CE104 Keep calm and discuss


Wir wünschen allen Hörerinnen und Hörern ein frohes neues Jahr und starten mit einem Rückblick auf den ersten Teil der Bundesliga-Hinrunde. Danach widmen wir uns dem Thema, das uns in den letzten Monaten am meisten beschäftigt hat: der Video Assistant Referee. Um das Thema nochmal ganz ausführlich und in vielen Facetten zu beleuchten, haben wir uns dazu entschieden, dass wir in Episode 104 eine Diskussion führen wollen und zwar nicht wie üblich "nur zu zweit", sondern mit Gästen, die sich in den letzten Spielzeiten ihre ganz eigene Meinung zum Thema VAR gebildet haben. Einerseits ist das Axel Goldmann, der in seinem Blog (dervierteoffizielle.de) und in seinen diversen Podcastprojekten (drei90, Wettbrötchen, Sanfte Weltherren) schon mehrfach seine Ablehnung zum Einsatz von Videoassistenten deutlich gemacht hat - und das obwohl er zu Beginn eigentlich für den Einsatz von technischen Hilfsmitteln war. Andererseits ist Maik Krükemeier zugeschaltet. Der Verbandsliga-Schiedsrichter war zunächst strikter Gegner der Einrichtung des "Kölner Kellers", weil er befürchtete, dass es seinem Fußballerlebnis schaden würde, wenn er keine Fehlentscheidungen von Unparteiischen zum Aufregen hätte. Heute ist der Blogger und Podcaster vom Millernton und Schiedsrichter des Jahres des Fußballkreises Segeberg von 2019 ein Befürworter der Videoassistenz, er hat aber klare Vorstellungen davon, was sich ändern sollte. Entstanden ist so eine gut zweistündige Diskussion, die das Thema in vielen Facetten beleuchtet und vor allem zeigt, dass Veränderungen jeglicher Art auch Konsequenzen haben oder die Unparteiischen vor weitere Probleme stellen.
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Musik: Tha Silent Partner – P Pulsar (Album Version)

Wir freuen uns über eure Fragen, eure Kritik, euer Lob, eure Wünsche. Sendet uns dazu einfach eine E-Mail oder eine Sprachnachricht.

Links: Maik Krükemeiers Text zum Thema VAR beim Millernton — Die Kolumnen von Collinas Erben auf n-tv.de — Collinas Erben bei Twitter und bei Facebook

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7 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Extremfälle/Situationen konstruieren/durchdenken macht Spaß!

    DFB Pokalfinale Dortmund gegen Bayern 90+3 Minute Spielstand 0:0
    Ecke Dortmund, Torwart geht mit nach vorne.. Ball flippert ein Bayern spieler bekommt ihn deutlich unabsichtlich an die Hand, dadurch die Kontrolle über den Ball, haut ihn aus dem Strafraum, und der Ball fliegt 90m direkt ins Dortmunder Tor.
    Strafstoß für Dortmund oder Siegtreffer Bayern?

    Aus schiedsrichter-taktischer Sicht vermutlich am besten schnell schauen, ob man irgend ne Kleinigkeit finden kann die man stattdessen pfeiffen kann.. Aber ne richtige Entscheidung gibt’s wohl nicht…

    • Das Tor würde zählen. Zwischen dem Handspiel und der Torerzielung muss eine Unmittelbarkeit gegeben sein, nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich. Lutz Wagner hat das auf der Beobachtertagung des DFB am Beispiels des Tores von Rebic im DFB-Pokalfinale 2018 erläutert: Damals gab es ein (nicht per se strafbares) Handspiel von Prince Boateng in der Frankfurter Hälfte, danach einen weiten Schlag in Richtung Bayern-Tor, wo Rebic in Ballbesitz kam und traf. Dieses Tor wäre auch jetzt gültig. Man hält es ganz einfach nicht für dem Sinn und Geist der Regeln entsprechend, wenn es in einem Fall wie dem von dir konstruierten einen Strafstoß gäbe.

  2. Rückpass: Klar ist, wie es nach aktueller Regel zu entscheiden ist. Dem philosophischen Teil, was eine bessere Regel wäre, mag ich mich nicht anschließen. Warum sollte es keine Torchance sein, wenn der Ball ohne den Eingriff ins Tor rollen würde? Das ist doch gerade die Definition einer sehr klaren Torchance. Nirgendwo steht, dass diese Einschätzung für Eigentore nicht gelten würde. Von daher fände ich eine entsprechende Sanktionierung sinnvoll. Beachten sollte man allerdings, dass das Vergehen für den Torhüter auch nicht immer leicht erkennen ist. Er muss quasi den Job des Schiedsrichters machen und das Verhalten seines Mitspielers beurteilen. Auf dieser Basis würde er dann bestraft werden. Das gibt es sonst nirgendwo im Regelwerk. Persönliche Strafen hängen immer vom eigenen Handeln ab. Das würde hier aufgeweicht. Mit Blick auf die Häufigkeit der Fälle ist es vielleicht einfach besser, alles so zu lassen wie es ist.

    Elfmeter durch Eingriff eines Einwechselspielers: Man muss ja nicht direkt zum Regelbruch aufrufen. In einer Situation wie bei Frankfurt-Leverkusen, sind Schiri und Assistent ja weit weg. Das Vergehen ist in der Regel ziemlich knapp auf der Linie. Einfache Anweisung: Seid euch da wirklich sehr, sehr sicher, wenn ihr in der Situation Elfmeter geben wollt. Dann kann man sich immer bequem darauf zurückziehen, dass man es nicht gut erkennen konnte und somit auch leicht auf Sinn und Geist der Regel verweisen. Wenn dann der Einwechselspieler einen Meter im Feld steht, dann hat er es auch nicht besser verdient.

    Piszczek: Da bleibe ich bei meiner ursprünglichen Einschätzung. Du kannst als Schiri nicht irgendwelche missverständlichen Gesten machen und dann mit der gelben Karte um die Ecke kommen. Er hätte ja die Möglichkeit gehabt, gar nichts zu signalisieren. Irgendwann wäre es Piszczek schon aufgefallen, dass er von dort nicht aufs Feld gewunken wird. So ist einfach eine Fehlleistung vom Schiri. Dafür dann noch den Spieler verantwortlich zu machen, finde ich falsch.

  3. Danke für die spannende Diskussion. Meine Gedanken spontan nach dem Ende der Episode und vom unterwegs (also nicht mit dem Anspruch vollständig durchdacht worden zu sein): Neben der Transparenz ist die Angriffsphase ein großes Problem, da sie mindestens für den Amateur schwer greifbar ist. Mein Vorschlag für den VAR:
    Der VAR checkt auf dem ganzen Platz
    * Tätlichkeiten
    * Vergehen im Bereich glatt roten Karten

    Der VAR checkt bei Torschüssen außerhalb des Strafraums:
    * die unmittelbare Aktion von Angreifer und Verteidiger beim Torschuss.

    Der VAR checkt bei Torschüssen/Verhinderung im Strafraum
    * alles, wenn die Aktion vorbei ist (Ball im Aus/Tor/Ball verlässt den Strafraum) vor allem mit Blick auf Toererzielung/verhinderung. Aber auch z. B. ob die Entscheidung Ecke/Abstoß korrekt ist. Bei Zweikämpfen wird natürlich nur geprüft, ob ein grober Fehler des Schiedsrichters vorliegt.

    Das hätte in meinen Augen den Vorteil einer größeren Eindeutigkeit eines örtlichen Einsatz des VAR, ohne Begriffe wie Angriffsphase und ohne Aberkennung von Toren weil im Mittelfeld irgendwas passiert ist.

  4. War der Spieler, der zum Schiri meinte: “Wir Schwatten müssen doch zusammenhalten”, nicht Anthony Baffoe?

  5. Vielen Dank für diese Folge im ungewöhnlichen Format. Ich fand es sehr erfrischend, auch mal eine Diskussion mit divergierenden Meinungen zu hören. Beim Hören dachte ich an verschiedenen Stellen mal wieder (APP, Messung von Abseitspisition Handspiel etc), dass es vielleicht einfach falsch ist, den Anspruch zu haben alles durch die Regeln in schwarz und weiß einzuteilen zu versuchen, was dann zu diesen Definitionsproblemen führt. Vielleicht wäre es besser, das alles nur grob zu regeln und viel stärker darauf zu setzen, dass der Schiedsrichter den Geist dR richtig interpretiert. Dann ist so eine Entscheidung natürlich nicht mehr einfach richtig oder falsch und am Anfang wird es dazu Diskussionen geben. Aber ich würde denken, dass diese schnell wieder verschwinden, weil sie dann einfach müßig sind da gar nicht mehr die Illusion einer objektiven Wahrheit durch eine super kleinteilig e Regelungswut erzeugt wird. Im „richtigen Leben“ wird das auch so gehandhabt, das Strafgesetzbuch ist voll von erstmal unbestimmten Begriffen, die dann eben vom Richter (im Wissen um Kommentare und Rechtsteadition) ausgelegt werden müssen.

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