#Link11: Schweinchen Schlau

Das Aufbegehren des Kultklubs gegen die vom Kommerz zerfressenen Fratzen des modernen Fußballs ist auch heute Thema Nummer Eins. Auch heute scheint es nicht leicht, 50+1-Regel und Unternehmensbeteiligung, 100% VW, 8% Audi und 0% SAP auseinanderzuhalten. Glücklicherweise bleiben genug Texte für Punkt 1-3 übrig, deren Wortwahl ein Grundverständnis der Sachlage bezeugt. Dahinter werden die Unterlegenen des (normalen?) Bundesligaspieltags der Kritik der Blogs ausgesetzt, bevor der Blick über Italien, England und Spanien bei Engel und Teufel auf Blatters Schultern hängen bleibt.

blogundpresseschau

1. Nach Einschätzung Rudi Völlers gibt Andreas Rettig »ein bisschen Schweinchen Schlau« (kicker), weil er eine aussichtslose Maximalforderung ins Rennen schicke, um einen vermeintlichen Kompromiss zu erreichen. Der Deutschlandfunk (ab 01:53) fasst den Antrag und die ersten Reaktionen darauf zusammen.

2. Der Rotebrauseblogger sieht in dem Antrag einen populistischen, kontraproduktiven Vorstoß, der einzelne Mannschaften zum Sündenbock erkläre, anstatt tatsächlich für eine Stärkung des sportlichen Wettbewerbs zu sorgen. Er legt außerdem ein Beispiel vor, wie erfolgreich wirtschaftende Klubs finanziell bevorzugt werden könnten und warum gerade dieses Modell aussichtslos sei. Andreas Rüttenauer (taz) schließt sich dem insofern an, als er den Zusammenhang zwischen Rechtsform und Fußballromantik angesichts der 50+1 einhaltenden Beispiele RB Leipzig und 1860 München in Frage stellt. Andererseits stellt er den solidarischen Charakter der Zentralvermarktung generell in Frage, schließlich erhalte der FC Bayern das Doppelte des SV Darmstadt (ungeachtet der Überlegung, wie das Verhältnis wohl bei Einzelvermarktung aussähe).

3. Zur Erwirtschaftung der zu verteilenden Einnahmen ließ Peter Peters am Montagabend einige Überlegungen der DFL zur Aufteilung des Spieltags verlauten: Bundesliga am Montag und Sonntagsspiele vor 15:30 Uhr (Reviersport). Wie die Gelder derzeit verteilt werden, hat der kicker kurz notiert.

4. Der 13. Spieltag der Fußball-Bundesliga stand im Zeichen der Anschläge von Paris. In der Frage, inwiefern die Normalität bereits wieder Einkehr gehalten habe, gehen die Ansichten auseinander. Hannes Hilbrecht (ZEIT) beschreibt eine Normalität aus Langeweile und Ereignislosigkeit, Michael Ashelm und Anno Hecker (FAZ) sehen in der scheinbaren Normalität nur die Vorkehrung zu Sicherheitsmaßnahmen, unter denen Körperscanner zu den mildesten gehören: Vergleiche zum Hochsicherheitskordon um den G7-Gipfel werden gezogen.

5. Zwei Niederlagen des Bundesligawochenendes finden ihre Verarbeitung in den Blogs: Der Akademiker-Fanclub befasst sich gewohnt abschweifend mit dem »Spiel« BSC-TSG, Beves Welt erzählt von Eintracht-Bayer: »So hatten wir uns das nicht vorgestellt«.

6. Werder Bremen verlor ebenfalls, allerdings weder 0:1 noch 1:3, sondern leistungsgerecht mit 0:6. Im Papierkugel-Blog wird über das Spiel hinaus eine Selbstzufriedenheit des Bremer Umfelds bemängelt, die einen kritischen Umgang mit dem, was auf und neben dem Platz schief läuft, dämpfe.

7. Ein Blick nach Italien: Neapel steht auf Rang 2. Ilja Behnisch (11Freunde) portraitiert deren arbeitsamen neuen Trainer Maurizio Sarri und seinen Weg vom Amateurtrainer in die Spitzengruppe der Serie A.

8. Obwohl Kop-Klopp zum Rocken der englischen Liga ansetzt, steht auf Platz 1 derzeit ein Außenseiter: Leicester City. Mit Zugängen für »vergleichsweise schmale 38 Millionen Euro« (Aktives Abseits) liegen sie momentan vor allen anderen. Torjäger Jamie Vardy traf in 10 Spielen am Stück und stellt damit einen Rekord Ruud van Nistelrooys ein (Sportschau). Christian Fuchs (früher Bochum) hat seine Rede in der Kabine gefilmt.

9. Louis van Gaal führt den Konkurrenten Manchester United nach eigener Aussage bei Manchester United durch Nichtstun: »I do nothing at United. I delegate and I earn a lot of money« (Guardian). Und was der FC Everton so treibt, ist Gegenstand einer gewohnt ausführlichen Finanzanalyse bei The Swiss Ramble.

10. Dem Real der späten Fünfziger Jahre hat sich Constantin Eckner in seinem Blog gewidmet: Die Viertelfinalspiele 1960 gegen Nizza, bestritten von einem Ensemble um Puskas und den im Hinspiel fehlenden di Stefano, werden analysiert.

11. »Man nannte ihn einen Wendehals, ›aber niemand kann mir vorwerfen, ich hätte etwas Krummes gemacht‹«. Die NZZ portaitiert Guido Tognoni, FIFA-Insider und TV-Experte. Die SZ berichtet, Sepp Blatters Verhalten im Hinblick auf eine denkbare Verleihung des Bundesverdienstkreuzes hätte seine Auszeichnung eigentlich ausgeschlossen.

Field Reporter

»Ich war zwischen den Engeln, die gesungen haben und dem Teufel, der das Feuer anzündet, aber es waren die Engel, die gesungen haben. […] In einem bestimmten Moment sagt der Körper einfach ,Nein, genug ist genug‘. Aber wenn du psychisch stark bist, kannst du widerstehen.«

Sepp Blatter, gegen den gestern ein Verfahren der FIFA-Ethikkommission eröffnet wurde (FAZ)

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