CE98 – Eingriffsschwelle


Bekannt war, dass der Video-Assistent nicht nur bei klaren und offensichtlichen Fehlern des Schiedsrichters interveniert, sondern auch, wenn der Unparteiische ein schwerwiegendes Vergehen verpasst hat. Letzteres ist an den vergangenen Spieltagen allerdings relativ häufig so ausgelegt worden, dass aus Köln nicht nur bei Verstößen außerhalb des Blickfeldes des Referees eingegriffen wurde, sondern auch, wenn der Schiedsrichter keine ausreichende Wahrnehmung von einem Vorgang hatte (also beispielsweise bei einem Zweikampf im Strafraum nur auf die Oberkörper geachtet hat, nicht aber auf den Fußbereich). Für Außenstehende war das manchmal schwer nachzuvollziehen, weil es teilweise zu Interventionen des VAR kam, obwohl der Unparteiische den Blick erkennbar auf einen Zweikampf gerichtet hatte und ein klarer Fehler eigentlich nicht gegeben war. Wir dröseln diese Problematik anhand einiger Beispielfälle auf, die sich an den Spieltagen 8 bis 14 ereignet haben. Aber Alex erzählt auch von einem Besuch des Video-Assist-Centers in Köln und seiner Headset-Premiere als Schiedsrichter-Assistent, außerdem erfahren wir, wer der Lukas Podolski unter den Referees ist (jedenfalls nach Ansicht von Manuel Gräfe). Und schließlich sprechen wir darüber, warum es problematisch sein kann, bei der Seitenwahl »Schere, Stein, Papier« zu spielen.
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Musik: Tha Silent Partner – P Pulsar (Album Version)

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Links: Die NDR-Reportage »Schiedsrichter im Dauerstress – Durch die Bundesliga mit Patrick Ittrich« — Alex’ Reportage zum Video-Assist-Center in Köln in der DFB-Schiedsrichter-Zeitung — Jochen Drees äußert sich zu einigen Szenen des 14. Spieltags mit VAR-Beteiligung — Das offizielle Regelheft der FIFA — Die Kolumnen von Collinas Erben auf n-tv.de — Collinas Erben bei Twitter und bei Facebook

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7 comments » Write a comment

  1. Apropos Bilder der VARs. Ich dachte jedes Bundesligastadion hat einen “scouting-feed”? Das sollte doch auch die Totale zeigen und nicht nur Taktik-Cam des Top-Spiels. Habe ich dann vermutlich falsch verstanden …..

  2. Ich finde es durchaus interessant, Euch (ca. 1:10 h) beim zwischenzeitlichen Mikrofon-einrichten zuzuhören.

    Aber um ehrlich zu sein: Ich habe keinen Unterschied gehört.

  3. Liebe Collinas Erben,

    das Folgende bezieht sich nun nicht auf die letzte Folge (aber danke!), sondern auf ein vielleicht bald wieder besprochenes Thema, dem Handspiel, spezifischer dem Handspiel vor Torerzielung.
    Noch wird ja, wie u.a. in Alex’ letzter ntv-Kolumne dargestellt, in Deutschland daran festgehalten, dass man, wenn ein Handspiel als unabsichtlich bewertet wird, auch einen folgenden Torerfolg zählen lässt; auf internationaler Ebene ist das anders und könnte auch so ratifiziert werden, dass das Abpfeifen eines Tores nach Berührung des Balles mit der Hand überall Anwendung finden wird.
    Ich verstehe, dass es pragmatische Gründe dafür gibt, das zu tun, aber ich bin eigentlich dagegen, aus folgenden Gründen:

    Aus regelprinzipieller Hinsicht entsteht eine Ungleichbehandlung von Torerfolg/Torverhinderung. Dies ist dann notwendig, weil man jemanden, der durch ein unabsichtliches Handspiel ein Tor verhindert, sonst unschuldig des Platzes verweisen müsste. Bisher ist es so, wenn ich mich nicht täusche, dass ein Handspiel in der Absicht, ein Tor zu erzielen, mit der gelben Karte geahndet wird. Bliebe das so? Aber selbst wenn der Fall eintritt, dass man hier keine gelben Karte zeigt (das hieße, man müsste dennoch sehr wohl zwischen Absicht oder Nichtabsicht unterscheiden, denn absichtliches Handspiel müsste ja dennoch “Gelb” nach sich ziehen, oder?), wird aus meiner Sicht jemand durch Aberkennung des Tores jemand bestraft für etwas, das eigentlich nicht als strafwürdig erachtet wird. Ich halte das für ungerecht. Ich sehe ein, dass es als weniger schlimm empfunden wird, ein Tor (zu Unrecht) aberkannt zu bekommen als eines zu Unrecht zu kassieren, aber faktisch ist der Unterschied so groß eben nicht.
    Und ich empfinde die Inkonsistenz dabei, ein Kriterium für Strafwürdigkeit grundsätzlich anzunehmen, für eine spezifische Situation aber nicht, als recht schwerwiegend. Denn das hieße ja, wenn jemand den Ball an die Hand bekommt, dass er die Weisung erhält, dass er durchaus weiterspielen darf, aber das eigentliche Spielziel verfolgen, ein Tor zu schießen, das darf er nun nicht. Und dies würde sich auch nicht ändern, wenn man das strafbare Handspiel durch andere Kriterien ersetzen würde, weil Torerzielung ja nach jedweder Berührung mit der Hand nicht mehr erlaubt wäre (es sei denn, man wollte jedes Handspiel abpfeifen, aber das wollen die meisten nun doch nicht).
    Es gibt viele sagen, es heißt aber FUSSball, was aber doch Tore mit anderen Körperteilen möglich macht, und ich persönliche finde es nur richtig, das zufällige Berühren des Balles mit der Hand nicht anders zu behandeln als das zufällige Berühren mit Hüfte, Kniekehle oder Hinterkopf.

    Aber: Wenn die Akzeptanz so groß ist, Tore nach Handspiel grundsätzlich nicht zu erlauben, dann tut das IFAB natürlich gut daran, dies auch in den Regeln zu verankern. Dass man es nicht allen recht machen kann, ist klar, und natürlich ist es mir auch nicht soo wichtig; aber warum nicht diese Plattform nutzen, um auch meine Meinung loszuwerden?

    Liebe Grüße

    • Vielen Dank für die Ausführungen! Ich denke, wir werden auch im Podcast darüber sprechen, aber für den Moment kann ich es kurz machen: Ich sehe die Dinge genauso wie du und wäre nicht sehr glücklich, wenn die Änderung beschlossen werden würde. (Das in einer Spieltagskolumne zu elaborieren, hätte den Rahmen allerdings gesprengt.) Prinzipiell jedes Tor abzuerkennen, das unabsichtlich mit der Hand erzielt wird, erschiene mir nicht richtig und dem Sinn der Regel auch nicht zu entsprechen. Aber hier scheinen sich die Pragmatiker durchzusetzen, und tatsächlich wird es dann wohl weniger Ärger und weniger Stress für die Schiedsrichter geben. Davon, dass weiterhin eine Verwarnung fällig ist, wenn ein Spieler den Ball bewusst mit der Hand oder dem Arm spielt, um ein Tor zu erzielen, gehe ich aus, denn dabei handelt es sich um ein unsportliches Verhalten. Die Unterscheidung wird ja schon jetzt überall auf dem Platz getroffen: Gelb gibt es immer dann, wenn ein Handspiel nicht nur absichtlich erfolgt, sondern auch unsportlich ist (Verhinderung/Unterbindung eines aussichtsreichen Angriffs, Torerzielung).

  4. Ich schreibe es mal hierhin (wird ja wahrscheinlich in der nächsten Folge noch Thema werden):

    Alex, ich finde es in jedem Wort zustimmungswürdig, wie Du hier bei SpON den VAR-Einsatz in den Niederlanden bewertest. Und dieses dort verlinkte Video des KNVB ist in der Tat ganz großartig.

    Ich hätte in Bezug auf Entscheidungsfindung, Entscheidungsmaßstab und Durchführung immer noch einige Kritikpunkte. Um mal den offensichtlichsten zu nennen: Ist ja schön, dass man das später im Internet alles nachschauen kann. Das hilft in der konkreten Situation aber weder den Spielern noch den Zuschauern. Und wen es interessiert (und dies aus meinen bisherigen Äußerungen nicht schon ablesen kann), der darf mich auch gerne nach weiteren Kritikpunkten fragen.

    Gleichwohl: Das ist doch ganz offenkundig eine sinnvolle Vorgehensweise. Die allen Interessierten hilft und alle Beteiligten besser da stehen lässt. Warum sich der DFB dem verweigert, kapiere ich nicht. Null. Was spricht da bitte dagegen?

  5. Hallo Alex,

    vielen Dank für die interessanten Einblicke in den “Kölner Keller”. Du erwähnst, dass man zwischendurch auch die Kommunikation des SR mit diversen Spielern im VAR-Raum hört. Kann ich es mir also so vorstellen, dass der VAR sich aktiv “zuschalten” muss, um mit dem SR zu kommunizieren, umgekehrt der Audiokanal von SR- und SRA-Headset in den VAR-Raum aber dauerhaft geöffnet ist?

    Vielen Dank und viele Grüße

    • Ganz genau so ist es. Der Schiedsrichter soll den VAR ja nur hören, wenn etwas anliegt, deshalb schaltet dieser sich auf Knopfdruck zu. Umgekehrt ist es für den VAR wichtig zu wissen, was auf dem Feld gesprochen wird (vor allem im Schiedsrichterteam). Deshalb ist dieser Kanal ständig geöffnet.

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