CE99 – The Sound of Schiedsrichterfunk


Da podcastet man gerade mal drei Monate lang nicht, und schon kommt so viel Material zusammen, dass eine rekordverdächtige XXL-Episode dabei herausspringt. Aber wir sind davon überzeugt, dass es wirklich gutes, hörenswertes Material ist: Nach Alex war nun auch Klaas während eines Bundesligaspiels im Kölner Video-Assist-Center und hat nicht nur viele Eindrücke und Interviews mit Jochen Drees und Martin Petersen mitgebracht, sondern – nach einigem Hin und Her – auch mehrere Sequenzen aus dem Funkverkehr des Schiedsrichterteams während der Partie Hannover 96 – Eintracht Frankfurt. Außerdem widmen wir uns ausführlich den Regeländerungen, die es zur kommenden Saison geben wird, und blicken auf markante Entscheidungen der Bundesliga-Spieltage 17 bis 26 sowie des Achtelfinals in der Champions League zurück. Bis zur nächsten Folge – unserer einhundertsten – wird übrigens ganz gewiss nicht noch einmal so viel Zeit vergehen. Fest versprochen. Und die technische Qualität wird dann auch wieder besser sein.
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Musik: Tha Silent Partner – P Pulsar (Album Version)

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Links: Alex im Interview von sportschau.de zum Komplex Handspiel — Alex zu Gast in Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs — Alex’ Reportage zum Video-Assist-Center in Köln in der DFB-Schiedsrichter-Zeitung — Das offizielle Regelheft der FIFA — Die Kolumnen von Collinas Erben auf n-tv.de — Collinas Erben bei Twitter und bei Facebook

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13 comments » Write a comment

  1. Ihr habt Euch bei den Sanktionen gegenüber dem Trainer gefragt, ob der zukünftig auch nach fünf gelben Karten ein Spiel aussetzen muss. Und habt festgestellt, dies zu entscheiden sei jedenfalls nicht Sache des IFAB sondern der Verbände, deswegen müsse man das abwarten. Aber legt sowas nicht der Veranstalter des jeweiligen Wettbewerbs als Teil der Spielordnung fest? Und das kann ja ein Verband sein, wie bei der deutschen 3. Liga der DFB. Aber in der Regel ist das doch ein Unterverband, ein Verbandszusammenschluss oder sogar eine private Unternehmung. Also z.B. für die Bundesliga die DFL, für die Regionalliga Nord der Norddeutsche Fußballverband, für die Oberliga Hamburg der Hamburger Fußballverband, für die WM die FIFA, für die englische League One die EFL und für das Sommerturnier des VfL Kuhkackerode der VfL Kuhkackerode. Oder wo liege ich falsch?

    Im Übrigen musste ich bei diesem Part mal wieder daran denken, in wie vielen Details das Eishockey sinnvollere Regelungen als der Fußball besitzt (subjektive Verallgemeinerung). Auch im Eishockey erhalten Trainer Strafen. Diese muss aber ein Spieler seiner Mannschaft absitzen. Und das führt dann sehr schnell dazu, dass die Spieler beruhigend bis genervt auf den Trainer einwirken. Ich habe es selber mehr als einmal erlebt, dass selbst Kinder sich plötzlich gegen ihren Trainer wenden und/oder dass Trainer sich in der nächsten Drittelpause als erstes deutlich bei ihrer Mannschaft für ihre Disziplinlosigkeit entschuldigen. Stellt Euch das doch bitte kurz mal im Fußball vor. Wäre das nicht herrlich?

    Wobei man dazu sagen muss, dass wir hier letztlich wieder auf das Problem stoßen, dass der Fußball seine Strafen so schlecht eskaliert. Eishockey-Schiedsrichter verhängen sehr schnell kleine (2-Minuten-) Strafen wegen meckern, reklamieren etc. Für größere Strafen muss man sich bei den meisten aber schon wie Sascha Rösler aufführen. Und den Ausschluss eines Trainers habe ich persönlich nach meiner Erinnerung noch nie erlebt. Wenn jetzt im Fußball jedesmal, wenn ein Trainer des Innenraums verweisen wird, die Mannschaft mit einem Spieler weniger spielen muss, dann fände ich das irgendwie auch wieder nicht angemessen. Andererseits: Wenn jede Verwarnung für den Trainer eine gelbe Karte für einen Spieler seiner Wahl bedeutet, dann käme es zukünftig vielleicht gar nicht mehr dazu.

    Zu Eurer wunderschönen Nerd-Freude über die 4 Meter als neues Abstandsmaß: Kann es sein, dass dies das erste Mal in der Geschichte des Fußballs ist, dass einer der Maße zuerst in Meter (und nicht in Yards) definiert wurde? Weil sonst wären es doch bestimmt 3,60 Meter oder 4,60 Meter.

    • Ganz kurz zu den möglichen Sperren gegen Trainer nach X Gelben Karten: Mit »die Verbände« ist der jeweilige Veranstalter gemeint. Genau wie du es geschrieben hast.

  2. Zum Eckball in Nürnberg: ein Aspekt, der mir da fehlt, ist die unnötige Hektik, die Osmers damit auf den Platz getragen hat. Warum macht er denn dieses Fass auf? Alex meinte, in einem solchen Fall ist man froh in die Kabine zu kommen. Aber geht das nicht viel leichter, wenn man den Eckball einfach noch ausführen lässt? So hatte er doch erst recht Diskussionen.
    Der “Furor” auf Twitter kam aus meiner Sicht übrigens ganz klar daher, dass Alex behauptete der Eckball wäre schon in der Verlängerung der Nachspielzeit entstanden. Was halt faktisch falsch war. Einfach mal kurz den Fehler eingestehen, dann ist das Echo auch ein anderes.

    Zur kalibrierten Linie: Wisst ihr, warum das nicht auch für das TV-Bild angeboten wird? Ist doch irgendwie schade, dass jeder Sender da seine eigenen krummen Linien zieht, während es ja scheinbar eine funktionierende Technologie zur Visualisierung gibt. Gerade das Lot wäre ja ein deutlicher Mehrwert gegenüber dem, was zur Zeit angeboten wird.
    Bei der Szene mit Pizarro bei Bremen-Schalke sah das für mich sehr klar nach Abseits aus. Wäre doch super, da nicht rätseln zu müssen.

    zum VAR: Der Einblick war sehr spannend. Ich verstehe immer noch nicht, warum DFB/DFL nicht solche Tonspuren nehmen und zusammen mit den Fernsehbildern Szenen aus Schirisicht erklären.

    • Hat Osmers Hektik auf den Platz getragen? Das würde ich nicht sagen. Es gab natürlich ein bisschen Protest vonseiten der Dortmunder, die den Eckstoß gerne noch ausgeführt hätten. Aber dann war ja Pause, und ich hatte nicht den Eindruck, dass sich Osmers’ Entscheidung nach dem Wiederanpfiff nachteilig auf das Spiel ausgewirkt hat. Was den »Furor« betrifft: Ich hatte auf Twitter dies geschrieben: »Als der Ball zur Ausführung bereit lag, zeigte die Uhr 45+4 Minuten an. Angezeigte Nachspielzeit: 4 Minuten. Es war also regelkonform, zur Halbzeit zu pfeifen.« Kann aber sein, dass die ersten schwarzen Bällchen vielleicht bei 45+3:58 aufs Feld geflogen sind. Die Aufregung auf Twitter war jedenfalls größer als die auf dem Platz. Aus relativ geringem Anlass, wie mir weiterhin scheint.

      Auf die kalibrierten Linien können die TV-Anstalten seit Beginn der Rückrunde zurückgreifen, sagt die DFL. Warum das im Falle des Spiels Werder – Schalke nicht funktioniert hat, wissen wir leider nicht.

  3. Bezüglich der Regeländerung, dass eine rote Karte bei einem schnell ausgeführten Freistoß auch nachträglich gezeigt werden kann. Dürfte dieser Spieler dann noch ins Spiel eingreifen? Wenn ein rotwürdiges Foul begangen wurde, das Spiel aber wegen einem Vorteil weiterläuft, darf der Spieler ja nicht mehr den Ball berühren, soweit ich weiß. Wäre das hier anders?

  4. Ich verstehe, warum Ihr zu den Mitschnitten aus dem Funkverkehr des Schiedsrichterteams so gerne auch die visuelle Komponente angeboten hättet. Ich finde aber gar nicht, dass diese Sendung darunter gelitten hat. Ganz im Gegenteil hatte ich das Gefühl, mich gerade dadurch besser auf diese sehr ungewohnten und erst einmal überfordernden Eindrücke konzentrieren zu können. Und in diesem Sinne fand ich es auch ganz gut, dass Szenen gegenständlich waren, an die ich mich nicht erinnere und die mir emotional egal sind.

    So wie Ihr es gemacht habt, fand ich es ideal: Situation erklären, Soundfile, Situation nochmal erklären, einordnen, auf Besonderheiten hinweisen, Soundfile erneut, Soundfile erneut, nochmal erklären, auf Besonderheiten hinweisen, Wissen, Einordnungen und begründete Spekulationen anbieten. Mit weniger Redundanz, weniger Mühe eurerseits und mehr Ablenkung hätte ich daraus schwerlich so viel mitgenommen.

    Bestimmt bietet zusätzliches Video aus dem VAC und vom Platz einen Mehrwert. Aber das hätte ich dann gerne auch in zusätzlicher Zeit und mit zusätzlicher Einordnung. War schon gut so.

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    Abschließend noch ein Gedanke zu Alex’ Ablehnung des gläsernen Schiedsrichters: Der ist in anderen Sportarten seit Jahren Alltag. Ich weiß, ich nerve mit meinen ständigen Verweisen aufs Eishockey (es gibt bestimmt auch andere Sportarten, in denen sowas praktiziert wird). Aber dort gehört der “Cable Guy” (also ein Mikrofon für einzelne Trainer, Spieler oder Schiris) mittlerweile zum Standardrepertoire der (deutschsprachigen?) TV-Sender. Und da funktioniert das gut. Das ist selten die ganz große Erkenntnis, aber oft unterhaltsam und vermittelt schon ein ein wenig das Miteinander auf dem Eis (manchmal auch etwas mehr, ähm…). Und ich kann mich nicht erinnern, dass irgendwann irgendeinem der Beteiligten die öffentliche Dokumentation seiner sporttypischen Wortwahl oder seines situationsangemessenen Auftretens später zum Verhängnis wurde. Das trägt allenfalls zur Unterhaltung, zur Show und schlimmstenfalls zur allgemeinen Belustigung bei. Plot Twist: Und diesmal ist dies für mich ein Argument, um Dir zuzustimmen, Alex. Denn genau das ist im Fußball aus vielerlei Gründen nicht möglich. Das ginge einfach nicht. Wir könnten jetzt lang und breit die Gründe aufzählen, warum das im Einzelnen zu welchen Shitstorms, medialen Debatten und rundherum epischen Katastrophen führen würde und wer daran jeweils schuld hat und ob wir das gut heißen. Tatsache ist: Es würde nicht funktionieren.

    Ein anderes Beispiel ist der schöne Rugby-Sport, bei dem – wenn ich das richtig verstanden habe – (ab einer gewissen Ebene) das Mikrofon des Refs sogar immer und für alle Zuschauer im Stadion und vor dem TV offen ist. Und wo Refs selbst für so einen sick burn (Einordnung nach meinem Verständnis: zwei Wochen später wird im selben Stadion Fußball gespielt) von Kommentatoren und Fans gefeiert werden und von den Spielern Respekt erfahren. Auch hier: Das geht im Fußball einfach nicht. So sehr ich immer wieder vehement dafür eintrete, das Verhalten von Fußballern, Verantwortlichen und Fans auf und neben dem Platz ließe sich mit ein wenig mehr Konsequenz positiv verändern – so weit wird sich die spezifische Kultur des Miteinanders im Fußballs niemals verändern lassen. Da glaube ich jedenfalls nicht dran. Unabhängig davon, ob man das überhaupt möchte (Stichwort: “Ein guter Schiedsrichter ist einer, den man nicht bemerkt”, naja).

    Ich habe das mal anders gesehen. Mittlerweile nicht mehr. Ob das ein Zeichen der Resignation ist, der mentalen Weiterentwicklung oder einfach nur des Alters, das weiß ich noch nicht.

    • Wollte noch dazuschreiben, dass ich da den gesamten Ablauf beim Tor sehr sehr interessant fand!

  5. @Ano Nym: Bemerkenswert. Insgesamt und in dem von Dir genannten Detail. Danke dafür.

    ps: Selbst ich besitze nicht die Arroganz, dies als Replik zu meinen Äußerungen zu begreifen. Nur für den Fall: Ich sehe da – bei allem Respekt vor dem australischen Fußball – keinen Widerspruch. Profisport in Australien ist ja nun wirklich ein völlig anderer Beritt.

  6. Meiner Meinung nach ist der Vergleich mit dem technischen Tor (vgl. Eishockey) nicht vergleichbar. Dort wird das Tor gegeben, wenn kein Torwart mehr im Tor ist. Also, wenn nur noch der Puck in das leere Tor reinrutschen muss. Zwischen angreifendem Spieler und leerem Tor darf kein weiterer Spieler mehr sein.
    Beim Beispiel mit Suarez Hand bei der WM ist aber noch ein Spieler zwischen angreifendem Spieler und Tor. Somit kann nicht auf technisches Tor erkannt werden. Auch nicht, wenn ein Spieler den Ball nur mit der Hand stoppen kann. Somit ist die Regelung nicht 1:1 auf den Fall anwendbar wie im Podcast gefordert.

    • Hach. Endlich jemand, der meinen ständigen Vergleichsrahmen teilt. Ich widerspreche gleichwohl.

      Für die Anregung einer vergleichsweisen Betrachtung ähnlicher Wertungen aus anderen Sportarten kann man doch nicht deren Regelungen 1:1 übersetzen. Es ist richtig, dass im Eishockey ein zugesprochenes Tor voraussetzt, dass die verteidigende Mannschaft den Torhüter vom Eis genommen hat. Im Eishockey ist es aber grundsätzlich schwierig, den Puck im Tor unterzubringen, solange ein Torhüter auf dem Eis ist. Weil der Torhüter groß ist und das Tor klein. Und dazu kommen noch so Regelungen wie das Torraum-Abseits.

      Im Fußball ist das völlig anders. Das Tor ist riesig. Und solange man kein Foul begeht, darf man direkt davor auch machen, was man möchte.

      Im Zuge dieser Wertungen der IIHF-Regeln würde ich behaupten: Übersetzt man dies in die Welt des Fußballs, dann wäre die Suarez-Hand gegen Ghana ein klares zugesprochenes Tor. Reine Behauptung. Kann man so sehen, kann man auch anders sehen. Ist eine hypothetische regelphilosophische These, über die man trefflich jede Menge pro- und contra-Argumente austauschen könnte (ich hätte für beide Seiten diverse zur Hand, falls da jemand Bock drauf hat).

      Aber ich sehe so oder so nicht, wieso man diesen grundsätzlichen Gedankengang nicht auf den Fußball anwenden soll. Der Gedankengang lautet: Wir haben eine abstrakt formulierbare Situation, in der es ohne einen regelwidrigen Eingriff ohne jeden Zweifel zu einem Torerfolg käme. Deswegen sprechen wir ein Tor zu.

  7. for the record: 28. Spieltag, Samstag, der Handelfmeter von Leipzig gegen Leverkusen ging in den ganzen anderen Storys des Fußballtags medial und in den (a)sozialen Medien nach meiner Beobachtung weitgehend unter. Ich verstehe natürlich wieso und habe dafür auch Verständnis.

    Glücklicherweise sendet Ihr nicht jeden Montag. Wenn ich mir etwas wünschen darf: Über eine tiefere Beschäftigung mit dieser Entscheidung würde ich mich freuen.

    Ist nämlich aus meiner Sicht in einem größeren Zusammenhang für mich einer der wegweisendsten Schiedsrichterenscheidungen der Saison. Und wenn ich noch eine persönliche Wertung andeuten darf: Ich mag diesen Weg nicht.

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