#Link11: Normalität, Solidarität, Anpfiff zu spät

Der FC Bayern gewann auswärts, der VfL Wolfsburg zu Hause und auch sonst war es ein ganz normaler Bundesligaspieltag. Die Frage, ob sich die Zugehörigkeit zu einer Solidargemeinschaft danach bemisst, ob ein Konzern 49% oder 51% der Stimmanteile in einer Spielbetriebs-GmbH hält, wirft der FC St. Pauli auf. Am Freitag in Hamburg, am Samstag in Stuttgart, am Sonntag in Ingolstadt: Drei Spiele des Bundesligaspieltags wurden später als angesetzt angepfiffen. Dreimal fielen im Anschluss vier Tore. In anderen Spielen war weniger los – heiligen die Punkte die Mittel? Heute in der #Link11.

blogundpresseschau

1.

Unter Verweis auf § 17 Nr. 1 der Ordnung für die Verwertung kommerzieller Rechte (OVR) und das Bekenntnis des Ligaverbandes zur „50+1“-Regel fordert der FC St. Pauli, Vereine, die sich durch eine Ausnahmegenehmigung nicht an diese Regel halten müssen, „von der Verteilung der Einnahmen aus der Vermarktung von Spielen nach § 9 Nr. 1 auszuschließen.“

Andreas Rettig kennt als ehemaliger Geschäftsführer die Statuten der DFL genau. Als Geschäftsführer des FC St. Pauli hat er am 10. November schriftlich den Standpunkt vertreten, die Auszahlung zentral erhobener Einnahmen aus Fernsehgeldern oder Vermarktung sei nur an Mannschaften zu leisten, bei denen die Mehrheit der Stimmanteile im Sinne der 50+1-Regelung in der Hand eines Stammvereins liegt. Ein Vorstoß, ausgereifter und radikaler als alles, was bislang zur Verteilung der Fernsehgelder zu hören war. Leverkusen, Wolfsburg, Hannover und Hoffenheim haben eine gemeinsame Stellungnahme verfasst (kicker). Eine erste Einschätzung findet sich beim Pauli-Blog »Der Übersteiger«.

2. Wohl dem, der einen Wohltäter mit weniger als 50% der Stimmanteile hinter sich weiß. Der Hamburger SV darf auf einen Hochkaräter hoffen, wenn es nach Klaus-Michael Kühne geht (Abendblatt). Dabei reichte das vorhandene Spielermaterial am Freitag immerhin für einen 3:1-Sieg gegen Borussia Dortmund (SpOn, Spielverlagerung).

3. Wir begrüßen auch einige Stadionbesucher in ihrer eigenen Realität – ein Handymitschnitt der Krawalle vor dem Schalker Stadion ist auf Youtube zu finden. In der SZ ist der Vorfall beschrieben und die Reaktion des FC Bayern festgehalten. Auch in Mönchengladbach griff die Polizei ein, die dortigen Geschehnisse sind allerdings noch strittig (Fanhilfe Hannover). Faszination Fankurve überblickt den Spieltag und befindet, die Polizei habe vielerorts für ultrafreie Gästeblöcke gesorgt.

4. Damit endgültig zum 13. Spieltag. Bei Reeses Sportkultur gibt es ihn in 11 GIFs, beim Rasenfunk in 163 Minuten zusammengefasst.

5. Zwei Teams wurden am Samstagnachmittag so richtig deftig bekocht: Werder Bremen verlor in Wolfsburg mit 0:6 (Spielverlagerung). Der VfB Stuttgart unterlag dem bisherigen Tabellenletzten FC Augsburg auf eigenem Platz mit 0:4. Der indirekte Freistoß widmet sich in seiner montäglichen Presseschau insbesondere den Schwaben. Der Brustring fasst seine Sprachlosigkeit kurz zusammen.

6. Einzelspiel der Woche war das Münchner Auswärtsspiel bei Schalke 04. Die blau-weiße Fünferkette gehörte zu den schwierigeren Aufgaben in dieser Saison, wurde letztlich aber erwartungsgemäß überspielt (Spielverlagerung). »Die Punkte heiligen die Mittel«, kommentiert Karlheinz Wild für den kicker.

7. Man ist geneigt, sich dieser Ansicht nicht anzuschließen, nachdem man die 90 Minuten der Partie zwischen Hertha und Hoffenheim gesehen hat. Die Hertha ging nach einer halben Stunde durch ein Kopfball-Eigentor in Führung, zog sich zurück und vollzog im restlichen Spiel keinen einzigen Angriff, gab keinen einzigen Schuss mehr ab. Die TSG schoss gelegentlich, traf aber nicht. Mit 1:7 Torschüssen und 26:16 Fouls festigte die Hertha so ihren vierten Tabellenplatz. Dabei hatte es in der FAZ doch über den Berliner Höhenflug geheißen, die Hertha sei »offensiver und ansehnlicher« geworden. Der Trendsetter-Philosoph ahnt schwere Wolken am sportlichen Horizont:

8. Eine gravierende Meldung, die unterzugehen droht: Ein Fußballprofi von Dinamo Zagreb wurde bei einer Kontrolle nach einem Spiel der aktuellen UEFA Champions League gegen den FC Arsenal des Dopings überführt und gesperrt (dpa/SZ).

9. In England drehte Jürgen Klopps FC Liverpool mächtig auf, die Offensive um Roberto Firmino spielte Manchester City phasenweise an die Wand. Die Süddeutsche berichtet, Spielverlagerung analysiert.

10. In Spanien drehte der messilose FC Barcelona mächtig auf, die Offensive um Andres Iniesta spielte Real Madrid phasenweise an die Wand. Die FAZ berichtet, Spielverlagerung analysiert.

11. Auf der 1 die DFL, auf der 11 der DFB. Zunächst beim DLF: Stammgast Thomas Kistner bespricht die Lage. Den Vorstoß Beckenbauers hat die aktuelle DFB-Spitze in aller Gelassenheit gekontert (FAZ). Zur künftigen Eindämmung von Korruption empfiehlt Aki Watzke im kicker, die Austragung der WM unter den zugelassenen Kandidaten auszulosen.

Field Reporter

»Man hat Fußball gespielt, man hat Deutschland wieder ins rechte Licht gerückt, was hat das damit zu tun, dass ein Scheich Ja oder Nein sagt?«

Das Quiz: »Wer hat’s gesagt? Franz Beckenbauer oder Schorsch Aigner?« findet sich bei ZEIT Online.

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Geburtstagskind des Tages

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Mixed Zone
Bremen: Thomas Eichin macht sich Sorgen + + + Aue: »Schweige«minute in Sachsen (Kfmw) + + + Dresden: Ansonsten aber: Imagewandel bei Dynamo (SpOn) + + + Kaiserslautern: Mitgliederversammlung verlegt, Post verantwortlich gemacht (FAZ) + + + Magdeburg: FC Ostelbien nun auch aus dem Fußballverband Sachsen-Anhalt ausgeschlossen (FAZ) + + + Turin: Juve schlägt Milan (Spielverlagerung) + + + Costa Rica: Rot für Kommentator (Joe) + + + Frauen: Leverkusen–Bayern 0:5 (Miasanrot) + + + Mönchengladbach: Hannover mit guten Phasen und etwas Glück nur knapp unterlegen (2:1). Angesichts der milden Worte von Niemals Allein wohl eine starke Leistung + + + Dortmund: BVB macht 5,5 Mio € Gewinn bei 276 Mio € Umsatz (WDR) + + +

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