#Link11: Möge der Schlechtere auch mal gewinnen

Abwechslung bietet der deutsche Fußball in diesen Tagen in den Spielen, die ohne Beteiligung des FC Bayern ablaufen. Die Liga ist bis weit nach unten gut besetzt, kaum ein Team setzt auf kämpferischen Antifußball. Ein Wettstreit unter einander in grauenvollen Leistungen unterbietenden Teams wie der zwischen Hertha und Köln 2012 scheint diese Saison auszubleiben. Glanzstück dieses Spieltages in der 1. Bundesliga waren die beiden Sonntagsspiele. Hamburg, Nürnberg, Frankfurt und Freiburg zeigten anschaulich, dass eine schlechte Position in der Tabelle nicht mit einem Verlust von Spielqualität einher gehen muss und dass im Fußball weder die potenziell bessere noch die tatsächlich bessere Mannschaft unbedingt das Spiel gewinnt. Die Link11 zum Abschluss des 25. Spieltags.

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1. Im ersten Spiel des gestrigen Tages bezwang der Hamburger SV mit einer seiner besten Saisonleistungen den 1. FC Nürnberg. Dieser war am Ende zwar in Torschüssen deutlich und in Toren um eines unterlegen, schienen dabei aber »potenziell überlegen«, wie es Rene Maric bei Spielverlagerung.de treffend formuliert.

2. Im zweiten Sonntagsspiel bezwang der SC Freiburg die SG Eintracht Frankfurt in deren Stadion. Die Freiburger, die allzu oft in dieser Saison gefälliges Spiel ohne Torerfolg zeigten, präsentierten sich in Frankfurt eiskalt und münzten ein Torschussverhältnis von 7:26 in einen 4:1-Sieg um. Während Freiburg auf den Relegationsplatz springt, schreibt Blog-G vom drohenden Abstieg der Eintracht. Pirmin Schweglers Satz »So Scheiße kann Fußball sein« fasst den Spielbericht der FR zusammen.

3. Ähnlich im Verhältnis von Torschüssen und Toren, aber um einen Schuss Dramatik im Spielverlauf reicher verlief das Samstagsspiel zwischen Hoffenheim und Mainz. Eine hochverdiente 2:0-Führung der Hoffenheimer drehten die Mainzer binnen 8 Minuten zu einem 2:3 und bauten ihren Sieg in der Nachspielzeit noch auf 4:2 aus. Die Frankfurter Rundschau berichtet über Tuchels Rekation auf die »kuriose Volte«. Der Brennerpass hat in seiner Bundesliga-Rückschau als neutraler Zuschauer dankende Worte übrig, der Akademiker-Fanclub rekonstruiert das Spiel unter Bezugnahme auf Schopenhauer.

4. Im – verglichen mit den beiden anderen Kellerduellen – unansehnlicheren Spiel der hinteren Plätze trennten sich Werder Bremen und der VfB Stuttgart unter Neu-Trainer Huub Stevens 1:1. »Schmuckloser Pragmatismus gepaart mit hohem Einsatz« charakterisierte aus Sicht von Vert et Blanc zum wiederholten Male das Spiel der Bremer. Ein eher taktisch geprägten Blick auf das Spiel gibt es bei Meine Saison mit dem SVW. Auf Stuttgarter Seite erinnert die Sportschau an eine frühere Phase des »Siechtums«: die Saison 1974/75. Neue Zuversicht und alte Probleme seien bei Stevens’ Amtsantritt zu sehen gewesen, so die Stuttgarter Zeitung. Goldmann saxt fragt sich: Wie viel vor oder nach Zwölf ist es eigentlich inzwischen?

5. Das Topspiel am Samstag um 18:30 entschied doch tatsächlich der FC Bayern für sich. Mit 2:1 bezwangen sie Bayer Leverkusen, die u.a. auf Emerson, Ze Roberto, Ballack und Schneider verzichten mussten. Rene Maric hat die daraus resultierende klare Überlegenheit der Münchner auf Spielverlagerung.de analysiert. Für die Bayern ist es das 50. Bundesligaspiel ohne Niederlage in Folge (sid/dpa/FR).

6. Mit dem Sieg gegen Leverkusen haben sich die Bayern einen Verfolger selbst vom Hals gehalten, der andere verlor aus eigener Kraft. Borussia Mönchengladbach bezwang den BVB am Samstag durch Tore von Raffael und Kruse mit 2:1. Tobias Escher (Spielverlagerung) sah einen verdienten Sieg der Gladbacher und spielerische Defizite auf Seiten Dortmunds. Die Borussia aus Mönchengladbach habe »die Menschen, die ihr das Vertrauen entzogen haben, Lügen gestraft«, schreibt Karsten Kellermann in der Rheinischen Post.

7. Als einer der Gewinner des Spieltags kann sich daher der FC Schalke 04 sehen, der durch einen 2:1-Sieg am Freitagabend in Augsburg an Bayer Leverkusen vorbeizieht und sich einen Punkt hinter dem BVB auf Platz 3 platziert. 19 Punkte aus 8 Rückrundenspielen scheinen derzeit die Regel, deutliche Niederlagen gegen Bayern und Real die Ausnahme zu sein. Torsten Wieland freut sich verhalten und relativiert.

8. In einem der Spiele aus der Kategorie »kein echtes Derby« trennten sich Braunschweig und Wolfsburg 1:1. Tradition oder Retorte – am Tropf von VW hängen doch beide, findet Michael Augustin. Die Luftlinie zwischen den beiden Stadien beträgt mit 24,8km übrigens weniger als die zwischen den Stadien in Dortmund und Gelsenkirchen (27,4km) – das aber nur nebenbei. Braunschweig jedenfalls erhamsterte schon den siebten Punkt in der Rückrunde und kommt damit auf 3 Punkte an den VfB Stuttgart heran – so nahe waren sich die beiden Vereine zuletzt zur Amtszeit Bruno Labbadias. Wolfsburg verpasst dagegen die Gelegenheit, Anschluss zu den Champions-League-Plätzen herzustellen (Tagesspiegel).

9. Im einzigen Spiel des Spieltages ohne direkten Kontakt zu Plätzen, die zu höheren oder niedrigeren Aufgaben in der kommenden Saison führen, gewann der seit Jahren auswärts harmlose Sportverein aus Hannover in Berlin mit 3:0. Michael Rosentritt nimmt im Tagesspiegel zur Beschreibung der Leistung der Herthaner die »Arbeitsverweigerung« in den Mund. Damit wird der Kontakt zu den interessanten Plätzen für beide Vereine noch entfernter: Hannover hat nun 7 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, die Hertha 4 Punkte Rückstand auf den Europacup. Leonardo Bittencourt zeigt, wie einfach Fußball sein kann: »Der Jan und ich wussten nicht genau, was wir zu machen hatten. Insofern tat uns die Pause gut, der Trainer hat uns darauf hingewiesen, was zu machen ist.« (HAZ)

10. Das Thema Uli Hoeneß ist noch lange nicht abgeschlossen. Während abzuwarten ist, ob die Staatsanwaltschaft das Urteil noch anfechten möchte, werden Überlegungen veröffentlicht, die Hoeneß’ Entscheidung, seinerseits auf eine Revision zu verzichten, zu plausibilisieren versuchen. Der Schweizer Tagesanzeiger hält es nicht für glaubwürdig, dass Uli Hoeneß mit Devisengeschäften deutliche Gewinne erzielt hat und lässt Kenner des Fachs zu Wort kommen. Ähnlich äußert sich Bankier Matthias Kröner. Auch aus anwaltlicher Sicht wirft das Verfahren Fragen auf, so etwa bei Prof. von Heintschel-Heinegg. Michael Ashelm zitiert in der FAZ Compliance-Experten, die zu einer gründlichen Aufarbeitung raten, um schon den Schaden durch Verdächtigungen abzuwenden und die Integrität des FC Bayern zu erhalten. Auch der Deutschlandfunk (mp3) beschäftigt sich mit dem Thema im Sportgespräch. Es diskutieren u.a. Rafael Buschmann und Gunter Gebauer.

11. Bei Schwarz und Blau hat man nicht vergessen, welche Entwicklung der SC Paderborn hinter sich hat: dreimal hintereinander mehr als 10.000 Zuschauer, das ist einmalig in der Geschichte des Vereins. Ein Blick auf Zahlen und ein kurzes Plädoyer für Offenheit gegenüber Fußballvereinen ohne erfolgreiche Vergangenheit und ihren Fans.

 

Field Reporter

Wir müssen diesen Traditionsballast nicht mit uns rumschleppen. Wir haben keine Gremien mit Altvorderen, die immer und überall mitreden wollen, sondern ganz kurze Entscheidungswege. Wir sind hochmodern, wir sind innovativ und mutig – also all das, was man von einem Wirtschaftsunternehmen auch erwarten würde. Wie habe ich Erfolg? – Nicht, indem ich bewahre und sehr traditionell daherkomme, sondern indem ich Dinge ausprobiere, mutig bin, meinen eigenen Weg beschreite.

Peter Rettig, Geschäftsführer der TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH, im ausführlichen Interview mit dem Handelsblatt.

 

Mixed Zone:

Ukraine: Über die Zukunft des Fußballs dort und die ersten ausreisenden Spieler berichtet Futbolgrad + + + Salzburg: Im Zusammenhang mit Red Bull liest man oft von Farmvereinen, bei 11Freunde die Geschichte des Fanvereins, der als Neugründung der SV Austria Salzburg vor der Rückkehr in den Profisport steht + + + Hannover: Die Koppelung von Derbyticket und Busfahrt war letzte Woche schon Thema, nun schaltet sich die Rote Kurve öffentlich ein + + + Köln: Der Effzeh will sich vom Image des Chaosvereins befreien. Tim Jürgens für 11Freunde + + + Bremen: In der Folge des Nordderbys schreibt das Fanbündnis Bremen über das Bremer Fanprojekt + + + Saarbrücken: Was in Liga drei eigentlich hinter den Kulissen so verkehrt läuft, fragt sich Carsten Pilger im FCSBlog 2.0 + + + Europa: In der CL scheinen mehrere Partien bereits entschieden, überhaupt halte der Wettbewerb bis zum Viertelfinale kaum noch die Möglichkeit eines unerwarteten Ausscheidens offen, wodurch der Wettbewerb an Attraktivität verliere, findet Endreas Müller + + +

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6 comments » Write a comment

    • Echt?

      Also dass es keine unverdienten Siege gibt, weil der Sieger mehr Tore geschossen und damit verdient gewonnen habe – nachvollziehbar. Aber war er deswegen auch besser? So ergebnisorientiert bin ich zumindest im Fußball dann doch nicht.

      • Besser ist m.E. der, der das Spielziel (hier: Tore erzielen und Gegentore verhindern) in höherem Maße umgesetzt hat.

        Im Grunde also die Argumentation, die Du für “verdient” verwendest und die für mich dort auch gilt. Bei mir ist es quasi andersrum. Ich würde auch nicht von einem “unverdienten Sieg” sprechen, finde die Formulierung aber eher nachvollziehbar als sowas wie “der Bessere hat verloren”. Besser ist der, der das Spielziel … Sie wissen schon.

        Wird aber eine Grundsatzdiskussion ohne vernünftiges Ergebnis, insofern können wir’s wahrscheinlich auch lassen.

  1. Eine Korrektur zu 8.):

    Wie völlig zurecht bemerkt wurde, spielten Braunschweig und Stuttgart beide 1:1, der Abstand muss also im Vergleich zum letzten Spieltag gleich geblieben sein. Tatsächlich spielten die beiden schon am letzten Spieltag beide 2:2, nämlich gegeneinander, der genannte Abstand von 3 Punkten besteht also schon seit dem 23. Spieltag und nicht erstmals seit Labbadia. Zum Ausdruck gebracht werden sollte: Schneider hatte nach seinem ersten Spiel einen Vorsprung von 3 Punkten auf Braunschweig, dann 11 Punkte Vorsprung angesammelt (15. Spieltag), von denen Lieberknechts Eintracht schon 8 wieder aufgeholt hat.

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