (101goals) und die Spielverlagerung sowie Zonal Marking.

Luka Modric replaced Arbeloa, with Khedira going to right-back. This worked in two separate ways. First, Khedira offered great energy and overlapping threat from right-back, forcing United to keep defending that flank. Second, and much more importantly, Modric made the difference in the centre of the pitch.

In der anderen Partie des Abends besiegte Dortmund Donezk in überragender Manier mit 3:0. Oliver Müller (Welt) konstatiert Jürgen Klopp, dass er der beste deutsche Trainer sei.

Die Art und Weise, in der sich die Dortmunder für das Viertelfinale qualifizierten, belegt, dass die vermeintliche Eindimensionalität ihrer Spielweise überwunden ist: Der BVB kann mittlerweile weit mehr als nur Pressing und Gegenpressing.

Daniel Theweleit (FR) bemerkt, dass die Dortmunder sicherlich nicht auf dem Wunschprogramm der anderen Viertelfinalisten stehen werden.

Nach den Galaabenden gegen die großen Namen der Vorrundengruppe hat der Deutsche Meister nun auch diesen unangenehmen Brocken aus dem Weg geräumt. Ganz sicher wird dieser ebenso reife wie inspirierte BVB nicht zu den Wunschgegnern anderer Viertelfinalteilnehmer gehören.

Entscheidend am gestrigen Abend könnte gewesen sein, dass die vermeintliche Schwächung durch den Ausfall von Mats Hummels, eine Stärkung durch Santana war, meint auch Peter Penders (FAZ).

Er wurde ersetzt durch Felipe Santana, und was zunächst wie eine erhebliche Schwächung wirkte, erwies sich nach 31 Minuten als wegweisend. Reus hatte einen der umjubelten Eckbälle erzwungen, und ein paar Sekunden später bebte das Stadion – der Brasilianer hatte mit einem wuchtigen Kopfball den Führungstreffer erzielt. Die Brust der Dortmunder Spieler schien danach noch ein wenig breiter zu werden, die Kombinationen wirkten noch eine Spur sicherer.

Auch Nurpferdeundfussball stellt fest. „Ausgerechnet Santana“. Trainer Baade dagegen findet skurriles zu Mario Götze beim Kicker.

Rafael Buschmann (Spiegel Online) erkennt als einziges Problem in dieser Saison, dass der Kader noch nicht breit genug für drei Wettbewerbe ist. Wo es hingehen könnte mit dem „heißesten Club Europas“ BVB beschreibt Daniel Theweleit (taz). David Theis (Haihappening) betrachtet die Reizfigur Klopp.

Champions League

Balleroberungen sind seine Stärke. Das konnte man schon zu seinen Bundesligazeiten sehen. Inzwischen gehört Arturo Vidal zu den besten der Champions League, wie Whoscored an Zahlen belegt. Vidal wird heute mit Juventus Turin zum Einsatz kommen.

Endreas Müller wünscht sich Feedback für seine Europapokal-Infografiken.

Lumpi – halb Maskottchen, halb Fußballer

Christian Spiller (Zeit Online) hat sich mit Andreas „Lumpi“ Lambertz beschäftigt, der in Düsseldorf Kultstatus genießt.

Lambertz ist das einzige Maskottchen der Liga, das auch nach Anpfiff auf dem Feld bleiben darf. Seit fast zehn Jahren trägt er das Trikot der Fortuna. Sein erstes Spiel machte er als 18-Jähriger gegen Adler Osterfeld in der Oberliga Nordrhein, der damals vierthöchsten Spielklasse. Seither ist Lambertz mit seinem Verein dreimal aufgestiegen – und hat seinen Stammplatz nie wirklich verloren. Das gab es in der Bundesliga-Historie noch nie.

Tipp Kick vs. Subbuteo

In Deutschland konnte sich Subboteo nie so richtig durchsetzen. An deutschen Samstagabenden wurde nach der Sportschau traditionell Kick-Tipp gespielt, oder? Dennoch schöne Subboteo-Alternativ-Figuren hat The Football Attic ausgegraben. Favorit: Graham Poll.

Kurz gemeldet

Die Stehplatzhelden huldigen Torsten Frings.

Mutti der Libero fasst die letzten Plagiatsfälle der Bayern zusammen.

Mediathek

Warum Zwillinge erfolgreich sind. Wer mag, darf das auf die Bender-Zwillinge beziehen (Dradio Wissen).

Rausschmeißer

Jose Mourinho zum Spiel gestern.

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