CE51 – Shakehands und Ohrfeigen


In Folge 51 nutzen wir das erste Mal die von unseren Hörerinnen und Hörern finanzierten Headsets sowie das Mischpult. Großen Dank an alle Unterstützer! Leider klingt die erste Folge mit dem neuen Equipment etwas hallig. Wir arbeiten noch am Feinschliff... Thematisch diskutieren wir eine 28-minütige Nachspielzeit, das Handtor von Oliver Kirch und die Frage, warum Schiedsrichter Manuel Gräfe Paderborns Trainer André Breitenreiter den Handschlag verweigert hat und was davon zu halten ist. Dazu gibt es faire Gladbacher und einen Anthony Modeste im Mittelpunkt zweier diskussionswürdiger Szenen. Darüber hinaus stehen die Halbfinalspiele in der Champions League und der Europa League im Blickpunkt – mit einem tiefen Elfmeterpunkt, Roten Karten für die Ersatzspieler und dem gefährlich grätschende Dante. Zum Abschluss widmen wir uns ausführlich Hörerfragen, spekulieren über Schiedsgerichtsentscheidungen und verlesen die 20 Stereotypen, die unser Hörer Philipp ausgemacht hat.
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Musik: Tha Silent Partner – P Pulsar (Album Version)

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Links: Die RBB-Doku »Der 23. Mann – Das harte Leben der Amateurschiedsrichter« in voller Länge — Collinas Erben bei Twitter und bei Facebook — Das Collinas-Erben-T-Shirt gibt es hier — Die offiziellen Fußballregeln als PDF-Datei zum Download

Shownotes: 0:00 Udo, Olli und die Mathematik – 2:30 Alex über eine besondere Begleitung als Beobachter – 5:10 Über ein Spiel mit 28 (!) Minuten Nachspielzeit – 8:40 Bundesliga, 31. Spieltag, Borussia Dortmund – Mainz 05: Hand kann allerhand – 18:40 Zweite Liga, 31. Spieltag, Paderborn 07 – Greuther Fürth: Zwei umstrittene Tore und ein verweigerter Handschlag – 36:10 Bundesliga, 32. Spieltag, Schalke 04 – Borussia Mönchengladbach: Ein neuer Rekord in Sachen Fouls – 42:30 1899 Hoffenheim – Eintracht Frankfurt: Modeste im Mittelpunkt (und Klaas eifert ihm nach!) – 48:10 Champions League und Europa League, Halbfinale, Hin- und Rückspiele: Von Grätschen, Gangs und Gelb beim Elfmeter – 1:20:00 Antworten auf die Fragen von Hörern – 1:38:15 Hoyzer! (Es spricht: Bodo Kriegelstein) – 1:38:30 Lieberknecht, böses Elfmeterschießen: Spekulationen zur Sportgerichtsbarkeit – 1:49:30 Die 20 besten Stereotypen aus 50 Folgen »Collinas Erben«

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72 comments » Write a comment

  1. nach einem 0:5 verlässt der torwart “heimlich” das spiel und ein feldspieler übernimmt seine rolle….

    http://www.youtube.com/watch?v=wbw0-zvZcHw&app=desktop

    könnte der feldspieler nicht, nachdem er das fehlen des keepers bemerkt, den schiedsrichter schnell durch handzeichen oder ähnlich aufmerksam machen, dass er das spiel für einen wechsel unterbrechen solle, oder muss das spiel bis zu einer spielerischen unterbrechung weitergespielt werden, so dass aufs leere tor gespielt wird?

    • So geht das natürlich nicht, denn ohne Torwart kann nicht gespielt werden – auch dann nicht, wenn der Keeper mehr oder weniger freiwillig das Feld verlässt. Aber gehen wir mal davon aus, dass der Schiedsrichter die Abwesenheit des Schlussmanns erst in dem Moment bemerkte, als der Feldspieler den Ball mit den Händen aufhielt. Richtig wäre dann folgender Ablauf gewesen:

      — Spielunterbrechung durch Pfiff.
      — Torwart über den Mannschaftskapitän auffordern, zurückzukommen. Kommt er zurück, sieht er Gelb (unerlaubtes Verlassen des Platzes). Weigert er sich, gilt er als des Feldes verwiesen. Konsequenz in diesem Fall: Wenn die Mannschaft einen neuen Torwart einwechseln will, muss dafür ein Feldspieler den Platz verlassen. Sie spielt also mit einem Mann weniger weiter.
      — Spielfortsetzung: Indirekter Freistoß für den Gegner, wo der Ball bei der Spielunterbrechung war (hier also dort, wo der Feldspieler den Ball aufhielt). Der Verteidiger, der den Ball in die Hände genommen hat, wird nicht bestraft, weil das Spiel im Moment des Handspiels eigentlich schon nicht mehr hätte laufen dürfen.

  2. @Breitenreiter vs. Gräfe: War es denn wirklich so, dass Breitenreiter das ganze Spiel protestiert hat, bei Ansicht des Spiels sah man Ihn eigentlich relativ ruhig an der Linie bis zur Nachspielzeit – ich habe mir auch gedacht, dass da mehr passiert sein muss, als man während des Spiels gesehen hat. Möglicherweise, wie ihr richtigerweise auch angesprochen habt, beim Kabinengang “off the air”…anders ist so ein Verhalten von Gräfe nicht zu erklären.

    Hat man da im Nachgang nochmal was von gehört ?

    • Eigentlich müsste von Seiten des DFB noch etwas kommen – beispielsweise die Nachricht, dass eine Geldstrafe verhängt wurde –, aber bislang scheint noch nichts entschieden worden zu sein. Zumindest finde ich nichts.

      • Im Nachgang (nachdem ich am den Daily Talk bei Sport1.FM gehört habe, Link = http://sportradio360.de/sport1-fm-daily-05-05-2014/) muss ich hier noch einiges anfügen. Offenbar scheint Paderborn relativ “dreckigen FußbalL” zu spielen. Viele kleine Fouls, teilweise versteckte Unsportlichkeiten und offenbar laufend sich beschwerdene Spieler (Axel Goldmann vergleicht den Stil auf dem Plat mit Augsburg – auch hier wurde ja schon in einer Folge mal darüber gesprochen, dass die Spieler laufend zum Schiedsrichter sind und sich beschwerten).

        Ist es theoretisch möglich, dass auch hier der Grund für die Verweigerung des Handschlags von Gräfe vorliegt ? Dass Gräfe sich gedacht hat “nee, also wer so seine Mannschaft einstellt (90 Minuten lang werde ich zugetextet wegen jedem Allerweltsfoul) und sich dann auch noch in dem Maße aufgrund einer Entscheidung beschwert, dem geb ich nicht die Hand.”

        Danke und Gruß,
        Seb

        • Ich habe viel zu wenig von Paderborn gesehen, um mir darüber ein grundsätzliches Urteil erlauben zu können. Aber ich bin mir sicher, dass schon einiges passieren muss, bis ein erfahrener, ruhiger und besonnener Schiedsrichter wie Manuel Gräfe jemandem nach dem Schlusspfiff den obligatorischen Handschlag verweigert.

  3. mal wieder eine ganz großartige folge von euch beiden :-)

    zum thema schiedsrichterwerbung: der lokale drittligist hat letztes jahr auch schiedsrichter gesucht. als motivationshilfe gab es neben der kompletten ausrüstung mit allem pipapo, auch eine dauerkarte für die heimspiele. das finde ich persönlich ganz nett. ist aber sicherlich in der kreisliga nicht wirklich förderlich ;)

    und zum thema unerlaubtes betreten:
    angenommen der trainer wechselt fliegend ein, ohne den schiri darüber zu informieren. bewusst oder einfach im eifer des gefechts. gerade in unteren klassen dürfte sowas dann passieren.
    90. minute. es steht unentschieden. mannschaft a bekommt eine ecke zugesprochen. der trainer von mannschaft a ruft hektisch den kleinsten spieler raus und schick den längsten spieler schnell raus. bloß leider vergisst er dies dem schiri anzuzeigen. es kommt wie es kommen muss. der spieler köpft den ball ins tor und beim torjubel fällt dem schiri auf. den habe ich ja gar nicht eingewechselt. das hieße dann ja gelbe karte und den status quo wiederherstellen, aber wie geht es weiter? ecke wiederholen oder aber schiedsrichterball?
    mit richtig pech hat der spieler sich dann auch noch das trikot ausgezogen und muss mit gelb-rot den innenraum verlassen ;)

    • Kurz noch zum Thema Schiedsrichterwerbung: Grundsätzlich finde ich dagegen nichts einzuwenden, mit attraktiven Angeboten neue Referees zu locken. Dass die Ausrüstung bezahlt wird, sollte sogar der Standard sein, und wenn es zusätzlich ein Handgeld gibt, ist das angesichts der geringen Spesensätze eigentlich auch zu begrüßen. (Die Gewährung einer kostenlosen Dauerkarte ist nett, allerdings haben Schiedsrichter bei DFB-Spielen ohnehin prinzipiell freien Eintritt.) Nur kann sich das halt nicht jeder Verein gleichermaßen leisten, und dadurch entsteht bisweilen ein Ungleichgewicht, weil Verein A sein Schiedsrichter-Soll einfach dadurch erfüllt, dass er Unparteiische abwirbt, während Verein B in Schwierigkeiten gerät, weil ihm die Schiris davonlaufen oder sie sich ihm gar nicht erst anschließen.

      Zur geschilderten Spielsituation: Korrekt, hier gäbe es eine Gelbe Karte wegen unerlaubten Betretens des Feldes. Spielfortsetzung wäre der indirekte Freistoß. Den gibt es bei einer nicht genehmigten Platzbetretung normalerweise immer dort, wo der Ball zum Zeitpunkt der Unterbrechung war. Diese Unterbrechung liegt hier aber nicht vor, weil der Schiedsrichter ja erst nach der Torerzielung bemerkt hat, dass da ein Auswechselspieler ohne seine Erlaubnis am Spiel teilgenommen hat. Deshalb tut man so, als wäre die Begegnung beim Torschuss unterbrochen worden, und gibt den indirekten Freistoß entsprechend dort, wo der Ball beim Torschuss war. Die Auswechslung kann übrigens während der Spielunterbrechung regulär vollzogen werden, wenn der Trainer es wünscht.

      • Bei uns ist es in etwa so:
        =====================
        Man muss einem Verein angehören, es gibt einen Schiedsrichter Freundeskreis e.V. bei mir in der Gegend, welchem man automatisch beitritt – die Kosten werden vom jeweiligen Verein automatisch getragen. Durch den ausgegliederten e.V. bieten sich zudem diverse Veranstaltungen wie Schiedsrichter-Fußballturniere, Grillfeste, Vereinsausflüge etc. pp.. an (natürlich alles nicht kostenneutral, sondern man muss etwas dazu bezahlen, bekommt aber alles vom e.V. organisiert). Ich finde das eine prima Sache. Der Ausflug war in diesem Jahr nach Nürnberg zum Spiel Nürnberg – Leverkusen (Oster-Sonntag finde ich sehr kritisch als Termin, es gibt viele, die da keine Zeit hatten u.a. auch Ich, aber für 40 € mit dem Bus nach Nürnberg hin und zurück bzw. Besuch eines Bundesliga-Spiels -> da kann man nicht meckern, wenn man aus Mittelhessen anreist).

        Das mit dem Werben bzw. Abwerben hab ich auf meinen Anwärter-Lehrgang explizit mitbekommen, dass einige Kollegen da offenbar durch großzügige Zahlungen in andere Vereine gelockt werden. Ist eigentlich totaler Unsinn, die Prüfung kostet acht Euro, was muss man da mit den Scheinchen um sich werfen, nur damit man genug Schiedsrichter auf der Liste hat! Man muss eben die Muße haben diese vier bis fünf Abende aufzubringen, und das ganze ernsthaft durchziehen…bei mir ist nur ein Anwärter (aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse) durchgefallen. wobei ich glaube, dass er trotzdem im Nachgang bestanden.

        Ist bei mir definitiv nicht so, mein Verein hat aktuell noch genug Referees (unter Anderem einen 70 Jährigen, der noch topfit in der Kreisliga B Spiele leitet und einige Spieler konditionell noch in die Tasche sfeckt ;-) ). Ich bekomm die Ausrüstung bezahlt und gut ist – mehr will ich auch gar nicht.

        • Vielen Dank! Das mit dem Freundeskreis-Verein hört sich nach einem interessanten und sinnvollen Modell an. Das gebe ich auch an »meinen« Fußballkreis (Köln) mal so weiter.

          • Nichts zu danken. Ich muss dazu sagen, dass “hier bei uns auf dem Land” sowas wahrscheinlich einfacher regelbar ist?!
            Ich will nicht wissen, wie viele Schiedsricher “unter Dir” als Lehrwart stehen bzw. wie viele Teilnehmer ihr bei den Monatsabenden so habt. Bei uns müssten es so 50-60 Personen maximal sein, die sich da monatlich versammeln. Vermute es sind wesentlich mehr bei Dir.

          • Es gibt im Fußballkreis Köln derzeit rund 600 Schiedsrichter. Da man die nicht alle auf einmal schulen kann, werden die Fortbildungen an sechs verschiedenen Orten und Terminen pro Schulungsblock angeboten, wobei Jung- und Senioren-Schiedsrichter separat fortgebildet werden. Und ich bin zwar der verantwortliche Lehrwart in Köln, aber natürlich nicht der einzige. Der Aufwand bei der Aus- und Fortbildung lässt sich auch nur in einem großen und guten Team bewältigen.

  4. Auf das Trinken bei den 20 Stereotypen habe ich verzichtet, aber ich gestehe teilweise lautes Mitlachen, weil selbst bei erst ca. 15 gehörten Folgen kommen mir die aufgezählten Punkte arg bekannt vor. ;-)
    Gewohnt hohes Niveau war auch diese Folge. Überhaupt ganz interessant finde ich festzustellen, daß ihr in den mir bekannten Folgen eigentlich keine einzige “schlechte” Folge hattet, also, zumindest von meinem Hörempfinden her, was für euer Sendungskonzept spricht. Das kann man zwar auch als “überraschungsarm” oder “wenig abwechslungsreich” bezeichnen, paßt aber wie ich finde sehr gut zu dem regulatorischen Oberthema eurer Seite. Von daher: Bitte gerne noch mindestens 50 Folgen weitermachen. :-)

    Hausmeisterei: In euer neues Equipment muss ich mich erst reinhören, da ihr in dieser Folge, wie ich finde, nicht besser, sondern schlechter klingt. Also, nicht schlecht im Sinne von “Ich verstehe kein Wort.”, sondern ihr klangt ungewohnt hell und hallig, relativ weit entfernt vom Lautsprecher/Kopfhörer und kühl-trocken. Die früheren Aufnahmen wirkten wärmer, weicher und näher, so daß es mich freuen würde, wenn ihr an der Abmischung noch etwas drehen könntet (Ganz allg. war eure Prä-50. Folge-Begründung “bessere Audioqualität” für neues Equipment für mich damals nicht hörbar nachvollziehbar, aber nun gut.). Außerdem mal ein Extra-Lob und wahrscheinlich ungewohnte Erwähnung eurer stets gepflegten ID3-Tags. Da kenne ich von anderen Casts auch ganz andere, kryptischere Verhältnisse. :-)

  5. Zur Tonqualität: Es scheint so, als würdet ihr über das interne Laptop-Mikrofon aufnehmen. Ihr habt bestimmt versäumt in den Einstellungen auf die externen Mikrofone zu stellen.

    Ansonsten Super Podcast! Freue mich auf jede neue Episode.

  6. Vielen Dank für die Komplimente, wir freuen uns sehr! Zur Audio-Qualität: Das Equipment ist jetzt deutlich besser als vorher; dass es in dieser Folge trotzdem schlechter klingt, liegt an uns – wir müssen noch an der Technik feilen, da haben ein paar Dinge beim ersten Versuch noch nicht so funktioniert, wie sie sollten. Aber das kriegen wir in den Griff, fest versprochen.

  7. Hallo Klaas,
    hallo Alex,

    zur Audioqualität:
    Es hört sich für mich so an, als ob sich die Headsets gegenseitig nochmal aufnehmen. Diese Situation tritt häufig auf, wenn man in einem Raum zusammen sitzt und das eigene Headset den Gegenüber aufnimmt und/oder Schallreflexionen des Raumes. Das Resultat ist häufig: Hall. Klingt dann wie Badezimmer.

    Prüft bitte mal, ob ihr an Euren Headsets oder am Audioequipment Regler für “Gain” habt.
    Gain ist die Verstärkung des Audiosignals, hier im konkreten Zusammenhang mit Mikrofonen die Empfindlichkeit, wie das Mikrofon anschlägt. Offenes Gain = hohe Empfindlichkeit, aber gerade das will man ja nicht, da dann Schallreflexionen aufgenommen werden und der Gegenüber auch über das eigenen Headset mit aufgenommen wird.
    Also Gain runter, der eigene Mund ist ja besonders nah am Mikro. Bisschen rum experimentieren (und immer schön auf Nierencharakteristik stellen).
    Und je nachdem mit welcher SW ihr aufnehmt (ich nehme REAPER), schaut mal, ob es ein Gate-Plugin gibt.

    Viel Erfolg beim Experimentieren!
    Grüße vom vollraute podcast
    Sascha

  8. Hallo Alex,
    ein Verteidiger versucht mit einem taktischem foul den angreifer zu stoppen. ich als SR gebe Vorteil, nun kommt ein zweites taktisches foul. wie ist vorzugehen? gelb/rot?
    Danke mfg Michi

    • Genau. Die Gelbe Karte für das erste taktische Foul würdest du ja in der nächsten Spielruhe zeigen, und wenn in der Zwischenzeit ein weiteres verwarnungswürdiges Vergehen dazukommt, ist die Matchstrafe fällig. Heißt: Nach dem Pfiff erst Gelb zeigen und dann Gelb/Rot.

      • Ich muss noch mal auf die Frage zurückkommen und mich zumindest teilweise korrigieren. Wenn es für das erste taktische Foul nur deshalb Gelb gäbe, weil es taktisch ist, nicht aber, weil die Schwere des Fouls per se eine Verwarnung erforderlich macht, dann hätte sich die Gelbe Karte mit der Vorteilsgewährung erledigt, weil sich der durch das taktische Foul beabsichtigte »Erfolg« ja nicht eingestellt hat. Nach dem zweiten taktischen Foul gäbe es dann nur Gelb (und nicht Gelb plus Gelb-Rot).

  9. Hallo Alex, danke für die Rückmeldung. Wie würdest du folgende Szene bewerten: http://www.proreferees.com/news-play-of-the-week—wk14.php ? Es geht um einen Angreifer der im Abseits steht – er greift aber weder den Gegner an, noch spielt er den Ball. Im Regelbuch ist in der Abseitsregel ein Foto abgebildet, dass es ein Vergehen sei, wenn ein Stürmer im Abseits steht – ohne aktiv zu werden – wenn kein anderer Stürmer mehr eingreifen kann?

    Ich bin Schiedsrichter in Österreich und habe das Regelbuch schon mehrfach durchstudiert. Weißt du vielleicht, wo ich zusätzlich Lehrmaterialien finden könnte? (meinen Regelreferenten habe ich schon gefragt und der ÖFB hat auch nur die Auslegung im Regelbuch). Danke
    mfg Michi

    • Das ist tatsächlich ein komplizierter Fall. In den Erläuterungen, die der DFB zur Abseitsreform veröffentlicht hat, wird auch ganz allgemein das »Bestreiten eines Zweikampfes« aus einer Abseitsposition heraus als aktives Abseits gewertet, und das könnte man hier feststellen. In den Regeln selbst ist allerdings nur von einem »Angreifen« die Rede (das in der Szene eher nicht vorliegt, weil der Verteidiger ja der eindeutig aktivere Spieler ist). Der im Abseits stehende Stürmer ist jedenfalls in der Tat und ohne jeden Zweifel der einzige Angreifer, der noch an den Ball kommen kann, was, wie du ja auch geschrieben hast, für einen Abseitspfiff eigentlich genügt.

      Dass ich die Szene trotzdem nicht ganz einfach zu beurteilen finde, liegt am Verhalten des Verteidigers, der den Stürmer womöglich schon vor dem Abspiel zu halten beginnt. Hier müsste der Schiedsrichter also entscheiden, ob ein Foul vorliegt, das zeitlich bereits vor dem Pass geschieht. Ich würde sagen: Eher nein, deshalb Abseits. Aber die Szene hat es schon in sich.

      Welche Lehrmaterialien bräuchtest du denn genau? Speziell zu der erwähnten Abbildung?

    • Bei einem Stoß gegen den Koffer des Betreuers, einem Schlag gegen die Bande oder einem Tritt gegen die Eckfahne genügt die Gelbe Karte völlig, weil es sich um eine einfache Unsportlichkeit handelt. Bei roher Gewalt gegen Tiere (Tritte, Schläge) ist die Rote Karte fällig. Dem Spieler hier im Video würde ich dagegen überhaupt keine Karte zeigen. Er versucht aus meiner Sicht recht maßvoll, das Tier einzufangen, und stellt sich dabei allenfalls etwas ungeschickt an.

  10. Ja stimmt, an diesen Aspekt des Foulspiels habe ich gar nicht gedacht. Danke für deine Antwort. Gibt es detailliertere Anweisungen für SR – wie SR in bestimmten Situationen vorzugehen haben – als in den Regelbüchern?

    • Es gibt massig Lehrmaterialien, aber auf zwei Publikationen sei besonders hingewiesen. Zum einen auf die offizielle Schiedsrichter-Zeitung des DFB, die sechsmal im Jahr erscheint und im Abo 15 Euro pro Jahr kostet. Zum anderen auf das umfangreiche Schiedsrichter-Handbuch des DFB, in dem die Regeln und Anweisungen vertieft werden und das beim DFB für 12 Euro zu haben ist.

  11. wie hart darf ein spieler gegen den SR “vorgehen”, um einen ball noch zu erreichen, der sonst evtl. ins aus gehen würde oder den gegner erreicht.

    ein, wenn auch übertriebenes, beispiel….

  12. Frage, die sich mir beim zuschauen des Europa-League Finales aufgedrängt hat:
    Gibt es für Schiedsrichter eigentlich keine Dopingkontrollen? Der gute Herr Doktor Brych trinkt doch tatsächlich aus einer Wasserflasche, die ihm ein iberischer Betreuer gereicht hat. Das lernt man doch bei der zweiten Etappe Tour de France, dass man so etwas nicht machen darf.
    Aber im Ernst: Doping – überhaupt kein Thema unter Schiedsrichtern?

    • Ich finde das erst mal eine recht sympathische Idee. Immerhin würde dadurch verhindert, dass die Mannschaft des foulenden Spielers eine Weile in Überzahl spielen kann. Als wir die Meldung gestern via Twitter verbreiteten, wiesen viele allerdings auf einen potenziellen Haken hin: Könnte ja sein, dass sich der gefoulte Spieler extra lange draußen behandeln lässt, wenn es sich beim foulenden Spieler um einen für den Gegner besonders wichtigen Akteur handelt. Ein Twitterer schrieb: »Damit bekommen technisch schwache Teams die Chance, gute Teams auf ihr Niveau herunterzuziehen.« Aber warten wir mal ab, was das IFAB zu dem Vorschlag sagt.

  13. Stimmt, guter Einwand.

    Und noch mal was anderes: Findest du auch, dass Brych gestern beim Elfmeterschießen im Europa-League-Finale den ein oder anderen Elfmeter hätte wiederholen lassen müssen? Der Torwart von Sevilla hat sich meiner Meinung nach ganz schön weit nach vorne bewegt, und sich damit eine regelwidrigen Vorteil verschafft.

    • Hier ist ein Foto vom Moment des Schusses (darauf kommt es ja an) beim ersten gehaltenen Benfica-Elfmeter: http://bit.ly/1jjOBGY — Und hier (links) ist ein Foto aus dem Regelheft: http://bit.ly/1oUruSL — Wenn man das miteinander vergleicht, müsste man sagen: Der Elfmeter hätte eigentlich wiederholt werden müssen. Soweit die Theorie.

      Nun ist es in der Praxis so, dass die Schiedsrichter bei der Elfmeterausführung nicht päpstlicher sein sollen als der Papst. Das gilt sowohl für das zu frühe Betreten des Strafraums durch Stürmer und Verteidiger als auch für den Fall, dass sich der Torwart zu früh von der Linie nach vorne bewegt. Ein bisschen Spielraum soll da zugelassen werden, wobei das Wort »bisschen« nicht näher beziffert ist.

      Letztlich wird sowohl in der Bundesliga als auch international schon seit Jahren kaum ein Elfmeter wiederholt, wobei die Spielräume auch nur selten überreizt werden und insofern kein wirklicher Handlungsbedarf besteht, zumal diese Praxis allgemein akzeptiert ist. Die Schiedsrichter lassen es auf einen oder zwei Meter nicht ankommen, und die Spieler sind damit einverstanden. Auch gestern gab es keine Proteste von Benfica.

      Man kann sicher trefflich darüber diskutieren, ob Felix Brych hier zu viel Spielraum gewährt hat. Einen klaren Fehler hat er nicht gemacht – jedenfalls nicht, wenn man die übliche, gängige Praxis als Maßstab anlegt und sich nicht bloß an die Theorie klammert.

      • dann könnte man, ähnlich dem handball, ja gleich den ganzen 5er als freiraum ausgeben ^^

      • Ich denke auch hier gilt wieder der Leitspruch: Ein Schiedsrichter mit Regelbuch unter’m Arm lässt hier jeden Strafstoß im Elfmeterschießen wiederholen, der nicht zu einem Tor geführt hat. Natürlich macht man sich dadurch nicht sonderlich beliebt, Brych hat finde ich auch den üblichen Spielraum zugelassen.

  14. Einige Anmerkungen und Erklärungen zu oft gestellten Fragen in Bezug auf die Entscheidungen des Schiedsrichters im DFB-Pokalfinale 2014:

    Warum gibt es beim DFB-Pokalendspiel keine Torlinientechnologie und/oder Torrichter?

    Die Mitglieder der DFL haben sich im März mehrheitlich gegen die Einführung der Torlinientechnologie und der Torrichter ausgesprochen. Nun ist der Pokal allerdings kein Wettbewerb der DFL, sondern einer des DFB, weshalb es theoretisch denkbar wäre, dass in ihm die Technik oder zusätzliche Schiedsrichter-Assistenten zum Einsatz kommen könnten. Um das zu klären, müsste man sich wohl durch den Grundlagenvertrag zwischen DFB und DFL wühlen. Unabhängig davon ist es jedoch nur schwer vorstellbar, dass der DFB sich einfach über die erwähnte Mehrheitsentscheidung hinwegsetzt.

    War der Kopfball von Hummels hinter der Linie?

    Auch wenn die gesamte Republik sich hier einig zu sein scheint: Es gibt zwar starke Indizien, die dafür sprechen, aber keine unumstößlichen Beweise. Im Netz kursieren derzeit Screenshots wie dieser und dieser. Solche Bilder legen fraglos nahe, dass der Ball die Linie komplett überschritten hat, aber sie vermögen wegen ihrer perspektivischen Verzerrung keinen endgültigen und zweifelsfreien Aufschluss zu geben. Hilfreich wäre womöglich eine 3D-Analyse, aber die gibt es bislang offenbar nicht.

    Dass Dante mit einem Bein auf der Torlinie steht, während er mit dem anderen den Ball wegschlägt, belegt für sich genommen noch nicht viel: Um zu verhindern, dass der Ball ins Tor geht, muss der Verteidiger schließlich mit dem Fuß hinter den Ball kommen. Und zu wie viel Prozent der Ball in dem Moment, als Dante ihn traf, über der Torlinie war, lässt sich nicht zuverlässig bestimmen: Vielleicht waren es 98,5 Prozent, dann war es kein Tor. Vielleicht waren es aber auch 120 Prozent. Wer kann das schon eindeutig sagen?

    Update (19. Mai, 17.20 Uhr): Die ARD hat eine 3D-Analyse erstellt, der zufolge der Ball die Linie klar überschritten hatte.

    Hat der Schiedsrichter-Assistent ein Tor angezeigt?

    Auf diesem Bild und noch viel besser in diesem GIF sieht man, wie der Schiedsrichter-Assistent, nachdem Dante den Ball weggeschlagen hat, mit seinem linken Arm Richtung Mittellinie zeigt. Einige haben daraus den Schluss gezogen, dass er auf diese Weise ein Tor signalisiert hat (und dann von Florian Meyer überstimmt worden ist). Das Gegenteil ist der Fall: Dieses Zeichen – also der ausgestreckte Arm, in dem sich nicht die Fahne befindet – bedeutet »weiterspielen«. Es gab hier also keinen Dissens zwischen dem Schiedsrichter und seinem Assistenten.

    Zur Erklärung: In Ligen, in denen die Schiedsrichtergespanne ohne Funkfahnensysteme und/oder Headsets agieren, soll der Assistent bei einem knapp erzielten Tor die Fahne heben und dann einen kurzen Sprint Richtung Mittellinie anziehen; hat der Ball die Linie knapp nicht überschritten, soll er das mit der »freien Hand« (also der, in der er in diesem Moment nicht seine Fahne hält) signalisieren. Setzt das Gespann technische Hilfsmittel ein, wird auf offene Fahnenzeichen im Falle einer knappen Torerzielung zumeist verzichtet, um dem Schiedsrichter die Entscheidung nicht aufzuzwingen. Man regelt dies stattdessen je nachdem über eine Headset-Kommunikation oder durch einen Druck auf den Fahnenknopf, der beim Schiedsrichter am Oberarm (dort befindet sich der Empfänger) ein akustisches Signal auslöst.

    Der ausgestreckte Arm des Assistenten beim Pokalendspiel kann nur als optische Untermauerung seiner Wahrnehmung verstanden werden: Nicht drin, kein Tor, weiter geht’s.

    Stand Hummels vor seinem Kopfball im Abseits?

    Schwer zu sagen, wenn man sich dieses oder dieses Bild betrachtet. Ist das Abspiel exakt erfasst? Ist die Linie richtig gezogen? Täuscht die Perspektive womöglich? Es wird sich wohl nicht mit absoluter Sicherheit klären lassen.

    Wie kann ein solch spielentscheidender Fehler in einem Finale bloß passieren?

    Der zuständige Assistent musste in Sekundenbruchteilen gleich zwei extrem knappe Situationen beurteilen und entscheiden: Abseits oder nicht? Tor oder nicht? Man muss kein Schiedsrichter-Assistent sein, um sich vorstellen zu können, wie schwierig so etwas ist. Vielleicht hat der Assistent hier ein Abseits übersehen, möglicherweise – oder sogar wahrscheinlich – hat er eine Torerzielung nicht als solche erkannt. Das ist gewiss ärgerlich – für ihn selbst übrigens auch –, aber eines ist es nicht, nämlich ein Grund für Vorwürfe à la »Betrug« oder »Torklau«.

    Davon abgesehen ist die Einmütigkeit und Vehemenz, in der hier Florian Meyer respektive seinem Assistenten gravierende Versäumnisse vorgehalten werden, angesichts einer gewissen Uneindeutigkeit der Sachlage doch erstaunlich. Etwas mehr Besonnenheit, zumindest am Tag nach dem Finale, täte jedenfalls gut und Not.

    Über weitere Aspekte der Schiedsrichter-Leistung im Pokalfinale werden wir natürlich in der nächsten Podcastfolge ausführlich sprechen.

    • Danke! Es freut mich zu sehen, dass es noch andere gibt, die sich bei der Torfrage nicht hundertprozentig festlegen möchten. Zu dem Thema hab ich in den letzten Tagen schon einige schwere Schlachten geschlagen, mit wenig Erfolg freilich.

  15. Ich finde es schon arg lächerlich, anhand der oben verlinkten Screenshots nicht anzuerkennen, dass dieser Ball zu 100% hinter der Linie war. Mich interessieren weder die BVB noch die FCB AG, aber deutlicher geht es doch nun wirklich kaum!

    Ein bisschen mehr Neutralität würde euch im Bezug auf den FCB ganz gut tun.

    • Keine Sorge, ich kann den Bayernfan vom Schiedsrichter gut trennen. Wäre die Szene auf der anderen Seite passiert, stünde hier nichts anderes.

  16. Sorry Alex, ich weiss nicht was dich treibt, aber die Bilder sind eindeutig. Der Ball ist klar hinter der Linie. Kann man auch einfach ausmessen. Um nicht drin zu sein müsste der Ball gut zwei Meter links neben dem rechten Pfosten sein auf dem Sky-Screenshot. Dante steht aber deutlich näher zum linken Pfosten, also gut 4m entfernt vom rechten Pfosten. Der Ball ist mindestens 20cm hinter der Linie, also ungefähr der Durchmesser eines Balles. Deswegen gibts wohl auch keine 3D-Analyse, es ist schlicht eindeutig. Einfach mal im Bildbearbeitungsprogramm deines Vertrauens öffnen und abmessen. Das machst du nochmal mit dem Bild aus der anderen Perspektive und dann ist alles klar.
    Abseits ist diskutabel. Auf dem einen Bild sieht es so aus, auf dem anderen nicht (da sieht man aber den Ball nicht).

    • Vielleicht fehlen mir einfach die mathematischen Skills, aber ich kann deiner Berechnung leider nicht folgen. Für solche diesbezüglichen Stümper wie mich ist wohl die 3D-Analyse erfunden worden.

  17. Einen schönen Bayern-Finalsieg lässt sich der Alex nicht kaputtphilosophieren.
    Das kennen wir doch schon aus dem letzten Jahr, als entgegen allem, was er zuvor erzählt hatte, eine zwingende gelb-rote Karte plötzlich doch nicht zwingend war, weil das gerade irgendwie nicht ins Spiel gepasst hätte.
    Dass man bei etwas befangen ist, kann übrigens auch dann sein, wenn man sich selbst für völlig neutral hält. Das muss keine böse Absicht sein, sondern kann unbewusst passieren: Psychologie. Juristerei: DIe Besorgnis der Befangenheit eines Richters braucht auch nur ganz objektiv bestehen, auf dessen subjektives Gefühl kommt es überhaupt nicht an.

  18. Sei es wie es wolle!
    .Abseits oder nicht, Tot oder nicht!?
    Aber man sollte auch andere Kriterien berücksichtigen!
    Bayern hat das Spiel dominiert und hatte viele grosschancen im gegensatz zum BVB!
    Bayern hatte mehr Wille, Mehr Kampf!
    Die Leistungen der Dortmunder spieler waren teilweise erschreckend schlecht, vll sollte man das auch mal in betracht ziehen statt nur diese eine situation verantwortlich zu machen!
    des weiteren hatte der fcb zb bis hin zu dieser strittigen situation zwei sehr gute Konterchancen als einmal der Robben und einmal Müller frei durch waren und Abseits gepfiffen wurde was keines war! Darüber redet auch niemand!

    Ich bin ein s grosser und uberzeugter Bayern Fan, wenn wir aber verlieren, auch gegen Madrid zb oder in der Rückrunde gegen den bvb schaue ich erstmal auf die eigenen fehler und suche nicht die schuld nur bei anderen!

    und das macht den unterschied aus!

    immer wenn bayern gewinnt ist irgendwer schuld, nur nicht die spieler des bvb!
    seltsam!!

    Bayern hätte auch noch gut und locker gewinnen können selbst wenn es das tor gegeben hätte!
    Es tun alle so als wäre bayern die klar schlechtere mannschaft ohne chancen gewesen, was aber genau andersrum der fall war!

    Ich selbst war mir ab letzten Donnerstag ,, das der fcb kein chance hat mit der dezimierten mannschaft gegen den zuletzt sehr stark aufspielenden bvb, aber dann sah ich eine katastrophale leistung von einem lewa, reus, miki, aube und und und!

    also wollte man vll auch darüber mal nachdenken!

    Ich glaube insgesamt hat die bessere Mannschaft an diesem Abend verdient gewonnen! Beim nächsten mal ist es wieder der BVB!? Wer weiss es!

    aber vom jammern wirds auch nicht besser! Weiter gehts!
    trotzdem respekt nochmals an den bvb für eine starke saisonleistung!

    lg florian

  19. ich möchte zu zwei sachen stellung nehmen
    1.) zum vorwurf der parteilichkeit: alex ist durchaus in der lage fehlverhalten von bayernspielern (bsp. riberys tätlichkeiten) bzw. fehler zugunsten von bayern aufzuzeigen (und natürlich wird er sie als fan dankbar annehmen, so wie man das mit geschenken tut)
    2.) ich denke der ball war drin, verstehe aber, wenn man daran zweifelt

    so viel zum ersten thema

    als zweites würde ich an dem anlass gerne meine wunschvorstellung bez. technologischer fortschritt einbringen
    ich bin bekennender fan und befürworter des videobeweises
    im eishockey wird der seit jahren praktiziert, wenn es um die torerzielung geht (hierbei kann sowohl die reguläre erzielung, etwa bei der frage ob es sich um ein schlittschuhtor handelt, als auch die komplette überquerung des pucks kontrolliert werden; ebenso kann damit kontrolliert werden, ob der puck noch in der spielzeit drin war, aber diese möglichkeit fiele beim fußball weg, sofern der schiri nicht in den schuss abpfeift))
    grundsätzlich gilt: kann der “on ice call” NICHT widerlegt werden bleibt die ursprüngliche entscheidung aufrecht (gleiches gilt meines wissens auch beim american football)

    und genau so etwas würde ich mir für den fußball wünschen
    einerseits müsste man sich nicht den vorwurf gefallen lassen, technologisch hinterherzuhinken, zum anderen wird es auch mit dem videobeweis szenen geben, die diskussionsstoff bieten ( und davon lebt doch der fußball angeblich. ein umstand den ich persönlich nicht nachvollziehen kann, ich empfinde es eher als ärgerlich, wenn unnötig falsch getroffene entscheidungen den ausgang beeinflussen)
    und man würde damit millionen sparen, da man nicht auf die teure torlinientechnologie angewiesen wäre (anm. auch beim eishockey gilt: ist das equipment vorhanden wird es eingesetzt, ansonsten spielt man ohne diese möglichkeit)

    zur umsetzbarkeit: man kann entscheidungen bis zur nächsten spielfortsetzung ja revidieren. geschieht das, wird das geschehen was zwischen der fraglichen szene und der unterbrechung stattfand einfach annuliert, zumindest habe ich eure diesbezüglichen ausführungen dahingehend verstanden
    das heißt, dass man in dieser unterbrechung diese “challenge” einbringen könnte, ohne den spielfluss zu zerstören

    diese vorgehensweise könnte man dann, theoretisch, auf alle entscheidungen ausweiten, wobei ich folgenden vorschlag hätte
    jede mannschaft erhält eine challenge pro halbzeit. hat sie recht, behält sie die challenge, hat sie nicht recht verliert sie einen wechsel (hat eine mannschaft also schon 3 mal gewechselt, kann sie auch nicht mehr challengen, das wäre eine mischung aus der variante aus dem tennis und dem eishockey)
    durch das risiko einen wechsel zu verlieren, würde man also sicher nicht inflationär zu diesem mittel greifen, sondern nur bei wichtigen szenen
    wichtig bei diesem vorschlag wäre folgendes: die challenge kann ausschließlich in einer spielunterbrechung eingebracht werden (also nicht etwa um einen konter zu unterbinden)
    und es wäre auch kein dienliches mittel um eine zu unrecht gepfiffene abseitsstellung zu beanstanden, denn man hätte keine adäquate wiederherstellung der torchance

    nachdem ihr ja bekennende gegner des videobeweises seid und auch mal aufgerufen habt, andere meinungen einzubringen, habe ich diesen streitfall als anlass genommen, euch meine gedanken zu schildern
    liebe grüße aus wien

  20. bei allem gerede um das nicht gegebene tor hat jürgen klopp meiner meinung nach im interview nach dem spiel auf dem feld einen ganz anderen wichtigen punkt angebracht. sinngemäß hat er gesagt, dass die schiedsrichter in puncto taktische fouls sich besser an veränderte spielweisen der teams anpassen müssen. sein punkt war, dass es in schnellen umschaltsituationen taktische fouls, auch wenn sie weit weg vom zu verteidigenden tor stattfinden, konsequent mit gelben karten geahndet werden müssen, da es schlüsselsituationen sind, die wenn sie gelingen das gesamte spielfeld öffnen und, auch wenn der weg zum tor noch weit ist, zu torchancen führen. ich sehe zwar nicht, dass das grundsätzlich in der bundesliga ein problem ist, aber: in einem finale, in dem schiedsrichter eine taktik fahren, die inzwischen nicht selten darauf ausgerichtet ist das ganze nicht zu “verpfeifen” bzw. in eine kartenflut zu geraten, die am ende zu gelb/roten karten führt (meine wahrnehmung) wird das zu einem problem. gerade für ein team wie dortmund, welches extrem von diesen umschaltmomenten lebt, kann das in einem ko-spiel sehr nachteilig sein.

    wie seht ihr das?

    • Genau das ist für mich der bei Weitem interessanteste Aspekt der Spielleitung, und natürlich werden wir in der nächsten Podcastfolge ausführlich darauf eingehen. Hier haben wir einen dieser Fälle, bei denen man darüber sprechen muss, ob und wie die Taktik der Mannschaften und die Taktik (und Linie) des Schiedsrichters in Übereinstimmung gebracht werden können. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass es ja offenkundig die Taktik der Bayern war, schnelle Dortmunder Gegenangriffe möglichst frühzeitig zu unterbinden – gegebenenfalls unter Ausnutzung der Linie des Schiedsrichters. Danke dir für den Input, wir werden die Frage genau so mitnehmen.

  21. Hi,
    könnt ihr im nächsten Podcast, bei dem das Pokalfinale sicherlich seinen Platz finen wird auf die Szene Rafinha an Pisczek (65. min) eingehen?
    Nicht das die bei der ganzen Tor/keinTor-Debatte untergeht.
    War immerhin ein potentieller Elfmeter.
    lg

  22. Finde es schade, dass die komplette Medienlandschaft nur über dieses nicht gegebene Tor redet und dabei die Szene 1 Minute zuvor komplett ignorieren. Ja, der Ball war drin. Wäre das Tor gegeben worden, wäre es aber weit schlimmer gewesen. Ein Schiedsrichtergespann kann sich immer mal vertun und die Situation nicht richtig einsehen, aber Regelkunde sollte schon Vorraussetzung sein, um ein Finale zu pfeifen.

    Der Freistoß, der zu der meistdiskutierten Szene der Medien führt, war ein Armutszeugnis für Herrn Meyer. Hojbjerg versuchte an der Seitenlinie an einem Dortmunder vorbei zu gehen und sucht dann den Kontakt, er findet ihn nicht, fällt aber trotzdem zu Boden. Der Ball springt ins Seitenaus. Schiedsrichter Meyer gibt richtigerweise eine gelbe Karte für Hojbjerg, doch dann kam der entscheidende Fehler. Er gibt zusätzlich Freistoß Dortmund!!!!!! Diese Entscheidung ist in jeglicher Hinsicht falsch. Laut FIFA-Regelwerk ist die einzige Strafe für eine Schwalbe die gelbe Karte. Das liegt auch nicht im Ermessensspielraum des Schiedsrichters. Es ist so, als würde man für ein Handspiel im Mittelfeld zum gelb zusätzlich ein Tor geben.

    Mein Fazit der Szene: Lieber eine Fehlentscheidung aufgrund einer Fehleinschätzung, als durch Unwissenheit im Bezug auf die Regeln.

    • Keine Sorge, die Spielfortsetzung (indirekter Freistoß) war völlig korrekt. Siehe Regel 12, »Indirekter Freistoß«: »Außerdem verursacht ein Spieler einen indirekten Freistoß für das gegnerische Team, wenn er nach Ansicht des Schiedsrichters […] ein anderes Vergehen begeht, […] für das die Partie unterbrochen wird, damit der fehlbare Spieler verwarnt […] werden kann.« Dieses andere Vergehen, dessentwegen das Spiel zwecks Verwarnung unterbrochen wurde, lautet: »Simulieren eines Fouls (Schwalbe)«, sprich: unsportliches Betragen. Meyer hat also absolut richtig gehandelt. Vgl. http://www.dfb.de/fileadmin/user_upload/2013/08//Regelheft_2013-14-DFB.pdf (Seite 81)

      • Eine Schwalbe ist aber unter Regel 12 und 13 nicht anzuwenden und der Schiedsrichter darf das Spiel für eine rein disziplinarische Bestrafung nicht unterbrechen. Somit ist die Partie mit Einwurf fort zu setzen.

        • Eine Schwalbe ist ein Vergehen, das in die Rubrik »unsportliches Betragen« fällt und eine Verwarnung nach sich zieht (Regel 12, Auslegung der Spielregeln und Richtlinien der FIFA für Schiedsrichter; siehe Regelheft, Seite 87). Der Schiedsrichter unterbricht die Partie ja gerade, um diese Verwarnung auszusprechen. Und anschließend muss das Spiel genau deshalb – also weil er es unterbrochen hat, um die Gelbe Karte zu zeigen – mit einem indirekten Freistoß fortgesetzt werden (Regelheft, Seite 81 – wie oben bereits zitiert). Einen Einwurf kann es hier deshalb nicht geben.

        • Ok hab es mir nochmal ganz genau durchgelesen. Ich finde es ist echt nicht klar genug abgegrenzt worden im Regelwerk. Der Schiedsrichter kann anscheinend immer indirekten Freistoß geben wenn er einen Spieler verwarnen möchte/muss. Somit kann er ja auch indirekten Freistoß für eine Beleidigung/Tätlichkeit geben. Normalerweise macht das aber kaum ein Schiedsrichter, vor allem nicht, wenn das Spiel eh eine Sekunde später unterbrochen wäre, da der Ball ins aus rollt. Somit hat Meyer im Sinne des Regelwerks gehandelt, da er in dem Bereich arg viel Raum für eigenes Ermessen hat. Finde ich echt schlecht geregelt.

          • Werfen wir mal einen Blick darauf, was in der Regel 12 zum indirekten Freistoß steht:

            Außerdem verursacht ein Spieler einen indirekten Freistoß für das gegnerische Team, wenn er nach Ansicht des Schiedsrichters
            — gefährlich spielt,
            — den Lauf des Gegners behindert,
            — den Torwart daran hindert, den Ball aus seinen Händen freizugeben,
            — ein anderes Vergehen begeht, das nicht bereits in Regel 12 erwähnt wird und für das die Partie unterbrochen wird, damit der fehlbare Spieler verwarnt oder des Feldes verwiesen werden kann.

            Der letztgenannte Punkt ist hier der entscheidende. Man müsste also fragen: Welche anderen Vergehen sind hier denn gemeint? Foulspiele und Handspiele nicht, denn die sind ja in der Regel 12 explizit als Vergehen erwähnt. Gleiches gilt beispielsweise für das gefährliche Spiel, die Behinderung des gegnerischen Laufes, die Hinderung des Torwarts oder ein länger als sechs Sekunden dauerndes Halten des Balles durch den Torwart. Alle diese Vergehen sind im Text der Regel 12 aufgeführt, und der Schiedsrichter unterbricht ihretwegen das Spiel, um es anschließend je nachdem mit einem direkten oder indirekten Freistoß fortzusetzen. (Nach einer Tätlichkeit kann es übrigens nie einen indirekten Freistoß geben: Bei ihr handelt es sich regeltechnisch um ein Stoßen, Schlagen oder Treten, und dafür gibt es einen direkten Freistoß.)

            Nicht im Text der Regel 12 als Vergehen aufgeführt sind unter anderem: das Simulieren einer Verletzung oder eines Fouls, das unerlaubte Betreten und Verlassen des Spielfelds, das Anbringen von unerlaubten Markierungen auf dem Platz – und auch das Reklamieren oder Beleidigen. Diese Verstöße sind gemeint, wenn von »anderen Vergehen, die nicht bereits in Regel 12 erwähnt werden«, die Rede ist (erwähnt werden sie unter »Auslegung der Spielregeln und Richtlinien der FIFA für Schiedsrichter«, aber diese Auslegung gehört nicht zum Regeltext selbst). Sie fallen unter die Rubrik »unsportliches Betragen« und ziehen eine Gelbe Karte nach sich. Der Schiedsrichter unterbricht in diesen Fällen aber nicht wegen der Verstöße als solchen das Spiel (anders also als bei einem Foul- oder Handspiel), sondern er tut es vielmehr, »damit der fehlbare Spieler verwarnt oder des Feldes verwiesen werden kann«, wie es im Regeltext heißt.

            Ausnahme: Die gegnerische Mannschaft ist in Ballbesitz und hat einen Vorteil – dann kann (!) der Schiedsrichter diesen Vorteil gewähren und die Verwarnung in der nächsten Spielunterbrechung aussprechen. Beispiel: Während Mannschaft A den Ball hat und drauf und dran ist, sich eine gute Torchance zu erarbeiten, protestiert ein Spieler der Mannschaft B lautstark gegen den Schiedsrichter. Konsequenz: Vorteil abwarten, Gelbe Karte in der nächsten Spielunterbrechung. Gegenbeispiel: Während Mannschaft B den Ball hat, protestiert ein Spieler dieser Mannschaft lautstark gegen den Schiedsrichter. Konsequenz: Sofortige Spielunterbrechung, um dem Spieler die Gelbe Karte zu zeigen. Spielfortsetzung: Indirekter Freistoß, weil das Spiel unterbrochen worden ist, um den Spieler zu verwarnen.

            Bei der Schwalbe für Höjbjerg hätte es nur dann die Gelbe Karte in der nächsten Spielunterbrechung gegeben, wenn Borussia Dortmund in Ballbesitz gekommen wäre und einen guten Vorteil gehabt hätte. Weil das aber nicht der Fall war, hat Meyer das Spiel sofort unterbrochen und Höjbjerg verwarnt. Dass es hier keinen Einwurf geben konnte, ergibt sich aus dem oben Ausgeführten – und daraus, dass ein Einwurf gegenüber einem indirekten Freistoß keinen Vorteil darstellt.

            Ich weiß, das ist alles etwas kompliziert, aber so geht die regeltechnische Begründung. In der Praxis ist das deshalb nicht so schwierig, weil die Schiedsrichter die Abläufe verinnerlicht und automatisiert haben: Schwalbe? Kurz abwarten, ob der Gegner einen Vorteil hat. Wenn nicht: Pfeifen, Gelb, indirekter Freistoß. Wenn ja: Laufen lassen, Gelb in der nächsten Unterbrechung. Niemand denkt da mehr über die komplexe regeltechnische Begründung für dieses Vorgehen nach.

  23. Hey Alex,
    Ich habe 3 kurze Fragen, die ersten 2 zum Pokalfinale:
    1. War das überhaupt eine Schwalbe von Højbjerg? Meiner Meinung nach, wird er in der Kniekehle getroffen.
    2. Muss Kroos vom Platz fliegen? Er begeht 3-4 gelbwürdige Fouls.

    3. Situation aus meinem B Jugendspiel: Freistoss für Mannschaft A an der Mittellinie. Ein Spieler der Mannschaft B sperrt eindeutig den Ball, indem er sich ca 1m vor ihn hinstellt. Spieler A fordert den SR auf, den Spieler wegzubitten, was dieser aber nicht macht. Darauf hin will Spieler A den Ball in den Strafraum flanken, wobei Spieler A natürlich getroffen wird. Der sR zeigt Spieler A gelb. Hat er hier richtig gehandelt?

    Gruß Dominik

    • Wir werden im Podcast noch ausführlich über das Pokalfinale sprechen, auch über die von dir in deinen ersten beiden Fragen angesprochenen Punkte. Im Moment kommen über die verschiedenen Kanäle (Blog, Twitter, Facebook) immer noch so viele Fragen und Anmerkungen rein, dass es mir einfach zu viel wird, die alle schriftlich zu beantworten, daher der Verweis auf die nächste Folge. Da bitte ich um Verständnis.

      Bei deiner dritten Frage rätsle ich noch ein bisschen, weil zum Schluss nur noch von Spieler A die Rede ist. Ich vermute mal, du meintest, dass Spieler B getroffen worden ist. Falls ich richtig liege: Hatte der Schiedsrichter die Ausführung des Freistoßes blockiert und eine Freigabe per Pfiff angekündigt, aber noch nicht erteilt? Wenn ja, wäre die Gelbe Karte korrekt, weil Spieler A den Freistoß dann zu früh ausgeführt hätte.

      Ich nehme aber an, hier wurde die Ausführung nicht blockiert. Wenn Spieler B tatsächlich nur einen Meter vom Ball entfernt stand, hätte ihn der Schiedsrichter natürlich auf die 9,15-Meter-Distanz bringen sollen, zumal nach der Bitte durch Spieler A. Dass er das nicht getan hat, bedeutet, dass er mit dem (zu) geringen Abstand einverstanden war. Das wäre dann zwar falsch, würde aber trotzdem bedeuten, dass der Freistoß durch Spieler A ausgeführt werden durfte. Sofern Spieler A den Spieler B dann nicht in unsportlicher Weise, also übermäßig heftig angeschossen hat, gab es keinen Grund für eine Gelbe Karte. Da der Schiedsrichter gegen den Abstand nichts einzuwenden hatte, hätte es hier, trotz der Berührung durch Spieler B, einfach weitergehen müssen.

      Korrekt wäre es aber eigentlich gewesen, die Ausführung des Freistoßes zu blockieren, Spieler B auf den vorgeschriebenen Abstand zu bringen und den Freistoß dann durch einen Pfiff freizugeben.

  24. Sorry für die Fehler, du hast die Situation aber richtig gedeutet, danke dafür!

    Eine Frage hätte ich aber noch zum Euro League Finale:
    Bei dem Elfmeter von Cardozo bewegt sich der TW eindeutig (!) zi früh von der linie. Dieser hätte laut Regelwerk doch wiederholt werden müssen oder? Wie können 6 Schiedsrichter dass übersehen?

    • Ich habe bis heute nicht die leiseste Ahnung, wieso Perl das Tor gegeben hat. Der Arm war oben, also war’s ein indirekter Freistoß. Und berührt hat den Ball auch kein Spieler mehr. Damit hätte es eigentlich Abstoß geben müssen. Mir ein Rätsel, wie das geschehen konnte.

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